Rentenbesteuerung: Wie hoch sind die Steuern auf meine Rente?

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Früher oder später geht jeder von uns in Rente. Jeder Arbeitnehmerin und jedem Arbeitnehmer steht nach dem Berufsleben eine gesetzliche Altersrente zu. Auf dieses Einkommen fällt jedoch eine Rentenbesteuerung an. Aber wie hoch ist diese und muss wirklich jede Rentnerin und jeder Rentner Steuern auf die Rente zahlen? Bei der Beantwortung dieser Frage spielt der Rentenfreibetrag eine Rolle. Er wird vom Jahr des Renteneintritts bestimmt und ändert sich bis ans Lebensende nicht. Auch wenn die Regierung eine Rentenerhöhung verfügt, bleibt der Rentenfreibetrag gleich. Doch das führt zu einer minimal höheren Besteuerung in den Folgejahren, wodurch das Modell der Rentenbesteuerung heftig umstritten ist.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie viel Rente nach der Rentenversteuerung für die Zeit des Ruhestands übrig bleibt und welche Steuervorteile auf Altersvorsorgeprodukte möglich sind.

Das Wichtigste in Kürze
  • Alterseinkünftegesetz: Das seit 2005 verbindliche Gesetz hat die Abzugsfähigkeit von Altersvorsorgeaufwendungen und die Besteuerung von Renten grundlegend geändert. Das Modell ist jedoch heftig umstritten.
  • Rentenbesteuerung: Die Differenz zwischen dem zu versteuernden Anteil und der Bruttorente  nennt man Rentenfreibetrag. Das Finanzamt berechnet diesen im ersten vollen Rentenjahr und er bleibt bis zum Lebensende identisch.
  • Rentenfreibetrag: Der einmalig festgesetzte Freibetrag zur Rentenbesteuerung ändert sich bis zum Lebensende nicht. Doch jedes Jahr erhöht der Staat die Rente um wenige Prozentpunkte, was zu einer minimal höheren Besteuerung in den Folgejahren führen kann.
  • Altersvorsorgeprodukte: Staatlich geförderte Produkte zur Altersvorsorge, wie die Riester-Rente, die Rürup-Rente oder eine Betriebsrente, müssen zwar mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden, sind in der Regel jedoch mit Steuervorteilen verbunden.

Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und stellen keine Steuerberatung der Raisin Pension GmbH dar. Für detaillierte Informationen zu Ihrer Steuersituation wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder an den Lohnsteuerverein.

Was genau versteht man unter Rentenbesteuerung?

Mit dem 2002 erlassenen und seit 2005 verbindlichen Alterseinkünftegesetz haben sich die Abzugsfähigkeit von Altersvorsorgeaufwendungen und die Rentenbesteuerung grundlegend geändert. Der neue Standard erfolgt gemäß dem  Prinzip der nachgelagerten Besteuerung.

RentenbesteuerungRentenbesteuerungRentenbesteuerung

Das bedeutet:

  • Immer höhere prozentuale Anteile privater Altersvorsorgeaufwendungen sind steuerlich absetzbar
  • Die späteren Renten unterliegen zu immer höheren Anteilen der Einkommensteuer

Dieses aktuelle Modell der Rentenbesteuerung ist sehr umstritten.

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Wie hoch ist die Rentenbesteuerung?

Das Renteneintrittsjahr bestimmt, wie viel Sie von Ihrer Rente versteuern müssen. Wer 2021 in Rente geht, muss 81 % der Rente versteuern. Dieser Prozentsatz nimmt zu, je später man in Rente geht und dient der einmaligen Berechnung des Rentenfreibetrags, welcher lebenslang gilt.

Der Rentenfreibetrag ist die Differenz zwischen dem zu versteuernden Anteil und der Bruttorente und wird vom Finanzamt festgeschrieben. Wenn die Regierung die gesetzlichen Rentenzahlungen jedes Jahr zum 01. Juli anpasst, gilt der Rentenfreibetrag weiterhin in gleicher Höhe, das heißt, Rentnerinnen und Rentner müssen zunehmend mehr Steuern auf ihre Rente zahlen. Doch wie viel ist das genau?

Wie hoch ist der Rentenfreibetrag,
wenn ich in Rente gehe?

Folgende Tabelle zeigt, wie sich der zu versteuernde Rentenanteil entwickelt hat und zu wie viel Prozent  Steuerpflichtige, die in den kommenden Jahren in Rente gehen, ihre Steuern auf ihre Einkünfte zahlen müssen:

Rentenbeginn Zu versteuernder Rentenanteil Rentenbeginn Zu versteuernder Rentenanteil
Bis einschl. 2005 50 % 2023 83 %
2006 52 % 2024 84 %
2007 54 % 2025 85 %
2008 56 % 2026 86 %
2009 58 % 2027 87 %
2010 60 % 2028 88 %
2011 62 % 2029 89 %
2012 64 % 2030 90 %
2013 66 % 2031 91 %
2014 68 % 2032 92 %
2015 70 % 2033 93 %
2016 72 % 2034 94 %
2017 74 % 2035 95 %
2018 76 % 2036 96 %
2019 78 % 2037 97 %
2020 80 % 2038 98 %
2021 81 % 2039 99 %
2022 82 % Ab 2040 100 %

Sie sehen, zwischen den Jahren 2005 und 2020 nimmt der Prozentsatz jedes Jahr um 2 % zu. Zwischen 2020 und 2040 ist es jedes Jahr statt 2 % nur noch 1 %. Wer beispielsweise 2025 Rentnerin oder Rentner wird, für die oder den zählen 85 %. Wer 10 Jahre später in Rente geht, für die oder den zählen die 95 %.

Rechenbeispiel zum Rentenfreibetrag

Wer beispielsweise 2022 in Rente geht, auf den treffen 82 % zu versteuernder Rentenanteil zu. Das bedeutet, 18 % der Rente sind steuerfrei.

Stellen Sie sich vor, Sie erhalten im ersten vollen Rentenjahr vom 01.01. bis 31.12. eine Rente von 1.250 EUR brutto jeden Monat, also 15.000 EUR zu versteuerndes Einkommen pro Jahr.

Wenn Ihnen im Jahr 2022 ein Rentenfreibetrag von 18 % der Rente zusteht, sprechen wir von 2.700 EUR im Jahr. Diese 2.700 EUR stehen Ihnen für die gesamte Laufzeit des Rentenbezugs als Rentenfreibetrag zu. 

Die zu versteuernde Rente beträgt also 12.300 EUR im Jahr. Abzüglich des Grundfreibetrags, der im Jahr 2022 9.984 EUR betragen wird, und allen Steuerzahlenden zusteht, müssen Sie die Rente zu Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern. Der Einkommensteuersatz entspricht Ihrer Steuerklasse und Ihrem Jahreseinkommen laut Einkommensteuergesetz (EStG).

Der Rentenfreibetrag ändert sich bis zum Lebensende nicht. Und genau das ist die Crux. Denn jedes Jahr erhöht der Staat die Rente um wenige Prozentpunkte, was in der Folge zu einer minimal höheren Besteuerung führt.

Rentenbesteuerung für Ehepaare

Für Ehepaare, bei denen beide in Rente sind, gelten in der Regel die doppelten Steuersätze bei der Rentenbesteuerung. Zum einen hängt es von der Höhe der Jahreseinnahmen ab, ob Rentnerinnen und Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen. Wenn der Grundfreibetrag im Jahr 2021 bei 9.744 EUR pro Person liegt, gilt für Ehepaare bei der Rentenbesteuerung ein Freibetrag von 19.488 EUR . Dies bleibt unverändert, solange keiner der Ehepartner andere Einkünfte hat, wie z. B. Mieteinnahmen. Beide haben außerdem ihren eigenen Rentenfreibetrag.

Hinsichtlich der Werbungskosten gelten ebenfalls verschiedene Beträge bei der Rentenbesteuerung, je nachdem, ob Sie als Rentnerin bzw. Rentner oder als Ehepaar diese Steuern absetzen. Für einzelne Personen gilt hier eine Pauschale von 102 EUR; für Ehepartnerinnen bzw. -partner, deren Steuer gemeinsam veranlagt wird, verdoppelt sich der Betrag auf 204 EUR.

Was bedeuten Rentenerhöhungen für die Rentenbesteuerung?

Rentenerhöhungen werden durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales festgelegt. Rentnerinnen und Rentner erhalten jedes Jahr ab dem 01. Juli mehr Geld. Um wie viel Prozent die Rente erhöht wird, ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich, der Staat orientiert sich bei der Festlegung an der Entwicklung des Lohnniveaus. Dabei gibt es eine Differenz der Rentenerhöhung zwischen den West- und den Ost-Bundesländern. Um so viel Prozent wurden die Renten in den letzten Jahren erhöht:

West-Bundesländer Ost-Bundesländer
2015 + 2,1 % + 2,5 %
2016 + 4,25 % + 5,95 %
2017 + 1,9 % + 3,59 %
2018 + 3,22 % + 3,37 %
2019 + 3,18 % + 3,91 %
2020 + 3,45 % + 4,2 %
2021 - + 0,72 %

Dass es für die West-Bundesländer 2021 keine Rentenerhöhung gegeben hat, liegt daran, dass das Lohnniveau dort aufgrund der Corona-Pandemie nicht angestiegen, sondern leicht gesunken ist. Durch die sog. Rentengarantie sind Rentnerinnen und Rentner jedoch vor einer Rentenminderung geschützt.

Welche Auswirkungen haben Rentenerhöhungen auf die Rentenbesteuerung?

Dies lässt sich am besten mit einem Beispiel erklären. Sie gehen 2022 in Rente und haben 15.000 EUR Renteneinkünfte. Also wird Ihnen ein Rentenfreibetrag von 18 % auf die 15.000 EUR berechnet. Dabei handelt es sich um 2.700 EUR. 

Nimmt die Rente – rein hypothetisch – im Jahr 2023 um 5 % zu, bedeutet das, dass Sie nicht mehr 15.000 EUR, sondern 15.750 EUR erhalten. Es ändert sich jedoch nichts an den 2.700 EUR Rentenfreibetrag. Sie müssen also nicht mehr 12.300 EUR minus Grundfreibetrag versteuern, sondern 13.050 EUR.

So haben Sie nicht mehr wie vorher 82 % Besteuerungsanteil, sondern 82,86 %. In den folgenden Jahren nimmt dieser Prozentwert jedes Jahr zum 01. Juli weiter zu. Würde der Staat die Rente im Jahr danach um nochmals hypothetische 5 % erhöhen, dann umfasst der Besteuerungsanteil bereits 83,67 %. Auch wenn der Besteuerungsanteil niemals 100 % erreichen wird, ist die stetige Zunahme einer der Gründe, warum viele das neue Rentensystem kritisch betrachten. 

Hinweis: Beachten Sie, dass im Alter auch noch Abgaben zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung anfallen. Dazu mehr im Artikel Rentenabzüge.

Wo gibt es Steuervorteile für Rentnerinnen und Rentner?

Diejenigen, die während ihres Berufslebens bereits für ihre Rente vorgesorgt haben – z. B. in Form bestimmter Möglichkeiten der privaten oder betrieblichen Altersvorsorge – können bei der Auszahlung von besonderen Steuervorteilen profitieren. Bei der Riester-Rente, der Rürup-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) handelt es sich nämlich um staatlich geförderte Produkte zur Altersvorsorge, die diese Vorteile bieten. Rentnerinnen und Rentner müssen Einkünfte aus Riester-, Rürup- oder der Betriebsrente zwar genauso mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern, aber zu unterschiedlichen Anteilen:

Riester-Rente

  • Immer zu 100 % mit dem Einkommensteuersatz zu versteuern
  • Wer sich für eine einmalige Kapitalauszahlung von 30 % entscheidet, muss diesen Teil ebenso zu 100 % mit dem Einkommensteuersatz versteuern

Rürup-Rente

  • Der zu versteuernde Anteil entspricht der obenstehenden Tabelle zur Rentenversteuerung – das heißt, wer bis 2040 noch in Rente geht, hat das Glück, nicht die komplette Rürup-Rente versteuern zu müssen
  • Weil die Höhe der Rürup-Rente bis zum Lebensende unverändert bleibt, ändert sich auch an dem entsprechenden steuerfreien Prozentsatz nichts

Betriebsrente / bAV

  • Immer zu 100 % mit dem Einkommensteuersatz zu versteuern
  • Wer sich 30 % als Sofortrente auszahlen lässt, muss diesen Teil ebenso zu 100 % versteuern

Fazit: Rentenbesteuerung einfach erklärt

Zwar wirkt das System zur Rentenversteuerung komplex, aber es baut letztendlich auf drei leicht zu verstehenden Grundpfeilern auf: 

Sie versteuern nur die Renteneinkünfte, die abzüglich aller absetzbaren Aufwendungen und abzüglich aller Freibeträge über dem Grundfreibetrag des entsprechenden Jahres liegen. Lediglich in diesem Fall ist eine Steuererklärung für Rentnerinnen und Rentner erforderlich. 

Ihr Rentenfreibetrag ist neben dem Grundfreibetrag der wesentliche Faktor bei der Rentenbesteuerung je höher der Freibetrag, desto niedriger die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Steuern auf Ihre Rente zahlen müssen. Der Freibetrag bleibt aber immer gleich, was bedeutet, dass jede Rentenerhöhung voll versteuert werden muss. 

Wenn Sie heute schon privat vorsorgen, können Sie teils erhebliche Summen der Vorsorgeaufwendungen von der Steuer absetzen. Der Staat hat diesen Passus im Gesetz formuliert, um den Nachteil der später zu versteuernden Rente auszugleichen.

Die meisten Rentnerinnen und Rentner zahlen keine Steuern auf ihre Rente. Nach einem Bericht vom August 2021, der die letzten bekannten Zahlen des Statistischen Bundesamts darlegte, waren 2017 nur 6,8 von 21,4 Millionen Rentenempfängerinnen und Rentenempfängern verpflichtet, Steuern auf ihre Rente zu zahlen. Das entspricht einem Anteil von 32 %, also knapp einem Drittel aller Rentnerinnen und Rentner. Diese 32 % Steuerpflichtigen mussten eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen. Sowohl die gesetzliche Rentenversicherung als auch private Versicherer und Anbieter von Rentenversicherungen informieren Finanzämter durch Rentenbezugsmitteilungen über die Bezüge der Steuerpflichtigen.

Selbst wenn die spätere Auszahlung besteuert wird, sollten Sparerinnen und Sparer frühzeitig damit beginnen, neben der gesetzlichen Rente fürs Alter vorzusorgen. Dafür kommt die betriebliche Altersvorsorge ebenso in Frage wie private Vorsorgeprodukte, beispielsweise eine Rürup-Rente mit dem ETF Rürup von Raisin Pension. Informieren Sie sich direkt über Ihre Möglichkeiten und mögliche Vorteile bei der Rentenbesteuerung.

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