25.05.2020 | ca. 10 min. Lesezeit | Artikel drucken

Home Bias: Warum das Vertrauen in den Heimatmarkt trügerisch ist

Anleger neigen weltweit dazu, eher in Wertpapiere von Unternehmen aus ihrem Heimatland zu investieren. Dabei verfallen sie dem sogenannten „Home Bias”. „Bias” ist das englische Wort für Verzerrung. Im Falle von Geldanlagen liegt die Verzerrung darin, dass Anleger ihr Verhalten auf rationale, aber viel mehr noch auf irrationale Gründe stützen. Dabei werden Fakten außen vor gelassen und das Risiko im Portfolio steigt. Wir werfen einen Blick auf den Home Bias – und was Anleger dagegen tun können.

 

Verleihen Anleger ihrem Heimatmarkt im Portfolio zu großes Gewicht, ist die Vermögensallokation – also die Verteilung des Geldes über verschiedene Wertpapiere, Branchen und auch Regionen – aus dem Gleichgewicht. Die unzureichende Streuung (Diversifikation) der Geldanlage führt zu einem sogenannten Klumpenrisiko und kann deutliche Auswirkungen auf die zukünftigen Renditen haben.
Dennoch ist die Wirkkraft des Home Bias ungebrochen. Frei nach dem Motto „Zuhause schmeckt’s am besten“ investieren Anleger vermehrt in heimische Wertpapiere. Doch warum tun sie das überhaupt?

 

Warum unterliegen Anleger dem Home Bias?

Es gibt vielfältige Gründe dafür, dass Anleger immer wieder dem Home Bias verfallen. Teilweise ist der Fokus auf den heimischen Markt rational begründet.

Ein starker und nicht zu unterschätzender Treiber für den Home Bias sind aber auch irrationale Faktoren. Denn Anleger treffen ihre Entscheidungen nicht immer nur auf Basis objektiver Fakten, sondern auch aufgrund von Annahmen oder gar Emotionen. Zum Beispiel investieren Anleger gern in Branchen und Unternehmen aus der Region, deren Marken und Geschäftsmodelle sie kennen und denen sie vertrauen.

 

Rational zum Anlageerfolg

 

Rationale Ursachen für den Home Bias

  • Währungsrisiko: Die Investition in die internationalen Kapitalmärkte bringt es meist mit sich, dass Wertpapiere auch in Fremdwährungen gekauft werden. Dadurch setzen sich Anleger natürlich einem Währungsrisiko und der Gefahr aus, durch Währungsschwankungen Rendite einzubüßen. In der Heimat gibt es dieses Risiko nicht.

 

  • Steuern und Kosten: Je nachdem, wo Anleger ansässig sind, können Wertpapiergeschäfte im Ausland mit zusätzlichen Kosten einhergehen. Das Zielland der Investition kann beispielsweise eine Transaktionssteuer erheben. In Großbritannien wird etwa die Stamp Duty Reserve Tax, die sogenannte Stempelsteuer, auf Aktiengeschäfte erhoben. Sie beträgt aktuell 0,5 % des Transaktionsvolumens. Hinzu kommt, dass einige Banken und Broker höhere Gebühren für Transaktionen im Ausland erheben als für solche im Inland.

 

  • Politische und wirtschaftliche Risiken: In bestimmten Zielmärkten können verschiedene politische oder wirtschaftliche Risiken bestehen. Sicherlich gibt es Regionen, in denen durch zu starke staatliche Eingriffe, Veruntreuung und andere Faktoren ein Investment mit höheren Risiken verbunden ist.
    Doch selbst wenn dies nicht der Fall ist, scheuen Anleger davor zurück, in Märkte zu investieren, deren politische und wirtschaftliche Entwicklung sie nur aus der Ferne beobachten können.

 

  • Informationsasymmetrie: Informationen zu wirtschaftlichen Gegebenheiten oder Unternehmen werden im Zielland eventuell nur in der dortigen Landessprache angeboten. Sind Anleger dieser Sprache nicht mächtig, sind diese Informationen nicht zugänglich.

 

Irrationale Ursachen für den Home Bias

  • Vertrautheit und Kontrolle: Anleger neigen dazu, den heimatlichen Markt und den darin ansässigen Unternehmen eher zu vertrauen als ausländischen. Zumeist beruht dies auf einem mehr oder weniger realen Informationsvorsprung. Vielleicht sind sie als Angestellter der heimischen Autoindustrie verbunden, eventuell sogar durch Aktien vom Arbeitgeber am Erfolg beteiligt und erfahren aus erster Hand alles zu relevanten Entwicklungen im Unternehmen.
    Zudem besteht keine Sprachbarriere. Alle Informationen zu Politik, Wirtschaft und bestimmten Unternehmen sind in der Heimatsprache erhältlich. Das bedeutet jedoch nicht, dass Anleger in ihrem Heimatmarkt stets informierte Investitionsentscheidungen treffen. Zwar sind alle Informationen potenziell verfügbar. Ob diese aber in ausreichendem Maße verwendet werden, ist eine andere Frage.
    Das lässt sich am Beispiel des Währungsrisikos zeigen: Investiert ein Anleger in ein deutsches Unternehmen, geht er eventuell davon aus, dass dieses Unternehmen einen Großteil seiner Investitionen und Verbindlichkeiten in inländischen Vermögenswerten hält. Das mag für kleine Aktienwerte, sogenannte Nebenwerte, zutreffen. Spätestens beim Blick auf den Deutschen Aktienindex (DAX) zeigt sich, dass diese Annahme mit Vorsicht zu genießen ist. Denn jedes der 30 DAX-Unternehmen führt auf verschiedene Weise Währungsrisiken im Geschäftsbericht auf. Verbindlichkeiten als auch Investitionen bestehen also auch in Fremdwährungen.
    Die Geschäftsberichte von deutschen Unternehmen sind öffentlich zugänglich. Jeder Anleger kann Sie also nutzen, um über das entsprechende Unternehmen alle relevanten Informationen zu erhalten. Eine Untersuchung des Deutschen Aktieninstituts aus dem Jahr 2018 zeigt jedoch, dass Anleger diese Berichte nicht als Hauptinformationsquelle nutzen. Hunderttausende Privatanleger der Deutsche Post AG wurden danach befragt, wie sie sich informieren. Das Ergebnis: Für 68 % der Privatanleger sind Informationen aus der Wirtschaftspresse von hoher bis sehr hoher Relevanz. Lediglich 45 % halten den Geschäftsbericht eines Unternehmens für wichtig. Und nur ein Drittel der Befragten hält den Geschäftsbericht für eine verständliche Informationsquelle.

 

  • Heimatstolz: Ein simpler Beweggrund, dem Home Bias zu erliegen, kann schlichtweg auch Patriotismus sein. Anleger sind stolz auf ihr Land und unterstellen ihm in diesem Zuge auch zukünftige wirtschaftliche Erfolge. Im Falle von Deutschland ist das nachvollziehbar. Der sogenannte Export-Weltmeister ist wirtschaftlich sicherlich nicht schlecht aufgestellt. Doch sind die im DAX vertretenen Branchen stark von der weltweiten Konjunktur abhängig. Stagniert diese, hat das direkten Einfluss auf die Geschäftsaussichten der Unternehmen. In diesem Fall kann Patriotismus also kostspielig werden.

 

Weltweite Renditechancen nutzen

 

Home Bias als weltweites Phänomen

Egal, wohin man schaut: Von New York bis Tokio investieren viele Anleger einen großen Teil ihres Vermögens in ihrem Heimatmarkt. Dies belegt auch eine Studie des Fondsanbieters Vanguard aus dem Jahr 2017. Dabei wurden die Portfolios von Anlegern aus Australien, Kanada, Japan, den USA und dem Vereinigten Königreich über einen Zeitraum von über 25 Jahren analysiert.
In der Studie wurde der Anteil von heimischen Wertpapieren in den Portfolios ins Verhältnis zum Marktanteil des Landes im MSCI All Country World Index (MSCI ACWI) gesetzt. Der MSCI ACWI bildet die Entwicklung von Aktien aus 23 Industrieländern und 26 Schwellenländern ab – insgesamt über 3.000 Aktientitel.

Anleger sollten anteilig nie mehr heimische Wertpapiere in ihrem Portfolio halten, als ihr Heimatmarkt in diesem Index gewichtet ist. Andernfalls verfallen sie dem Home Bias. Ein Beispiel: Der US-Aktienmarkt macht zum Zeitpunkt der Studie 50,9 % des MSCI ACWI aus. Ein US-Anleger sollte demnach nicht mehr als 50,9 % US-Titel in seinem Portfolio halten. Andernfalls wäre der US-Markt übergewichtet. Global betrachtet, ist der US-Aktienmarkt schon mit 40 % sehr hoch gewichtet. Deshalb macht er in den WeltInvest ETF-Portfolios von WeltSparen maximal ca. 38 % aus.

Das Ergebnis der Vanguard-Studie: In allen untersuchten Portfolios haben Anleger ihren Heimatmarkt übergewichtet.*

 

 

  • Spitzenreiter Australien und Kanada: In Australien halten Anleger 66,5 % heimische Aktien, der Markt hat weltweit jedoch nur ein Gewicht von 2,4 %. Die Übergewichtung liegt bei immensen 64,1 %. Ähnlich hoch ist der Home Bias in Kanada. Während der kanadische Markt nur 3,4 % im MSCI ACWI ausmacht, halten Anleger dort im Schnitt 59 % heimische Wertpapiere. Die Übergewichtung liegt bei stattlichen 55,6 %.
  • Starke Home Bias auch in Japan: Bei einem globalen Marktanteil von 7,2 % halten japanische Anleger im Schnitt 55,2 % heimische Titel. Die Übergewichtung ist zwar geringer als in Australien und Kanada, liegt aber immer noch bei sehr hohen 48 %.
  • Moderater Home Bias in den USA und im Vereinigten Königreich: Der US-Aktienmarkt hat im MSCI ACWI ein Gewicht von 50,9 %. Mit einem durchschnittlichen Anteil von 79,1 % heimische Titel liegt die Übergewichtung dort noch bei 28,2 %. Britische Anleger sind noch gemäßigter. Bei einem Marktanteil im Index von 7,2 % halten Anleger lediglich 26,3 % heimische Titel. Sie gewichten ihren Heimatmarkt weniger stark, aber mit 19,1 % immer noch hoch.

 

Auch für deutsche Anleger ist die Übergewichtung des Heimatmarktes verführerisch. Je nachdem, welche Quellen man zurate zieht, halten deutsche Anleger im Schnitt 50 % deutsche Aktientitel in ihren Portfolios. Im MSCI ASCWI macht der deutsche Markt lediglich einen Anteil von unter 3 % aus. Deutsche Anleger haben demnach ein Übergewicht des deutschen Marktes von deutlich über 40 % in ihren Portfolios.

 

Jetzt global investieren

 

Der DAX und der Home Bias

Neben vielen anderen Aktientiteln ist der DAX ein attraktives Investitionsziel für deutsche Anleger. Verleihen sie dem Index in ihrem Portfolio jedoch zu großes Gewicht, machen sie sich von der Wertentwicklung eines einzigen und auch noch sehr kleinen Aktienmarktes abhängig. Denn der DAX enthält lediglich 30 Aktien. Zudem beinhaltet er konjunktursensible Titel aus der Automobil- und Industriebranche.

Die DAX-Unternehmen sind alle global aufgestellt. Läuft es mit der Weltwirtschaft gut, werden sich Anleger auch über die positive Wertentwicklung des DAX freuen können. Trüben sich die Konjunkturaussichten jedoch, hat das starke Auswirkungen auf die DAX-Unternehmen – und damit auch auf die Wertentwicklung in den Portfolios der Anleger.

Doch auch unabhängig von negativen wirtschaftlichen Entwicklungen zeigt sich, dass ein regional begrenztes Investment über die Zeit weniger gute Renditeaussichten mit sich bringt. Vergleicht man die historische Wertentwicklung eines reinen Aktienportfolios wie WeltInvest 100 mit der Wertentwicklung des DAX, wird schnell klar: Global ist besser. Das WeltInvest Portfolio weist fast über den gesamten dargestellten Zeitraum von über 12 Jahren eine bessere Wertentwicklung auf.  Das überrascht nicht, bilden die ETFs in WeltInvest Portfolios doch fast 20.000 Aktientitel aus der ganzen Welt ab.

 

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Auch im Vergleich mit dem weltweiten MSCI World Index schneidet WeltInvest deutlich besser ab.

Der einfache Weg aus dem Home Bias: Diversifikation

In einem von Experten zusammengestellten, globalen Portfolio sind sowohl heimische DAX-Titel als auch Tausende andere Aktien enthalten. Der Effekt: Das Risiko wird stark reduziert.

Dieses Prinzip der Diversifikation ist so effektiv wie einfach: Durch die möglichst breite Streuung des Geldes in unterschiedliche Titel weltweit ist der Anlageerfolg nicht mehr nur von einem einzigen Markt abhängig. Mögliche Kursrückgänge in einer Region können dann durch Kursgewinne in einer anderen Region möglicherweise ausgeglichen werden.

Politische und wirtschaftliche Risiken und andere Gründe (siehe oben) spielen dann eine untergeordnete Rolle. Nutzen Anleger zusätzlich noch Portfolios wie WeltInvest, umgehen Sie hohen Kosten. Denn mit Gesamtkosten von gerade einmal 0,48 % im Jahr ist die Geldanlage hier sehr günstig.

Fazit

Ein Blick auf den Heimatmarkt ist immer lohnenswert. Gerade in Deutschland sind im DAX global aufgestellte, erfolgversprechende Unternehmen enthalten. Eine Beteiligung an diesen Unternehmen ergibt Sinn, gerade wenn man bedenkt, dass einige dieser Unternehmen auch attraktive Dividenden auszahlen.

Die andere Seite der Medaille ist die viel zu geringe Diversifikation. Bei einer Übergewichtung des Heimatmarktes steigt das Risiko und mögliche Kursrückgänge kommen im Portfolio direkt zum Tragen. Das kann perspektivisch auch die Ertragschancen von Anlegern schmälern.

Um dem Home Bias entgegenzuwirken gilt: Heimische Wertpapiere sollten mit Bedacht und nur in begrenztem Umfang im Depot aufgenommen werden und das Risiko mit einem breiten Investment – am besten weltweit – gestreut werden.

 

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* Die dargestellten Daten beziehen sich auf den Stichtag 31. Dezember 2014. Sie basieren auf verfügbaren Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) in US-Dollar. Da die zur Verfügung stehenden Daten vom IWF auf Freiwilligkeit beruhen, kann es Unterschiede zwischen den hier dargestellten Gewichtungen und dem tatsächlichen Markt geben.

 

Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Der Wert der vermittelten ETF und Indexfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen und nachfolgenden Risiken: 1. Allgemeine Risiken von Kapitalanlagen (wie Konjunkturrisiko, Zinsänderungsrisiko), 2. Wertpapierspezifische Risiken (wie Aktienkursrisiko, Bonitätsrisiko), 3. Spezielle Risiken von Anlagen in Investmentfondsanteile, 4. Spezielle Risiken von Anlagen in börsengehandelte ETFs und Indexfonds, 5. Spezielle Risiken bei der Abwicklung von Wertpapieraufträgen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Risiken finden Sie hier.