Was ist unter der Total Expense Ratio zu verstehen?

Definition: Bei der Total Expense Ratio – kurz auch als TER oder Gesamtkostenquote bezeichnet – handelt es sich um eine prozentuale Kennzahl zum Bestimmen aller bei einem Investmentfonds dauerhaft anfallenden Fondskosten. Sie soll interessierten Investoren dabei helfen, festzustellen, wie hoch die Kosten hinter einem favorisierten Investmentfonds wirklich sind. Sie erhalten einen transparenten Einblick, ohne dass Dunkelziffern überbleiben. Enthalten sind in der Total Expense Ratio alle Kosten bis auf die Transaktionskosten (Ausgabeaufschlag für Investoren / Gebühren bei Investitionen innerhalb des Fonds durch das Fondsmanagement) und die eventuellen Performance Fees.

Die Total Expense Ratio lässt sich auf das britische Fonds-Research-Unternehmen Fitzrovia International PLC zurückführen. Dieses hatte sich seit dem Jahr 1993 darauf konzentriert, die Kosten von weltweit mehr als 40.000 Fonds zu untersuchen. Weil keine einheitliche Gesamtkostenquote vorhanden war, anhand der die Investoren einzelne Fonds transparent hätten vergleichen können, wurde die TER entwickelt. 

In Deutschland ist die Total Expense Ratio oder Gesamtkostenquote laut Gesetz seit dem Jahr 2004 bei allen Investmentfonds zu beziffern, die hierzulande vertrieben werden dürfen. Seitdem ist sie im Fondsprospekt oder auf einem Extra-Factsheet zu finden.

Bis dato wurden nur der Ausgabeaufschlag und die Verwaltungsgebühren als Fondskosten kommuniziert. Wie unterscheidet sich die Total Expense Ratio nun von diesen?

Die Total Expense Ration fasst all die Gebühren in einer Position zusammen, die direkt aus dem Fondsvermögen entnommen werden und so die Performance des Fonds beeinflussen. Der Ausgabeaufschlag zählt nicht dazu, weil er nicht dem Fondsvermögen entnommen, sondern schon vor der Investition vom Anlagekapital abgezogen wird.

Hinsichtlich der Praxis erfährt die Total Expense Ratio durchaus Kritik. Insbesondere, weil auch in der TER realerweise noch nicht alle Gebührenposten enthalten sind und sie damit irreführend ist. Zu den fehlenden Posten zählen etwa die Transaktionskosten für Käufe und Verkäufe innerhalb des Fonds (Orderkosten, wenn beispielsweise ein Aktienfonds neue Aktien hinzu kauft oder bestehende Aktien verkauft und dafür Gebühren bezahlen muss) und die Performance Fees (werden mitunter beim Erreichen von bestimmten Erfolgsbenchmarks aus dem Fondsvermögen entnommen, quasi zusätzliche Verwaltungsgebühren).

Transaktionskosten müssen zwar im Verkaufsprospekt extrahiert erläutert, aber nicht in die TER einberechnet werden. Immerhin braucht es laut Gesetz aber einen Hinweis, dass die Transaktionskosten in der TER nicht enthalten sind.

Die Performance Fees fallen nur beim Erreichen bestimmter Benchmarks an, auch das wird im Prospekt normalerweise kommuniziert.

Nichtsdestotrotz hilft die Total Expense Ratio dabei, die Fondskosten besser einzuschätzen und vor allem mehrere Fonds nebeneinander zu stellen. Das war vor dem Einführen der TER noch schwerer, weil alle Fonds verschiedene Gebührenposten hatten und diese nicht stets alle einheitlich einzusehen waren.

Neben der Total Expense Ratio existiert noch die Real Total Expense Ratio oder kurz die RTER, die dann auch den Kritikern „besser schmeckt“. Sie beinhaltet tatsächlich alle real anfallenden Kosten eines Fonds und bessert die Schwächen der einfachen TER aus. Berechnet wird die RTER nach der Formel „TER + Handelskosten + eventuelle Performance Fees + alle weiteren eventuell anfallenden Kosten auf Fondsebene“. Der Nachteil der RTER ist, dass sie weder im Fondsprospekt noch in anderen wesentlichen Informationsdokumenten kommuniziert wird. Anleger müssen sie sich also selbst errechnen.

Aus welchen Positionen setzt sich die Gesamtkostenquote zusammen?

Die Real Total Expense Ratio ist zwar nicht so irreführend wie die Total Expense Ratio – hat aber wiederum keine Kommunikationspflicht. Deshalb konzentrieren wir uns wieder auf die TER und darauf, welche Gebühren in ihr stets enthalten sind.

Dabei muss man noch festhalten, dass die einzubeziehenden Positionen

  • im ersten Schritt von Herkunftsland zu Herkunftsland variieren können und
  • im zweiten Schritt auch in Deutschland nicht klar definiert sind.

Zumindest existiert für deutsche Investmentfonds aber eine Richtlinie des BVI (Bundesverband Investment und Asset Management e.V.), die bestimmte Positionen einzubeziehen empfiehlt. Zu diesen Positionen zählen:

  • Direkte Kosten für das aktive Verwalten und Managen des Fonds
  • Gebühren für die Depotbank (nicht die von den Investoren zu zahlenden Depotkosten)
  • Administrative Fondskosten (etwa für Wirtschaftsprüfer)
  • Werbe- und Vertriebskosten (teilweise auch durch den Ausgabeaufschlag gedeckt)
  • Weitere individuelle Betriebskosten

Es besteht keine Garantie dafür, dass all diese Positionen tatsächlich in der TER enthalten sind, wenn diese bei einem Fonds kommuniziert wird. Emittenten sind nicht verpflichtet, die Richtlinie des BVI eins zu eins bei ihrer Total Expense Ratio umzusetzen.

Grundsätzlich nicht in der TER enthalten sind zusammenfassend:

  • Transaktionskosten (durch Kauf und Verkauf von Wertpapieren auf Seiten des Fonds) – mit die höchsten Gebühren eines Investmentfonds
  • Performance Fees, die nur zu entrichten sind, wenn der Fonds innerhalb eines Jahres hinsichtlich der Rendite eine bestimmte Benchmark erreicht
  • Agio (einmal durch den Investor zu zahlender Ausgabeaufschlag)
  • Disagio (eventuell durch den Investor zu zahlen, wenn er Anteile verkauft)
  • Weitere Kosten auf Investorenebene (beispielsweise Depot-Gebühren)
  • Lizenzen bei ETFS (ETFs müssen Lizenzen erwerben, um Indizes nachbilden zu dürfen)

Wenn bei der Total Expense Ratio ohnehin so viel Relativität besteht und niemand weiß, was denn letztlich in ihr enthalten ist, wozu braucht es sie dann?

Letztlich bietet die Total Expense Ratio nur einen zentralen Vorteil: Nämlich, dass mit ihr eine einheitliche Größe beim Beurteilen der Fondskosten existiert, die für eine Fondsinvestition anfallen. Fonds werden untereinander vergleichbarer, Gebühren werden transparenter. Auch, wenn nicht alle TERs von derselben Basis aus und mit denselben Positionen berechnet werden. Und wenn es irreführend ist, dass man von der “Gesamtkostenquote” spricht.

Zu hohe laufende Kosten schmälern die Rendite und machen eine Investition unattraktiv. Dementsprechend haben Investoren eine Kennzahl an der Hand, anhand derer sie die Rendite-schmälernden Posten besser einschätzen können. Wie hoch die TER normalerweise ist, lesen Sie weiter unten in den nächsten Abschnitten. Wobei man hier bereits den Grundsatz erwähnen sollte, dass Gebühren und Rendite konträr zueinander funktionieren.

Wie wird die Total Expense Ratio berechnet?

Um die TER als prozentualen Wert zu berechnen, muss man nur zwei Werte ins Verhältnis setzen – die entstehenden Fondskosten innerhalb eines Jahres und das durchschnittliche Fondsvolumen. Teilt man die Kosten durch das Fondsvolumen, kommt man direkt auf die Total Expense Ratio in Prozent.

Fondskosten / Fondsvolumen = TER.

Beispiel:

Ein Fonds hat laufende Kosten in Höhe von 50.000 Euro im Jahr und ein durchschnittliches Fondsvolumen von 2.500.000 Euro. In diesem Falle würde man von einer TER von 2 % sprechen. Man teilt die 50.000 Euro durch die 2.500.000 Euro. Heraus kommt 0,02 und das formt man zu 2 % um. Würde ein Investor nun 10.000 Euro in den Fonds einzahlen, müsste er mit Fondskosten in Höhe von 200 Euro im Jahr rechnen. Würde der Ausgabeaufschlag zusätzlich 4 % umfassen, dann müsste der Investor weitere (einmal zu zahlende) 400 Euro einplanen.

Im Beispiel war von einer TER von 2 % die Rede. Aber wie hoch fällt die Total Expense Ratio bei Fonds normalerweise aus?

Wie hoch die Total Expense Ratio ist, wird in erster Linie durch die Art des Fonds bestimmt. So haben Aktienfonds normalerweise eine höhere TER als etwa Rentenfonds oder Geldmarktfonds. Durchschnittlich kann man laut dem Handelsblatt diese TERs für die einzelnen Fondsarten definieren:

  • Aktienfonds / auch Dividendenfonds = 1,6 %
  • Rentenfonds = 0,9 %
  • Mischfonds = zwischen ersten beiden
  • Offene Immobilienfonds = 0,7 %
  • Geldmarktfonds = 0,5 %

Geschlossene Fonds kann man hier nicht einbeziehen, da diese eine sehr individuelle Struktur auch hinsichtlich der Kosten haben.

Die Werte bedeuten nicht, dass alle Fonds, die teurer als die hier definierten TERs sind, unattraktiv sind. Letztendlich ist es stets ein Rechenexempel, bei dem nicht nur die Total Expense Ratio zählt, sondern auch die Performance des Fonds. Es kann sich lohnen, in einen Fonds mit einer etwas erhöhten TER zu investieren, wenn die Performance auf der anderen Seite deutlich besser als bei den anderen Fonds ist.

Andererseits haben aktive Fonds in den vergangenen Jahren die Wertentwicklung der Märkte mehrheitlich und langfristig nicht übertroffen oder sogar unterboten. Hierzu existieren entsprechende Befunde. Mit passiven Investitionen in Form von ETFs und Indexfonds kann Anlegern das nicht passieren. Sie erhalten stets die Wertentwicklung der Märkte.

Bei ETFs (Indexfonds) sind die Gebühren durch das automatische Nachbilden bestehender Indizes immer überschaubarer als bei aktiv gemanagten Fonds. Wie sieht also die TER bei ETFs aus?

ETFs haben neben ihrer Einfachheit für Investoren noch den weiteren Vorteil, dass die Fondskosten deutlich geringer als bei normalen Investmentfonds ausfallen. Und trotzdem erreichen sie eine sehr ähnliche Rendite. Die Total Expense Ratio eines ETFs (= „Exchange Traded Funds“) beläuft sich meist auf deutlich unter einem halben Prozent. Dazu kommt, dass auch keine Ausgabeaufschläge anfallen, was die Investition noch einmal attraktiver macht.

WeltSparen hat mit den verschiedenen WeltInvest-ETF-Portfolios (Aktien und Anleihen) sowohl für chancenorientierte als auch sicherheitsorientierte Investoren passende Angebote. Die Total Expense Ratio umfasst dabei nur 0,49 % im Jahr.

Fazit

Man kann über die Total Expense Ratio denken, dass sie irreführend ist, oder auch, dass sie hilfreich ist. Jedenfalls handelt es sich um eine Kennzahl, die durchaus dabei helfen kann, die passenden Fonds für die nächste Investition zu finden. Ob man die Gesamtkostenquote dann so akzeptieren möchte oder ob man lieber in deutlich preiswertere ETFs investiert, müssen Investoren selbst entscheiden. Je länger der Investitionszeitraum, desto eher können sich niedrige Gebühren positiv auf die Entwicklung der Rendite auswirken.

Startseite > Geldanlage > Fonds > Total Expense Ratio