Abgeltungssteuer:
Von 100 EUR Rendite bleiben höchstens 73,63 EUR

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Anleger müssen pro 100 EUR Rendite auf mindestens 26,37 EUR verzichten – zumindest, wenn Sie Ihrer Bank oder Ihrem Anbieter keinen Freistellungsauftrag 🡪 erteilt haben. 

Warum? Weil Kapitalerträge aus Zinsen, Dividenden, Zertifikaten und Verkäufen von allerlei Wertpapieren der Abgeltungssteuer unterliegen. Diese Steuer existiert seit 2009. Sie ist eine „Neuauflage“ der früheren Kapitalertragsteuer und ersetzte das bis 2009 bestehende Steuersystem. Und zwar mit einer entscheidenden Änderung: Inländische Banken führen die Steuer ab sofort automatisch an die Finanzbehörden ab und die Steuerschuld ist damit „abgegolten“. Daher auch der Name „Abgeltungssteuer“. 

Was Sie bei der Steuer beachten müssen, erfahren Sie auf dieser Seite. 

Hinweis: 

Die Abgeltungssteuer wird manchmal auch als Kapitalertragsteuer 🡪 bezeichnet. Weil es sich um dieselbe Steuer auf Kapitalerträge handelt, also mit derselben Höhe von durchschnittlich 26,375 % + eventuell Kirchensteuer. 

Von der Abgeltungssteuer ist aber nur die Rede, wenn Banken sie tatsächlich selbst an die Finanzbehörden abführen und wenn die Steuerschuld dadurch abgegolten ist. Darauf kommt es an und mit diesem Hauptmerkmal ist sie nur eine Unterform der Kapitalertragsteuer

Von der Kapitalertragsteuer ist weiterhin immer dann die Rede, wenn Banken die Steuer nicht automatisch an den Fiskus entrichten. Wer etwa bei ausländischen Banken spart und investiert, muss die entstehenden Gewinne noch immer „manuell“ in der Anlage KAP 🡪 der Steuererklärung angeben. Grund dafür ist, dass ausländische Banken nicht mit den deutschen Finanzbehörden verbunden sind.

Das Wichtigste in Kürze
  • Rechtliche Basis der Steuer: § 32d Einkommensteuergesetz (EstG)
  • Beispiel: Sie investieren 1.000 EUR in einen ETF, dieser entwickelt sich ein Jahr mit 8 % Rendite. So erzielen Sie innerhalb eines Jahres 80 EUR Rendite. Diese 80 EUR müssen Sie versteuern, es sei Denn,  Sie erteilen einen Freistellungsauftrag. Denn dann wäre eine bis 801 EUR erzielte Rendite steuerfrei.
  • Die Abgeltungssteuer – und auch die Kapitalertragsteuer – beläuft sich auf 25 % der erzielten Kapitalerträge oder Kapitaleinkünfte. Dazu kommen 5,5 % des Steuerbetrags als Solidaritätszuschlag und eventuell 8-9 % Kirchensteuer je nach Bundesland und Kirchenzugehörigkeit. Gemeinhin ist ein Durchschnittswert von 26,375 % ohne Kirchensteuer bekannt.  
  • Wann zahlen? Sie zahlen die Steuer, sobald die Bank oder der Anbieter Ihnen die Rendite auszahlt. Bei thesaurierenden Anlagen – oft bei ETFs oder Fonds – führt die Bank vorher schon eine minimale, jährliche Steuer-Vorabpauschale ab.
  • Die Abgeltungssteuer erfolgt unabhängig vom Einkommen: Jeder Anleger zahlt denselben Steuersatz von 25 % + Zusätze, ganz gleich wie hoch das Gehalt ausfällt.

Für unsere WeltSparer: 

Obwohl Sie bei WeltSparen Tagesgeld und Festgeld bei unseren Partnerbanken im europäischen Ausland anlegen, brauchen Sie keine Anlage KAP. Evtl. fällt eine Quellensteuer an, je nach Land, in dem die Bank ansässig ist. Denken Sie außerdem an Ihren Freistellungsauftrag, um im laufenden Jahr vom Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 EUR zu profitieren.

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Zinsen und Rendite: Alles muss versteuert werden

Grundsätzlich können Sie sich merken, dass Sie alles versteuern müssen, was Sie nicht vorher mal selbst als Summe investiert haben:

  • Zinsen von Sparkonten, Tagesgeld, Festgeld, Anleihen, etc.
  • Dividenden aus Aktien
  • Kursgewinne bei Fonds, ETFs, Aktien, Anleiheverkäufen etc.
    Hinweis: Seit 2018 sind 30 % der Gewinne von ausländischen aktienbasierten Anlagen pauschal steuerfrei. In einigen Ländern fällt eine Quellensteuer auf Dividenden an. Einen Teil der Quellensteuer konnte man sich vor der Reform noch anrechnen lassen. Seit der Steuerreform 2018 gibt es diese Regel nicht mehr. 

 

  • Für Renditen, die Sie im Ausland erzielen, gilt: Ausländische Banken und Anbieter führen keine Abgeltungssteuer ans Finanzamt ab – Sie brauchen in Ihrer Steuererklärung daher die Anlage KAP 🡪.
  • Gewinne aus Dachfonds: Zu versteuern sind nur Gewinne bei Dachfonds mit Kaufdatum ab 01.01.2009 – bei Kaufdatum vorher sind Gewinne aus Dachfonds steuerfrei.
  • Gewinne aus Anlageklassen wie Zertifikaten mit Kapitalgarantie oder Aktienanleihen sind auch zu versteuern – außer bei Risikozertifikaten ohne Kapitalgarantie, wenn das Kaufdatum vor dem 15.03.2007 liegt und die Haltedauer über ein 1 Jahr ist. 

 

Nebenbei: Abgeltungssteuer mit einem s oder Abgeltungssteuer mit zwei s? Tatsächlich sind laut Duden beide Varianten korrekt. Wir entscheiden uns für die Variante mit zwei s. 

Vorabpauschale: Sie zahlen erst beim Verkauf die volle Steuer, vorab nur die Pauschale

  • Prinzipiell zahlen Sie die Abgeltungssteuer in voller Höhe, sobald Sie sich Kapitalerträge auszahlen lassen oder diese ausgeschüttet werden
  • Bei thesaurierenden – also automatisch wiederanlegenden – ETFs und aktiven Fonds würde das aber bedeuten, dass der Staat erst am Ende was bekommt, wenn Sie verkaufen. Deshalb fällt seit 2018 eine Vorabpauschale an. 

Die Basis der Vorabpauschale ist das neue seit 2018 bestehende Investmentsteuerreformgesetz, das die steuerliche Situation stark vereinfachen soll. Das Gesetz vereinheitlicht alle ETFs und Fonds, ob ausländisch oder inländisch, ob ausschüttend oder thesaurierend. Die bezahlte Vorabpauschale verrechnet das Finanzamt dann nachher. Überdies ist sie von der entrichteten Summe her kaum nennenswert. 

Nähere Informationen zur Vorabpauschale und Steuersituation bei thesaurierenden ETFs und Fonds finden Sie in unserem Artikel ETFs + Steuern

Hinweis: Aufgrund des negativen Basiszins wird die Vorabpauschale im Jahr 2022 entfallen.

Kirchensteuer: Maximal 27,99 % für Kirchenmitglieder

  • Kirchensteuersatz Bayern & BaWü: 8 % der Steuersumme
  • Kirchensteuersatz in restlichen Bundesländern: 9 % der Steuersumme

 

Wenn Kirchensteuer anfällt, wird die Steuer prozentual um 25 % der anfallenden Kirchensteuer reduziert (siehe Tabelle und Absatz darunter).

Seit 2015 führen Banken und Anbieter die Kirchensteuer zudem automatisch mit ans Finanzamt ab – ob jemand in der Kirche ist, erfahren sie vom Bundeszentralamt für Steuern. Wenn Sie dem widersprechen, denken Sie daran, dass Sie zusammen mit der Steuererklärung die Anlage KAP 🡪 einreichen müssen. 

Prozentsätze: 

Kirchensteuer 8 % (Bayern & BaWü) 9 % (restliche Bundesländer) keine
Abgeltungssteuer 100 : 4,08 = 24,51 % 100 : 4,09 = 24,45 % 25 %
Kirchensteuer auf Abgeltungssteuer 1,96 % 2,20 % entfällt
Solidaritätszuschlag 1,35 % 1,34 % 1,38 %
Prozentsatz 27,82 % 27,99 % 26,375 %

So kommen diese Prozentsätze zustande:

 

1.Wenn Kirchensteuer anfällt, wird die Steuer prozentual um 25 % der anfallenden Kirchensteuer reduziert – das bedeutet, dass man 100 % der Kapitalerträge durch 4 (weil 25 %) +  Kirchensteuersatz je Bundesland teilen muss. Deshalb wird mit 100 : 4,08  (für Bayern und BaWü) beziehungsweise 100 : 4,09 (im restlichen Bundesgebiet) gerechnet.

2. Die Kirchensteuer fällt nicht auf die erzielte Rendite direkt an, sondern auf die Steuersumme der Abgeltungssteuer. Genauso ist es beim Solidaritätszuschlag, der normalerweise 5,5 % umfasst. Am Beispiel Bayern: 8 % von den errechneten 24,51 % sind 1,96 %. Und beim Soli sind 5,5 % von 24,51 % = 1,35 %.

Wer es nicht ganz so detailliert braucht: Merken Sie sich einfach die Steuersätze von 27,82 % in Bayern und Baden-Württemberg, 27,99 % in den anderen Bundesländern oder 26,375 % ohne Kirchensteuer.  

Gemäß dieser Steuersätze bleiben in Bayern und BaWü von 1.000 EUR Rendite 721,80 EUR über. In den anderen Bundesländern sind es 720,10 EUR – der eine Prozent Kirchensteuer macht also keinen besonderen Unterschied. Sind Sie nicht in der Kirche, bleiben von 1.000 EUR 736,25 EUR über. 

Sparerpauschbetrag: Behalten Sie einen Teil der Rendite, ohne Steuern zu zahlen

  • Durch einen Freistellungsauftrag profitieren Sie jedes Jahr von einem Freibetrag speziell für Sparer und Anleger. Bis zu 801 EUR von Ihrer erzielten Rendite sind dann steuerfrei. Bei steuerlich zusammen veranlagten Eheleuten sind es bis zu 1.602 EUR. 
  • Wenn Sie einen Freistellungsauftrag erteilen möchten, müssen Sie das bei jeder Bank, bei der Sie sparen oder investieren, einzeln tun. 
  • Für die Bank bedeutet der Freistellungsauftrag, dass sie bis hin zu der entsprechend vermerkten Rendite keine Abgeltungssteuer ans Finanzamt abführt. 
Rendite im Jahr, ausbezahlt 900 EUR
Minus Sparerpauschbetrag - 801 EUR
Zu versteuernde Rendite 99 EUR
Abgeltungssteuer 25 % - 24,20 EUR
Solidaritätszuschlag 5,5 % - 1,33 EUR
Kirchensteuer 9 % - 2,17 EUR
Gesamtsumme Steuern 27,70 EUR
Rest Rendite 872,30 EUR

Hinweis: Den Prozentsatz bei der Kirchensteuer haben wir hergeleitet. In diesem Beispiel können wir aber wieder mit den 5,5 % bzw. 9 % der errechneten Abgeltungssteuer in Höhe von 24,20 EUR rechnen. Umkehrprobe: Die errechnete Gesamtsteuersumme von 27,70 EUR entspricht rund 27,99 % von 99 EUR zu versteuernder Rendite. 

In besonderen Fällen können Sie sich vom Finanzamt auch eine Nichtveranlagungsbescheinigung oder NV-Bescheinigung ausstellen lassen. Näheres dazu erfahren Sie auf unserer Seite zum Freistellungsauftrag 🡪.

Ausnahmen: Wann müssen Sie keine Abgeltungssteuer bezahlen?

Wenn Ihr Einkommensteuersatz kleiner als der Abgeltungssteuersatz ist, Sie eine Kapitallebensversicherung oder private Rentenversicherung haben oder Alt-Anteile verkaufen, kommen besondere Steuersituationen zustande. 

Einkommensteuersatz < Abgeltungssteuersatz

Wenn Sie ein geringes Einkommen haben – etwa als Student oder Rentner – und der Grenzsteuersatz Ihrer Einkommensteuer unter dem Steuersatz der Abgeltungssteuer liegt, können Sie eine Günstigerprüfung beantragen. Dazu brauchen Sie die Anlage KAP 🡪

Das Finanzamt prüft dann, ob der Grenzsteuersatz der Einkommensteuer tatsächlich niedriger ist. Wenn ja, dann dürfen Sie Ihre Kapitalerträge zum geringeren Einkommensteuersatz versteuern statt zu 25 % + Zusatzsteuern. 

Jedoch zählen Kapitalerträge mit zum Einkommen und mit in den Grenzsteuersatz hinein. Laut Einkommensteuertabelle dürfen Sie im Jahr 2020 mit Löhnen und Renten sowie Kapitalerträgen ein Gesamteinkommen von 16.400 EUR brutto nicht überschreiten. Dann sieht es mit der Günstigerprüfung positiv aus. Ab 16.401 EUR und laut Tabelle vereinzelt auch schon vorher gelten 25 % Grenzsteuersatz. 

Sonderfall Kapitallebensversicherung oder private fondsgebundene Rentenversicherung

Szenario Steuersituation
Vertrag vor 2005 abgeschlossen, Vertragslaufzeit mehr als 12 Jahre und mindestens 5 Jahre eingezahlt Steuerfrei auszahlen lassen
Vertrag vor 2005 abgeschlossen, Vertragslaufzeit unter 12 Jahren oder weniger als 5 Jahre eingezahlt Ertragsanteil* mit 25 % Abgeltungssteuer zzgl. 5,5 % Soli und eventuell Kirchensteuer versteuern
Vertrag ab 2005 abgeschlossen, Vertragslaufzeit mehr als 12 Jahre und Auszahlung frühestens mit 60 Jahren 50 % vom Ertragsanteil mit persönlichem Einkommensteuersatz versteuern
Vertrag ab 2005 abgeschlossen, Vertragslaufzeit weniger als 12 Jahre Komplette Rente mit 25 % Abgeltungssteuer + davon 5,5 % Soli und eventuell Kirchensteuer versteuern

* Der Ertragsanteil ist die Differenz zwischen Ihren selbst investierten Beiträgen und der letztendlich ausbezahlten Versicherungssumme. Also der Gewinn, der über die Zeit entstanden ist.

Steuerfreie Alt-Anteile

Wenn Sie noch Wertpapiere mit Kaufdatum vor 2009 besitzen, haben Sie Grund zur Freude. Denn diese Wertpapiere zählen als Alt-Anteile

Das bedeutet, dass Sie sie heute steuerfrei verkaufen können. Renditen, die Sie bis Ende 2017 erzielt haben, sind automatisch steuerfrei. Ihre Bank hat jene Summe damals als „fiktiven Veräußerungsgewinn“ eingefroren. Fiktiv deshalb, weil Sie die Anteile ja nicht tatsächlich veräußert haben.

Ab 2018 war Ihre Bank aber gemäß Steuerreform verpflichtet, die Vorabpauschale abzuführen. All diese Steuern können Sie sich sehr wahrscheinlich erstatten lassen. Denn Privatanleger genießen für bis zu 100.000 EUR Steuerfreiheit für Renditen, die nach 2018 erzielt wurden . Die „zu viel gezahlte“ Abgeltungssteuer in Form der Vorabpauschale können Sie sich nach dem Verkauf der Alt-Anteile über die Anlage KAP 🡪 in der Steuererklärung zurückholen. 

Fazit

Vor der Abgeltungssteuer, also vor 2009, war das Steuersystem komplex. Anleger konnten viele Freibeträge wahrnehmen, die Gesamtsituation war aber nicht zuletzt durch verschiedene Steuersätze je Gewinnart unübersichtlich. 

Die Abgeltungssteuer machte vieles einfacher und übersichtlicher. Sparer und Anleger können sich merken: Sie müssen auf ihre erzielten Zinsen und Gewinne 26,375 % fürs Finanzamt einplanen – oder inklusive Kirchensteuer entweder 27,82 % in Bayern und BaWü oder 27,99 % in allen anderen Bundesländern. 

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