Freistellungsauftrag: Wie Sie Steuern auf Kapitalerträge sparen

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Sobald Sie mit Geldanlagen Gewinne erzielen, sogenannte Kapitalerträge, müssen diese versteuert werden. Dadurch gehen durchschnittlich 26,375 % der Erträge an das Finanzamt. Jede Sparerin und jeder Sparer hat jedoch die Möglichkeit, der Bank einen Freistellungsauftrag zu erteilen und jedes Jahr Steuern zu sparen. Mit diesem Auftrag wird Ihr Konto vom automatischen Steuerabzug freigestellt.

Was ein Freistellungsauftrag ist, wie viele Sie erteilen können und über welchen Betrag, erklären wir Ihnen nun genauer.

Das Wichtigste in Kürze
  • Definition: Mit einem Freistellungsauftrag können Sparerinnen und Sparer Kapitalerträge bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags steuerfrei erzielen. Der Bank wird der Auftrag erteilt, die Kapitalertragsteuer nicht automatisch abzuführen.
  • Kapitalertragsteuer: Alle Kapitalerträge müssen mit durchschnittlich 26,375 % versteuert werden. Die Steuer setzt sich zusammen aus der Abgeltungssteuer, dem Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls der Kirchensteuer.
  • Sparerpauschbetrag: Der Sparerpauschbetrag ist der Freibetrag, den sich Sparerinnen und Sparer mit dem Freistellungsauftrag steuerfrei auszahlen lassen können. Pro Person und Jahr sind 801 EUR bzw. 1.602 EUR für Verheiratete von der Kapitalertragsteuer befreit.
  • Rückwirkend: Der Freistellungsauftrag gilt immer rückwirkend zum 01.01. eines Kalenderjahres – auch wenn er erst im Dezember gestellt wird. Zudem kann der Auftrag zur Freistellung jederzeit geändert werden.

Hinweis für unsere WeltSparerinnen und WeltSparer: Sofern Sie uns einen Freistellungsauftrag erteilen, bleiben Ihre erzielten Gewinne bis hin zu den Höchstgrenzen oder erteilten Beträgen steuerfrei. Wir führen nur Steuern für die Erträge ab, die über die Höchstgrenzen oder die erteilten Beträge hinausgehen. Sie finden einen Vordruck für Ihren Freistellungsauftrag im WeltSparen Onlinebanking.

Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und stellen keine Steuerberatung dar. Für detaillierte Informationen zu Ihrer Steuersituation wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder an den Lohnsteuerverein.

Was ist ein Freistellungsauftrag?

Auf alle Kapitalerträge, wie zum Beispiel Zinsen oder Dividenden, ist die Kapitalertragsteuer fällig. Mit dem Freistellungsauftrag erteilen Sparerinnen und Sparer ihrer Bank den Auftrag, Erträge aus Geldanlagen bis zu einer bestimmten Höhe nicht automatisch zu versteuern.

Wie hoch ein Freistellungsauftrag maximal ist, wird vom Sparerpauschbetrag bestimmt. Pro Jahr können maximal 801 EUR pro Person steuerfrei ausgezahlt werden. Bei Verheirateten verdoppelt sich der Betrag auf 1.602 EUR.

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Kapitalerträge, die den Sparerpauschbetrag überschreiten, werden automatisch mit der Kapitalertragsteuer von durchschnittlich 26,375 % versteuert. Diese setzt sich zusammen aus 25 % Abgeltungssteuer, 5,5 % Solidaritätszuschlag – bezogen auf die Abgeltungssteuer – und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Kirchensteuer variiert je nach Bundesland, sodass man schlussendlich auf eine Abgeltungssteuer von insgesamt 27,99 % ( 9 % Kirchensteuer) bzw. 27,82 % ( 8 % Kirchensteuer). kommt. 

Vereinfacht wird in diesem Zusammenhang oft auch nur von der Abgeltungssteuer gesprochen.

Steuerlich zusammen veranlagte Ehepaare können gemeinsam sparen. Für sie gilt der doppelte Sparerpauschbetrag von 1.602 EUR, der beliebig aufgeteilt werden kann. Erzielt z. B. nur einer der beiden Eheleute Kapitalerträge aus Geldanlagen, kann der Freistellungsauftrag in voller Höhe gestellt und genutzt werden.

Auch Kinder können bereits vom Sparerpauschbetrag profitieren. Sobald sie Kapitalerträge erzielen, lassen sich diese mit einem Freistellungsauftrag über 801 EUR steuerfrei stellen. Für Kinder gelten dieselben Freibeträge wie für ihre Eltern.

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Wann ist ein Freistellungsauftrag sinnvoll?

Ein Freistellungsauftrag ist grundsätzlich immer sinnvoll, denn dadurch müssen Sie erst dann Steuern zahlen, wenn Ihre Kapitalerträge den Sparerpauschbetrag von 801 EUR pro Jahr überschreiten. Schöpfen Sie den Freibetrag nicht ganz aus, entsteht Ihnen kein Nachteil.

Ohne Freistellungsauftrag muss der gesamte Betrag versteuert werden. Dadurch bleibt Ihnen weniger Rendite. Ein Beispiel macht das deutlich:

Einzelperson Mit Freistellungsauftrag Ohne Freistellungsauftrag
Rendite 1.500 EUR 1.500 EUR
Zu versteuernder Betrag 699 EUR (1.500 EUR – 801 EUR) 1.500 EUR
Steuersatz (ohne Kirchensteuer) 26,375 % 26,375 %
Steuer 184,36 EUR 395,63 EUR
Rendite nach Steuern 1.315,63 EUR 1.104,37 EUR

Der Freistellungsauftrag für Kapitalerträge macht einen deutlichen Unterschied in der Rendite von 211,26 EUR. Denn mit der Freistellung müssen nicht die gesamten 1.500 EUR versteuert werden, sondern nur der Betrag, der den Sparerpauschbetrag überschreitet (1.500 EUR – 801 EUR = 699 EUR). Dadurch bleibt am Ende wesentlich mehr Rendite übrig.

Wie erteile ich einen Freistellungsauftrag?

Den Antrag für eine Freistellung der Kapitalerträge stellen Sie bei der Bank, für deren Konten Sie einen Freistellungsauftrag erteilen wollen. Dazu müssen Sie das entsprechende Formular der Bank ausfüllen und einreichen. Die meisten Banken bieten ihre Formulare zum Download an.

Das Ausfüllen des Formulars geht schnell und einfach. Neben den Standardangaben wie Name, Geburtsdatum und Adresse muss zusätzlich die Steueridentifikationsnummer angegeben werden, da die Abgeltungssteuer direkt von der Bank abgezogen wird. Mit dem Formular kann die Höhe des Freistellungsauftrags über den vollen Sparerpauschbetrag oder nur einen Teilbetrag von der Sparerin oder dem Sparer selbst festgelegt werden. Wie lange der Auftrag gelten soll – befristet oder unbefristet – kann ebenfalls dort eingetragen werden.

Kann ein Freistellungsauftrag bei mehreren Banken erteilt werden?

Der Freistellungsauftrag kann bei mehreren Banken erteilt werden. Das ist sinnvoll für Sparerinnen und Sparer, die Konten bei verschiedenen Banken führen. Durch mehrere Freistellungsaufträge bei den Banken lässt sich der Sparerpauschbetrag in voller Höhe nutzen.

Dabei lohnt es sich, die Erträge im Vorfeld abzuschätzen und den Banken Freistellungsaufträge über Teilbeträge zu erteilen. Es ist zwar möglich, bei jedem Kreditinstitut eine Freistellung über den vollen Sparerpauschbetrag zu stellen, jedoch kann das spätestens bei der nächsten Steuererklärung einen hohen Mehraufwand bedeuten. Denn der Freibetrag gilt nicht pro Bank, sondern pro Person. Wenn Sie also bei jeder Bank einen Freistellungsauftrag von 801 EUR stellen und am Ende des Jahres diesen Betrag überschreiten, müssen Sie Steuern nachzahlen. Im schlimmsten Fall kann Ihnen das Finanzamt vorsätzliches Handeln vorwerfen, was ein Bußgeld nach sich zieht. Versuchen Sie daher, die Zinsen und Erträge der Geldanlagen bestmöglich einzuschätzen und die Freistellungsaufträge entsprechend zu erteilen.

So holen Sie sich zu viel gezahlte Abgeltungssteuer zurück

Wenn die Kapitalerträge den Freistellungsauftrag bei einer Bank überschreiten, aber in der Summe unter dem Freibetrag bleiben, können Sie sich zu viel gezahlte Steuern zurückholen. Dafür müssen Sie in der nächsten Steuererklärung die Anlage KAP ausfüllen.

Beispiel: Sie haben zwei Konten, auf die Kapitalerträge eingehen, bei zwei verschiedenen Banken. Für das eine Konto erteilen Sie einen Freistellungsauftrag über 300 EUR, die restlichen 501 EUR des Sparerpauschbetrags nutzen Sie für das zweite Konto. Nun kommt es zu einer unerwartet hohen Rendite und auf dem ersten Konto gehen Kapitalerträge von 400 EUR ein. Dadurch ist der Freibetrag vom Freistellungsauftrag mit 100 EUR überschritten. Die Bank führt die Steuern automatisch an das Finanzamt ab. Mit dem zweiten Konto wurden jedoch nur 300 EUR erzielt, wodurch sich eine Gesamtsumme von 700 EUR Rendite ergibt. Diese liegt innerhalb des Sparerpauschbetrags und ist damit steuerfrei. Die Steuern, welche auf die 100 EUR bereits gezahlt wurden, können Sie sich mit der Steuererklärung zurückholen.

Was gibt es beim Freistellungsauftrag zu beachten?

Einen Freistellungsauftrag für Kapitalerträge zu erstellen ist unkompliziert und geht schnell. Dennoch gibt es ein paar Dinge, die Sie beachten sollten:

  1. Den Sparerpauschbetrag auf mehrere Freistellungsaufträge aufteilen, wenn Sie auf verschiedenen Konten Erträge aus Geldanlagen erzielen. Dabei sollten die Teilbeträge sinnvoll gewählt werden, um Steuernachzahlungen zu vermeiden.
  2. Wenn keine Befristung festgelegt wurde, läuft der Freistellungsauftrag so lange, bis er von Ihnen gelöscht oder geändert wird. Er gilt immer für das gesamte laufende Kalenderjahr, in dem er eingereicht wurde.
  3. Nicht zu verwechseln mit dem Freistellungsauftrag ist die Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung). Sparerinnen und Sparer können nur eines von beiden einreichen. Die NV-Bescheinigung ist für Personen gedacht, die durch ein sehr niedriges Einkommen nicht zur Einkommensteuer veranlagt sind, aber dennoch hohe Kapitalerträge erwirtschaften. Genau genommen ist das der Fall, wenn das Gesamteinkommen einen festgelegten Grundfreibetrag (2021: 9.744 EUR, Verheiratete: 19.488 EUR) unterschreitet. Liegen die Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag von 801 EUR, die Summe aus Einkommen und Kapitalerträgen jedoch unter dem Grundfreibetrag, bleiben die Erträge steuerfrei. Ein Freistellungsauftrag wäre in diesem Fall nicht die richtige Wahl, um zu sparen. Die NV-Bescheinigung kommt vor allem für Studierende oder Rentnerinnen und Rentner in Betracht.

Möchten Sie langfristig Vermögen aufbauen und Steuern sparen? Mit unserem ETF Configurator können Sie in global diversifizierte ETFs investieren und den Sparerpauschbetrag für sich nutzen. Der ETF Configurator bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihr Portfolio nach eigenen Wünschen und Interessen zusammenzustellen. Wie wäre es z. B. mit nachhaltigen ETFs?

Wie oft kann ich meinen Freistellungsauftrag ändern?

Ein Freistellungsauftrag kann beliebig oft und jederzeit geändert werden. Die Änderung gilt jedoch nur für das laufende Kalenderjahr, nicht für die Jahre davor. Zudem ist der Stichtag der Bank zu beachten, um das Ändern des Freistellungsauftrags noch berücksichtigen zu können – meistens ist es der letzte Bankarbeitstag des Jahres. Durch die Feiertage zum Jahresende ist dies jedoch variabel. Im Zweifelsfall erkundigen Sie sich beim jeweiligen Geldinstitut. 

Manche Banken nehmen bereits zu einem früheren Zeitpunkt keine Änderungen mehr an. Falls Sie dadurch zu viel Steuern zahlen, z. B. aufgrund von höheren Erträgen auf einem Konto, können Sie sich die Kapitalertragsteuer über die Anlage KAP in der Steuererklärung zurückholen.

Rückwirkend Freistellungsauftrag erteilen

Wer bis zum 31. Dezember einen Freistellungsauftrag erteilt, kann den Freibetrag noch rückwirkend für das Kalenderjahr nutzen. Spätere Freistellungen gelten nur noch für das neue Jahr ab dem 01.01. Vorangegangene Steuerjahre können nicht rückwirkend steuerfrei gestellt werden.

Das Ändern eines Freistellungsauftrags gilt stets für das laufende Kalenderjahr. Eine Erhöhung des Freibetrags ist jederzeit möglich, das Herabsetzen ist jedoch weniger einfach. Der Freistellungsauftrag kann nur bis zu jenem Betrag reduziert werden, der bis zum Zeitpunkt der Änderung bereits beansprucht wurde.

Fazit: Freistellungsauftrag erteilen und Steuern sparen

Das sonst so komplexe Steuersystem macht es hier sehr einfach, Steuern zu sparen: Mit einem Freistellungsauftrag können Kapitalerträge, z. B. Zinsen aus Geldanlagen, bis zu 801 EUR bzw. 1.602 EUR für Verheiratete steuerfrei bleiben. Um diesen Steuervorteil zu nutzen, genügt es einen Freistellungsauftrag bei der Bank einzureichen. Wer mehrere Konten führt, auf denen Kapitalerträge eingehen, kann auch bei mehreren Banken Freistellungsaufträge einreichen. Der Auftrag gilt immer rückwirkend für das laufende Kalenderjahr und kann beliebig oft geändert werden. Es lohnt sich in jedem Fall, eine Freistellung der Kapitalerträge zu beauftragen, denn selbst wenn Sie unter dem Freibetrag bleiben, entsteht Ihnen kein Nachteil.

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