Wann brauchen Sie die Anlage KAP?

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Wenn Sie ausschließlich bei deutschen Banken und Anbietern sparen oder investieren, ist das Formular für Einkünfte aus Kapitalerträgen für die Steuererklärung (Anlage KAP) für Sie irrelevant und muss nicht ausgefüllt werden. 

Der Grund: Als der Bund die Abgeltungsteuer einführte, veränderten und vereinfachten sich die steuerlichen Abläufe. Seitdem führen Banken anfallende Steuern auf Kapitalerträge selbst und automatisch an den Fiskus ab. Die Steuerschuld ist damit „abgegolten“, woher auch der Name „Abgeltungsteuer“ kommt. 

Wenn aber eine der nachstehenden Fälle auf Sie zutrifft, dann kann es je nach Ihrer Steuersituation sinnvoll sein, die Anlage KAP Ihrer Steuererklärung beizufügen:

  1. Sie erzielen Zinsen und Gewinne bei ausländischen Banken 
  2. Sie haben im Ausland Quellensteuer bezahlt 
  3. Sie erzielen Zinseinnahmen aus einem laufenden Privatdarlehen
  4. Sie haben Erstattungszinsen vom Finanzamt erhalten
  5. Die Bank hat Ihre Kirchensteuer noch nicht ans Finanzamt überwiesen
  6. Sie haben versehentlich Ihren Sparerpauschbetrag überschritten
  7. Sie möchten sich zu viel gezahlte Abgeltungsteuer zurückholen
  8. Der Steuersatz der Abgeltungsteuer ist höher als Ihr Einkommensteuersatz und Sie möchten eine Günstigerprüfung beantragen
  9. Sie möchten bankenübergreifend entstandene Verluste mit einberechnen
  10. Sie verkaufen Anteile an ausländischen, thesaurierenden Fonds / ETFs von vor 2018
  11. Sie verkaufen Alt-Anteile von Fonds / ETFs mit Kaufdatum vor 2009
  12. Ihrer Bank ist ein Fehler unterlaufen


In diesem Text durchlaufen wir alle zwölf Fälle mit entsprechenden Hinweisen dazu. Klicken Sie einfach einen der Fälle oben an, um direkt zu den entsprechenden Kapiteln zu kommen. 

Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und stellen keine Steuerberatung der Raisin Pension GmbH dar. Für detaillierte Informationen zu Ihrer Steuersituation wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder an den Lohnsteuerverein.

 

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Das Wichtigste in Kürze
  • Grundsätzlich müssen Sie erzielte Kapitalerträge versteuern – und zwar mit durchschnittlich 26,375 % + eventuell Kirchensteuer. Dieser Wert entspricht der Abgeltungsteuer, die in § 32d im Einkommensteuergesetz (EstG) festgeschrieben ist.
  • Durch einen Freistellungsauftrag 🡪 können Sie von Ihren Gewinnen bis zu 801 EUR oder als steuerlich zusammen veranlagtes Ehepaar 1.602 EUR steuerfrei einbehalten. Diese Beträge nennen sich auch Sparerpauschbetrag.
  • Mit der Steuerreform von 2009 sind inländische Banken in der Pflicht, anfallende Steuern selbst an die Finanzbehörden abzuführen. Das entlastet Sie als Anleger, weil Sie Ihre Kapitalerträge dadurch in der Steuererklärung nicht mehr angeben müssen.
  • Sparen und investieren Sie ausschließlich bei deutschen Banken und Anbietern, ist die Anlage KAP für Sie nicht mehr relevant.

Gewinne bei ausländischen Banken

  • Hinweis: Anlage KAP ist Pflicht! 

Wenn Sie Gewinne bei ausländischen Banken erzielen, ist die Anlage KAP für Sie weiterhin relevant. Das neue Steuersystem, bei dem die deutschen Banken die Steuer selbst berechnen und abführen, funktioniert bei ausländischen Banken nicht

Dabei hat die Anlage KAP seit der Investmentsteuerreform 2018 zunächst mehrere Formen: 

  1. Normale Anlage KAP (ab sofort entschlackt, da es zwei zusätzliche Formulare gibt)
  2. Neue Anlage KAP-INV (speziell für Fonds und ETFs aus Inland und Ausland)
  3. Neue Anlage KAP-BET (speziell bei Beteiligungen an einer Personengesellschaft)

Das bedeutet: 

Sofern Sie beispielsweise auf einem ausländischen Sparkonto sparen, brauchen Sie die Anlage KAP. Wenn es sich um ein ausländisches Depot handelt, brauchen Sie die Anlage KAP-INV, die speziell nach Aktienfonds, Immobilienfonds und weiteren Investitionen fragt. Die Anlage KAP-BET ist für Personen, die Teil einer Personengesellschaft sind und daraus Kapitalerträge oder anrechenbare Steuern erzielt haben. KAP-BET trifft auf nur wenige Anleger zu, weshalb wir sie hier nicht tiefer beleuchten.  

In den Formularen müssen Sie Ausschüttungen sowie Veräußerungsgewinne beim Verkauf jener Anlagen angeben. Bei thesaurierenden Fonds oder ETFs fällt auf Basis des Investmentsteuerreformgesetzes seit 2018 außerdem eine Vorabpauschale an. Näheres dazu erfahren Sie in unserem Artikel ETFs + Steuern

Hinweis: Aufgrund des negativen Basiszins wird die Vorabpauschale im Jahr 2022 entfallen.

Was Sie in die Felder der Anlage KAP eintragen müssen, erfahren Sie einmal im Jahr mit der kostenlosen Steuerbescheinigung. Das Gute an den Dokumenten: Sie teilen Ihnen auch mit, in welche Zeilen der Anlage KAP oder KAP-INV Sie die Werte einsetzen müssen. Sparen und investieren Sie bei mehreren Banken und erhalten Sie dadurch mehrere Steuerbescheinigungen, zählen Sie einfach alle Werte zusammen.

Muss ich Quellensteuer bezahlen?

  • Hinweis: Die Anlage KAP ist Pflicht, wenn Sie ausländische Kapitalerträge erzielt haben – nicht aber aufgrund der Quellensteuer!  

Manche Staaten behalten Quellensteuer ein. Das ist zwar schon eine extra Steuer, meist für Dividenden, aber Sie können das praktisch wie die Kapitalertragsteuer des entsprechenden Landes verstehen. Viele Länder haben einen Quellensteuersatz von 20-30 %, so wie die Abgeltungsteuer bei uns 25 % + Soli und u.U. Kirchensteuer umfasst. 

Früher konnten Sie sich die im Ausland gezahlte Quellensteuer im Rahmen der Anlage KAP zurückholen, beziehungsweise sich 15 % der Quellensteuer anrechnen lassen. Voraussetzung: Zwischen dem Quellenstaat und Deutschland besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen. 

Das ist bereits mit vielen Staaten der Fall und wird jedes Jahr durch das Bundesfinanzministerium erweitert. Alle „zu viel entrichteten“ Mehraufwände über die anrechenbaren 15 % hinaus können Sie sich mit etwas Aufwand bei den Finanzbehörden des Quellenstaats zurückholen

Auch hier kommen wir aber noch einmal auf die Investmentsteuerreform von 2018 zurück. Ein Teil dieser war auch die neue Teilfreistellung (Informationen: ETFs + Steuern). Sinn der Teilfreistellung ist es, bei ausländischen Aktienfonds – bei denen also Gewinne aus Dividenden erzielbar sind – 30 % aller Erträge pauschal steuerfrei zu stellen. 

Das repräsentiert den Anteil der Quellensteuer. So werden in Deutschland nur 70 % der erzielten Kapitalerträge tatsächlich versteuert. Das soll die Situation der Steuerzahler transparenter und leichter machen. 

Weil die 30 % ohnehin durch das Finanzamt berücksichtigt werden, brauchen Sie extra für die Quellensteuer auch keine Anlage KAP mehr. Jedoch ist sie trotzdem erforderlich, weil Sie ja im Ausland Erträge erzielt haben, die Sie versteuern müssen, wenn sie den Betrag ihres Freistellungsauftrags übersteigen. Deshalb der Hinweis: Sie brauchen die Anlage KAP, aber nicht aufgrund der Quellensteuer, sondern aufgrund der ausländischen Kapitalerträge. 

Zinsen aus einem Privatdarlehen

  • Hinweis: Anlage KAP ist Pflicht! 

Die Abgeltungsteuer müssen Sie auf sämtliche Kapitalerträge entrichten. So auch bei Zinseinnahmen im Rahmen eines Privatdarlehens oder eines anderen privaten Geschäfts, bei dem Sie Profit machen. Sofern Sie also beispielsweise einer anderen Person Geld leihen und dafür Zinsen aufrufen, ist keine Bank im Spiel, die die anfallenden Steuern abführen könnte. Das bedeutet, dass Sie diese privat erhaltenen Zinsen selbst in der Steuererklärung und Anlage KAP angeben sowie verrechnen müssen. 

Erstattungszinsen vom Finanzamt

  • Hinweis: Anlage KAP ist Pflicht! 

Arbeitnehmer, die keine Pflicht zur Steuererklärung haben, haben grundsätzlich bis vier Jahre nach einem entsprechenden Steuerjahr Zeit, die Steuererklärung einzureichen. Sofern das auf Sie zutrifft, dann hätten Sie die Freiheit, die Steuererklärung für das Steuerjahr 2018 auch erst Ende 2022 einzureichen. 

Das Besondere dabei: Gibt es eine Rückzahlungssumme, dann beginnt das Finanzamt 15 Monate nach Ablauf des Steuerjahrs damit, diese Summe zu verzinsen. Und zwar mit attraktiven 0,5 % pro vollem Monat, also bis zu 6 % im Jahr. So kann es kommen, dass Arbeitnehmer, die ihre Steuer spät erklären, Zinseinnahmen seitens des Finanzamts haben. 

Diese Zinsen unterliegen wie alle anderen Kapitalerträge auch der Kapitalertragsteuer. Sie müssen dann also die Zinsen in der Anlage KAP angeben und entsprechend nachträglich mit 26,375 % + eventuell anfallende Kirchensteuer versteuern.

Vorsicht: Die Zinsen von bis zu 6 % im Jahr entstehen auch andersherum. Wenn Sie eine Steuerlast beim Finanzamt haben und Ihre Steuererklärung auch nach 15 Monaten nach Ablauf des Steuerjahrs noch nicht eingereicht haben, berechnet das Finanzamt Verzugszinsen. Und zwar in Höhe von 0,5 % je Monat oder eben bis zu 6 % im Jahr. Diese Zinsen erhalten Sie dann nicht, sondern Sie müssen diese bezahlen.

Kirchensteuer noch nicht verrechnet

  • Hinweis: Anlage KAP ist Pflicht! 

Wenn Sie in der Kirche sind, dann fällt zusätzlich zur Abgeltungsteuer plus Soli eine Kirchensteuer auf Ihre Kapitalerträge an. Je nach Bundesland handelt es sich um 8 % (BaWü und Bayern) oder 9 % (alle anderen Bundesländer) der Abgeltungsteuer. 

Seit 2015 erhalten Banken die Information zur Religionszugehörigkeit vom Bundeszentralamt für Steuern und führen die Kirchensteuer – wo zutreffend – automatisch ab. Sie können dem widersprechen. In dem Fall müssen Sie die Kirchensteuer aber in der Anlage KAP nachtragen und nachzahlen.

Sparerpauschbetrag überschritten

  • Hinweis: Anlage KAP ist hier keine Pflicht, macht aber Sinn! 

Sie können Steuern sparen, indem Sie Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag erteilen. So bleiben bis zu 801 EUR oder bei zusammenveranlagten Ehepaaren bis zu 1.602 EUR der Kapitalerträge steuerfrei. 

Sind Sie bei mehreren Banken und erzielen Sie überall Kapitalerträge, sind auch mehrere Freistellungsaufträge über Teilsummen des gesamten Sparerpauschbetrags sinnvoll. Und da kann es zu einem Fehler kommen: 

Erteilen Sie mehreren Banken mehrere Freistellungsaufträge, kann es passieren, dass Sie aus einem versehentlichen Rechenfehler den Sparerpauschbetrag von maximal 801 EUR / 1.602 EUR überschreiten. Manche Anleger verstehen es auch falsch und reichen jeder Bank einen Freistellungsauftrag über die vollen 801 EUR ein. 

Merken Sie dies nicht sofort, sondern erst nach Ablauf des Steuerjahres, dann brauchen Sie die Anlage KAP oder KAP-INV, um das Versehen auszugleichen. Falls Sie es nicht merken, erhalten Sie sehr wahrscheinlich Post vom Finanzamt. Denn: 

Sobald Sie einer Bank einen Freistellungsauftrag erteilen, meldet die Bank dies dem Bundeszentralamt für Steuern in Bonn. Mit diesem ist wiederum Ihr Finanzamt verbunden, das Ihre Freistellungsaufträge auf Korrektheit prüft. 

Wenn die Finanzämter einen Fehler wie etwa überreizte Sparerpauschbeträge feststellen, melden sie sich und bitten darum, dass Sie die Anlage KAP einreichen. Im schlimmsten Fall kann es aber auch sein, dass die Behörden vorsätzliches Handeln vorwerfen. 

Es ist daher sinnvoll, Rechenfehler oder Missverständnisse von vornherein zu vermeiden. Der Sparerpauschbetrag gilt für alle Geldanlagen und deren Renditen zusammen, also pro Person und nicht pro Bank.

Zu viel gezahlte Steuern zurückholen

  • Hinweis: Anlage KAP ist hier keine Pflicht, macht aber Sinn! 

Situation:

Sie sparen und investieren bei zwei Banken. Beiden Banken erteilen Sie einen Freistellungsauftrag. Einmal über 400 EUR, einmal über 401 EUR. Damit ist der maximale Sparerpauschbetrag von 801 EUR ausgeschöpft. 

Jedoch kommt es nun dazu, dass Sie bei einer Bank 500 EUR Rendite erzielen und bei der anderen 200 EUR. In Summe sind das 700 EUR und diese 700 EUR sind – da kleiner als die Gesamtsumme von 801 EUR – steuerfrei. 

Trotzdem hat die erste Bank 100 EUR der 500 EUR Rendite versteuert, weil Ihr Freistellungsauftrag an diese Bank nur für höchstens 400 EUR galt. 

Die „zu Unrecht“ gezahlte Steuer können Sie sich über die Anlage KAP oder Anlage KAP-INV wieder zurückholen. Denn laut Steuerrecht müssen Sie nur die Kapitalerträge versteuern, die über den Sparerpauschbetrag hinausgehen

Tipp: Wenn Sie merken, dass die Rendite des laufenden Jahres höher ausfällt als die im Freistellungsauftrag vermerkte Summe, können Sie den Freistellungsauftrag anpassen. Melden Sie sich dazu bei Ihrer Bank oder Ihrem Anbieter und klären Sie, wie das funktioniert.

Steuersatz der Abgeltungsteuer höher als Einkommensteuersatz

  • Hinweis: Anlage KAP ist hier keine Pflicht, macht aber Sinn! 

Für manche Anleger, etwa Studenten oder Rentner, kann der Satz der Abgeltungsteuer von 25 % höher als der Grenzsteuersatz der Einkommensteuer sein. Dann ist es sinnvoll, über die Anlage KAP eine sogenannte Günstigerprüfung zu beantragen – diese finden Sie in Zeile 4 der Anlage KAP in Ihrer Steuererklärung. 

Sofern der Grenzsteuersatz tatsächlich unter den 25 % der Abgeltungsteuer liegt, versteuert das Finanzamt Ihre Kapitalerträge mit dem Einkommensteuersatz statt der Abgeltungsteuer. Für Sie bedeutet das: Sie erhalten die entsprechende Differenz zurück. 

Vor dem 02.01.1955 geborene Steuerzahler können darüber hinaus von einem speziellen Freibetrag profitieren, dem Altersentlastungsbetrag für Nebeneinkünfte.    

Es ist sinnvoll, die Zeile 4 der Anlage KAP so oder so auszufüllen. Denn sie beauftragt das Finanzamt nur, den Umstand zu prüfen. Sollte Ihr Grenzsteuersatz höher als die Abgeltungsteuer sein, dann bleibt es einfach dabei, dass Sie den Satz der Abgeltungsteuer bezahlen und nichts zurückerhalten.

Verluste berücksichtigen

  • Hinweis: Anlage KAP ist hier keine Pflicht, macht aber Sinn! 

Sofern Sie bis zum 15.12. des laufenden Steuerjahres eine Verlustbescheinigung bei Ihrer Bank beantragen, können Sie die Gewinne und Verluste mehrerer Anlagen miteinander verrechnen. Dafür stehen die Zeilen 11 und 12 der Anlage KAP bereit. Auch dieser Schritt hat den Sinn, ursprünglich zu viel gezahlte Abgeltungsteuer erstatten zu lassen.

Verkauf älterer, thesaurierender Fonds oder ETFs

  • Hinweis: Anlage KAP ist hier keine Pflicht, macht aber Sinn! 

2018 hat sich die Steuersituation bei thesaurierenden Fonds sowie ETFs verändert. Bis Ende 2017 war es so, dass Sie thesaurierte (also wieder angelegte) Kapitalerträge jedes Jahr selbst in der Steuererklärung angeben mussten. Diese thesaurierten Kapitalerträge wurden in der Steuererklärung als „ausschüttungsgleiche Erträge“ bezeichnet. 

Seit 2018 greift aber die neue Vorabpauschale und die tatsächlich anfallende Steuer wird erst beim Verkauf in voller Höhe ermittelt und mit den Vorabpauschalen verrechnet. 

Dementsprechend: Wenn Sie heute Anteile von thesaurierenden, ausländischen Fonds und ETFs von vor 2018 verkaufen, ist es sinnvoll, dem Finanzamt mitzuteilen, dass Sie die ausschüttungsgleichen Erträge bis Ende 2017 schon versteuert haben. Sonst würden Sie Ihre Kapitalerträge doppelt versteuern. 

Die Anlage KAP bietet in Zeile 5 die Möglichkeit, eine „Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge“ zu beantragen. Darunter, in Zeile 7, können Sie die Kapitalerträge mithilfe der Steuerbescheinigung korrigieren. 

Damit Sie Missverständnisse vermeiden, wird allgemein empfohlen, sämtliche An- und Verkaufsabrechnungen, Steuerbescheinigungen sowie Depotauszüge der letzten Jahre aufzubewahren. Wenn Sie erst nach dem 01.01.2018 in die ausländischen, thesaurierenden Fonds und ETFs investiert haben und die Anteile heute verkaufen, müssen Sie hinsichtlich der Anlage KAP nichts beachten.

Verkauf von Fonds oder ETFs mit Erwerb vor 2009

  • Hinweis: Anlage KAP ist hier keine Pflicht, macht aber Sinn! 

Wer vor 2009 in Fonds oder ETFs investiert hat und diese erst heute verkauft, handelt laut Gesetz mit Alt-Anteilen. Kapitalerträge aus Alt-Anteilen sind weitestgehend steuerfrei. Weitestgehend bedeutet das, dass die Renditen aus solchen Alt-Anteilen bis Ende 2017 tatsächlich komplett steuerfrei sind und alle ab 2018 erzielten Renditen bis zu einer Gesamtsumme von 100.000 EUR.

Diese Summe beachtet jedoch nur das Finanzamt und nicht die Bank

Was bedeutet: Die Banken haben Ende 2017 den Stand des Fonds oder ETFs als „fiktiven steuerfreien Veräußerungsgewinn“ eingefroren und ab 2018 gemäß Steuerrecht die angefallenen Kapitalerträge versteuert. Mittels der Anlage KAP und den Zeilen 7 sowie 8a sichern Sie sich den ab 2018 zustehenden Freibetrag von 100.000 EUR und können sich zu viel gezahlte Abgeltungsteuer zurückholen.

Ihrer Bank ist ein Fehler unterlaufen

  • Hinweis: Anlage KAP ist hier keine Pflicht, macht aber Sinn! 

Banken arbeiten mit hoher Sorgfalt und in der Regel kommt es nicht zu fehlerhaften Steuerabführungen. Prüfen Sie trotzdem die erhaltenen Steuerbescheinigungen darauf, ob alles korrekt ist. Falls es zu Fehlern kam, können Sie diese mit der Anlage KAP ausgleichen. Setzen Sie sich aber auch mit der Bank in Verbindung.

Fazit

Für die Mehrheit der Anleger ist die Anlage KAP heute nicht mehr relevant. Angesichts der zwölf Ausnahmefälle könnte man das aber anzweifeln. Trotz der Steuerreform im Jahr 2009 sind die Anlagen KAP, KAP-INV und KAP-BET bis heute durchaus ein Thema. Die Aussage, dass die Anlage KAP für die Mehrheit der Anleger nicht mehr relevant sei, ist unterm Strich nur dann korrekt, wenn die Mehrheit der Anleger diesem Profil entspricht: 

  • Grenzsteuersatz ist größer als der Abgeltungsteuersatz
  • Sie sparen und investieren erst ab frühestens dem 01.01.2018
  • Und das auch nur bei ausschließlich inländischen Banken und Anbietern
  • Sie erzielen abseits der Banken und Anbieter keine weiteren Erträge
  • Sie erklären ihre Steuer immer schon nach kurzer Zeit
  • Sie sind nicht in der Kirche oder lassen ihre Bank Kirchensteuer mit abführen
  • Sie haben ihre Freistellungsaufträge erteilt und den Freibetrag nicht überschritten 
  • Die Bank macht keine Fehler

Hinweis zum Schluss: Als Arbeitnehmer oder Rentner können Sie die Steuererklärung und Anlagen weiterhin händisch ausfüllen und postalisch verschicken. Die Pflicht zur digitalen Formularübermittlung gilt vorerst nur für Gewerbetreibende.

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