Steuererklärung für Rentner: Termin, Freibeträge, Absetzbarkeit

Als Arbeitnehmer brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen: Ihr Betrieb führt die anfallenden Steuern sowie die Beiträge zu den Sozialversicherungen direkt an die entsprechenden Behörden ab. Im Rentenalter ändert sich das: Die Rentenkasse überweist – wenn überhaupt – nur noch die Sozialversicherungsbeiträge und hält sich bei den Steuern komplett raus.

Das bedeutet, dass Rentner selbst im Blick behalten müssen, ob sie eine Steuererklärung einreichen und unter Umständen auch Steuern zahlen müssen oder nicht. Die Pflicht zur Steuererklärung besteht, sobald das Finanzamt dazu auffordert oder wenn Ihr Gesamteinkommen abzüglich Rentenfreibetrag den Grundfreibetrag übersteigt. 

Grundfreibetrag 2020 9.408 EUR
Grundfreibetrag 2021 9.696 EUR
Grundfreibetrag 2022 9.984 EUR

Sie müssen also Ihr Gesamteinkommen sowie den Rentenfreibetrag kennen und beides miteinander verrechnen. Zum Einkommen zählen in erster Linie sämtliche vom Staat ausgezahlten Renten sowie eventuelle Riester-Renten, Rürup-Renten und Betriebsrenten. Auch Mieteinnahmen oder Kapitalerträge aus Geldanlagen gehören dazu. 

Wenn das Ergebnis den Grundfreibetrag übersteigt, heißt das erst einmal nur, dass Sie eine Steuererklärung einreichen müssen. Es heißt jedoch nicht, dass Sie auch Steuern zahlen müssen. Denn in der Steuererklärung haben Sie noch die Chance, diverse Ausgaben steuerlich abzusetzen und eventuell vom Altersentlastungsbetrag zu profitieren

Damit setzen wir uns auf dieser Seite auseinander. 

Das Wichtigste in Kürze
  • Durch das Gesetz für Alterseinkünfte, das 2005 in Kraft trat, müssen immer mehr Rentner ihre Rente versteuern („nachgelagerte Versteuerung“). 2015 waren es 27 % aller Rentner – zu dem Zeitpunkt rund 21 Millionen. Inzwischen ist die Zahl der Rentner höher und somit auch der Anteil derer, die Steuern zahlen.
  • Neurentner profitieren aktuell noch von einem Rentenfreibetrag. Dabei handelt es sich um eine bestimmte steuerfreie Summe in EUR, die anhand der Gesamtrente im ersten vollen Rentenjahr prozentual berechnet wird. Für Neurentner im Jahr 2005 galten 50 % der Gesamtrente im ersten vollen Rentenjahr als Freibetrag. 2020 sind es noch 20 % und bis 2040 sinkt der Prozentwert immer weiter ab bis auf 0 %.
  • Wer sein 64. Lebensjahr vollendet hat, kann bei Extraeinkommen neben der staatlichen Rente automatisch vom Altersentlastungsbetrag profitieren. Von den Extraeinkommen neben der staatlichen Rente ist dann ein Leben lang stets dieser Prozentsatz bis zu einer Höchstsumme steuerfrei.
  • Rentner können vieles von der Steuer absetzen. Dazu zählen etwa Krankheits- oder Pflegekosten, die Prämien zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung oder haushaltsnahe Dienstleistungen. Überall herrschen prozentuale Höchstgrenzen für Gesamtsummen.
  • Wer als Rentner eine Steuererklärung einreichen muss, braucht in jedem Fall den Mantelbogen, die Anlage R sowie die Anlage Sonderausgaben. Dazu kommen je nach Situation die Anlage V bei Mieteinnahmen, die Anlage N bei Pension statt Rente oder die Anlage KAP bei zutreffenden Sondersituationen mit Kapitalerträgen.

Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen  Information und stellen keine Steuerberatung dar. Für detaillierte Informationen zu Ihrer Steuersituation wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder an den Lohnsteuerverein.

Pflicht zur Steuererklärung: Ab 9.409 EUR Gesamteinkommen (2020) nach Rentenfreibetrag

  1. Rechnen Sie das Gesamteinkommen aus allen erhaltenen staatlichen sowie privaten Renten und weiteren Einkünften wie Mieteinnahmen oder Zinsen* und Kapitalerträgen* zusammen. 
  2. Ermitteln Sie Ihren Rentenfreibetrag. Dafür ist relevant, in welchem Jahr Sie Rentner wurden und wie hoch die Gesamtsumme der staatlichen Rente im ersten kompletten Rentenjahr war.
  3. Ziehen Sie den entsprechenden Rentenfreibetrag vom errechneten Gesamteinkommen ab. Überschreiten Sie mit Ihren Einkünften den Rentenfreibetrag? Dann müssen Sie eine Steuererklärung einreichen.

* Normalerweise fällt für Zinsen und Kapitalerträge die Abgeltungsteuer 🡪 in Höhe von 25 % + Solidaritätszuschlag + eventuell Kirchensteuer an. Wenn aber Ihr Einkommensteuersatz (Grenzsteuersatz) niedriger als 25 % ist, dürfen Sie die Kapitalerträge zu dem niedrigeren Steuersatz versteuern. Das ist bei vielen Rentnern der Fall. Mehr dazu erfahren Sie auf der Seite zur Anlage KAP 🡪 („Günstigerprüfung“). 

Wie komme ich auf meinen Rentenfreibetrag?

Der steuerpflichtige Besteuerungsanteil für Rentner wird jedes Jahr größer und steigt bis 2040 um 1 % pro Jahr. Der Prozentsatz für den Rentenfreibetrag richtet sich nach dem Jahr des Rentenbeginns und darf bis zum Lebensende vom zu versteuernden Gesamteinkommen abgezogen werden. Ab 2040 werden Renten jedoch voll steuerpflichtig.

Rentenbeginn Prozentsatz Rentenfreibetrag Rentenbeginn Prozentsatz Rentenfreibetrag
Bis einschl. 2005 50 % 2023 17 %
2006 48 % 2024 16 %
2007 46 % 2025 15 %
2008 44 % 2026 14 %
2009 42 % 2027 13 %
2010 40 % 2028 12 %
2011 38 % 2029 11 %
2012 36 % 2030 10 %
2013 34 % 2031 9 %
2014 32 % 2032 8 %
2015 30 % 2033 7 %
2016 28 % 2034 6 %
2017 26 % 2035 5 %
2018 24 % 2036 4 %
2019 22 % 2037 3 %
2020 20 % 2038 2 %
2021 19 % 2039 1 %
2022 18 % Ab 2040 0 %

Der Rentenfreibetrag wird einmal durch das Finanzamt berechnet und bleibt danach fest bestehen. Für Rentner, die beispielsweise 2020 in den Ruhestand wechselten, nimmt das Finanzamt die 20 % und berechnet den steuerfreien Anteil anhand der Rentenbezüge im ersten vollen Rentenjahr. 

Das bedeutet, dass die Beamten den Rentenfreibetrag nicht sofort berechnen, sondern erst, wenn Sie ein ganzes Steuerjahr vom 01.01. bis 31.12. staatliche Rentenbezüge hatten. Zu den staatlichen Rentenbezügen zählen die gesetzliche Rente und Pensionen von berufsständischen Versorgungswerken sowie auch die Rürup-Rente / Basisrente.

Die Riester-Rente oder Betriebsrente und andere private Vorsorgemaßnahmen zählen nicht dazu. Das ist auf das deutsche Schichtensystem der Altersvorsorge zurückzuführen. Die gesetzliche Rente, Pensionen und die Rürup-Rente befinden sich in der ersten Schicht („nicht geförderte, staatliche Basismaßnahmen“). Alles andere ist auf die zweite und dritte Schicht verteilt. Deshalb ist der Rentenfreibetrag dort nicht relevant. 

Hypothetische Beispiele anhand von 15.000 EUR Rente (1.250 EUR monatlich) im ersten vollen Jahr ab 01.01. bis 31.12.: 

Renteneintritt Prozentsatz Rentenfreibetrag Staatliche Rentenbezüge im ersten vollen Jahr Rentenfreibetrag in EUR – jedes Jahr anrechenbar
2005 50 % 15.000 EUR 7.500 EUR
2010 40 % 15.000 EUR 6.000 EUR
2015 30 % 15.000 EUR 4.500 EUR
2020 20 % 15.000 EUR 3.000 EUR
2025 15 % 15.000 EUR 2.250 EUR
2030 10 % 15.000 EUR 1.500 EUR
2035 5 % 15.000 EUR 750 EUR
2040 0 % 15.000 EUR 0 EUR

Beachten Sie, dass für die Steuererklärung das „Gesamteinkommen minus Rentenfreibetrag“ zählt und nicht „Rentenbezüge minus Rentenfreibetrag“. Sie müssen also auch etwaige Mieteinnahmen, weitere Renten aus privater Vorsorge oder Kapitalerträge mit einrechnen. 

Es ist sinnvoll, sich einmal den Rentenfreibetrag auszurechnen – oder sich beim Finanzamt zu informieren – und das Jahr über die monatlichen Einnahmen aufzuschreiben. So können Sie am Ende des Jahres leicht errechnen, ob eine Steuererklärung erforderlich ist oder nicht

Hinweis: Sofern Sie beim Rechnen auf weniger als 9.696 EUR (2021) / 9.984 EUR (2022) kommen, übersteigen Sie den Freibetrag nicht und brauchen nichts einzureichen. Falls das Finanzamt trotzdem eine Steuererklärung haben möchte, setzt es sich mit Ihnen in Verbindung. 

Steuererklärung erforderlich: Mantelbogen + Anlagen

  • Wenn Sie eine Steuererklärung einreichen müssen, bedeutet das nicht, dass Sie auch Steuern zahlen müssen. Sie können jetzt diverse auch hohe Ausgaben wie etwa Ihre Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung von der Steuer absetzen.  
  • Wenn Sie Ihr 64. Lebensjahr vollendet haben und neben der gesetzlichen Rente / Pension bzw. der privaten Zusatzrente Rürup noch weitere Einnahmequellen haben, rechnet das Finanzamt Ihnen automatisch noch den Altersentlastungsbetrag an. 
  • Einnahmen: Um Ihre Renteneinkünfte oder Pensionseinkünfte darzulegen, brauchen Sie neben dem Mantelbogen die Anlage R (für Einkünfte aus Renten) oder Anlage N (Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit). 
  • Ausgaben: Die Anlage Sonderausgaben und Anlage Vorsorgeaufwendungen ist etwa für Ihre Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung vorgesehen. Die Anlage KAP brauchen Sie, falls Sie Kapitalerträge erwirtschaftet haben und u.a. eine Günstigerprüfung beantragen möchten. Ansonsten geben Sie absetzbare Aufwendungen auf dem Mantelbogen an. 

Gut zu wissen: Auch für Rentner gilt bei der Steuererklärung der allgemeine Termin, der für alle Steuerzahler gilt: Wer eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen muss, tut dies bis zum 31.07. eines jeden Jahres. Ausnahmen bilden Fristen, die das Finanzamt festsetzt, wenn es eine Steuererklärung einfordert. 

Ausnahme: 

Obwohl Sie bei WeltSparen Tagesgeld und Festgeld bei unseren Partnerbanken im europäischen Ausland anlegen, fällt möglicherweise eine Quellensteuer an, je nach Land, in dem die Bank ansässig ist. Denken Sie außerdem an Ihren Freistellungsauftrag, um im laufenden Jahr vom Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 EUR zu profitieren.

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Was können Sie von der Steuer absetzen?

Arbeitnehmer können unter anderem die Pendlerpauschale oder Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich absetzen. Beides kann sich deutlich auf die Steuerlast auswirken, fällt aber zum Renteneintritt raus. Trotzdem können Rentner allerhand Posten von der Steuer absetzen.

 

  1. Sonderausgaben:
    Sie können bis zu 1.900 EUR im Jahr an Sonderausgaben geltend machen. Zu den wesentlichen Sonderausgaben zählen Ihre Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung. Falls von den 1.900 EUR nach den Beiträgen noch etwas übrig ist, können Sie auch eine private Haftpflichtversicherung, weitere Krankenversicherungen oder eine Unfallversicherung absetzen. Spenden (mit Nachweis) und Kirchensteuer sind darüber hinaus in unbegrenzter Höhe absetzbar. Sie brauchen in der Steuererklärung die “Anlage Vorsorgeaufwendungen”.
  2. Außergewöhnliche Belastungen:
    Hierzu zählen im Rentenalter eventuelle Krankheits- und Pflegekosten, die die Krankenkasse nicht übernimmt. Dazu zählen beispielsweise nicht übernommene Arztkosten, Medikamente oder Pflegeheimkosten. Sie können die Kosten in voller Höhe angeben. Die Finanzbeamten entscheiden über die „zumutbare Belastungsgrenze“ hinaus individuell, ob und in welcher Höhe sie die Belastungen anrechnen. Die außergewöhnlichen Belastungen tragen Sie im Mantelbogen der Steuererklärung ein.
  3. Haushaltsnahe Dienstleistungen:
    Wenn Sie etwa eine Haushaltshilfe oder einen ambulanten Pflegedienst engagieren, den Lohn überweisen, statt bar zu bezahlen, können Sie 20 % aller Kosten bis höchstens 4.000 EUR im Jahr absetzen (außer Materialkosten). Geben Sie immer die absoluten Kosten an und rechnen Sie nicht selbst schon die 20 % aus – denn das tut das Finanzamt. Haushaltsnahe Dienstleistungen müssen immer auch dort stattfinden, wo man selbst wohnt. Näheres erfahren Sie auf der Seite Steuern sparen 🡪. Auch die haushaltsnahen Dienstleistungen gehören auf den Mantelbogen.
  4. Handwerkerkosten:
    Setzen Sie auch die Kosten von Handwerkern ab, etwa von Sanitär-, Garten- oder Malereibetrieben (außer Materialkosten). Auch hier erkennt das Finanzamt wie bei den haushaltsnahen Dienstleistungen 20 % der Gesamtkosten an, aber nicht mehr als 1.200 EUR. Wenn Sie 7.000 EUR an Handwerkerfirmen bezahlt haben, wären 20 % davon 1.400 EUR. Das Finanzamt rechnet trotzdem nur 1.200 EUR an. Um Handwerkerkosten absetzen zu können, dürfen die Arbeiten nicht in oder an einem Neubau stattfinden und nicht öffentlich – etwa durch die KfW – gefördert sein.  Zudem müssen Sie selbst in dem Wohnobjekt leben und das Geld überweisen, statt bar zu bezahlen. 

Wie funktioniert der Altersentlastungsbetrag?

Der Altersentlastungsbetrag ist ein weiterer Freibetrag, den sich alle Rentner sichern können, die ihr 64. Lebensjahr vollendet und weitere Einnahmen neben der staatlichen Rente haben, also etwa Mieteinnahmen, Riester-Rente oder ein Arbeitslohn bei Personen, die auch in der Rente noch arbeiten. Nur manche Einkünfte sind ausgeschlossen, darunter Betriebsrenten aus betrieblicher Altersvorsorge. 

Der Altersentlastungsbetrag ist flexibel und wird vom Finanzamt automatisch angerechnet, sobald Sie eine Steuererklärung einreichen. 2020 sind es pauschal 16 % der betreffenden Extra-Einnahmen bis maximal 760 EUR im Jahr. Im Jahr 2021 werden es nur noch 15,2 % bis maximal 722 EUR sein. Ab 2040 wird es keinen Altersentlastungsbetrag mehr geben. Für neue Rentnerjahrgänge erhöhen sich die Sätze bis zur vollen Versteuerung ohne Freibeträge. 

Das Prinzip hinter dem Altersentlastungsbetrag ist genau wie beim Rentenfreibetrag. Es zählt das Geburtsjahr und in welchem Jahr man das 64. Lebensjahr vollendet. Danach wird der Altersentlastungsbetrag erstmals anhand des Prozentsatzes festgelegt, der in dem Jahr zutrifft. Das Finanzamt rechnet den Prozentsatz dann immer auf die „Extra-Einnahmen“ neben den staatlichen Bezügen an. 

Beispiel: 

Sie vollenden 2019 das 64. Lebensjahr und haben 2020 Extra-Einnahmen durch eine Riester-Rente in Höhe von 200 EUR im Monat. Das macht 2.400 EUR im Jahr. Das Finanzamt nimmt den geltenden Prozentsatz von 2020 in Höhe von 16 % bis höchstens 760 EUR. 16 % von 2.400 EUR sind in dem Jahr steuerfreie 384 EUR. 

Zwei Jahre später beginnen Sie, eine Immobilie zu vermieten. Dadurch erzielen Sie weitere 7.000 EUR zur Riester-Rente hinzu. Weil die 16 % und höchstens 760 EUR aus 2020 festgeschrieben sind, schöpfen Sie in dem Jahr die vollen 760 EUR aus. Sie dürfen zwar eigentlich 16 % der Gesamteinnahmen absetzen, aber eben nur bis höchstens 760 EUR.

Fazit: Nur wenige Rentner müssen effektiv Steuern zahlen

Grundsätzlich kann man festhalten: Nur etwa jeder dritte Rentner muss überhaupt eine Steuererklärung einreichen. Sofern erforderlich, ist das kein Hexenwerk. Sie brauchen den Mantelbogen und wenige Anlagen für die verschiedenen Einkünfte sowie Ausgaben. Wer nach allen Freibeträgen und absetzbaren Ausgaben immer noch über dem Grundfreibetrag ist, dessen Steuerlast ist meistens überschaubar. 

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