18.01.2019 | ca. 8 min. Lesezeit | Artikel drucken

Aktiv gegen passiv: ETF-Portfolios schneiden in allen Marktphasen besser ab

Passive Fonds-Portfolios schneiden deutlich besser ab als aktiv gemanagte Portfolios. Eine wissenschaftliche Studie liefert dafür erstmals eine „überwältigende Beweislage“. Die Outperformance von ETF- und Indexfonds-Portfolios nimmt mit der Länge des Untersuchungszeitraums zu. 

Für alle Privatanleger oder die, die es in naher Zukunft werden wollen, ist eine Studie* erschienen, die eine deutlich bessere Wertentwicklung (Outperformance) von passiven Fonds-Portfolios in allen Marktphasen belegt. Für ein besseres Verständnis ist es hilfreich, vorher einige Fachbegriffe genauer zu erläutern.

Was ist aktives Fondsmanagement?

Man unterscheidet zwischen passiven und aktiv gemanagten Investmentfonds. Bei aktiv gemanagten Fonds entscheidet ein Fondsmanager darüber, in welche Wertpapiere der Fonds auf dem Aktienmarkt investiert. Die Auswahl der Wertpapiere richtet sich nach einer vorher festgelegten Anlagestrategie. Dabei kann es sich um einen reinen Aktienfonds, einen Anleihenfonds (Rentenfonds) oder einen Mischfonds handeln. Der Fondsmanager ist davon überzeugt, mit seinen eigens ausgewählten Wertpapieren auf dem Aktienmarkt (der Anleihenmarkt) langfristig besser abzuschneiden als der Markt, also eine Überrendite zu erzielen. Dafür verlangen die Fondsmanager hohe Gebühren von durchschnittlich 2,26 % p.a.* für Mischfonds.

Was sind passive Investmentfonds?

Bei passiven Anlagestrategien handelt es sich um börsengehandelte Exchange Traded Funds (ETF) oder Indexfonds. Die heißen so, weil sie einen Index abbilden, wie z.B. den Deutschen Leitindex DAX oder den US-Amerikanischen Aktienindex S&P 500. ETFs sind darüber hinaus im Gegensatz zu aktiven Investmentfonds börsentäglich handelbar.

Sowohl bei ETFs als auch bei Indexfonds gibt es keinen aktiven Fondsmanager. Der Fonds enthält im gleichen Anteil die Wertpapiere, wie sie auch im Index am Aktienmarkt enthalten sind. Deshalb sind die Kosten von ETFs oder Indexfonds wesentlich niedriger als die von Robo-Advisor – die eine automatisierte Vermögensverwaltung auf Basis von ETFs anbieten – oder aktiv gemanagten Fonds:

Der Kostenvorteil von WeltInvest im Vergleich zu Robo Advisor und aktiv gemanagten Mischfonds.
Der Kostenvorteil von WeltInvest (ETF-Portfolio) im Vergleich zu Robo Advisor und aktiv gemanagten Mischfonds.

 

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Aktiv vs. Passiv: Was ist besser?

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die meisten aktiv gemanagten Fonds den Gesamtmarkt langfristig nicht schlagen können. Die Gründe dafür liegen hauptsächlich in den höheren Gebühren: Wer in einer Bankfiliale aktiv gemangte Investmentfonds kauft, muss noch einen Ausgabeaufschlag von meist 5 % der Anlagesumme bezahlen. Das bedeutet, bei einer Investition von 10.000 EUR werden tatsächlich nur 9.500 EUR in Wertpapiere investiert. Neben dieser einmaligen Gebühr werden die oben erwähnten jährlichen Gebühren von durchschnittlich 2,26 % p.a. fällig.

Um die Kosten zu kompensieren, müssen sich die Wertpapiere in einem aktiv gemanagten Fonds überdurchschnittlich gut entwickeln, um die Marktrendite zu übertreffen. Doch es ist keinesfalls garantiert, dass aktive Fondsmanager tatsächlich die besten Wertpapiere auswählen. Oftmals orientieren sie sich ebenfalls an einem Index und unterscheiden sich in ihrer Anlagestrategie kaum von passiven Investmentfonds, die den Gesamtmarkt abbilden. Zudem müssen Bankberater oft die hauseigenen Fonds anbieten, unabhängig von ihrer Wertentwicklung.

Daher konnten ETFs in den vergangenen 15 Jahren ihre Zuflüsse Jahr für Jahr steigern:

Globales Wachstum von ETFs

Wozu dienen Fonds-Portfolios?

Investmentfonds sind beliebte Anlageprodukte, weil sie mehrere Anlageklassen und Regionen in einem Wertpapierkorb bündeln und daher das Risiko streuen. Die Aufteilung des Anlagekapitals auf mehrere Investmentfonds – also ein Fonds-Portfolio – verstärkt diesen Effekt der Diversifikation.

Aktiv gegen passiv: Welche Fonds-Portfolios performen besser?

Eine aktuelle Studie von den Finanz-Analysten Rick Ferri und Alex Benke mit dem Titel „A Case for Index Fund Portfolios“ belegt erstmals auch den Vorteil passiver Investment-Portfolios gegenüber aktiv gemanagten Fonds-Portfolios. Für ihre Untersuchung bedienen sich die Forscher einer Datenbank der Chicago Booth School of Business. Diese berücksichtigt Fonds zwischen 1997 bis 2012 und vor allem auch solche, die aufgrund schlechter Wertentwicklung liquidiert oder miteinander verschmolzen werden mussten. Dadurch wird sichergestellt, dass nicht nur die erfolgreichen aktiven Fonds in die Untersuchung mit einfließen und das Ergebnis verzerren.

Die Autoren vergleichen mithilfe der Datenbank ein Portfolio aus 3 ETFs/Indexfonds – die zu 60 % in US- und globalen Aktien und zu 40 Prozent in US-Anleihen (Renten) investieren –  mit 5.000 möglichen Portfolios aus 3 aktiven Investmentfonds mit der gleichen Allokation. Die große Mehrheit (83 %) der aktiven Fonds-Portfolios schneidet schlechter ab als das Vergleichs-Portfolio mit den 3 ETFs/Indexfonds.

Die zweite Untersuchung konzentriert sich auf Nischenmärkte. Die Autoren gehen von der Hypothese aus, dass aktiv gemanagte Fonds in nicht effizienten Märkten aufgrund einer spezifischen Wertpapier-Selektion besser abschneiden könnten. Doch in 90 % der Fälle entwickelt sich das passive Portfolio besser als die 5.000 aktiven Vergleichs-Portfolios.

„Indexfonds schneiden mit höherer Wahrscheinlichkeit besser ab als aktiv gemanagte Fonds, wenn sie in einem Portfolio zusammengefasst werden“ (A Case for Index Fund Portfolios, 2017, PDF/Englisch)

Sind ETF-Portfolios in allen Marktphasen besser?

Ein Argument, welches oft für aktiv gemanagte Investmentfonds angebracht wird, ist ihr Risikomanagement. Aktive Fondsmanager könnten in fallenden Märkten Verluste reduzieren, während bei Anlagestrategien mit ETFs und Indexfonds der Abschwung ungebremst in Kauf genommen werden müsse. Doch auch diese Hypothese wird von der Untersuchung widerlegt. Das Erstaunliche daran: Die Portfolios aus ETFs und Indexfonds waren in jedem Zeitraum überlegen. Die Outperformance (Überrendite) nimmt mit der Länge des Untersuchungs-Zeitraums sogar zu. In die Analyse der Studie fallen auch die beiden großen Finanzmarkt-Krisen in den Jahren 2000 und 2008.

„Die Wahrscheinlichkeit der Outperformance von Indexfonds-Portfolios steigt, wenn der Untersuchungszeitraum von 5 auf 15 Jahre erweitert wird“ (A Case for Index Fund Portfolios, 2017)

Führt mehr Diversifikation zu anderen Ergebnissen?

Die Autoren untersuchen als eine weitere Variable die Diversifikation. Dazu vergleichen sie Portfolios, die zwei oder mehrere Fonds in einer Anlageklasse – z.B. mehrere Aktienfonds oder mehrere Rentenfonds – enthielten. Doch je mehr aktiv gemanagte Fonds einer Anlageklasse in dem untersuchten Portfolio enthalten waren, desto schlechter fiel das Ergebnis für die Fondsmanager aus.

„Die Wahrscheinlichkeit der Outperformance von Indexfonds-Portfolios steigt, wenn 2 oder mehrere aktiv gemanagte Fonds pro Anlageklasse im Portfolio enthalten sind.“ (A Case for Index Fund Portfolios, 2017)

Von diesem Ergebnis sind sogar die Autoren überrascht: „Diese Studie vertieft die Beweislage, dass ein Portfolio ausschließlich aus Indexfonds schwer zu besiegen ist.“ Die einzig übrig bleibende Aufgabe bestehe darin, einen einfachen und kostengünstigen Weg dahin zu finden.

 

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Ergebnis: „Überwältigende Beweislage“ für ETF-/Indexfonds-Strategien

Mit ihrer Studie können die Autoren die Erfahrungen von Investoren replizieren, die zum Zeitpunkt ihrer Investition noch nicht wissen konnten, welche Fonds gut und welche nicht gut abschneiden würden. „Die Wahrscheinlichkeit der Outperformance mithilfe der einfachsten Indexfonds-Portfolios startete im 80. Perzentil und stieg mit dem Anlagezeitraum. Ein breiter diversifiziertes Portfolio mit mehreren kostengünstigen Indexfonds steigerte die Zahl in die Nähe des 90. Perzentils. Aus ihren Ergebnissen leiten die Autoren eine „überwältigende Beweislage“ für Portfolios aus günstigen ETFs und Indexfonds zu jeder Zeit ab und schlussfolgern:

Diese Resultate haben signifikante und praktische Auswirkungen für Investoren, die nach einer Strategie suchen, die ihnen die besten Möglichkeiten gibt, ihr Investment-Ziel zu erreichen.“

Zu welcher Kategorie gehört WeltInvest?

WeltInvest ist ein global diversifiziertes Portfolio mit ETFs und Indexfonds von Vanguard und damit eine passive Geldanlage. Die Gesamtkosten betragen 0,49 % p.a. und liegen damit deutlich niedriger als bei aktiv gemanagten Mischfonds ( Ø 2,26 %). Mit WeltInvest können Privatanleger ihre Aktienquote selbst bestimmen und langfristig ein Vermögen aufbauen. Eine Übersicht, welche ETFs und Indexfonds in WeltInvest enthalten sind und in welche Sektoren Sie investieren, finden Sie hier:

Diese ETFs stecken in WeltInvest

Auswahl der untersuchten Fonds

Die Autoren verwendeten für alle Szenarien ausschließlich investierbare und verfügbare Investmentfonds. Die Auswahl der ETFs und Indexfonds fiel auf diejenigen mit der längsten Performance-Historie in jeder Kategorie. Vanguard-Fonds wurden besonders oft ausgewählt, weil der US-Anbieter Indexfonds zuerst für den Massenmarkt zugänglich gemacht hat und den längsten Track-Record vorweisen kann.

 

*In der Studie wird überwiegend von Indexfonds gesprochen. Die Autoren verwenden diesen Begriff aber „in der traditionellen Bedeutung für kostengünstige, breit diversifizierte und dem Markt folgende Fonds oder Exchange Traded Funds (ETF), nach Marktkapitalisierung gewichtet“.

**WeltSparen, eigene Berechnungen

Quelle: Ferri / Benke (2017): „A Case for Index Fund Portfolios – Investors holding only index funds have a better chance for success“ (Whitepaper).

 

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Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Der Wert der vermittelten ETF und Indexfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen und folgenden Risiken: 1. Allgemeine Risiken von Kapitalanlagen (wie Konjunkturrisiko, Zinsänderungsrisiko), 2. Wertpapierspezifische Risiken (wie Aktienkursrisiko, Bonitätsrisiko), 3. Spezielle Risiken von Anlagen in Investmentfondsanteile, 4. Spezielle Risiken von Anlagen in ETFs und Indexfonds, 5. Spezielle Risiken bei der Abwicklung von Wertpapieraufträgen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Risiken finden Sie hier.