Verwahrentgelt: Immer mehr Banken verlangen Entgelt für Einlagen

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Das sogenannte Verwahrentgelt betrifft immer mehr Kundinnen und Kunden. Deshalb wird darüber heftig diskutiert und immer wieder vor Gericht gestritten. Derzeit verlangen fast 400 Banken bereits ein Verwahrentgelt für private Guthaben auf Tagesgeld– und Girokonten. Bislang waren nur höhere Einlagen ab 100.000 EUR oder mehr betroffen. Mittlerweile wird das Verwahrentgelt auf weitaus geringere Summen erhoben – in einigen Fällen bereits ab einem Euro. 

Lange Zeit waren nur Neukundinnen und -kunden von den Minuszinsen betroffen. Doch immer häufiger werden Bestandskundinnen und –kunden dazu aufgefordert, eine Vereinbarung zum Verwahrentgelt zu unterschreiben. Was müssen Sie dazu wissen und wie können Sie das Verwahrentgelt vermeiden? Das erfahren Sie hier.

Das Wichtigste in Kürze
  • Aktuelles: Insgesamt berechnen fast 400 Banken ein Verwahrentgelt auf private Guthaben. Allein im Jahr 2021 haben bereits 240 Banken und Sparkassen ein Verwahrentgelt für Privatkundinnen und -kunden eingeführt. Bei Geschäftskundinnen und -kunden liegt die Anzahl noch höher. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. 
  • Definition: Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich beim Verwahrentgelt nicht um einen festen Betrag, sondern um einen Zins. Oft ist auch von Negativ- oder Strafzins sowie Minuszins die Rede. 
  • Höhe: Meist liegt das Verwahrentgelt bei 0,5 % im Jahr. Der Freibetrag liegt oft bei 50.000 EUR-100.000 EUR. Immer häufiger sind jedoch Einlagen bereits ab einem Euro betroffen.
  • Vermeidung: Mit kostenlosen Festgeld– oder Tagesgeldkonten können Sie das Verwahrentgelt umgehen. Zudem bieten sich ETF-Sparpläne an, Geld langfristig anzulegen und damit höhere Renditen zu erzielen als mit klassischen Spareinlagen.

Verwahrentgelt, Negativzinsen, Strafzinsen –
Gibt es einen Unterschied?

Immer mehr Geldinstitute erheben ein sogenanntes Verwahrentgelt auf Girokonten und Tagesgelder ihrer Kundinnen und Kunden. Dabei ist Verwahrentgelt lediglich eine andere Bezeichnung für Negativzinsen. Banken selbst bezeichnen die Zinsen als Verwahrentgelt, um der negativen Konnotation zu entgehen. Ein weiterer Grund: Straf- und Negativzinsen sind nicht im deutschen Gesetz verankert. Zinsen muss laut Gesetz nur derjenige bezahlen, der Schulden hat. Die Bezeichnung Verwahrentgelt hat demnach rechtliche Ursachen. 

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Warum Verwahrentgelte erhoben werden

Der sogenannte Einlagenzins – auch Einlagefazilität genannt – gibt den Zinssatz an, den Banken von der Europäischen Zentralbank (EZB) bekommen, wenn sie kurzfristig nicht benötigte Liquidität anlegen. Seit dem Jahr 2014 ist der Einlagenzins jedoch negativ – seit 2019 verharrt dieser auf dem derzeitigen Stand von -0,5 %. Das bedeutet: Banken müssen Zinsen zahlen, wenn Sie überschüssige Einlagen bei der EZB verwahren möchten

Diesen Zinssatz geben die Banken an ihre Kundinnen und Kunden weiter. So wollen sie diese einerseits daran hindern, viel Geld anzulegen und andererseits die Kosten abfangen. In einigen Fällen verlangen Banken sogar höhere Entgelte als sie selbst an die EZB bezahlen müssen.

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Trotz der hohen Inflation – von zuletzt 4,5 % im Oktober 2021 – hält die EZB an ihrer expansiven Geldpolitik (Niedrigzinspolitik) fest. Das bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher nun intensiv zu spüren. 

Doch nicht nur Privatkundinnen und -kunden müssen Verwahrentgelt zahlen, auch Unternehmen sind von Negativzinsen betroffen.

Wer Verwahrentgelt zahlen muss

Ein Verwahrentgelt wird meist auf Girokonten und Tagesgelder erhoben. Aber auch einige Festgelder sind bereits betroffen. Banken können das Verwahrentgelt hauptsächlich von Neukundinnen bzw. -kunden verlangen. Diese stimmen bei Abschluss eines neuen Kontos nämlich den aufgerufenen Preisen zu. 

Die Einführung eines Verwahrentgelts bei Bestandskundinnen und -kunden ohne eine individuelle Benachrichtigung ist nicht rechtens. Immer mehr Kundinnen und Kunden erhalten jedoch eine Verwahrentgeltvereinbarung von ihrer Bank. Dabei haben sie zwar die Möglichkeit, den Negativzinsen abzulehnen. Es ist allerdings fraglich, wie die Bank darauf reagiert. 

Tipp: Sollten Sie ein neues Konto eröffnen, fragen Sie zuvor nach, ob und ab welcher Summe ein Verwahrentgelt fällig wird.

Ab welcher Summe zahlt man Verwahrentgelt?

Ab welcher Summe ein Verwahrentgelt erhoben wird, hängt von der jeweiligen Bank ab. Meist liegt der Freibetrag bei 50.000 EUR oder 100.000 EUR. Die Freigrenze sinkt jedoch stetig. Mittlerweile gibt es auch Geldinstitute, die bereits ab 20.000 EUR oder sogar 5.000 EUR Verwahrentgelte verlangen. In einigen Fällen werden schon ab dem ersten Euro negative Zinsen berechnet. 

Wie hoch ist das Verwahrentgelt?

Die Höhe des Verwahrentgelts auf Girokonten und Tagesgeldern kann die Bank individuell festlegen. In den meisten Fällen liegt es bei 0,5 % jährlich. Dabei orientieren sich die Geldinstitute meistens am Einlagenzins der EZB. Einige Geldinstitute gehen jedoch darüber hinaus und erheben sogar ein Verwahrentgelt von bis zu 1 %.

Beispiel:

Wenn Sie einen negativen Zins von 0,5 % zahlen müssen, sind von 50.000 EUR Einlage am Ende des Jahres nur noch 49.750 EUR übrig. 

Verwahrentgelt wird oft versteckt

Beim Thema Verwahrentgelt mangelt es oft an Transparenz. Viele Banken und Sparkassen führen das Verwahrentgelt nicht in den sogenannten Entgeltinformationen gemäß Zahlungskontengesetz (ZKG) auf. Der Grund: Welche Gebühren in die Entgeltinformationen aufzunehmen sind, ist laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) streng reglementiert. Bislang zählt die Verwahrung von Einlagen nicht zu den maßgeblichen Zahlungskontendiensten, weshalb rechtlich keine Aufführung erfolgen muss. 

Längst nicht alle Geldinstitute weisen das Verwahrentgelt als solches aus. Einige verstecken die Negativzinsen hinter höheren Gebühren. Das heißt, die tatsächliche Anzahl der Banken, die Verwahrentgelt erheben, dürfte weit höher liegen.

Wie kann ich Verwahrentgelt vermeiden?

Wenn Ihre Bank ein Verwahrentgelt berechnet, können Sie meist problemlos zu einem anderen Anbieter wechseln, der keine negativen Zinsen erhebt. Es besteht auch die Möglichkeit, weitere Konten zu eröffnen und Ihre Einlagen somit aufzuteilen. Das ist allerdings von Freibeträgen und den genauen Gebühren abhängig. Das Geld abzuheben, ist keine sinnvolle Alternative, da die Inflation den Wert Ihres Geldes zunehmend mindert. 

Außerdem besteht die Gefahr eines Diebstahls. Auf Girokonten gibt es ebenfalls kaum noch Zinsen. Möchten Sie Ihr Geld verzinst anlegen, können Sie bspw. die Angebote von WeltSparen wahrnehmen. Mit kostenlosen Tagesgeld– und Festgeldkonten im EU-Ausland können Sie höhere Zinsen erzielen als hierzulande. Beim Festgeld legen Sie Ihr Geld zu einem festen Zinssatz und einer fixen Laufzeit an. Dafür ist der Zinssatz höher als beim Tagesgeld

Im Gegensatz zum Festgeld können Sie beim Tagesgeld jederzeit auf Ihre Ersparnisse zugreifen. Diese Flexibilität geht jedoch mit variablen Zinsen einher. Das heißt: Die Bank kann den Zinssatz jederzeit anpassen. Sowohl bei Fest- als auch bei Tagesgeld sind Guthaben gesetzlich bis zu 100.000 EUR pro Bank und Sparendem durch die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert.

Eine Alternative bzw. Ergänzung zum Sparen ist das Investieren. Mit einem ETF-Portfolio können Sie langfristig höhere Renditen erzielen als mit den klassischen Sparmethoden. ETFs (Exchange Traded Funds) werden an der Börse gehandelt und bilden die Wertentwicklung eines Index, wie z. B. dem DAX oder dem MSCI World möglichst genau nach. Beim ETF Robo können Sie auf bereits vorgefertigte Lösungen zurückgreifen. Sie müssen lediglich das Risikoverhältnis anhand der Anteile von Aktien und Anleihen festlegen. 

Alternativ können Sie sich Ihr Portfolio mit dem ETF Configurator individuell zusammenstellen – Sie haben die Wahl aus über 200 ETFs und Indexfonds.

Die Geldanlage an den Kapitalmärkten ist mit Risiken verbunden. Bitte beachten Sie unsere Risikohinweise.

Fazit: Wird es in Zukunft noch Banken ohne ein Verwahrentgelt geben?

Immer mehr Banken berechnen ein Verwahrentgelt auf die Einlagen ihrer Kundinnen und Kunden – auch die Freigrenzen werden nach und nach heruntergesetzt. Doch von der Verbraucherzentrale hagelt es Kritik. Auch gibt es gegen Verwahrentgelte immer mehr Klagen

Erst kürzlich hat das Landgericht Leipzig jedoch geurteilt, dass die Sparkasse Vogtland ein Verwahrentgelt auf Einlagen berechnen darf – und zwar sowohl für Neu- als auch für Bestandskundinnen und -kunden . Laut Verbraucherzentrale soll dagegen jedoch Berufung eingelegt werden. Anders entschied sich vor einigen Jahren noch das Landgericht Tübingen. Laut rechtskräftigem Urteil darf die Volksbank Reutlingen kein Verwahrentgelt verlangen, wenn gleichzeitig Kontoführungsgebühren erhoben werden. Der Verbraucherzentrale Bundesverband konnte sich im Oktober 2021 vor dem Landgericht Berlin gegen die Sparda-Bank Berlin mit einer Klage gegen das Verwahrentgelt ebenfalls durchsetzen. Die Bank will nun die nächste Instanz anrufen.

Wie sich die Thematik weiter entwickelt, ist derzeit nicht abzusehen. Wichtig ist, dass Sie die Vereinbarung zum Verwahrentgelt nicht voreilig unterschreiben. Sehen Sie sich nach Alternativen um. Mit kostenlosen Tages- und Festgeldkonten im EU-Ausland können Sie das Verwahrentgelt auf Einlagen vermeiden und höhere Zinsen erzielen als bei Ihrer Hausbank in Deutschland

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