Pfandbriefe -
Aus den Tiefen der Geldanlage-Geschichte

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Pfandbriefe bestechen durch ihre steinerne Sicherheit: In über 250 Jahren hat es bis heute keinen Ausfall gegeben. Dennoch begeistern sich immer weniger Deutsche für diese Form der Geldanlage. Der Zuspruch nahm innerhalb der letzten 20 Jahre um mehr als die Hälfte ab.

Ein Grund hierfür könnten die Alternativen sein, die mit der Zeit entstanden sind und sich Anlegern heute bieten. Ein anderer Grund könnten die eher trüben Renditeaussichten sein. Bauen wir es aber von vorne auf: Was ist ein Pfandbrief, wo kommt er her und welche Besonderheiten weist er auf?

Das Wichtigste in Kürze
  • Pfandbriefe sind festverzinsliche Wertpapiere. Das heißt: Der Käufer erhält für die Dauer der Laufzeit einen vorab festgeschriebenen Zins auf seine Einlage, also den Pfandbrief. Das sorgt für Planbarkeit im Portfolio.
  • Mit Pfandbriefen refinanzieren Banken Kredite, die sie für Immobilien, Schiffe und Flugzeuge oder an staatliche Stellen ausgeben. Das bedeutet, dass sie sich das Geld, das sie verleihen, von Anlegern besorgen und diesen dafür Zinsen bezahlen.
  • Weil Pfandbriefe durch Sachwerte besichert sind, stehen sie für eine hohe Sicherheit und ein sehr überschaubares Ausfallrisiko. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Sachwerten um Immobilien. Dann spricht man speziell von einem Hypothekenpfandbrief.
  • Darüber hinaus gibt es öffentliche Pfandbriefe – besichert durch Forderungen gegen staatliche Stellen –, Schiffspfandbriefe für Schiffshypotheken und Flugzeugpfandbriefe für Flugzeughypotheken.
  • Den Rahmen für Pfandbriefe geben die strengen Regularien des Pfandbriefgesetzes vor (PfandBG) vor. Dort steht beispielsweise, wer Pfandbriefe ausgeben darf und zu welchen Bedingungen.
  • Anleger müssen bei Pfandbriefen mit einer eher schmalen Rendite rechnen, nicht zuletzt auch durch das historische Zinstief der Europäischen Zentralbank. Dafür genießen sie eine hohe Sicherheit für ihre Anlage.
  • Die „Deckungsstockfähigkeit“ von Pfandbriefen spielt bei Versicherungen eine Rolle. Diese müssen ein sogenanntes Sicherungsvermögen („Deckungsstock“) vorhalten, das ihre Versicherten im Insolvenzfall vor Kapitalausfall schützt. Hierfür dürfen sie auch Pfandbriefe verwenden.

Pfandbriefe sind ein
festverzinsliches Wertpapier

Pfandbriefe dienen Kreditnehmern dazu, ihre Schuld gegenüber Kapitalgebern abzusichern, um an frisches Geld zu kommen. Ein Geldgeber – also der Anleger – möchte sicher gehen, dass sein Geld nicht verloren geht. Deshalb legt der Geld- oder Kreditnehmer eine Sicherheit auf den Tisch, beispielsweise in Form einer Immobilie, die dem Wert der Einlage entspricht beziehungsweise diesen sogar übersteigt. Der gegebene Kredit ist dann durch die Immobilie abgesichert. 

Ein Pfandbrief hält den Zweck und die Umstände fest, unter denen die Beteiligten Geld leihen und verleihen. Die dahinterstehenden Sachwerte, auch als „Deckungswerte“ bezeichnet, geben Sicherheit, weil sie das Ausfallrisiko minimieren. Das bedeutet im Groben, dass Sie als Anleger entspannt schlafen können, ohne sich um Ihr investiertes Kapital Gedanken machen zu müssen.

Die Laufzeit eines Pfandbriefs umfasst normalerweise mehr als zehn Jahre. Investoren müssen daher einen im Vergleich zu anderen Anlageformen längerfristigen Anlagehorizont mitbringen, in dem sie Jahr für Jahr denselben, im Voraus vereinbarten Zinssatz für ihre Einlage erhalten. Den Pfandbrief ordnet man somit als festverzinsliches Wertpapier ein. Eine andere Bezeichnung ist die „festverzinsliche Schuldverschreibung“. Denn im Grunde gibt der Investor dem Verkäufer einen langfristigen Kredit zu vorab vereinbarten Bedingungen.

Als ebendieses festverzinsliche Wertpapier fällt der Pfandbrief in die Sparte der „Anleihen“. Diese Anlageklasse ist heute zwar eher renditeschwach, dafür aber im Verhältnis zu anderen Börseninvestitionen sehr sicher. Als Beimischung im Portfolio können Sie mit Anleihen ein Gegenwicht zu beispielsweise Aktien aufbauen und für Balance sorgen. Gut kombiniert, profitieren Anleger von Renditechancen, ohne auf Sicherheit zu verzichten.

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Die Wurzeln des Pfandbriefs finden sich in Preußen.

1769 erließ Friedrich der Große eine Order, um die Ausgabe von Pfandbriefen zu regeln. Die Absicht war es, nach dem Siebenjährigen Krieg gegen Habsburg, die für den Wiederaufbau der Ländereien benötigten finanziellen Mittel einzuwerben. Dies war die Geburtsstunde der Pfandbriefbanken, die man zunächst als „Landschaften“ bezeichnete. 

Die erste Pfandbriefbank war 1770 die „Schlesische Landschaft“, welche als „ältestes deutsches Realkreditinstitut“ gilt. Sie sammelte Geld von Anlegern ein und stellte es Grundbesitzern zur Verfügung. Bezeichnet wurde das Geschäft als „Pfandbriefdarlehen“. 

Der Adel bürgte mit seinem Grundbesitz und die Geldgeber erhielten halbjährlich ihre Zinsen ausbezahlt. Diese betrugen anfänglich garantierte 5 % – warum es exakt 5 % waren, lässt sich nicht ermitteln. Das hat auch mit der finanzpolitischen Situation um das Jahr 1769 zu tun.

Der moderne Pfandbrief –
welche Arten gibt es?

Spricht man von Pfandbriefen, ist normalerweise die „gedeckte Variante“ gemeint. Das bedeutet, dass Geldwerten äquivalente Sachwerte oder Deckungswerte gegenüberstehen. Zusätzlich haftet die ausgebende Bank mit ihrem Gesamtvermögen. Im Englischen bezeichnet man Pfandbriefe als „covered bonds“. Aufgrund seiner hohen Sicherheit hat der Pfandbrief bis heute Bestand und Berechtigung. Diese vier Arten gibt es:

  • Hypothekenpfandbriefe oder eben einfach Pfandbriefe (mortgage covered bonds)
  • Öffentliche Pfandbriefe (public sector covered bonds)
  • Schiffspfandbriefe (ship mortgage covered bonds)
  • Flugzeugpfandbriefe (airplane mortgage covered bonds)

Die Pfandbriefarten unterscheiden sich demnach hinsichtlich ihrer Deckungsmasse. In der Praxis spielen die Hypothekenpfandbriefe und die öffentlichen Pfandbriefe die Hauptrolle. Zusammen stehen sie für mehr als 98 % der ausgegebenen Pfandbriefe.

In den letzten 20 Jahren zeichneten sich für Deutschland zwei große Trends ab:

Zum einen verlagerte sich die Präferenz bezüglich der Pfandbriefart. Im Jahr 2003 waren ungefähr dreimal so viele öffentliche Pfandbriefe wie Hypothekenpfandbriefe im Umlauf. Dies änderte sich im Verlauf der Zeit: 2018 lag deren Verhältnis bei ca. 1:2.

Zum anderen nahm die Anzahl der im Umlauf befindlichen Pfandbriefe insgesamt stark ab. Im Jahr 2003 betrug deren Wert etwas mehr als eine Billion Euro. Bis 2018 sank das Volumen um ungefähr zwei Drittel auf circa 370 Milliarden Euro.

Was sind Jumbo-Pfandbriefe?

Es gibt eine Sonderform des Pfandbriefs, die sich „Jumbo-Pfandbrief“ nennt. Jumbo-Pfandbriefe unterliegen bestimmten Bedingungen. 

Zum einen muss ihr Emissionswert – also der Gesamtwert aller von Investoren kaufbaren Anteile – ab einer Milliarde Euro aufwärts liegen. Zum anderen müssen wenigstens drei sogenannte Marktmacher („Market Maker“) Investoren auf Anfrage verbindliche Geld- und Briefkurse innerhalb festgelegter Spreads (Gewinnspanne zwischen Kauf und Verkauf) stellen. Das gewährleistet, dass auch kleinere Anleger zu jeder Zeit eine Kauf- und Verkaufsorder platzieren können. 

Festgelegt ist dies im Pfandbriefgesetz (PfandBG). Zu den Vorteilen von Jumbo-Pfandbriefen zählen die große Liquidität und eine positive Bonität. Das bedeutet, dass Jumbo-Pfandbriefe viel und häufig gehandelt werden. Deshalb können Sie diese bei Bedarf leicht verkaufen und müssen keine Bedenken vor einem Kapitalausfall haben.

Pfandbriefe hatten bis heute noch keinen Ausfall – auch und besonders durch das „PfandBG“

Die heutige Gesetzgebung basiert auf dem Hypothekenbankgesetz, welches im Jahr 1900 in Kraft trat. Seit dem Jahr 2005 gilt in Deutschland aber das neuere Pfandbriefgesetz (PfandBG). Es vereint das alte Gesetz mit Regelungen für öffentliche und Schiffspfandbriefe. 

Mit Inkrafttreten des PfandBG verschwand der Rechtsbegriff „Hypothekenbank“ und wurde durch die Bezeichnung „Pfandbriefbank“ ersetzt. Das Pfandbriefgesetz sorgt mit seinen vielfachen Bestimmungen für die hohe Sicherheit von Pfandbriefen. Und die ist wirklich hoch: In der langen Geschichte des Pfandbriefs kam es bis heute noch zu keinem Ausfall.

Nur Pfandbriefbanken dürfen Pfandbriefe ausgeben.

Weil Pfandbriefe gesetzliche Auflagen zu erfüllen haben, ist deren Ausgabe ausschließlich lizensierten Banken vorbehalten. Ein emittierendes (ausgebendes) Kreditinstitut nennt man „Pfandbriefbank“. In Deutschland sind dies etwa die Berlin Hyp AG, die Deutsche Bank AG oder die Wüstenrot Bausparkasse AG. Pfandbriefbanken werden von der BaFin, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, autorisiert und reguliert. In Deutschland gibt es heute 45 Pfandbriefbanken, die sich im Verband deutscher Pfandbriefbanken organisiert haben. 

Sollte eine Bank Insolvenz anmelden müssen, sind Pfandbriefe davon nicht betroffen. Denn laut Gesetz müssen sie aus dem Bankvermögen ausgesondert werden. Zudem sind Inhaber von Pfandbriefen vorrangig zu bedienen, also im Insolvenzfall zusätzlich geschützt.

Eine Pfandbriefbank hat außerdem dafür zu sorgen, dass ein Deckungswert vorhanden ist, welcher den Barwert der im Umlauf befindlichen Pfandbriefe um 2 % übersteigt. Diese sogenannte Überdeckung ist ebenfalls im PfandBG festgeschrieben.

 

Hier die Ausgabe, dort der Handel – wo sie Pfandbriefe kaufen können

Pfandbriefe werden grundsätzlich an der Börse gehandelt. Vorrangig investieren professionelle Investoren wie Versicherer und Pensionsfonds in diese Anlageform. Der größte Käufer von Pfandbriefen ist die EZB, die Europäische Zentralbank. Seit dem Jahr 2009 erwarb sie jährlich gedeckte Anleihen (auf europäischem Parkett als „covered bonds“ bezeichnet) in Höhe von mehreren Milliarden Euro. 

Pfandbriefe unterliegen Kursveränderungen, die verhältnismäßig moderat ausfallen. Die Umsätze mit Pfandbriefen sind vergleichsweise gering, was Auswirkungen auf die Liquidität in diesem Segment hat. Darunter leidet die Geschwindigkeit, mit der Sie Pfandbriefe handeln können.

Erziele ich mit Pfandbriefen
eine attraktive Rendite?

Insgesamt sind Pfandbriefe ein Instrument, das Ihnen eine hohe Sicherheit bietet. Weil das Papier festverzinslich ist, also kontinuierlich einen fest vereinbarten Zins abwirft, wissen Sie stets, woran Sie sind. Große Renditesprünge sind aber nicht zu erwarten. Denn in aller Regel fällt der Ertrag eher gering aus, wenngleich Pfandbriefe im Vergleich mit Staatsanleihen und Bundesanleihen geringfügig besser abschneiden.

Für Sie kann das bedeuten, dass Sie Pfandbriefe als stressfreie Komponente Ihrem Portfolio beimischen. Um neben der Sicherheit die Ertragschancen zu berücksichtigen, empfiehlt es sich grundsätzlich, nicht nur auf Pfandbriefe, nur auf Aktien oder nur auf die Riester-Rente zu setzen. Eine diversifizierte Mischform ist meist sinnvoller und ruft ein ordentliches Verhältnis zwischen Risiko und Rendite hervor. 

Bei den ETF-Portfolios von WeltInvest wählen Sie ein Produkt, das zu Ihrem persönlichen Sicherheitsbedürfnis passt. Sie bestücken Ihr Portfolio wahlweise mit Anleihen zu 0 %, 30 %, 50 % oder 70 % – den Rest machen Aktien aus.

Fazit

Pfandbriefe sind bis heute existent und verbreitet. Sie stehen für eine hohe Sicherheit, die insbesondere dem PfandBG zu verdanken ist. Ebenso sind die Zinsen unveränderlich und somit planbar. Die Kehrseite: Mit Pfandbriefen lässt sich keine hohen Renditen erzielen. Deshalb eignen sich Pfandbriefe insbesondere als Ergänzung im Portfolio und für risikoaverse Investoren.

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