ETF: Vorteile und Nachteile börsengehandelter Indexfonds
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Exchange Traded Funds (ETFs) sind die Gewinner der Finanzkrise. Während vielen aktiv gemanagten Fonds vor etwas mehr als zehn Jahren die Puste ausging, flogen passiv verwalteten börsengehandelten Indexfonds mehr und mehr die Herzen zu. Zu verdanken haben sie dies vor allem einer Eigenschaft: Sie sind transparent und kosteneffizient.
Der erste Indexfonds war noch ein elitäres Konstrukt. In den frühen 70er Jahren des 20. Jahrhunderts bündelte die US-Bank Wells Fargo alle an der Börse von New York handelbaren Titel in einem Produkt. Kaufen konnten den neu entstandenen Fonds aber ausschließlich institutionelle Investoren. Den ersten frei an der Börse handelbaren Indexfonds gab es erst Jahre später, in den 90er Jahren.
In Deutschland kam der erste ETF im April 2000 an der Frankfurter Börse auf den Markt. Die ersten neuen Fonds waren der EURO STOXX 50 und der STOXX Europe 50, die die Wertentwicklung unterschiedlicher Teile des europäischen Aktienmarktes abbilden. Und dann verbreiteten sich ETFs wie ein Lauffeuer. Heute sind ETFs europaweit und weltweit etabliert – mehr als 900 Milliarden Euro stecken in den börsengehandelten Indexfonds.
Das zu ETFs rundherum – aber was macht ETFs so beliebt? Welche Vorteile haben sie? Und welche Nachteile stehen auf der anderen Seite?
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Vorteile: Was zeichnet ETFs aus?
- Transparenz: Weil sich ETFs an bestehenden Indizes orientieren und diese passiv nachbilden, weiß man jederzeit, wie sie sich zusammensetzen. Zumindest ist das dann der Fall, wenn sie die physische Replikation nutzen. Bei der synthetischen Replikation ist das nicht so einfach nachvollziehbar, weil mit dem abzubildenden Index ein Renditetausch mittels Derivaten stattfindet.
Anders verhält es sich bei aktiven Investmentfonds. Dort weiß man als Anleger normalerweise nicht zu jedem Zeitpunkt, welche Titel zu welchen Anteilen vertreten sind. Denn die Fondsgesellschaften teilen derartige Informationen meist nur zu bestimmten Stichtagen und nicht tagesaktuell mit.
- Jederzeit handelbar: Für ETFs spricht deren hohe Liquidität am Markt. Anleger können sie jederzeit an der Börse kaufen und verkaufen. Das ist wichtig, falls man seine Wertpapiere schnell zu Geld machen will. Bei herkömmlichen aktiven Investmentfonds benötigt der Verkauf mehr Zeit. Hier gibt man seine Anteile in der Regel an die Fondsgesellschaft zurück. Bis man dann das Geld auf dem eigenen Konto sieht, können schon mal ein paar Tage mehr vergehen als bei einem Verkauf von ETFs. Noch einmal anders sieht es etwa bei aktiven Immobilienfonds aus. Hier herrschen Haltefristen vor, weshalb man die Anteile ohnehin erst nach Ablauf einer bestimmten Zeitspanne wieder verkaufen kann.
- Effiziente Kostenstruktur: Bei Immobilien heißt es „Lage, Lage, Lage“, bei aktiven Fonds wie auch passiven Indexfonds wiederum „Gebühren, Gebühren, Gebühren“. Denn die machen bezüglich der Rendite einen ordentlichen Unterschied. ETFs bestechen in zweierlei Hinsicht durch ihre sehr effiziente Kostenstruktur, vor allem, wenn man sie und aktive Fonds miteinander vergleicht.
- Zum einen braucht man beim Kauf von ETFs keinen Ausgabeaufschlag zu bezahlen, weil man sie an der Börse erwirbt. Bei aktiven Investmentfonds fallen schon einmal bis zu 5,00 % der Investitionssumme an.
- Zum anderen bewegen sich die laufenden Gesamtkosten bei ETFs in ganz anderen Bereichen als bei aktiven Fonds. Im ETF Robo fallen beispielsweise nur Gesamtkosten von durchschnittlich 0,48 % im Jahr. Beim ETF Configurator sind es sogar nur 0,43 % im Jahr zuzüglich Fondskosten. Die laufenden Gesamtkosten für aktive Mischfonds umfassen etwa 2,26 % im Jahr. Warum ETFs so kosteneffizient sind, erfahren Sie weiter unten (Wie viel mehr Rendite können ETFs einbringen?).
- Diversifikation: In einem Punkt unterscheiden sich ETFs nicht von Fonds – nämlich in ihrer Diversifikation, also darin, wie sie das Risiko durch Aufnahme vieler verschiedener Wertpapiere streuen. Je mehr verschiedene Titel in einem aktiven Fonds wie auch in einem ETF enthalten sind, desto mehr nimmt das Risiko ab. Der Vorteil dahinter ist, dass man als Anleger diese Diversifikation nicht mehr selbst vorzunehmen braucht, indem man etwa all die enthaltenen Wertpapiere einzeln kauft. Das würde hinsichtlich der Transaktionskosten ohnehin sehr teuer werden, denn in einem ETF können schon mal weit mehr als 1.000 Titel enthalten sein.
- Absicherung vor Insolvenz: Rechtlich betrachtet, stellen ETFs einen Teil des Sondervermögens der dahinterstehenden Fondsgesellschaften dar. Das bedeutet, dass diese das Geld separat vom eigenen Vermögen zu verwahren haben. Sollte eine Gesellschaft insolvent werden, hätte dies keinen Einfluss auf das Sondervermögen. Das Geld der ETF-Anleger ist abgesichert, auch für den Fall einer Zahlungsunfähigkeit.
Vertieft:
Wie viel mehr Rendite können ETFs einbringen?
Gehen wir noch einmal mehr auf den Unterschied zwischen aktiven Fonds und ETFs ein. Im Wesentlichen unterscheiden sie sich hinsichtlich dessen, wie sie verwaltet werden. Während bei aktiven Fonds hinter allen Investitionen ein Fondsmanagement sitzt, das versucht, den Markt zu übertreffen, arbeiten ETFs automatisiert. Sie bilden mithilfe der physischen oder synthetischen Replikation einen bestehenden Index nach und möchten so eine sehr ähnliche Rendite wie der Index selbst erreichen.
Das wirkt sich auf die Kosten aus. Aktiv gemanagte Investmentfonds rufen durchschnittlich 2,26 % Gebühren im Jahr auf. Das kommt insbesondere durch das Fondsmanagement zustande. Passive ETFs und Indexfonds rufen wiederum deutlich niedrigere Kosten auf – so umfassen die Gesamtkosten des ETF Robo nur 0,48 % im Jahr.
Stellen wir beide nebeneinander:
- Monatliche Investition: 150 €
- Anlagedauer: 24 Jahre
- Durchschnittliche Rendite: circa 5,00 % p. a.
- ETF und Fonds sind beide thesaurierend, sie reinvestieren erzielte Renditen also immer wieder, statt sie auszuzahlen.
Fonds mit durchschn. Gebühren von 2,26 % p. a. | ETF mit durchschn. Gebühren von 0,48 % p. a. | |
---|---|---|
Kontostand nach 1 Jahr | 1.825,84 € | 1.843,57 € |
Kontostand nach 6 Jahren | 11.710,16 € | 12.382,80 € |
Kontostand nach 12 Jahren | 25.418,71 € | 28.507,64 € |
Kontostand nach 18 Jahren | 41.466,74 € | 49.505,35 € |
Kontostand nach 24 Jahren | 60.253,45 € | 76.848,47 € |
Selbst-Investitionen | 43.200 € | 43.200 € |
Erzielte Rendite | 17.053,45 € | 33.648,47 € |
Auffallend ist bei der Tabelle vor allem, dass sich die Rendite erst in den späteren Jahren immer deutlicher unterscheidet. In den ersten Jahren sind die Unterschiede wiederum kaum zu bemerken. Am Ende der 24 Jahre kann man festhalten: Unter gleichen Bedingungen hinsichtlich der Rendite erzielte der ETF mit 33.648,47 € statt nur 17.053.45 € ein fast doppelt so gutes Ergebnis wie der aktive Fonds.
Sie möchten auch von den sehr kosteneffizienten 0,48 % Gebühren im Jahr profitieren? Dann sehen Sie sich die Portfolios an. Beim ETF Robo können Sie aus vier verschiedenen Portfolios mit verschiedenen Risikoklassen wählen. Sie unterscheiden sich darin, wie hoch die prozentualen Anteile an Aktien und Anleihen sind.
Unser ETF Robo Angebot
Eine Alternative für Anleger, die ihre eigene Anlagestrategie verfolgen, ist der ETF Configurator. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihr eigenes ETF-Portfolio zusammenzustellen. Dabei können Sie aus über 200 ETFs wählen und die Aktiengewichtung selbst bestimmen. Bis zu 10 Fonds können Sie aus den einzelnen Kategorien auswählen und so in unterschiedliche Länder, Branchen und Unternehmen investieren – zum Beispiel auch nur in nachhaltige Fonds!
Ein weiterer Vorteil des ETF Configurators ist die Flexibilität bei den Ein- und Auszahlungen: Sie können sowohl eine Einmalzahlung einrichten als auch einen Sparplan. Die Zahlungen können Sie außerdem jederzeit kostenlos anpassen oder sogar pausieren. Die Wiederanlage von Erträgen ist auch kein Problem – sie ist bereits in den Kosten enthalten. Die Verwaltungsgebühr des ETF Configurators beträgt 0,43 % zuzüglich Fondskosten im Jahr.
Haben ETFs auch Nachteile?
- Herdentrieb: ETFs werden immer beliebter. Mittlerweile ist ihr Volumen so groß, dass sie Kursbewegungen an der Börse verstärken können. Kommt es beispielsweise zu Kursabfällen bei den in den Indizes enthaltenen Titeln, dann kann es passieren, dass sie den Abwärtstrend durch den Verkauf ihrer Anteile am ETF beschleunigen. Verkauft man als Anleger in solch einer Phase, geht dies mit Verlusten einher. Das ist aber nicht nur bei ETFs so: Viele aktiv gemanagte Fonds folgen zu großen Teilen auch einem Index und weichen nur geringfügig davon ab, weswegen es auch bei den traditionellen Fonds solche Schwankungen gibt.
- Wechselkursrisiko: Bei ETFs ist man keinesfalls auf den Heimatmarkt beschränkt, sondern kann weltweit in verschiedene Indexfonds investieren. Sind andere Währungen als der Euro im Spiel, sind beim Kauf und Verkauf von Anteilen die Wechselkurse zwischen Euro und der anderen Währung zu beachten. Sie können sich Rendite-stärkend wie auch Rendite-mindernd auswirken. Beim ETF Robo sind manche der enthaltenen ETFs in US-Dollar notiert.
- Keine Kurzfrist-Investition: Zwar ist einer der Vorteile von ETFs, dass man sie jederzeit kaufen und verkaufen kann. Jedoch ist auch zu beachten, dass ETFs für eine Anlagedauer von mehreren Jahren geeignet sind. Ein vorschnelles Abstoßen der Anteile bei kleinsten Kursentwicklungen kann sich Rendite-mindernd auswirken. Wenn man die Anteile wiederum über mehrere Jahre hält, kann sich das – insbesondere bei thesaurierenden, also Rendite-reinvestierenden ETFs – umso positiver auswirken.
- Tracking-Differenz: Dieses Phänomen tritt insbesondere bei physisch replizierenden ETFs auf, die ihren Index also entweder samplen (nur die wesentlichen Titel des Index kaufen) oder eins zu eins komplett nachbilden. Verändert sich der Index hinsichtlich seiner Titel und deren Gewichtungen, hat der ETF nachzuziehen. Dabei entstehen Transaktionskosten – einer der wesentlichen Gebührenpunkte bei ETFs. Werden die Kosten zu hoch, kann sich der Wert des ETFs anders als der des Index entwickeln.
Doch die Differenzen können noch mehr Gründe haben.
Beim Samplen sind die Unterschiede beispielsweise kaum zu vermeiden, weil nicht alle Wertpapiere des Index auch im ETF enthalten sind.
Bei ausschüttenden ETFs kommen noch Barbestände bis zum Auszahlen dazu, die sich auf die Differenz auswirken können.
Ein dritter Punkt kann die Wertpapierleihe sein. Mitunter optimieren ETF-Anbieter die Einnahmenseite, indem sie Wertpapiere an Großinvestoren verleihen. Diese Einnahmen können sich positiv auf die Differenz auswirken. Hinter der Wertpapierleihe steht das Prinzip, dass die leihenden Investoren innerhalb des Leihzeitraums durch den Verkauf und Kauf der Wertpapiere Gewinne erzielen.
Bei synthetischen ETFs – also Swap-ETFs – sind es die potenziellen Rendite-Differenzen, zu denen es beim Renditetausch kommen kann. Mehr dazu lesen Sie im Artikel zu den Swap-ETFs.
Fazit
ETFs und Indexfonds weisen viele Vorteile auf. Sie sind unter anderem sehr transparent, diversifiziert, man kann ETFs jederzeit an der Börse kaufen und verkaufen und sie sind sehr kosteneffizient. Zwar kann der Herdentrieb zu einem echten Nachteil werden, aber auch volumenstarke aktive Fonds sind davon nicht befreit. Wer in Investmentfonds investiert, kennt die Risiken und weiß, dass es zu Verlusten kommen kann. Faktoren wie das Wechselkursrisiko sind indes nur für Anleger relevant, die Anlagen in Fremdwährungen besitzen. ETFs eignen sich für Anleger mit einem langen Anlagehorizont, die kosteneffizient investieren möchten und sich ihrer Risikobereitschaft bewusst sind.
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