Wieviel Riester-Rente können Sie sich auszahlen lassen und ab wann?

Sobald Sie die Riester-Rente abschließen, zahlen Sie kontinuierlich bis zum Rentenalter ein und sehen zu, wie der Wert auf dem Riester-Konto wächst. Doch wann können Sie sich die Riester-Rente auszahlen lassen? Wie funktioniert das? Wie sieht es mit der Steuer aus? Und was passiert, wenn die Rente verschwindend klein ist? Neben den Informationen wartet der Artikel mit vielen einfachen Beispielen auf.

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Grundsätze: Riester-Rente auszahlen lassen

Im ersten Schritt müssen Sie über drei einfache Fakten Bescheid wissen:

  1. Bei einem Abschluss vor dem Jahr 2012 ist die Riester-Rente ab 60 Jahren auszahlbar, bei einem Abschluss im oder nach dem Jahr 2012 erst ab 62 Jahren.
  2. Trotz der 60 oder 62 Jahre ist es sinnvoll, die Riester-Rente mit dem persönlichen Renteneintritt zu verknüpfen. So zahlt man noch ein paar Jahre mehr ein und hat eine höhere Zusatzrente. Sofern Sie im Jahr 1964 oder später zur Welt kamen, ist der Renteneintritt mit 67 Jahren, ansonsten früher*.
  3. Sie erhalten stets eine monatliche Rente bis ans Lebensende und können sich wahlweise bis zu 30 % des Kapitals als Sofortrente auszahlen lassen. Stammt Ihre Riester-Rente von vor 2005, dann sind es nur höchstens 20 % des Geldes.

* Wann Sie in Rente dürfen:

Geburtsjahr Renteneintritt
1951 / früher 65 Jahre, 0 Monate
1952 65 Jahre, 6 Monate
1953 65 Jahre, 7 Monate
1954 65 Jahre, 8 Monate
1955 65 Jahre, 9 Monate
1956 65 Jahre, 10 Monate
1957 65 Jahre, 11 Monate
1958 66 Jahre, 0 Monate
1959 66 Jahre, 2 Monate
1960 66 Jahre, 4 Monate
1961 66 Jahre, 6 Monate
1962 66 Jahre, 8 Monate
1963 66 Jahre, 10 Monate
1964 / danach 67 Jahre, 0 Monate

Wer sich die Riester-Rente schon früher auszahlen lässt, erhält keine so hohe monatliche Rente wie mit der Auszahlung zum Rentenbeginn.

Das führt uns zum nächsten Unterthema:

Wie hoch ist die Riester-Rente, die der Anbieter auszahlt?

Im Voraus lässt sich das nur schwer definieren. Insbesondere dann nicht, wenn Sie einen Riester-Fondssparplan haben. Nur der fairriester bildet eine Ausnahme. Hier sind die garantierten Rentenkonditionen schon beim Abschluss klar und es kommt nur noch darauf an, wie viel Geld sich nachher auf dem Rentenkonto befindet. Gehen wir trotzdem etwas tiefer ins Thema: So wird die Höhe Ihrer Riester-Rente durch mehrere Faktoren bestimmt:

  • Wie viel Sie selbst investiert haben
  • Wie hoch die staatlichen Zulagen waren
  • Wie sich die Werte bei Fondssparplänen und verzinsten Guthaben entwickelt haben
  • Für welchen Hinterbliebenenschutz Sie sich entschieden haben
  • Wie viele Jahre die Riester-Rente lief

Diese Faktoren sind höchst individuell und lassen sich teils nicht vorher bestimmen. Richten Sie sich deshalb nicht verbindlich nach dem, was ein Rechner Ihnen mitteilt. Die tatsächliche monatliche Rente, die Sie sich seitens Riester auszahlen lassen können, wird erst kurz vorher bekannt. Es handelt sich um Tendenzen, wie auch beim Abschluss:

Sobald Sie sich für Riester entscheiden, berechnet der Anbieter eine Tendenz mit Ihnen. Sie werden Ihm eine Wunschrente nennen und er wird recherchieren, wie viel Rente Sie Ihrem Einkommen nach seitens des Staats zu erwarten haben. Das Rentenniveau umfasst um die 45 % des letzten Bruttoeinkommens. Anhand dessen und anderer Werte definieren Sie mit dem Anbieter die monatlichen Investitionen. Die Riester-Rente ist dazu da, die Rentenlücke zu schließen und im Alter finanziell sicher leben zu können.

Wir machen ein anschauliches Beispiel:

Kontosumme Monatliche Rente*
50.000 Euro 180 Euro
100.000 Euro 360 Euro
200.000 Euro 720 Euro

Nehmen wir nun noch an, dass Sie sich die erlaubten 30 % als Sofortrente auszahlen lassen:

Kontosumme Sofortrente* Monatliche Rente*
50.000 Euro 15.000 Euro 126 Euro
100.000 Euro 30.000 Euro 252 Euro
200.000 Euro 60.000 Euro 504 Euro

* Hinweis: Die erwähnten Summen der Sofortrente und monatlichen Rente sind nicht verbindlich. In diesem Beispiel umfasst der Hinterbliebenenschutz 10 Jahre (Rentengarantiezeit) und die Auszahlung startete mit 67. Die monatliche Rente versteht sich bis ans Lebensende und brutto.

Mit diesen Zahlen im Hinterkopf machen wir uns auf zum nächsten Unterthema:

Wie muss man die Riester-Rente versteuern?

Sie müssen Ihre Riester-Rente, ebenso wie die normale Rente vom Staat, zu 100 % versteuern. Und zwar mit Ihrem persönlichen Steuersatz, der sich nach Ihrem Einkommen richtet. Da das Einkommen im Rentenalter nicht mehr so hoch ist, ist der Steuersatz normalerweise geringer als heute mit Ihrem aktuellen Einkommen.

Hier ein paar Einblicke in die Einkommensteuertabelle:

  • Rente von 25.000 Euro im Jahr = 28,62 %
  • Rente von 30.000 Euro im Jahr = 30,78 %
  • Rente von 35.000 Euro im Jahr = 32,94 %
  • Rente von 40.000 Euro im Jahr = 35,10 %

Die obenstehenden Renten verstehen sich als Gesamtrente bestehend aus der gesetzlichen Rente sowie der Riester-Rente. Ab einer Jahresrente von 55.950 Euro zählt nach Stand 2019 der Höchststeuersatz von 42 %.

Verpacken wir die Werte in vier Beispiele:

Jahresrente Monatliche Rente Monatlicher Riester-Anteil Steuersatz Monatliches Riester-Netto nach Steuern
25.000 Euro 2.083,33 Euro 450 Euro 28,62 % 321,21 Euro
30.000 Euro 2.500,00 Euro 700 Euro 30,78 % 484,54 Euro
35.000 Euro 2.916,66 Euro 1.000 Euro 32,94 % 670,60 Euro
40.000 Euro 3.333,33 Euro 1.250 Euro 35,10 % 811,25 Euro

Natürlich muss die restliche Rente auch zu dem entsprechenden Steuersatz versteuert werden. Die monatlichen Riester-Anteile entsprechen keinem Muster, sondern dienen nur als Beispiel, um die Steuer zu veranschaulichen.

Hinweis zur Sofortrente:

Bedenken Sie, dass Sie auch die Sofortrente von 30 % voll versteuern müssen, wenn Sie sich diese auszahlen lassen. Diese Summe zählt als Einkommen und kann Ihren Steuersatz nach oben treiben. Der Steuersatz richtet sich immer nach dem Jahreseinkommen als Ganzes:

  • Im Jahr des Renteneintritts haben Sie beispielsweise noch ein Einkommen von 40.000 Euro und somit einen Steuersatz von 35,10 %. Nun nehmen wir an, dass auf Ihrem Riester-Konto 50.000 Euro befinden. Davon lassen Sie sich 30 % auszahlen, also 15.000 Euro. Ihr zu versteuerndes Jahreseinkommen umfasst nun also 55.000 Euro und Ihr Steuersatz erhöht sich auf 41,59 %. Zu diesem Steuersatz müssen Sie die Sofortrente versteuern. Von den 15.000 Euro bleiben also nur rund 8.761,50 Euro. Zudem müssen Sie rund 2.596 Euro nachzahlen, weil auch das Einkommen von 40.000 Euro noch mit der Steuersatz-Differenz verrechnet werden muss.

Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, entweder auf die Sofortrente von bis zu 30 % zu verzichten oder sie in ein Jahr zu verschieben, in dem das Einkommen niedriger ist.

Kann man sich die Riester-Rente auch komplett als Sofortrente auszahlen lassen?

Nein, das funktioniert leider nur in einer Ausnahmesituation. Nämlich dann, wenn Ihnen der Anbieter eine nur sehr überschaubare Rente auszahlen kann. Konkreter sprechen wir hier von der Kleinbetragsrente. Sie richtet sich nach der Bezugsgröße gemäß §18 Sozialgesetzbuch IV. Dabei handelt es sich um die durchschnittliche deutsche Rente:

Jahr Alte Bundesländer Alte Bundesländer Neue Bundesländer Neue Bundesländer
Jahresrente Monatsrente Jahresrente Monatsrente
2014 33.180 Euro 2.765 Euro 28.140 Euro 2.345 Euro
2015 34.020 Euro 2.835 Euro 28.980 Euro 2.415 Euro
2016 34.860 Euro 2.905 Euro 30.240 Euro 2.520 Euro
2017 35.700 Euro 2.975 Euro 31.920 Euro 2.660 Euro
2018 35.540 Euro 3.045 Euro 32.340 Euro 2.695 Euro
2019 37.380 Euro 3.115 Euro 34.440 Euro 2.870 Euro

Wenn die monatliche Rente nur bis zu 1 % der monatlichen Bezugsgröße umfasst, dann handelt es sich um eine Kleinbetragsrente. In diesem Fall haben Sie einen Anspruch darauf, sich das Geld als Ganzes auszahlen zu lassen. Beachten Sie auch hier die Sache mit dem höheren Jahreseinkommen und dem höheren Steuersatz.

2019 würde man also von einer Kleinbetragsrente sprechen, wenn die monatliche Auszahlung der Riester-Rente nur bis zu 31,15 Euro umfassen sollte. In den neuen Bundesländern wäre das bis zu einer Auszahlung von 28,70 Euro der Fall. 2020 umfasst die Bezugsgröße in den alten Bundesländern 31,85 Euro.

Hinweis: Eine andere Version der “Sofortrente” wäre es, sich das Geld einfach vor der Rente schon durch Auflösen der Riester-Rente auszahlen zu lassen. Beispielsweise, weil Sie das Geld brauchen oder weil die Riester-Rente nicht mehr nach Ihrem Geschmack ist. Das hat aber einen entscheidenden Nachteil: Zulagen und Steuervorteile müssen Sie zurückzahlen. Welche Kosten dabei entstehen können, fassen wir im Artikel Riester-Rente verkaufen zusammen.

Und damit zum letzten Punkt:

Was ist, wenn man im Alter Sozialhilfe braucht und sich dann die Riester-Rente auszahlen lässt?

Grusi“, so die Kurzform der „Grundsicherung“, ist die Sozialhilfe im Alter. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt, den Anspruch auf Grundsicherung prüfen zu lassen, wenn man eine gesetzliche Rente von unter 865 Euro bezieht.

Hinsichtlich Riester war es bis 2018 so, dass Riester-Sparer die Auszahlung voll auf die Sozialhilfe anrechnen lassen mussten. Dadurch stand die Riester-Rente in der Kritik. Wer all die Jahre in Riester investiert hatte, hatte nun nichts davon. Oder anders formuliert: Obwohl sie in Riester investiert hatten, um die Rentenlücke zu schließen, konnten sich die Riester-Sparer nicht vor der Altersarmut schützen.

Seit 2018 dürfen Riester-Sparer trotz Sozialhilfe 100 Euro der Auszahlung behalten. Darüber hinaus dürfen sie 30 % der restlichen Rente bis hin zu höchstens 202 Euro behalten. All das wird mit der Sozialhilfe nicht verrechnet. Wenn Sie durch Ihren Riester-Vertrag beispielsweise eine Auszahlung von 250 Euro erhalten, dann sind 100 Euro davon frei und es bleiben 150 Euro Rest. Von diesem Rest sind weitere 30 % frei, also 45 Euro. Sie behalten also 145 Euro und nur noch 105 Euro werden mit der Sozialhilfe verrechnet.

Das Wesentliche noch einmal in Kürze:

  • Normalerweise startet die Auszahlung der Riester-Rente mit dem persönlichen Rentenbeginn. Theoretisch kann man sich die Rente aber auch schon ab frühestens 62 Jahren auszahlen lassen, wenn der Vertrag nach 2012 abgeschlossen wurde.
  • Bis zu 30 % des Kapitals können Sie sich als Sofortrente auszahlen lassen. Beachten Sie aber, dass Sie diese Sofortrente als Einkommen versteuern müssen.
  • Was der Anbieter Ihnen als Rente auszahlen kann, lässt sich erst kurz vorher konkret bestimmen. Ansonsten ist stets von einer unverbindlichen Tendenz die Rede.
  • Die Auszahlung ist zu 100 % zum persönlichen Steuersatz zu versteuern.
  • Sofern Sie eine Kleinbetragsrente erhalten, haben Sie Anspruch darauf, sich das Geld als Sofortrente auszahlen zu lassen. Auch hier sind die Steuern zu beachten.
  • Bei der Kündigung des Riester-Vertrags noch vor der Auszahlungsphase müssen Zulagen und Steuer­erleichterungen komplett zurück­gezahlt werden. Anschließend können die Kapitalauszahlungen aber günstiger versteuert werden. Diese Option kann Menschen sinnvoll erscheinen, die kurzfristig Geld benötigen und nicht auf den Eintritt ins Rentenalter warten können.
  • Wer im Alter Sozialhilfe bezieht, muss die Riester-Rente nicht mehr anrechnen lassen. 100 Euro und darüber hinaus 30 % der Restrente dürfen Sie stets behalten. Höchstens aber 202 Euro.