Rentenabzüge: Was nach Steuern und Sozialversicherungen von der Rente übrig bleibt

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Rentner müssen diverse Rentenabzüge einplanen. Wer 45 Jahre kontinuierlich arbeitet, dabei das deutsche Durchschnittseinkommen verdient und entsprechend in die gesetzliche Rentenkasse einzahlt, erhält die Standardrente. Sehr viele Menschen arbeiten aber keine 45 Jahre, gehen in Frührente oder zahlen durch schlechtere Einkommensverhältnisse nur unterdurchschnittlich ein. Deshalb ist die Standardrente ein fiktiver Wert und die tatsächlich an Rentner überwiesene Durchschnittsrente ist niedriger als die Standardrente. Zudem sind Renten seit der Steuerreform von 2002 / 2005 steuerpflichtig – auch dahingehend müssen Rentner mit Abzügen rechnen. Welchen Herausforderungen Rentner heute ausgesetzt sind und worauf sie achten sollten, erfahren Sie auf dieser Seite. 

Das Wichtigste in Kürze
  • Das durchschnittliche gesetzliche Rentenniveau umfasst zwischen 40 % und 50 % des letzten Einkommens. Doch die Standardrente und die reale Rente sind durch die Rentenabzüge unterschiedlich. Grund dafür: Viele Menschen schaffen es nicht, die Voraussetzungen für die Standardrente zu erfüllen.
  • Die Durchschnittsrente in den alten Bundesländern umfasste laut dem aktuellen Rentenreport 2019 / 2020 im Jahr 2015 nur 1.076 EUR brutto monatlich, also 12.912 EUR brutto im Jahr. In den neuen Bundesländern waren es 1.257 EUR brutto im Monat, also 15.084 EUR im Jahr.
  • Bisher muss nur ein Bruchteil aller Rentner die Rente tatsächlich versteuern. 2015 waren es gerade einmal 27 %. Denn meist ist das Gesamteinkommen minus Rentenfreibetrag unter dem Grundfreibetrag, der jedem steuerfrei zusteht. Sofern die Rente dennoch über der Freibetragsgrenze liegt, sind die Steuern durch den im Rentenalter niedrigeren Steuersatz kaum zu spüren.
  • Doch: Vom Rentenfreibetrag profitieren eigentlich nur die Rentner, die schon vor 2010 in Rente gingen. 2020 umfasst der Rentenfreibetrag nur noch 20 %, 2030 nur noch 10 % und ab 2040 entfällt er komplett. So müssen viele Rentner bereits heute mit Rentenabzügen steuerlicher Natur rechnen.
  • Es heißt zwar immer, dass Neurentner durch ihren Rentenfreibetrag nur einen bestimmten Anteil von ihrer Rente versteuern müssen. Beispiel 2020: 80 % Besteuerungsanteil und 20 % Rentenfreibetrag. Aber das zählt nur für das erste Jahr. Weil der Bund die gesetzliche Rente jedes Jahr anhebt, dabei aber den Rentenfreibetrag nicht anpasst, nimmt der zu versteuernde Anteil der Rente immer weiter zu. Auch das erhöht jedes Jahr die Wahrscheinlichkeit für Rentenabzüge durch Steuern.
  • Die Rentenabzüge für Sozialversicherungen belaufen sich auf 7,3 % + Hälfte des Zusatzbeitrags für die Krankenversicherung und bis zu 3,3 % der Bruttorente für die Pflegeversicherung. Solange man arbeitet, übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte der Pflegeversicherung – Rentner müssen sie komplett übernehmen.

Wie stabil ist das Rentenniveau?

Im wiedervereinten Deutschland musste das bis dato nur westdeutsche Rentensystem fortan auch die Renten in den neuen Bundesländern mitfinanzieren. Und das auf einem deutlich höheren Niveau. Denn ostdeutsche Arbeitnehmer zahlten durch die in der DDR anderen Lohnverhältnisse weit nicht so viel in die Rentenkasse ein wie westdeutsche Arbeitnehmer. 

Auch der demographische Wandel spielt für das Rentenniveau eine große Rolle. Damit ist die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung gemeint und letztendlich das Verhältnis, wie viele Beitragszahler wie viele Renten finanzieren müssen. 

Das Rentensystem beruht darauf, dass junge Arbeitnehmer die Renten der jetzigen Rentner finanzieren. Die OECD hat diesbezüglich kritische Zahlen veröffentlicht, nach denen bereits im Jahr 2030 62 Rentner auf 100 Beitragszahler kommen werden. Zehn Jahre später sind es den Daten nach sogar 71 Rentner auf 100 Beitragszahler. 

 

Den Beweis liefert die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung: 

(Stand: 2019)

0-20 Jahre 16.209.371 Personen
21-40 Jahre 20.600.781 Personen
41-60 Jahre 23.848.215 Personen
61-80 Jahre 17.641.555 Personen
81 + Jahre 4.866.789 Personen

Die Daten lassen mit fast 24 Millionen Menschen einen Spitzenwert in der Gruppe 41-60 Jahre erkennen. Diese Leute werden nach und nach die nächste Generation der Rentner sein. Und ihnen gegenüber stehen dann nur rund 16 Millionen Nachkommen, die heute bis zu 20 Jahre alt sind. Für ein solidarisches Rentensystem wie in Deutschland sind diese Zukunftsperspektiven schwierig – deshalb empfiehlt die Bundesregierung zusätzlich privat vorzusorgen mit einer Rürup- oder Riester-Rente.

Wie wird die Standardrente berechnet?

  • Das Rentenniveau sinkt – doch was ist mit dem Rentenniveau überhaupt gemeint? Das Rentenniveau gibt das Verhältnis zwischen einer sogenannten Standardrente, auch Eckrente genannt, zum Einkommen eines aktuellen Durchschnittsverdieners an. Die Eckrente beruht auf der Regelaltersrente und zeigt an, wie hoch die gesetzliche Rente eines Durchschnittsverdieners nach 45 Beitragsjahren ist. Die Eckrente umfasst also genau 45 Entgeltpunkte.
  • Beim heutigen Rentenniveau von rund 48 Prozent heißt das: Nach 45 Beitragsjahren erhalten Rentner mindestens 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes, der dann aktuell ist. Sinkt das Rentenniveau, heißt das also nicht, dass die individuell ausgezahlte Rente sinkt, sondern dass die Renten insgesamt langsamer steigen als die Verdienste.
  • Wenn Sie 45 Jahre arbeiten, kontinuierlich das deutsche Durchschnittseinkommen erzielen und den verpflichtenden Prozentsatz in die Rente einzahlen, erhalten Sie nachher die Standardrente. 

 

 

Generell funktioniert das so:

Für jedes Jahr, in dem Sie das durchschnittliche deutsche Einkommen erzielen, erhalten Sie einen Rentenpunkt. 45 Rentenpunkte zum Rentenbeginn = Standardrente oder auch „Regelaltersrente“. Mehr Rentenpunkte = höhere Rente. Weniger Rentenpunkte = niedrigere Rente. So sind diese Szenarien und Rentenhöhen denkbar: 

Sie verdienen durchschnittlich (2020 sind das 3.904 EUR brutto monatlich) Sie verdienen überdurchschnittlich Sie verdienen unterdurchschnittlich (entspricht 2/3 der Deutschen)
Arbeitszeit = 45 J Ø + / ++ - / - -
Arbeitszeit > 45 J (unwahrscheinlich) + + + Eher Ø / -
Arbeitszeit < 45 J (wahrscheinlich) - Chance auf Ø / + - -

Ø = Standardrente
+ = Höhere Rente
+ + = Deutlich höhere Rente
– = Kleinere Rente
– – = Deutlich kleinere Rente

In den alten Bundesländern umfasste die Standardrente 2019 eine Summe von 1.487 EUR brutto im Monat. In den neuen Bundesländern waren es 1.435 EUR brutto. 

Und wie die Tabelle bereits andeutet: Die Mehrheit der Deutschen erreicht die Standardrente nicht. Tatsächlich zahlte die Deutsche Rentenversicherung 2015 in den alten Bundesländern durchschnittlich eine monatliche Rente von nur 1.076 EUR brutto aus. In den neuen Bundesländern waren es mit 1.257 EUR brutto etwas mehr. Das sind erhebliche Rentenabschläge.

Warum ist das so? 

Viele Menschen arbeiten schlicht keine 45 Jahre. Wer beispielsweise vor dem Beruf noch studiert, verlässt die Uni laut Statistik von 2019 durchschnittlich mit 23,6 Jahren. Bis 67 – also zur Regelaltersgrenze – bleiben dann nur noch 43,4 statt 45 Jahre. 

Und wer ohnehin früher als mit 67 in Rente möchte oder beispielsweise durch psychische oder körperliche Krankheit nicht weiter arbeiten kann, hat weitere Rentenabschläge zu befürchten. Und zwar minus 0,3 % pro Monat bis zum normalen Renteneintritt plus die Konsequenzen von weniger Rentenpunkten durch noch weniger Beitragsjahre. 

Kompensieren lässt sich das nur mit einem entsprechend hohen Einkommen über dem deutschen Durchschnitt. Jenes Durchschnittseinkommen umfasste 2019 laut Statistischem Bundesamt aber 3.994 EUR brutto im Monat. Die Statistik ist nicht repräsentativ. Denn tatsächlich haben 2/3 der Deutschen ein Einkommen von weit unter 3.994 EUR brutto und eine kleinere Zahl an absoluten Topverdienern zieht den Durchschnitt nach oben. 

Die meisten Menschen stecken also in der Situation, dass sie 

  1. weniger als 45 Jahre in die Rente einzahlen,
  2. früher in Rente möchten,
  3. durch Krankheit in Frührente müssen,
  4. ein eher unterdurchschnittliches Einkommen erzielt haben
  5. in Teilzeit arbeiten
  6. oder mehrere Punkte zusammen.

Was das Einkommen betrifft: Hier beurteilt man nicht nur, ob man einen „guten“ oder einen „schlechten“ Job hat und dementsprechend „gut“ oder „schlecht“ verdient. Relevante Aspekte sind auch gesellschaftskritische Themen wie die Gender Pay Gap. Ebenso spielt das Arbeitsverhältnis an sich eine Rolle, also ob in Vollzeit oder Teilzeit. Viele Menschen entscheiden sich dazu, nur noch in Teilzeit zu arbeiten, um mehr Zeit für sich oder als Elternteil auch für das Kind und die Familie zu haben. 

In den alten Bundesländern umfasste die Standardrente 2019 eine Summe von 1.487 EUR brutto im Monat. In den neuen Bundesländern waren es 1.435 EUR brutto. 

Und wie die Tabelle bereits andeutet: Die Mehrheit der Deutschen erreicht die Standardrente nicht. Tatsächlich zahlte die Deutsche Rentenversicherung 2015 in den alten Bundesländern durchschnittlich eine monatliche Rente von nur 1.076 EUR brutto aus. In den neuen Bundesländern waren es mit 1.257 EUR brutto etwas mehr. Das sind erhebliche Rentenabschläge.

Hinweis: Wer durch Krankheit in Frührente muss, wird vom Staat zusätzlich unterstützt. Das Stichwort lautet hier Erwerbsminderungsrente.

Privat für den Ruhestand sparen und Lücke kompensieren?

  • Die grundsätzlichen Rentenabzüge noch vor Steuern und Sozialversicherungen lassen eine Lücke – oder eher schon eine Kluft – zwischen der Rente und dem Arbeitseinkommen davor entstehen.
  • Sie können diese Lücke durch eine private Altersvorsorge kompensieren – dabei haben Sie diverse Möglichkeiten. 

 

Eine Möglichkeit sind ETF-gestützte und damit chancenreiche Varianten der klassischen Riester-Rente, Rürup-Rente und betrieblichen Altersvorsorge / Betriebsrente. Bei den letzten Dreien profitieren Sie neben den Kapitalerträgen auch von teils sehr hohen Steuervorteilen während der Ansparphase. 

Anleger müssen aber daran denken, dass Sie auch bei den privaten Renten Rentenabzüge zu erwarten haben. Gerade bei Riester-, Rürup- und Betriebsrenten fallen Steuern und Sozialabgaben an.

Steuern: Wann Sie Ihre Rente tatsächlich versteuern müssen

  • 2005 trat das Alterseinkünftegesetz in Kraft – dessen wesentlicher Bestandteil: die „nachgelagerte Besteuerung“. Vorsorgeaufwendungen werden zunehmend steuerlich absetzbar, dafür muss die spätere Rente versteuert werden.
  • Der Gesetzgeber gewährt Neurentnern noch bis 2039 einen immer kleiner werdenden Rentenfreibetrag. 2005 umfasste dieser noch 50 % der Rente, 2020 sind es noch 20 % und bis 2040 sinkt er jedes Jahr um 1 % ab bis auf 0 %. 

Ab 2005 galt dann die Richtlinie, dass jeder Rentner die Rente zu mindestens 50 % versteuern muss. Viele Rentner haben am Ende doch eine steuerlich abschlagsfreie Altersrente: 

Denn Sie müssen Ihre Rente nur versteuern, wenn das Gesamteinkommen abzüglich Rentenfreibetrag und weiteren absetzbaren Ausgaben den Grundfreibetrag des entsprechenden Jahres übersteigt. Der Grundfreibetrag steht jedem Steuerzahler in Deutschland zu. 2020 belief er sich auf 9.408 EUR, in den Jahren 2021 und 2022 sollen es laut Gesetzentwurf 9.696 EUR und 9.984 EUR sein. 

Nach zuletzt veröffentlichten Zahlen mussten nur 27 % aller Rentner Steuern zahlen. Und selbst bei diesen 27 % dürften sich die Rentenabzüge durch Steuern dank einem im Alter geringeren Einkommensteuersatz in Grenzen gehalten haben. Wie hoch die Steuerlast einzelner Rentner war, ist allerdings nicht bekannt. 

Wie der Rentenfreibetrag genau funktioniert, was nach Steuern noch bleibt und warum sich Richter beim Bundesfinanzhof mit dem aktuellen Rentensystem auseinandersetzen, lesen Sie auf unserer Seite zur Rentenbesteuerung. Informationen zur Steuererklärung finden Sie im Artikel zur Steuererklärung für Rentner.

Abschläge Sozialversicherungen: Bis zu 10,6 % + Zusatzbeitrag der Krankenkasse

  • Auch Rentner müssen Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung leisten, was für weitere Rentenabzüge sorgt. 
  • Für die Krankenversicherung fällt ein Abschlag von insgesamt 14,6 % der Rente an. Die Rentenversicherung übernimmt aber die Hälfte davon. Für Sie bedeutet das: Minus 7,3 % und nochmal minus 50 % des Zusatzbeitrags. 2020 umfasste dieser durchschnittlich 1,1 %. 2021 soll er durchschnittlich 1,3 % umfassen.   
  • Für die Pflegeversicherung müssen Sie mit einem Abschlag von minus 3,05 % rechnen. Im Arbeitsleben übernahm der Arbeitgeber die Hälfte davon, in der Rente müssen Sie das allein bezahlen
  • Wurden Sie nach 1939 geboren und sind Sie kinderlos, fallen +0,25 % an. Sie müssen dann Rentenabzüge in Höhe von 3,3 % für die Pflegeversicherung einrechnen.
Monatliche Rente 1.400 EUR brutto
Krankenversicherung - 102,20 EUR (7,3 %)
Pflegeversicherung - 42,70 EUR (3,05 %)
Pflegeversicherung (bei ab 1939 Geborenen ohne Kinder) - 46,20 EUR statt 42,70 EUR (3,3 %)
Zusatzbeitrag zur Krankenkasse - 7,70 EUR (basierend auf Durchschnitt 1,1 % im Jahr 2020 und davon die Hälfte)
Rest nach Sozialversicherungen 1.247,40 EUR
Rest nach Sozialversicherungen (bei ab 1939 Geborenen ohne Kinder) 1.243,90 EUR

Die Beitragsbemessungsgrenze zur Krankenversicherung ist für Rentner meist irrelevant. Damit die Grenze greift, bräuchten Sie 2020 eine Monatsrente von mindestens 4.687,50 EUR brutto. 2021 steigt die Beitragsbemessungsgrenze zur Krankenversicherung auf 4.837,50 EUR brutto an. Nur, wer eine höhere Rente erzielt, würde von der Beitragsbemessungsgrenze profitieren.

Hinweis: Das trifft nur nur bei gesetzlich pflichtversicherten oder freiwillig gesetzlich versicherten Personen zu. Wenn Sie privat krankenversichert sind, spielen diese Rentenabzüge für Sie keine Rolle. Sie bezahlen dann die mit Ihrer privaten Krankenkasse vereinbarte monatlichen Prämie.

Fazit

Das Rentenniveau sinkt, die Steuern nehmen zu, und dann müssen Rentner auch noch bis zu 10,6 % + Zusatzbeitrag für die Krankenkasse einplanen. Jedoch muss man auch festhalten, dass sich die Beiträge zur Sozialversicherung – die Rentner schon immer zahlen mussten – sowie die Steuern im Rahmen halten. Das aufgrund der Rentenabzüge viel als „unfair“ bezeichnete Rentensystem ist am Ende nicht so unfair wie viele meinen. Denn es ist nicht nur so, dass der Staat seit 2005 auf einmal „zulangt“. Er gewährt auf der anderen Seite auch überaus attraktive Steuervorteile. Von denen können alle Menschen profitieren, die private Altersvorsorge betreiben und die Beiträge in der Steuererklärung angeben.

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