Zinsentwicklung: Der Zinsradar von WeltSparen

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Die aktuelle Zinsentwicklung immer im Blick – mit dem Zinsradar von WeltSparen

WeltSparen betrachtet regelmäßig europaweit die aktuelle Zinsentwicklung von Tagesgeldern, Festgeldern und anderen Geldanlagen und analysiert die neuesten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB). Dafür werden die aktuellen Top-Zinsangebote mit den Zinssätzen der drei größten Banken jedes Landes verglichen. Mit unserem Zinsradar sind Sie über die aktuellen Zinstrends und Zinsänderungen in Deutschland und Europa informiert.

Aktuelle Prognosen über die Entwicklung der Zinsen sind nur schwer zu stellen. Wir betrachten die Zinsentwicklung unterschiedlichster Geldanlagen. Durch diesen Zinsvergleich können Sie sich schnell und einfach einen Überblick über die aktuelle Zinsentwicklung in Deutschland und Europa verschaffen. Sie möchten einen Zinsvergleich verschiedener Zeiträume erstellen oder interessieren sich für den Zinsverlauf der letzten Jahre? Unsere Übersicht bietet Ihnen die Möglichkeit, den Zinsverlauf der letzten Jahre zu betrachten und mit den aktuellen Zinsen vergleichen.

Seit 2022 erweitert WeltSparen seine Analyse und wirft regelmäßig einen Blick auf das Sparverhalten der Deutschen und der Europäer. Für den Spar- und Zinsradar betrachtet WeltSparen mit Hilfe neuester EZB-Daten die Kontoguthaben und Kontoflüsse in Europa.

WeltSparen Spar- und Zinsradar

Sparnation auf Abwegen?
Deutsche sparen weniger – Zinsen ziehen an

  • Top-Zins für Fünf-Jahres-Festgeld übersteigt Zwei-Prozent-Marke
  • Durchschnittszinsen für langfristige Festgelder auf Zwei-Jahres-Hoch
  • Kaum Zinseinnahmen: Fast 70 Prozent der deutschen Kontoguthaben in Sichteinlagen
  • Kontoguthaben der Deutschen sinken im ersten Quartal

 

Anfang Juni hatte die Europäische Zentralbank (EZB) zum Eindämmen der Inflation entschieden, den Leitzins im Juli um 25 Basispunkte anzuheben. Obwohl die erwartete Erhöhung zu einem Wettbewerb für das beste Zinsangebot von Banken sorgte, konnte sie nicht die erhoffte Entspannung schaffen. Im Gegenteil, die Inflation steigt weiter und erreichte im Juni laut Eurostat mit 8,6 Prozent einen neuen Rekord. Im internationalen Vergleich verliert der Euro zudem massiv an Wert, sodass die EZB weiterhin unter enormem Druck steht, in der nächsten Sitzung am 21. Juli weitere Entscheidungen zu treffen.

Wie sich ihre bisherigen Entscheidungen auf Zinsen und Sparverhalten ausgewirkt haben, zeigt die Plattform für Geldanlage WeltSparen im neuen Spar- und Zinsradar.

Top-Zinsen in Deutschland heben ab: Seit Juni Zuwachs um 0,4 Prozentpunkte

Die Entwicklung der Top-Zinsen zeigt, dass deutsche Sparer und Sparerinnen bereits jetzt von der angekündigten Zinswende profitieren. Nachdem sich bereits ab Anfang März eine leichte Erholung abzeichnete, stiegen die Top-Zinsen für Festgelder seit Juni stark an. Tagesgelder verzeichnen einen leichten Zinssprung auf durchschnittlich 0,29 Prozent. Wesentlich besser sieht es bei längerfristigen Sparprodukten aus: Einjährige, zweijährige und fünfjährige Festgelder verzeichneten in den letzten fünf Wochen alle einen Anstieg um mehr als 0,4 Prozentpunkte. Festgelder mit einer Laufzeit von fünf Jahren übersteigen erstmals seit Langem wieder die Zwei-Prozent-Marke.

Die Daten der EZB zur durchschnittlichen Verzinsung neuer Anlagen in Deutschland bestätigen die Trendwende. Bei verschiedenen Geldanlagen mit Laufzeiten von mehr als einem Jahr stiegen die durchschnittlichen Zinsen in den letzten Monaten deutlich. Allein von März bis Mai haben sich die Zinsen von 0,28 Prozent für über ein- bis zweijährige Festgelder und 0,38 Prozent für Festgeld über zwei Jahre auf 0,53 Prozent und 0,66 Prozent fast verdoppelt – sie sind damit so hoch wie zuletzt im Sommer 2020.

Fast unverändert waren Ende Mai hingegen mit 0,14 Prozent die Zinsen für neue Geldanlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr. Sichteinlagen – dazu gehören Tagesgelder und Girokonten – verzeichnen keine Verbesserung, sodass hier Ende Mai nach wie vor im Mittel 0,02 Prozent Strafzinsen fällig waren.

Kontoguthaben der Deutschen stagnieren – Fast 70 Prozent in Sichteinlagen

Ein Blick auf die Guthaben auf Giro-, Spar-, Festgeld- und Tagesgeldkonten in Deutschland lässt nach einem bescheidenen 2021 nur wenig Hoffnung auf ein besseres 2022. So zogen die Deutschen im ersten Quartal 2022 insgesamt rund 2,8 Milliarden Euro von ihren Konten ab. Auch wenn der Anteil gemessen am gesamten Kontoguthaben gering ist – es ist ein Rückgang.

Die jüngsten Daten der EZB ließen kurzzeitig auf eine Verbesserung im zweiten Quartal hoffen. Im April wuchsen die Kontoguthaben um mehr als 16 Milliarden Euro an, verzeichneten im Mai aber wieder einen leichten Rückgang. Generell hat das Einlagenwachstum in Deutschland an Fahrt verloren. Zwischen Mai 2021 und Mai 2022 stiegen die Kontoguthaben lediglich um rund ein Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren die Einlagen noch um rund 6,7 Prozent gewachsen. In etwa konstant bleibt der Anteil der kurzfristig verfügbaren Sichteinlagen: Mit 1,84 Billionen Euro liegen weiterhin 69 Prozent der insgesamt 2,65 Billionen Euro auf Konten, die täglich verfügbar sind, dafür aber meist kaum Zinsen bringen, wie Tagesgeld- oder Girokonten.

Leichte Erholung bei Durchschnittszinsen im Euroraum

In der Eurozone zeichnet sich eine leichte Erholung bei den Zinsen ab. Das gilt zunächst für die verschiedenen Anlagen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr. Zwischen März und Mai erhöhten sich die Zinsen für ein- bis zweijährige Festgelder um 0,07 Prozentpunkte auf 0,41 Prozent. Bei Festgeldern mit längeren Laufzeiten von mehr als zwei Jahren stiegen sie im gleichen Zeitraum von 0,52 auf 0,64 Prozent. Im Gegensatz dazu verzeichneten sowohl die Anlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr als auch Sichteinlagen keine spürbare Verbesserung. Sie liegen unverändert bei 0,18 und 0,01 Prozent.

Interessant ist ein Blick auf die Kontoguthaben in der Eurozone. Sie stiegen zwar kontinuierlich an und lagen Ende März bei 8,8 Billionen Euro, ihr Wachstum hat sich aber spürbar verlangsamt. Nur noch um 4,1 Prozent stiegen die Guthaben zwischen März 2021 und März 2022, das ist nur halb so viel wie im Vorjahreszeitraum (8,1 Prozent). In etwa konstant blieb hingegen der Anteil Sichteinlagen, die mit rund 5,4 Billionen Euro knapp 61 Prozent der insgesamt 8,8 Billionen Euro ausmachen.

Kontoguthaben sinken: Deutsche sparen pro Kopf 33 Euro weniger im ersten Quartal

Durchschnittlich haben Sparerinnen und Sparer in der Eurozone von März 2021 bis März 2022 jeweils 1.003 Euro auf Sparkonten eingezahlt. Spitzenreiter unter den größten EU-Volkswirtschaften waren dabei die Niederlande, die knapp 1.629 Euro pro Person gespart haben. Das Schlusslicht in diesem Vergleich bildet Deutschland: Hierzulande haben die Bürgerinnen und Bürger gerade einmal 545 Euro pro Kopf gespart – deutlich weniger als die Italienerinnen und Italiener mit 958 Euro. Im ersten Quartal 2022 war Deutschland eines der wenigen Länder im Euroraum, in denen insgesamt Geld von den Konten abgehoben wurde – rund 33 Euro pro Kopf. Rückgänge hatten in diesem Zeitraum sonst nur Griechenland, Litauen, die Slowakei, Zypern und Österreich zu verzeichnen.

Deutschland liegt bei Kontoguthaben in Europa weiter vorn

Bei den bestehenden Kontoguthaben sind die Deutschen weiter vorne dabei. 31.705 Euro parkt jede Bundesbürgerin und jeder Bundesbürger im Schnitt auf Konten. Das ist der höchste Wert unter den großen Volkswirtschaften der EU. Auf Rang zwei folgen die Niederlande mit einem Pro-Kopf-Guthaben von 31.313 Euro. Dahinter landet Frankreich mit durchschnittlich 26.771 Euro. Der Eurozonen-Durchschnitt liegt bei 25.764 Euro Kontoguthaben pro Person. Deutlich unter diesem Wert liegen Italien und Spanien mit durchschnittlichen Kontoständen von jeweils unter 22.000 Euro pro Kopf.

Katharina Lüth, Chief Client Officer & Managing Director, Raisin (c) Lukas Schramm

Katharina Lüth, Chief Client Officer & Managing Director bei Raisin, kommentiert die Studie: „Die angekündigte Erhöhung des Leitzinses durch die EZB zeigt bereits ihre Wirkung: die Zinsen steigen deutlich an. Dennoch liegen weiterhin knapp 70 Prozent der deutschen Sparguthaben als Sichteinlagen auf Konten, die im Regelfall keine oder kaum Zinsen abwerfen. Gerade wenn das Geld kurzfristig verfügbar sein soll und eine Anlage am Kapitalmarkt durch die hohe Volatilität, die wir gerade in Zeiten wie diesen sehen, zu viel Risiko birgt, sind Tages- und Festgeldprodukte ein guter Weg, um die hohe Inflation abzumildern.“

Die vollständige Studie einschließlich aller Grafiken ist hier abrufbar.

Methodologie:

Der Durchschnitt der Top-Angebote wurde mit Hilfe der Angaben von kritische-anleger.de berechnet. Für Festgelder wurden dafür die besten fünf Angebote herangezogen, für Tagesgelder die besten zehn. Die Daten zu Kontoguthaben, Einzahlungen und Durchschnittszinsen stammen von der EZB. Pro Kopf-Werte wurden mit Hilfe von Eurostat-Daten zu aktuellen Bevölkerungszahlen berechnet.

Hoffnungsschimmer für Sparer im Inflationshoch?
Top-Zinsangebote steigen – Durchschnittszins weiter niedrig

Auch wenn das erste Quartal 2022 viele negative Nachrichten bereit hielt, endet es mit Blick auf die Zinsen mit einer erfreulichen Entwicklung für Sparerinnen und Sparer. In den meisten der untersuchten Märkte – auch in Deutschland – stiegen die Zinsen im letzten Monat, zumindest bei den Top-Angeboten für einjährige Festgelder. Ob dieser Trend Bestand haben wird und über einzelne Banken hinausgeht, muss sich noch zeigen. Die Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) zu den durchschnittlich gezahlten Zinsen lassen allerdings noch nicht auf eine flächendeckende Verbesserung schließen. Im Gegenteil: Die Zinsen für Verbraucherinnen und Verbraucher sind im Vergleich zum Vormonat sogar leicht gesunken, sowohl in Deutschland als auch in der gesamten Eurozone. Die Anzahl der Banken in Deutschland, die laut verivox Negativzinsen erheben, steigt kontinuierlich weiter. Seit Dezember 2021 (418) kamen noch einmal 32 weitere Kreditinstitute dazu: Aktuell verlangen 450 Banken hierzulande Strafzinsen für Kontoguthaben.

Verzinste Spareinlagen helfen den Inflationsverlust einzudämmen

Die Inflation innerhalb des Euroraums erreicht derweil in Folge des Ukraine-Kriegs und der wirtschaftlichen Unsicherheiten weiter Rekordwerte. Um 7,5 Prozent sind die Preise laut Eurostat zuletzt im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen, sodass Sparer und Sparerinnen pro Jahr deutlich an Kaufkraft einbüßen. Dementsprechend wächst der Druck auf die EZB beständig: Soll sie die Zinsen erhöhen und damit das Wachstum gefährden?

Katharina Lueth

Katharina Lüth, Managing Director, Raisin (WeltSparen)

Katharina Lüth, Managing Director bei Raisin, erläutert, vor welchen Herausforderungen die EZB steht: “Die EZB steht vor einem Dilemma. Über 7 Prozent Inflation lassen die Stimmen noch lauter werden, die eine Zinserhöhung fordern, um die Preissteigerung zumindest zu bremsen. Eine Zinserhöhung und damit die weitere Abkühlung der Konjunktur will aber gut überlegt sein. Gerade weil die Inflation so hoch und die Zinsen noch so niedrig sind, empfiehlt es sich für Verbraucherinnen und Verbraucher die vorhandenen Optionen bei Tages- und Festgeldern nutzen, um den Wertverlust am eigenen Vermögen möglichst gering zu halten.”

Top-Zinsangebote steigen – viele Großbanken bieten kein Ein-Jahres-Festgeld

Die Zinsen bei Großbanken für einjährige Festgelder sind nahezu unverändert niedrig, wenn entsprechende Produkte überhaupt angeboten werden. Lediglich in drei der untersuchten Länder liegt ihr Durchschnitt über 0,1 Prozent, obwohl sich die verfügbaren Top-Angebote in vielen Ländern erholt haben.

  • Nach einem Anstieg der Top-Zinsen erhalten Deutsche nun durchschnittlich 0,617 Prozent, bei den größten Banken suchen Sparerinnen und Sparer aber vergeblich nach einjährigen Festgeldern.
  • Ausreißer bei den Großbanken ist nach wie vor Norwegen: Dort bieten die größten Banken 0,733 Prozent Zinsen.
  • Bei den Angeboten der größten Banken konnte lediglich das Vereinigte Königreich eine leichten Zinserhöhung verzeichnen, von 0,150 auf 0,183 Prozent.

Erholung bei Top-Zinsen, auch in Deutschland

Nachdem die Zinsen im Vormonat mehrheitlich gesunken waren, zeigt sich diesen Monat ein anderes Bild. Lediglich in einem Land – Schweden – sind die Zinsen gesunken, in sieben von den dreizehn betrachteten Ländern stiegen die Zinsen sowohl für ein- als auch für dreijährige Anlagen. Auch Deutschland konnte eine deutliche Erholung verzeichnen.

  • Nach einer deutlichen Erholung sind die Zinsen für einjährige und dreijährige Festgelder mit 0,62 Prozent und 0,85 Prozent in Deutschland so hoch wie seit Monaten nicht mehr.
  • In der Eurozone stiegen die Zinsen für Festgelder mit beiden Laufzeiten außerdem in Italien, Österreich, den Niederlanden und Portugal.
  • Die einzige Zinssenkung im Vergleich zum Vormonat gab es in Schweden. Hier sind die Zinsen für dreijährige Festgelder leicht gefallen und liegen nunmehr bei 1,47 Prozent.
  • An der Spitze des Vergleichs stehen weiterhin Länder, die nicht dem Euroraum angehören. Die besten Zinsen finden Europäerinnen und Europäer weiterhin in Polen – mit Zinssätzen von bis zu 2,40 Prozent für dreijährige und 2,77 Prozent für einjährige Festgelder.

Hinweis: Einige der untersuchten Großbanken bieten weder einjähriges Festgeld noch ein Konto mit einem Zinsbonus nach 365 Tagen ohne Abhebung an. Ihr Zinssatz wird für die Berechnung mit 0,0 Prozent angesetzt, damit das Fehlen eines Angebots im Durchschnitt sichtbar wird. In einigen Märkten bieten nur jeweils zwei Banken Festgelder für ein oder drei Jahre an. Der Durchschnitt der Top-Angebote wird in diesem Fall mit zwei Banken berechnet.

EZB-Daten für Privatkunden: Eurozone marginal verändert bei 0,17 Prozent – Deutschland mit 0,06 niedriger als zuvor

In der Eurozone erhalten Privatkunden durchschnittlich 0,17 Prozent Zinsen für Einlagen mit bis zu einem Jahr Laufzeit. Das sind zwar zwei Basispunkte weniger als im Vormonat, die Zahl liegt aber weiter im Bereich zwischen 0,14 und 0,20 Prozent, in dem sich die Zinsen jetzt schon seit August 2020 bewegen. In Deutschland erhalten Anleger und Anlegerinnen im Schnitt deutlich weniger für ihre Ersparnisse, nämlich nur 0,06 Prozent Zinsen.

Stand: 05.04.2022. Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen. Für das Vereinigte Königreich sind aktuell keine Daten verfügbar.

  • Nachdem es zuletzt einen Anstieg um 18 Basispunkte auf 0,11 Prozent gab, sind die Zinsen in Deutschland wieder um fünf Basispunkte auf 0,06 Prozent gefallen.
  • Zinsflaute: In Frankreich stagnieren die Zinsen bei 0,48 Prozent, während sie in Italien auf 0,64 Prozent stiegen. Spanien liegt bereits seit Dezember 2020 unverändert bei 0,01 Prozent.
  • Spitzenreiter im EU-Vergleich ist Tschechien mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 3,47 Prozent – ein neuer Rekord.

EZB-Daten für Geschäftskunden: Deutschland liegt mit -0,48 Prozent weiter hinter der Eurozone

Die Zinsen für Geschäftskunden liegen in der gesamten Eurozone nach einer leichten Erholung bei -0,31 Prozent. Trotz eines Anstiegs um zwei Basispunkte bleibt Deutschland mit -0,48 Prozent weiter eines der Schlusslichter im europäischen Vergleich. Insgesamt müssen Unternehmen in der Eurozone in neun Staaten Verwahrentgelte für bis zu einjährige Anlagen entrichten.

Stand: 05.04.2022. Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren keine Daten für Dänemark und das Vereinigte Königreich verfügbar.

  • Mit Strafzinsen von 0,48 Prozent ist Deutschland als Schlusslicht in der Eurozone von Irland mit 0,50 Prozent abgelöst worden.
  • In Italien sind die Zinsen um die Hälfte gesunken: von 0,32 auf 0,16 Prozent. Unter den fünf größten Volkswirtschaften der Eurozone ist Italien damit die einzige, in der keine Verwahrentgelte fällig werden.
  • In Frankreich hatte die Erholung der Zinsen keinen Bestand. Nach einem Anstieg auf 0,07 Prozent fiel der Zinssatz um 16 Basispunkte auf -0,09 Prozent.
  • Spitzenreiter im EU-Vergleich ist Tschechien mit Zinsen von 3,88 Prozent für Unternehmen. Ernüchternd erscheinen im Vergleich dazu die 0,42 Prozent, mit denen Malta Spitzenreiter im Euroraum ist.

Quellen:

Raisin / WeltSparen, EZB,

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Crédit , Société Générale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag –  sparzinsenvergleich.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

2021 – das Jahr, das das Sparen veränderte: Lenkt die EZB ein?

  • Top-Zinsen fallen auf tiefsten Wert
  • Spanne zwischen Einlagenzinssatz und Inflation auf Rekordhoch seit 30 Jahren
  • Seit Jahresbeginn doppelt so viele Banken mit Negativzinsen

2021 geht als sparerfeindlichstes Jahr unserer Zeit in die Geschichte ein und hat Privatkunden, Firmenkunden und Finanzinstituten große Sorgen bereitet. Die Märkte sind förmlich überflutet von Ersparnissen und Konjunktur- sowie Anleiheprogrammen der Regierungen und Zentralbanken. Daher haben die meisten der europäischen Großbanken Festgeldangebote gestrichen. Für Privatkunden wurde es so fast unmöglich, Festgeldangebote bei den größten Instituten des Kontinents zu finden – ganz zu schweigen von Tagesgeldern. Die steigende Überliquidität führt zu einer systemischen Herausforderung mit drastischen Folgen für nahezu alle Marktteilnehmer.

In Deutschland, dem Land der Sparerinnen und Sparer, reduzieren immer mehr Banken die Freigrenzen, erheben Strafzinsen oder ziehen sich komplett aus dem Privatkundengeschäft zurück. Die Anzahl der Finanzinstitute mit Negativzinsen hat sich laut Verivox seit Jahresbeginn auf inzwischen 418 mehr als verdoppelt. Die durchschnittlichen Sparzinsen für deutsche Privatkunden schwankten 2021 laut der Europäischen Zentralbank (EZB) zwischen -0,04 und 0,07 Prozent – so niedrig wie nie zuvor, mit einem Negativrekord.

Doch trotz aller Bemühungen der Banken setzen die Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Sparwut fort und häufen immer mehr Gelder auf den Konten an. Zwischen September 2019 und August 2021 haben die Europäerinnen und Europäer jeden Monat im Durchschnitt mehr gespart, als sie ausgegeben haben. Die jüngsten Daten der EZB zeigen, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher in ganz Europa nach einem kurzen Kaufrausch im Sommer größtenteils wieder zum Sparen zurückgekehrt sind: Im Oktober stiegen die Sparzuflüsse gegenüber dem Vormonat allein in Deutschland um 223 Prozent.

Andreas Wiethölter, VP B2C Channels & Customer Service, Raisin

Finanzexperte Andreas Wiethölter von Raisin erläutert: „Wir erleben seit Jahren einen Wandel auf dem Sparmarkt. Die Spanne zwischen Inflation und EZB-Einlagenzinssatz ist mit einer Differenz von 5,7 Prozent so groß wie nie seit rund 30 Jahren. Dennoch sparen viele Europäer mehr denn je. Eine brisante Situation für alle. Unzählige Banken bieten angesichts der Überliquidität keine Festgeldanlagen mehr an. Trotzdem spielen Spareinlagen selbst im Niedrigzinsumfeld eine unverzichtbare Rolle für die finanzielle Sicherheit der Menschen. Schließlich sind sie die einzige Anlageklasse, bei der das Kapital durch die Einlagensicherung geschützt ist. Die Pandemie hat allerdings gezeigt, dass wir auf ein gewisses Maß an Volatilität und das Unerwartete vorbereitet sein müssen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten bei der Geldanlage daher auch Finanzprodukte berücksichtigen, bei denen sie jederzeit auf einen Teil ihres Geldes zugreifen können.”

Top-Zinsen auf niedrigsten Wert seit Erhebung des WeltSparen-Zinsradars

Die Zinsangebote der Großbanken für einjährige Festgelder – falls überhaupt vorhanden – bleiben weitestgehend unverändert und liegen bis auf eine Ausnahme bei maximal 0,11 Prozent. Gleichzeitig verzeichneten drei der vier untersuchten Nicht-Euro-Länder einen leichten Anstieg bei den Top-Angeboten. Norwegen, Polen, Schweden und das Vereinigte Königreich setzen sich im Vergleich zur Eurozone mit relativ hohen Sparzinsen über 1,2 Prozent ab. In den Ländern der Eurozone zeigte sich hingegen ein sehr gemischtes Bild.

  • Nach einem leichten Rückgang der Top-Zinsen für einjährige Festgelder erhalten Deutsche nach zuvor 0,533 nunmehr lediglich 0,487 Prozent. Im Januar lagen sie noch bei 0,783 Prozent. Damit ist der aktuelle Wert der niedrigste Wert seit Erhebung des WeltSparen Zinsradars 2013. Bei den größten Banken gibt es weiterhin keine einjährigen Festgeldangebote.
  • Die Zinsspannen zwischen Top-Angeboten und den Angeboten der großen Banken sind nach wie vor außerhalb der Eurozone am größten. Lediglich Italien kann mit einer Spanne von 0,750 Prozent zumindest mit Norwegens 0,740 Prozent mithalten.
  • Norwegen bleibt trotz dieser großen Spanne auch die Ausnahme bei den großen Banken. Norwegische Sparerinnen und Sparer können sich über durchschnittlich 0,667 Prozent Zinsen bei den Großbanken freuen.

Viel Bewegung bei Top-Zinsen für Festgelder, doch Deutschland einer der Verlierer

Nach einem ruhigen Vormonat mit wenig Änderungen, stagnieren die Zinsen aktuell nur noch in vier Ländern. In vier anderen stiegen die Zinsen sowohl für ein- als auch dreijährige Festgelder. Die meisten der größten Volkswirtschaften verzeichneten jedoch weiter gesunkene oder gleichbleibende Zinsen. In Deutschland sinken die Zinsen für ein- und dreijährige Festgelder.

  • Deutschland zählt mit Zinssenkungen für beide Zeiträume neben Italien zu den Verlierern der jüngsten Entwicklungen. Deutsche Sparende erhalten nunmehr lediglich 0,487 und 0,593 Prozent, was einem Rückgang um rund 0,40 und 0,30 Prozent entspricht.
  • In Schweden, Norwegen, Polen und Portugal sind die Zinsen der Top-Angebote für ein- und dreijährige Festgelder im Vergleich zum Vormonat gestiegen.
  • Das Vereinigte Königreich ist mit 1,823 Prozent weiterhin Spitzenreiter bei den Zinsen für dreijährige Anlagen.

Hinweis: Einige der untersuchten Großbanken bieten weder einjähriges Festgeld noch ein Konto mit einem Zinsbonus nach 365 Tagen ohne Abhebung an. Ihr Zinssatz wird für die Berechnung mit 0,0 Prozent angesetzt, damit das Fehlen eines Angebots im Durchschnitt sichtbar wird. In einigen Märkten bieten nur jeweils zwei Banken Festgelder für ein oder drei Jahre an. Der Durchschnitt der Top-Angebote wird in diesem Fall mit zwei Banken berechnet.

EZB-Daten für Privatkunden: Eurozone bei 0,17 Prozent – Deutschland über Null

Die Zinsen für Privatkunden in Deutschland sind laut der EZB wieder auf über Null gestiegen. Mit nunmehr durchschnittlich 0,06 Prozent ist Deutschland zwar nicht mehr Schlusslicht und die Zinsen sind wieder positiv, dennoch bleiben sie weiterhin marginal.

Insgesamt stiegen die Zinsen in der Eurozone um zwei Basispunkte auf 0,17 Prozent, obwohl lediglich in fünf Märkten Zinserhöhungen festgestellt wurden – darunter mit Frankreich und Italien allerdings die zweit- und drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone.

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.

  • Die stärksten Veränderungen waren in Luxemburg und Dänemark zu beobachten, die 44 und 126 Basispunkte verloren. Luxemburg verliert dadurch zwar an Boden, reiht sich aber mit 0,07 Prozent immer noch vor Deutschland und seinen 0,06 Prozent ein. Dänemark hingegen liegt mit -0,45 Prozent Zinsen auf dem letzten Platz des Vergleichs.
  • In Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich stiegen die Zinsen im Vergleich zum Vormonat um 8 Basispunkte.
  • Schlusslicht der Eurozone ist nunmehr wieder Spanien, das seit geraumer Zeit auf 0,01 Prozent stagniert.

EZB-Daten für Geschäftskunden: Eurozone weiter bei -0,36 Prozent, Deutschland bei -0,51 Prozent

Die Zinsen für Geschäftskunden liegen in der Eurozone unverändert bei -0,36 Prozent.
In Deutschland sinken sie um einen Basispunkt auf -0,51 Prozent, während sie in Spanien, Frankreich und Italien steigen.

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren keine Daten für Dänemark verfügbar.

  • In Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Dänemark und Irland zahlen Unternehmen Negativzinsen von -0,43 bis -0,51 Prozent.
  • Die Zinsen in Frankreich sind nach nach einem Anstieg um 9 Basispunkte nicht mehr negativ, sondern liegen bei genau 0,00 Prozent.
  • Italien bleibt damit Spitzenreiter der größten europäischen Volkswirtschaften mit aktuell 0,40 Prozent. Weiter unter Null verharren die Zinsen in Spanien mit -0,03 trotz eines Anstiegs um 13 Basispunkte.

 

Quellen:

Raisin / WeltSparen, EZB, Verivox Januar 2021, Verivox Dezember 2021

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Crédit , Société Générale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpceue-jahr-197-banken verlangen-strafzinse.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag –  sparzinsen
vergleich.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Negativzinsen: Aufschwung Fehlanzeige – Durchschnittszins rutscht wieder ins Minus

Der aktuelle Zinsradar von WeltSparen macht die Hoffnungen auf steigende Sparzinsen zunichte. Auch die jüngsten Aussagen der Europäischen Zentralbank (EZB) lassen nicht auf eine baldige Verbesserung hoffen – im Gegenteil. Während die US- amerikanische Notenbank Fed vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Inflationsrate angekündigt hat, den Kauf von Anleihen schrittweise herunterzufahren und damit die Zügel der Geldpolitik zumindest leicht anzieht, hält die EZB weiter an ihren Anleihenkäufen und ihrer rigiden Zinspolitik fest.

Zwar würde die Inflation, so EZB-Präsidentin Christine Lagarde, bis zum Ende des Jahres vorerst weiter steigen, danach rechne sie jedoch mit einem Rückgang. Langfristig sei sogar zu erwarten, dass die Inflation wieder unter die angestrebten 2 Prozent fällt.

Angesichts dieser Prognosen sollten sich die Märkte keine Hoffnungen machen, dass die EZB ihre lockere Geldpolitik bald drastisch ändern wird. Verbraucher wie Banken müssen sich weiterhin auf Null- und Negativzinsen einstellen. Dabei können Banken unter Umständen sogar davon profitieren. Dr. Tamaz Georgadze, Co-CEO von Raisin, erläutert wann und wie.

Zinsen bei Top-Angeboten stagnieren und bleiben bei Großbanken unverändert

Nach den positiven Entwicklungen im letzten Monat stagnieren die Top-Angebote für einjährige Festgeldanlagen in den meisten Märkten. Lediglich in Norwegen erhalten Anleger nun etwas mehr Zinsen als zuvor. In Deutschland ist hingegen ein leichter Rückgang um 0,1 Prozent auf 0,533 Prozent zu verzeichnen.

  • Die größten Spannen zwischen den Top-Angeboten und den Angeboten der drei größten Banken sind weiterhin außerhalb der Eurozone zu finden. Das Vereinigte Königreich liegt mit einer Differenz von 1,267 Prozent dabei auf dem ersten Platz.
  • Unter den Euroländern bleibt Italien mit 0,967 Prozent für einjährige Festgeldanlagen Spitzenreiter bei den Top-Angeboten.
  • Obwohl die Zinsen um 0,1 Prozent gesunken sind, liegt Deutschland mit 0,533 Prozent bei den Top-Angeboten auf Platz 3 der Euroländer nach Belgien.
  • In vielen Ländern bieten die größten Banken nach wie vor überhaupt keine Festgeldanlagen mit einer Laufzeit von einem Jahr an.

Aufwärtstrend gestoppt – kaum Bewegung bei Top-Festgeldangeboten

Sowohl bei ein- als auch bei den dreijährigen Festgeldern scheint der vermeintliche Aufwärtstrend vorerst gestoppt. Insgesamt gab es überhaupt nur in fünf Märkten Veränderungen bei den Zinsen. Deutschland ist einer davon und verzeichnete bei beiden untersuchten Laufzeiten einen Rückgang von rund 0,1 Prozentpunkten.

  • In Deutschland fielen die Angebote auf 0,533 Prozent für ein- und 0,627 für dreijährige Anlagen.
  • Die Zinsunterschiede zwischen ein- und dreijährigen Anlagen betragen in der Eurozone in den meisten Ländern weniger als 0,25 Prozent.
  • Italien ist weiter Spitzenreiter in der Eurozone mit 0,967 Prozent und 1,4 Prozent Zinsen für ein- und dreijährige Festgelder.

Hinweis: Einige der untersuchten Großbanken bieten weder einjähriges Festgeld noch ein Konto mit einem Zinsbonus nach 365 Tagen ohne Abhebung an. Ihr Zinssatz wird für die Berechnung mit 0,0 Prozent angesetzt, damit das Fehlen eines Angebots im Durchschnitt sichtbar wird. In einigen Märkten bieten nur jeweils zwei Banken Festgelder für ein oder drei Jahre an. Der Durchschnitt der Top-Angebote wird in diesem Fall mit zwei Banken berechnet.

EZB-Daten für Privatkunden: Schlusslicht Deutschland – Zinssatz fällt ins Negative

In Deutschland fallen die Zinsen für Privatkunden laut den neuesten Daten der EZB wieder in den Negativbereich, auf -0,01 Prozent. Die Bundesrepublik ist damit erneut Schlusslicht im europäischen Vergleich.

In den anderen Märkten ist die Lage kaum besser: In elf Ländern der Eurozone liegen die Zinsen für Privatkunden unter 0,2 Prozent. Die höchsten Zinsen erhalten weiterhin die Anleger und Anlegerinnen außerhalb der Eurozone. Eine Ausnahme bilden die Niederlande mit 1,04 Prozent, wobei der Zinssatz durch das niederländische Baudepot angehoben wird.

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.
  • Die höchsten Zinsen in Europa werden weiterhin in Rumänien gezahlt (1,10 Prozent).
  • Die niedrigsten Durchschnittszinsen erhalten Sparende neben Deutschland (-0,01 Prozent) in Spanien und Irland mit 0,01 Prozent.
  • Insgesamt stagnieren die Zinsen im europäischen Durchschnitt bei 0,15 Prozent.
  • Von den größten Volkswirtschaften verzeichneten nur Italien und das Vereinigte Königreich einen Anstieg.
  • Während dieser im Vereinigten Königreich mit einem Basispunkt auf 0,25 Prozent marginal blieb, stiegen die Zinsen in Italien um 18 Basispunkte auf 0,67 Prozent.

EZB-Daten für Geschäftskunden: Europaweit fast kein Plus in Sicht

Die Zinsen für Geschäftskunden stagnieren im Eurozonen-Durchschnitt mit -0,36 Prozent und in Deutschland mit -0,50 Prozent weit im negativen Bereich. Dabei handelt es sich aber keineswegs um Ausnahmen. So konnte von den fünf größten Volkswirtschaften lediglich Spanien einen Anstieg verzeichnen.

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.
  • In Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Dänemark und Irland zahlen Unternehmen Negativzinsen von -0,46 bis -0,50 Prozent.
  • Spanien, die Slowakei, Ungarn und Finnland fallen positiv auf. Hier stiegen die durchschnittlichen Zinsen im Vergleich zum Vormonat um 12 bis 34 Basispunkte.
  • Italien ist die einzige der größten europäischen Volkswirtschaften, in der Geschäftskunden mit 0,3 Prozent passable Zinsen erhalten.

Raisin Co-CEO Dr. Tamaz Georgadze erläutert, wie Banken von Niedrigzinsen und steigender Inflation profitieren können.

Dr. Tamaz Georgadze, Co-CEO Raisin
Dr. Tamaz Georgadze, Co-CEO Raisin, (c) Lukas Schramm

“2023 müssen die Banken die nächste Tranche der TLTRO-Anleihen zurückzahlen. Dabei sollten sie sich laut der Aufsichtsbehörde EBA nicht darauf verlassen, dass die EZB abermals die Programme verlängert und an ihrer expansiven Geldpolitik festhält. Gerade angesichts der aktuell sehr niedrigen Zinsen könnte es sich für Banken lohnen, sich bereits jetzt mit Einlagenangeboten Liquidität zu sichern.

Mit Hilfe digitaler Plattformen könnten Banken sich auch in internationalen Märkten mit niedrigeren Zinsen Liquidität beschaffen, um ihre Finanzierungskosten so noch weiter zu senken. Zudem profitieren Banken auch von der steigenden Inflation, die dafür sorgt, dass der Wert ihrer Schulden sinkt.

Während große Teile der Gesellschaft und Wirtschaft unter niedrigen Zinsen und hoher Inflation ächzen, können und sollten Banken sich diese Umstände zunutze machen.”

Quellen:

Raisin / WeltSparen, CNBC Fed Tapering, EZB

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Crédit , Société Générale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag –  sparzinsen-vergleich.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Kurswechsel oder Stillstand in der Zinspolitik? Zinsen in Deutschland ziehen an, doch nur bei den Top-Angeboten

Kommt die lang ersehnte Trendumkehr bei den Zinsen? Die Zinsentwicklung der besten verfügbaren Angebote im deutschen Markt verspricht laut dem aktuellen WeltSparen-Zinsradar Erleichterung. Seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) ist jedoch kein Kurswechsel bei der Zinspolitik in Sicht – obwohl die Konsumausgaben der Bevölkerung zuletzt gestiegen sind.
Die EZB verlangt weiterhin Verwahrentgelte für überschüssige Liquidität von Banken. Immer mehr Finanzinstitute geben diese in Form von Negativzinsen an ihre Kundinnen und Kunden weiter, oft sogar schon ab dem ersten Euro. Erst letzte Woche schwörte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling die Bevölkerung auf “unpopuläre Geschäftsentscheidungen im Privatkundenbereich” der Banken ein – also auf anhaltend höhere Gebühren und Negativzinsen. Das “Weiter so” in der Geldpolitik der EZB fügt sich in ein unsicheres Gesamtbild: Die deutsche Wirtschaft erholt sich nach der Corona-Krise langsamer als gedacht. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat unlängst die Konjunkturprognose für 2021 auf 2,6 Prozent gesenkt. Lieferschwierigkeiten, Arbeitskräftemangel und eine im September 2021 auf ein Rekordhoch von 4,1 Prozent gestiegene Inflation hemmen das Wachstum.

Doch könnten nicht gerade höhere Zinsen stabilisierend auf die wirtschaftliche Entwicklung wirken? Nils Lackes, Country Head DACH bei Raisin, erläutert in einem Kommentar, wie sich der gestiegene Konsum auf die Banken auswirken könnte.

Zinsen bei Top-Angeboten steigen – Angebote bei größten Banken weiterhin mager

Die Zinsen für Top-Angebote sind in vielen Märkten gestiegen. Währenddessen bleibt diese positive Entwicklung bei fast allen der betrachteten größten Banken aus und das Angebot mager. In Spanien, Deutschland, Polen und den Niederlanden bieten die jeweils drei größten Banken weiterhin überhaupt keine einjährigen Festgelder. Lediglich in Norwegen stiegen die durchschnittlichen Zinsen für diese Produktkategorie bei den größten Banken – wenn auch nur marginal.

  • Die größten Spannen zwischen den Top-Angeboten und den Angeboten der drei größten Banken weisen das Vereinigte Königreich, Schweden und Polen auf.
  • Deutschland liegt mit einem Zinssatz von 0,633 Prozent bei den Top-Angeboten unverändert an zweiter Stelle der Euroländer.
  • In Spanien, den Niederlanden, Deutschland und Polen bieten die größten Banken überhaupt keine einjährigen Sparprodukte an.
  • Norwegen ist mit Zinsen von über einem halben Prozent weiterhin Spitzenreiter bei den größten Banken. Die Kunden der größten Banken erhalten sonst nur im Vereinigten Königreich und in Belgien mehr als ein Zehntel Prozent für einjährige Spareinlagen.

Leichter Aufwärtstrend bei Festgeldern hält vorerst an

Fast alle untersuchten Märkte konnten sowohl bei ein- als auch bei dreijährigen Festgeldern leichte Anstiege verzeichnen oder zumindest das Niveau des Vormonats halten. Lediglich in Spanien, Frankreich und Österreich gab es Rückgänge. Die Zinsspanne zwischen ein- und dreijährigen Anlagen blieb in den meisten Märkten überschaubar. Mehr als 0,4 Prozent beträgt sie lediglich in Frankreich und Italien.

  • Die Zinsen in Deutschland setzen ihren Aufwärtstrend fort und liegen bei 0,633 für einjährige und bei 0,713 Prozent für dreijährige Festgelder.
  • Anleger in Skandinavien, Italien und dem Vereinigten Königreich erhalten die höchsten Zinsen für ein- und dreijährige Anlagen.
  • Das Vereinigte Königreich bleibt unangefochtener Spitzenreiter mit 1,423 Prozent für ein- und 1,723 Prozent Zinsen für dreijährige Anlagen.

Hinweis: Einige der untersuchten Großbanken bieten weder einjähriges Festgeld noch ein Konto mit einem Zinsbonus nach 365 Tagen ohne Abhebung an. Ihr Zinssatz wird für die Berechnung mit 0,0 Prozent angesetzt, damit das Fehlen eines Angebots im Durchschnitt sichtbar wird. In einigen Märkten bieten nur jeweils zwei Banken Festgelder für ein oder drei Jahre an. Der Durchschnitt der Top-Angebote wird in diesem Fall mit zwei Banken berechnet.

EZB: Durchschnittszinsen für Privatkunden stagnieren bei 0,02 Prozent

Die Zinsen für Privatkunden blieben laut den neuesten Daten der EZB vom August 2021 weitestgehend konstant und fielen in der Eurozone im Durchschnitt lediglich um einen Basispunkt. Für deutsche Privatkunden verharren sie bei 0,02 Prozent. In sieben Ländern der Eurozone gab es überhaupt keine Veränderungen im Vergleich zum Vormonat. Große Veränderungen um mehr als 10 Basispunkte gab es bloß in drei Staaten außerhalb der Eurozone: Dänemark, Tschechien und Ungarn.

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.
  • In den größeren Volkswirtschaften der Eurozone sind lediglich in den Niederlanden, Italien und Frankreich leichte Zinsrückgänge zu verzeichnen.
  • In Spanien und Deutschland stagnieren die Zinsen bei 0,01 und 0,02 Prozent knapp über Null. Beide Staaten gehören damit zu den Schlusslichtern in Europa.
  • Die höchsten Zinsen für Privatkunden gibt es in Rumänien mit 1,14 Prozent.

EZB-Daten: Unternehmenszinsen im freien Fall

Der durchschnittliche Unternehmenszinssatz in der Eurozone ist im Vergleich zum Vormonat um fünf Basispunkte gefallen und liegt nun bei -0,36 Prozent. In zehn Ländern der Eurozone müssen Unternehmen Negativzinsen zahlen. In Deutschland ist die Belastung für Unternehmen mit -0,50 Prozent weiter am höchsten. Lediglich in Italien steigen die Unternehmenszinsen massiv – um 975 Prozent zum Vormonat und im Vergleich zum Vorjahr sogar um 3.400 Prozent.

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.
  • Insgesamt sind in zwölf der betrachteten Länder Strafzinsen für Unternehmen fällig.
  • Spanische Unternehmen müssen mit -0,28 Prozent wieder Strafzinsen für ihre Einlagen zahlen, nachdem der Wert im Vormonat über Null gelegen hatte.
  • Europaweit ist die Belastung in Deutschland und Dänemark mit -0,50 Prozent am höchsten.
  • Italien ist die einzige große Volkswirtschaft der Eurozone, in der Unternehmen keine Strafzinsen zahlen müssen, sondern im Mittel sogar 0,35 Prozent Zinsen erhalten.

Die aktuelle Situation kommentiert Nils Lackes, Raisin, Country Head DACH

Nils Lackes, Country Head DACH, Raisin

“Neue Daten der EZB zur Entwicklung der Spareinlagen von Privathaushalten zeigen, dass die Europäer wieder mehr Geld ausgeben – erstmals seit zwei Jahren sogar mehr, als sie sparen. Mit Blick auf die stark gestiegene Inflation – mit 4,1 Prozent in Deutschland so hoch wie seit 1993 nicht mehr – und die zunehmende Reaktivierung der Wirtschaft nach der Corona-Krise ist das kaum verwunderlich. Da es inzwischen mehr vakante Arbeitsplätze als Arbeitnehmer gibt, ist die Verhandlungsposition von Arbeitnehmern, wenn es darum geht, bessere Löhne auszuhandeln, deutlich gestärkt. Die EZB äußert sich besorgt darüber, dass dies zu einem weiteren Anziehen der Inflation führen könnte. Das Schaffen von Arbeitsplätzen könnte aber auch das weitere Wirtschaftswachstum befeuern, das Vertrauen der europäischen Verbraucher stärken und den Konsum weiter ankurbeln. Steigen die Konsumausgaben, schwinden die Liquiditätsüberschüsse der Banken – und damit auch das bei der EZB geparkte Geld. Vor diesem Hintergrund wären Banken gerade jetzt gut beraten, ihre Liquiditätsplanung längerfristig auszurichten und die Zinssätze für Spareinlagen zu erhöhen. Wie sich die Zinsen letzten Endes entwickeln werden, bleibt auch angesichts der EZB-Politik abzuwarten.“

 

Quellen:

Raisin / WeltSparen, EZB, EBA

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Crédit , Société Générale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag –  sparzinsen-vergleich.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Zinsen stoppen Talfahrt – Top-Zinsen steigen in Deutschland: Kurze Verschnaufpause oder Beginn der Trendwende?

„Liquidität ist weiterhin reichlich vorhanden“, so fasste die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem jüngsten Wirtschaftsbericht die aktuellen Bedingungen für Banken und Verbraucher zusammen und bestätigte in ihrer Pressekonferenz am 9. September 2021 die niedrigen Leitzinsen. Da die Kreditzinsen dem Economic Bulletin zufolge „historisch niedrig“ sind und das Sparaufkommen in ganz Europa nach wie vor ein Rekordniveau erreicht, verfügen die Banken in der Regel über reichlich Einlagen, so dass die Verbraucher mit immer niedrigeren Zinssätzen rechnen müssen. Die Europäische Bankenvereinigung (EBA) bestätigte in einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung ihre Erwartung, dass die Zinssätze weiter sinken werden: „Die meisten Banken gehen davon aus, dass die Finanzierungsbedingungen sehr günstig bleiben und die Kosten noch weiter sinken werden.“

Der aktuelle WeltSparen Zinsradar zeigt, dass die Europäer in einer Niedrigzins-Schleife feststecken. So bieten die Top-3-Großbanken keine Festgelder mit einjähriger Laufzeit mehr an. Dafür steigen die Top-Angebote seit Monaten zum ersten Mal, nachdem sie seit Jahresbeginn stark gesunken waren. Katharina Lüth, Vice President Europe und Managing Director von Raisin, weist darauf hin:

„Die vorübergehende Inflation – in Deutschland mit 3,9 Prozent immerhin die höchste seit Jahrzehnten – wird sich nach unten korrigieren, wenn die Menschen dem Ende der Pandemie positiver entgegenblicken und die Lieferketten sich wieder stabilisieren. Wenn die Menschen wieder zuversichtlicher sind, werden sie mehr ausgeben und die Preise werden sinken. Die Wirtschaft wird sich noch schneller erholen, wenn die Menschen mehr investieren. Die Banken werden mehr Kredite vergeben, wenn die Wirtschaft wieder anzieht… Und dann könnten auch die Zinsen wieder steigen – so zumindest der Idealfall.“

Die jüngsten Entwicklungen zeigen, wie weit Europa von einem solchen Szenario entfernt ist. In ihrem Expertenkommentar weist Lüth auf die Herausforderungen und Chancen hin, denen sich die Verbraucher angesichts der aktuellen Entwicklung von Sparzinsen und Inflation gegenübersehen.

Überliquidität der Großbanken: kaum noch Festgelder oder nur zu Winz-Zins

Viele der größten Banken in Europa bieten weiterhin nur marginale Zinsen für einjährige Festgelder, wenn sie diese überhaupt noch im Portfolio führen. Währenddessen stiegen die Zinsen der besten Angebote für einjährige Festgelder in einigen großen Märkten leicht an: Deutschland, die Niederlande, Italien und auch das Vereinigte Königreich konnten in diesem Monat einen Anstieg verzeichnen. Steckten in Deutschland die Festgeldzinsen in den vergangenen drei Monaten fest, steigen die Top-Angebote um 0,060 Prozent auf 0,583 Prozent im Durchschnitt.

  • Nur im Vereinigten Königreich ist der Zinsanstieg bedeutsam: Die Zinsen der Top-Angebote stiegen im Durchschnitt von 1,113 Prozent auf 1,423 Prozent.
  • Der spanische Spitzensatz hat sich nur deshalb nach oben bewegt, weil das niedrigste der drei Angebote, die den angegebenen Durchschnitt bilden, eingestellt wurde und keine Alternative existiert.
  • In Spanien, den Niederlanden, Deutschland und Polen bieten die größten Banken überhaupt keine einjährigen Sparprodukte an.
  • Nur im Vereinigten Königreich und in Belgien erhalten die Kunden der größten Banken im Durchschnitt mehr als ein Zehntel Prozent – in Norwegen sogar über 0,5 Prozent.

Top-Zinssätze für Festgelder: Erholung in Sicht?

Die Europäer halten den Großteil ihres Geldes weiterhin auf ihren Girokonten, nahezu unverzinst oder noch schlimmer, mit Negativzinsen belegt. Nach den neuesten Untersuchungen von WeltSparen sind die höchsten Zinssätze in Europa in den nordischen Ländern, dem Vereinigten Königreich und Italien zu finden. In Deutschland zeichnet sich eine zaghafte Wende ab: Im September ziehen erstmals seit Jahresanfang die ein- und dreijährigen Festgelder an. Zum Vergleich die Jahresentwicklung: Am Jahresanfang ließen sich in Deutschland für einjähriges Festgeld bei den Top-Angeboten 0,783 Prozent und beim dreijährigen Festgeld im Schnitt 0,970 Prozent erzielen. Die Durchschnittszinsen für Top-Angebote sind in der Bundesrepublik demnach im Jahresverlauf massiv gesunken.

  • Während die Spitzenzinsen im Vereinigten Königreich auf über 1,7 Prozent für dreijährige Einlagen und 1,4 Prozent für einjährige Produkte stiegen, gab es in Kontinentaleuropa nur geringe Veränderungen.
  • In Deutschland, den Niederlanden und Schweden sind bei Zinsen sowohl für ein- als auch dreijährige Festgelder leichte Aufwärtstrends zu beobachten.
  • Insgesamt sind im Gegensatz zum letzten Monat die meisten Entwicklungen positiv, wenn auch meist marginal.

Hinweis: Einige der untersuchten Großbanken bieten weder einjähriges Festgeld noch ein Konto mit einem Zinsbonus nach 365 Tagen ohne Abhebung an. Ihr Zinssatz wird für die Berechnung mit 0,0 Prozent angesetzt, damit das Fehlen eines Angebots im Durchschnitt sichtbar wird. In einigen Märkten bieten nur jeweils zwei Banken Festgelder für 1- oder 3-Jahre an. Der Durchschnitt der Top-Angebote wird in diesem Fall mit zwei Banken berechnet.

EZB-Daten: Zinsen für Privatkunden oft auf Vorpandemie-Niveau

Der durchschnittliche Zinssatz für Privatkunden in der Eurozone ist seit letztem Monat nur geringfügig angestiegen – mit deutlichem Anstieg in Österreich (467 Prozent) und Deutschland (150 Prozent). Noch auffälliger ist jedoch, dass sich die durchschnittlichen Zinssätze in den meisten europäischen Ländern im Vergleich zu den Vorpandemie-Zinsen vom Januar 2020 kaum verändert haben.

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.
  • In den Niederlanden, Deutschland, Spanien, Belgien und Österreich sowie in Schweden sind die Verbraucher im Durchschnitt mit fast denselben Zinssätzen konfrontiert wie vor Beginn der Pandemie Anfang 2020.
  • Eine Handvoll Ausreißer gibt es allerdings. In Estland, Polen, Tschechien, Frankreich, Italien und sogar im Vereinigten Königreich fielen die durchschnittlichen Einlagenzinsen auf weniger als die Hälfte des Niveaus vor der Pandemie. In mehreren Fällen lag dies jedoch nur daran, dass die durchschnittlichen Zinssätze Anfang 2020 kurzzeitig angestiegen waren.
  • Die Zinssätze für Privatkunden in Deutschland sind vom Rekordtief des letzten Monats wieder über die Nullmarke gestiegen und setzen die Berg- und Talfahrt fort, die den Markt seit Dezember 2020 prägt.

EZB-Daten: Unternehmenszinsen mit -0,31 Prozent schlechter als vor Beginn der Pandemie

Der durchschnittliche Unternehmenszinssatz in der Eurozone hat seit Beginn der Pandemie drei Zehntelpunkte verloren. Deutsche Unternehmen zahlen im Schnitt statt -0,11 Prozent Verwahrentgelt im Januar 2020 inzwischen -0,48 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat bleibt der europäische Durchschnittszinssatz mit -0,31 Prozent allerdings unverändert.

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.
  • Die durchschnittlichen Zinssätze für Unternehmen sind in den meisten der großen europäischen Märkte seit dem Beginn der Pandemie drastisch gesunken.
  • Dazu gehören Deutschland, Österreich, die Niederlande, Italien, Griechenland, Spanien und Irland, die alle einen Rückgang von etwa drei Zehntel Prozent verzeichneten.
  • Italien sticht in diesem Monat dadurch hervor, dass die Zinsen wie im Dezember 2020 erneut unter Null gesunken sind: Italienische Unternehmen zahlen erstmals im Durchschnitt Strafzinsen auf ihre Einlagen. Somit sank der Durchschnittszins innerhalb von zwei Monaten um 0,64 Prozent.
  • Gegen den Trend haben sich die Zinsen in Spanien und Malta entwickelt. Dort sind die Zinsen für Geschäftskunden zwischen Januar 2020 und heute stark gestiegen, in Spanien von -0,22 Prozent auf 0,03 Prozent und Malta von 0,14 Prozent auf 0,65 Prozent.

Kommentar von Katharina Lüth, VP Europe & Managing Director bei Raisin (WeltSparen)

Katharina Lüth ©Lukas Schramm
Katharina Lüth, VP Europe & Managing Director ©Lukas Schramm

 

“Die Europäer wollen Geld auf der hohen Kante haben, denn die Bargeldbestände auf den Girokonten sind nach wie vor auf Rekordhöhe. Wenn die Pandemie zurückgeht und die Wirtschaft wieder anläuft, werden die Komsumausgaben der Verbraucher wieder auf Vorpandemie-Niveau steigen. Das wird bedeuten, dass sie einen Teil ihrer Ersparnisse in den Wirtschaftskreislauf bringen. Es wird auch der Zeitpunkt sein, an dem sich viele Menschen sicher genug fühlen, Geld in längerfristige Anlageformen, einschließlich Termineinlagen, zu investieren.

Die Europäer sind jedoch gut beraten, sich vor weiteren Zinssenkungen wettbewerbsfähige Zinssätze zu sichern. Wenn der Inflationsdruck nachlässt, die Zinsen aber weiterhin stagnieren oder sinken, wovon sowohl die EZB als auch die EBA ausgehen, profitieren Anleger, die zu den heutigen Zinssätzen anlegen, doppelt – durch eine Wertsteigerung ihres Geldes und höhere Renditen. In Anbetracht dessen kann es sinnvoll sein, mittelfristige Einlagenprodukte mit Laufzeiten von zwei Jahren oder sogar länger in Betracht zu ziehen. Die Banken rechnen damit, dass die Kosten für finanzielle Mittel weiter sinken werden. Die Zentralbank vertraut darauf, dass sich die Wirtschaft verbessert. Das sollten die Verbraucher zur Kenntnis nehmen.“

Quellen:

Raisin/ Weltsparen, EZB, EBA

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag –  sparzinsen-vergleich.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Deutsche Durchschnittszinsen sinken weiter:
Privatkunden und Unternehmen müssen Strafzinsen zahlen

Sparen kostet immer mehr in Deutschland, das zeigt eine Analyse der aktuellen Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) durch WeltSparen. Der durchschnittliche Zinssatz für Privatkunden für bis zu einjährige Spareinlagen fällt erneut ins Minus auf ein neues Rekordtief von -0,04 Prozent. Geschäftskunden trifft es noch härter: Sie müssen im Schnitt -0,49 Prozent Negativzinsen zahlen.

In Europa sind Privatkunden wie Unternehmen beim Sparen mit sehr unterschiedlichen Konditionen und einem ungleichen Zugang zu verzinsten Sparprodukten konfrontiert. Dabei ist der Kontinent geteilt in wettbewerbsfähige und nicht wettbewerbsfähige Märkte: In Ländern mit einer Zinsspanne haben Verbraucher immer noch die Wahl, anderswo können sie Negativzinsen kaum mehr umgehen.

Großbanken bieten kaum noch Sparangebote, gleichzeitig nehmen Top-Angebote ab

Laut WeltSparen-Zinsradar sind die großen europäischen Märkte bei den Zinssätzen für Privatkunden zweigeteilt: In Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien sind die Wahlmöglichkeiten für Verbraucher stark eingeschränkt. Das Vereinigte Königreich, Italien und die skandinavischen Länder weisen dagegen noch beträchtliche Zinsspannen auf, die bis zu über einem Prozent reichen. In Frankreich, Italien, Schweden und Portugal sind die besten Zinssätze für Spareinlagen mit einjähriger Laufzeit zwar weiterhin rückläufig und die größten Banken in diesen Märkten können ihren Kunden nur sehr geringe oder sogar gar keine Zinsen mehr anbieten. Dennoch lohnt sich der Vergleich, um positive Zinsen zu erzielen und Negativzinsen zu vermeiden.

  • Großbanken am Nullpunkt: Die Kunden der drei größten Banken in Deutschland, den Niederlanden und Spanien haben gar keine Optionen für verzinste einjährige Festgeldanlagen mehr.
  • Die größten Banken in Österreich, Polen, Schweden, Frankreich, Irland und Portugal bieten noch Festgelder mit einjähriger Laufzeit an, allerdings nur zu Niedrigzinsen von durchschnittlich maximal 0,05 Prozent.
  • Norwegens Großbanken sind mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 0,5 Prozent für einjähriges Festgeld der Ausreißer unter den europäischen Volkswirtschaften.
  • Spitzenzinsen von über einem Prozent erzielen Verbraucher in Norwegen, Schweden und dem Vereinigten Königreich. In Polen und Italien sind fast ein Prozent Zinsen möglich.

Sinkende Spitzenzinsen für Festgelder: schwindende Optionen für Sparende

Die Spitzenzinsen für Festgeldanlagen bewegen sich kaum in Europa. Aktuell existieren zudem kaum noch Unterschiede zwischen ein- und dreijährigen Anlagen. Im Angesicht aktueller Rekordinflationsraten wie in Deutschland mit zuletzt 3,8 Prozent wird es für Sparer schwierig, ihre Anlagen sicher gewinnbringend anzulegen und die Folgen der Inflation zu mildern. Immerhin steigt in Deutschland erstmals seit über einem halben Jahr der Durchschnitt der Top-Angebote für dreijährige Festgeld leicht um 0,016 Prozentpunkte.

  • Die durchschnittlichen höchsten 3-Jahres-Zinssätze in Deutschland sind geringfügig gestiegen – zum ersten Mal seit dem Januar dieses Jahres.
  • Die Durchschnittszinsen der Top-Angebote zeigen, dass Verbraucher in Deutschland, Spanien und den Niederlanden noch Zinsen für ihre Ersparnisse erzielen können, die um ein Vielfaches höher sind als bei den größten Banken des Landes. In Deutschland liegen die besten verfügbaren 1-Jahres-Angebote bei 0,523 Prozent und die besten verfügbaren 3-Jahres-Zinsen bei 0,603 Prozent.
  • Eine Ausnahme bildet das Vereinigte Königreich, lediglich hier steigen die Spitzenzinsen für ein- und dreijährige Festgelder.

 

EZB-Daten: Durchschnittszins für Privatkunden mit neuem Negativrekord

Die jüngsten EZB-Daten für den Juni 2021 zeigen, dass der durchschnittliche Zinssatz für Verbraucher in der Eurozone auf einen neuen Tiefststand von 0,14 Prozent gefallen ist. In fast allen Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums sowie im Vereinigten Königreich sind die durchschnittlichen Zinssätze heute niedriger als vor einem Jahr. Die Ausnahmen sind Belgien, Finnland, Irland und Luxemburg sowie Spanien, wo die Zinsen bei kläglichen 0,01 Prozent verharren. In sieben Ländern der Eurozone liegen die durchschnittlichen 1-Jahres-Zinssätze bei oder unter 0,1 Prozent.

Deutschland ist das einzige Land der Eurozone mit einem negativen Durchschnittszins. Mit -0,04 Prozent erreicht die Bundesrepublik bei den bis zu einjährigen Einlagen einen erneuten Tiefstand. Verantwortlich dafür ist sicherlich auch der Rückzug vieler Banken aus dem Einlagengeschäft, so dass aktuell ein Mangel an verzinsten Sparoptionen am Markt besteht.

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.
  • Deutsche Verbraucher kämpfen mit Negativzinsen. Der Durchschnittszins hierzulande erreicht mit -0,04 Prozent ein neues Rekordtief.
  • Knapp darüber liegen Spanien mit einem Durchschnittszins 0,01 Prozent, Österreich mit 0,03 Prozent und Portugal mit 0,05 Prozent.
    In Italien und Frankreich hingegen erhalten die Verbraucher mit durchschnittlich 0,47 Prozent fast ein halbes Prozent auf ihre Einlagen.
  • Das Vereinigte Königreich und Schweden weisen im Vergleich mit 0,27 Prozent beziehungsweise 0,23 Prozent etwas niedrigere, aber respektable Durchschnittszinsen auf.

Unternehmenszinsen europaweit im Sturzflug: Zehn Märkte im Minus

Der durchschnittliche Zinssatz für Unternehmen in der Eurozone sinkt auf einen neuen Tiefststand von -0,31 Prozent. Acht Länder der Eurozone und zwei Märkte außerhalb des Euroraums verlangen im Durchschnitt Negativzinsen auf Unternehmenseinlagen. Deutschlands, Dänemarks und Irlands Unternehmen sind mit fast einem halben Prozent im Minus am stärksten betroffen.

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.
  • Deutschland, Dänemark und Irland sind die teuersten Märkte für Geschäftskunden: Unternehmen müssen in den drei Ländern zwischen -0,45 Prozent und -0,49 Prozent Verwahrentgelt für ihre Einlagen zahlen.
  • Auch in den Benelux-Ländern, in Österreich und mehreren osteuropäischen Märkte sind Negativzinsen fällig.
  • Leichte Erholung in Spanien: Der Unternehmenszins steigt um 33 Basispunkte auf 0,2 Prozent, nachdem er im Vormonat noch im negativen Bereich lag.
  • In Italien sinkt der Zinssatz für Unternehmenseinlagen von 0,48 Prozent im Vormonat auf lediglich 0,18 Prozent.

Kommentar von Dr. Verena Thaler, VP Strategy & Business Development bei Raisin

Dr. Verena Thaler, Vice President of Strategy and Business Development (c) Lukas Schramm

Während die Zinssätze in vielen EU-Ländern auf ein Allzeittief gefallen sind, steigt bei vielen Unternehmen die Liquidität und die Europäer sparen mehr denn je. Dabei sind sowohl Privat- als auch Geschäftskunden je nach Land mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen konfrontiert. Nur wenige Anleger haben Zugang zu wettbewerbsfähigen Zinssätzen am eigenen Markt, während andere – insbesondere Geschäftskunden – kaum Ertrag erzielen oder mit Negativzinsen bestraft werden. Ähnlich unterschiedlich gestalten sich die Kosten je nach Land für Banken, die sich durch Kundeneinlagen refinanzieren.

Ein entscheidender Schritt zur Beseitigung dieser Ungleichheit ist die Stärkung der Europäischen Bankenunion, auf die die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin drängt. Wie EZB-Vizepräsident Luis de Guindos in seiner Rede im März 2021 betonte, wird die Bankenunion den europäischen Banken und damit auch den Verbrauchern mehr Stabilität bringen. Dafür brauche es laut Guindos aber die Einführung eines einheitlichen, harmonisierten europäischen Einlagensicherungssystems, kurz EDIS.

Nur wenn die EU eine Bankenunion einschließlich EDIS einführt, können Banken und Sparer von denselben Rahmenbedingungen bei grenzüberschreitenden Finanzierungsmöglichkeiten beziehungsweise europaweitem Sparen profitieren. Banken könnten sich günstiger refinanzieren, indem sie leichter Einlagen in weniger wettbewerbsfähigen Märkten anbieten können. Gleichermaßen erhielten Sparende durch grenzüberschreitende Sparangebote oft höhere Zinsen als in ihrem Heimatmarkt. Erst wenn das möglich ist, profitieren Verbraucher wie Unternehmen vollständig vom Binnenmarkt und der gemeinsamen Währung, die laut einer aktuellen Umfrage der Europäischen Kommission von 80 Prozent aller Bewohner der Eurozone befürwortet wird.

Quellen:

Raisin/ Weltsparen, EZBEuropäische Kommission

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag –  sparzinsen-vergleich.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

WeltSparen Zinsradar – Zinsen im Sommerloch? Sparzinsen erreichen Rekordtief laut EZB

  • Laut Daten der EZB sinken die Sparzinsen in der Eurozone für Privatkunden erneut auf Tiefstand von 0,16 Prozent im Durchschnitt.
  • Sparzinsen bei Geschäftskunden erreichen ein neues Rekordtief von durchschnittlich -0,24 Prozent.
  • Der Zinssatz für Privatkunden in Deutschland fällt laut EZB-Analyse auf durchschnittlich 0,01 Prozent, für Unternehmen sogar auf -0,34 Prozent.
  • Immer mehr Großbanken bieten Privatkunden keine Sparprodukte mehr an, erste Banken ziehen sich komplett aus dem Retail-Geschäft zurück.

Negativzinsen treffen immer mehr Menschen und Banken in ganz Europa. Inzwischen stellt sich die Frage: Zwingen Privatkundeneinlagen Banken in die Knie?

Dr. Tamaz Georgadze, Co-CEO Raisin, kommentiert die aktuellen Entwicklungen:

Tamaz Georgadze ist CEO und Gründer von WeltSparen.
Dr. Tamaz Georgadze, Co-CEO von Raisin

“Viele europäische Finanzinstitute bieten Privatkunden erst gar keine Sparprodukte mehr an. Das Beispiel der niederländischen Rabobank zeigt die Folgen der dauerhaften Niedrigzinsen. Sie stellt ihr Privatkundengeschäft RaboDirect in Deutschland zum Jahresende ein. Betroffen sind 250.000 deutsche Privatkunden mit mehr als acht Milliarden Euro Anlagevermögen. Aber warum? „Eine Kombination aus hohen Ersparnissen, günstiger Finanzierung durch die Europäische Zentralbank sowie niedrigen Zinsen wirkt sich jedoch langfristig negativ auf die Rentabilität des Direktbankgeschäfts aus”, begründet Klaus Vehns, Europachef des Direktbankgeschäfts und Deutschland-Chef der Rabobank, den Schritt. Es ist nicht die erste Bank in Europa, die sich in diesem Jahr aufgrund zu hoher Sparvolumina aus dem Privatkundengeschäft zurückzieht.

Auch die jüngste Strategieüberprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB) lässt nicht auf eine unmittelbare Verbesserung hoffen. Das langfristige Inflationsziel wurde nun zwar auf genau zwei Prozent festgelegt und von weiteren Maßnahmen abgesehen, obwohl EZB-Direktorin Isabel Schnabel selbst zuletzt mit einer Inflation von über drei Prozent für Deutschland rechnete.

Dementsprechend ist an den Einlagenmärkten keine Erleichterung in Sicht. Ganz im Gegenteil: Die Zinsen für Privatkunden fielen in der Eurozone wieder auf den bisherigen Tiefpunkt. Bei den Geschäftskunden wurde die alte Schwelle in der Eurozone sogar noch um zwei Basispunkte unterschritten. Die langfristige Niedrigzinspolitik fordert daher immer mehr Opfer.”

Der Zinsradar von WeltSparen analysiert die höchsten verfügbaren Zinssätze in den europäischen Märkten sowie die durchschnittlichen Zinssätze der drei größten Banken jedes Landes. Zudem wertet der WeltSparen-Zinsradar auf Basis der EZB-Daten die Sparzinsen in Europa für Privat- und Geschäftskunden aus.

Summerblues? Kaum Zinsbewegung bei Großbanken und Top-Angeboten

In weiten Teilen Europas bleibt die Situation unverändert. Viele der größten Banken bieten weiterhin keine oder nur gering verzinste einjährige Festgeldprodukte an. Auch die Zinsen der  Top-Festgeldangebote stagnieren in der Regel, sodass sich Zinshopping zwischen verschiedenen Sparangeboten nur in Einzelfällen lohnt. In Deutschland liegt der durchschnittliche Spitzenzins der drei Top-Angebote am Markt unverändert auf seinem bisherigen Tiefpunkt von 0,523 Prozent.

  • Zinsvergleich Großbanken vs. beste Zinsen

 

  • Norwegen ist weiterhin Spitzenreiter, sowohl bei den größten Banken (0,483 Prozent) auch als bei den Top-Angeboten (1,217 Prozent).
  • In Polen, dem Vereinigten Königreich und Italien sind die besten Zinsen für einjährige Festgelder wieder auf beziehungsweise über ein Prozent gestiegen.
  • Darüber hinaus gab es lediglich in den Niederlanden und Frankreich Veränderungen. In Frankreich stiegen die Top-Zinsen für einjährige Anlagen um etwa sieben Basispunkte auf 0,517 Prozent, während sie in den Niederlanden leicht fielen – auf nun 0,35 Prozent.
  • Irland ist mit 0,050 Prozent Schlusslicht bei den einjährigen Anlagen. Hinter Spanien, das mit 0,267 Prozent an vorletzter Stelle liegt.

Sommerferien: Überwiegend Stagnation bei den Festgeld-Laufzeiten

In vielen Märkten gab es im Vergleich zum Vormonat weder bei den Top-Angeboten für einjährige noch für dreijährige Festgeldprodukte Zinsänderungen. Die Entwicklungen, die es gab, waren mehrheitlich positiv. Lediglich in den Niederlanden fielen die Zinsen für ein- und dreijährige Anlagen, während in Italien und Portugal nur bei dreijährigen Anlagen ein Rückgang zu verzeichnen war.

Zinsvergleich Banken und Top-Angebote

  • Deutschland stagniert bei 0,523 für einjährige und 0,587 Prozent für dreijährige Festgelder. Damit hat es mit 0,064 nach Irland (0,050) die im Durchschnitt niedrigste Zinsdifferenz.
  • Im Vereinigten Königreich und in Polen stiegen die Zinsen für ein- und dreijährige Anlagen.
    Italien bietet in beiden Kategorien weiterhin die höchsten Zinsen im Euroraum an.
  • Der Vergleich wird in beiden Kategorien weiter von den Märkten dominiert, die nicht Mitglied der Eurozone sind: Schweden, Norwegen, das Vereinigte Königreich und Polen. Nur bei den dreijährigen Anlagen liegt Italien trotz gesunkener Zinsen weiterhin auf Platz drei.

Hinweis: Einige der untersuchten Großbanken bieten weder einjähriges Festgeld noch ein Konto mit einem Zinsbonus nach 365 Tagen ohne Abhebung an. Ihr Zinssatz wird für die Berechnung mit 0,0 Prozent angesetzt, damit das Fehlen eines Angebots im Durchschnitt sichtbar wird. In einigen Märkten bieten nur jeweils zwei Banken Festgelder mit einer Laufzeit von drei Jahren an. Der Durchschnitt wird in diesem Fall mit zwei Banken berechnet.

EZB-Daten: Zinsen für Privatkunden erneut auf historischem Tiefstand

Die Zinsen für Privatkunden sind in der Eurozone laut den neuesten Daten der EZB nach einer leichten Erholung wieder auf ihr Allzeittief vom Dezember 2020 gesunken: Lediglich 0,16 Prozent Zinsen können Sparer durchschnittlich erzielen. Bei den größten Volkswirtschaften der EU zeigt sich dabei ein gemischtes Bild. Während die Zinsen in Frankreich und Italien trotz Rückgängen weiterhin bei 0,40 respektive 0,60 Prozent liegen, erwirtschaften Sparerinnen und Sparer in Spanien und Deutschland mit 0,01 Prozent quasi keinen Ertrag. Für die Deutschen besonders bitter: Der Zins fällt auf den tiefsten Wert seit Jahresstart bei einer hohen vorläufigen Inflationsrate von 2,3 Prozent im Juni. Damit liegt der Zins nur zwei Basispunkte über dem Negativrekord von -0,01 Prozent im Dezember 2020.

 

Privatkundenzinsen in Europa laut EZB
Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.

 

  • In Deutschland rutscht der durchschnittliche Zinssatz für bis zu einjährige Neueinlagen um -83 Prozent auf 0,01 Prozent und damit fast in die Negativzone, im Vergleich zum Vorjahr ist der Zinssatz sogar um -93 Prozent gesunken.
  • Europaweit verzeichnete Italien mit – 22 Basispunkten absolut den größten Rückgang und hat dennoch mit 0,60 Prozent noch immer die dritthöchsten Zinsen.
  • Im europäischen Vergleich erhalten Anleger in Rumänien (1,09 Prozent) und den Niederlanden (0,88 Prozent) die höchsten Zinsen.
  • In Spanien (0,01 Prozent), Portugal (0,05 Prozent) und Zypern (0,07 Prozent) stagnieren die Zinsen auf niedrigem Niveau.
  • Dänemark bleibt im Verbrauchersegment in der EU der einzige Staat mit negativen Zinsen in Höhe von-0,24 Prozent. Dagegen trumpft einer der langjährigen Tabellenletzten – nämlich Irland – mit 0,13 Prozent im Durchschnitt auf, ein massiver Anstieg von 550 Prozent im Jahresvergleich.

EZB-Analyse: Negativrekord bei Einlagen für Geschäftskunden in Europa

Ein Rückgang um sechs Basispunkte beschert den Geschäftskunden in der Eurozone einen neuen Negativrekord: Auf einjährige Einlagen müssen sie im Mittel -0,24 Prozent Strafzinsen entrichten. Deutsche Geschäftskunden trifft es noch härter, denn sie müssen im Schnitt -0,34 Prozent Zinsen bezahlen. Dabei zeigen sich bei den größten Volkswirtschaften wiederum unterschiedliche Entwicklungen. Während Frankreich und Deutschland einen Rückgang um rund zehn Basispunkte verzeichneten, steigen die Zinsen in Spanien um zehn und in Italien um 17 Basispunkte.

Geschäftskundenzinsen in Europa laut EZB
Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.

 

  • Geschäftskunden müssen nun in insgesamt elf Ländern Strafzinsen zahlen.
    In Deutschland, den Niederlanden und Österreich betragen die Strafzinsen jeweils rund -0,35 Prozent.
  • Die Zinsen in Frankreich fielen im Vergleich zum Vormonat um 8 Basispunkte wieder auf unter Null (-0,02 Prozent).
  • Schlusslicht im europäischen Vergleich ist Dänemark mit -0,50 Prozent. Auf dem vorletzten Platz liegen Luxemburg und Irland mit jeweils -0,43 Prozent.
  • Rumänien, Malta und Italien bieten mit 1,07, 0,70 und 0,48 Prozent europaweit die höchsten Zinsen für Geschäftskunden.

 

Quellen:

Raisin / WeltSparen, EZB, DESTATIS, Handelsblatt, Rabobank

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag –  sparzinsen-vergleich.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Festgeldzinsen in Deutschland erreichen neuen Tiefststand

Inflation auf 10-Jahres-Hoch, Zinsen im Keller, überliquide Banken

Die Inflation nimmt in ganz Europa an Fahrt auf – in Deutschland stieg die Inflationsrate im Mai 2021 auf 2,5 Prozent, der höchste Wert seit 2011. Doch die Zinsen für Spareinlagen bewegen sich nicht aufwärts, das Gegenteil ist der Fall. Dabei erreichten die Sparquote und das Geldvolumen der Deutschen zuletzt ebenfalls neue Rekordhöhen – ganz zum Verdruss der Retail-Banken. Auf ihnen lasten die Kosten der Überliquidität, die sie zum Teil in Form von Negativzinsen an ihre Kundschaft weitergeben. Das jüngste BGH-Urteil zu den AGB-Änderungen nach dem Motto “Schweigen ist Zustimmung” stellt diese Praxis in Frage: Der Bundesgerichtshof (AZ XI ZR 26/20) hat rückwirkend zum 1. Januar 2018 entschieden, dass diese Klauseln im Zusammenhang mit Preiserhöhungen und Verwahrentgelten in Form von Negativzinsen ungültig sind – was die Banken hohen Verbindlichkeiten aussetzt, geschätzte 300 Millionen Euro allein für die Deutsche Bank.*

Während die Menschen sich zunehmend um eine Geldentwertung sorgen, betrachtet die Europäische Zentralbank (EZB) die steigende Inflation nur als vorübergehendes Phänomen – im Gegensatz zu den dauerhaft niedrigen Zinssätzen. So beabsichtigt die Zentralbank, die Zinsen bis zum ersten Quartal 2022 weiter niedrig zu halten. Die neuen EZB-Daten zeigen einen leichten Aufwärtstrend in Europa, doch nicht in Deutschland: Bei den Zinssätzen für Privatkunden herrscht keine Bewegung bei einem Durchschnittszinssatz von 0,06 Prozent und für Geschäftskunden sieht es düster aus, hier sinken die Zinsen um -108 Prozent auf -0,25 Prozent.

Liquiditätsunterschiede: Zinsdifferenz in Europa verringert sich

Der Zinsradar von WeltSparen analysiert die höchsten verfügbaren Zinssätze in den europäischen Märkten sowie die durchschnittlichen Zinssätze der drei größten Banken jedes Landes. Die durchschnittliche Zinsspanne und das Niveau der höchsten Zinssätze verdeutlichen, dass Banken und Sparer Chancen nutzen können, wenn sie ihr Geld grenzüberschreitend anlegen. In der Analyse der Länder werden grenzüberschreitende Zinsangebote wie von WeltSparen.de nicht berücksichtigt. Matthias Klaubert, Bankenexperte und Director Partner Bank Management & Operations bei Raisin/WeltSparen erläutert, wie das anhaltende Niedrigzinsniveau das Produktangebot für Verbraucher verändert und sich auf das Liquiditätsungleichgewicht im Bankensektor auswirkt.

Zinstrend nach unten: 1-jährige Festgelder in Deutschland erreichen Tiefststand

Viele der drei größten Banken in einigen Staaten Europas – darunter Deutschland, Spanien und die Niederlande – bieten inzwischen überhaupt keine einjährigen Festgelder mehr an. Europaweit fallen bei den Großbanken die Zinssätze, aber bei den Top-Angeboten sinken sie sogar noch schneller. Die höchsten verfügbaren Zinssätze sind in fast allen Ländern der Eurozone gesunken. Der durchschnittliche Spitzenzins für 1-jährige Einlagen rutscht in Deutschland auf einem neuen Tiefststand von 0,523 Prozent. So verringert sich die Zinsdifferenz zunehmend und es wird immer schwieriger, gute Zinsangebote zu finden.

  • Nur in Belgien, Italien und Norwegen bieten die großen Banken im Durchschnitt mehr als ein Zehntel Prozent Zinsen, wobei in Italien lediglich eine große Bank überhaupt ein 1-Jahres-Festgeldprodukt anbietet.
  • Auch außerhalb der Eurozone bleibt die Situation stabil: Die durchschnittlichen Zinsen in Schweden, Norwegen und Polen halten sich auf Vormonats-Niveau.
  • Als einziger Markt in Europa verzeichnet das Vereinigte Königreich einen leichten Anstieg: Den zweiten Monat in Folge stiegen die Zinsen um mehr als ein Zehntelprozent.

1-Jahres-Festgelder rutschen in der Eurozone unter die 1-Prozent-Marke

Innerhalb der Eurozone liegen die höchsten 3-Jahres-Zinssätze nur in Italien über einem Prozent, während alle 1-Jahres-Top-Zinsen unter diese Schwelle gesunken sind. Außerhalb der Eurozone haben alle untersuchten Länder relativ hohe 3-Jahres-Spitzensätze von deutlich über einem Prozent und 1-Jahres-Sätze nahe oder sogar über einem Prozent.

  • In Deutschland, Belgien und Irland hat sich der Abstand zwischen den 1- und 3-jährigen Spitzenzinsen noch weiter verringert und liegt nun bei oder unter einem Zehntelpunkt.
  • Norwegen, Schweden und Italien weisen unter den größten europäischen Märkten weiterhin die höchsten 1- und 3-jährigen Festgeldzinsen auf, das Vereinigte Königreich folgt dicht dahinter.
  • Italien verteidigt den hohen Durchschnittswert von 1,575 Prozent für die besten 3-Jahres-Zinsen.
  • Die besten verfügbaren 3-Jahres-Festgeldzinsen sanken fast in der gesamten Eurozone, vor allem in Deutschland, Spanien, Portugal, den Niederlanden und Irland.

EZB-Daten: Abwärtsbewegung bei Zinsen für Privatkunden im Jahresvergleich

Die durchschnittlichen Zinssätze im Privatkundengeschäft liegen in 15 Ländern Europas weiterhin bei oder unter 0,2 Prozent. Im letzten Jahr wiesen einige Märkte deutliche Schwankungen auf. Italiens durchschnittlicher Zinssatz fiel von 1,55 Prozent im letzten März, vor Beginn der Corona-Pandemie, auf zuletzt 0,82 Prozent. Das Vereinigte Königreich fiel von 1,04 Prozent auf heute 0,27 Prozent, Frankreich von 0,76 Prozent auf 0,41 Prozent und Polen von 1,2 Prozent im letzten Jahr auf aktuell 0,19 Prozent.

Von den größeren Volkswirtschaften Europas widersetzte sich nur Schweden diesem Trend: Der durchschnittliche Zinssatz für Privatkunden stieg von 0,15 Prozent im letzten Jahr auf aktuell 0,42 Prozent. Belgien konnte den Zins-Durchschnitt sogar mehr als verdoppeln, allerdings nur auf einem niedrigen Niveau, von 0,09 Prozent auf aktuell 0,21 Prozent.

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.

  • In Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Schweden erhöhten sich die durchschnittlichen Zinssätze leicht um zwei bis sechs Basispunkte.
  • In Deutschland blieb der Durchschnittswert von 0,06 Prozent unverändert. Auch in Italien (0,82 Prozent), Spanien (0,01 Prozent) und Griechenland (0,16 Prozent) waren die durchschnittlichen Zinsen stabil.
  • Italien bleibt mit einem hohen Durchschnittszins von 0,82 Prozent ein Ausreißer unter den Volkswirtschaften der Eurozone, mit Ausnahme der Niederlande, wo die EZB-Berechnung spezielle Bausparprodukte beinhalten.

Geschäftskunden verlieren doppelt durch Inflation und Negativzinsen

Zusätzlich zum Druck der steigenden Inflation sehen sich Unternehmen in 22 europäischen Ländern mit Zinssätzen von durchschnittlich unter 0,1 Prozent für ihre liquiden Mittel konfrontiert. Der durchschnittliche Zinssatz für Unternehmen in der Eurozone liegt mit 0,18 Prozent nur wenig höher. Von Negativzinsen betroffen sind Unternehmen in Deutschland, Spanien und den Niederlanden mit durchschnittlichen Zinssätzen zwischen -0,23 Prozent und -0,29 Prozent. Das Schlusslicht bildet Irland mit durchschnittlich -0,43 Prozent für Unternehmenseinlagen. Für deutsche Unternehmer doppelt bitter: Die Sparzinsen sind erneut massiv um 108 Prozent zum Vormonat gesunken, und das bei einer steigenden Inflation.

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.

  • Unternehmen in zehn europäischen Ländern sind mit negativen Zinsen auf ihre Einlagen konfrontiert, darunter Deutschland, Österreich, die Niederlande, Irland und Spanien.
  • Weitere zwölf Märkte – darunter Frankreich, Großbritannien und Schweden – verzeichnen durchschnittliche Zinssätze für Unternehmen von unter 0,1 Prozent.
  • Von den westeuropäischen Volkswirtschaften hat nur Italien mit 0,31 Prozent einen wettbewerbsfähigen Durchschnittszins. Estland und mehrere osteuropäische Märkte bieten Unternehmen ebenfalls eine durchschnittliche Rendite.

Kommentar von Matthias Klaubert, Director Partner Bank Management & Operations bei Raisin/WeltSparen

Matthias Klaubert, Director Partner Bank Management & Operations, Raisin
(c) Lukas Schramm

„Banken stehen in diesem Jahr vor besonderen Herausforderungen im Liquiditätsmanagement. Sie wissen zwar, dass ihr Aktivgeschäft mit dem Rückgang der Pandemie wieder auflebt, jedoch mit der Unsicherheit, wann und in welchem Umfang.

Der Anstieg der Inflation in den letzten Monaten verstärkt zudem den Druck auf Bankkunden – Privat- wie Firmenkunden –, Lösungen zu finden, die ihre Verluste reduzieren, wenn nicht sogar Rentabilität bieten. In mehreren großen Märkten der Eurozone führen die größten Banken zunehmend Negativzinsen für Geschäftskunden und Privatkunden ein, und dies bereits für kleinere Guthaben. In Deutschland, den Niederlanden und Spanien sind nach unseren Recherchen viele Großbanken so überliquide, dass sie ihren Kunden die beliebten 1-jährigen Festgeldprodukte erst gar nicht mehr anbieten.

Gleichzeitig sehen wir während der Pandemie eine Dynamik in bestimmten Wirtschaftsbereichen, zum Beispiel im Tech-Sektor, und einen starken B2B-Bankenmarkt, um diese Branchen zu bedienen. Spezialisierte Banken, die an diesem Wachstum partizipieren, benötigen zunehmend Liquidität, die zur Zeit größtenteils bei den großen Endkundenbanken gebunden ist. Höhere Margen ermöglichen den spezialisierten Banken aber, über den Zinssatz mit den großen Banken zu konkurrieren, um die benötigten Mittel – beispielsweise für die Kreditvergabe an Unternehmen – zu erhalten.

In Anbetracht der drohenden Inflation – auch wenn diese aus meiner Sicht überbewertet wird – erwarten die Verbraucherinnen und Verbraucher Sparoptionen, die ihnen helfen, den potenziellen Wertverlust ihres Geldes zu mindern. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld macht es Banken, die Liquidität benötigen, leichter, sich bei solchen Kunden zu positionieren. Wenn wir uns die europäischen Zinsmärkte ansehen, bieten Länder wie Deutschland, die   Niederlande und Spanien sehr kostengünstige Refinanzierungsoptionen aus Bankensicht und gleichzeitig für Endkunden attraktive Angebote.“

 

*Handelsblatt (10.06.2021): Deutsche Bank rechnet mit 300 Millionen Belastungen

Hinweis: Einige der untersuchten Großbanken bieten weder einjähriges Festgeld noch ein Konto mit einem Zinsbonus nach 365 Tagen ohne Abhebung an. Ihr Zinssatz wird für die Berechnung mit 0,0 % angesetzt, damit das Fehlen eines Angebots im Durchschnitt sichtbar wird. In einigen Märkten bieten nur jeweils zwei Banken Festgelder mit einer Laufzeit von drei Jahren an. Der Durchschnitt wird in diesem Fall mit zwei Banken berechnet.

Quellen:

Raisin / WeltSparen, EZB, DESTATIS, Bundesbank

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag –  sparzinsen-vergleich.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

 

 

Sparen am Ende? Zwischen Niedrigzinsen und Inflationsangst

Durchschnittszinsen in Deutschland seit 2020 um 60 Prozent gesunken

Die Zinssätze in ganz Europa haben ihren Tiefpunkt noch immer nicht erreicht. Die Zinsen sinken seit Jahren Monat für Monat weiter, wenn auch nur geringfügig. Dieser Trend wurde durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie noch verstärkt. So entsteht ein Dilemma: Während die Europäer angesichts der aktuellen wirtschaftlich Unsicherheit weiterhin ihr Geld horten, vergeben die Banken nur zögerlich Kredite, sodass immer mehr Überschussliquidität in ihren Büchern bleibt. Vor allem deshalb sind die Zinsen trotz aller Bemühungen und Konjunkturprogramme der Europäischen Zentralbank weiterhin niedrig.

Sparer können die Inflation im besten Fall ausgleichen, wenn sie ihr Geld beispielsweise in kurz- oder langfristigen Festgeldern anlegen. Die aktuellen Inflationszahlen reichen in den größten EU-Märkten von 0,79 Prozent in Italien bis zu 1,17 Prozent in Frankreich, 1,49 Prozent in den Niederlanden und 2,0 Prozent in Deutschland und Spanien. So nähert sich die Inflationsrate allmählich dem selbst gesteckten Ziel der EZB um die zwei Prozent. Dabei wird erwartet, dass sie im Laufe des Jahres weiter steigen – hierzuland laut EZB-Direktorin Isabel Schnabel sogar auf mehr als drei Prozent.

Die lange Sicht: Da die jahrelange Niedrigzinspolitik nicht die notwendigen Impulse setzen konnte, diskutiert die EZB derzeit, ob eine Anhebung des Inflationsziels helfen könnte, die Zinsen wieder nach oben zu treiben.

Zinsstarre: Deutsche Großbanken und beste Sparzinsen bleiben standhaft

  • In Deutschland, Spanien, Belgien, den Niederlanden und Irland blieben die Zinsen für Top-Angebote auf dem Niveau des Vormonats.
  • Die besten verfügbaren Zinsen veränderten sich lediglich in Österreich, Frankreich, Italien, Schweden und Norwegen.
  • Frankreich, Italien, Norwegen und Schweden verzeichneten einen Rückgang bei den Top-Angeboten.
  • In sieben Märkten – darunter Deutschland – beträgt der Unterschied zwischen den Top-Angeboten und den Angeboten der größten Banken mehr als ein halbes Prozent, in Schweden sogar über einem Prozent.

Auf Tuchfühlung: 1-jährige vs. 3-jährige Festgelder nähern sich immer stärker an

Der Unterschied zwischen 1- und 3-jährigen Festgeldern bei den Top-Angeboten bleibt gering. In Deutschland und Irland beträgt er weniger als 0,1 Prozent und in den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Österreich, Polen und Norwegen weniger als 0,3 Prozent. Frankreich und Italien sind die Ausreißer. Hier sind die Zinsen für 3-jährige Festgelder um mehr als 0,4 Prozent höher als die Zinsen für 1-jährige.

  • Die Top-Zinsen für 3-jähriges Festgeld sind in Deutschland marginal um rund 0,017 Prozent gefallen. So nähern sich die Laufzeiten im Zins nahezu an mit einer Differenz von nur noch 0,066 Prozent.
  • Lediglich im Vereinigten Königreich und Österreich stiegen die Zinsen im Vergleich zum Vormonat leicht.
  • Dagegen fallen in Frankreich die Top-Zinsen für beide Anlagehorizonte.

Analyse der EZB-Daten: Durchschnittszinsen für Deutsche seit 2020 um 60 Prozent gesunken

Gemäß den aktuellen EZB-Daten  wurde der leicht steigende Trend bei den Zinsen in Europa gebrochen. Im Durchschnitt sanken – wenn auch nur leicht – die Festgeldzinsen für Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr im gesamten Euroraum um rund zehn Prozent. Seit Anfang des Jahres sah kein einziges Land der Eurozone einen durchschnittlichen Zinssatz von über einem Prozent.

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.
  • In Deutschland sank der Durchschnittszinssatz um 14 Prozent und sogar um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
  • Zwei der größten europäischen Länder verloren im Mittel: In Schweden sanken die Zinsen um 12 und in Frankreich um acht Basispunkte.
  • Kleinere Märkte wie die Slowakei oder Lettland verzeichneten auch Rückgänge um 10 Basispunkte und 16 Basispunkte.
  • Irland, das seit Jahren unter Niedrigzinsen leidet, konnte trotz minimalen Rückgang von zwei Basispunkten im Vergleich zum Vorjahr um 450 Prozent zulegen.

Aufatmen bei Geschäftskunden: Steigende Sparzinsen

Unternehmen könnten die guten Nachrichten der EZB in Form von kleinen Erholungen der Zinssätze für Unternehmenseinlagen in einigen der größten Euro-Märkte freuen – unter anderem in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden. In Frankreich verlassen die Zinsen sogar die Negativzone und ermöglichen den Unternehmen zumindest eine kurze Verschnaufpause. Im europäischen Durchschnitt müssen Unternehmen dennoch negative Verzinsungen von -0,11 Prozent hinnehmen.

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.
  • In Deutschland sind die Zinsen für Geschäftskunden weiterhin negativ, auch wenn sie Vergleich zum Februar auf -0,12 Prozent um 54 Prozent gestiegen sind.
  • Frankreich hat dank eines Anstiegs um 17 Basispunkte die Nullmarke überschritten und steht nun bei 0,04 Prozent.
  • In Spanien liegen die Zinsen weiterhin unverändert -0,31 Prozent.
  • Die niedrigsten Zinsen im Euroraum gibt es in Irland. Dort müssen Geschäftskunden im Mittel -0,46 Prozent Strafzinsen zahlen.

Ist das Sparen am Ende? Kommentar zu Herausforderungen und Möglichkeiten der Geldanlage im aktuellen Umfeld

von Dr. Verena Thaler, Vice President of Strategy and Business Development

Dr. Verena Thaler, Vice President of Strategy and Business Development (c) Lukas Schramm

„Wir sehen derzeit eine neue Ära beim Vermögensaufbau. Es bestehen völlig neue Herausforderungen für Verbraucherinnen und Verbraucher, einerseits Vermögen aufzubauen und andererseits ihr Geld in kurzfristigen Anlagen zu diversifizieren. Die meisten Menschen in Europa horten ihre Ersparnisse auf ihrem Bankkonto und sind dabei mit immer niedrigeren oder sogar Negativzinsen konfrontiert. Bei der stark steigenden Inflation gibt es daher aktuell kaum noch eine Chance, Renditen auf Ersparnisse zu erzielen.

Trotz allem existieren jedoch weiterhin Möglichkeiten, um eine Geldentwertung durch Inflation und Strafzinsen zu mindern. Hier gilt es, bessere Zinsen gegenüber einer Verminderung des eigenen Vermögens abzuwägen – selbst wenn dies bedeutet, dass ein Teil des Geldes abseits der eigenen Hausbank zu einem besseren Zinssatz angelegt wird.

Die Anlage der eigenen Ersparnisse und der Vermögensaufbau sind eine sehr persönliche Entscheidung – es geht darum, die beste Kombination aus verfügbaren Angebot, Zinssatz, Anlagezeitraum und Risiko abzuwägen und letztendlich die passende Lösung für sich zu wählen.“

 

Quellen:

Raisin / WeltSparen, EZB, DESTATIS, Bundesbank

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag –  sparzinsen-vergleich.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Zinsabsturz: Selbst Zinsen der Top-Angebote fallen ungebremst

Noch vor zwei Jahren konnten Privatkunden in den fünf größten Volkswirtschaften Europas sowie in Norwegen und Schweden mehr als ein Prozent Zinsen für einjährige Spareinlagen erzielen.

Vor zwölf Monaten lag der Top-Zinssatz lediglich in Frankreich bei 0,93 Prozent. In den anderen Ländern – Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien sowie Norwegen und Schweden – waren noch Zinsen über einem Prozent möglich.

Heute sind Zinsen über einem Prozent nur noch in Italien, Norwegen und Schweden zu finden. In den anderen vier Märkten liegen selbst die besten Zinsangebote mittlerweile unter einem Prozent – ein Beispiel für die anhaltend schlechte Situation auf dem Zinsmarkt.

Dabei schlummern allein in der Eurozone mehr als fünf Billionen Euro auf Sichtkonten und immerhin 423 Milliarden auf Festgeldkonten. Für die Menschen steht dementsprechend viel Geld auf dem Spiel, wenn die Zinsen weiter so niedrig bleiben, sinken oder sogar Strafzinsen auf die Ersparnisse fällig werden. Gleichzeitig wird die von der Einlagenflut verursachte Überschussliquidität zunehmend kostspielig für die großen Retailbanken, die daher nach neuen Strategien suchen, um die Ersparnisse in andere Richtungen zu kanalisieren.

Die neuesten Ergebnisse des Weltsparen-Zinsradars zeigen, dass die Zinssituation in der Eurozone trotz einzelner lokaler Verbesserungen weiterhin angespannt bleibt.

Deutsche Zinsschmelze: Top-Zinsen seit Jahresbeginn um rund 31 Prozent gesunken

  • Nachdem sich die besten Zinsangebote in Deutschland, Frankreich und Spanien bis zum letzten Herbst alle im Bereich um ein Prozent bewegten, sind sie seitdem auf ihr heutiges Niveau zwischen 0,5 Prozent und 0,75 Prozent gesunken.
  • In Deutschland sinken die Top-Zinsen seit Jahresbeginn massiv: von durchschnittlich 0,783 Prozent im Januar auf 0,537 Prozent im April – ein Rückgang von rund 31 Prozent, während der Durchschnittszins der großen Banken bei 0,004 Prozent verharrt.
  • Im Vereinigten Königreich fielen die Zinsen von Frühjahr 2019 bis Frühjahr 2020 bereits um ein halbes Prozent. Mittlerweile sind sie nach einigen Schwankungen um ein weiteres halbes Prozent gesunken, auf 0,597 Prozent.
  • Die Angebote bei den größten Banken stagnieren weiterhin. Lediglich im Vereinigten Königreich waren in den letzten zwei Jahren merkliche Änderungen zu verzeichnen (von 0,77 Prozent zu 0,107 Prozent).

Annäherung der Sparzinsen: Kaum noch Unterschiede zwischen 1- und 3-jährigem Einlagen

Die sinkenden Zinsen der Top-Angebote für 1-jähriges Festgeld in Deutschland setzen sich beim 3-jährigen Festgeld fort. Die Zinsdifferenz hat sich von 0,133 Prozent im März auf 0,083 Prozent im April reduziert. Obwohl die Zinsen in den meisten Märkten gefallen sind oder stagnieren, gibt es zumindest in einigen Ländern weiterhin hohe Zinsen. Ein Zinssatz über ein Prozent für 3-jähriges Festgeld lässt sich noch in Frankreich, Polen, Norwegen, Schweden und Italien erzielen – letztere drei sogar als Ausnahme mit Steigerungen.

  • Erneut gab es bis auf wenige Ausnahmen nur marginale Veränderungen bei den besten Angeboten.
  • Spürbare Rückgänge gab es in Deutschland, Österreich und dem Vereinigten Königreich bei den 1- und 3-jährigen Festgeldern.
  • Italien und Frankreich fallen weiterhin durch einen deutlichen Unterschied von einem halben Prozent und mehr zwischen ein- und dreijährigen Angeboten auf.
  • In Spanien bewegen sich die Zinsen für einjährige Anlagen weiterhin über denen für dreijährige Anlagen.
  • In vielen Ländern Europas stellt sich angesichts der geringen Zinsunterschiede je nach Anlagezeitraum von teilweise Zehntel Prozenten die Frage, ob sich die langfristige Anlage noch auszahlt.

Analyse der EZB-Daten: Durchschnittszinsen für Verbraucher steigen langsam wieder

In der Eurozone erhalten Privatkunden durchschnittlich weiter unverändert 0,2 Prozent Zinsen für Neueinlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr. Dabei liegen die Zinsen in 12 Ländern unter dem Durchschnitt. In lediglich vier Märkten erhalten Sparer mehr als ein halbes Prozent Zinsen. Deutsche Verbraucher profitieren erneut von einer leichten Erholung bei 0,07 Prozent im Durchschnitt, nachdem sie Ende letzten Jahres erstmals im Durchschnitt Strafzinsen auf ihre Ersparnisse entrichten mussten.

  • Italien, Irland und sogar Deutschland verzeichneten im Vergleich zum Januar leichte Anstiege der Zinsen für Privatkunden.
  • In Frankreich und im Vereinigten Königreich sanken die Zinsen im gleichen Zeitraum um 8 und 7 Basispunkte. Auch in Österreich und Belgien erhielten Neuanleger im Februar 4 bzw. 5 Basispunkte weniger als im Januar. Konstant blieben die Zinsen in Spanien, mit 0,01 Prozent.
  • Im vergangenen Jahr haben Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich zwischen 32 und 65 Basispunkte verloren.

Zinsen für Geschäftskunden erneut im Sinkflug – Deutschland kratzt an Tiefstwert

Im Gegensatz zum leichten Zinsanstieg bei den Retailkunden sinken die durchschnittlichen Zinsen für Geschäftskunden in der Eurozone weiter, obwohl in einzelnen Märkten Anstiege zu verzeichnen sind. In Deutschland kratzt der durchschnittliche Sparzins für Geschäftskunden am Tiefstwert von 0,27 Prozent im März vergangenen Jahres.

  • In Deutschland und Frankreich befindet sich das Zinsniveau mit -0,26 Prozent und -0,13 Prozent nun wieder fast auf dem Vorjahresniveau vom Februar 2020 (-0,25 Prozent und -0,10 Prozent).
  • Griechenland und Irland sind mit Verlusten von 27 und 41 Basispunkten im Vergleich zum Vorjahr traurige Spitzenreiter in der Eurozone.
  • Italien ist das einzige Land in der Eurozone, das im gleichen Zeitraum mit einem Anstieg von -0,22% auf 0,44% eine signifikant positive Entwicklung verzeichnet.

 

Quellen:

Raisin / WeltSparen, EZB, DESTATIS, Bundesbank

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag – biallo.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Zinsflaute für Sparer: Europas Großbanken senken die Zinsen und reduzieren Festgeldangebote

  • Das Pandemie-Jahr hat europaweit die Top-Zinsen verringert, mitunter sogar halbiert.
  • Der Abstand zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Zinssatz wird kleiner, beträgt aber immer noch bis zu 1,13 Punkte.
  • Deutschlands Durchschnittszins klettert knapp über Null.
  • Europäische Bürger legen 5 Billionen Euro in Sichteinlagen an.

Die europaweite Abwärtsbewegung bei den Zinssätzen hält an. Seit Beginn der Corona-Pandemie im März letzten Jahres haben die größten Banken in allen europäischen Ländern, in denen WeltSparen die Zinsentwicklung verfolgt, ihre Zinssätze gesenkt. Die einzige Ausnahme ist Belgien. Insbesondere mit den erneuten Lockdowns der letzten Monate verzeichnen Länder in ganz Europa Zinssenkungen, die weiter anhalten.

Katharina Lueth, Bankenexpertin und Vice President Europe bei Raisin, nimmt in einem Kommentar Stellung zum Zusammenhang zwischen den niedrigen Zinsen und dem aktuellen Vorstoß Portugals, die Gespräche über eine Europäische Bankenunion wiederzubeleben.

Abwärtstrend: Das Zinsverhältnis in Deutschland bleibt am größten

  • Die durchschnittlichen Zinsen bei den drei größten Banken sinken in Deutschland, Frankreich und Österreich seit Oktober 2020 kontinuierlich.
  • Auch außerhalb der Eurozone sinken die Zinssätze der großen Banken in Großbritannien, Schweden und Norwegen.
  • Stabile, wenn auch niedrige Zinssätze verzeichnen die Großbanken in Italien, Spanien, Portugal, Belgien, den Niederlanden und Irland. Die besten verfügbaren Zinsangebote in diesen Märkten sind bis zu 24-mal so hoch.
  • Deutschland hält weiterhin den Rekord für das größte Zinsverhältnis: Sparer, die die besten verfügbaren Angebote nutzen, erhalten 164-mal höhere Zinsen als bei den drei größten Banken.

Wenig Bewegung bei Festgeld: Mehrjährige Einlagen sind noch etwas stärker verzinst

Dreijährige Einlagen werden in ganz Europa weiterhin besser verzinst als einjährige Angebote. Die einzige Überraschung zeigt sich in Spanien, wo der durchschnittliche Zinssatz der besten dreijährigen Angebote (0,673 Prozent) nur einen Bruchteil unter dem der besten einjährigen Angebote (0,733 Prozent) liegt.

  • In mehreren Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien, fallen die höchsten verfügbaren Zinssätze sowohl für einjährige als auch für dreijährige Angebote.
  • In der anderen Hälfte der untersuchten Märkte, darunter Spanien, Irland, Italien und Belgien, bleiben die höchsten Zinssätze für 1- oder 3-Jahres-Angebote konstant.
  • Nur in Spanien sind die 1-Jahres-Topangebote höher als die verfügbaren 3-Jahres-Raten. Dort bieten die drei größten Banken derzeit nicht einmal Festgeld mit einjähriger oder kürzerer Laufzeit an.
  • Innerhalb der Eurozone bieten nur noch Frankreich und Italien 3-Jahres-Angebote mit Top-Zinsen über der 1-Prozent-Marke.

Analyse der EZB-Daten: Deutschland klettert knapp über Null

Laut neuesten Daten der Europäischen Zentralbank für den Januar 2021 starteten die meisten Länder der Eurozone mit leichten Erhöhungen ihrer durchschnittlichen Zinssätze in das Jahr 2021. Dieser Anstieg deckt sich mit dem sprunghaften Anstieg der Inflation, den viele Analysten auf vorübergehende wirtschaftliche Faktoren im Zusammenhang mit der Pandemie zurückführen. Das hat für deutsche Sparer positive, wenn auch kaum wahrnehmbare Folgen: Der Durchschnittszins für Privatkunden erholt sich etwas – mit 0,03 Prozent verlässt er den Negativbereich und steigt knappt über die Nullgrenze.

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.

  • In den großen Volkswirtschaften der Eurozone – Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande – steigen die durchschnittlichen Zinssätze zum Jahresanfang leicht an.
  • Deutschland entkommt dem Negativbereich mit einem Durchschnittszins von 0,003 Prozent.
  • In Frankreich steigt der EZB-Durchschnittszins um 27 Basispunkte.
  • Seit Januar 2020 müssen Deutschland, Frankreich, Italien und das Königreich aber starke Einbußen von -11 bis -62 Basispunkten hinnehmen.
  • Außerhalb der Eurozone steigen die Durchschnittswerte in Schweden und dem Vereinigten Königreich jeweils um 3 Basispunkte auf Durchschnittswerte von 0,54 Prozent bzw. 0,38 Prozent.

Zinsen für Geschäftskunden bewegen sich im Minusbereich leicht nach oben

Obwohl der durchschnittliche Zinssatz für Geschäftskunden laut jüngsten EZB-Daten in der Eurozone um 25 Prozent steigt, erheben weiterhin neun Staaten Negativzinsen auf Unternehmenseinlagen. Von allen 28 untersuchten Ländern weisen ganze 21 Staaten Durchschnittszinssätze von maximal 0 bis 0,1 Prozent auf.

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.

  • Deutschland (-0,23 Prozent) und die Niederlande  (-0,18 Prozent) erholen sich etwas vom Rekordtief des letzten Monats, bleiben aber weiter deutlich im Minusbereich.
  • Spanische Geschäftskunden müssen Negativzinsen zahlen: Mit -0,34 Prozent weist das Land den niedrigsten Durchschnittszins für Unternehmenseinlagen in der EU aus.
  • Italien und Malta verzeichnen einen Anstieg und bieten mit 0,32 Prozent und 0,77 Prozent die mit Abstand höchsten Unternehmenszinsen in der Eurozone.

Europäische Bankenunion schafft wichtige Anreize für Sparer: Kommentar zu Zinsangeboten und aktuellem Vorschlag des EU-Ratspräsidenten

von Katharina Lueth, VP Europe bei Raisin und Chair of Raisin UK

Katharina Lueth

Katharina Lueth, VP Europe bei Raisin und Chair of Raisin UK (c) Lukas Schramm

 

Schlechte Zeiten für europäische Sparer? Die größten Banken in ganz Europa bieten so niedrige Zinsen wie nie zuvor, gleichzeitig sinken auch die verfügbaren Top-Zinsangebote. Diese Entwicklungen wirkt sich auf das Sparverhalten aus: Laut neuesten Daten der Europäischen Zentralbank legten die Europäer Anfang 2021 mit einem Anstieg von 14 Prozent mehr Ersparnisse auf Sichteinlagen an als noch ein Jahr zuvor. Demgegenüber hat das Sparvolumen für Festgeldanlagen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent abgenommen.

Die niedrigen Zinsen und die wirtschaftliche Unsicherheit in der Corona-Krise halten Verbraucher von Anlagen in Festgelder ab. Für das hohe Bargeldvolumen zahlen die Großbanken höhere Kosten bei der EZB, denn für ihre Liquiditätsüberhänge fällt Verwahrungsentgelt an. In Form von Negativzinsen wird es zunehmend an die Kunden weitergegeben und trägt so zur Stagnation in anderen Teilen des Marktes bei.

Die aktuellen Bemühungen der EU unter der EU-Ratspräsidentschaft von Portugal für eine europäische Bankenunion lenken die Aufmerksamkeit einmal mehr darauf, wo und wie die Europäer sparen. Portugals Vorschlag einer europaweit harmonisierten Einlagensicherung könnte genau die Ängste abbauen, die die Europäer davon abhalten, ihr Geld zinsbringend zu investieren, und so die Großbanken von überschüssiger Liquidität entlasten. Das Ergebnis wäre, dass das Geld in aktivere Teile der europäischen Wirtschaft fließt, wo es tatsächlich benötigt wird, und die Einleger ermutigt werden, eine Rendite auf ihre Ersparnisse zu erzielen.

Quellen:

Raisin / WeltSparen, EZB, DESTATIS, Bundesbank

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag – biallo.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Weckruf für deutsche Sparer: Durchschnittlicher Zinssatz für Privatkunden fällt unter Null

  • Der Zinssatz für Privatkunden in Deutschland fällt laut EZB-Analyse auf durchschnittlich -0,01 Prozent, für Unternehmen sogar auf -0,42 Prozent
  • Europaweit sind für Einleger zwischen 0,4 Prozent und 1,27 Prozent Zinsen verfügbar
  • Für Zinsen über dem Inflationsniveau müssen Sparer grenzüberschreitend anlegen
  • Raisin-CEO Dr. Tamaz Georgadze kommentiert getrübte Stimmung der Europäer aufgrund anhaltender Niedrigzinsen

Im Angesicht der stark ansteigenden Inflation in Europa sind immer mehr Verbraucher und Unternehmen von steigenden Strafzinsen für ihre Einlagen konfrontiert. Allein im letzten Monat stieg die Inflationsrate in Deutschland um 1,3 Prozent auf 1,0 Prozent.

Der neue Zinsradar von WeltSparen zeigt sinkende Zinsen in vielen Ländern: In Deutschland liegt der durchschnittliche Zinssatz laut Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) bereits im Minusbereich, Spanien erreicht die Null und selbst französische Sparer, nicht mehr geschützt durch die staatliche Förderung des beliebten “Livret A”-Sparprodukts, müssen Zinseinbußen hinnehmen. Ersparnisse der Europäer verlieren nicht nur durch die gestiegene Inflation von fast einem Prozent an Wert, noch dazu fallen bei immer mehr Großbanken Gebühren für Girokonten an.

Negativzinsen belasten ebenfalls Europas Unternehmen. Zehn Länder verlangen mittlerweile ein durchschnittliches Verwahrungsentgelt auf Einlagen von Geschäftskunden, darunter auch Deutschland. Selbst staatliche Vorsorgeeinrichtungen ächzen unter der Kostenlast: Die Deutsche Rentenversicherung zahlte allein in den vergangenen drei Jahren rund 236 Millionen Euro Strafzinsen an die EZB.

Wie wirkt sich eine steigende Inflation im anhaltenden Niedrigzinsumfeld auf die Stimmung der Europäer aus? Aus welchen Gründen nutzen nur wenige Europäer Möglichkeiten, um die Inflation und Niedrigzinsen zu schlagen? Dr. Tamaz Georgadze, CEO und Co-Founder von Raisin, erörtert in seinem Kommentar diese Fragen sowie die Ergebnisse der neuen EZB-Umfrage „Die EZB hört zu“.

Zinsstillstand in Deutschland – bis zu 200-fach höhere Zinsen möglich

  • Die Zinsspanne in Deutschland bleibt hoch. Die besten Zinssätze sind fast 200-mal höher als die Zinssätze der drei größten Banken.
  • Nur in Irland und Schweden bewegen sich die Zinssätze der großen Banken überhaupt – im letzten Monat leicht fallend.
  • In den vier größten europäischen Volkswirtschaften liegen die durchschnittlichen Spitzenzinsen in der Nähe oder auf dem Niveau der offiziellen Inflationsrate. Für die Bürger gibt es derzeit nur wenige Angebote, die die Inflation übertreffen.
  • Schweden und Italien bieten die besten Anlageoptionen: Sparer aus anderen Staaten können unter Berücksichtigung der aktuellen Inflationsrate auf 1-jähriges Festgeld eine reale Rendite zwischen 0,2 Prozent und 0,8 Prozent erzielen.

Festgeld: Stagnation und Abwärtsspirale – nur das Vereinigte Königreich reißt aus

Deutschland steht still – zumindest bei den Top-Zinsen für Festgelder. Für Verbraucher, die die Inflation mit Zinseszinsen über einen längeren Zeitraum schlagen möchten, sind Portugal, Italien, Schweden, Norwegen oder Polen die einzigen Optionen. Diese Länder bieten Spitzenzinssätze von über einem Prozent für 3-jährige Einlagen, vereinzelt sogar deutlich darüber. Auch in Estland, das in der Tabelle nicht aufgelistet ist, können Sparer laut Recherche von WeltSparen Top-Angebote mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 1,933% für 3-jährige Festgeldanlagen finden.

 

  • Die Spitzenzinsen für Einlagen mit einer Laufzeit von einem Jahr und weniger sinken in weiten Teilen Süd- und Westeuropas leicht – in Belgien, den Niederlanden, Portugal, Frankreich, Italien und Polen.
  • In Belgien, Portugal, Italien und Polen sowie in Norwegen und Schweden sinken ebenfalls die durchschnittlichen Zinssätze für 3-jährige Einlagen.
  • Nur Großbritannien verzeichnet einen Anstieg der besten 1- und 3-jährigen Zinsangebote: Erstgenannte steigen nur um ein paar Hundertstel Prozent, letztere aber um mehr als ein Zehntel Prozent.

Analyse der EZB-Daten: Deutscher Zinsdurchschnitt erstmalig im Minus

Laut neuesten Daten der Europäischen Zentralbank für den Dezember 2020 verlangen erstmalig Länder der Eurozone im Durchschnitt negative Zinssätze von Privatkunden: Deutschland und Luxemburg. Hierzulande ist der durchschnittliche Zinssatz für Einlagen mit einer Laufzeit bis zu einem Jahr unter den Nullpunkt gefallen, auf -0,01 Prozent – ein Novum. Es ist demnach offiziell: Deutsche Sparer zahlen somit im Schnitt Strafzinsen auf ihre Festgeldanlagen. In Dänemark, zuletzt im Oktober 2020 mit negativem Privatkundenzinssatz von -0,19 Prozent, mit -0,14 Prozent und Luxemburg mit 0,22 Prozent sinken die mittleren Zinssätze sogar noch stärker. Allerdings deutet die Volatilität der Zinsen in beiden Ländern darauf hin, dass diese sich dort früher als in Deutschland wieder erholen.

 

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.
  • Spaniens Durchschnittszins für Privatkunden fällt auf 0,01 Prozent, nachdem er in den letzten Monaten um ein Zehntel Prozent gestiegen war.
  • Innerhalb der Eurozone halten sich nur Italien, die Niederlande und Malta über der Zinsmarke von einem halben Prozent, wobei der niederländische EZB-Durchschnitt durch subventionierte Baukonten verzerrt wird. Außerhalb der Eurozone ist das Bild ähnlich: Nur Polen, Schweden und Rumänien bleiben über der 0,5 Prozent-Marke.
  • Während Frankreich, Spanien, Deutschland und Großbritannien im Dezember Zinsrückgänge verzeichnen, gibt es wenigen Ländern Steigerungen, darunter Italien, Österreich, Belgien, Finnland, Schweden und Polen.

Geschäftskunden: Nur die Niederlande mit höheren Strafzinsen als in Deutschland

Die Niederlande überholen Deutschland als negativer Spitzenreiter. Mit -0,43 Prozent fallen dort im Schnitt europaweit die höchsten Strafzinsen für Geschäftskonten an. Bei den Geschäftskundenzinsen steckt Bewegung drin: So weist Spanien nach einem Negativzins von -0,17 Prozent im Vormonat ein kleines Plus auf, wohingegen Italiens Unternehmen zum ersten Mal von Negativzinsen betroffen sind und Dänemark – ebenso wie bei den Privatkundenzinsen im Oktober 2020 – rückfällig wird.

 

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.

 

  • In Deutschland fällt das Verwahrungsentgelt für Unternehmenseinlagen weiter, auf -0,42 Prozent. Nur in den Niederlanden sind noch höhere Strafzinsen fällig.
  • Unternehmen in Österreich, Italien, Irland, Schweden und Dänemark zahlen im Schnitt ebenfalls Strafzinsen, anstatt eine positive Verzinsung ihrer Geschäftseinlagen zu erzielen.
  • Europäische Unternehmen können der Inflation nicht entkommen. Selbst in Malta fällt mit 0,69 Prozent der höchste durchschnittliche Unternehmenszins in der Eurozone ab. Weitere Möglichkeiten für positiv verzinste Geschäftseinlagen bieten sich in Rumänien, in Ungarn und im Baltikum.

Finanzpessimismus bei den Europäern: Kommentar zu Niedrigzinsen und der aktuellen EZB-Verbraucherumfrage

Dr. Tamaz Georgadze, CEO & Co-Founder von Raisin (WeltSparen), erörtert, welche Lücken die vermeintlich aussichtslose Situation und zunehmend getrübte Stimmung der Bürger Europas verstärken.

Dr. Tamaz Georgadze, CEO und Co-Founder von Raisin
Dr. Tamaz Georgadze, CEO und Co-Founder von Raisin (c) Lukas Schramm für Raisin

 

Laut der Bürgerbefragung „Die EZB hört zu“ der Europäischen Zentralbank sind die Europäer nach einem Jahrzehnt niedriger und kontinuierlich fallender Zinsen pessimistisch. Die Ergebnisse, obwohl nicht repräsentativ, belegen eine weit verbreitete Frustration über die niedrigen Zinsen, gepaart mit der wachsenden Angst vor der Inflation, insbesondere im Hinblick auf die Immobilienpreise. Diese Sorgen decken sich mit den Erkenntnissen, die Raisin bereits im März 2020 in einer repräsentativen europaweiten Umfrage über die Einstellung zu Zinssätzen gewonnen hat.* Im Pandemie- und Lockdown-geplagten Europa trübt dieser durch die Niedrigzinsen entstehende Pessimismus langfristig zusätzlich die wirtschaftlichen Aussichten.

Während die EZB die wirtschaftliche Effektivität von Niedrigzinsen als geldpolitisches Instrument verteidigt und das angestrebte Inflationsziel von zwei Prozent durchaus seine Berechtigung hat, müssen für Europas Bürger aber grundlegende finanzielle Ziele wie die Absicherung im Alter erreichbar bleiben. Neben notwendigen politischen Maßnahmen müssen zwei Lücken geschlossen werden, um einen gefährlichen Pessimismus abzuwehren und sicherzustellen, dass Sparer weiterhin Ziele verfolgen können. Die erste ist eine Finanzbewusstseinslücke der Verbraucher: Sie zeigt sich, indem Europäer enorm hohe Summen zinslos auf ihren Girokonten parken und so potenzielles Vermögen in Milliardenhöhe aufgrund von Negativzinsen, fehlender Rendite und der Inflation an Wert verliert. Die zweite Lücke betrifft den digitalen Zugang – schließlich gibt es durchaus Optionen, dieser Situation zu entkommen. Sie klafft zwischen der gegenwärtigen Realität und Europas Bestreben nach einem einheitlichen Binnenmarkt. Erst wenn dieser realisiert wird, kann er ein besseres digitales Banking ermöglichen und europäischen Sparern in Form von grenzüberschreitenden Angeboten und einem barrierefreien Online-Zugang deutliche Vorteile bieten. Raisin, beziehungsweise WeltSparen in Deutschland, ist mit seiner paneuropäischen Geldanlageplattform nur ein Ansatz, um diese digitale Zugangslücke innerhalb Europas aufgrund der bestehenden Hürden zu schließen.

 

* Pan-European study shows majority of Europeans afraid they can’t save for retirement due to sustained low interest rates (repräsentative Bürgerbefragung in Deutschland, Frankreich, Irland, Niederlande, Spanien und dem Vereinigten Königreich) & Studie zu Niedrigzinsen und Negativzinsen: Hälfte der Deutschen fürchtet um ihre Altersvorsorge

Quellen:

Raisin / WeltSparen, EZB, DESTATIS, Bundesbank

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag – biallo.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Eurozone = Nullzinszone? Hoffnungsschimmer trotz Negativzinsen: Bis zu 200-fach höhere Zinsen für Sparer in Deutschland möglich

Das Zinstief mit Tendenz zu Nullzinsen setzt sich auch im Jahr 2021 fort. In Deutschland führten laut Analysen des Vergleichsportals Verivox rund 200 Banken Negativzinsen ein, allein 24 Banken zum Jahreswechsel. Während die Zinssätze für Sparer bei Europas größten Banken weiter sanken oder auf dem Tiefststand verharrten, stiegen die Zinssätze bei den Top-Angeboten weiter. In Deutschland unterscheiden sich die höchsten Zinsen auf Tages- und Festgeldeinlagen für Privatkunden sogar um nahezu das 200-fache vom Angebot der Großbanken. Für deutsche Unternehmen erhöhen sich die Verwahrentgelte für Einlagen fortlaufend und erreichen im Durchschnitt 0,37 Prozent. Welche Handlungsoptionen sich für den Mittelstand ergeben, erklärt Mittelstandsexpertin Lisa Schmid vom Fintech Raisin.

Vergleichen zahlt sich aus: Top-3-Angebote erzielen bis zu 200-fach höhere Zinsen in Deutschland

In Deutschland, Frankreich und Italien bewegten sich die Zinssätze der Top-Festgeldangebote entgegen des Abwärtstrends, zumindest im vergangenen Monat. Die Zinssätze bei den größten Banken blieben hingegen niedrig oder fielen sogar noch weiter, was für höhere Zinsspannen sorgt und die Chancen für Sparer in drei der größten europäischen Volkswirtschaften erhöht. Spanische Bankkunden sitzen im selben Boot. Obwohl die Spitzenzinsen dort geringfügig gesunken sind, profitieren sie von einer großen Spanne zwischen den Zinssätzen der größten Banken mit 0 Prozent und den besten Zinsangeboten mit 0,733 Prozent.

  • Nur in Deutschland hat sich die Spanne zwischen den drei besten Angeboten und den Angeboten der drei größten Banken vergrößert, da die Zinssätze der deutschen Großbanken weiter gesunken sind und gleichzeitig die Spitzenangebote gestiegen sind.
  • Die größten Banken in ganz Europa gewähren im Durchschnitt Zinssätze zwischen 0 und 0,13 Prozent – mit Ausnahme von Norwegen (0,483 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (0,183 Prozent).
  • Die Zinsspanne verringert sich in Spanien, Portugal, Österreich und Polen sowie in Norwegen und dem Vereinigten Königreich.
  • Schweden und Norwegen bieten die höchsten Spitzenzinsen in Europa. Irland weist die niedrigste Verzinsung aus, jedoch nur ohne die Angebote der Plattform „Raisin Ireland“, die die Zinssätze in Irland nahezu auf das Niveau von Spanien und Portugal heben.
  • Im Vereinigten Königreich und und in Österreich sinken die Zinsen sowohl bei den Top-Angeboten als auch bei den Großbanken.

Aufwärtstrend: Festgeldzinsen bei Top-Angeboten steigen in Deutschland

Nur in Deutschland stiegen die Spitzenzinsen für ein- und dreijährige Termineinlagen. In den meisten europäischen Ländern sind die Top-Zinssätze für dreijährige Festgelder gefallen. Dies könnte auf einen mangelnden Bedarf der Banken für längerfristige Geldanlagen hindeuten, da viele Finanzinstitute nach der Sparwelle 2020 mit Überliquidität konfrontiert sind. Die Sparer sind möglicherweise verunsichert, was das Potenzial für eine wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie angeht – das zeigt auch die hohe Anlagequote in Sichteinlagen.

  • Die besten Zinssätze für 3-jährige Laufzeiten fielen in Frankreich, Italien und Schweden. Die Zinssätze für 1-jährige Einlagen stiegen dagegen in diesen Märkten.
  • In Österreich, Spanien, Polen, Norwegen und im Vereinigten Königreich sanken sowohl die 3-Jahres-Zinsen als auch die 1-Jahres-Zinsen für Festgeldanlagen.
  • Spanien bietet weiterhin höhere Spitzenzinsen für 1-jährige Termineinlagen als für 3-jährige.
  • Italien und Schweden verzeichnen die höchsten 3-jährigen Zinssätze in Europa. Polen und Norwegen folgen dicht dahinter.

Analyse der EZB-Daten: Privatkundenzinsen sinken in Top-Zinsländern

Die Inflationsrate der Eurozone ist im November den vierten Monat in Folge gefallen. Bei den Zinsen hingegen gab es laut den neuesten Daten der Europäischen Zentralbank im  November 2020 in den meisten Ländern kaum  Bewegungen. 18 der 28 europäischen Staaten, darunter Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich, verzeichneten Veränderungen ihrer durchschnittlichen Zinssätze für Privatkunden von maximal 3 Basispunkten, die meisten Länder sogar von 1 oder 0 Basispunkten.

In den sechs Ländern mit auffallenden Zinsänderungen beträgt der durchschnittliche Zinssatz noch immer lediglich 0,11 Prozent, trotz größerer Erhöhungen von 10 bis 30 Basispunkten in Spanien und Dänemark. In mehreren Märkten mit relativ hohen Zinssätzen kam es zu Rückgängen. Diese Entwicklung führt dazu, dass sich die durchschnittliche Zinsspanne in ganz Europa verringert. In den Niederlanden sorgt ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Zinssätzen als Tages- und Termineinlagen für den abweichenden Durchschnitt.

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.

 

  • Die größten Zinssenkungen erfuhren Sparer in Italien, Lettland und der Slowakei, wo die Zinssätze zuvor relativ hoch waren.
  • In Spanien, Belgien und Dänemark stiegen die Zinssätze deutlich an, obwohl sie nur 0,11 Prozent (Spanien und Dänemark) und 0,28 Prozent (Belgien) erreichen.
  • In 12 Ländern gab es im Durchschnitt fast oder gar keine Veränderung mit maximal einem Basispunkt nach oben oder unten.
  • Ein Blick auf die Differenz zwischen den Durchschnittswerten für November 2020 und November 2019 zeigt dennoch, wie volatil das Jahr war.

Verwahrentgelte für deutsche Unternehmen erreichen neues Rekordhoch

Mit nur geringfügigen Änderungen gegenüber den EZB-Daten des letzten Monats zahlen Unternehmen in neun europäischen Ländern im Durchschnitt immer noch negative Zinsen für ihre Einlagen. Deutschland ist mit einem Strafzinssatz von -0,37 Prozent weiterhin Spitzenreiter beim Verwahrentgelt.

Zu den Ländern mit Negativzinsen gehören große Teile Westeuropas – Deutschland, Österreich, Spanien, Benelux und Irland – sowie Frankreich (0,01 Prozent) und das Vereinigte Königreich (0,07 Prozent), die sich der Nullprozentmarke immer mehr annähern.

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.

 

  • Zinsen in Deutschland sinken weiter und drücken den niedrigsten durchschnittlichen Unternehmenszinssatz in Europa auf -0,37 Prozent herunter – gemeinsam mit Luxemburg.
  • Belgien und Irland liegen mit -0,30 beziehungsweise -0,23 Prozent nicht weit hinter Deutschland.
  • Spanische Unternehmen verzeichnen einen deutlichen Anstieg der Zinssätze, bleiben im Durchschnitt mit -0,17 Prozent aber im negativen Bereich.

Auswirkungen von Negativzinsen auf den deutschen Mittelstand: Kommentar zum Status-quo und Handlungsoptionen

Lisa Schmid, Head of Business Clients bei Raisin (WeltSparen), beschreibt den Einfluss von Verwahrentgelten auf das deutsche Unternehmertum und zeigt Handlungsalternativen in der Niedrigzinsphase auf.

Lisa Schmid, Head of Business Clients (c) Lukas Schramm für Raisin

 

Im Juni 2014 fiel der Zinssatz der EZB für die Einlagefazilität erstmals in den negativen Bereich auf -0,1%. Was damals als kurzfristige Maßnahme erschien, ist mittlerweile längst zur Normalität geworden. Sparer, sowohl Privatanleger als auch Unternehmen, sind auf der Suche nach Auswegen, um den Negativzinsen auf Einlagen zu entgehen. Doch wie reagiert der Mittelstand, der 99,6% der Unternehmen in Deutschland ausmacht, auf dieses Zinsumfeld?

Während im Juni 2017 nur jedes fünfte Unternehmen bei der “Konjunkturumfrage zu Negativzinsen auf Einlagen” des ifo Instituts angab, Negativzinsen zu zahlen, können Unternehmer heute das Zahlen von Verwahrentgelten kaum entgehen. Durch die flächendeckend eingeführten Negativzinsen erzielen selbst das Aushandeln von Freigrenzen oder ein Bankenwechsel meistens nur kurzzeitige Linderung.

Das überwiegend liquiditäts- und sicherheitsorientierte Investieren – immerhin 86 Prozent der befragten Unternehmen laut der Marktstudie der Commerzbank in Zusammenarbeit mit forsa von Oktober 2019 – drängt Unternehmen zu einem Umdenken im Bereich Anlageformen. Im Bereich der Termingelder, einer der beliebtesten Anlageformen, sind im kurzfristigen Bereich kaum Möglichkeiten zu Null- oder Positivkonditionen zu finden – genau diese Marktlücke schließt das Geschäftskundenangebot von Raisin mit zum Beispiel Tagesgeld zu 0,16 Prozent Zinsen. Der Durchschnitt für Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr befindet sich seit November 2020 bei -0,37 Prozent p.a. Daher gehen viele Unternehmen den Weg, die Investitionstätigkeit in den eigenen Betrieb zu erhöhen. Weitere Lösungen bieten Anlagen in Anleihen, Fonds, Aktien, Fremdwährungsanlagen und Zertifikate.

Auf der anderen Seite gibt es Profiteure der Negativzinsen. Hierzu gehören Unternehmen, für die sich extrem günstige Fremdkapitalquellen eröffnen. Die vorteilhaften Konditionen im Finanzierungsbereich werden genutzt, um zukunftsträchtige Investitionen zu tätigen.

Quellen:
Raisin / WeltSparen, EZB, DESTATIS, Bundesbank

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank –     ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Niederlande: RaboBank, ING, ABN – geld.nl, spaarrente.nl
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag – biallo.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

WeltSparen Zinsradar: Zinsen im Lockdown? Wo Erspartes noch Zinsen kriegt

In einer Welt von Ungewissheit gibt es eine Konstante: die niedrigen Zinsen in Deutschland. Seit Juni befinden sich selbst die Top-Angebote beim Festgeld im Abwärtstrend und knacken seit Mai nicht mehr die 1-Prozent-Marke. Gleichzeitig sinkt ebenfalls die Inflationsrate in Deutschland auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren mit -0,3 Prozent im November 2020. Wenig verwunderlich, denn der Zugang zu Waren ist durch die Lockdown-Situation eingeschränkt. Aus diesem Grund war selbst für das Statistische Bundesamt die Ermittlung der Teuerungsrate nur verzerrt möglich. Der Zielwert der Europäischen Zentralbank von 2,00 Prozent bleibt außer Sichtweite.

Für Verbraucher ist abzusehen, dass es in einem bevorstehenden zweiten harten Lockdown noch weniger Möglichkeiten geben wird, Geld auszugeben. Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, beschreibt aufgrund ausbleibender Konsumausgaben einen Corona-Sondereffekt durch einen massiven Anstieg des Sparens. Schließlich erklomm das Sparvolumen der Deutschen und auch die Sparrate in der EU 2020 neue Rekordwerte.  Für Unternehmen in Europa sind Strafzinsen auf Einlagen inzwischen die neue Realität geworden und erreichen ein Rekordhoch. Deutschland führt mit den höchsten Negativzinsen, sehr zur Belastung der Unternehmen, die trotz Krise noch über Rücklagen verfügen.

Maßgeblich dafür, ob Kunden Zinsen zahlen oder erhalten, sind trotz europaweiter Unterschiede der eigene Standort und die Wahl des Finanzinstituts. WeltSparen analysiert regelmäßig europaweit die Zinssätze und die neuesten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB). Dafür werden die aktuellen Top-Zinsangebote mit den Zinssätzen der drei größten Banken jedes Landes verglichen.

Stagnation beim Festgeld: Top-3-Angebote in Deutschland geben nach

In den meisten der großen europäischen Volkswirtschaften liegen die Zinssätze der besten Festgeldangebote 0,5 bis 1 Prozent über den Angeboten der drei größten Banken im jeweiligen Markt. Im vergangenen Monat gab es in keinem der untersuchten Länder einen Anstieg der Zinsen für Privatanleger. In Deutschland sanken die Top-Zinssätze für einjähriges Festgeld mit durchschnittlich 0,687 Prozent leicht. Dennoch übertreffen die Top-Angebote noch immer die Angebote der drei größten Banken um das 98-fache.

  • In Deutschland, Großbritannien, Norwegen, Italien und auf der Iberischen Halbinsel beträgt die Spanne zwischen den besten Angeboten und den Angeboten der größten Banken 0,5 bis 1 Prozent.
  • Mit einer Differenz von unter 0,5 Prozent sind die Unterschiede zwischen den drei größten Banken und den drei besten Angeboten in Belgien, Österreich, Frankreich und den Niederlanden geringer.
  • Die Top-Angebote in Italien, Schweden, Norwegen und Polen liegen weiterhin über der magischen Marke von einem Prozent.
  • Die große Ausnahme ist Großbritannien: Die Top-Angebote fielen hier unter die 1-Prozent-Marke.

    Zwischen Stillstand und Sinkflug – attraktive Festgeldrenditen in Frankreich und Italien

Während die Märkte weiterhin täglich mit neuen Informationen zur Pandemie und den wirtschaftlichen Aussichten konfrontiert werden, bewegen sich die Unterschiede zwischen den besten Angeboten für einjährige und für dreijährige Festgelder in weiten Teilen Europas lediglich zwischen 0,2 bis 0,3 Prozent.

  • Die wenigen Ausreißer bieten Anlegern deutlich höhere Renditen. Vor allem in Frankreich und Italien können die Anleger, die ihr Geld nicht nur für ein, sondern für drei Jahre anlegen, höhere Zinsen erzielen.
  • In Italien, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Norwegen fielen die Zinsen sowohl für ein- als auch für dreijährige Anlagen.
  • Ein verkehrtes Bild herrscht weiterhin in Spanien, wo die Zinsen für einjährige Festgelder noch immer über den Zinsen für dreijährige Festgelder liegen.

 

Analyse der EZB-Daten: Niederlande und Italien führend bei Privatkundenzinsen

Laut den neuesten Daten der EZB stiegen die Zinsen für Privatkunden im Durchschnitt marginal von 0,17 Prozent im September auf 0,19 Prozent im Oktober. Treiber für den Anstieg sind vor allem Italien und Tschechien. In den Beneluxländern fielen die Zinsen, während sie in Deutschland und Spanien auf niedrigem Niveau stagnierten. Privatkunden in Dänemark mussten im Mittel erstmals Negativzinsen auf ihre Einlagen entrichten – ein Novum in Europa.

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte; Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.

  • Die Niederlande (0,95 Prozent) und Italien (0,82 Prozent) stehen mit ihren Zinsen für Privatkunden im Euroraum weiterhin an erster Stelle.
  • In Frankreich und dem Vereinigten Königreich können die Anleger weiterhin von attraktiven Zinsen profitieren. Dagegen sieht es in Spanien (0,01 Prozent) und Deutschland (0,10 Prozent) weiterhin düster aus.
  • Außerhalb der Eurozone sticht Rumänien mit 1,51 Prozent Zinsen heraus, wohingegen Dänemark als einziges und erstes Land im Durchschnitt Strafzinsen auf Privatkundeneinlagen erhebt.
  • Ein interessantes Bild bietet sich in den baltischen Staaten. Während die Zinsen in Litauen bei 0,08 Prozent und in Lettland bei 0,33 Prozent liegen, erhalten Anleger in Estland noch immer mehr als ein halbes Prozent auf ihre Einlagen.

 

Strafzinsen für Unternehmen im Euroraum steigen auf Rekordhoch

Trotz einiger punktueller Zinserhöhungen sanken die durchschnittlichen Zinsen für Geschäftskunden im Euroraum weiter. Damit ist mit -0,22 Prozent ein neuer Tiefstwert für Einlagen von Geschäftskunden erreicht. Inzwischen müssen Unternehmen laut EZB in neun Ländern Strafzinsen zahlen.

 

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, Statistik des Euroraums.

  • Deutschland, die größte Volkswirtschaft der Europäischen Union, steht mit -0,36 Prozent am Ende des Feldes.
  • Neben Deutschland und Spanien (-0,33 Prozent) müssen Unternehmen auch in allen Beneluxländern weiterhin Strafzinsen zahlen.
  • Trotz eines Rückgangs von 37 Prozent steht Italien mit 0,54 Prozent hinter seinem Nachbar Malta (0,71 Prozent) noch auf dem zweiten Platz in der Eurozone.

    Kommentar zum aktuellen Sparverhalten in Europa von Katharina Lüth

Katharina Lueth, VP Europe und Chairwoman bei Raisin UK, verantwortet die internationale Expansion von Raisin. Sie schildert die aktuelle Situation für Sparer in Europa und welche Möglichkeiten diese derzeit haben:

“Wir sehen einen starken Anstieg des Sparvolumens seit Ausbruch der Pandemie. Die Menschen sparen mittlerweile einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens. Das liegt an der gestiegenen Unsicherheit und zudem haben die Menschen einfach weniger Gelegenheiten, ihr Geld auszugeben. Die extremen Schwankungen auf den Märkten im Frühjahr haben ihrerseits dazu geführt, dass vor allem sichere Anlageformen mit kurzfristiger Verfügbarkeit in den Fokus gerückt sind. Deshalb wird ein Großteil des Geldes auf Girokonten angelegt, wo es keine Zinsen erzielt oder sogar Strafzinsen fällig werden. Dabei ist es gerade bei großen Summen wichtig, dass die Sparer ihr Geld für sich arbeiten lassen. Schließlich lassen sich bei den aktuell niedrigen oder negativen Zinsen noch immer Renditen erzielen, mit denen man mindestens den Wertverlust durch die Inflation ausgleichen kann. Selbst diejenigen, die Wert auf schnelle Verfügbarkeit legen, können auf Tagesgeld, 3- und 6-monatige Festgeldprodukte zurückgreifen. Die Investition in ein Sparprodukt kann allerdings nicht nur Rendite sichern, sondern ist oft auch Teil eines klugen Sparplans. Geld anzulegen, hilft Sparern dabei, es nicht auszugeben und geplante Budget einzuhalten.”

Quellen:
Raisin / WeltSparen, EZB, DESTATIS, Bundesbank

Belgien:     ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag – biallo.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Zinsen in Deutschland stehen still – Unternehmen weiterhin von hohen Strafzinsen betroffen

Deutschland befindet sich wie viele andere europäische Länder mitten im zweiten Corona-Lockdown, zunächst geplant mit Einschränkungen für den November 2020. Dabei deuteten zuvor einzelne Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt (ein Plus von 8,2 Prozent zum Vorquartal) und Exporte (plus 2,3 Prozent im September) eine positive Kehrtwende in der Bundesrepublik leicht an.

Bei den Zinsen spüren Bankkunden – Privatkunden wie Geschäftskunden – in der Bundesrepublik jedoch noch keine Erleichterung. Im Vergleich zum Vormonat herrscht nahezu Stillstand. Europaweit belegt Deutschland bei den Endverbraucherzinsen den zweiten Platz mit dem größten Gefälle zwischen den besten Angeboten gegenüber den Angeboten der führenden drei Banken des Landes: das Hundertfünffache. Geschäftskunden in Deutschland zahlen in der Eurozone die höchsten Strafzinsen laut aktuellen EZB-Daten. Doch hier zeigt sich in mehreren Ländern ein Trend zur negativen Verzinsung von Guthaben auf Geschäftskonten. Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), warnte davor, dass bald noch mehr Kunden Strafzinsen zahlen müssen, wenn die Banken nicht bald von der EZB entlastet würden. Benedikt Voller von WeltSparen erläutert abschließend, warum Förderprogramme das Strafzinsdelemma befeuern und zeigt Optionen für Banken auf.

WeltSparen (https://www.weltsparen.de) analysiert regelmäßig europaweit die Zinssätze und die neuesten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB). Dafür werden die aktuellen Top-Zinsangebote mit den Zinssätzen der drei größten Banken jedes Landes verglichen.

 

Festgeld bei Großbanken unrentabel: Top-3-Angebote bieten das bis zu 105-fache in Deutschland

Angesichts der zweiten Coronawelle sanken die Spitzenzinssätze für einjährige Festgelder in West- und Südeuropa leicht, während die Zinssätze der größten Banken in nahezu allen Ländern stabil blieben. Obwohl die besten Angebote meist unter einem Prozent liegen, sind sie weiterhin um ein Vielfaches rentabler als die Angebote der größten Banken. In Deutschland erzielen Kunden bei den drei besten Angeboten mit einer Verzinsung von 0,7 Prozent im Schnitt das bis zu Hundertfünffache von den durchschnittlich 0,007 Prozent bei den drei größten Geldinstituten. Die größte Zinsdifferenz weisen die Länder Polen, Schweden, Italien und Norwegen auf – allesamt gleichzeitig mit deutlich über einem Prozent Zinsen bei den Top-3-Angeboten.

Vergleich der Top-Angebote mit den drei größten Banken
* Bei der Berechnung des Zinsverhältnisses wurde in Spanien das 817-fache als aussagekräftiger angenommen, da die Zinsen der drei größten Banken bei 0,00 Prozent rein mathematisch nicht teilbar ist.

  • Abwärtstrend: In den großen Volkswirtschaften Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien fallen die Zinsen für einjährige Festgelder.
  • Kaum Änderungen bei Großbanken: Die Zinsangebote der Großbanken bleiben unverändert. Lediglich in Schweden und Norwegen sind sie leicht gefallen.
  • Wer den Cent nicht ehrt, ist die Milliarden nicht wert…: Es gibt aktuell kaum Veränderungen bei den Zinsen. Aber das bedeutet auch: Milliarden Euro an Zinsen gewinnen oder verlieren. Schließlich liegen laut Bundesbank 1,88 Billionen Euro der Deutschen in Bargeld und Sichteinlagen vor. Das entspricht 28,4 Prozent des Gesamtvermögens. Würde dieser Betrag fiktiv bei einem einjährigen Festgeld bei WeltSparen mit aktuell bis zu einem Prozent angelegt, lassen sich in 12 Monaten fast 19 Milliarden Zinsen erzielen.

Top-3-Angebote weiterhin in Bewegung, wenn auch nur marginal

Im Angesicht allgemeiner Stagnation treten die Festgeldzinsen in Deutschland, Frankreich, Belgien und Spanien nahezu auf der Stelle oder sinken sogar weiter. Obwohl gerade die Deutschen und Spanier im Europavergleich eine der höchsten Sparquoten haben, liegen die Zinsen mit am unteren Ende. Für deutsche Sparer bedeutet das eine durchschnittliche Verzinsung von 0,7 Prozent für einjähriges Festgeld und 0,867 Prozent für dreijähriges Festgeld bei den Top-3-Angeboten des Landes. Der wenig kompetitive irische Bankenmarkt bietet Sparern mit hoher Sparquote europaweit die niedrigsten Zinsen für einjähriges und dreijähriges Festgeld. In Italiens strapazierter Wirtschaft gibt es trotz eines leichten Rückgangs in den letzten Monaten weiterhin vergleichsweise hohe Zinsen.

 

  • Die Ökonomie kurz- und langfristiger Zinssätze zeigt sich beim Vergleich der Zinsdifferenzen von 0,17 Prozent in Deutschland bei niedrigem Risiko und relativ stabilen Aussichten gegenüber einer Zinsdifferenz von 0,75 Prozent in Italien, einer angespannten Volkswirtschaft bereits vor Coronapandemie.
  • In Mittel- und Südeuropa gibt noch attraktive Angebote mit Zinsen zwischen 0,57 bis zu 1,85 Prozent.
    In Spanien bleibt weiterhin die Ausnahme, hier sind die höchsten verfügbaren Zinsen für einjährige Einlagen noch immer höher als die Zinsen für dreijährige Einlagen bei den Top-Angeboten.
  • Norwegens Spitzenzinssätze sinken weiter von rund 1,5 Prozent auf 1,42 Prozent beim dreijährigen Festgeld. Im Vereinigten Königreich setzen die Top-Angebote kurz vor dem Brexit ihren Höhenflug fort.

 

Analyse EZB-Daten: Trotz lokaler Zinsanstiege bleiben Privatkundenzinsen niedrig

Zum Ende des Sommers stiegen die durchschnittlichen Zinsen für Privatkunden in den meisten europäischen Ländern an – doch im Durchschnitt verharren sie in der Eurozone weiterhin bei 0,17 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnen sogar fast alle Länder der Europäischen Union niedrigere Zinssätze.

 

Entwicklung der Privatkundenzinsen in Europa laut EZB
Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte; Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.

 

  • In den fünf größten Volkswirtschaften zeigt sich ein geteiltes Bild. Während die Durchschnittszinssätze in Deutschland und Spanien zum Herbstbeginn prozentual stark sanken, belief sich der Rückgang in Großbritannien auf lediglich sieben Prozent. In Frankreich und Italien kletterten die bereits hohen Zinssätze hingegen weiter auf 0,56 beziehungsweise 0,64 Prozent.
  • Ähnliches gilt für Nord- und Osteuropa. In Dänemark, der Slowakei, Polen, Finnland (ein Anstieg um 140 Prozent) und Lettland gab es mitunter deutliche Anstiege, wohingegen die Zinsen in der Tschechischen Republik um 15 Prozent fielen und in Litauen unverändert blieben.
  • Der durchschnittliche Zinssatz für Einlagen mit einer Laufzeit von einem Jahr oder weniger ist in Spanien auf 0,01 Prozent gesunken.

Unternehmen im Euroraum müssen weiter Strafzinsen zahlen

In der Hälfte der untersuchten Länder stiegen oder fielen die Zinsen um maximal drei Basispunkte. Dementsprechend zahlen Unternehmen in neun EU-Ländern im Mittel weiterhin Strafzinsen. In neun weiteren Staaten erzielen sie im Mittel weiter weniger als 0,10 Prozent Zinsen pro Jahr.

 

Europaweiter Vergleich der Geschäftskundenzinsen
Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.

 

  • Die Zinssätze für bis zu einjährige Einlagen für Firmenkunden sanken besonders stark in Österreich (minus 29 Basispunkte). Für österreichische Unternehmer ist das besonders schmerzlich, denn nun liegen sie bei den Negativzinsen gleichauf mit dem Negativrekordhalter Deutschland.
  • In Italien (plus 85 Basispunkte) und Malta (plus 35 Basispunkte) hingegen stiegen die Zinsen für Geschäftskunden. Sie erhalten zumindest 0,86 Prozent beziehungsweise 0,70 Prozent Zinsen auf ihre Einlagen.
  • Unternehmen in der Eurozone – konkret in Belgien, Deutschland, Irland, Luxemburg, Niederlande, Österreich und Spanien – leiden weiter unter Strafzinsen, die sie auf ihre Einlagen entrichten müssen. Bei den Ländern mit Fremdwährungen sind Unternehmer in Bulgarien und Dänemark (stattliche minus 0,48 Prozent und damit Negativrekord in Europa) von Negativzinsen betroffen.

 

Kommentar zu Auswirkungen von Überliquidität bei Banken von Benedikt Voller

Benedikt Voller, Vice President Vice President Business Clients & Partnerships bei Raisin (WeltSparen)
Benedikt Voller, Vice President Business Clients & Partnerships bei Raisin (WeltSparen)

Benedikt Voller, Vice President Vice President Business Clients & Partnerships bei Raisin (WeltSparen), erklärt die Hintergründe für den Handlungsdruck von Banken aufgrund von Überliquidität. Zudem zeigt er Wege auf, wie Sparer und Banken durch neue Wege dennoch einen Win-Win erzielen können.

Im aktuellen Umfeld von anhaltenden Niedrig- und Negativzinsen erhalten europäische Banken Unterstützung von der Europäischen Zentralbank, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Mit umfangreichen Corona-Hilfsprogrammen pumpt die EZB Liquidität in die gebeutelten Märkte, so dass sich viele Banken mittlerweile mit einer Einlagenflut und Überschussliquidität konfrontiert sehen. Oft können Banken diese aber nicht mehr vollständig in Kredite umlegen und die überschüssige Liquidität bleibt in ihren Büchern.

Dadurch entstehenden den Banken signifikante Kosten:

  • Zahlungen von Bankabgaben und Beiträgen zu Einlagensicherungssystemen,
  • erhöhte Eigenkapitalanforderungen aufgrund der gehaltenen Einlagenhöhe,
  • Strafzinsen für Liquidität, die beispielsweise bei der EZB anfallen.

Um diesen Kostendruck zu reduzieren, sind Privatkundenbanken häufig gezwungen, die Liquidität der Kunden in andere eigene Finanzangebote oder sogar zu anderen Anbietern zu lenken. Sie senken massiv die Zinssätze für ihre Kunden – teilweise sogar unter Null. Daraus entsteht für Kunden wie Banken ein Dilemma. Kunden fehlen Ertragspotenziale für ihre Ersparnisse, so dass sie zum Teil ihre Hausbank verlassen. Finanzinstitute wiederum verlieren schlimmstenfalls langjährige Kunden, wenn es ihnen nicht gelingt, niedrige oder negative Zinssätze mit attraktiven alternativen Produkten oder Dienstleistungen auszugleichen. Die aktuelle Liquiditätssituation setzt die Banken unter Druck, innovative Lösungen für die aktuelle Zinskrise zu finden.

 

Quellen: 
Raisin / WeltSparen, EZB, DESTATIS, Bundesbank

Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank –     ccpc.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag – biallo.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Zinsradar: Zinserträge klaffen in Deutschland um das 105-fache auseinander

In ganz Europa vergrößert sich die Kluft zwischen Großbanken und den besten Zinsangeboten mehr und mehr. So liegt in Deutschland der Zinsertrag für ein einjähriges Festgeld in Höhe von 10.000 Euro aktuell zwischen 0,70 Euro bei einer der Top 3 Banken Großbank und 70 Euro bei den drei besten Zinsangeboten. Noch deutlicher ist der Unterschied in Spanien: Die Kunden der größten Banken erzielen keine Zinsen, während sie mit den Top-Angeboten bis zu 97 Euro Zinsen erwirtschaften. Eine positive Entwicklung für private Sparer entsteht durch die aktuell niedrige Inflationsrate mit -0,2 Prozent in Deutschland. Trotz des niedrigen Zinsniveaus werden dadurch erstmals seit langer Zeit reale Zinserträge erwirtschaftet. Dramatischer gestaltet sich die Situation für Unternehmen. Diese zahlen in den meisten europäischen Ländern Negativzinsen auf ihre Bankguthaben. Hier führt Deutschland mit den höchsten negativen Zinsen in der Eurozone mit -0,34 Prozent auf Einlagen bis zu einem Jahr.

Das bedeutet, abhängig von Wohnort und Bankenstandort erhalten Europäer eine sehr unterschiedliche Verzinsung für ihr Erspartes – trotz des europäischen Binnenmarkts. Die Höhe der Rendite hängt zudem stark von der Wahl der Bank ab. Nur wer bereit ist, sich die Angebote anderer Finanzinstitute anzuschauen, hat eine Chance auf bessere Zinsen.

Großbanken europaweit im Hintertreffen bei Zinsangeboten für Privatkunden

In vielen Ländern Europas sanken die besten Zinssätze für Privatkunden im Vergleich zum Vormonat. Die Top-Zinsen übertreffen weiterhin um ein Vielfaches die besten Zinsangebote der drei größten Banken eines Landes. Im Vereinigten Königreich, Norwegen und Polen steigen die Zinsen. Irland bildet weiterhin das Schlusslicht mit nahezu Nullzinsen.

 

  • In vielen Ländern Europas sanken die besten Zinssätze für Privatkunden im Vergleich zum Vormonat. Die Top-Zinsen übertreffen weiterhin um ein Vielfaches die besten Zinsangebote der drei größten Banken eines Landes. Im Vereinigten Königreich, Norwegen und Polen steigen die Zinsen. Irland bildet weiterhin das Schlusslicht mit nahezu Nullzinsen.
  • Die höchsten Zinsen in Europa gibt es derzeit in Großbritannien, Schweden, Norwegen, Italien und Polen mit Zinsangeboten weit über 1 Prozent.
  • Die niedrigsten Zinsen bekommen Kunden der größten Banken in Spanien, Deutschland, den Niederlanden, Portugal und Polen – die Zinssätze liegen hier unter 0,05 Prozent. Minimal bessere Zinsen erhalten Sparer in Irland, Österreich, Belgien und Italien. Hier liegen die Zinssätze der Großbanken bei etwa 0,1 Prozent.
  • Deutschland weist das größte Zinsgefälle auf. Das beste Zinsangebot ist um das 105-fache höher als die Angebote der drei großen Banken.

 

Attraktive Zinssätze für Festgeld in Europas größten Volkswirtschaften

Rund 4,7 Billionen Euro werden in der Eurozone auf Girokonten gehalten. Beim Blick auf die führenden Zinsangebote in den einzelnen Ländern zeigt sich ein gigantischer Zinsschaden. Europäische Sparer verlieren Dutzende Milliarden Euro, wenn sie ihr Erspartes unverzinst auf den Konten parken. Für Menschen, die aufgrund der Coronapandemie ihre Ersparnisse derzeit nicht lange binden wollen, bieten Festgeldangebote mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr immer noch Rentabilität.

 

 

  • Verbraucher der fünf größten Volkswirtschaften Europas können Zinssätze zwischen 0,70 Prozent in Deutschland für einjähriges Festgeld und 1,85 Prozent für dreijähriges Festgeld in Italien erzielen.
  • Die Spitzenzinssätze sind in den meisten europäischen Ländern gefallen. Nur das Vereinigte Königreich, Polen und Frankreich verzeichneten einen geringen Anstieg.
  • Italien weist mit 0,67 Prozent die höchste Zinsspanne zwischen ein- und dreijährigen Festgeldern auf, während in Norwegen mit 1,50 Prozent und 1,51 Prozent fast identische Zinsen für beide Laufzeiten angeboten werden.
  • Spanier erhalten für kurzfristig verfügbare Einlagen bis zu einem Jahr 0,28 Prozent höhere Zinsen als beim dreijährigem Festgeld.

 

Analyse EZB-Daten: Zinsen für Privatkunden im Sinkflug, Dänemark überrascht

Die durchschnittlichen Zinssätze gaben in Europa nach. Gemäß den neuesten Daten der Europäischen Zentralbank vom August, veröffentlicht Anfang Oktober, verlieren fast alle Länder bei Festgeldanlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr an Boden. Die Spanne der Zinssätze ist für Verbraucher in Europa nach wie vor groß. Sie reicht von 0,02 Prozent in Irland und Spanien mit knapp einem halben Prozent in Frankreich und Italien bis hin zu 0,97 Prozent in den Niederlanden und 1,63 Prozent in Rumänien.

 

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten.
Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.

 

  • Deutsche Sparer wurden nicht abgestraft, obwohl die Zinsen in fast allen großen Volkswirtschaften um ein paar Basispunkte nachgaben, stieg der Durchschnittswert hier um einen Basispunkt.
  • Im selben Zeitraum schoss der dänische Durchschnittszinssatz um 67 Basispunkte in die Höhe.
  • Von den großen Volkswirtschaften sind Italien, Frankreich und das Vereinigte Königreich von sinkenden Zinsen betroffen. Irland bildet weiter das Schlusslicht.

Geschäftskunden in Deutschland haben größte Zinsbelastung in ganz Europa

In ganz Europa haben Unternehmen kaum Möglichkeiten ihre Guthaben positiv zu verzinsen. In zehn Märkten sind laut jüngsten Daten der Europäischen Zentralbank die durchschnittlichen Zinssätze weiterhin negativ. In weiteren zehn Märkten blicken Firmenkunden auf Verzinsungen zwischen 0 Prozent und 0,1 Prozent.

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Statistik des Europäischen Wirtschaftsraums.

 

  • Die Zinsen für deutsche Unternehmen sind mit einem durchschnittlichen Zinssatz von -0,34 Prozent weiterhin negativ, dicht gefolgt von den Niederlanden mit -0,29 Prozent.
  • In Italien und Frankreich werden keine Strafzinsen fällig, ebenso im Baltikum und in Osteuropa.
  • Von den fünf größten europäischen Volkswirtschaften fällt nur Großbritannien mit einer positiven Verzinsung von im Schnitt 0,09 Prozent auf.

Der europäische Binnenmarkt und seine Vorteile:
Kommentar zu den innereuropäischen Zinsdifferenzen von Emmanuel Rodriguez, DG Raisin France

 

Emmanuel Rodriguez, Directeur Générale von Raisin France
Emmanuel Rodriguez, Directeur Générale von Raisin France

Emmanuel Rodriguez, Directeur Générale von Raisin France, erläutert die Hintergründe von europäischen Zinsunterschieden. Er verrät, warum europäische Sparer sicher von grenzüberschreitenden Tages- und Festgeldern profitieren können.

Die Zinssätze von Festgeldern spiegeln ein Gleichgewicht wieder. Auf der einen Seite steht dabei das Risiko, das Investoren bereit sind mit ihrer Anlage einzugehen. Bei größeren Risiken erwarten Investoren eine höhere Rendite als Kompensation, dass sie ihr Geld bei bei einer bestimmten Bank in einem bestimmten Land anlegen. Das zeigte die Finanzkrise von 2008 bis 2010 sehr deutlich. Dem gegenüber stehen auf der anderen Seite das Investitionsinteresse der Banken und deren Erwartungen an das künftige Wirtschaftswachstum. Bei eher verhaltenen wirtschaftlichen Aussichten agieren Banken vorsichtiger und sind nicht bereit, sich für mittel- und langfristige Liquidität an höhere Einlagenzinsen zu binden, die dann doch nicht benötigt wird. Dies trifft vor allem in stark vom Export abhängigen Ländern wie Deutschland zu. Es gilt aber auch für die Länder, in denen kein Wettbewerb stattfindet, da es einen konzentrierten Bankensektor gibt oder die Menschen schlichtweg lieber sparen als sich Geld zu leihen.

Viele Sparer wissen nicht, wie einfach sie von diesen Zinsunterschieden profitieren können. Zinsangebote können sowohl im Heimatmarkt als auch anderswo in Europa ohne zusätzliche Risiken in Anspruch genommen werden. Alle europäischen Länder und Banken sind an das europaweit harmonisierte Einlagensicherungssystem angebunden, dadurch sind bis zu 100.000 EUR je Kunde und Bank gesetzlich abgesichert. Darüber hinaus treibt die europäische Politik den Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen mit weiteren Maßnahmen derzeit voran, die den europäischen Bankensektor noch sicherer und zugänglicher machen. Davon profitieren Sparer in ganz Europa.

Quellen: Raisin, EZB,
Belgien: ING Belgium, KBC, Belfius Bank – spaargids.be
Dänemark: Danske Bank, Nykredit, Nordea Denmark – mybanker.dk & financer.com/dk
Deutschland: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank – biallo.de
Frankreich: BNP Paribas, Credit Mutuel, Societe Generale – francetransactions & cbanque
Irland: Bank of Ireland, Allied Irish Banks, Ulster Bank – bonkers.ie
Italien: UniCredit, Banca Monte dei Paschi di Siena, Mediobanca – confrontaconti.it
Norwegen: DNB, Danske, Nordea – finansportalen.no
Österreich: Erste Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Bawag – biallo.at
Polen: PKO Bank Polski, Bank Pekao, mBank – oprocentowanie.pl
Portugal: Novo Banco, BPI, BCP – comparaja.pt
Rumänien: BCR, BRD, Banca Transilvania – conso.ro
Schweden: Nordea, SEB, Svenska Handelsbanken – finansportalen.se
Spanien: Santander, BBVA, Caixabank – tucapital.es
Vereinigtes Königreich: HSBC, Barclays, RBS – which.co.uk

Deutschlands Volkswirtschaft ist stabiler als erwartet – Europäische Zentralbank plädiert für Bankenunion

Die europäischen Märkte sind infolge der Corona-Pandemie nicht so stark eingebrochen wie erwartet. Die deutsche Wirtschaft erlebt einen Einbruch von 9,7 Prozent – damit steht Deutschland vergleichsweise gut da. Anpassungen an neue Erkenntnisse werden derzeit in ungewohnter Schnelligkeit von den einzelnen Regierungen umgesetzt. In Deutschland wurde vor diesem Hintergrund das zu Beginn der Krise eingeführte Kurzarbeitergeld verlängert, außerdem wurden die Regelungen zur Insolvenzanmeldung temporär gelockert. So sollen Unternehmen entlastet und eine drohende Massenarbeitslosigkeit verhindert werden. Dennoch sind die langfristigen Aussichten für den gesamten Kontinent eher pessimistisch zu bewerten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich deshalb für energische Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft ausgesprochen. Damit sind für Banken erhebliche Erleichterungen verbunden, obwohl die EZB an der bisherigen Strategie mit negativen Zinsen weiter festhält – während die US-Notenbank einen Strategiewechsel eingeleitet hat und künftig ein höheres Inflationsniveau anstrebt.

EZB-Direktorin Isabel Schnabel bewertet die Erfahrungen der EZB mit negativen Zinssätzen in ihrer Rede vom 26. August 2020 positiv. Dabei erläuterte sie die Strategie in einem größeren Kontext: „[…] die EZB kann zwar mögliche negative Auswirkungen mildern, Lösungen für die zugrunde liegenden strukturellen Ursachen gehen jedoch über den Aufgabenbereich der Geldpolitik hinaus. Zu diesen Problemen gehören das Overbanking und fehlende gesamteuropäische Fusionen, die die Vollendung der Europäischen Bankenunion erfordern würden“. Außerdem werde die Weiterentwicklung der Kapitalmarktunion als Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie (COVID-19) immer wichtiger.

 

Zinsschere in Deutschland: Top-Angebote mit 74-fach höheren Zinsen gegenüber Angeboten der führenden Großbanken

Mittelfristige Einlagen verlieren an Attraktivität, da die Spitzenangebote in weiten Teilen Europas einbrechen
Die Unterschiede zwischen den Zinsen für 1- und 3-jährige Einlagen sind in weiten Teilen Europas nach wie vor gering. In Spanien, Portugal, Belgien und Irland sowie in Norwegen und Dänemark und in Polen und Rumänien besteht ein Unterschied von weniger als zwei Zehntel Prozent zwischen den Zinssätzen für die besten 1- und 3-jährigen Festgelder.

In Deutschland ist der durchschnittliche Zinssatz für die besten 1-Jahres-Festgeldanlagen erneut höher als der durchschnittliche Zinssatz für die besten 3-Jahres-Festgeldanlagen. Während die deutschen Spitzenzinssätze für einjährige Einlagen von 0,89 Prozent Ende Juni auf 0,99 Prozent sprunghaft anstiegen, gaben die Spitzenzinssätze im übrigen Europa mit Ausnahme von Spanien und Belgien nach.

Außerhalb der Eurozone sanken nach die höchsten 1- und 3-Jahres-Zinssätze in Großbritannien, Polen und Norwegen. In Großbritannien sanken die 1-Jahres-Zinssätze von 0,83 Prozent Ende Juni auf aktuell 0,66 Prozent. Norwegens Spitzenzinssatz für einjährige Einlagen fiel von 2,27 Prozent im Juni auf 1,94 Prozent, der in Polen von 1,60 Prozent auf 1,30 Prozent im August.

 

EZB-Daten: Trotz anhaltender Niedrigzinsen erzielen Europäer immer noch Zinsrenditen

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte; Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.

Gemäß den aktuellen Daten der Europäischen Zentralbank bis einschließlich Juni 2020 sind die durchschnittlichen Privatkundenzinssätze für einjährige oder kürzere Festgelder bis auf wenige Ausnahmen im Vergleich zum Sommer 2019 gesunken. Zu den zwischen Juni 2019 und Juni 2020 am stärksten betroffenen Ländern gehören Frankreich, die Niederlande und das Vereinigte Königreich, die zwischen 30 und 45 Basispunkten verloren. Griechenland verlor im Vergleich zum Vorjahr 30 Basispunkte, auch die Zinssätze in Finnland (-22), Polen (-95) und der Tschechischen Republik (-116) gaben nach.

Zu den wenigen Märkten, die im Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg verzeichneten, gehören Deutschland und Schweden. Deutschland legte um 7 Basispunkte und Schweden um 10 Basispunkte zu.

In den von uns analysierten Märkten innerhalb und außerhalb der Eurozone weisen derzeit 14 Märkte Durchschnittszinswerte von unter 0,2 Prozent auf, darunter Deutschland, Irland und Spanien. Anders sieht es in Italien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich aus, die mit durchschnittlichen Zinsen von 0,64 Prozent, 0,81 Prozent beziehungsweise 0,69 Prozent weit über einem halben Prozent liegen.

Deutsche und italienische Unternehmenszinsen sinken, Spanien und Irland verzeichnen Zuwächse

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, Statistik des Euroraums.

Nach aktuellen Daten der Europäischen Zentralbank hat der durchschnittliche Zinssatz der Eurozone für Unternehmenseinlagen mit einer Laufzeit von einem Jahr oder weniger weiter nachgegeben. Er liegt jetzt bei -0,14 Prozent. Seit Juni 2019 hat er beachtliche 1.500 Prozent verloren, was jedoch nur 15 Basispunkten entspricht. Außer Deutschland weisen die Benelux-Länder, Irland und Spanien im Durchschnitt negative Zinsen für Unternehmenseinlagen auf.

Zwischen Mai und Juni stiegen die Zinsen in Irland um neun und in Spanien um zehn Basispunkte. Sie liegen dennoch weiter unter null Prozent. Österreich, Belgien und Luxemburg legten zwischen drei bis sechs Basispunkte zu.

Die durchschnittlichen Zinssätze für Unternehmen sanken in Deutschland und Italien um neun beziehungsweise zwölf Basispunkte, wobei Deutschland mit -0,33 Prozent den niedrigsten Durchschnittssatz aufweist. Auch in Litauen (-13 Basispunkte) und Estland (-14 Basispunkte) sanken die Zinsen weiter.

 

Quellen: EZB, WeltSparen, Financial Times, Bloomberg, Bloomberg

Europa startet mit sinkenden Privatkundenzinsen und stark schwankenden Unternehmenszinsen in die Erholungsphase nach dem Lockdown

Berlin, 1. Juli 2020 – Nach weitreichenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie nimmt Europas Wirtschaft langsam wieder Fahrt auf. Wirtschaftsanalysten und auch Bundeskanzlerin Merkel erwarten einen langen Weg bis zur Erholung der Märkte. Gemeinsam mit dem Franzosen Emmanuel Macron und der Europäischen Zentralbank plädiert Merkel dabei für eine aktive Unterstützung der am stärksten betroffenen EU-Volkswirtschaften – trotz Protesten aus dem eigenen konservativen und dem liberalen Lager. Nach Ansicht des Chefökonoms der EZB, Philip Lane, haben die bisherigen Schritte der Zentralbank, darunter das Pandemie-Notkaufprogramm, Refinanzierungsgeschäfte und Maßnahmen zur Lockerung von Sicherheiten, zur Stabilisierung der EU beigetragen.

Vergleiche:
Enormes Einlagenvolumen lässt Zinsen weiter sinken

Die höchsten Zinssätze für einjährige Spareinlagen liegen in Deutschland, den Niederlanden, Portugal, Dänemark und sogar im Osten Rumäniens derzeit zwischen 0,57 Prozent und 0,97 Prozent. Die größten Banken in diesen Märkten bieten laut Raisins aktueller Untersuchungen hingegen nur Zinssätze von weniger als 0,05 Prozent an.

Auch bei den größten Finanzinstituten in Spanien, Belgien, Österreich und Irland liegen die Zinsen für einjährige Spareinlagen nicht viel höher. Sie bewegen sich alle um 0,1 Prozent.

Wie kommt es zu diesen Zinsunterschieden?

Europäische Banken sind verpflichtet, bei der EZB Rücklagen zu hinterlegen, um Abhebungen ihrer Kunden zu decken. Banken zahlen in der Regel jedoch höhere Summen als die vorgeschrieben Rücklagen ein. Die Europäischen Zentralbank verlangt für all diese Einlagen derzeit -0,50 Prozent Zinsen und nutzt den Zinssatz dabei als ein Instrument der Geldmarktpolitik. Durch die Strafzinsen soll die Kreditvergabe angekurbelt werden, um Investitionen und andere wirtschaftliche Aktivitäten zu fördern. Dennoch verfügen viele der größten Banken über zu hohe Einlagen, da sie entweder bei der Kreditvergabe zu zögerlich sind oder keine ausreichende Nachfrage nach Krediten besteht.

Das gestaltet sich bei kleineren Banken anders. Sie müssen tendenziell mehr Kunden gewinnen, um ihre Liquidität aufzubauen und damit die lokale und regionale Nachfrage nach Krediten zu befriedigen. Aus diesem Grund bieten kleine bis mittelgroße Banken oft attraktivere Zinssätze an. Das geht mit teilweise deutlichen Unterschieden zwischen den Zinssätzen der größten Banken und denen kleiner bis mittelgroßer Institute einher. Verbraucher profitieren dabei von der europaweit harmonisierten Einlagensicherungsrichtlinie, die besser verzinsten Angebote sind dadurch nicht mit höheren Risiken verbunden. Für alle Einlagen in EU-Ländern gelten die identischen Mindeststandards der gesetzlichen Einlagensicherung.

Wer vergleicht kann höhere Zinsen erwirtschaften

Die Unterschiede zwischen den Zinsangeboten der größten Banken und den höchsten verfügbaren Zinssätzen fallen besonders in Deutschland, den Niederlanden, Portugal und Dänemark ins Auge. Auch die Verbraucher in Spanien und Italien sowie in Belgien, Österreich und Schweden sollten sich nicht allein auf die in ihren Märkten bekannten Großbanken verlassen, wenn sie die Zinsrendite auf ihre Termineinlagen optimieren wollen.

Im Vereinigten Königreich ist das Verhältnis zwischen den Zinsangeboten der Großbanken und den besten Angeboten im Vergleich enger. Verbrauchern erzielen dennoch eine bis zu doppelt so hohe Zinsrendite, wenn sie auf die Top-Angebote zugreifen. In Irland sind die Top-Angebote im Verhältnis zwar stärker gesunken als die Zinsangebote der größten Banken. Angebote von Raisin für einjährige Einlagen liegt derzeit trotzdem bis zu 13 Mal höher als die durchschnittlichen Zinssätze bei den Großbanken.

Die Angebote der Großbanken und die besten Angeboten im Vergleich

 

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Zinsschere zwischen Durchschnittszins und Top-Angebot. Ausgewählt wurden die größten Banken gemäß Bankenbilanz, die Festgeld anbieten. Durchschnitt von 1-jährigen Festgeld-Angeboten für Privatkunden der 3 größten Banken des jeweiligen Landes bis zum 23.06.2020. Kriterien: 10.000 EUR Mindesteinlage; Angebote für Neu- und Bestandskunden.

Spitzensätze für ein- und dreijährige Festgelder sinken in weiten Teilen Europas

Einige der größten europäischen Volkswirtschaften verzeichnen bei ein- und dreijährige Festgeldern sinkende Zinssätze, dazu zählen Deutschland, die Niederlande, Schweden, Norwegen und das Vereinigte Königreich. Die Spitzensätze in Frankreich, Österreich, Belgien, Portugal und Irland blieben dagegen stabil. Ein Anstieg der Spitzensätze war in keinem Markt zu verzeichnen.

Zugleich liegen die Spitzensätze in den meisten europäischen Märkten nach wie vor weit über den Zinsangeboten der größten Banken.

Zinssätze für 1- und 3-jährige Festgelder im Vergleich

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Durchschnitt der 3 Top Einlagenangebote für Privatkunden auf Basis von lokalen Vergleichsseiten bis zum 23.06.2020. Kriterien: 10.000 EUR Mindesteinlage; 1 Produkt pro Bank; Angebote für Neu- und Bestandskunden.

Zinssätze im Privatkundengeschäft in Frankreich und Italien sind in Westeuropa am stärksten betroffen

Die jüngsten Daten der Europäischen Zentralbank zu den Zinssätzen im Privatkundengeschäft (April) zeigen zu dem Zeitpunkt einen allgemeinen Rückgang, als die Auswirkungen der Pandemie einsetzten. In der Eurozone sank der Durchschnittswert dabei um 29 Prozent (minus 9 Basispunkte).

Am stärksten betroffen waren Frankreich (minus 19 Basispunkte auf 0,57 Prozent Durchschnittssatz für Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr), Italien (minus 65 Basispunkte auf 0,91 Prozent) und die Slowakei (minus 15 Basispunkte auf 0,41 Prozent).

Mindestens zehn der Länder der Eurozone bleiben im Durchschnitt unter 0,2 Prozent für Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr.

Zinssätze für Privatkunden

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Durchschnittliche Zinsen für neue Einlagen von privaten Haushalten: Laufzeiten bis zu 1 Jahr, Daten der EZB. Hinweis: Die Zeitreihenanalyse der Zentralbank der Niederlande für Einlagen mit Laufzeiten bis zu 1 Jahr beinhaltet ein länderspezifisches „Konstruktions-Depot“ mit höheren Durchschnittszinsen als bei Tagesgeld- und Festgeld-Einlagen.

Covid19-Pandemie lässt Unternehmenszinsen stark schwanken

In den ersten Wochen der weltweiten Covid-19-Pandemie kam es zu erheblichen Schwankungen bei den Unternehmenszinsen. Nach den jüngsten Daten der Europäischen Zentralbank vom April 2020 sanken die Zinssätze in Spanien, den Niederlanden und Belgien um 13 bis 16 Basispunkte und in Malta um 61 Basispunkte.

Auch Spanien ist nun dem „Club“ der Länder mit Negativverzinsung beigetreten, mit einem neuen Durchschnittszinssatz von -0,12 Prozent für Unternehmenseinlagen.

Gleichzeitig sind die Zinssätze für Unternehmen in Deutschland, Österreich, Italien und den baltischen Ländern (insbesondere Estland, Litauen und Finnland) deutlich gestiegen. Dennoch weisen Deutschland und Österreich im Durchschnitt weiter negative Zinssätze für Unternehmen von -0,17 Prozent bzw. -0,01 Prozent auf.

Deutsche Unternehmen können jedoch auf Zinsplattformen viele Angebote mit wesentlich höheren Zinsrenditen finden. Auf WeltSparen werden derzeit beispielsweise Zinssätze von bis zu über 2 Prozent von Banken in Deutschland, Frankreich und anderen Märkten des Europäischen Wirtschaftsraums angeboten.

Zinssätze für Unternehmen

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Einlagenzinssätze für Geschäftskunden. Aktuelle Einlagenzinssätze für Geschäftskunden in der Eurozone. Durchschnittlicher Zins für neue Einlagen von Geschäftskunden mit einer Laufzeit von bis zu 1 Jahr, Euro Area Statistics.

Steigende Sparquoten bei sinkender Inflation und Zinssätzen in der Lockdown-Phase

Angela Merkel hat gemeinsam mit Macron einen Vorschlag für einen Corona-Wiederaufbauplan auf der Basis von Eurobonds vorgelegt. Die Entscheidung zur Unterstützung der am stärksten betroffenen Länder der Eurozone fehlt nach wie vor. Dennoch ist im Moment Einklang mit der entschlossenen Pro-Euro-Haltung der Europäischen Zentralbank erkennbar. Die EU scheint also in der Lage zu sein, sich wirtschaftlich von der Pandemie zu erholen. Allerdings warnt die Europäische Zentralbank, dass dieser Weg von enormen Herausforderungen begleitet sein wird.

Der Verbrauchervertrauensindex stürzte in den letzten Monaten der Pandemie in ganz Europa ab, während die Sparquoten stark anstiegen. Dies könnte die wirtschaftliche Erholung gefährden, falls die Ausgaben weiter sinken. Auch die europäische Gesamtinflationsrate ist von 1,4 Prozent im Januar 2020 auf 0,1 Prozent gesunken, den niedrigsten Stand seit dem Sommer 2016. Es bestehen jedoch nach wie vor große Unterschiede bei der Inflation von Markt zu Markt in ganz Europa sowie bei den Graden der Schrumpfung.*

*Die Sammlung von Daten über Ausgaben (z.B. in Geschäften, die größtenteils geschlossen sind) wird Berichten zufolge teilweise auch durch die Sperre eingeschränkt.

 

Zinssätze im Kundengeschäft:
Pandemie hat keine nennenswerten Auswirkungen auf Zinsrückgang
Die jüngsten Daten der Europäischen Zentralbank zu den Zinssätzen in Europa deuten insgesamt auf einen leichten Rückgang hin, wobei die Tschechische Republik um -30 Basispunkte gegenüber dem Vormonat und Dänemark um -11 Basispunkte zurückging.

Zehn europäische Märkte bewegten sich jedoch nicht mehr als einen Basispunkt in die eine bzw. andere Richtung, darunter Spanien, Portugal, die Niederlande und Irland. Deutschland und Frankreich rutschen beide um -3 Basispunkte ab.

Positiv entwickelten sich Italien und das Vereinigte Königreich mit 12 bzw. 8 Basispunkten nach oben, ebenso wie die kleineren Märkte in Lettland (13 Basispunkte nach oben) und Slowenien (11 Basispunkte nach oben).

 

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte; Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.

 

Vergleiche:
Nach einer leichten Erholung der Zinsen rutscht Deutschland wieder ab

Der Weltsparen Zinsradar sammelt aktuelle Informationen über die Entwicklung der Zinssätze in ganz Europa (zwei Monate vor den neuesten EZB-Daten). In der heutigen Momentaufnahme wird sichtbar, dass der Anstieg der Zinssätze im April in Österreich, den Niederlanden und Schweden stabil geblieben ist. Trotzdem ist der Aufwärtstrend insgesamt zum Stillstand gekommen, mit nur drei kleinen Erhöhungen.

Deutschland, das Vereinigte Königreich und Polen mussten große Verluste hinnehmen: die höchste Ein-Jahres-Rate Großbritanniens fiel von 1,52 Prozent im letzten Monat auf 1,18 Prozent in diesem Monat, die Polens von 2,32 Prozent auf 1,92 Prozent in diesem Monat und die Deutschlands von 1,05 Prozent auf 0,98 Prozent.

 

Durchschnitt der Top-3-Angebote für Privatkunden auf der Grundlage lokaler Vergleichsseiten zum 19.05.2020. Die Kriterien: 10.000 EUR Einlage; 1 Produkt pro Bank; Angebote für neue und bestehende Kunden.

 

Aufgrund des Rückgangs der Spitzen-Zinssätze in Deutschland nahm die Zinsspreizung im April ein wenig ab  – also die Differenz zwischen den extrem niedrigen Zinssätzen der Großbanken  und den Spitzenangeboten kleinerer Banken des Landes. Darüber hinaus sind in Europa nur geringen Bewegungen zu erkennen, in denen sich der Abstand zwischen den großen Banken und den besten Angeboten verringerte oder vergrößerte.

 

Durchschnittliche 1-Jahres-Angebote für Privatkunden, die von den 3 größten Banken auf dem lokalen Markt angeboten werden; Stand 19/05/2020. Die Kriterien: 10.000 EUR Einlage; Angebote sowohl für neue als auch für bestehende Kunden. In der Regel die größten Banken auf der Grundlage der Bilanzgröße, die Termineinlagen anbieten.

 

Einlagenzinsen für Geschäftskunden:
Zinserhöhungen in Frankreich, Spanien und Italien durch allgemeinen Zinsrückgang ausgeglichen

Die durchschnittlichen Zinssätze der Eurozone für Geschäftskunden-Einlagen sanken auf -0,09 Prozent, wobei Finnland um -27 Basispunkte auf -0,02 Prozent und Estland und Österreich um -14 bzw. -6 Basispunkte sanken.

Auf mehreren Märkten gab es gute Nachrichten für Geschäftskunden. Frankreich und Spanien verließen den negativen Zinsbereich: Spanien stieg um 26 Basispunkte und Frankreich um 15 Basispunkte. Italien machte unterdessen einen Sprung um 49 Basispunkte, ließ die negativen Zinssätze hinter sich und erreichte in den neueren EZB-Daten 0,27 Prozent.

Deutschland, Österreich, die Niederlande und Irland sind derweil weiter unter Null gesunken, was bedeutet, dass die Unternehmen immer mehr für ihre liquiden Bestände zahlen.

 

 

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, Statistik des Euroraums.

 

 

Zinsen steigen in Deutschland und Europa

Durch die globale Coronavirus-Pandemie und den Maßnahmen zur Eindämmung der Krise haben Kapitalmärkte und Investmentbanken mit Unsicherheit zu kämpfen. Es wirkt jedoch so, als seien die Europäischen Banken auf die aktuelle Wirtschaftskrise viel besser vorbereitet als auf die letzten Krisen in den Jahren 2009 und 2010.

Während Europäer ihr Geld vorwiegend in Bareinlagen und Anlageformen mit höherer Liquidität verschieben, senken die größten europäischen Banken ihre Zinssätze noch weiter. Doch die jüngsten Daten des WeltSparen Zinsradars zeigen, dass es wichtige Ausnahmen gibt: Europäische Banken, die nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen, erhöhen ihre Zinssätze.

 

Vergleiche:
Zwei Extreme bei Top-Privatkundenzinsen in Europa: Stillstand oder steigende Tendenz

WeltSparen hat jeweils die Top-Angebote bei Zinssätzen für Einlagen mit einem und drei Jahren Laufzeit verglichen. Die Recherche bezieht sich auf neun Länder innerhalb und sechs Länder außerhalb der Eurozone. Nach den jüngsten Daten sind die Spitzenzinssätze in Deutschland seit Mitte Februar um mehr als ein Drittel auf durchschnittlich bis zu 1,05 Prozent für 1-jährige und 1,14 Prozent für 3-jährige Top-3-Einlagenprodukte gestiegen. In den Niederlanden sind die besten Zinsangebote ebenfalls seit Anfang 2020 gestiegen, wenn auch weniger stark (0,6 Prozent für 1-jährige und 0,87 Prozent für 3-jährige Festgelder).

In Großbritannien und Irland sinken Zinssätze der Top-Angebote. Irland erreicht seit März einen neuen Tiefstand von 0,07 Prozent. Im Vereinigten Königreich sind die Spitzenzinssätze zwar seit dem letzten Monat gestiegen, sie liegen jedoch immer noch unter den Werten von Januar 2020 mit 1,60 Prozent für 1-jährige Festgelder und und 1,92 Prozent für 3-jährige Festgelder.

Dagegen erleben Spanien und Italien nach monatelangem Stillstand einen Wandel. Dieser spiegelt scheinbar die verheerenden Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft des jeweiligen Landes wider. In beiden Ländern sind die durchschnittlichen 3-Jahres-Zinssätze gestiegen.

WeltSparen verzeichnet auf seinen Plattformen in Deutschland, Spanien, den Niederlanden und anderen Ländern einen europaweiten Aufwärtstrend: 31 der Partnerbanken des Fintech haben seit Anfang März die Zinssätze erhöht.

 

Durchschnitt der Top-3-Einlagenangebote für Privatkunden auf der Grundlage lokaler Vergleichsseiten zum 21.04.2020. Die Kriterien: 10.000 EUR Einlage; 1 Produkt pro Bank; Angebote für neue und bestehende Kunden.

 

Großbanken stehen bei den Zinsen in ganz Europa nicht an der Spitze – außer in Irland

Die Recherche von WeltSparen zeigt die Lücken zwischen den Zinssätzen der drei größten Banken jedes Landes und den besten verfügbaren Angeboten des Landes abgesehen von diesen Banken auf.*

Innerhalb der Eurozone geht die Zinsschere in Deutschland weiterhin auseinander – bis auf das 79-fache. Den 0,01 Prozent, die Sparer bei den drei größten deutschen Banken erhalten stehen durchschnittlich 1,05 Prozent bei den besten Angeboten gegenüber. Das Verhältnis hat sich in den letzten sechs Monaten mehr als verdoppelt. Außerhalb der Eurozone zeigt Dänemark eine ähnlich Entwicklung auf. Top-Banken bieten nahezu Nullzinsen auf 1-Jahres-Einlagen von Privatkunden an, bei den Top-Angeboten sind es durchschnittlich 0,58 Prozent.

Solange die Zinsen so niedrig sind, ist das Verhältnis zugleich trügerisch: In fast allen europäischen Ländern besteht derzeit ein erheblicher Unterschied zwischen den Zinssätzen der größten Banken und den Top-Zinssätzen, die in diesen Ländern neben den Angeboten der Großbanken verfügbar sind.

In Irland unterbieten die drei größten Banken die Top-Angebote des Marktes, obwohl sowohl die großen Banken als auch die Top-Angebote bei oder unter 0,10 Prozent liegen.

In Spanien ist der Durchschnittssatz der Großbanken mit 0,10 Prozent genauso niedrig ist wie in Irland. Zugleich gibt es wesentlich wettbewerbsfähigere Top-Angebote, wobei die drei führenden Banken im Durchschnitt 1,09 Prozent anbieten.

*Diese Daten schließen Angebote auf den Plattformen von WeltSparen aus. Die Kategorie „Top-Angebote“ schließt die Angebote der drei größten Banken aus und spiegelt die besten verfügbaren Angebote des Marktes abgesehen von diesen Banken wider.

 

Durchschnittliche 1-Jahres-Einlagenangebote für Privatkunden, die von den 3 größten Banken auf dem lokalen Markt angeboten werden; Stand: 21.04.2020. Die Kriterien: 10.000 EUR Einlage; Angebote sowohl für neue als auch für bestehende Kunden. In der Regel die größten Banken auf der Grundlage der Bilanzgröße, die Termineinlagen anbieten.

 

Zinssätze im Kundengeschäft:
EZB-Daten: Italien und Deutschland widersetzen sich dem unerbittlichen Abwärtstrend

Trotz europaweiter Senkungen der Zinssätze im Privatkundengeschäft zwischen Januar und Februar, zeigen die jüngsten Daten der Europäischen Zentralbank, dass Italien die Durchschnittszinsen der Eurozone nach oben gedrückt hat. Mit einem Anstieg von 28 Basispunkten gegenüber dem Vormonat lag der durchschnittliche Zinssatz für Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr in Italien nun bei 1,42 Prozent. Damit ist Italien der einzige Markt der Eurozone, der über einem Prozent liegt.

Innerhalb der Eurozone hatten fünf Länder durchschnittlich weniger als ein Zehntelprozent Zinsen auf Einlagen mit einem Jahr Laufzeit. Weitere neun Länder boten weniger als ein halbes Prozent.

Deutschland setzt im Februar mit einem Durchschnitt von 0,15 Prozent seinen Aufwärtstrend fort. In Spanien, Frankreich und Großbritannien gehen die Zinsen um -1, -2 bzw. -4 Basispunkte zurück. Spaniens Durchschnittszinssatz von 0,01 Prozent hat nun den Abwärtstrend Irlands überholt und bietet damit für Neueinlagen die niedrigsten Zinsen aller untersuchten Länder gemäß den Daten der Europäischen Zentralbank.

 

Durchschnittlicher Zinssatz für Neueinlagen, private Haushalte; Laufzeiten ≤ 1 Jahr, EZB-Daten. Hinweis: Die Zeitreihe der niederländischen Zentralbank für Einlagen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr enthält ein länderspezifisches „Baudepot“ mit höheren Durchschnittssätzen als Tages- und Termineinlagen.

 

Einlagenzinsen für Geschäftskunden:
Keine Entlastung für Unternehmen auf dem europäischen Sparmarkt

Der Durchschnitt der Unternehmenszinsen in der Eurozone startet Anfang des Jahres 2020 mit einem Rückgang von -7 Basispunkten. Laut jüngsten Daten der Europäischen Zentralbank sanken die Unternehmenszinsen im Februar um weitere -5 Basispunkte.

In ganz Westeuropa liegen die Zinssätze unter Null, was bedeutet, dass Unternehmen im Durchschnitt für ihre Einlagen draufzahlen. Die Ausnahme bildet Portugal, wo die durchschnittliche Einlagenrendite der Unternehmen immer noch bei nur 0,05 Prozent liegt. Deutschland hat bei den Zinssätzen auf Einlagen von Unternehmen nicht den gleichen Aufwärtstrend erlebt wie bei den durchschnittlichen Privatkundeneinlagen des Landes. Sowohl Deutschland als auch Spanien haben mit -0,25 Prozent auf Unternehmenseinlagen den niedrigsten Durchschnittswert in der Eurozone erreicht. Italien mit -0,23 Prozent und die Niederlande mit -0,17 Prozent liegen nicht weit darüber.

Weitere sechs Länder liegen bei oder unter einem Zehntelprozent. Nur in Finnland (0,25 Prozent), Estland (0,27 Prozent), Griechenland (0,35 Prozent) und Malta (0,83 Prozent) lagen die Unternehmenszinsen über einem Viertel Prozent.

 

Durchschnittlicher Zinssatz für neue Einlagen, Unternehmen, Laufzeiten ≤ 1 Jahr, Statistik des Euroraums.

 

Quellen: EZB, WeltSparen, Bloomberg, The Economist.

Foto von Edwin Hooper on Unsplash

 

Corona-Wirtschaft: Wird Europa die Herausforderung solidarisch meistern oder zerbrechen?

Auf beiden Seiten des Atlantiks wurden massive Rettungspakete verabschiedet. Damit sollen die am stärksten betroffenen Industrien gerettet, Entlassungen verhindert und Arbeitsunfähigen schnell Hilfe geleistet werden. diese und weiter Maßnahmen sollen die schlimmsten unmittelbaren Auswirkungen der neuen Rezession abbremsen. Einige der am stärksten betroffenen EU-Länder, wie Italien, Frankreich oder Spanien, fordern Eurobonds (EU-Anleihen) ein. Es scheint jedoch unwahrscheinlich, dass Deutschland und die Niederlande ihren Widerstand dazu aufgeben werden. Man fürchtet eine tiefe Rezession. Ohne wirksame paneuropäische Maßnahmen wird sich diese jedoch sehr ungleichmäßig über den Kontinent verteilen.

Trendwende bei Privatkunden-Zinsen: Europas größte Volkswirtschaften verzeichnen Steigung

Die Europäische Zentralbank veröffentlichte kürzlich die Zins-Daten jedes europäischen Marktes ab Januar 2020. Die Daten belegen, dass die Zinssätze sich bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus in eine neue Richtung verschoben hatten und nun steigen. Dieser Anstieg betraf vor allem Deutschland, Frankreich und Italien. Großbritannien, Schweden und kleinere Länder außer- sowie innerhalb der Eurozone verzeichneten geringfügigere Sprünge.

Durchschnittliche Zinsen für neue Einlagen von privaten Haushalten: Laufzeiten bis zu 1 Jahr, Daten der EZB. Hinweis: Die Zeitreihenanalyse der Zentralbank der Niederlande für Einlagen mit Laufzeiten bis zu 1 Jahr beinhaltet ein länderspezifisches „Konstruktions-Depot“ mit höheren Durchschnittszinsen als bei Tagesgeld- und Festgeld-Einlagen

Deutschland führend bei begrenztem Aufschwung, Spanien bleibt unverändert, Großbritannien und Irland sinken weiterhin

Ende März erhob Weltsparen Daten für neun Märkte innerhalb- und sechs Märkte außerhalb der Eurozone. Diese weisen auf einen noch stärkeren Anstieg der 1- und 3-Jahres-Zinssätze in Deutschland um fast 25 Prozent hin, wobei beide Laufzeiten nun im Durchschnitt über einem Prozent liegen. Dies ist seit Juli 2019 das erste Mal, dass die durchschnittlichen 1-Jahres-Zinssätze in Deutschland über einem Prozent liegen.

Die Niederlande, Portugal, Schweden und Polen verzeichneten ebenfalls einen deutlichen Aufwärtstrend bei sowohl den einjährigen als auch bei den 3-Jahres-Durchschnittszinssätzen, nachdem das Jahr 2019 mit Stagnation oder Rückgängen endete.

In Großbritannien, Irland und Österreich hingegen gingen die Spitzensätze für Einlagen mit einem und drei Jahren Laufzeit in 2020 weiter zurück, nachdem sie bereits 2019 stetig sanken. Besonders niedrig sind diese in Irland, mit einem erdrückenden Durchschnittszinssatz von 0,07 Prozent für Einlagen mit einem Jahr Laufzeit.

Durchschnitt der 3 Top Einlagenangebote für Privatkunden auf Basis von lokalen Vergleichsseiten bis zum 25.03.2020. Kriterien: 10.000 EUR Mindesteinlage; 1 Produkt pro Bank; Angebote für Neu- und Bestandskunden.

Großbanken bleiben auf dem Tiefpunkt, während die Spitzenangebote eigensinnig fallen und steigen

In ganz Europa herrscht weiterhin eine Differenz zwischen den Spitzenageboten eines Landes und den Angeboten der Großbanken. Dies ist nach wie vor ein auffallendes Maß für stagnierende niedrige Zinssätze bei den Großbanken. Jedoch haben sich bei den Topangeboten erhebliche Veränderungen ergeben.

Vor allem in Deutschland bieten die drei größten Banken Monat für Monat weiterhin durchschnittlich nur 0,01 Prozent Zinsen auf Einlagen mit einer Laufzeit von einem Jahr an. Der Durchschnitt der besten verfügbaren Angebote des Landes war viel schwankender: er fiel von 0,88 Prozent im Januar auf 0,80 Prozent im Februar und stieg dann im März auf 1,02 Prozent. So hat sich die Zinsschere zunächst etwas geschlossen, um dann wieder aufzugehen. Derzeit sind die besten verfügbaren 1-Jahres-Angebote 175 Mal höher als die Einlagen der Großbanken.

Zinsschere zwischen Durchschnittszins und Top-Angebot. Ausgewählt wurden die größten Banken gemäß Bankenbilanz, die Festgeld anbieten. Durchschnitt von 1-jährigen Festgeld-Angeboten für Privatkunden der 3 größten Banken des jeweiligen Landes bis zum 25.03.2020. Kriterien: 10.000 EUR Mindesteinlage; Angebote für Neu- und Bestandskunden.

Unternehmenszinsen sinken in den größten europäischen Märkten – Deutschland entkommt dem Zusammenbruch

Im neuen Jahr brachen die Zinssätze für Unternehmen ein. Von Österreich über Italien nach Frankreich, Spanien und Irland, sowie in mehreren baltischen und osteuropäischen Staaten wurden große Rückgänge verzeichnet.

Von den großen europäischen Volkswirtschaften erlebten nur die deutschen Firmenkundeneinlagen ein Echo der Zuwächse des Marktes für Privatkundeneinlagen, mit einer kleinen Aufwärtsbewegung von 11 Basispunkten. Trotzdem können sich deutsche Unternehmen nicht freuen: Ihr durchschnittlicher Zinssatz für Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr liegt immer noch unter Null.

Inzwischen begannen Italien und Spanien das Jahr 2020 mit einem Rückgang der Unternehmenszinssätze um 58 Basispunkte und verzeichneten damit den größten Rückgang in Europa. Für Spanien kehrte dies den mehrmonatigen signifikanten Anstieg Ende 2019 um. Für Italien ist es eine Fortsetzung des monatelangen Rückgangs der Unternehmenszinsen, von 0,44 Prozent im November 2019 auf -0,20 Prozent im Januar 2020.

Einlagenzinssätze für Geschäftskunden. Aktuelle Einlagenzinssätze für Geschäftskunden in der Eurozone. Durchschnittlicher Zins für neue Einlagen von Geschäftskunden mit einer Laufzeit von bis zu 1 Jahr, Euro Area Statistics.

Quellen: EZB, WeltSparen, Bloomberg, FT

Bild:  Markus Spiske on Unsplash

 

 

Covid-19 verunsichert die Märkte – Europa wartet auf nächste Ankündigung der EZB

Am 12. März findet der nächste Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) statt. In den Wirtschafts-Schlagzeilen spiegelt sich währenddessen die globale Besorgnis um die Ausbreitung von Covid-19, dem sogenannten “Coronavirus”, wider. Wertpapierhändler suchen inmitten des panischen Börsen-Verhaltens nach Sicherheit und wenden sich globalen Anleihen zu. Währenddessen sorgt man sich in Europa darum, wie eine potenzielle Pandemie die bereits stagnierende Wirtschaft beeinflussen wird. Man kann davon ausgehen, dass die Auswirkungen der virusbedingten Unterbrechungen der Lieferketten in den kommenden Wochen deutlich sichtbar werden.

Niedrig, niedriger, am niedrigsten: Europäische Zentralbank veröffentlicht die finalen Zinsdaten für 2019

Die jüngsten Daten der EZB zeigen, dass 2019 nur Estland, Luxemburg und Slowenien dem jahrelangen Einbruch der Zinssätze für Privatkunden entgehen konnten. In Italien konnte im letzten Monat des Jahres ein Anstieg des durchschnittlichen Zinssatzes für Einlagen mit einem Jahr Laufzeit um 22 Basispunkte verzeichnet werden. Trotzdem lag das Land noch immer 3 Basispunkte unter dem Niveau des vorherigen Jahres.

Deutschland, Spanien und Frankreich verzeichneten zum Jahresende einen weiteren Rückgang der Zinsen

In Deutschland, Frankreich und den Niederlanden fielen die Zinssätze für Einlagen mit einem Jahr Laufzeit zwischen November und Dezember 2019 um 10 bis 18 Basispunkte. In Spanien und Irland fand ebenfalls eine geringfügige Senkung statt, sodass beide Märkte mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 0,02% für einjährige Einlagen auf dem niedrigsten Niveau in Europa blieben.

Auch Nicht-EU-Länder sind vom Abwärtstrend betroffen

Außerhalb der Eurozone haben sowohl Polen als auch Kroatien im Laufe des letzten Jahres enorme Zinssenkungen von 62 bzw. 21 Basispunkten erlebt. Großbritannien verlor im Dezember 2019 den Halt und fiel innerhalb eines Monats um 14 Basispunkte. Im Verlauf des Jahres wurde dort ein Rückgang um insgesamt 10 Basispunkte verzeichnet. Auch die übrigen Nicht-EU-Länder zeigten keine bessere Entwicklung auf: Alle, bis auf Schweden, verzeichneten sinkende oder stagnierende Kurse.

Allein gemessen an den Inflationsraten von 2020 (durchschnittlich 1,38% in der Eurozone und 1,69% außerhalb) verliert der durchschnittliche europäische Sparer mit dem Zinssatz von 1-Jahres-Einlagen Geld auf seine Ersparnisse.

Durchschnittliche Zinsen für neue Einlagen von privaten Haushalten: Laufzeiten bis zu 1 Jahr, Daten der EZB. Hinweis: Die Zeitreihenanalyse der Zentralbank der Niederlande für Einlagen mit Laufzeiten bis zu 1 Jahr beinhaltet ein länderspezifisches „Konstruktions-Depot“ mit höheren Durchschnittszinsen als bei Tagesgeld- und Festgeld-Einlagen.

Innerhalb der Eurozone steigen nur in Italien die Top-Zinssätze – außerhalb der Eurozone sind diese noch höher

Abgesehen von einem leichten Anstieg der italienischen 1-Jahres-Zinssätze, blieben die Höchstzinssätze der gesamten Eurozone auf dem Niveau des Vormonats oder gingen zurück. In Deutschland fielen die durchschnittlichen Höchstsätze für einjähriges Festgeld in diesem Monat wieder unter die höchsten 3-Jahres-Zinssätze des Marktes, nachdem sie im letzten Monat höher waren.

In Irland, wo die Zinsen bereits am niedrigstens sind, sanken diese noch tiefer, sodass die verfügbaren Höchstsätze nur Basispunkte über dem Durchschnitt der Großbanken liegen.

Außerhalb der Eurozone verzeichnete nur Norwegen einen Anstieg auf breiter Front, wobei die durchschnittlichen Höchstzinssätze für 1 Jahr bei 2,35% und für 3 Jahre bei 2,36% liegen.

Durchschnitt der 3 Top Einlagenangebote für Privatkunden auf Basis von lokalen Vergleichsseiten bis zum 17.02.2020. Kriterien: 10.000 EUR Mindesteinlage; 1 Produkt pro Bank; Angebote für Neu- und Bestandskunden.

Kleinere und ausländische Banken können meist höhere Zinsen anbieten als Großbanken. Verbraucher müssen wählen – doch immerhin haben sie noch eine Wahl

Mit einem Einbruch der Zinssätze der drei größten Banken in Dänemark auf ca. 0% stieg die Differenz zwischen größten Banken und den besten verfügbaren Angeboten. Letztere bieten 175 Mal höhere Zinsen, was selbst die berüchtigte deutsche Zinslücke unspektakulär erscheinen lässt. In Deutschland schloss sich die Zinsschere inzwischen leicht: Hier sind die Zinsen der besten Angebote 60 Mal höher als die der drei größten Deutschen Banken. Im vergangenen Monat lag dieser Faktor noch bei 66.

In Spanien und Portugal besteht noch immer eine beträchtliche Lücke zwischen dem Zinssatz der Großbanken des Landes und den Höchstsätzen. Auch außerhalb der Eurozone werden sowohl rumänische als auch schwedische Sparer mit einer sehr großen Zinskluft zwischen den besten Angeboten und denen der Großbanken  konfrontiert.

Weniger extrem ist diese Kluft in Irland, Großbritannien und Norwegen. Während dies in Großbritannien an den hohen Zinssätzen der Großbanken liegt, begründet sich die kleine Lücke in Irland mit der schlechten Auswahl an Zinssätzen, die den irischen Sparern zur Verfügung stehen.

Zinsschere zwischen Durchschnittszins und Top-Angebot. Ausgewählt wurden die größten Banken gemäß Bankenbilanz, die Festgeld anbieten. Durchschnitt von 1-jährigen Festgeld-Angeboten für Privatkunden der 3 größten Banken des jeweiligen Landes bis zum 17.02.2020. Kriterien: 10.000 EUR Mindesteinlage; Angebote für Neu- und Bestandskunden.

Niedrige Unternehmenszinsen in Deutschland drücken den europäischen Durchschnitt – andere Märkte bleiben niedrig

Die Zinssätze für Geschäftskunden sanken in 2019 europaweit um 116,7%. Dabei zieht vor allem der Rückgang in Deutschland um 214,3% den europäischen Durchschnitt nach unten.

Europäische Unternehmen werden sozusagen für ihre Barreserven bestraft: In Deutschland, Österreich, die Niederlande, Belgien und Irland herrschen negative Durchschnittszinssätze für Geschäftskunden. Weitere acht Länder liegen unter 0,1%.

Nur in Spanien, Italien, Malta und Griechenland, wo die Geschäftskunden-Zinsen zwischen  0,38% und 0,5% liegen, entgehen Unternehmen dem Schlimmsten. Aber auch hier ist man noch weit davon entfernt, die Inflation zu schlagen.

Einlagenzinssätze für Geschäftskunden. Aktuelle Einlagenzinssätze für Geschäftskunden in der Eurozone. Durchschnittlicher Zins für neue Einlagen von Geschäftskunden mit einer Laufzeit von bis zu 1 Jahr, Euro Area Statistics.

Quellen: EZB, WeltSparen, Bloomberg.

 

 

Strafzinsen – Weitere Banken werden Negativzinsen an Sparer weitergeben

Die EZB gibt keine Anzeichen dafür, die Zinsen mittelfristig zu erhöhen. Die Chefs großer Banken haben indes begonnen, offener darüber zu sprechen, das Zeitalter der Negativzinsen zu beenden. Besonders auffällig ist dies in Deutschland, wo die Zinsen auf dem größten Bankenmarkt Europas hart umkämpft sind. Immer mehr Banken in Deutschland und den Niederlanden haben angekündigt, Negativzinsen an Privatkunden weiterzugeben. Auch spanische Privatbankkunden haben bereits mit Negativzinsen für ihre Einlagenbestände zu kämpfen.

Studie zu Zinsflaute: Europäer haben bereits 350 Milliarden Euro verloren

Eine neue Studie des Finanznachrichtenportals Franke Media zeigt, dass die Europäer seit 2011 durch die anhaltend niedrige Zinsperiode bereits mehr als 350 Milliarden Euro verloren haben. Im Jahr 2019 haben die Benelux-Länder, Deutschland und Österreich demnach am meisten gelitten und im Durchschnitt mehr als 350 Euro pro Person verloren. In Spanien, Frankreich und Irland hat der durchschnittliche Sparer laut Studie dagegen zwischen 130 und 180 Euro durch die niedrigen Zinsen verloren.

Keine Hoffnung in Sicht: EZB bleibt Negativzinsen treu

In ihrer ersten großen Erklärung zum neuen Jahr lehnte es EZB-Chefin Christine Lagarde ab, Banken oder Einlegern Hoffnung auf einen schnellen Eingriff der EZB zu machen. Stattdessen will sie eine gründliche Überprüfung der politischen Positionen der EZB durchführen und einen neuen Ansatz entwickeln, um den kommenden Jahrzehnten zu begegnen.

Die jüngsten Daten der EZB zu den Privatkunden- und Unternehmenszinsen zeigen weiterhin einen leichten Abwärtstrend. WeltSparens eigene Analyse vergleicht die Spitzenzinsen von Großbanken in jedem einzelnen Markt mit den besten verfügbaren Angeboten dieser Märkte. Das Ergebnis zeigt einige signifikante neue Bewegungen auf.

Zinsen für 1-jährige Einlagen rutschen ab

Die aktuellen Daten der EZB spiegeln sinkende Zinsen für die Einlagen von Privatkunden in vielen europäischen Märkten wider. Eine wachsende Zahl von Banken äußert ihren Unmut, da sie sich weiterhin mit negativen Zinssätzen konfrontiert sehen.

Wenn überhaupt, dann gab es nur moderate Anstiege. In Frankreich kletterten die Privatkunden-Zinsen um 5 Basispunkte nach oben, während sie in Deutschland, Belgien und Irland jeweils um einen Basispunkt stiegen.

Malta und Lettland verzeichneten seit dem letzten Zinsradar eine Abweichung von 10 oder mehr Basispunkten bei den 1-jährigen Einlagen – beide nach unten. Alle anderen Märkte im Europäischen Wirtschaftsraum spürten nur kleine Verschiebungen nach oben oder unten.

Was die Zinsen für längere Geldeinlagen betrifft, so sind nur in der Tschechischen Republik, Estland und Rumänien die 1-jährigen Zinsen deutlich über dem Vorjahreszeitraum (27, 44 bzw. 25 Basispunkte) zu verzeichnen.

Durchschnittliche Zinsen für neue Einlagen von privaten Haushalten: Laufzeiten bis zu 1 Jahr, Daten der EZB. Hinweis: Die Zeitreihenanalyse der Zentralbank der Niederlande für Einlagen mit Laufzeiten bis zu 1 Jahr beinhaltet ein länderspezifisches „Konstruktions-Depot“ mit höheren Durchschnittszinsen als bei Tagesgeld- und Festgeld-Einlagen

Deutsche und spanische 3-jährige Zinsen rutschen unter Niveau der 1-jährigen Zinsen

Je länger die Laufzeit, desto höher die Zinsen. Diese Regel gilt nun nicht mehr uneingeschränkt: Denn die Spitzenzinsen für 3-jährige Einlagen in Deutschland liegen im Durchschnitt nun unter dem Zinsniveau für 1-jährige Einlagen. Das kann mehrere Gründe haben. Die meisten Kunden schließen 1-jährige Einlagen ab und Banken gehen mit Lockangeboten auf Kundenfang. Das allgemein sinkende Zinsangebot führt nun dazu, dass die Zinsen für 3-jährige Einlagen unter das um die Lockangebote aufgeblähte Niveau der 1-jährigen Einlagen gefallen sind.

In ähnlicher Weise liegen die spanischen Zinsen für 3-jährige Einlagen einen Bruchteil unter den 1-jährigen Zinsen. Das ist ein Trend, der bereits seit über einem Jahr stabil ist. Ansonsten tritt dieses Phänomen im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum nur noch in Norwegen auf.

Innerhalb der Eurozone hält nur Italien die Zinsen für Einlagen mit einer Laufzeit von einem und drei Jahren deutlich über einem Prozent – bei 1,32 Prozent beziehungsweise 1,85 Prozent. Dennoch kommen die drei größten italienischen Banken mit ihren Angeboten nicht annähernd an die Inflation heran: Der Durchschnitt ihrer Top-Angebote für 1-jährige Einlagen liegt bei niedrigen 0,17 Prozent.

Durchschnitt der 3 Top Einlagenangebote für Privatkunden auf Basis von lokalen Vergleichsseiten bis zum 28.01.2020. Kriterien: 10.000 EUR Mindesteinlage; 1 Produkt pro Bank; Angebote für Neu- und Bestandskunden

Die Zinsschere öffnet sich: Großbanken fallen weiter zurück

Die riesige Kluft zwischen den durchschnittlichen Zinsen der drei größten deutschen Banken und den Durchschnittszinsen für Deutschlands Top-Angebote hat sich weiter vergrößert. Das setzt die deutschen Einleger unter Druck, aktiv zu bleiben und nach den besten Angeboten abseits der Hausbank zu suchen. Es zeigt aber auch, dass es Chancen für Sparwillige gibt, höhere Zinsen zu erhalten. Außerdem gibt es immer noch Chancen für kleinere Banken, mit attraktiven Zinsangeboten Gelder von neuen Kunden zu akquirieren.

Sparer, die ihr Geld von den drei größten Banken in ihrem Land abziehen, können bei kleineren Banken in weiten Teilen Europas 5- bis 8-mal höhere Zinsen erhalten. Angesichts der  insgesamt allgegenwärtigen niedrigen Zinsen bleibt dieser Aktivismus für Sparer der einzige Weg, um die Inflation zu schlagen oder ihr zumindest etwas entgegenzusetzen.

Vor allem in Italien und Spanien können Sparer mit 1-jährigen Einlagen das 8- bis 11-fache der Zinsen erhalten, also rund ein Prozent mehr verdienen, wenn sie für die Top-Angebote des Marktes den Großbanken den Rücken zukehren.

Zinsschere zwischen Durchschnittszins und Top-Angebot. Ausgewählt wurden die größten Banken gemäß Bankenbilanz, die Festgeld anbieten. Durchschnitt von 1-jährigen Festgeld-Angeboten für Privatkunden der 3 größten Banken des jeweiligen Landes bis zum 28.01.2020. Kriterien: 10.000 EUR Mindesteinlage; Angebote für Neu- und Bestandskunden.

In 7 Märkten der Eurozone gibt es keine Zinsen mehr für Geschäftskunden

Bei der letzten Veröffentlichung der EZB-Daten über die Zinssätze von Geschäftskunden gab es nur drei Länder mit einem Zinsniveau von über 0,5 Prozent bei Laufzeiten bis zu einem Jahr: Italien, Griechenland und Malta. In Italien und Griechenland sind die Unternehmenszinsen seither auf 0,44 bzw. 0,46 Prozent gesunken. Damit liegen sie an der Spitze, denn in fünf Märkten der Euro-Zone liegen die Geschäftskunden-Zinsen unter 0,1 Prozent.

Weitere sieben Märkte liegen bei 0 Prozent oder sogar im Negativzins-Bereich: die Benelux-Länder, Deutschland und Österreich sowie Spanien und Irland.

Einlagenzinssätze für Geschäftskunden. Aktuelle Einlagenzinssätze für Geschäftskunden in der Eurozone. Durchschnittlicher Zins für neue Einlagen von Geschäftskunden mit einer Laufzeit von bis zu 1 Jahr, Euro Area Statistics.

Quellen: EZB, WeltSparen, Bloomberg, Bloomberg, CNBC, Tagesschau, Franke Media, The New York Times, NLTimes.nl, NLTimes.nl

Foto: Maryna Yazbeck bei Unsplash

 

 

Was ist Zinsentwicklung und wie funktioniert sie?

Die Zinsentwicklung für Sparprodukte ist stark vom Leitzins der EZB abhängig. Die Leitzinsen beschreiben die Zinssätze, zu denen Banken kurzfristig ein Darlehen bei der EZB aufnehmen oder Geld anlegen können. Die aktuellen Habenzinsen hingegen sind die Zinsen, welche die Banken ihren Anlegerinnen und Anlegern für Spareinlagen zahlen, z. B. Tagesgeldzinsen. Würden Leitzins und aktuelle Habenzinsen weit auseinander liegen, wären Spareinlagen als weitere Möglichkeit der Finanzierung für Banken zu teuer.

Im innereuropäischen Vergleich der Zinsentwicklung ist Deutschland auch im Jahr 2021 auf einem konstant niedrigen Niveau. Der Zinsverlauf im EU-Ausland zeigt deutlich höhere Zinssätze. Denn neben Geld- und Zinspolitik sind auch andere Einflussfaktoren für die Zinsentwicklung verantwortlich, wie beispielsweise die wirtschaftliche Lage des Landes oder das Spar- und Anlageverhalten. Daher kann es sinnvoll sein, Geld nicht nur in Deutschland anzulegen, sondern aufgrund der Zinsentwicklung ins EU-Ausland zu schauen und dort zum Beispiel ein Tagesgeldkonto zu eröffnen, um von den höheren Tagesgeldzinsen zu profitieren.

Denn die Zinsentwicklung wirkt sich unterschiedlich auf die verschiedenen Möglichkeiten der Geldanlage aus. Tagesgeld wird vom Zinsverlauf stärker beeinflusst als Festgeld. Das liegt daran, dass der Zinssatz bei einem Festgeldkonto für die gesamte Laufzeit festgelegt wird und nicht veränderbar ist. Ein Tagesgeldkonto hingegen ist unbefristet und wird variabel verzinst. Die Zinsen verändern sich zwar nicht täglich, wie der Name vermuten lässt, jedoch ist eher mit einer Anpassung der Tagesgeldzinsen zu rechnen. Wie sich die Zinsentwicklung mit der Zeit verändert hat, können Sie in unserem Archiv nachlesen. 

Wer sein Geld hauptsächlich in kurzfristige Geldanlagen investiert, ist mit unserem Zinsradar immer auf dem neuesten Stand und behält den Zinsüberblick.

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