Was ist unter thesaurierenden Fonds zu verstehen?

Definition: Bei thesaurierenden Fonds handelt es sich um normale Investmentfonds – das können etwa Aktienfonds oder Rentenfonds sein –, bei denen die erzielten Gewinne im Fondsvolumen verbleiben und reinvestiert werden, um auf Dauer ein stärkeres Wachstum des Volumens hervorzurufen. Man spricht deshalb auch von Wachstumsfonds oder von akkumulierenden Fonds. Das bedeutet, dass thesaurierende Fonds bessere Renditechancen als ausschüttende Fonds aufweisen, die auf der anderen Seite stehen. Hier erhalten die Investoren ihre Gewinne stets sofort und das Fondsvolumen bleibt immer identisch. Auch steuerlich kommt es bei thesaurierenden Fonds zu einer anderen Situation, hier ist seit dem Jahr 2018 die „Vorabpauschale“ ein wesentliches Stichwort.

Thesaurierende Fonds werden in Deutschland insbesondere dank ihres Renditepotenzials für Anleger immer attraktiver. Da Investoren mit ihren Fonds tendenziell lieber eine höhere Rendite als ein attraktives Nebeneinkommen erzielen möchten, funktionieren die meisten hierzulande vertriebenen Fonds nach der thesaurierenden Struktur. Konkrete Statistiken hierzu lassen sich schwer finden, doch sprechen Banken von einem etwa Zweidrittel-Anteil thesaurierender Fonds. Das andere Drittel entfällt auf die Ausschüttenden.

Jeder interessierte Investor kann beispielsweise über die Bank oder einen Vermittler etwa in einen thesaurierenden Aktienfonds oder Rentenfonds investieren. Ob es sich beim favorisierten Fonds tatsächlich um einen thesaurierenden oder einen ausschüttenden Fonds handelt, lässt sich im Fondsprospekt erkennen.

 

Unterscheiden sich die beiden Fondsarten in mehreren Punkten voneinander oder betrifft der Unterschied nur den Renditevorteil?

Tatsächlich ist der potenzielle Renditevorteil eines thesaurierenden Fonds der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Fondsarten. Man baut nicht nur ein immer höheres Fondsvolumen auf, sondern besitzt durch die Reinvestitionen auch immer mehr Fondsanteile. Auch dadurch kommt der stärkere Wachstumseffekt zustande.

Ein kleines, theoretisches Beispiel:

Hierzu bitte beachten:

  1. Der Einfachheit und Übersichtlichkeit halber wurde auf eine Sparplan-Struktur mit weiteren, monatlichen Investitionen verzichtet.
  2. Ebenso der Einfachheit halber basiert das Beispiel darauf, dass die Rendite unverändert bleibt. In der Realität ist diese Situation unwahrscheinlich, da Fonds permanenten Schwankungen am Kapitalmarkt unterliegen.
Ausschüttender Fonds Thesaurierender Fonds
Investition / Rendite 10.000 Euro / 7 % 10.000 Euro / 7 %
Rendite nach einem Jahr 700 Euro 700 Euro
Rendite nach drei Jahren 2.100 Euro 2.250,43 Euro
Rendite nach fünf Jahren 3.500 Euro 4.025,52 Euro
Rendite nach neun Jahren 4.900 Euro 8.384,59 Euro
Erläuterung Sofern es dauerhaft bei einer Rendite von 7 % bleibt, bekommt man Jahr für Jahr 700 Euro aus dem Fonds. Der Fondswert beläuft sich auch nach neun Jahren noch auf die identischen 10.000 Euro. Die Rendite stammt übrigens hauptsächlich aus den Dividenden der Aktien. Die 700 Euro aus dem ersten Jahr fließen zurück in den Fonds und rufen schon im zweiten Jahr ein kleines Rendite-Plus hervor. Nach neun Jahren hat man durch die Thesaurierung fast die doppelte Rendite.

(Bei der Tabelle handelt es sich um ein theoretisches Beispiel und nicht um reale Zahlen, Kurse von Aktienfonds unterliegen ständigen Schwankungen)

Ferner weisen ausschüttende Fonds und thesaurierende Fonds neben der Rendite auch Unterschiede bei den Kosten auf. Insbesondere hinsichtlich des Ausgabeaufschlags. Dieser fällt immer dann an, wenn Investoren neue Fondsanteile kaufen. Weil die Gewinne bei einem thesaurierenden Fonds nicht „neu von außen kommen“ und im Fonds verbleiben, entfällt die Gebühr bei diesen. Möchten Investoren aber die mit einem ausschüttenden Fonds erzielten Gewinne „manuell reinvestieren“, dann müssen sie die Gebühr und meist noch Transaktionskosten bezahlen.

 

Hinsichtlich dieser Situation haben thesaurierende Fonds auch einen Aufwandsvorteil.

Wobei das alles aber nicht bedeutet, dass thesaurierende Fonds besser als ausschüttende Fonds sind. Sie richten sich an unterschiedliche Gruppen.

  • Thesaurierende Fonds richten sich eher an Investoren mit einem Investitionshorizont von mehreren Jahren (um den Zinseszinseffekt ideal auszunutzen).
  • Ausschüttende Fonds richten sich eher an Investoren, die eine Art passives Nebeneinkommen erzielen möchten (durch die dauerhaften Ausschüttungen) und keine maximale Rendite anstreben.

Innerhalb eines diversifizierten Portfolios ist auch ein Mix aus beiden Fondsarten denkbar. Ebenso existieren teilausschüttende Fonds, die einen Teil der erzielten Gewinne reinvestieren und den anderen Teil ausschütten. Konzentrieren wir uns dennoch weiter auf die thesaurierenden Fonds.

Thesaurierende Fonds reinvestieren erzielte Gewinne direkt. Aber wie kommen die Gewinne zustande und wie funktionieren die Reinvestitionen konkret?

Die Gewinne thesaurierender Fonds können auf verschiedene Arten und Weisen zustande kommen. Grundsätzlich werden die Gewinne bei allen Investmentfonds durch sich positiv entwickelnde Kurse erzielt. Obendrauf kommen weitere Posten. Bei Rentenfonds sind es beispielsweise die Zinsen der Anleihen, bei Aktienfonds sind es die Dividenden der enthaltenen Unternehmen. Bei offenen Immobilienfonds wirken sich wiederum die Mieteinnahmen einzelner Immobilien oder Verkäufe dieser mit auf den Gewinn aus.

Bei offenen Investmentfonds ist es dann so, dass die erzielten Gewinne in Summe ins Fondsvolumen fließen und dann mit den Fondsanteilen der einzelnen Investoren verrechnet werden. Dadurch erhöht sich auch die Anzahl der Fondsanteile.

Genauso läuft es mit den Kosten. Diese werden dem Fondsvolumen entnommen und einmal mehr mit den Fondsanteilen der einzelnen Investoren verrechnet. Das schmälert die Gewinne wieder. Und so entwickeln sie sich, bis die Investoren sich entscheiden, das Geld mitsamt der Rendite abzuziehen und sich auszahlen zu lassen.

Bis zu diesem Auszahlen musste man bisher keine Steuern bezahlen. Nun ändert sich das mit der steuerlichen Vorabpauschale. Was hat es damit auf sich?

Der BVI (Deutscher Fondsverband) erklärt die seit 2019 bestehende Vorabpauschale (Investmentsteuerreform) so, dass die Finanzämter schon heute eine noch nicht realisierte Rendite pauschal besteuern. Teilweise entfällt damit der steuerliche Vorteil eines thesaurierenden Investmentfonds.

Denn statt die Steuern wie bisher effektiv dann zu zahlen, wenn man die Fondsanteile verkauft, zahlt man schon heute eine steuerliche Teilsumme.

Der Rest der zu zahlenden Steuern fällt dann nach wie vor beim Verkauf der Fondsanteile an. Man zahlt also nicht doppelt.

Natürlich fällt die Pauschale – auf den einzelnen Fondsanteil berechnet – ziemlich überschaubar aus. Jedoch macht es die Masse und bei hohen Fondsinvestitionen sowie Renditen kann die Vorabpauschale das Fondsvolumen temporär merklich schmälern.

Die Vorabpauschale wird durch die Depotbank ermittelt. Dafür nimmt man sich den Basisertrag eines Fonds für das Vorjahr vor. Man berechnet ihn in drei Schritten:

  1. Basiszins der Deutschen Bundesbank zum aktuellen Zeitpunkt vornehmen.
  2. Diesen Basiszins um 30 % reduzieren.
  3. Den um 30 % reduzierten Basiszinssatz mit dem Rücknahmepreis eines Fondsanteils zum selben Zeitpunkt ein Jahr vorher verrechnen.

Formel: Basisertrag = Rücknahmepreis eines Fondsanteils * (Basiszins * 0,7).

Wenn sich der Basiszins der Bundesbank also aktuell auf 1 % beliefe, dann würde man im ersten Schritt mit 0,7 % weiterrechnen. Beliefe sich der Rücknahmepreis eines Fondsanteils vor einem Jahr auf 100 Euro, dann würde man diese mit den 0,7 % verrechnen. Heraus kommt ein Basisertrag von 70 Cent. Diese 70 Cent werden für alle einzelnen Fondsanteile als Vorabpauschale ans Finanzamt übermittelt.

Die Vorabpauschale hat das Ziel, Ungleichbehandlungen zwischen deutschen und ausländischen Fonds zu richten, steuerliche Schlupflöcher zu reduzieren oder zu schließen und den Aufwand beim Besteuern zu vereinfachen. Die Investmentsteuerreform trat zum 01.01.2019 rückwirkend zum 01.01.2018 in Kraft. Demnach wurden thesaurierende Fonds zum Jahreswechsel 2018 / 2019 schon das erste Mal um die Vorabpauschale reduziert.

Die Vorabpauschale trifft zunächst nur auf inländische Fonds zu. Renditen aus ausländischen thesaurierenden Fonds müssen wie bei ausschüttenden Fonds einmal im Jahr versteuert werden (durch Angabe in der Einkommensteuererklärung). Für die Reinvestitionen bleibt nur das Netto nach den Steuern. Weitere Ausnahmen bilden Riester- und Rürup-Renten. Auch hier entfällt die steuerliche Vorabpauschale.

Gibt es auch thesaurierende ETFs / Indexfonds? Und wie verhält es sich hier mit der Vorabpauschale?

Weil insbesondere ETFs meist eine thesaurierende Struktur aufweisen und erzielte Renditen automatisch reinvestieren, sind auch diese von der steuerlichen Vorabpauschale betroffen. Trotzdem können Investoren mit ihnen eine potentiell höhere Rendite als mit normalen thesaurierenden Fonds erzielen.

ETFs sind Indexfonds oder auch passive Investmentfonds und bilden bestehende Indizes automatisiert nach. So kommen sie ohne ein aktives Fondsmanagement aus, das bei normalen thesaurierenden Investmentfonds höhere Kosten verursacht. Die Kosten eines ETFs pendeln sich normalerweise bei unter einem halben Prozent ein.

So weisen die ETFs / Indexfonds von WeltInvest beispielsweise jährliche Gebühren von nur 0,49 % auf. Investoren können sich entscheiden, ob sie in ein eher chancenorientiertes oder ein eher sicherheitsorientiertes Portfolio investieren möchten. Währenddessen umfassen die Gebühren beispielsweise eines aktiven Aktienfonds etwa 2,26 % im Jahr. Robo-Adviser befinden sich mit durchschnittlich etwas mehr als einem Prozent dazwischen.

Trotz der sehr überschaubaren Gebühren kommen ETFs sehr nah an die Rendite der entsprechenden Indizes heran und sie sind ebenso diversifiziert. Vor allem auf Dauer kann die Rendite eines thesaurierenden ETFs deshalb noch einmal deutlich höher ausfallen als mit einem thesaurierenden aktiven Investmentfonds. Hierzu existieren entsprechende wissenschaftliche Befunde (ETFs vs. Fonds).

Fazit

Thesaurierende Fonds sind zurecht die beliebteren Investmentfonds. Durch die Reinvestition der erzielten Gewinne kann ein auf Dauer stärkeres Rendite-Wachstum erzielt werden.

Wer sich dann statt für aktive thesaurierende Fonds für passive und ebenso thesaurierende Indexfonds entscheidet – also für ETFs – kann viele Gebühren einsparen und das Renditepotenzial noch einmal erhöhen. WeltInvest bietet mit global diversifizierten ETF-Portfolios eine Basis für ein preiswertes und thesaurierendes Portfolio.

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