Was steckt hinter dem Ausgabeaufschlag?

Definition:

Immer dann, wenn man beispielsweise Fondsanteile kaufen möchte, fallen einmal zu entrichtende Gebühren an, die sich prozentual am Anteilswert berechnen. Diese Gebühren bezeichnet man als Ausgabeaufschlag oder in manchen Fällen auch „Load“ oder „Agio“. Er umfasst je nach Fonds zwischen 0 und 7 % des Anteilswerts und soll in erster Linie den Fondsvertrieb (meist nicht direkt über die Emittenten, sondern über Banken und Berater) einschließlich beratender Services finanzieren. In der Fachsprache ist von der „Differenz zwischen dem Ausgabepreis eines Wertpapiers und dem Anteilswert“ die Rede.

Dabei kann der Ausgabeaufschlag in zwei Varianten berechnet und bezahlt werden, einmal in der Nettomethode und einmal in der Bruttomethode. Hier kommt es zu minimalen Unterschieden bei den tatsächlich investierten Fondsanteilen. Weiter unten finden sich verschiedene Rechenbeispiele hierzu.

Weil der Ausgabeaufschlag recht teuer werden kann, haben sich mittlerweile auch Fonds herauskristallisiert, die auf ihn verzichten. Diese Fonds ohne Ausgabeaufschlag nennt man im Fachterminus „No-Load-Fonds“. Oft sind sie für Anleger aber nicht so attraktiv, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Denn wo der Ausgabeaufschlag fehlt, sind die laufenden Kosten meist höher. Das macht sich dauerhaft in der Rendite bemerkbar.

Außer in die aktiven (No-Load-)Fonds kann man noch in ETFs / passive Fonds investieren, bei denen der Ausgabeaufschlag normalerweise entfällt. Zudem ist der Ausgabeaufschlag nicht mit den laufenden Gebühren zu verwechseln. Diese fallen bei passiven Fonds ohnehin deutlich niedriger als bei aktiv gemanagten Investmentfonds aus. So umfassen beispielsweise die laufenden und alles beinhaltenden Kosten bei WeltInvest, den ETF-Portfolios von WeltSparen, durchschnittlich nur 0,49 % im Jahr.

Tiefere Details, einfache Rechenbeispiele und wie man den Ausgabeaufschlag (auch ohne ihn in Prozent zu wissen) herausbekommt, haben wir Ihnen in diesem Artikel aufbereitet.

Woher kommen die Terme „Agio“ und „Load“?

Im Deutschen und bei Investmentfonds ist am ehesten von einem Ausgabeaufschlag die Rede. Wörtlich geht es um einen preislichen Aufschlag für die Ausgabe der Fondsanteile Doch es existieren auch die Terme „Agio“ und „Load“. Alle drei Terme meinen dasselbe, zwischen ihnen bestehen keine Unterschiede.

 

Was bedeutet „Agio“ und wo kommt es her?

Das Wort Agio stammt aus dem Italienischen, wie tatsächlich viele andere Bank-spezifischen Wörter (beispielsweise „Giro“ und „Konto“) auch. Es bedeutet so viel wie „Bequemlichkeit“ und „Spielraum“. Zum Fonds passt am ehesten der „Spielraum“, da das Agio eine Art Provision für die Bank oder Fondsgesellschaft darstellt, die Fondsanteile vermittelt.

Es ist die Differenz zwischen dem Rücknahmepreis eines Fondsanteils und dem höheren Preis, den man beim Fondskauf bezahlen muss. Das wird bei den Rechenbeispielen weiter unten deutlich. Das Agio ist rabattierbar, auch in dieser Perspektive passt der „Spielraum“ als übersetzter Term. Ganz fachlich korrekt übersetzt würde Agio „Aufgeld“ heißen.

 

Was bedeutet „Load“?

„Load“ stammt wiederum aus dem Britischen und kann in dem Kontext mit „Last“ übersetzt werden, die man finanziell trägt, wenn man Fondsanteile kaufen möchte.

Genauer spricht man auch nicht von der Load alleine, sondern von einer “front-end load” (Ausgabeaufschlag), einer “back-end load” (Rücknahmeabschlag) und einer “level-load” (solange der Investor seine Fondsanteile hält).

Im Deutschen benutzt man die britischen Wörter eher selten.

 

Was hat es mit dem Rücknahmeabschlag oder Disagio auf sich?

Tatsächlich existiert neben dem Ausgabeaufschlag auch noch der Rücknahmeabschlag. Er ist praktisch das Gegenteil von ersterem und bezeichnet die Gebühr, die beim Verkauf von Fondsanteilen anfallen kann. Dementsprechend ist dann auch nicht mehr vom Agio die Rede, sondern vom Disagio („Abgeld“). Fachlich korrekt wäre vom „Preisabschlag auf den Nennwert eines Wertpapiers“ die Rede. Obwohl man den Rücknahmeabschlag laut Gesetz seit 2010 erheben darf, ist die Gebühr in Deutschland unüblich. Insbesondere bei britischen Fonds sind sie dafür umso üblicher und fallen meist umso überschaubarer aus, je länger ein Investor seine Fondsanteile behält.

Wie hoch ist der Ausgabeaufschlag bei einzelnen Fondsarten?

Es bestehen Unterschiede, wie hoch der Ausgabeaufschlag durchschnittlich ausfällt – insbesondere in der Hinsicht, auf welche Fondsarten man schaut. So weisen beispielsweise Aktienfonds meist einen höheren Agio von 5 bis 6 % auf. Bei Rentenfonds ist die Gebühr mit durchschnittlich 3 % wiederum etwas niedriger.

Letztendlich ist der Ausgabeaufschlag nicht der einzige Punkt zum Orientieren, in welche Fonds man investiert, da auch die Performance eines Fonds zählt. Beide Dimensionen müssen im Verhältnis betrachtet werden.

Die Gebühren werden durch den Emittenten des Fonds bestimmt. Durch Rabatte kann es etwa auch vorkommen, dass das Agio halbiert wird oder komplett entfällt. Insbesondere durch die große Konkurrenz von passiven Investmentfonds wie ETFs und Indexfonds ist der Druck auf die Emittenten von aktiven Investmentfonds Fonds höher als vor ein paar Jahren.

Denn bei ETFs und Indexfonds muss man keinen Ausgabeaufschlag bezahlen (noch dazu sind die laufenden Kosten deutlich niedriger) und daher sind alle gängigen aktiv gemanagten Fonds auch ohne diese Gebühr erhältlich. Beispielsweise im Internet bei sogenannten Fondsdiscountern.

Wer bekommt den Ausgabeaufschlag?

Wenn man Fondsanteile kauft und dafür beispielsweise 5 % der Investitionssumme als Ausgabeaufschlag bezahlt, wer bekommt diese 5 % dann? Tatsächlich nicht immer der Emittent, sondern manchmal auch das Unternehmen, das die Fondsanteile vermittelt hat.

Sollte man die Fondsanteile also bei einer Bank kaufen und sich von dieser beraten lassen, dann fließen die 5 % in den Umsatz der Bank.

Wenn man die Fondsanteile durch einen Finanzberater oder ein bankfernes Beraterhaus vermittelt bekommt, würde dieser / dieses die 5 % erhalten.

Nur, wenn man die Anteile direkt beim Emittenten kauft, dann bleiben die 5 % bei ihm.

Wann muss man das Agio bezahlen?

Das Agio fällt sofort beim Fondskauf an.

Meistens vereinbaren Anleger einen Fondssparplan, in dem sie monatlich eine bestimmte Summe Geld in einen Fonds einzahlen. Immer, wenn neue Fondsanteile dazu kommen, wird der Ausgabeaufschlag automatisch von der eingezahlten Summe abgezogen – oder es kommt die Bruttomethode zum Einsatz, bei der der Ausgabeaufschlag zu der einzuzahlenden Summe noch dazukommt.

Wie das jeweils abläuft, wird in den Rechenbeispielen unterhalb deutlich.

Beispiele: Wie berechnet sich der Ausgabeaufschlag netto / brutto? 

Nettomethode:

Bei der Nettomethode (Standard) wird der Ausgabeaufschlag, in diesem Beispiel 5 %, auf Basis des Rücknahmepreises (also auf Basis des Fondsanteilwerts) berechnet. Entscheiden sich Investoren also dazu, 100 Euro einzuzahlen, dann erhalten sie Fondsanteile im Wert von nur 95,24 Euro. Die vereinbarten 100 Euro entsprechenden beim hier vorherrschenden Agio von 5 % also dem Faktor 1,05. Ändern sich die Zahlen und zahlen Anleger nur noch beispielsweise 82 Euro ein, dann erhielten sie Fondsanteile im Wert von 78,10 Euro.

Bruttomethode:

Bei der Bruttomethode (eher selten verwendet) wird der Ausgabeaufschlag auf Basis des Ausgabepreises (also was die Investoren investieren möchten) bestimmt. Sofern Anleger auch hier 100 Euro einzahlen, erhalten sie nur Fondsanteile im Wert von 95 Euro. Die 5 % Agio werden auf die 100 Euro erhoben und nicht auf den tatsächlichen Anteilswert wie bei der Nettomethode. Zahlen Anleger auch hier nur 82 Euro ein, dann bekämen sie Fondsanteile im Wert von 77,90 Euro.

Zwischen Bruttomethode und Nettomethode werden also immer minimale Cent-Unterschiede bei den Fondsanteilen deutlich. Umso weiter auseinander befinden sich die Werte bei hohen Investitionssummen. Man kann also beobachten, dass der Ausgabeaufschlag sofort an der Rendite zehrt. Und dass der Fonds den Wert der Gebühr erst einmal wieder aufholen muss, bei einem Fondssparplan sogar jeden Monat aufs Neue.

Der Ausgabeaufschlag muss im Fondsprospekt sowie in den allgemeinen Anlegerinformationen ausgewiesen werden. Wenn der Ausgabeaufschlag in Prozent nicht direkt ersichtlich ist, kann man ihn sehr exakt selbst berechnen. Dafür braucht man nur den aktuellen Ausgabepreis und den aktuellen Rücknahmewert eines Fondsanteils. Der Rücknahmewert ist der wirkliche Wert eines Fondsanteils zum momentanen Zeitpunkt. Der Ausgabepreis beinhaltet wiederum den Ausgabeaufschlag. Dementsprechend ist die Differenz zwischen beiden ebendieser.

Mathematische Formel: Ausgabepreis mit 100 multiplizieren, dann durch den Rücknahmepreis dividieren und 100 subtrahieren. Das Resultat ist der Ausgabeaufschlag in %.

Dies entspricht der Nettomethode.

Lohnt es sich, bewusst nach rabattierten oder „kostenlosen“ Fondsanteilen zu suchen?

Für Anleger lohnt es sich immer, nach stark rabattierten Fondsanteilen Ausschau zu halten. Objektiv beurteilt, handelt es sich beim Ausgabeaufschlag um eine nicht mehr zeitgemäße Gebühr, da viele Fonds online bereits ohne Ausgabeaufschlag erhältlich sind. Vermittler erhalten Zuflüsse oft nicht mehr über den Ausgabeaufschlag, sondern über “Bestandsprovisionen”. Diese werden als laufende Kosten direkt dem Fondsvolumen entnommen und oft nicht transparent kommuniziert.

Andererseits kann es sein, dass durch diese Bestandsprovisionen und auch ansonsten höhere Posten die laufenden Kosten höher als bei Fonds mit Ausgabeaufschlag sind. Die höheren laufenden Gebühren sind durchaus ein Problem der No-Load-Fonds.

Laut Stiftung Warentest reduziert ein monatlich anfallender Ausgabeaufschlag von 5 % bei einer angenommenen Rendite von 7 % (entspricht etwa Aktienfonds) und einer Laufzeit von 5 Jahren die Rendite auf nur noch 5,06 % hinunter. Die Verwaltungsgebühren kommen noch dazu und reduzieren die Rendite ferner. Bleiben Anleger aber mehr als fünf Jahre dabei, etwa 10 Jahre, dann nimmt die „Restrendite“ wieder um einen Prozent zu.

Geldmarktfonds sind wiederum ein Beispiel, wo der Gebühren-Unterschied nicht zutrifft. Hier werden die Fondsanteile dank der sehr überschaubaren Wertentwicklung üblicherweise ohne Agio verkauft, um eine weiterhin rentable Investition zu ermöglichen.

Die Fondsauswahl wird so zu einem Rechenexempel und zu einer Sache des Fondsvermittlers sowie der Fondsart. Frei nach dem Motto “Bei welchem Vermittler und mit welchem Fonds zahle ich die niedrigsten Gebühren?”. Die Gebühren sind für Investoren neben der Performance stets ein sehr relevantes Thema.

Was für eine Ausnahme bilden ETFs?

ETFs („Exchange Traded Funds“) sind als Indexfonds wesentlich kosteneffizientere  Investmentfonds. Während die klassischen beispielsweise Aktien- oder Rentenfonds aktiv sind, sind ETFs passiv. Das bedeutet, dass sie nicht durch ein Fondsmanagement verwaltet werden und nicht versuchen, die Märkte zu übertreffen. Sie wollen die Wertentwicklung eines vorhandenen Index automatisiert abbilden (deshalb auch „Indexfonds“).

Dadurch fallen die Gebühren niedriger als bei den aktiven Investmentfonds aus. Es gibt keinen Ausgabeaufschlag und die laufenden Gebühren umfassen nur einen Bruchteil der Gebühren von Fonds mit aktivem Fondsmanagement. So waren ETFs in den letzten Jahren für Investoren nachweisbar die bessere Wahl.

Durch die niedrigeren Gebühren – bei WeltInvest pendeln sich diese bei durchschnittlich 0,49 % p.a. ein – bleibt von der Rendite deutlich mehr über. Währenddessen müssen Investoren bei aktiv verwalteten Mischfonds durchschnittlich 2,26 % p.a. bezahlen, Robo-Advisor-Fonds pendeln sich zwischen beiden ein.

Aus diesem Grund werden ETFs zurecht von vielen Experten als lohnenswerte Alternative zu aktiven Investmentfonds beurteilt. Die ETFs von WeltInvest wurden unter anderem bereits von der unabhängigen Informationsseite Finanztip aktiv empfohlen.

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