Frugalismus – Was steht hinter dem Konzept
der finanziellen Freiheit?

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Möglichst früh aus der Arbeitswelt aussteigen, in Frührente gehen und sein Leben komplett selbständig und unabhängig führen: Ein eifriges Ziel, das immer mehr Menschen erreichen wollen. Sie schließen sich der Idee des Frugalismus an und feiern den bewussten Konsum sowie den bewussten Verzicht. Abgeleitet vom lateinischen „frugalis“, versteht man unter dem Begriff im Deutschen “genügsam” oder auch “sparsam”. So beschäftigt sich die Bewegung des Frugalismus damit, private Ausgaben geschickt auf einem absoluten Minimum zu reduzieren, um so früh finanzielle Freiheit genießen zu können und größtmögliche Lebensfreude zu erreichen. Das gesparte Geld wird laufend investiert – und das möglichst gewinnbringend – beispielsweise in umfangreiche Aktienportfolios oder andere Wertpapiere.

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Einer Statistik des Statistischen Bundesamtes zufolge beläuft sich die durchschnittliche Sparquote aller privaten Haushalte in Deutschland auf etwa 10 % pro Jahr. Anhänger des Frugalismus liegen hier prozentual mit 50 % bis zu 70 % oder 80 % deutlich darüber. 

Wir hinterfragen die Ursprünge des Frugalismus und setzen uns mit den Gründen für das wachsende Interesse am Thema auseinander. Anhand von Rechenbeispielen zeigen wir außerdem, welche Sparformen für Frugalisten sinnvoll sind und vermitteln Ihnen grundlegende Tipps zum Investieren.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Frugalismus entstand ab dem Jahr 2007 in den USA – im Wesentlichen in Folge der Finanzkrise. Zahlreiche Menschen mussten während der Rezession damals den Gürtel enger schnallen. Sie lernten, mit weniger auszukommen und schränkten ihre Ausgaben weitreichend ein. Von Nordamerika aus verbreitete sich dieser Trend in Europa und in anderen Teilen der Welt. Die Bewegung des Frugalismus wächst seitdem kontinuierlich. 
  • Frugalisten entscheiden sich ganz bewusst für oder gegen Konsum und investieren nur in Dinge, die sie brauchen oder guten Gewissens besitzen können. Somit erheben Frugalisten finanzielle Bescheidenheit zu ihrem Credo. 
  • Anders als beim Aufkommen der Bewegung schließen sich heute vermehrt Menschen dem Frugalismus an, die keine finanziellen Sorgen in Hinblick auf ihre persönliche Zukunft haben. So wandelte sich das Bild aus einer Entwicklung in der Not hin zu einem Trend der smarten Geldentscheidungen. 
  • An oberster Stelle steht das Ziel der finanziellen Freiheit, nicht des Reichtums. Das bedeutet: Wer sich dem Frugalismus anschließt, möchte in der Regel langfristig und ausschließlich von privaten Ersparnissen und Rücklagen leben können. Zum Erreichen dieses Vorhabens investiert man in ein diversifiziertes Portfolio aus Wertpapieren, insbesondere global streuende ETFs. Ergänzend eignen sich weitere Sparanlagen in Tagesgeld und Festgeld mit den sehr hohen Rücklagen des monatlichen Nettolohns.
  • Ähnlichkeiten bestehen zwischen Frugalisten und Minimalisten: Frugalisten möchten vorrangig schnell Vermögen aufbauen. Minimalisten hingegen legen hohen Wert auf Konsumverzicht und ein möglichst einfaches Leben. Beide verbindet der Wunsch nach umfassendem Lebensglück. Die Grenzen sind dabei fließend.

Extremes Sparen: Wo finden sich die Ursprünge des „Frugalismus”?

Finanziell frei sein, indem man vom eigenen Kapital lebt? In der Weltgeschichte finden sich zahlreiche Beispiele, die man als Vorläufer des heutigen Frugalismus sehen kann. Wir konzentrieren uns an dieser Stelle auf zwei wegweisende Beispiele: 

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Zunächst gehen wir zurück ins 16. Jahrhundert. In diese Zeit fällt der Beginn einer theologischen Bewegung: Geprägt vom Reformator und Asketen Johannes Calvin bildete sich der Calvinismus heraus. Er propagierte als einer der ersten Gelehrten einen Stil des sparsamen Daseins. Seine Anhänger lebten bescheiden und fuhren ihre Ausgaben auf ein Minimum herunter. Man erhoffte sich, durch Sparsamkeit zu Lebzeiten mehr Wohlstand im Jenseits zu erlangen.

Ein paar Jahrhunderte später, um die Jahrtausendwende herum, griff man das Konzept im Ansatz wieder auf. Nach dem Jahr 2000 kamen in den Vereinigten Staaten als unmittelbare Konsequenz der Weltfinanzkrise die „FIRE Movements” auf – „FIRE“ als Kurzform für „Financial Independence, Retire Early”. Zu Deutsch: „Finanzielle Unabhängigkeit und früher Ruhestand“. Hierbei handelt es sich bereits um den Frugalismus, wie er heute im Trend ist. 

In Europa ist das Phänomen Frugalismus erst etwas später aufgetreten. Etwa seit 2011 findet es mehr und mehr Anhänger, wenngleich die Bewegung hierzulande immer noch in den Kinderschuhen steckt. Der Antrieb der Frugalisten in Deutschland und anderen europäischen Ländern ist dabei in der Regel der gleiche wie in den USA: Man möchte das Rentenalter weit vor dem regulären Eintritt mit 65 bis 67 Jahren erreichen.

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Lebensstil: Was verstehen Frugalisten unter finanzieller Freiheit?

  • Eine global einheitliche Definition für ein finanziell unabhängiges Leben existiert nicht. Frugalisten entwickeln eigene, individuelle Ziele und Vorstellungen.
  • Die finanzielle Freiheit gilt als erreicht, sobald laufende monatliche Konsumausgaben rein aus Sparvermögen begleichbar sind.
  • Das angesparte Geld soll bis zum Lebensabend ausreichen.

Die Anhänger des frugalistischen Modells erachten es als wichtig, eigene Finanzen aktiv zu steuern. Sie sind überzeugt davon, selbst auf die Effizienz ihres Geldes hinzuarbeiten. Doch im Mittelpunkt steht kein „zwanghaftes Sparen“ für die Frührente. Vielmehr haben Frugalisten ein Verständnis dafür entwickelt, bei allem Sparen auch das eigene Wohlbefinden in den Fokus zu rücken.

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Innere Zufriedenheit erlangen

Im Frugalismus geht es vor allem um die Suche nach individuellem Glück, gestützt durch finanzielle Sicherheit. Für moderne Frugalisten steht somit folgende Frage immer im Zentrum: Wie kann ich bestmöglich und selbstbestimmt mit meinem Kapital leben? Bin ich glücklich mit dem, was ich jeden Tag mache? Und in welcher Form würde mir mein Job Spaß machen? So arbeiten Frugalisten meist in sehr gut bezahlten Jobs, wie IT, um Privatvermögen so schnell wie möglich aufzubauen und in Folge früher, etwa mit 30 bis 40 Jahren, in Rente gehen zu können. Dabei geht es nicht ums Nichtstun, sondern um die Wahlmöglichkeit: Frugalisten wollen entscheiden, was sie machen. Ob das ein Hobby, Ehrenamt oder die Selbstständigkeit ist – die gewonnene finanzielle Unabhängigkeit macht es möglich, die Dinge zu tun, auf die man Lust hat und die einen erfüllen. Die meisten Frugalisten sprechen daher auch nicht per se von Ruhestand, sondern von finanzieller Freiheit. 

Mit 40 Jahren in Rente

Immer wieder taucht die magische Zahl 40 auf: Spätestens mit Erreichen des 40. Geburtstags wollen viele Frugalisten beginnen, aus eigenen Mitteln jung in den Ruhestand zu gehen. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, setzen sie auf eine hohe Rendite aus kapitalbildenden Anlagen. Sie investieren also große Summen in Aktien sowie andere Wertpapiere und üben sich in Genügsamkeit, indem sie Ausgaben stets gering halten.

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Rücklagen: Wie und wie viel investieren Frugalisten?

Die meisten Frugalisten gehören zur oberen Mittelschicht. Konkret heißt das, Frugalisten sind mehrheitlich Menschen, die eine Hochschulausbildung absolviert haben und entsprechende Berufe ausüben, so z.B. Juristen, Ärzte, Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler. Sie alle verdienen ein verhältnismäßig hohes Einkommen. Denn nur so ist es ihnen überhaupt möglich, mindestens 30 % ihrer monatlichen Einnahmen vom Nettolohn zurückzulegen. Oft ist dieser Anteil noch weitaus höher und beträgt von 50 bis hin zu 70 oder 80 % des Nettoeinkommens, je nach Verdienst

 

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Abhängig von der Höhe der monatlichen Sparrate ist der Zeitpunkt des privaten Renteneintritts gut ermittelbar. Manche Anhänger des Frugalismus haben in 10 Jahren ausgesorgt – oder besser „ihre finanzielle Freiheit erreicht“, andere in 25 Jahren.

Anlagestrategie nach festem Muster

Um finanzielle Freiheit zu erreichen, nutzen Frugalisten oft das Konzept der 4-%-Regel oder auch “4 percent Safe Withdrawal Rate“ (kurz SWR), das durch die recht bekannte Trinity Study im Jahr 1998 entwickelt wurde. Dabei wurde identifiziert, wie groß die Ersparnisse sein müssen bzw. wie viel Geld für die Zukunftsvorsorge abgesetzt werden muss, um theoretisch nie mehr arbeiten zu müssen. Um diese Summe zu bestimmen, muss ein konkreter Betrag der Ausgaben vorliegen, die durch die 4 % abgedeckt werden kann. Das bedeutet: Sie benötigen als Startkapital 25 mal so viel (4 mal 25 = 100 %), wie Sie pro Jahr ausgeben, um sich 25 Jahre vor dem Renteneintrittsalter zur Ruhe setzen zu können.

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Rechenbeispiel:

  • Gehen wir davon aus, dass Sie 40.000 EUR pro Jahr ausgeben. Sie brauchen 25 mal mehr und benötigen somit also 1 Million Euro, um nie wieder arbeiten zu müssen. 
  • Eine weitere Version der Regel geht vom aktuellen Vermögen aus: Angenommen, dass nach einem Jahr 9.000 EUR in Wertpapieren investiert vorhanden sind. Hiervon erlauben sich Frugalisten, 4 % zu entnehmen. Danach ergeben sich 8.640 EUR – der Mindestbetrag, der in der Sparanlage bleiben sollte. Errechnet man nun die Differenz aus beiden Zahlen, sind in diesem Jahr 360 EUR entnehmbar, ohne dass es Auswirkungen auf das benötigte Vermögen hat. Man geht hierbei davon aus, dass die benannten vier Prozent in einem Jahr wieder gewonnen werden können.  

Die Werte werden jedes Jahr umso höher, je mehr in den Wertpapieren investiert ist. Befinden sich beispielsweise nach mehreren Jahren 50.000 EUR in den Wertpapieren, dann wären 2.000 EUR entnehmbar.

Investieren am globalen Aktienmarkt

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Frugalisten setzen auf Wertsteigerungen Ihres Sparvermögens, indem Sie die Mehrheit Ihres Geldes in risikostreuende sowie thesaurierende Fonds oder ETFs, sogenannte Exchange Traded Funds, anlegen. Auch Direktinvestitionen in Aktien sind denkbar. Frugalisten agieren jedoch nicht spekulativ – stattdessen halten sie ihre Investitionen über lange Zeiträume, um später von Zinseszinsen und Dividenden zu leben. 

Passiv, diversifiziert, kosteneffizient prägen die Anforderungen der Frugalisten: Mit dem ETF Robo können diese Ansprüche erfüllt werden. Dabei haben Sparer die Möglichkeit, monatlich und via Sparplan in mehrere ETFs und damit in tausende Aktien und Anleihen automatisch zu investieren. Die Gesamtkosten umfassen durchschnittlich nur 0,48 % p.a. – die Portfolios sind somit deutlich effizienter als aktiv gemanagte Mischfonds. Das ist insbesondere für Konzepte des Frugalismus ideal.

 

 

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Sicherheitsbausteine im Portfolio

Für Frugalisten zählt einvernehmlich: Kosten klein halten. Weil Aktien, ETFs und Fonds Schwankungen unterliegen und ein Restrisiko mitbringen, legen Frugalisten in geringem Umfang zusätzlich in Tagesgeld und Festgeld an. Tagesgeld und Festgeld bringen, solange das Zinstief weiter herrscht, bei den hiesigen Banken zwar kaum eine nennenswerte Rendite. Sie bieten allerdings den Vorteil eines Sicherheitsbausteins. Weil alle Privateinlagen bis 100.000 EUR je Kunde und je Bank EU-weit durch die Einlagensicherung geschützt sind, fungieren diese Ersparnisse quasi als „Anker”. Manche Frugalisten entscheiden sich alternativ für einen Sicherheitsbaustein in Form von Staatsanleihen, Immobilien oder Rohstoffen. 

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Rechenbeispiele

Zieht man alle monatlichen Fixkosten wie Warmmiete, (Grund-)Nahrungsmittel und Versicherungskosten ab, verbleibt ein Rest und somit ein investierbarer Gesamtbetrag. Die nachstehenden Tabellen zeigen beispielhaft laufende Kosten und freie Sparsummen sowie die Verteilung der Spar-Schwerpunkte in einem möglichen Frugalisten-Portfolio:

Monatliches Single-Einkommen (netto, überdurchschnittlich, höhere Mittelschicht) 3.500 EUR
davon Kosten für Warmmiete… (bewusst günstige Wohnung, samt Strom, Internet, Rundfunkbeitrag) - 720 EUR
davon Lebensmittel... (saisonal und in Aktion vom Discounter) - 200 EUR
Private Versicherungen... (nur die notwendigsten) - 80 EUR
Summe der angenommenen Mindestausgaben... 1.000 EUR
Resteinkommen, das Frugalisten monatlich übrig haben und investieren könnten 2.500 EUR
Sparquote, die sich daraus ergibt... 71,4 %
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Wir gehen bei den Zahlen in der Tabelle oben von hypothetischen Werten aus. Beträgt die monatliche Sparquote über 71 %, verbleiben 2.500 EUR zum Investieren in renditestarke ETFs und – in geringerem Umfang – in schwankungsarme Sicherheitsanlagen. Die Verteilung des investierten Sparvermögens könnte frugalistisch wie folgt aussehen:

  • ETFs / Fonds / Aktien weltweit (60 %)
  • Euro-Staatsanleihen, bis 10 Jahre Laufzeit (15 %)
  • Immobilien / REITs weltweit (15 %)
  • Rohstoffe (10 %)

Oder:

  • Alternativ neben ETFs / Fonds / Aktien nur Tagesgeld (20 %) und Festgeld (20 %)

Im nächsten Schritt rechnen wir beispielhaft die monatliche Sparsumme auf ein Kalenderjahr hoch. Dies ergibt aus 12 x 2.500 EUR eine Summe von 30.000 EUR. Schauen wir uns an, was der Frugalist über eine Dekade aus seinem Sparverhalten generiert:

Kalenderjahr Sparrate Angenommene Rendite des Portfolios bei 5 % (Ø) Vermögen Jahresende
1 30.000 EUR 1.500 EUR 31.500 EUR
2 30.000 EUR 3.075 EUR 64.575 EUR
3 30.000 EUR 4.728 EUR 99.303 EUR
4 30.000 EUR 6.465 EUR 135.768 EUR
5 30.000 EUR 8.288 EUR 174.057 EUR
6 30.000 EUR 10.202 EUR 214.260 EUR
7 30.000 EUR 12.213 EUR 256.473 EUR
8 30.000 EUR 14.323 EUR 300.796 EUR
9 30.000 EUR 16.539 EUR 347.336 EUR
10 30.000 EUR 18.866 EUR 396.203 EUR
Gesamtsumme nach 10 Jahren 300.000 EUR 96.203 EUR 396.203 EUR
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Abgrenzung: Frugalismus und Minimalismus – wo sind die Unterschiede?

  • Während Frugalisten eindeutig die finanzielle Unabhängigkeit zum Ziel haben, richten Minimalisten ihr ganzes Leben darauf aus, unnötige Dinge abzuwerfen. 
  • Sie vermeiden es, Materielles um sich zu häufen, in dem sie keinen Nutzen sehen. 
  • Vermögensaufbau wird auch beim Minimalismus thematisiert; es steht aber nicht in einer so zentralen Position wie beim Frugalismus.
  • Sowohl der Frugalismus als auch der Minimalismus zielen auf ein reduziertes Leben ohne Ballast ab – das ist der Punkt, an dem sich beide Lebens- und Denkweisen klar überschneiden.  

Wie viel Geld braucht es zum Glücklichsein?

Reichtum klingt verlockend. Viel Geld zu besitzen geht damit einher, sich sorgenfrei und finanziell unabhängig zu fühlen. Doch was wäre der perfekte Geldbetrag, um bis ans Lebensende finanziell glücklich zu sein? Wir haben mit 2.043 Deutschen ein Gedankenexperiment des kanadischen Autors und Analysten Brad Stollery durchgeführt. Stellen Sie sich vor, dass Ihnen jemand das Angebot macht, Ihnen sofort eine beliebige Geldsumme zu überweisen. Diese muss hoch genug sein, damit Sie anschließend in den Ruhestand gehen können, ohne jemals wieder etwas verdienen zu müssen oder auf andere Geldmittel angewiesen zu sein. Allerdings: Vier weitere Personen, die einen ähnlichen Lebensstandard haben wie Sie, erhalten das gleiche Angebot. Nur die Person, die den geringsten Geldbetrag angegeben hat, bekommt am Ende das Geld. Dieses einfache Gedankenexperiment zwingt uns dazu, dem Impuls zu widerstehen, einen besonders hohen Betrag zu nennen, aber gleichzeitig so viel zu verlangen, um von dem Geld bequem zu leben zu können.

Geld allein macht nicht glücklich. Allerdings gewinnen Menschen bei finanzieller Unabhängigkeit die Freiheit, Entscheidungen zu treffen, die nicht monetär getrieben sind. Der Median aller 1.213 Befragten, die eine Summe genannt haben, liegt bei knapp 500.000 Euro. Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Männer viel Geld zum Glücklichsein benötigen und die meisten Frauen dagegen eher unrealistisch niedrige „Glücksbeträge“ nennen.

Glücksbetrag in Euro Männer Frauen Durchschnitt
Bis unter 250.000 31,1% 44,0% 37,0%
Ab 250.000 bis unter eine Million 32,2% 29,8% 31,1%
Ab eine bis unter zwei Millionen 18,5% 14,3% 16,5%
Ab zwei Millionen 18,3% 12,0% 15,4%

Insgesamt geben 37 Prozent aller Befragten einen Geldbetrag bis unter 250.000 Euro zum Glücklichsein an, (44 Prozent der Frauen und 31 Prozent der Männer). Dies könnte bedeuten, dass ein großer Anteil der Frauen weniger risikofreudig ist, also lieber weniger Geld gewinnen will statt alles zu verlieren. Oder aber, dass Frauen einfach weniger Geld benötigen zum Glücklichsein. Davon ausgehend, dass beispielsweise 40-Jährige in Deutschland im Durchschnitt 34.000 Euro netto verdienen, könnten mit einer Viertelmillion Euro allerdings nur sieben Jahre überbrückt werden. Ein Glücksbetrag unter 250.000 Euro ist daher eher realitätsfern.

Auch das Alter kann natürlich Auswirkungen auf den gewünschten Geldbetrag haben. Im Vergleich fällt auf, dass die älteste Gruppe der Studienteilnehmer mit über 55 Jahren am wenigsten Geld verlangt. Jedem zweiten Befragten ab 55 Jahren reicht ein Geldbetrag unter einer Viertelmillion Euro aus. Zwar müssen ältere Menschen durchschnittlich weniger Jahre mit dem Geld als jüngere auskommen und wahrscheinlich auch keine Kinder mehr finanziell unterstützen, allerdings genügt eine Viertelmillion wohl kaum, um den Lebensabend damit zu bestreiten

Ungefähr jeder Dritte gibt einen Geldbetrag über 250.000  bis unter einer Million Euro an. In dieser Gruppe unterscheiden sich Männer (32,2 Prozent) und Frauen (29,8 Prozent) kaum und unter den Altersgruppen ist die Verteilung ebenfalls recht ausgeglichen. Ausgenommen die jüngsten Befragten von 18 bis 24 Jahren: Sie riskieren lieber gar nichts zu bekommen als weniger Geld.

Männer benötigen besonders viel Geld zum Glücklichsein – zumindest wünschen sich 37 Prozent der Männer einen Betrag über einer Million Euro, dagegen nur 26 Prozent der Frauen. Männer scheinen damit risikofreudiger zu sein oder einfach mehr Geld zum Glück zu benötigen. 15 Prozent der Befragten geben sogar über zwei Millionen Euro an, davon 18 Prozent der Männer und 12 Prozent der Frauen. Ein Prozent aller Befragten möchte einen Glücksbetrag über fünf Millionen Euro. Der höchste genannte Betrag liegt bei zwei Milliarden Euro – interessanterweise von drei Frauen. Einige Teilnehmer versuchen ihr Glück mit krummen Werten wie 999.999 Euro, um möglichst knapp die Konkurrenz zu unterbieten. Mehr als jeder zweite 18- bis 24-Jährige (54 Prozent) will einen Betrag über eine Million Euro.

Die 1.213 Befragten geben im Median als Glücksbetrag 500.000 Euro an. Ob dieser Betrag zum Leben reichen würde? 40-Jährige verdienen in Deutschland durchschnittlich 34.000 Euro netto im Jahr. Davon ausgehend, dass die aktuelle Lebenserwartung in Deutschland bei 81 Jahren liegt, bräuchte eine heute 40-jährige Person also 1,4 Millionen Euro, um sich die finanzielle Unabhängigkeit bis ins hohe Alter zu sichern.

So könnte es auch mit weniger funktionieren: Die heute 40-Jährige könnte sich von ihrem hinzugewonnenen Vermögen für die nächsten 20 Jahre weiterhin jährlich 34.000 Euro auszahlen, also insgesamt 680.000 Euro. Zusätzlich legt sie 270.000 Euro für 20 Jahre in ETFs an. Bei einer durchschnittlichen Rendite von sieben Prozent könnte sie nach 20 Jahren und Steuerabzügen mit einem Gesamtbetrag von über 740.000 Euro rechnen. Genug, um die nächsten 21 Jahre den aktuellen Lebensstandard bequem halten zu können. Damit könnten 950.000 Euro ausreichen.

Zur Studie: Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH im Auftrag von WeltSparen, der Raisin DS GmbH. Insgesamt haben an der Umfrage 2.043 Personen Teilgenommen. Das Gedankenexperiment haben insgesamt 1.213 Personen zwischen dem 01.02.2021 bis 03.02.2021 beantwortet. Die Gesamtstichprobe wurden gewichtet und ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Fazit

Eines ist klar: Wie es später mit der gesetzlichen Rente aussieht, ist ungewiss. Daher ist es sinnvoll, sich beizeiten Gedanken über den Ruhestand und die Finanzen im hohen Alter zu machen. Manche unter uns denken darüber schon in jungen Jahren intensiv nach – und sparen entweder einen kleineren Teil ihres Einkommens oder leben gar frugalistisch. Gerade der Ansatz der Frugalisten kann vielen Menschen als Vorbild dienen, um sich durch die ausgeprägte Sparsamkeit schnell ein Vermögen aufzubauen. 

Auch dieses Konzept sollte jeder gut durchdenken, denn auch wenn der Wunsch, im Alter von 40 Jahren in Rente zu gehen, verlockend ist, muss man mit unkalkulierbaren Risiken rechnen. Zum Beispiel sind Krankheit, der Jobverlust, die Gründung einer Familie und andere unvorhersehbare Lebensumstände in diesem Konzept nicht eingeplant. Zudem handelt es sich um keine Finanzstrategie für Geringverdiener. Nur wer ein regelmäßig hohes Nettoeinkommen hat, kann mit etwas Disziplin in wenigen Jahren hohe Sparbeträge erreichen.

Wer sich allerdings zum Frugalismus oder allgemein zum langfristigen Vermögensaufbau entscheidet, für den eignen sich insbesondere Anlagestrategien in breit diversifizierte Portfolios aus Wertpapieren und ETFs. Ein kosteneffizientes Beispiel dafür sind die umfangreichen Portfolios des ETF Robo, wozu auch ein automatisierter Sparplan eingerichtet werden kann. Außerdem verhelfen Investitionen in Tages- und Festgeld dabei, Geld sicher anzulegen und Ersparnisse zu mehren. Die Tages- und Festgeldangebote von WeltSparen helfen Sparern dabei dem anhaltenden Zinstief zu entkommen und bis zu 1,50 % p.a. herauszuholen. 

Trotz seiner Vor- und Nachteile ist der Frugalismus ein interessanter Ansatz, um ein Bewusstsein für den sparsamen Umgang mit Geld und Ressourcen aufzubauen und dieses weiterzuverbreiten.

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