01.06.2018 | ca. 10 min. Lesezeit | Artikel drucken

Investitionen mit Durchblick – Wie funktioniert ein ETF?

ETFs sind leicht verständlich, transparent und kostengünstig. Deswegen sind sie auch bei Privatanlegern stark im Aufwind. Vor einer Investition sollten sich Anleger aber mit den Grundlagen und der Funktionsweise der passiven Investmentfonds vertraut machen.

Es gibt zahlreiche gute Gründe für eine Investition am Kapitalmarkt und es gibt wichtige Grundsätze, die vor einer Investition beachtet werden sollten. Doch spätestens nachdem das „Warum“ und das „Wie“ geklärt sind, sollten sich Anleger mit den wichtigsten Bausteinen der Geldanlage beschäftigen – in den vergangenen zehn Jahren waren das ETFs. Sie gehören zu den beliebtesten Anlageprodukten, weil sie leicht verständlich sind und gleich mehrere Grundsätze des Investierens vereinen.

Was ist ein ETF?

Die Abkürzung ETF steht für Exchange Traded Fund und bezeichnet Investmentfonds, die an der Börse gehandelt werden. Mit dieser Fonds-Kategorie, die 1993 in den USA zuerst zugelassen wurde, können Investoren mithilfe eines Index in unterschiedliche Märkte investieren, wie z.B. den deutschen Leitindex DAX oder den US-Index S&P 500, aber auch in Anleihen-Indizes oder Rohstoffe. Die Ersteinführung von ETFs erfolgte in Deutschland am 11. April 2000. Seit der Jahrtausendwende steigt das Volumen des globalen ETF-Marktes kontinuierlich und übertraf zu Jahresbeginn 2018 erstmals die Marke von fünf Billionen US-Dollar (etwa 4,18 Billionen Euro), belegen Zahlen des Londoner Analysehauses ETFGI. In den vergangenen Jahren beschleunigte sich das Wachstum: ETFs konnten 48 Monate in Folge Nettozuflüsse verzeichnen. Sie sind nicht länger nur für professionelle und institutionelle Investoren, sondern immer mehr auch für Privatinvestoren eine interessante Anlagemöglichkeit.

Der Erfolg der ETFs ist vor allem dadurch zu erklären, dass sie sich von klassischen Investmentfonds in drei Merkmalen deutlich unterscheiden: Sie sind wesentlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds,  transparent und sehr liquide, d.h. sie können wie Aktien an der Börse gehandelt werden. Darüber hinaus bündeln sie alle Vorteile von Investmentfonds.

 

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Globales Wachstum von ETFs

Was ist ein offener Investmentfonds?

Investmentfonds bündeln Kapital von mehreren Investoren, die ein gemeinsames Anlageziel verfolgen, z.B. die Investition in Immobilien, Aktien oder Anleihen. Je mehr Investoren Kapital bereitstellen, desto größer sind auch die Investitionen, die der Fonds eingehen kann. Je größer das Fondsvolumen, desto niedriger sind die prozentualen Gebühren des Fonds. Neben diesen Skaleneffekten können sich Investoren auch Zugang zu sonst illiquiden Anlagemöglichkeiten verschaffen, wie z.B. große Frachtschiffe oder Flugzeuge.

Investmentfonds werden als „offen“ bezeichnet, weil Anleger jeder Zeit Anteile kaufen und meist täglich auch wieder verkaufen können (eine Ausnahme stellen Immobilienfonds dar). Bei traditionellen, offenen Investmentfonds gibt es ein Fondsmanagement, welches für die Entwicklung der Anlagestrategie, die Auswahl der zu investierenden Anlageklassen und die Beobachtung der Märkte zuständig ist. Diese Fonds werden deshalb auch als aktiv gemanagte Investmentfonds bezeichnet. Investoren müssen sich nicht selbst um die Einhaltung der Anlagestrategie kümmern.

Der Nachteil: Das Fondsmanagement verlangt für diese Dienstleistung hohe Gebühren, die an der Rendite zehren. Dazu gehört vor allem eine einmalige Gebühr auf die Ausgabe der Fondsanteile – auch Ausgabeaufschlag genannt – von meist fünf Prozent der Anlagesumme. Hinzu kommen jährliche Gebühren von durchschnittlich 2,26 % bei europäischen Mischfonds, wie Daten von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) belegen. Im Gegensatz dazu liegen die laufenden Kosten von ETFs bei etwa 0,1 bis 0,5 % p.a..

Was bestimmt den Wert eines Fonds?

Der Wert eines Fonds ist die Summe aller bewerteten Vermögensgegenstände abzüglich sämtlicher Verbindlichkeiten, auch Nettoinventarwert genannt (NAV). Anleger können für ihr Kapital Fondsanteile erwerben. Der Preis für einen Fondsanteil ist der NAV geteilt durch die die Anzahl der ausgegebenen Fondsanteile und wird von der Fondsgesellschaft berechnet.

Wie unterscheiden sich Markt, Index und Benchmark?

Als Markt wird im Kontext von Investmentfonds nicht nur der Aktienmarkt als Gesamtheit, sondern oft synonym auch ein Teil dieses Marktes bezeichnet, in dem eine Gruppe von Aktien zusammengefasst wird – auch  Index genannt. Einem Index gehören Aktien an, die nach bestimmten Kriterien, z.B. anhand ihrer geographischen Heimat, Sektorenzugehörigkeit oder Marktkapitalisierung, ausgewählt werden. Aktive Investmentfonds setzen sich zum Ziel, die Performance eines bestimmten Index – auch als Benchmark bezeichnet – zu übertreffen. Obwohl es tatsächlich Fondsmanager gibt, die dieses Ziel erreichen, gelingt dies nur einem kleinen Bruchteil der aktiven Fonds über einen langen Zeitraum. Das belegt eine Studie des Analysehauses Morningstar. Nur etwa 20 Prozent aller Aktienfonds schlagen ihren Vergleichsindex über einen Zeitraum von zehn und 15 Jahren. Auch über einen Zeitraum von fünf Jahren konnte nur jeder dritte aktiv gemanagte Fonds seinen Index übertreffen.

Warum sollten Anleger also hohe Gebühren für langfristige Investitionen zahlen, die am Ende wahrscheinlich nicht besser abschneiden werden, als der Index? Bei Indexfonds und ETFs gibt es kein Fondsmanagement, weswegen diese Fonds auch als passive Investmentfonds bezeichnet werden. Sie eignen sich als langfristiges Investment für Anleger, die eine kostengünstige Möglichkeit suchen, vom Aufwärtstrend am Kapitalmarkt zu profitieren.

Die wichtigsten Aktienindizes der Welt

Die wichtigsten Aktienindizes rund um den Globus.
Neben dem DAX gibt es noch den Technologie-Index TecDax sowie einen Index auf unternehmen mittlerer (MDAX) und kleiner Marktkapitalisierung (SDAX).

Indexfonds und ETFs – Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Die Begriffe Indexfonds und ETF werden oft synonym verwendet. Es gibt zwar viele Gemeinsamkeiten, aber eben auch gravierende Unterschiede zwischen diesen beiden Fondsarten. Ein Indexfonds folgt einem Aktien- oder Anleihenindex oder einem Rohstoffpreis. Indexfonds sind jedoch nicht untertäglich an Wertpapierbörsen handelbar. Ihr NAV wird nur einmal pro Tag anhand der Schlusskurse der im Fonds enthaltenen Anlagen festgestellt. Zu diesem Preis können Anleger die Indexfonds von der Fondsgesellschaft selbst über ihre Bank kaufen oder an diese verkaufen.

Die Replikation von Indexfonds ist immer physisch. Das bedeutet, dass die Wertpapiere in dem Index auch tatsächlich im Fonds enthalten sein müssen. Das muss nicht immer so sein, was am Beispiel von ETFs erklärt werden kann.

Eine weitere Art der Indexnachbildung erfolgt über den Kauf und Verkauf von Derivaten. Diese Art der Replikation nennt man synthetisch, weil die Wertpapiere des Index in diesem Fall nicht im ETF enthalten sein müssen. Der ETF schließt dabei einen Vertrag mit einem Finanzinstitut ab, das sich gegen eine Gebühr dazu verpflichtet, dem ETF die Indexrendite zu liefern. Die Anlegergelder eines synthetischen ETFs sind in einem Wertpapierkorb investiert, der als Sicherheit für das Tauschgeschäft dient.

Schutz vor Missbrauch: Anlegerkapital ist Sondervermögen

Das von den Investoren eingesammelte Kapital und die damit angeschafften Vermögensgegenstände werden Sondervermögen genannt. Die Verwaltung dieses Sondervermögens muss getrennt von dem Vermögen der Kapitalanlagegesellschaft (KAG) aufbewahrt werden. Diese strikte Trennung schützt die Anleger vor Verlusten bei der KAG. Auch bei einer Insolvenz der Gesellschaft darf das Vermögen der Anleger nicht angetastet werden. Damit ist das Emittentenrisiko bei Investmentfonds ausgeschlossen.

Im Gegensatz zu Indexfonds sind ETFs nicht nur über die Fondsgesellschaft handelbar (Primärmarkt), sondern wie Aktien auch über die Börse (Sekundärmarkt). Gängige Handelsplätze sind Xetra, die Börse Frankfurt oder auch die Börse Stuttgart. Anteile können beliebig oft von Anlegern ge- oder verkauft werden.

Die Handelbarkeit (Liquidität) ist ein wichtiger Unterschied für die Preisbildung von ETFs. Alle an der Börse gehandelten Wertpapiere unterliegen aufgrund von Angebot und Nachfrage ständigen Schwankungen. Die Wertschwankungen wirken sich auch auf ETFs aus. Das hat zur Folge, dass die börsengehandelten Indexfonds an unterschiedlichen Wertpapierbörsen zu leicht voneinander abweichenden Preisen gehandelt werden können. Der Mechanismus, mit dem sich professionelle Händler diesen Preisunterschied zu Nutze machen, nennt man Arbitrage.

Das sind die 5 größten ETF-Anbieter

Die fünf größten ETF-Anbieter heißen BlackRock, Vanguard, State Street, Invesco und Charles Schwab und kommen aus den USA. Allein diese fünf Gesellschaften verwalten etwa 90 Prozent des Gesamtvolumens im globalen ETF-Markt. Schon die größten drei verwalten über 82 Prozent des Volumens und über 70 Prozent aller weltweiten ETF-Assets (Stand: August 2017). Durch diese Marktdominanz können die Gesellschaften die Gebühren für ihre ETFs auf einem sehr niedrigen Niveau halten. Das betrifft vor allem ETFs auf Indizes in den USA, anderen entwickelten Industrienationen, den Schwellenländern und auf US-Dollar und Euro denominierte Anleihen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg nennt diesen Preis-Kampf „Core Wars“, weil es sich bei diesen Marktregionen um „Kernmärkte“ handelt, die auch von institutionellen Investoren als Basis-Investitionen genutzt werden. Die tiefen Preise setzen nicht nur ein deutliches Signal an die Konkurrenz, sondern ermöglichen es den Gesellschaften auch ihre Skaleneffekte zu maximieren und noch mehr Marktanteile zu gewinnen. Denn je niedriger die Gebühren, desto attraktiver wird der ETF für institutionelle Investoren, die sehr große Summen investieren müssen.

Obwohl die Konkurrenz mit ihrer niedrigen Preisstruktur zu den Marktführern aufschließen will, bleiben Vanguard und BlackRock die Spitzenreiter im ETF-Markt. Jeweils vier der acht Top-ETFs aus dem Jahr 2017 kommen von diesen beiden Gesellschaften. Mit einem verwalteten Gesamtvermögen von ca. 4 Billionen Euro hat sich Vanguard weltweit als größte Fondsgesellschaft für kostengünstige ETFs und Indexfonds etabliert.

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Vor- und Nachteile von Indexfonds und ETFs

Trotz der vielen attraktiven Eigenschaften für Investoren gibt es auch einige Nachteile der Index-Verfolger. Wer ETFs zum kurzfristigen Spekulieren einsetzt, erhöht seine Handelskosten und schmälert die Rendite. Bestimmte ETFs können sehr riskant sein, wenn sie einen Hebel einsetzen (Leverage) oder eine Short-Strategie anwenden – also auf fallende Kurse setzen. Vor der Investition sollte auch ein Blick auf das Fondsvolumen erfolgen: Sehr kleine ETFs können in ihrer Handelbarkeit eingeschränkt sein.

Die Vorteile der passiven Investmentstrategien übertreffen jedoch die Nachteile, wenn man einige Grundlagen des Investierens beachtet. Dazu gehören die niedrigen Kosten, die einfache Handelbarkeit und die hohe Transparenz von ETFs. Das beweist auch der große Zuspruch der Investoren in den vergangenen zehn Jahren. Die Unternehmensberatung PwC geht davon aus, dass sich das Volumen des ETF-Marktes bis 2025 von 14 auf 37 Billionen US-Dollar (etwa 30,9 Billionen Euro) mehr als verdoppeln wird. Bei Investitionen in ETFs handelt es sich also nicht um einen kurzfristigen Trend, sondern viel mehr um eine attraktive und leicht verständliche Kapitalanlage, die auch für immer mehr Privatanleger ein wichtiger Baustein in einem breit diversifizierten Portfolio wird.

Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Der Wert der vermittelten ETF und Indexfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen und folgenden Risiken: 1. Allgemeine Risiken von Kapitalanlagen (wie Konjunkturrisiko, Zinsänderungsrisiko), 2. Wertpapierspezifische Risiken (wie Aktienkursrisiko, Bonitätsrisiko), 3. Spezielle Risiken von Anlagen in Investmentfondsanteile, 4. Spezielle Risiken von Anlagen in ETFs und Indexfonds, 5. Spezielle Risiken bei der Abwicklung von Wertpapieraufträgen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Risiken finden Sie hier.