Haushaltsgeld

Was ist Haushaltsgeld und welche Vorteile hat ein Haushaltsbuch?

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Das Haushaltsgeld lässt sich als Begriff zweifach einordnen. Einmal in der parlamentarischen Perspektive, wo das Haushaltsgeld oder einfach „der (öffentliche) Haushalt“ Geld bezeichnet, das zum Unterhalt der Bundesrepublik Deutschland benötigt wird. In welche Bereiche der Staat das Geld investiert, hält die Politik im Bundeshaushaltsplan fest.

Die andere Perspektive sind private Haushalte. Dort ist das Haushaltsgeld alles Geld, das zum Führen des Haushalts und zum Leben in diesem erforderlich ist. Dessen Höhe setzt sich insbesondere aus monatlichen Fixkosten, etwa für die Miete, zusammen. Die laufenden Kosten setzen sich wiederum aus der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen zusammen. Dieser Text bezieht sich allein auf die zuletzt erwähnte private Perspektive.

So lautet eine Statistik des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2018, dass deutsche Haushalte nominal 18,9 % höhere Konsumausgaben als die EU im Durchschnitt haben „Konsumausgaben“ umfassen beispielsweise mit den Bereichen Wohnen, Ernährung und Mobilität zu einem wesentlichen Teil auch Positionen des Haushaltsgeldes. Im Jahr 2018 war von einer Summe von 20.420 EUR pro Jahr und pro Kopf die Rede. Nur die Länder Österreich und Luxemburg übertrafen den EU-Durchschnitt prozentual noch mehr.

Dieser Artikel liefert Antworten, wie hoch das Haushaltsgeld bei Haushalten mit verschiedenen Personenanzahlen ist und wo das Wort im historischen Kontext herkommt. Außerdem erklärt er, warum sowie in welchem Verhältnis auch das Thema Sparen zu beachten ist und welche Vorteile ein Haushaltsbuch bietet.

Das Wichtigste in Kürze
  • Heute bezeichnet das Haushaltsgeld alles, was an Geldmitteln erforderlich ist, um einen Haushalt zu unterhalten und in ihm leben zu können. Es ist nicht zu verwechseln mit dem „Haushaltseinkommen“ – bei diesem ist von Einnahmen die Rede, beim Haushaltsgeld ist von Ausgaben die Rede. Auch mit dem „Hausgeld“ im Sinne von Wohneigentum hat das Haushaltsgeld nichts zu tun.
  • Neben monatlichen Fixkosten für die Miete, den Einkauf im Supermarkt und Versicherungen rechnet man auch flexible Sparbeiträge zum Haushaltsgeld. Klassischerweise sind die Sparbeiträge der „Rest“ nach allen anderen Ausgaben.
  • Zum Ermitteln des Sparpotentials und freier finanzieller Beträge ist ein Haushaltsbuch ideal. Darin dokumentiert man übersichtlich und ohne Lücken alle Einnahmen und Ausgaben vom Haushaltsgeld. So hat man das Geld auch besser unter Kontrolle.
  • Tatsächlich bestehen rechtliche Besonderheiten: Das Haushaltsgeld ist verhältnismäßig und gleichberechtigt zwischen Partnern in der Ehe und eingetragenen Lebenspartnerschaften vorgesehen. Es ist dafür da, einen Haushalt ordnungsgemäß in Gemeinschaft zu führen. Viele Haushalte sehen das aber locker.

Unterhaltspflicht:
Wo kommt der Begriff „Haushaltsgeld“ her?

Machen wir eine kleine Zeitreise zurück in die 1950er und -60er Jahre

Der historische Blick ist beim Haushaltsgeld sehr interessant, weil dessen Prinzip und Funktion aus konservativen Rollenbildern entstand. Damals war es üblich, dass der Ehemann arbeitete und die Ehefrau sich um den Haushalt kümmerte. Damit sich die Frau um den Haushalt kümmern konnte, erhielt sie die erforderlichen finanziellen Mittel vom Mann. 

Weil es zwischen den Ehepartnern oft zu Streit über die Verhältnisse des Haushaltsgeldes kam, führte man per Gesetz verbindliche Richtlinien ein. Die arbeitenden Männer als alleinige Geldgeber entschieden über die Höhe des Haushaltsgeldes. Dieses reichte jedoch nicht immer. Obwohl Frauen unbezahlte Arbeit im Haushalt leisten, hatten sie keinerlei Rechte, die Höhe des Haushaltsgeldes zu beeinflussen. Aus der Sicht von heute hört sich das nur schwer nachvollziehbar an. Das Gesetz, das in einem schon seit 1958 bestehenden Gleichberechtigungsgesetz festgeschrieben wurde, sollte die Situation der Frauen verbessern.

Wortlaut: „(1) Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung im gegenseitigen Einvernehmen. Ist die Haushaltsführung einem der Ehegatten überlassen, so leitet dieser den Haushalt in eigener Verantwortung.“ (§ 1356 / Bürgerliches Gesetzbuch)

Diese „eigene Verantwortung“ schließt späteren Gerichtsurteilen nach ein faires und den Lebensverhältnissen entsprechendes Haushaltsgeld ein. Im rechtlichen Sinne umfasste dieses früher nur die erforderlichen Geldmittel für den Einkauf, Putzmittel und andere regelmäßige Anschaffungen. Kostenpunkte wie etwa die Miete oder Versicherungen waren „Wirtschaftsgeld“. Demnach ist beispielsweise in einem Urteil des Bundesgerichtshof von einem Haushaltsgeld oder im Wortlaut „Taschengeld“ von etwa 5 % bis 7 % des Haushaltseinkommens die Rede. 

Heute sind Haushaltsgeld und Wirtschaftsgeld zusammen zu betrachten,wobei das auf den konservativen Strukturen aufbauende Gesetz mit den Gerichtsurteilen dazu auch heute noch besteht.

Positionen:
Was ist im Haushaltsgeld enthalten?

Monatliche Fixkosten:

  • Miete (+ Nebenkosten)
  • Strompauschale
  • Heizpauschale, sofern nicht in Nebenkosten enthalten
  • Wasserpauschale, sofern nicht in Nebenkosten enthalten
  • Versicherungen
  • Internet + Telefonie
  • Mobiltarife
  • Monatstickets für Nah- und Fernverkehr, sofern relevant
  • Diverse Abonnements beispielsweise für Netflix oder Spotify
  • Kreditraten, sofern relevant
  • Sparen
  • […]

Flexible, aber wiederkehrende Konsumausgaben:

  • Lebensmittel
  • Haushaltsmittel
  • Kosmetik + Hygieneprodukte
  • Mode
  • Kraftstoff
  • […]

Vereinzelt ist auch von einer „Haushaltspauschale“ die Rede. Mit der Haushaltspauschale meint man eine pauschale Summe, die man anhand der Fixkosten und mancher flexibler Kosten bildet und auf ein separates Konto überweist. So kann man jeden Monat die ohnehin anfallenden Kosten vom Einkommen abziehen und weiß exakt, was noch als Rest vom Einkommen bleibt. Man trennt das Haushaltsgeld zudem von allen anderen privaten Konsumausgaben.

Sparen: Warum sollte das Geldsparen ein Teil des Haushaltsgeldes sein?

  • Wir würden es sonst versäumen, kontinuierlich zu sparen.
  • Kontinuität sichert bessere Gewinnchancen bei klassischen Sparmethoden und bessere Renditechancen bei Wertpapierinvestitionen. 
  • Mit klassischen Sparmethoden sind etwa Tagesgeld– oder Festgeldkonten gemeint. Wertpapierinvestitionen lassen sich unter anderem mit ETF-Portfolios umsetzen. 
  • Experten empfehlen, rund 20 % des monatlichen Einkommens zu sparen.

Es ist sinnvoll, sich sämtliche Einnahmen auszurechnen und dann die verschiedenen Fixkosten und flexiblen wiederkehrenden Konsumausgaben davon abzuziehen. So errechnet man den Monatsrest, also den Rest des Einkommens, das am Ende des Monats frei verfügbar ist. Von diesem Rest eine feste monatliche Sparsumme zu definieren und diese kontinuierlich anzusparen, kann sich lohnen. 

Insbesondere bei Wertpapierinvestitionen, wenn Sie über mehrere Jahre beispielsweise in ETFs investieren und so immer mehr vom Zinseszinseffekt profitieren. Sie können sich natürlich auch für ein klassisches Sparkonto entscheiden und etwas für die hohe Kante tun. Dann haben Sie das Geld, falls unerwartete Situationen eintreten.

Um einen höheren Monatsrest zu haben, kann es helfen, einzelne Positionen sowohl bei den Fixkosten als auch bei den Konsumausgaben in der Summe zu reduzieren. Beispielsweise bieten sich bei der Strom- und Heizpauschale Sparpotenziale, etwa mithilfe von bekannten Verbraucherportalen aus Fernsehspots. Auch ein bewussteres Einkaufen – ohne Verzicht – kann zu einem höheren Monatsrest führen.

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Höhe des Haushaltsgeldes:
Welche monatlichen Kosten kommen zusammen?

Wir sehen uns Haushalte mit verschiedenen Personenanzahlen an. 

2-Personen-Haushalt

Für unseren 2-Personen-Haushalt nehmen wir an, dass es sich um ein Pärchen handelt. Beide arbeiten – der Einfachheit halber orientieren wir uns am deutschen Durchschnittseinkommen pro Person von 2019 – das waren 2.079 EUR netto.

Bitte beachten Sie, dass die einzelnen Kostenpunkte für dieses Beispiel rein hypothetisch sind.

Monatliches Haushaltseinkommen (netto) 4.158 EUR (2.079 EUR x 2)
Sie zahlen Miete… - 1.400 EUR
Sie haben Stromkosten… - 60 EUR
Sie zahlen für Internet und Telefon… - 40 EUR
Sie kaufen ein… - 350 EUR
Sie haben beide Nahverkehrstickets… - 200 EUR
Sie müssen den Rundfunkbeitrag entrichten… - 17,50 EUR
Sie haben den Hausrat und weiteres versichert… - 30 EUR
Sie sparen für ihre bevorstehende Hochzeit… - 200 EUR
Monatliches Haushaltsgeld (Gesamtsumme) 2.297,50 EUR
Pro Person 1.148,50 EUR
Resteinkommen, das beide jeweils monatlich noch haben 930,25 EUR

Weitere Konsumausgaben, die beide Partner noch einzeln haben, beispielsweise private Versicherungen, sind in diesem Haushaltsgeld nicht enthalten. Das Haushaltsgeld umfasst hier nur die Kosten, die beide zusammen zum Wohnen und Leben haben.

3-Personen-Haushalt

WG

Für unseren 3-Personen-Haushalt nehmen wir zunächst eine WG mit drei Studenten. Deutsche Studenten sind im Durchschnitt 24,7 Jahre alt und haben ein Nettoeinkommen von 918 EUR. Auch hier rechnen wir der Einfachheit halber bei allen drei WG-Bewohner*innen mit dem Durchschnittseinkommen. 

Bei der WG ist erkennbar, dass viele Positionen, die wir vorhin beim Pärchen hatten, nicht wieder vorkommen. In WGs ist das Leben anders, beispielsweise hinsichtlich der Lebensmitteleinkäufe, die normalerweise jede*r Mitbewohner*in für sich macht.

Monatliches Haushaltseinkommen (netto) 2.754 EUR (918 EUR x 3)
Sie zahlen Miete… - 1.100 EUR
Sie haben Stromkosten… - 100 EUR
Sie zahlen für Internet und Telefon… - 30 EUR
Sie müssen den Rundfunkbeitrag entrichten… - 17,50 EUR
Sie haben den Hausrat und weiteres versichert… - 40 EUR
Sie haben vereinbart, dass jeder etwas auf ein Sparkonto für WG-Investitionen überweist… - 90 EUR (30 EUR x 3)
Monatliches Haushaltsgeld (Gesamtsumme) 1.377,50 EUR
Pro Person 459,16 EUR
Resteinkommen, das sie jeweils monatlich noch haben 458,83 EUR

Auch hier zahlen alle WG-Bewohner*innen ihre Lernmittel, Einkäufe und privaten Konsumausgaben selbst, ohne dass diese im Haushaltsgeld auftauchen. Das Haushaltsgeld umfasst auch hier wieder nur die Posten, die alle zusammen durch 3 bezahlen müssen.

Familie mit Kind

Wir machen ein weiteres Beispiel für einen 3-Personen-Haushalt. Das Pärchen von vorhin ist inzwischen verheiratet und hat ein Kind. Das Einkommen der beiden Eltern wurde etwas höher – wir sprechen der Einfachheit halber über 2.250 EUR pro Person netto. Auch für das Kind rechnen wir mit Durchschnittskosten. Laut Statistischem Bundesamt kostet ein Kind etwa 584 EUR pro Monat. Das macht Gesamtkosten von 126.144 EUR bis zum 18. Lebensjahr. 

Monatliches Haushaltseinkommen (netto) 4.500 EUR (2.250 EUR x 2)
Sie bekommen Kindergeld… + 204 EUR
Gesamt-Haushaltseinkommen 4.704 EUR
Sie haben die Kinderausgaben… - 584 EUR
Sie ziehen um und zahlen mehr Miete… - 1.600 EUR
Sie haben Stromkosten… - 70 EUR
Sie zahlen für Internet und Telefon… - 40 EUR
Sie kaufen ein und reduzieren sich für Kind etwas… - 300 EUR
Sie haben beide Nahverkehrstickets… - 200 EUR
Sie müssen den Rundfunkbeitrag entrichten… - 17,50 EUR
Sie haben den Hausrat und weiteres versichert… - 30 EUR
Sie sparen zusammen auf einem Sparkonto… - 200 EUR
Monatliches Haushaltsgeld (Gesamtsumme) 3.041,50 EUR
Pro Person 1.520,75 EUR
Resteinkommen, das beide jeweils monatlich noch haben 831,25 EUR

Private Posten zahlt auch in diesem 3-Personen-Haushalt jeder selbst.

4-Personen-Haushalt

Für einen 4-Personen-Haushalt machen wir kein extrahiertes Beispiel. Wir empfehlen Ihnen, sich die vorstehenden Tabellen anzusehen. Für einen 4-Personen-Haushalt würden sich nur die Werte entsprechend verändern. Ein Beispiel wäre ein weiteres Kind und dadurch mehr Kindergeld, aber auch höhere Kosten für beide Kinder. 

Das Muster ist immer dasselbe.

  1. Alle Haushaltseinnahmen zusammenrechnen,
  2. davon alle Kosten abziehen, die auf jede*n Haushaltsbewohner*in zutreffen und
  3. alle privaten Konsumausgaben außer Acht lassen.

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Haushaltsbuch: Was macht es so praktisch?

  • Ein Haushaltsbuch funktioniert so wie in den vorstehenden Tabellen sichtbar. 
  • Sie fassen alle Einnahmen und alle Kosten für den Haushalt zusammen und rechnen eine individuelle Sparsumme dazu. 

Der Vorteil des Haushaltsbuchs ist, dass Sie die absolute Kontrolle über sowie das Bewusstsein für Ihr Geld haben. Und das hört sich zunächst banal an, doch in unserem momentanen Zeitalter ist das mehr als relevant. Wir tendieren dazu, immer mehr Geld auszugeben und viele Menschen geraten in finanzielle Schwierigkeiten. 

  • Wir werden mit tausenden Werbebotschaften konfrontiert, tendieren dadurch dazu, mehr zu kaufen – auch das, was wir nicht brauchen.
  • Supermärkte wenden uns unbewusste Tricks an, damit mehr Produkte im Einkaufskorb landen.
  • Wir zahlen viel mehr mit EC- oder Kreditkarten und verlieren so die Übersicht, was auf dem Konto an Transaktionen aufläuft. 

Das Haushaltsbuch kann exakt diese Probleme zwar nicht lösen – aber es hilft schon einmal dabei, etwa die monatlichen Fixkosten zu kennen und zu dokumentieren. Es hilft außerdem dabei, nicht über den Verhältnissen zu leben und in eine Spirale reinzurutschen. Auch dadurch, dass Sie sich Limits für einzelne Posten setzen können und sehen, ob Sie diese auch einhalten. Und es absolut einfach – ein kleines Notizbuch oder eine einfache Excel-Tabelle reichen schon, um ein Haushaltsbuch zu führen. 

Inzwischen braucht es dank innovativer Bankkonten und Apps nicht einmal ein händisches Haushaltsbuch. Diese Konten und Apps sortieren die anfallenden Kosten automatisch anhand der Transaktionen auf dem Konto – und sie ermitteln vereinzelt Sparpotenziale.

Fazit

Beim Haushaltsgeld geht es darum, sich über die für das Wohnen und tägliche Leben anfallenden Kosten bewusst zu sein. Ein Haushaltsbuch hilft dabei, diese Kosten mit den Einnahmen zu verrechnen und aufzupassen, dass man nicht über den Verhältnissen lebt. Hilfreich kann sein, die errechnete Haushaltspauschale stets auf ein Extra-Konto zu überweisen und so das Haushaltsgeld vom Privaten zu trennen. Auch das Sparen – etwa mit Tagesgeldkonten oder Investieren mit ETF-Portfolios – ist im Rahmen des Haushaltsgeldes ein Thema. Experten meinen, dass jede Person etwa 20 % ihres monatlichen Einkommens sparen sollte. Das Haushaltsgeld ist nicht zu verwechseln mit dem politischen Haushalt, dem Haushaltseinkommen oder dem Hausgeld bei Wohneigentum. 

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