Rentenbesteuerung: Wie Sie Ihre Rente versteuern müssen

Wo früher noch steuerfreie Renten zur Norm gehörten, nimmt die Steuerpflicht für Rentner heute immer weiter zu. Dahinter steckt das 2002 erlassene und seit 2005 verbindliche Alterseinkünftegesetz, das die Abzugsfähigkeit von Altersvorsorgeaufwendungen und die Besteuerung von Renten grundlegend änderte. Der neue Standard umfasst somit das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung

Was bedeutet das genau? Erstens: Immer höhere prozentuale Anteile privater Altersvorsorgeaufwendungen sind steuerlich absetzbar. Zweitens: Die späteren Renten unterliegen zu immer höheren Anteilen der Einkommensteuer. Doch das Modell der Rentenbesteuerung ist heftig umstritten. 

Auf dieser Seite untersuchen wir alles, was Sie zur Rentenbesteuerung wissen sollten.

Das Wichtigste in Kürze
  • Wer seit 2005 oder länger Rentner ist, muss die Rente vom Staat zu 50 % versteuern. Wer ab 2040 in Rente geht, muss für 100 % der Rente Steuern entrichten. Dazwischen nimmt der Prozentsatz laut Gesetz jedes Jahr um 1-2 % zu.
  • Die Differenz zwischen dem zu versteuernden Anteil und dem steuerfreien Anteil nennt man Rentenfreibetrag. Das Finanzamt berechnet diesen im ersten vollen Rentenjahr und er bleibt bis zum Lebensende identisch.
  • Die jährlichen, staatlichen Rentenanpassungen – immer zum 01. Juli – erhöhen zwar die monatliche Rente, aber der ursprünglich ermittelte Rentenfreibetrag bleibt identisch. Das heißt, Sie müssen stets alle Renteneinkünfte über den Rentenfreibetrag hinaus versteuern. Durch die Rentenanpassungen nehmen die Einkünfte und so auch die Steuerzahlungen jedes Jahr leicht zu. 
  • Sie müssen die Rente zwar versteuern, aber die Steuerlast hält sich in Grenzen. Das Renteneinkommen ist meist geringer als zu Berufszeiten und so ist es auch der Einkommensteuersatz. Zudem profitieren Sie wie alle anderen Steuerzahler auch vom steuerlichen Grundfreibetrag und können verschiedene Ausgaben absetzen.
  • Ist die Rentenbesteuerung in ihrer aktuellen Form mit der Doppelbesteuerung verfassungswidrig? Ein Urteil zur umstrittenen Rentenbesteuerung wird der Bundesfinanzhof voraussichtlich 2021 vorlegen. In den Medien hieß es schon, dass das Modell der Rentenbesteuerung gekippt werden könnte.

Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und stellen keine Steuerberatung der Raisin Pension GmbH dar. Für detaillierte Informationen zu Ihrer Steuersituation wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder an den Lohnsteuerverein.

Rentenbesteuerung: Freibeträge räumen einen steuerfreien Rentenanteil ein

Ihr Renteneintrittsjahr bestimmt, wie viel Sie von Ihrer Rente versteuern müssen: 

Rentenbeginn Zu versteuernder Rentenanteil Rentenbeginn Zu versteuernder Rentenanteil
Bis einschl. 2005 50 % 2023 83 %
2006 52 % 2024 84 %
2007 54 % 2025 85 %
2008 56 % 2026 86 %
2009 58 % 2027 87 %
2010 60 % 2028 88 %
2011 62 % 2029 89 %
2012 64 % 2030 90 %
2013 66 % 2031 91 %
2014 68 % 2032 92 %
2015 70 % 2033 93 %
2016 72 % 2034 94 %
2017 74 % 2035 95 %
2018 76 % 2036 96 %
2019 78 % 2037 97 %
2020 80 % 2038 98 %
2021 81 % 2039 99 %
2022 82 % Ab 2040 100 %

Zwischen den Jahren 2005 und 2020 nimmt der Prozentsatz jedes Jahr um 2 % zu. Zwischen 2020 und 2040 ist es jedes Jahr statt 2 % noch 1 % mehr. Wer also 2020 das Berufsleben hinter sich lässt, für den zählen die 80 %. Wer 2025 Rentner wird, für den zählen 85 %. 

 

Der Prozentwert zählt nur für das erste Jahr

Insgeheim zeigt die Tabelle nicht auf, wie viel Sie dauerhaft von Ihrer Rente versteuern müssen. Sie dient lediglich der einmaligen Berechnung des Rentenfreibetrags. Dieser gilt lebenslang.

Auch dann, wenn der Bund die gesetzlichen Rentenzahlungen jährlich anpasst und um wenige Prozent erhöht. Letztendlich müssen immer mehr Rentner immer mehr Steuern zahlen. Mehr dazu in den folgenden Kapiteln.

Rentenfreibetrag: Ein Rechenbeispiel

Wer beispielsweise 2020 in Rente geht, auf den treffen 80 % zu versteuernder Rentenanteil zu. Das bedeutet, dass 20 % der Rente steuerfrei sind. Und das ist der Rentenfreibetrag, der jedem Rentner heute noch bis 2040 zusteht. Wer 2025 etwa erst in Rente geht, hat einen Rentenfreibetrag von nur noch 15 %.

 

Beispiel:

 

  1. Stellen Sie sich vor, Sie erhalten in diesem ersten vollen Rentenjahr vom 01.01. bis 31.12. 15.000 EUR Rente vom Staat. Das entspricht 1.250 EUR brutto jeden Monat, also 15.000 EUR zu versteuerndes Einkommen pro Jahr.
  2. Wenn Ihnen im Jahr 2020 ein Rentenfreibetrag von 20 % der Rente zusteht, sprechen wir von 3.000 EUR im Jahr. Diese 3.000 EUR stehen Ihnen für die gesamte Laufzeit des Rentenbezugs als Rentenfreibetrag zu.
  3. Die zu versteuernde Rente beträgt also 12.000 EUR im Jahr. Abzüglich des Grundfreibetrags, der jedem Steuerzahler zusteht, müssen Sie zu Ihrem Einkommensteuersatz versteuern. Der Einkommensteuersatz entspricht Ihrer Steuerklasse und Ihrem Jahreseinkommen laut EStG.

Wie alle anderen Steuerzahler können auch Rentner noch bestimmte Ausgaben von der Steuer absetzen. Etwa Versicherungskosten, außergewöhnliche Belastungen, haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerkosten. Mehr dazu erfahren Sie im Artikel zur Steuererklärung für Rentner. Unter Umständen bleibt zwischen Grundfreibetrag und Gesamtrente minus Rentenfreibetrag keine Differenz mehr und somit müssen Sie keine Steuern zahlen.

Der Rentenfreibetrag ändert sich bis zum Lebensende nicht. Und genau das ist die Crux. Denn jedes Jahr erhöht der Staat die Rente um wenige Prozentpunkte, was zu einer minimal höheren Besteuerung in den Folgejahren führen kann.

Rentenerhöhungen: Zuletzt +3,45 % im Jahr 2020 im Westen und 4,2 % im Osten

  • Rentenerhöhungen werden durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales definiert. Rentner erhalten jedes Jahr ab dem ersten Juli mehr Geld
  • Der Staat orientiert sich bei den neuen Renten am zunehmenden Lohnniveau. 
  • Um wie viel Prozent die Rente erhöht wird, kann sich zwischen den alten und neuen Bundesländern normalerweise leicht unterscheiden.

Ein paar Beispiele aus den letzten Jahren: 

West-Bundesländer Ost-Bundesländer
2015 + 2,1 % + 2,5 %
2016 + 4,25 % + 5,95 %
2017 + 1,9 % + 3,59 %
2018 + 3,22 % + 3,37 %
2019 + 3,18 % + 3,91 %
2020 + 3,45 % + 4,2 %

Aber warum wird der Prozentsatz des Besteuerungsanteils der Rente immer höher?

Angenommen, Sie haben 15.000 EUR Renteneinkünfte und wurden 2020 Rentner. Dadurch wird Ihnen ein Rentenfreibetrag in Höhe von 20 % der 15.000 EUR berechnet. Das sind 3.000 EUR. 

Nun nimmt die Rente – rein hypothetisch – im Jahr 2021 um 5 % zu. Das bedeutet, dass Sie nicht mehr 15.000 EUR im Jahr beziehen, sondern 15.750 EUR. 

An den 3.000 EUR Rentenfreibetrag ändert sich dadurch aber nichts. Sie müssen also nicht mehr nur 12.000 EUR minus Grundfreibetrag versteuern, sondern nun 12.750 EUR. 

So haben Sie nicht mehr 80 % Besteuerungsanteil so wie vorher, sondern 80,95 %. In den Jahren danach nimmt dieser Prozentwert jedes Jahr zum 01. Juli weiter zu. Würde der Staat die Rente im Jahr danach um nochmals hypothetische 5 % erhöhen, dann umfasst der Besteuerungsanteil bereits 81,86 %. Auch wenn der Besteuerungsanteil niemals 100 % erreichen wird, ist die stetige Zunahme einer der Gründe, warum viele das neue Rentensystem seit 2005 kritisch betrachten. 

Hinweis: Beachten Sie, dass im Alter auch noch Abgaben zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung anfallen. Dabei handelt es sich um 7,3 % + die Hälfte des Zusatzbeitrags der Krankenkasse von der Rente. Dazu mehr im Artikel Rentenabzüge.

Riester-, Rürup- und Betriebsrente: Wie hoch sind die Steuervorteile?

Bei der Riester-Rente, Rürup-Rente und bAV handelt es sich um staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte, die mit Steuervorteilen verbunden sind. Rentner müssen Einkünfte aus Riester-, Rürup- oder die Betriebsrente zwar genauso mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern, aber zu unterschiedlichen Anteilen: 

Riester-Rente Stets zu 100 % mit dem Einkommensteuersatz zu versteuern. Wer sich für eine Einmalzahlung von 30 % entscheidet, muss diesen Teil ebenso zu 100 % mit dem Einkommensteuersatz versteuern.
Rürup-Rente Der zu versteuernde Anteil entspricht der obenstehenden Tabelle zur Rentenbesteuerung – das heißt, wer bis 2040 noch in Rente geht, hat das Glück, nicht die komplette Rürup-Rente versteuern zu müssen. Weil die Höhe der Rürup-Rente bis zum Lebensende unverändert bleibt, ändert sich auch an dem entsprechenden steuerfreien Prozentsatz nichts.
Betriebsrente / bAV Stets zu 100 % mit dem Einkommensteuersatz zu versteuern. Wer sich 30 % als Sofortrente auszahlen lässt, muss diesen Teil ebenso zu 100 % versteuern.

Steuererklärung: Erst erforderlich, wenn Sie den Grundfreibetrag übersteigen

Als Rentner müssen Sie eine Steuererklärung nur dann einreichen, wenn Ihr zu versteuerndes Gesamteinkommen des Jahres über dem Grundfreibetrag liegt. 

Im Jahr 2020 sind das 9.408 EUR. In den Jahren 2021 und 2022 sind es laut aktuellem Gesetzentwurf 9.696 EUR sowie 9.984 EUR. 

Mehr Informationen dazu finden Sie im Artikel zur Steuererklärung für Rentner 🡪. Im Artikel rund ums Steuern-Sparen 🡪 erklären wir außerdem, was Sie beispielsweise an Werbungskosten noch von der Einkommensteuer absetzen können. 

Fazit

Zwar wirkt das System zur Rentenbesteuerung komplex, aber es baut letztendlich auf drei leicht zu verstehenden Grundpfeilern auf: 

  1. Sie versteuern nur das, was abzüglich aller absetzbaren Aufwendungen und abzüglich aller Freibeträge über dem Grundfreibetrag des entsprechenden Jahres liegt. Zudem müssen Sie auch nur dann eine Steuererklärung einreichen. 
  2. Ihr Rentenfreibetrag ist neben dem Grundfreibetrag der wesentliche Faktor – je höher der Freibetrag, desto niedriger die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Steuern zahlen müssen. Der Freibetrag bleibt aber immer gleich, was bedeutet, dass jede Rentenerhöhung voll versteuert werden muss. 
  3. Wenn Sie heute schon privat vorsorgen, können Sie teils erhebliche Summen der Vorsorgeaufwendungen von der Steuer absetzen. Der Staat hat diesen Passus im Gesetz formuliert, um den Nachteil der später zu versteuernden Rente auszugleichen.

Die meisten Rentner zahlen keine Steuern. Nach einem Bericht aus dem Jahr 2019, der die letzten bekannten Zahlen des Statistischen Bundesamts darlegte, waren 2015 nur 5,8 von 21,2 Millionen Rentnern verpflichtet, Steuern zu zahlen. Das entspricht einem Anteil von 27 % der Rentner.

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