Schenkungssteuer: Hohe Freibeträge
und niedrige Steuersätze

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Wohlhabende Eltern wissen um die Steuerlast, die entstehen kann, wenn bei einem großen Erbe Erbschaftssteuer anfällt. Deshalb verteilen sie ein größeres Erbe oft schon zu Lebzeiten an die Nachkommen – und dürfen das auch steuerfrei tun. In Zeiträumen von je zehn Jahren ist es erlaubt, im Rahmen der geltenden Freibeträge steuerfreie Schenkungen vorzunehmen. Die wichtigsten Fakten zur Schenkungssteuer erfahren Sie auf dieser Seite, darunter werden u.a. folgende Fragen behandelt:

  1. Welche Freibeträge gelten für welchen Verwandtschaftsgrad? 
  2. Wie hoch sind die Steuersätze, falls Schenkungssteuer anfällt? 
  3. Welche Schenkungs-Strategien wenden Familien legal an?
Das Wichtigste in Kürze
  • Für Schenkungen kann je nach Wert der Schenkung eine Schenkungssteuer anfallen. Jedoch erst ab hohen Freibeträgen von bis zu 500.000 EUR je nach Grad der Verwandtschaft (Ehepartner / Kinder / Enkel / …). Schenkungen können sowohl Geldwerte als auch Sachwerte wie beispielsweise Immobilien beinhalten. Die Steuer muss immer der Beschenkte zahlen.
  • Die Freibeträge beziehen sich auf einen Zeitraum von je zehn Jahren. Bedeutet, dass alle zehn Jahre eine Schenkung bis hin zum Gesamtwert des zustehenden Freibetrags ohne Schenkungssteuer funktioniert.
  • Sofern Schenkungssteuer anfällt, weil Freibeträge überschritten werden, richtet sich der Steuersatz nach dem Grad der Verwandtschaft sowie dem Wert der Schenkung. Versteuern müssen Sie nur die Differenz ab dem Freibetrag aufwärts.
  • Die Schenkungssteuer muss jeder zahlen, der von einer nahestehenden Person eine Zuwendung erhält, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Weil die Schenkung zu Lebzeiten erfolgt, kann die Steuer auch von der schenkenden Person übernommen werden. Haben Sie eine Schenkung erhalten, sind Sie und der Schenkende dafür verantwortlich, dies innerhalb der folgenden drei Monate dem Finanzamt mitzuteilen.

Freibeträge bei Schenkungen: Bis zu 500.000 EUR

  • Je näher die Beschenkten mit dem Schenkenden verwandt sind, desto höher ist der Freibetrag. Bei Schenkungen unter Ehepartnern sind bis zu 500.000 EUR steuerfrei – und selbst bei Enkeln sind es noch 200.000 EUR. 
  • Man darf selbst bis zu 20.000 EUR steuerfrei an Menschen verschenken, die nicht mit einem verwandt sind. 

 

Hier sämtliche Freibeträge je nach Verwandtschaftsgrad:

Grad der Verwandtschaft Steuerfreie Schenkung alle 10 Jahre (Wert, kann beispielsweise auch Immobilien enthalten)
Ehepartner / eingetragene Lebenspartner des Schenkenden 500.000 EUR
Kinder des Schenkenden 400.000 EUR
Enkelkinder des Schenkenden (wenn Kinder des Schenkenden noch leben) 200.000 EUR
Enkelkinder des Schenkenden (wenn Kinder des Schenkenden nicht mehr leben) 400.000 EUR
Urenkel des Schenkenden 200.000 EUR
Eltern / Großeltern bei Schenkungen seitens Kindern / Enkeln 20.000 EUR
Alle anderen, auch unverwandt 20.000 EUR

Steuersätze: Wie viel Steuer fällt an?

  • Zur Ermittlung des Freibetrags werden Beschenkte bestimmten Steuerklassen zugeordnet. Der Steuergesetzgeber hat drei Steuerklassen geschaffen, denen Erben und Beschenkte je nach Verwandtschaftsgrad zugeteilt werden.
  • Die drei Steuerklassen haben nichts mit den Steuerklassen der Einkommensteuer zu tun, sondern sind allein für die Definition von Freibeträgen und Schenkungssteuersätzen für die Beschenkten bestimmt. 
  • Wie hoch der Steuersatz in der entsprechenden Steuerklasse ist, entscheidet sich mit der Höhe der Schenkung über den zustehenden Freibetrag hinaus

Sehr nahe Verwandte wie Ehepartner, Lebenspartner, Kinder, Stiefkinder, Adoptivkinder sowie Enkel und Urenkel, werden immer der Steuerklasse 1 zugeordnet.

Alle anderen Verwandten gehören der Steuerklasse 2 an.

Für nicht verwandte Personen gilt die Steuerklasse 3.

Diese Steuern fallen an, sofern die Freibeträge ausgeschöpft sind:

Wert der Schenkung (über den zustehenden Freibetrag hinaus) Steuerklasse 1 Steuerklasse 2 Steuerklasse 3
Bis 75.000 EUR 7 % 15 % 30 %
Bis 300.000 EUR 11 % 20 % 30 %
Bis 600.000 EUR 15 % 25 % 30 %
Bis 6.000.000 EUR 19 % 30 % 30 %
Bis 13.000.000 EUR 23 % 35 % 50 %
Bis 26.000.000 EUR 27 % 40 % 50 %
Über 26.000.000 EUR 30 % 43 % 50 %

Beispiel: 

  • Schenkung seitens der Großeltern an einen Enkel im Wert von 230.000 EUR. 
  • Der Enkel hat einen Freibetrag von 200.000 EUR und muss somit 30.000 EUR via Schenkungssteuer versteuern. 
  • Die 30.000 EUR zählen zum ersten Bereich „unter 75.000 EUR“, zudem ist der Enkel als naher Verwandter in Steuerklasse 1. Es fallen also 7 % Schenkungssteuer auf die 30.000 EUR an. 
  • Der Enkel muss 2.100 EUR ans Finanzamt entrichten. Von der Schenkung bleiben ihm 227.900 EUR. Wichtig ist, dass gegebenenfalls weitere Steuern wie zum Beispiel Abgeltungsteuer anfallen können. Dies hängt davon ab, welche Geld- oder Sachwerte die Schenkung umfasste. 

Kettenschenkung: Mehr schenken, weniger versteuern?

Die einen bezeichnen sie als Schlupfloch für Steuersünder, dabei ist sie laut Gesetz eine erlaubte Strategie: Die Kettenschenkung. Sie wird als Gestaltungsinstrument im Schenkungsrecht betrachtet, das zur Einsparung von Schenkungssteuer verwendet werden kann.

1. Ein Vater möchte 750.000 EUR an seinen Sohn überschreiben.

2. Der Sohn müsste aber ab 400.000 EUR Steuern zahlen (siehe Tabelle Freibeträge bei Schenkungen). Würde der Vater den Transfer also direkt vornehmen, dann müsste der Sohn die Differenz von 350.000 EUR versteuern. 

3. Also überschreibt der Vater zunächst 400.000 EUR an die Ehefrau, wobei keine Steuer anfällt, weil Ehepartner bis zu 500.000 EUR steuerfrei erhalten dürfen. 

4. Dann schenkt die Ehefrau diese 400.000 EUR wiederum steuerfrei dem Sohn und der Vater überschreibt die restlichen 350.000 EUR ebenfalls direkt. 

5. Resultat: Der Sohn hat die 750.000 EUR und zahlt keine Steuern.

 

Diese Kette ließe sich natürlich noch mit Enkeln und weiteren Verwandten fortführen. Je nachdem, wer wie viel Geld erhalten soll. 

Die Perspektive des Steuerschlupflochs ist insofern nachvollziehbar, als sich die Freibeträge pro Schenkung immer auf den Grad der Verwandtschaft beziehen und sich im Rahmen einer Kettenschenkung ändern können. 

So können selbst noch höhere Summen durch eine geschickte Kette steuerfrei oder mit nur minimalen Steuerlasten verschenkt werden. Das Gesetz würde erlauben, dass sich der Sohn aus dem Beispiel alle zehn Jahre 2x bis zu 400.000 EUR von je einem Elternteil, 2x bis zu 200.000 EUR von Großmutter und Großvater und mehrfach bis zu 20.000 EUR von anderen Leuten schenken lassen könnte, ohne es versteuern zu müssen. 

Viele wohlhabende Familien nutzen diese Freiheit, um große Vermögen schon weit vor dem Tod in der Familie zu verteilen, bevor es zum Erbe sowie zur Erbschaftssteuer kommt. Und selbst, wenn die Summen leicht über den Freibeträgen sind, dann ist die letztendliche Steuerlast in den meisten Fällen marginal. 

Bei den meisten Familien wird jedoch nicht so viel verschenkt, als dass die Schenkungsteuer relevant würde. Generell liegen die Summen deutlich unter den Freibeträgen.

Fazit: Steuern sparen mit Zuwendungen zu Lebzeiten

Die Schenkungssteuer ist hierzulande klar geregelt. Es gelten bestimmte Freibeträge und Steuersätze, die jeweils abhängig sind vom Verwandtschaftsgrad. Wird der individuelle Freibetrag ausgeschöpft, muss auf den Restbetrag Steuer gezahlt werden. Mit der richtigen Strategie können Schenker oder Beschenkte jedoch sehr viel Geld einsparen. Freibeträge für Schenkungen dürfen beispielsweise alle 10 Jahre neu ausgenutzt werden. Bei großen Vermögen kann es daher sinnvoll sein, sich möglichst früh eine geeignete Strategie zu überlegen.

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