Pensionskasse & Steuer - über Nacht Ihre Steuerlast senken und gleichzeitig etwas fürs Alter tun?

Die Begriffe „betriebliche Altersvorsorge“, „Pensionskasse“ und „Steuern“ bringen viele Menschen schnell dazu auf Durchzug zu stellen. Das führt dazu, dass viele Leute auf die betriebliche Altersvorsorge (bAV) verzichten und so auch auf die damit verbundenen steuerlichen Vorteile. Zwei Punkte sind relevant: Jeder darf in Deutschland bAV betreiben und es ist nicht einmal so komplex. Zudem fördert der Staat einen dabei, indem man für die Investitionen steuerlich entlastet wird. Auch der Arbeitgeber gibt einen Teil dazu. Später wird Ihre Rente dann mit dem normalen Steuersatz verrechnet, aber der ist durch das dann kleinere Jahreseinkommen minimiert. Doch werden wir konkret: Was können Sie heute bei der Pensionskasse an Steuern sparen und was müssen Sie im Alter an Steuern zahlen? Das erfahren Sie in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze
  • Bei der Pensionskasse können Sie bis zu 552 Euro monatlich direkt aus Ihrem Bruttoeinkommen einzahlen. Diesen Betrag müssen Sie dann nicht mehr versteuern. Falls Sie sich dazu entschließen, mehr als 552 Euro im Monat einzuzahlen, müssen Sie die entsprechende Differenz versteuern.
  • Dadurch, dass die von Ihnen eingezahlte Summe auf Ihrer Lohnabrechnung aufgeführt ist und nicht versteuert werden muss, müssen Sie Ihre bAV in Ihrer Steuererklärung nicht angeben.
  • Ihre Betriebsrente müssen Sie mit dem Einkommensteuersatz, der Ihrer Steuerklasse und Ihrem Jahreseinkommen laut EStG entspricht, versteuern. Gegebenenfalls müssen Sie 18,75 % der Rente an die Krankenkasse zahlen. Dies ist der Fall, wenn Ihre monatliche Betriebsrente mindestens 159,25 Euro umfasst.

Wie hole ich mir den Steuervorteil bei der Pensionskasse?

Es ist einfach, sich bei der Pensionskasse den Steuervorteil zu holen. Und er macht sich sofort bemerkbar. Sie zahlen Ihre individuelle monatliche Summe zur bAV direkt von Ihrem Bruttoeinkommen ein. Das nennt man „Entgeltumwandlung“. Und diesen Schritt vollziehen Sie, noch bevor Sie das Einkommen versteuern müssen. So sind Ihre monatlichen Investitionen in die Pensionskasse steuerfrei. Wenn auch limitiert – denn das funktioniert nur bis zu einer Höchstinvestition von 552 Euro monatlich.

Was kann ich bei der Pensionskasse
an Steuern sparen?

Bis zu 552 Euro können Sie monatlich steuerfrei in die Pensionskasse einzahlen. Ihr Bruttoeinkommen wird um exakt diese Summe kleiner, sodass Sie erst das „neue“ Brutto versteuern müssen. Der Clou dabei ist, dass sich Ihr Nettoeinkommen nicht genau um die eingezahlte Beitragssumme kürzt. Dies ist auf den effektiven Steuervorteil zurückzuführen, der die Differenz zwischen Brutto- und Nettoeinkommen letztlich verkleinert. Ein ausführliches Beispiel finden Sie im Text.

Wie viel bleibt von meiner
Betriebsrente über?

Die Betriebsrente, die Ihnen die Pensionskasse später auszahlt, müssen Sie zu 100 % mit Ihrem persönlichen Steuersatz und entsprechend Ihrer Steuerklasse versteuern. Je höher die Einkünfte sind, desto höher ist der Steuersatz. In den meisten Fällen ist der Steuersatz aber erheblich niedriger als heute, da durch die Rente das Jahreseinkommen meist tiefer ist.

Muss ich bei der Steuererklärung
etwas beachten?

Nein. Weil Sie sich den Steuervorteil sofort durch das entsprechend minimierte Bruttoeinkommen holen, ist die Pensionskasse für Ihre Steuererklärung nicht relevant.

Wie senken Sie Ihre Steuerlast
mithilfe der Pensionskasse?

Das Zauberwort im Sinne des Steuervorteils nennt sich „Entgeltumwandlung“ (auch als „Gehaltsumwandlung“ bezeichnet).

Die steuerliche Ersparnis kommt dadurch zustande, dass Sie in der Ansparphase bis zur Rente über die Entgeltumwandlung direkt von Ihrem Bruttoeinkommen in die Pensionskasse einzahlen. Erst nach diesen Investitionen müssen Sie das „neue“ Bruttoeinkommen versteuern. Beispiel: Sie verdienen 3.000 Euro brutto und zahlen 200 Euro in Ihre bAV ein. Demnach müssen Sie nur noch 2.800 Euro versteuern.

Da bei diesem Vorgehen ein steuerliches Limit von 552 Euro monatlich besteht, können Sie also bis zu 6.624 Euro im Jahr investieren, ohne dieses Geld versteuern zu müssen. Die 552 Euro entsprechen 8 % der Beitragsbemessungsgrenze der Deutschen Rentenversicherung. Das ist aber noch nicht der Steuervorteil. Denn wie hoch Ihre Steuerersparnis effektiv ist, wird sowohl durch Ihre Einkommenshöhe als auch durch die konkreten Investitionen und durch Ihre Steuerklasse bestimmt.

Als Beispiel nutzen wir die Steuerklasse 1, da diese unter den deutschen Arbeitnehmern den höchsten Anteil hat. Sie umfasst alle Alleinstehenden, Geschiedenen und Verwitweten ohne Kinder, sowie Verheiratete und Lebenspartner, die nicht dauerhaft zusammen wohnen.

Beispiel:

Sie zählen zur Steuerklasse 1 und haben ein Bruttoeinkommen von 3.000 Euro. Davon investieren sie einmal 150 Euro im Monat und einmal 250 Euro im Monat in die Pensionskasse. Ihr Arbeitgeber gibt Ihnen laut Gesetz 15% dazu. Dieser Zuschuss beeinflusst aber nicht Ihre steuerliche Ersparnis. Das Geld ist extra zu sehen und hat mit Ihrem Bruttoeinkommen nichts zu tun.

Position Ohne bAV bAV mit 150 € bAV mit 250 €
Arbeitslohn (brutto) 3.000 Euro 3.000 Euro 3.000 Euro
Betriebliche Altersvorsorge
(Arbeitgeberzuschuss)
- 150 Euro (+15%) 250 Euro (+15%)
Zu versteuerndes Bruttoeinkommen 3.000 Euro 2.850 Euro 2.750 Euro
Minus Lohnsteuer - 406,08 Euro - 368,91 Euro - 344,50 Euro
Minus Kirchensteuer
(9 % von Lohnsteuer)
- 36,54 Euro - 33,20 Euro - 31 Euro
Minus Solidaritätszuschlag
(5,5 % von Lohnsteuer)
- 22,33 Euro - 20,29 Euro - 18,94 Euro
Gesamtsumme Steuern 464,95 Euro 422,40 Euro 394,44 Euro
Arbeitslohn (netto) 2.535,05 Euro 2.427,60 Euro 2.355,56 Euro

Kurz erklärt: Indem Sie Ihr „neues“ bAV-Nettoeinkommen vom Nettoeinkommen ohne bAV davor abziehen, berechnen Sie Ihre Steuerersparnis.

Wenn Sie 150 Euro + 15% (Zuschuss) einzahlen, dann ist Ihr Nettoeinkommen nur um 107,45 Euro kleiner als vorher. Die Differenz hieraus ist Ihre Steuerersparnis. Also in diesem Fall 42,55 Euro im Monat und 510,60 Euro im Jahr. Bei 250 Euro + 15% sparen Sie bei der Steuer 70,51 Euro im Monat und 846,12 Euro im Jahr. Wenn Sie das 30 Jahre beibehalten, dann beläuft sich Ihre Steuerersparnis einmal auf 15.318 Euro und einmal auf 25.383,60 Euro.

Tipp: Durch die Kombination aus Pensionskasse und Entgeltumwandlung können Sie nicht nur Steuern sparen. Sie verringern auch die Summe, die Sie an die Krankenkasse und Rentenkasse entrichten (Sozialabgaben). Bis zu 276 Euro monatlich sind als Investition in die Pensionskasse sozialversicherungsfrei. Das entspricht 4% der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze der Deutschen Rentenversicherung.

Muss ich die Pensionskasse in
der Steuererklärung vermerken?

Normalerweise sind Investitionen zur Altersvorsorge, beispielsweise in die Riester-Rente oder Rürup-Rente, in der Steuererklärung unter „Vorsorgeaufwendungen“ zu vermerken. Bei der Pensionskasse und betrieblichen Altersvorsorge ist das anders.

Dadurch, dass Sie die Investitionen direkt von Ihrem Bruttoeinkommen vornehmen, brauchen Sie diese in Ihrer Steuererklärung nicht vermerken. Die von Ihnen bestimmte Investitionssumme steht auf Ihrer monatlichen Lohnabrechnung. Damit ist wirklich nur das „neue“, tiefere Bruttoeinkommen für die Steuer relevant. Das ist auch der Vorteil der betrieblichen Altersvorsorge. Sie merken den Steuervorteil sofort, ohne ein Jahr darauf warten zu müssen, dass Sie vom Finanzamt steuerlich erfasst werden.

Wie muss ich den Betrag aus
der Pensionskasse im Alter versteuern?

Generell: Heute sparen Sie und morgen zahlen Sie. Das bedeutet, dass Sie Ihre Betriebsrente später versteuern müssen. Hier zahlen Sie Ihren normalen Einkommensteuersatz, der Ihrer Steuerklasse und Ihrem Jahreseinkommen laut EStG entspricht. Durch das im Alter normalerweise verminderte Einkommen ist der Einkommensteuersatz ebenso kleiner.

Beispiel: Nehmen wir an, dass Sie als Rentner in Steuerklasse 1 sind und ein Jahreseinkommen von 30.000 Euro haben. Ein wesentlicher Teil davon stammt aus der normalen Rente vom Staat, der andere Teil stammt aus der Pensionskasse. Im Jahr 2020 müssen Sie damit eine monatliche Steuer von etwa 306,28 Euro zahlen. Wenn Sie als Rentner der Steuerklasse 3 angehören (einer von zwei Ehepartnern mit unterschiedlich hohen Einkommen, der andere Ehepartner ist dann in Klasse 5), wären es nur etwa 60,30 Euro.

Eine Option der Pensionskasse ist das Recht, sich statt nur einer monatlichen Rente auch bis zu 30 % des Geldes sofort auszahlen zu lassen („Einmalzahlung“ / „Kapitalwahlrecht“). Beachten Sie aber, dass dieses dann ebenso zu versteuern ist. Wenn Sie das Kapitalwahlrecht in Anspruch nehmen und sich für die Einmalzahlung entscheiden, dann ist die monatliche Rente dementsprechend bis ans Lebensende etwas kleiner. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Pensionskasse auszahlen lassen.

Wesentlich: Von der Betriebsrente müssen Sie sowohl einen Teil ans Finanzamt als auch an die Krankenkasse entrichten. Der aktuelle und vollumfängliche Beitragssatz für die Kranken- und Pflegeversicherung liegt bei circa 18,75 %. Der hohe Prozentsatz beinhaltet sowohl den Arbeitnehmeranteil als auch den Arbeitgeberanteil. Sobald Sie nicht mehr arbeiten, sondern Betriebsrentner sind, müssen Sie beide Anteile bezahlen.

Seit 2020 können Rentner aber durchatmen. Es wurde nämlich beschlossen, dass die circa 18,75 % erst ab einer monatlichen Rente von 159,25 Euro auf die Differenz anfallen. Wenn Sie dementsprechend eine Rente von 300 Euro erhalten, müssen Sie nur 140,75 Euro mit den 18,75 % verrechnen. Wenn Sie eine Rente unter 159,25 Euro bekommen, zahlen sie nichts. Mehr dazu lesen Sie im Artikel zur “Doppelverbeitragung”.

Die aktuelle Situation der
Pensionskassen ist bedenklich.

Zwar fokussieren wir uns in diesem Artikel auf die Pensionskasse und die Steuer. Doch ein Umstand muss darüber hinaus erwähnt werden: Pensionskassen stehen vermehrt unter Druck, da sie gezwungenermaßen die Betriebsrenten der Versicherten kürzen müssen. Warum das so ist, lesen Sie im Grundartikel zur Pensionskasse.

Falls Sie als Arbeitnehmer gerade auf der Suche nach einer Alternative zur betrieblichen Altersvorsorge sind, schauen Sie sich unseren Artikel zur Direktversicherung an. Dabei beleuchten wir mit der fairrbav und ihrem hervorstechenden Konzept mit ETF-Sparplänen auch eine etwas andere Form der betrieblichen Altersvorsorge näher.

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