Freistellungsauftrag: Wie Sie Steuern auf Kapitalerträge sparen

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Sobald mit Geldanlagen Gewinne erzielt werden, sogenannte Kapitalerträge, sind diese zu versteuern. Sparerinnen und Sparer haben bei Deutschen Banken jedoch die Möglichkeit, einen Freistellungsauftrag zu erteilen. Mit diesem Auftrag können Gewinne vom automatischen Steuerabzug befreit werden.

Was ein Freistellungsauftrag ist, wie hoch er ausfällt und wie viele Sie erteilen können, erfahren Sie hier genauer.

Das Wichtigste in Kürze
  • Definition: Mit einem Freistellungsauftrag können Sparerinnen und Sparer Kapitalerträge bis zur Höhe des sogenannten Sparerpauschbetrags von der deutschen Besteuerung befreien lassen
  • Besteuerung: Die Steuerlast beträgt bei Kapitalerträgen bis zu 27,99 %. Diese setzt sich aus der Abgeltungssteuer, dem Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls der Kirchensteuer zusammen.
  • Sparerpauschbetrag: Beim Sparerpauschbetrag handelt es sich um einen Steuerfreibetrag, der für Sparerinnen und Sparer gilt, die einen Freistellungsauftrag bei ihrer deutschen Bank eingerichtet haben. Pro Person und Jahr liegt er bei 1.000 EUR bzw. 2.000 EUR für zusammen Veranlagte (Stand: 2023).
  • Rückwirkend: Der Freistellungsauftrag gilt rückwirkend zum 01.01. eines Kalenderjahres – auch wenn dieser erst im Dezember gestellt wird. Zudem kann der Auftrag zur Freistellung jederzeit geändert werden.

Hinweis für unsere Kundinnen und Kunden: Sofern Sie uns einen Freistellungsauftrag erteilen, bleiben Ihre erzielten Gewinne bis hin zu den Höchstgrenzen oder erteilten Beträgen steuerfrei. Wir führen nur Steuern für die Erträge ab, die über die Höchstgrenzen oder die erteilten Beträge hinausgehen. Sie finden einen Vordruck für Ihren Freistellungsauftrag im WeltSparen Onlinebanking.

Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und stellen keine steuerliche Beratung dar. Für detaillierte Informationen oder zur individuellen Klärung steuerrechtlicher Fragen empfehlen wir die Hinzuziehung eines Steuerberaters oder einer anderen gemäß §2 StBerG befähigten Person.

Was ist ein Freistellungsauftrag?

Auf anfallende Kapitalerträge, wie zum Beispiel Zinsen oder Dividenden, fallen Steuern an. Mit einem Freistellungsauftrag erteilen Sparerinnen und Sparer ihrer Bank in Deutschland jedoch den Auftrag, Erträge aus Geldanlagen bis zu einer bestimmten Höhe (Sparerpauschbetrag) nicht automatisch zu versteuern.

Liegt der Bank kein Freistellungsauftrag oder etwas vergleichbares wie zum Beispiel eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) vor, oder überschreiten die steuerpflichtigen Gewinne den Sparerpauschbetrag, werden automatisch 25 Prozent Abgeltungssteuer, 5,5 % Solidaritätszuschlag und ggf. die Kirchensteuer fällig. Nach dem Einkommensteuergesetz sind diese dann von den Banken direkt abzuführen.

Die Höhe des Sparerpauschbetrags liegt pro Jahr bei maximal 1.000 EUR pro Person. Zusammen Veranlagte können einen Betrag in Höhe von 2.000 EUR ausschöpfen (Stand: 2023). Dieser kann zwischen den beiden Veranlagten beliebig aufgeteilt werden. Erzielt beispielsweise nur einer der beiden Eheleute Kapitalerträge aus Geldanlagen, kann der Freistellungsauftrag in voller Höhe gestellt und genutzt werden.

Prinzipiell darf jede Person Freistellungsaufträge stellen, der oder die Kapitalerträge erzielt. Für Minderjährige gelten dieselben Rechte wie für volljährige Personen. Hierbei ist der Freistellungsauftrag jedoch durch einen Erziehungsberechtigten zu erteilen.

Unterschied Freistellungsauftrag und NV-Bescheinigung

NichtveranlagungsbescheinigungNichtveranlagungsbescheinigungNichtveranlagungsbescheinigung

Nicht zu verwechseln mit dem Freistellungsauftrag ist die NV-Bescheinigung. Sparerinnen und Sparer können nur eines von beiden einreichen. Die NV-Bescheinigung ist für Personen gedacht, die durch ein sehr niedriges Einkommen nicht zur Einkommensteuer veranlagt sind, aber dennoch Kapitalerträge erwirtschaften. Genau genommen ist das der Fall, wenn das Gesamteinkommen den Grundfreibetrag (2023: 10.908 EUR, zusammen Veranlagte: 21.816EUR) unterschreitet. Liegt die Summe aus Einkommen und Kapitalerträgen unter dem Grundfreibetrag, bleiben die Erträge steuerfrei insofern eine NV-Bescheinigung vorliegt. Die NV-Bescheinigung kommt vor allem für Studierende oder Rentnerinnen und Rentner in Betracht.

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Wann ist ein Freistellungsauftrag sinnvoll?

Wurde ein Freistellungsauftrag eingereicht, werden Steuern auf Kapitalerträge erst dann fällig, wenn diese den Sparerpauschbetrag in Höhe von 1.000 EUR pro Jahr und Person bzw. 2.000 EUR (Stand: 2023) pro zusammen Veranlagte überschreiten. Der Sparerpauschbetrag kann dabei ganz oder anteilig ausgeschöpft werden.

Ohne die Erteilung eines Freistellungsauftrages oder einer NV-Bescheinigung sind Gewinne in voller Höhe zu versteuern. Das führt schlussendlich zu einer verringerten Rendite. Ein Beispiel macht das deutlich:

Einzelperson Mit Freistellungsauftrag Ohne Freistellungsauftrag
Rendite 1.500 EUR 1.500 EUR
Zu versteuernder Betrag 500 EUR (1.500 EUR – 1.000 EUR) 1.500 EUR
Steuersatz (ohne Kirchensteuer) 26,38 % 26,38 %
Steuer 131,88 EUR 395,70 EUR
Rendite nach Steuern 1.368,12 EUR 1.104,30 EUR

Die Erteilung eines Freistellungsauftrags für Kapitalerträge macht in diesem Beispiel einen deutlichen Unterschied in der Rendite von 211,30 EUR. Denn mit einer Freistellung werden nicht die gesamten 1.500 EUR versteuert, sondern lediglich der Betrag, der den Sparerpauschbetrag überschreitet (1.500 EUR – 1.000 EUR = 500 EUR). Dadurch bleibt am Ende wesentlich mehr Rendite übrig.

Wie erteile ich einen Freistellungsauftrag?

Ein Antrag für eine Freistellung der Kapitalerträge kann bei dem jeweiligen Finanzinstitut oder Anbieter gestellt werden, bei dem Erträge erzielt werden. Hierfür wird ein entsprechendes Formular ausgefüllt und eingereicht. Die meisten Finanzinstitute bieten ihre Formulare zum Download an.

Im Rahmen des Formulars kann die Höhe des Freistellungsauftrags selbst festgelegt werden, insofern der Sparerpauschbetrag nicht überschritten wird. Wie lange der Auftrag gelten soll – befristet oder unbefristet – kann ebenfalls dort hinterlegt werden.

Kann ein Freistellungsauftrag bei mehreren Banken erteilt werden?

Der Freistellungsauftrag kann bei mehreren Banken und Anbietern erteilt werden. Dabei darf die Summe der erteilten Aufträge die Maximalhöhe von 1.000 EUR (Stand: 2023) nicht überschreiten.

So holen Sie sich zu viel gezahlte Steuern zurück

Wird ein Freistellungsauftrag innerhalb des laufenden Jahres erteilt, können bereits abgeführte Steuern rückwirkend erstattet werden. Bei WeltSparen ist der Antrag bis spätestens Mitte Dezember zu stellen. Die Erstattung wird dann umgehend angewiesen.

Ist das Steuerjahr vergangen, ist es nicht mehr möglich den Freistellungsauftrag rückwirkend zu erteilen. Sparerinnen und Sparer können jedoch zu viel gezahlte Steuern im Rahmen der Steuererklärung in der Anlage KAP angeben.

 

Fallbeispiel: Sie haben zwei Konten, auf die Kapitalerträge eingehen, bei zwei verschiedenen Banken. Für das eine Konto erteilen Sie einen Freistellungsauftrag über 300 EUR, die restlichen 700 EUR des Sparerpauschbetrags nutzen Sie für das zweite Konto. Nun kommt es zu einer unerwartet hohen Rendite, bei der auf dem ersten Konto Kapitalerträge von 400 EUR eingehen. Dadurch ist der Freibetrag vom Freistellungsauftrag mit 100 EUR überschritten. Die Bank führt die Steuern für die 100 EUR automatisch an das Finanzamt ab. Mit dem zweiten Konto wurden jedoch nur 300 EUR erzielt, wodurch sich eine Gesamtsumme von 700 EUR Rendite ergibt. Diese liegt innerhalb des Sparerpauschbetrags und ist damit steuerfrei. Da das Kontingent von 1.000 EUR (Stand: 2023) noch nicht erreicht ist, können die Steuern, die auf die 100 EUR bereits gezahlt wurden, mit der Steuererklärung zurückgeholt werden.

Wie oft kann ich meinen Freistellungsauftrag ändern?

Ein Freistellungsauftrag kann beliebig oft und jederzeit geändert werden. Die Änderung gilt jedoch nur für das laufende Kalenderjahr, nicht für die Jahre davor. Zudem ist der Stichtag der Bank zu beachten, um das Ändern des Freistellungsauftrags noch berücksichtigen zu können – meistens ist es der letzte Bankarbeitstag des Jahres. Durch die Feiertage zum Jahresende ist dies jedoch variabel. Im Zweifelsfall erkundigen Sie sich beim jeweiligen Geldinstitut oder bei Ihrem Anbieter. 

Manche Banken nehmen bereits zu einem früheren Zeitpunkt keine Änderungen mehr an. Falls Sie dadurch zu viel Steuern zahlen, z. B. aufgrund von höheren Erträgen auf einem Konto, können Sie sich die Steuern über die Anlage KAP im Rahmen der Steuererklärung zurückholen.

Rückwirkend Freistellungsauftrag erteilen

Rückwirkend Freistellungsauftrag erteilenRückwirkend Freistellungsauftrag erteilenRückwirkend Freistellungsauftrag erteilen

Wer bis zum 31. Dezember einen Freistellungsauftrag erteilt, kann den Freibetrag noch rückwirkend für das Kalenderjahr nutzen. Spätere Freistellungen gelten nur noch für das neue Jahr ab dem 01.01. Vorangegangene Steuerjahre können nicht rückwirkend steuerfrei gestellt werden.

Das Ändern eines Freistellungsauftrags gilt stets für das laufende Kalenderjahr. Eine Erhöhung des Freibetrags ist jederzeit möglich. Beim Herabsetzen ist zu beachten, dass der Freistellungsauftrag nur bis zu dem Betrag reduziert werden kann, der bis zum Zeitpunkt der Änderung noch nicht beansprucht wurde.

Fazit: Freistellungsauftrag erteilen und Steuern sparen

Das sonst so komplexe Steuersystem macht es hier sehr einfach, Steuern zu sparen: Mit einem Freistellungsauftrag können Kapitalerträge, z. B. Zinsen aus Geldanlagen, bis zu 1.000 EUR bzw. 2.000 EUR für Ehepaare (Stand: 2023) steuerfrei bleiben. Um diesen Steuervorteil zu nutzen, genügt es einen Freistellungsauftrag bei der Bank einzureichen. Wer mehrere Konten führt, auf denen Kapitalerträge eingehen, kann auch bei mehreren Banken und Finanzinstituten Freistellungsaufträge einreichen. Der Auftrag gilt immer rückwirkend für das laufende Kalenderjahr und kann beliebig oft geändert werden. 

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