Freistellungsauftrag: Erwirtschaftete Kapitalerträge einfach steuerfrei machen

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Wenn sie Kapitalerträge erwirtschaftet haben, kommt das Finanzamt und möchte sie mit durchschnittlich 26,375 % plus eventuell Kirchensteuer versteuert wissen (Abgeltungsteuer). Aber je nach Höhe des Gewinns können Sie diese Steuern komplett oder mindestens teilweise vermeiden. Und zwar mithilfe des Freistellungsauftrags und des damit verbundenen Sparerpauschbetrags. Erteilen Sie den Auftrag einfach bei der Bank, bei der Sie Ihr Sparkonto oder das Depot haben. Jedes Jahr sind dann von den erzielten Zinsen und Kapitalerträgen bis zu 801 EUR bei Einzelpersonen und 1.602 EUR bei zusammen veranlagten Ehepaaren steuerfrei. Auf dieser Seite tauchen wir tiefer in die Thematik ein und erklären auf eine leicht verständliche Weise, wie es funktioniert.

Das Wichtigste in Kürze
  • Durch einen Freistellungsauftrag schonen Sie die mit Ihren Geldanlagen erzielten Zinserträge und Kapitalerträge. Sie müssen nur noch die Erträge mit der Abgeltungssteuer versteuern, die über den zutreffenden Sparerpauschbetrag hinausgehen.
  • Der Freistellungsauftrag ist etwas anderes als die Nichtveranlagungsbescheinigung. Diese ist speziell für Personen gedacht, die mit ihrem Einkommen und Kapitalerträgen unter dem Grundfreibetrag von 9.408 EUR im Jahr 2020 bleiben.
  • Sie müssen den Freistellungsauftrag selbst erteilen – die Banken richten ihn nicht automatisch ein. Wenn Sie bei mehreren Banken sparen und Geld anlegen, müssen Sie den Sparerpauschbetrag von bis zu 801 EUR (1.602 EUR bei Ehepaaren) entsprechend verteilen. Der Sparerpauschbetrag gilt pro Person / Ehepaar pro Jahr, nicht pro Bank.
  • Freistellungsaufträge gelten immer rückwirkend zum 01.01. eines Jahres – auch, wenn man sie beispielsweise erst im November erteilt. Sie können einen erteilten Auftrag zudem jederzeit ändern.
  • Sie können nur inländischen Banken und Kreditinstituten einen Freistellungsauftrag erteilen. Bei ausländischen Banken funktioniert das nicht.

Hinweis für unsere WeltSparer: Sofern Sie uns einen Freistellungsauftrag erteilen, bleiben Ihre erzielten Gewinne bis hin zu den Höchstgrenzen oder erteilten Beträgen steuerfrei. Wir führen nur Steuern für die Erträge ab, die über die Höchstgrenzen oder die erteilten Beträge hinausgehen. Sie finden einen Vordruck für Ihren Freistellungsauftrag im WeltSparen Onlinebanking.

Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen  Information und stellen keine Steuerberatung dar. Für detaillierte Informationen zu Ihrer Steuersituation wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder an den Lohnsteuerverein.

Definition: Was ist ein Freistellungsauftrag?

  • Sobald Ihre Bank Ihnen Zinsen auszahlt oder Sie beispielsweise durch den Verkauf von Wertpapieren eine Rendite erwirtschaften, müssen Sie diese versteuern. 
  • Die Steuer nennt sich Abgeltungssteuer und hat eine Höhe von 25 % plus davon 5,5 % Solidaritätszuschlag und bei Kirchenzugehörigkeit je nach Bundesland 8 % oder 9 % Kirchensteuer
  • Durch den Freistellungsauftrag bleiben erzielte Zinsen und Kapitalerträge jährlich bis zu 801 EUR bei Einzelpersonen und 1.602 EUR bei Ehepaaren steuerfrei. Die Grundlage dafür ist § 44a des Einkommensteuergesetzes. 
  • Jeder hat ein Recht auf diesen Steuervorteil, also den Sparerpauschbetrag oder auch Sparerfreibetrag

 

Was wäre ohne Freistellungsauftrag? 

Stellen Sie sich vor, dass Sie als Einzelperson Wertpapiere verkaufen und dabei eine Rendite von runden 1.500 EUR erzielen. Ohne Freistellungsauftrag möchte das Finanzamt von der kompletten Summe 26,375 % haben, also 395,63 EUR. So bleiben von Ihrer Rendite nur noch 1.104,37 EUR über. Erteilen Sie aber vorab einen Freistellungsauftrag, dann müssen Sie nur 1.500 EUR minus 801 EUR, also 699 EUR versteuern. Das Finanzamt erhält nur 184,36 EUR und von Ihrer Rendite bleiben 1.315,63 EUR. 

 

Noch einmal etwas übersichtlicher:

(Einzelperson) Mit Freistellungsauftrag Ohne Freistellungsauftrag
Rendite 1.500 EUR 1.500 EUR
Davon zu versteuern 699 EUR 1.500 EUR
Steuersatz 26,375 % ohne KiSt* 26,375 % ohne KiSt*
Steuer 184,36 EUR 395,63 EUR
Rest 1.315,63 EUR 1.104,37 EUR

* Kirchensteuer

Dementsprechend: Machen Sie mehr als 801 EUR Rendite, müssen Sie alles über die 801 EUR hinaus versteuern. Der Freistellungsauftrag räumt Ihnen nur den Vorteil ein, bis zu den 801 EUR hin nichts versteuern zu müssen. 

Bedeutsamer Unterschied: Freistellungsauftrag oder Nichtveranlagungsbescheinigung

  • Die Nichtveranlagungsbescheinigung oder auch NV-Bescheinigung ist für Personen gedacht, die durch ein sehr niedriges Einkommen nicht zur Einkommensteuer veranlagt sind aber dennoch hohe Kapitalerträge erwirtschaften. Die Abgeltungssteuer ist eine Unterform der Einkommensteuer.
  • Nicht zur Einkommensteuer veranlagt ist, wer mit dem Gesamteinkommen 2020 den momentanen Grundfreibetrag von 9.408 EUR unterschreitet. Bei zusammen zur Einkommensteuer veranlagten Eheleuten beträgt der Grundfreibetrag 18.816 EUR. 
  • Die Nichtveranlagungsbescheinigung gilt immer rückwirkend zum 01.01. des aktuellen Kalenderjahres und dann für 3 Jahre. Sie wird beim Finanzamt beantragt und auch von diesem erteilt. Danach reichen Sie sie an Ihre Bank weiter.

Merken Sie es sich so: 

Ist das Einkommen aus Gehalt, Zinsen und Kapitalerträgen kleiner als der Grundfreibetrag, dann holen Sie sich eine NV-Bescheinigung. Ihre Zinserträge und Kapitalerträge sind dann auch über die 801 EUR hinaus steuerfrei. Ist das Einkommen aus Gehalt und Zinsen und Kapitalerträge größer als der Grundfreibetrag, nehmen Sie den Freistellungsauftrag. 

Freistellungsauftrag erteilen: Wie funktioniert das?

  • Jeder hat das Recht, von den Vorteilen des Freistellungsauftrags und des Sparerpauschbetrags zu profitieren. 
  • Sie können den Auftrag das ganze Jahr über erteilen – er zählt dann rückwirkend zum 01.01. des aktuellen Jahres. Das hat damit zu tun, dass das Steuerjahr stets von Januar bis Dezember reicht und der Freibetrag pro Steuerjahr zählt.
  • Weil Banken den Steuerabzug selbst vornehmen, brauchen Sie für den Freistellungsauftrag Ihre Steueridentifikationsnummer. Diese finden Sie beispielsweise auf dem letzten Steuerbescheid. Sie besteht aus 11 Ziffern.

Vorsicht: Manche Banken arbeiten mit Fristen zum Jahresende – besteht eine Frist und reichen Sie einen Freistellungsauftrag zu spät ein, kann die Bank das Dokument für jenes Jahr ablehnen und muss den Auftrag nicht berücksichtigen. Wenn das passiert, können Sie sich die „zu Unrecht gezahlte Steuer“ über die Anlage KAP zurückholen.

Sie müssen zudem selbst aktiv werden und Ihren Freistellungsauftrag erteilen – also das Formular beschaffen, ausfüllen, unterschreiben und wieder einreichen. Um das Formular zu erhalten, wenden Sie sich einfach an Ihre Bank oder an Ihren Depotanbieter. Viele Banken und Anbieter stellen das Formular auf der Webseite zum kostenlosen Download bereit.

Hinweis: Sie können den Freistellungsauftrag nur inländischen Banken erteilen. Das hat mit dem grundsätzlichen Steuersystem zu tun. Das Prinzip der Abgeltungssteuer beruht darauf, dass inländische Banken mit den Finanzbehörden verbunden sind und anfallende Steuern direkt ans Finanzamt abführen. Ausländische Banken sind aber mit den deutschen Finanzbehörden nicht verbunden.

Geht das nicht auch automatisch? 

Viele meinen: 

„Es ist doch klar, dass ich Steuern sparen möchte. Warum richtet die Bank meinen Freistellungsauftrag dann nicht automatisch ein?“ 

Die Antwort: 

Der Steuervorteil von bis zu 801 EUR bzw. 1.602 EUR ist ein zentraler Vorteil für alle erzielten Kapitalerträge zusammen – unabhängig davon, wo Sie erzielt werden. 

Der Freistellungsauftrag ist jedoch kein zentrales Dokument für alle Kapitalerträge, sondern besteht nur zwischen Ihnen und einer Bank oder einem Anbieter. Er gilt dann auch nur für die Kapitalerträge, die Sie bei dieser einen Bank oder diesem einen Anbieter erzielt haben.

Das bedeutet: Eine Bank A kann nicht automatisch in voller Höhe einen Freistellungsauftrag einrichten, weil sie nicht weiß, ob noch eine Bank B im Spiel ist, die vielleicht dasselbe tut. 

Freistellungsaufträge über den Sparerpauschbetrag hinaus zu erteilen sowie auszunutzen, kann von den Finanzämtern als vorsätzliche Steuerhinterziehung gezählt werden. Deshalb obliegt es Ihnen selbst, entsprechende Freistellungsaufträge zu erteilen und auch zu verwalten. 

Sparerpauschbetrag: Wie sinnvoll verteilen? 

Wenn Sie tatsächlich nur bei einer Bank sind, erteilen Sie dieser Bank auch nur einmal den Freistellungsauftrag in voller Höhe. Wenn Sie aber bei mehreren Banken und Anbietern sind, müssen Sie allen einzeln einen Auftrag erteilen und den Ihnen bereitstehenden Sparerpauschbetrag sinnvoll verteilen. 

Es ist sinnvoll, wenn der Anteil am Sparerpauschbetrag zusammen mit den Renditeaussichten wächst. Dementsprechend lohnt es sich, den Auftrag mit dem größten Anteil des Pauschbetrags dort zu erteilen, wo Sie die höchste Rendite erwarten. 

Beispiel: 

Sie haben bei Bank A ein Tagesgeldkonto und bei Bank B ein ETF-Portfolio. Weil das ETF-Portfolio weitaus höheren Kapitalerträgen als das Tagesgeldkonto einbringen kann, erteilen Sie Bank B den größeren Freistellungsauftrag als Bank A. Beispielsweise 750 EUR bei Bank B und 51 EUR bei Bank A. 

 

Hinweise: 

  1. Sollten Sie aus Versehen allen Banken zusammen eine zu hohe Summe erteilen, können Sie das mit der Anlage KAP glattbügeln und die bestehenden Aufträge anpassen. Es direkt zu vermeiden, ist aber sinnvoller, weil die Finanzämter sonst davon ausgehen könnten, dass Sie vorsätzlich das Steuerrecht verletzen.
  2. Natürlich kann es passieren, dass die Gesamtrendite bei mehreren Banken zwar innerhalb des Pauschbetrags ist, aber Sie mit den Erträgen bei einer Bank den von Ihnen erteilten Freistellungsauftrag übertreffen.

Also Sie erteilen Bank A beispielsweise 600 EUR und Bank B 201 EUR – Bank A erzielt aber 650 EUR Rendite und Bank B nur 100 EUR. Dann führt Bank A Steuern für 50 EUR ab, obwohl Sie mit der Gesamtrendite unter 801 EUR sind. Die zu viel gezahlte Kapitalertragsteuer können Sie sich mithilfe der Anlage KAP für Einkünfte aus Kapitalerträgen zurückholen.

3. Wenn Sie schon im Jahresverlauf merken, dass sich so eine Situation anbahnt, passen Sie die einzelnen Freistellungsaufträge einfach an. Ob dazu ein Anruf beim Berater ausreicht oder ob Sie das Formular erneut ausfüllen müssen, ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Informieren Sie sich dann bei der entsprechenden Bank.

 

Für Verheiratete: 

Eheleute entscheiden seit 2010 selbst, ob sie für gemeinsame Konten zusammen einen Freistellungsauftrag in Höhe von bis zu 1.602 EUR erteilen möchten. Voraussetzung dafür ist, dass sie laut § 26 Einkommensteuergesetz (EstG) steuerlich zusammen veranlagt sind. 

Sobald die Zusammenveranlagung erlischt, ist das Volumen von 1.602 EUR nicht mehr gültig. Die Zusammenveranlagung erlischt, wenn die Ehepartner dauerhaft getrennt voneinander leben, sich scheiden lassen oder wenn einer von beiden verstirbt. 

Eheleute haben außerdem die Möglichkeit, eine ehegattenübergreifende Verlustverrechnung zu beantragen. Dabei stellt die Bank einmal pro Jahr alle Gewinne und Verluste beider nebeneinander und verrechnet es steuerbevorteilt.

Hinter den Kulissen: Was passiert, wenn ich einen Freistellungsauftrag erteile?

Sobald Sie einen Freistellungsauftrag erteilen, ist die entsprechende Bank verpflichtet, diesen Auftrag beim Bundeszentralamt für Steuern in Bonn zu melden

Das Zentralamt für Steuern ordnet den Antrag dann über die Steueridentifikationsnummer Ihnen als Person zu. Und Ihr Finanzamt kann über Schnittstellen prüfen, ob Sie insgesamt den Sparerpauschbetrag überschreiten oder ob alles in bester Ordnung ist. 

Sofern Sie den Sparerpauschbetrag überschritten haben sollten, fordert das Finanzamt Sie dazu auf, eine entsprechend erklärende Anlage KAP einzureichen.

Fazit

Viele Paare heiraten auch aufgrund von Steuervorteilen. Das untermauert, wie sehr es sich lohnen kann, mit einer Einkommensteuererklärung Steuern zu sparen

Was Zinserträge und Kapitalerträge betrifft, behelfen sich die Deutschen mit dem Freistellungsauftrag. Einfach beim Eröffnen eines Sparkontos oder Depots erteilen und Zinsen sowie Kapitalerträge bleiben bis hin zu 801 EUR oder 1.602 EUR bei Verheirateten im Jahr steuerfrei. 

Und ausnahmsweise: Wo das Steuerrecht sonst so komplex ist, ist es hier sehr einfach, den Freistellungsauftrag zu erteilen und vom Sparerpauschbetrag oder auch Sparer-Freibetrag zu profitieren. 

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