Für bestimmte Fälle: Wann sollte die Anlage KAP in der Steuererklärung ausgefüllt werden?

StartseiteSteuer › Anlage-Kap

Anlage KAPAnlage KAPAnlage KAP

Anlegerinnen und Anleger, die Einkommen aus Kapitalvermögen erzielen, müssen dieses versteuern. Dafür wurde bis 2018 das Formular für Einkünfte aus Kapitalerträgen (Anlage KAP) in der Steuererklärung ausgefüllt. Mittlerweile hat sich das Steuersystem durch die Abgeltungssteuer vereinfacht und die Anlage KAP ist nur noch in bestimmten Fällen erforderlich.

Wenn Erträge ausschließlich bei deutschen Banken und Anbietern erzielt wurden, wird die Anlage KAP bei der Steuererklärung nicht benötigt. Jedoch gibt es andere Situationen, in denen das Ausfüllen der Anlage KAP durchaus Sinn ergibt, zum Beispiel wenn die Bank beim Einbehalten der Steuern einen Fehler gemacht hat.

Was die Anlage KAP ist und wer sie wann ausfüllen sollte, erklären wir Ihnen hier:  

Das Wichtigste in Kürze
  • Definition: Die Anlage KAP ist ein Formular in der Steuererklärung, in dem Anlegerinnen und Anleger ihre Einkünfte aus Kapitalerträgen angeben, die sie versteuern müssen.
  • Kapitalertragsteuer: Auf alle Kapitalerträge ist eine Abgeltungssteuer von 25 %, der Solidaritätszuschlag von 5,5 % plus gegebenenfalls Kirchensteuer zu zahlen. Die Summe dieser Steuern nennt sich Kapitalertragsteuer.
  • Pflicht: In vielen Fällen können Anlegerinnen und Anleger auf die Anlage KAP in ihrer Steuererklärung verzichten, da die Steuern in Deutschland automatisch abgeführt werden. In einigen Situationen kann das Ausfüllen der Anlage KAP dennoch Pflicht sein.
  • Freistellungsauftrag: Anlegerinnen und Anleger können jährlich über einen Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 EUR pro Person und 1.602 EUR pro Ehepaar verfügen. Hierfür wird ein Freistellungsauftrag erteilt. Einen zu hohen Steuerabzug können Sie sich über die Anlage KAP zurückholen.

Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und stellen keine steuerliche Beratung dar. Für detaillierte Informationen zu Ihrer Steuersituation wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder an den Lohnsteuerverein.

Was ist die Anlage KAP?

Was ist die Anlage KAP?Was ist die Anlage KAP?Was ist die Anlage KAP?

Die Anlage KAP ist ein Formular in der Steuererklärung, in dem Angaben zu Kapitalerträgen gemacht werden. Fast alle Kapitalerträge sind mit 25 % Abgeltungssteuer zzgl. 5,5 % Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls der Kirchensteuer zu versteuern. Zu diesen Erträgen zählen Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Kapitalvermögen wie Fonds oder anderen Wertpapieren.

Seit der Investmentsteuerreform 2018 hat die Anlage KAP mehrere Formen:

  1. Verkürzte ursprüngliche Anlage KAP
  2. Neue Anlage KAP-INV für Fonds und ETFs
  3. Neue Anlage KAP-BET für Beteiligungen an einer Personengesellschaft

Was in die Felder der Anlage KAP eingetragen wird, erfahren Sie einmal im Jahr mit der kostenlosen Steuerbescheinigung. Dort steht ganz genau, in welche Zeile die Werte geschrieben werden müssen. Wenn Sie bei mehreren Banken Kapitalvermögen anlegen bzw. investieren und dadurch mehrere Steuerbescheinigungen erhalten, können diese Erträge zusammengerechnet und gebündelt in der Anlage KAP eingetragen werden.

Wollen Sie Ihre Geldanlage optimieren?

Bei uns erfahren Sie, was für Sie drin ist! Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie Geldanlage-Tipps direkt in Ihr Postfach:

  • Top-Zinsangebote
  • renditeorientierte Kapitalmarktanlagen
  • Altersvorsorge mit Steuervorteilen

  • wöchentlich auf dem Laufenden bleiben
  • jederzeit Abmeldung möglich

Ist die Anlage KAP Pflicht?

Ist die Anlage KAP Pflicht?Ist die Anlage KAP Pflicht?Ist die Anlage KAP Pflicht?

Es besteht keine grundsätzliche Pflicht, die Anlage KAP bei der Steuererklärung auszufüllen. Nur in bestimmten Situationen, zum Beispiel bei Einkünften aus Kapitalerträgen von ausländischen Banken, muss die Anlage KAP ausgefüllt werden.

Das Ausfüllen der Anlage KAP ist Pflicht, wenn Sie

  • Kapitalerträge im Ausland erzielen
  • Zinsen aus einem Privatdarlehen erhalten
  • Rückerstattungszinsen vom Finanzamt erhalten
  • dem automatischen Abführen der Kirchensteuer widersprechen

Vor 2009 war das Formular zu Kapitalerträgen für jede Anlegerin und jeden Anleger Pflicht. Um das System zu vereinfachen, wurde die Abgeltungssteuer von 25 % eingeführt, wodurch Banken die anfallenden Steuern selbst und automatisch einbehalten. Trotzdem ist die Anlage KAP nicht überflüssig, denn es gibt neben den Pflicht-Situationen auch Fälle, in denen es sinnvoll sein kann, sie auszufüllen.

In diesen Fällen ist die Anlage KAP Pflicht oder sinnvoll

Auch wenn die Anlage KAP nur in wenigen Fällen Pflicht ist, kann es sinnvoll sein, sie trotzdem auszufüllen. Wir erklären ganz genau, unter welchen Umständen das Formular in der Steuererklärung benötigt wird.

Kapitalerträge bei ausländischen Banken trotz Quellensteuer

Kapitalerträge bei ausländischen Banken trotz QuellensteuerKapitalerträge bei ausländischen Banken trotz QuellensteuerKapitalerträge bei ausländischen Banken trotz Quellensteuer

Pflicht

Anlegerinnen und Anleger, die ihr Geld in ausländische Kapitalanlagen investieren, müssen die Anlage KAP bei ihrer Steuererklärung ausfüllen. Denn das Steuersystem, bei dem die Banken die Steuern selbst berechnen und einbehalten, funktioniert nur in Deutschland und nicht im Ausland. Das heißt, alle Erträge sowie Veräußerungsgewinne beim Verkauf der Anlagen werden in das Formular eingetragen.

Für Geld, das auf einem ausländischen Sparkonto eingezahlt wurde, reicht die normale Anlage KAP aus. Handelt es sich um ein ausländisches Depot, ist die Anlage KAP-INV auszufüllen, die speziell auf Aktienfonds, Immobilienfonds und weiteren Investitionen ausgelegt ist.

Aber wieso müssen manche Anlegerinnen und Anleger eine sogenannte Quellensteuer auf ausländische Kapitalerträge zahlen, obwohl die Kapitalertragssteuer in Deutschland bereits abgeführt wurde? Die Quellensteuer ist die Kapitalertragsteuer des entsprechenden Landes, die nichts mit der Steuer in Deutschland zu tun hat. Behält der Staat diese extra Steuer ein, würden die Einkünfte aus dem Kapitalvermögen doppelt versteuert werden. Deswegen wurde mit der neuen Investmentsteuerreform von 2018 eine Teilfreistellung eingeführt. Dadurch werden zum Beispiel 30 % aller Erträge aus ausländischen Aktienfonds pauschal steuerfrei gestellt und nur 70 % der erzielten Kapitalerträge versteuert. Dadurch wird der Anteil der Quellensteuer ausgeglichen.

Stellen Sie Ihr individuelles ETF-Portfolio selbst zusammen.
Langfristiger Vermögensaufbau mit dem ETF-Configurator

Mit unserem ETF Configurator bauen Sie ein Portfolio ganz nach Ihren Wünschen.

Zum ETF Configurator

Zinseinnahmen aus einem Privatdarlehen

Zinseinnahmen aus einem PrivatdarlehenZinseinnahmen aus einem PrivatdarlehenZinseinnahmen aus einem Privatdarlehen

Pflicht

Werden Zinsen aus einem privaten Darlehen oder einem anderen privaten Geschäft erzielt, bei dem Profit gemacht wird, fallen diese Einkünfte unter die Kategorie Kapitalerträge. Da bei den meisten Privatdarlehen keine Bank im Spiel ist, werden die Steuern nicht automatisch abgeführt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Person einer anderen Geld leiht. Die privaten Zinseinnahmen sind dann in der Anlage KAP bei der Steuererklärung anzugeben.

Erstattungszinsen vom Finanzamt

Erstattungszinsen vom FinanzamtErstattungszinsen vom FinanzamtErstattungszinsen vom Finanzamt

Pflicht

Arbeitnehmende, die zur Steuererklärung nicht verpflichtet sind, haben bis zu vier Jahre nach einem Steuerjahr Zeit, um die Steuererklärung einzureichen. Gibt es eine Rückzahlungssumme, beginnt das Finanzamt 15 Monate nach Ablauf des Steuerjahres damit, diese Summe zu verzinsen – und das mit einem Zinssatz von 0,5 % pro vollem Monat, also bis zu 6 % im Jahr. Diese Zinsen unterliegen ebenfalls der Kapitalertragsteuer und sind in der Anlage KAP anzugeben und nachträglich zu versteuern.

Vorsicht: Das Finanzamt verzinst nicht nur Steuerrückzahlungen, sondern auch Nachzahlungen, die geleistet werden. Das heißt: Wir die Steuererklärung nicht 15 Monate nach Ablauf des Steuerjahres eingereicht und ist eine Nachzahlung zu leisten, berechnet das Finanzamt Verzugszinsen. Diese liegen ebenfalls bei 0,5 % im Monat bzw. bis zu 6 % im Jahr.

Nachträgliches Abführen der Kirchensteuer

Nachträgliches Abführen der KirchensteuerNachträgliches Abführen der KirchensteuerNachträgliches Abführen der Kirchensteuer

Pflicht

Für Anlegerinnen und Anleger, die Mitglied der Kirche sind, fällt zusätzlich zur Abgeltungssteuer und dem Solidaritätszuschlag noch die Kirchensteuer an. Diese wird von den Banken ebenfalls automatisch abgeführt. Dem kann allerdings widersprochen werden. Anschließend muss die Kirchensteuer spätestens bei der nächsten Steuererklärung in der Anlage KAP nachgetragen und nachgezahlt werden.

 

Sparerpauschbetrag überschritten

Sparerpauschbetrag überschrittenSparerpauschbetrag überschrittenSparerpauschbetrag überschritten

Sinnvoll

Mit einem Freistellungsauftrag über den Sparerpauschbetrag können Anlegerinnen und Anleger jährlich Steuern sparen. Bis zu 801 EUR oder bei zusammenveranlagten Ehepaaren bis zu 1.602 EUR, der Kapitalerträge bleiben dann steuerfrei. Wenn Sie bei mehreren Banken Einkünfte aus Kapitalvermögen erzielen, können Sie den Sparerpauschbetrag aufteilen. Dadurch kann es passieren, dass durch einen Rechenfehler oder unerwartet hohe Kapitalerträge die Grenze von 801 EUR bzw. 1.602 EUR überschritten wird.

Um die Kapitalerträge dann korrekt zu versteuern, muss die Anlage KAP oder KAP-INV mit der nächsten Steuererklärung ausgefüllt werden. Falls Sie es nicht selbst merken, wird sich das Finanzamt bei Ihnen melden. Wenn Sie bei jeder Bank einen Freistellungsauftrag von 801 EUR bzw. 1.602 EUR gestellt haben und die Beträge überschreiten, kann Ihnen die Behörde im schlimmsten Fall vorsätzliches Handeln vorwerfen. Daher ist es sinnvoll, Rechenfehler oder Missverständnisse von vornherein zu vermeiden oder entsprechend früh aufzuklären.

Zu viel gezahlte Steuern zurückholen

Zu viel gezahlte Steuern zurückholenZu viel gezahlte Steuern zurückholenZu viel gezahlte Steuern zurückholen

Sinnvoll

Wenn Sie den Sparerpauschbetrag von 801 EUR zum Beispiel auf zwei Banken mit einmal 400 EUR und einmal 401 EUR aufteilen und Sie in einem Fall den Betrag überschreiten, werden automatisch Steuern einbehalten. Erzielen Sie zum Beispiel bei der einen Bank 500 EUR Rendite und bei der anderen 200 EUR, liegt die Gesamtsumme von 700 EUR unter dem maximalen Sparerpauschbetrag von 801 EUR und ist somit steuerfrei. Trotzdem hat die erste Bank bereits 100 EUR versteuert, da der Freistellungsauftrag nur für höchstens 400 EUR galt.

Dieser Steuerabzug kann über die Anlage KAP in der nächsten Steuererklärung geltend gemacht werden.

Günstigerprüfung durch niedrigeren Steuersatz

Günstigerprüfung durch niedrigeren SteuersatzGünstigerprüfung durch niedrigeren SteuersatzGünstigerprüfung durch niedrigeren Steuersatz

Sinnvoll

Für manche Anlegerinnen und Anleger, etwa Studierende, Rentnerinnen oder Rentner, kann der Steuersatz der Abgeltungssteuer höher sein als der Grenzsteuersatz der Einkommensteuer. In diesem Fall ist es sinnvoll, über die Anlage KAP eine sogenannte Günstigerprüfung zu beantragen. Denn wenn der Grenzsteuersatz tatsächlich unter den 25 % der Abgeltungssteuer liegt, werden die Kapitalerträge mit dem niedrigeren Steuersatz versteuert. Die entsprechende Differenz erhalten Anlegerinnen und Anleger dann über die Steuererklärung zurück.

Verluste berücksichtigen

Verluste berücksichtigenVerluste berücksichtigenVerluste berücksichtigen

Sinnvoll

Sofern bis zum 15.12. des laufenden Steuerjahres eine Verlustbescheinigung bei der Bank beantragt wurde, können Gewinne und Verluste mehrerer Anlagen über die Anlage KAP in der Steuererklärung miteinander verrechnet werden. Dadurch kann ein zu hohen Steuerabzug erstattet werden.

Verkauf von thesaurierenden Fonds oder ETFs mit Erwerb vor 2018

Verkauf von thesaurierenden Fonds oder ETFs mit Erwerb vor 2018Verkauf von thesaurierenden Fonds oder ETFs mit Erwerb vor 2018Verkauf von thesaurierenden Fonds oder ETFs mit Erwerb vor 2018

Sinnvoll

Seit 2018 greift bei thesaurierenden Fonds und ETFs die Vorabpauschale. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten Anlegerinnen und Anleger die thesaurierten, also wieder angelegten Kapitalerträge, jedes Jahr selbst in der Steuererklärung angeben. Durch die Vorabpauschale wird die tatsächlich anfallende Steuer erst beim Verkauf in voller Höhe ermittelt und mit der Vorabpauschale verrechnet.

Anlegerinnen und Anleger, die erst nach dem 01.01.2018 in ausländische thesaurierende Fonds investiert haben, brauchen die Anlage KAP diesbezüglich nicht auszufüllen.

Verkauf von Fonds oder ETFs mit Erwerb vor 2009

Verkauf von Fonds oder ETFs mit Erwerb vor 2009Verkauf von Fonds oder ETFs mit Erwerb vor 2009Verkauf von Fonds oder ETFs mit Erwerb vor 2009

Sinnvoll

Anlegerinnen und Anleger, die heute Fonds oder ETFs verkaufen, in die sie bereits vor 2009 investiert haben, handeln laut Gesetz mit Alt-Anteilen. Kapitalerträge aus Alt-Anteilen sind bis 2017 in voller Höhe steuerfrei. Seit 2018 gilt das für alle erzielten Renditen bis zu einer Gesamtsumme von 100.000 EUR.

Diese Regelung wird jedoch nur vom Finanzamt beachtet, nicht von der Bank. Das bedeutet, dass die Banken automatisch Steuern einbehalten, die sich Anlegerinnen und Anleger über die Anlage KAP der Steuererklärung zurückholen können.

Fehler der Bank

Fehler der BankFehler der BankFehler der Bank

Sinnvoll

In der Regel kommt es nicht zu fehlerhaften Steuerabzügen, da Banken mit hoher Sorgfalt vorgehen. Dennoch können Fehler passieren und daher ist es sinnvoll, die erhaltenen Steuerbescheinigungen zu prüfen. Falls tatsächlich ein Fehler bei der einbehaltenen Steuer vorliegt, kann dieser mit der Anlage KAP korrigiert werden.

Fazit: Die Anlage KAP ist nur bedingt Pflicht, aber dennoch sinnvoll

Die Anlage KAP in der Steuererklärung ist für manche Anlegerinnen und Anleger durch die Investmentsteuerreform von 2018 irrelevant geworden. Dennoch kann es in besonderen Fällen sinnvoll sein, das Formular bei der Steuererklärung auszufüllen. Zum Beispiel dann, wenn die Bank zu viele Steuern einbehalten hat oder Sie eine Günstigerprüfung durchführen lassen möchten. In manchen Fällen ist die Anlage KAP sogar Pflicht. Das gilt für Kapitalerträge durch ausländische Investitionen, Zinseinnahmen durch ein Privatdarlehen, Erstattungszinsen vom Finanzamt und die Nachzahlung der Kirchensteuer.

Gut Basierend auf 4.089 Bewertungen