Kapitalertragsteuer (KapESt):
Worum geht es bei dieser Steuer?

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Sobald Sie durch eine Investition Profit erwirtschaften, müssen Sie diesen Profit versteuern – auch wenn Sie im Ausland investieren. Doch welche Steuer fällt hier an? Die Kapitalertragsteuer oder die Abgeltungssteuer?

In der Tat gibt es zwischen den beiden Namensgebungen keinen großen Unterschied – zumindest nicht hinsichtlich des Steuersatzes. Die Begriffe werden oft synonym verwendet, der Unterschied liegt in einem kleinen Detail:  

Die Steuer auf Kapitalerträge wird von den Banken in Deutschland automatisch ans Finanzamt abgeführt. Dadurch ist die entsprechende Steuerlast abgegolten und daher kommt der Name „Abgeltungssteuer“. Sofern Sie etwa im Ausland investieren und Gewinn erwirtschaften, müssen Sie die Steuer den deutschen Finanzbehörden selbst erklären und nachzahlen. Dort ist die Steuerlast nicht „abgegolten”, daher ist hier der Begriff „Kapitalertragsteuer” korrekt. 

Worauf Sie bei der Kapitalertragsteuer achten müssen und was sie alles umfasst, sehen wir uns auf dieser Seite an. 

Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen  Information und stellen keine Steuerberatung dar. Für detaillierte Informationen zu Ihrer Steuersituation wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder an den Lohnsteuerverein.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Kapitalertragsteuer (KapESt) ist ein Synonym für die hierzulande bekannten Abgeltungssteuer. Die Abgeltungssteuer ist also eine automatisch ans Finanzamt abgeführte Unterform der Kapitalertragsteuer. Die Funktionsweise ist somit gleich: 25 % + Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer. Die rechtliche Basis ist unter § 32d im Einkommensteuergesetz (EstG) festgeschrieben.
  • Bis 801 EUR oder 1.602 EUR bei zusammen veranlagten Ehepaaren sind Profite aus Kapitalanlagen steuerfrei. Sofern Sie bei deutschen Banken und Anbietern investieren, können Sie diesen einen Freistellungsauftrag erteilen. Dann führen sie für erwirtschaftete Kapitalerträge bis zu der Höhe des Auftrags keine Steuer ab.
  • Die Kapitalertragsteuer fällt auf erwirtschaftete Kapitalerträge etwa aus Zinsen, Dividenden oder Kursgewinnen an. Jede Geldanlage muss also letztendlich versteuert werden.
  • Sofern Sie ausschließlich bei deutschen Banken und Anbietern sparen und investieren, brauchen Sie sich nur über die Höhe der Kapitalertragsteuer zu informieren.
  • Wenn eine Bank die Steuer nicht selbst abführen kann, müssen Sie die das  Formular für Einkünfte aus Kapitalerträgen für die Steuererklärung (Anlage KAP) Ihrer Steuererklärung beifügen. Das ist beispielsweise bei ausländischen Banken und Anbietern der Fall.

Hinweis: Wenn Sie über WeltSparen Tagesgeld und Festgeld bei Partnerbanken im europäischen Ausland anlegen, fällt evtl. eine Quellensteuer an, je nach Land, in dem die Bank ansässig ist. Denken Sie außerdem an Ihren Freistellungsauftrag, um im laufenden Jahr vom Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 EUR zu profitieren.

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Rückblick: Steuersituation vor 2009

  • Grundsätzlich ist die Kapitalertragsteuer bzw. die Abgeltungssteuer eine Unterform zur Einkommensteuer, denn Kapitalerträge zählen zum Einkommen, das wiederum der Einkommensteuer unterliegt. 
  • Bevor die Steuerreform im Jahr 2009 in Kraft trat, war das Steuersystem stark ausdifferenziert und komplex. Die eingeführte Abgeltungssteuer und der mit ihr verbundene Grundsatz, dass inländische Banken eine einheitliche Steuer selbst abführen, macht vieles einfacher. 
  • Vor der Steuerreform mussten Anleger Gewinne aus Aktien nicht versteuern, wenn sie die Aktien mindestens ein Jahr im Portfolio hatten. Und die Kapitalertragsteuer war bei der Einkommensteuer anrechenbar. Heute ist das beides nicht mehr so.   

Bis 2009 mussten Sparer und Anleger ihre Profite entweder als Kapitalertragsteuer (damals auch als Zinsabschlagsteuer bezeichnet) oder zum normalen Einkommensteuersatz versteuern. Die Steuersätze waren je nach Art der Rendite unterschiedlich.

Art der Kapitalerträge Steuerabzug
Dividenden 20 %
Zinsen aus Kapitalanlagen (beispielsweise Zinsen von Sparkonten oder Kapitalerträge aus Wertpapieren) 30 %
Tafel-Geschäfte (anonymisierte Investitionen in Wertpapiere direkt am Bankschalter) 35 %

Die normale Einkommensteuer fiel an, wenn der persönliche Einkommensteuersatz höher als die hier stehenden Steuersätze je Profit war. Wenn also jemand Kapitalerträge in Form von Dividenden erzielte und etwa einen Einkommensteuersatz von 42 % hatte, fielen 42 % statt der nur 20 % an. Grundsätzlich umfasst der höchste annehmbare Grenzsteuersatz der Einkommensteuer 42 % – ab einem Bruttojahreseinkommen von 54.900 EUR. 

 

Vor 2009 mussten Steuerzahler die Kapitalertragsteuer (damals Zinsabschlagsteuer) noch selbst erklären. Wer in Kapitalanlagen investierte und Kapitalerträge erzielte, brauchte also immer die Anlage KAP in der Steuererklärung.

Wissenswert: Der Bund führte die Abgeltungssteuer ein, um das Steuersystem zu vereinheitlichen, Anleger von der Anlage KAP zu befreien und sie zu ermutigen, in Deutschland anzulegen statt im Ausland.

Was ist die Kapitalertragsteuer und wie hoch ist sie aktuell?

Die Kapitalertragsteuer fällt auf erwirtschaftete Kapitalerträge, z. B. aus Zinsen, Dividenden oder Kursgewinnen, an. In der Regel fallen seit 2009 pauschal 25 % + ggf. Kirchensteuer + Solidaritätszuschlag (seit 2021 nur noch für einige Deutsche) an Steuern für Kapitalerträge an.

Rechenbeispiel: Unterschied vor 2009 vs. seit 2009

Bis 2009 Seit 2009
Erzielter Gewinn aus ETF-Investitionen) 1.000 EUR 1.000 EUR
Steuerabzug 30 % 25 %
Davon 5,5 % Soli 1,65 % 1,375 %
Kirchensteuer Keine Keine
Gesamtsteuersatz 31,65 % 26,375 %
Zu zahlende Kapitalertragsteuer 316,50 EUR 263,75 EUR
Gewinn nach Steuerabzug 683,50 EUR 736,25 EUR

Hinweise: Der Einfachheit halber entfällt in diesem Beispiel die Kirchensteuer. Außerdem wurde der Sparerpauschbetrag nicht berücksichtigt. Durch diese beiden Aspekte können sich die Ergebnisse verändern.  

Steuersystem ist heute einfacher

Vor allem Sparer und Anleger, die nur in Deutschland sparen und investieren, müssen sich steuerlich keine Gedanken mehr machen. Die Umstände heute sind leichter verständlich als vor 2009: Sparer und Anleger müssen lediglich wissen, dass der Staat bis zu 26,375 % der Gewinne erhält. Das beinhaltet die Kapitalertragsteuer sowie den Solidaritätszuschlag. Sofern Sie in der Kirche sind, sind es je nach Bundesland bis zu 27,99 %. 

Für Sparer und Anleger, die im Ausland sparen und investieren, gilt beim Steuersatz dasselbe. In einigen Ländern fällt zwar Quellensteuer an, die Sie dort entrichten müssen, dafür sind aber pauschal 30 % der erzielten Gewinne in Deutschland steuerfrei. Sie müssen die Kapitalertragsteuer dann nur noch auf die verbleibenden 70 % entrichten. 

Steuersätze inklusive Kirchensteuer:

Kirchensteuer 8 % (Bayern & BaWü) 9 % (restliche Bundesländer) keine
Kapitalertragsteuer 24,51 % 24,45 % 25 %
Kirchensteuer auf Kapitalertragsteuer 1,96 % 2,20 % entfällt
Solidaritätszuschlag 1,35 % 1,34 % 1,38 %
Prozentualer Steuerabzug 27,82 % 27,99 % 26,375 %

Hinweis: Wenn Kirchensteuer anfällt, wird die Kapitalertragsteuer prozentual um 25 % der anfallenden Kirchensteuer reduziert. So erklären sich die verringerten Prozentwerte in der entsprechenden Zeile. Mehr dazu erfahren Sie auf der Seite zur Abgeltungssteuer.

Bis zu welcher Höhe sind Kapitalerträge steuerfrei?

Der Sparerpauschbetrag verspricht Steuererleichterungen – für jeden. Deshalb schrieben wir auch „bis zu“ 26,375 %. Alle Sparer und Anleger dürfen sich jährlich über – sofern erreicht – 801 EUR steuerfreien Gewinn freuen. Bei zusammen veranlagten Ehepaaren sind bis zu 1.602 EUR erzielter Gewinn steuerfrei. Nur der Betrag oberhalb des Freibetrags ist steuerpflichtig.

Legen Sie bei inländischen Banken an, die die Steuer normalerweise selbst abführen würden, können Sie einen Freistellungsauftrag erteilen. So weisen Sie die Bank an, für Gewinne bis hin zur Höhe des Auftrags keine Steuern abzuführen. 

 

Anlage KAP: Was Sie brauchen, um die Kapitalertragsteuer zu erklären

  • Bei welcher Bank oder welchem Anbieter Sie auch sind – Sie erhalten stets eine Steuerbescheinigung für das letzte Steuerjahr. Darin sind alle relevanten Positionen für die Anlage KAP enthalten. Oft sogar mit hilfreichen Hinweisen. 
  • Die Anlage KAP füllen Sie ebenso wie die Einkommensteuererklärung mithilfe von ELSTER online aus oder Sie nutzen einen dafür geeigneten Drittanbieter.
  • Alle Informationen zur Anlage KAP und wann sie erforderlich ist, finden Sie hier.

Fazit

Die steuerliche Situation bei Kapitalerträgen hat sich seit 2009  für Sparer und Anleger deutlich verbessert. Auch, wenn Vorteile wie steuerfreie Aktien nach einem Jahr Haltedauer nicht mehr bestehen, so ist das Steuersystem nun einheitlich, fair und transparent. Die Kapitalertragsteuer existiert weiterhin und wird oft synonym zur Abgeltungssteuer verwendet – sofern Sie nur im Inland sparen und investieren, heißt es Abgeltungssteuer, sobald Sie im Ausland investieren, ist es die Kapitalertragsteuer.  

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