Eine Direktversicherung zu kündigen kann Nachteile haben

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Sind Sie unzufrieden mit Ihrer betrieblichen Altersvorsorge in Form einer Direktversicherung, die Sie als Arbeitnehmer mit Ihrem Arbeitgeber abgeschlossen haben? Dann möchten Sie Ihre Direktversicherung vielleicht kündigen? Denken Sie noch einmal darüber nach, ob Sie das wirklich möchten. Auf der einen Seite haben Sie mit hohen Kosten zu rechnen. Auf der anderen Seite ist der Rückkaufswert auf dem Rentenkonto trotzdem erst zur Rente auszahlbar. So bekommen Sie nichts auf Ihr Konto überwiesen und müssen wahrscheinlich mehrere tausend Euro ans Finanzamt, die Krankenkasse sowie die Rentenkasse nachzahlen. Das können Sie aber vermeiden, indem Sie die Direktversicherung nicht kündigen, sondern einfach nur nichts mehr einzahlen. Stichwort: „Beitragsfreistellung“.

Das Wichtigste in Kürze
  • Kündigung: Per Gesetz ist die Kündigung einer Direktversicherung als förderschädlich eingestuft.  Deshalb entstehen dabei hohe Kosten von meist mehreren tausend Euro, weil Sie bis dahin gesparte Steuern und Sozialabgaben nachzahlen müssen. Der Rückkaufswert der betrieblichen Altersvorsorge ist entsprechend stark reduziert.
  • Kapitalauszahlung: Wenn Sie als Arbeitnehmer ihre Direktversicherung kündigen, erhalten Sie das Kapital erst ausbezahlt, wenn sie Rentner sind. Die Laufzeit endet normalerweise mit dem Rentenbeginn.
  • Alternativen zur Kündigung: Statt zu kündigen, können Sie die Direktversicherung beitragsfrei stellen oder ruhen lassen. Sie müssen dann in Zukunft nichts mehr einzahlen. Im Gegensatz zur Kündigung ist das nicht förderschädlich und verursacht somit auch keine hohen Kosten. Die spätere Betriebsrente fällt aber entsprechend geringer aus.
  • Jobwechsel: Bei einem Jobwechsel als Kündigungsgrund können Sie das Kapital auf eine neue Direktversicherung übertragen oder einfach privat weiter einzahlen.
  • baV-Rechner: Benutzen Sie unseren baV-Rechner, um herauszufinden, wie hoch Ihre Betriebsrente aus der Direktversicherung später voraussichtlich sein wird.

Kann ich als Arbeitnehmer meine Direktversicherung kündigen?

Als Arbeitnehmer können Sie Ihre Direktversicherung kündigen, per Gesetz wird dies aber als förderschädlich eingestuft. Eine Kündigung ist daher mit hohen Kosten verbunden, denn Steuern und Sozialabgaben müssten Sie nachzahlen. Statt zu kündigen, können Sie die Direktversicherung aber beitragsfrei stellen. Arbeitgeber können die Direktversicherung nicht ohne Zustimmung des Arbeitnehmers kündigen.

Der Staat belohnt also nur jene Arbeitnehmer, die mit der Direktversicherung etwas für ihren Ruhestand tun. Wenn Sie im Rahmen der Entgeltumwandlung einen Teil Ihres Bruttolohns investieren, dann tun Sie das steuerfrei bzw. sozialversicherungsfrei. Und zwar bis hin zu 568 Euro / 284 Euro monatlich. So kommen über die Jahre Ersparnisse von mehreren tausend Euro zusammen. Das zuvor erwähnte Problem: Bei klarer Förderschädlichkeit verwandeln sich all diese Ersparnisse eins zu eins in Kosten. Der Staat fordert seine „Geschenke“ in der Tat zurück.

Entgeltumwandlung

Wie funktioniert das mit dem Einzahlen in die bAV?

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Wie viel müssten Sie nachzahlen?

Nehmen wir an, Sie sind in Steuerklasse 1 (die meistverbreitete Steuerklasse unter deutschen Arbeitnehmern) und haben ein Bruttoeinkommen von 3.000 Euro monatlich. Jeden Monat investieren Sie davon 150 Euro in Ihre Direktversicherung. Gehen wir nun davon aus, dass das sieben Jahre läuft, bis Sie den Job wechseln und die betriebliche Altersvorsorge (bAV) auflösen möchten. In den sieben Jahren haben Sie 12.600 Euro investiert. Sofern Sie bereits den neuen 15-%-Pflichtzuschuss vom Chef erhalten haben, ist es noch mehr. Und wenn es sich um eine Direktversicherung wie die ETF bAV handelt, konnten Sie durch die ETFs und Indexfonds obendrauf noch eine attraktive Rendite erzielen.

Gespart haben Sie auf der anderen Seite wiederum das:

Position Ohne bAV bAV mit 150 €
Arbeitslohn (brutto) 3.000 Euro 3.000 Euro
Betriebliche Altersvorsorge (Arbeitgeberzuschuss) - 150 Euro (+15%)
Zu versteuerndes Bruttoeinkommen 3.000 Euro 2.850 Euro
Minus Lohnsteuer (Steuerklasse 1) - 406,08 Euro - 368,91 Euro
Minus Kirchensteuer (9 % von Lohnsteuer) - 36,54 Euro - 33,20 Euro
Minus Solidaritätszuschlag (5,5 % von Lohnsteuer) - 22,33 Euro - 20,29 Euro
Minus Krankenversicherung
(7,3 % + 0,55 % Zusatzbeitrag des Bruttoeinkommens – Zusatzbeitrag kann je nach Krankenkasse variieren)
- 232,50 Euro - 220,88 Euro
Minus Pflegeversicherung
(3,3 % des Bruttoeinkommens)
- 53,25 Euro - 50,59 Euro
Minus Rentenversicherung
(9,3 % des Bruttoeinkommens)
- 279 Euro - 265,05 Euro
Minus Arbeitslosenversicherung
(1,2 % des Bruttoeinkommens)
- 36 Euro - 34,20 Euro
Gesamtsumme Steuern 464,95 Euro 422,40 Euro
Gesamtsumme Sozialabgaben 600,75 Euro 570,71 Euro
Nettoeinkommen 1.934,30 Euro 1.856,89 Euro

Das monatliche Nettoeinkommen war stets nur um 77,41 Euro kleiner, obwohl Sie 150 Euro von Ihrem Bruttoeinkommen investiert haben. Die Differenz aus diesen beiden Werten sind Ihre Ersparnisse bei den Steuern und Sozialabgaben: Monatlich waren es 72,59 Euro. Jährlich waren es 871,08 Euro. Und in den sieben Jahren waren es 6.097,56 Euro.

Wenn Sie die betriebliche Altersvorsorge in diesem Beispiel kündigen würden, dann müssten Sie diese Summe von 6.097,56 Euro nachzahlen. Der Rückkaufswert würde so auf etwa 6.502,44 Euro sinken. Berechnet: 12.600 Euro (investierte Summe) minus 6.097,56 Euro = 6.502,44 Euro. Auch diese 6.502,44 Euro sind aber immer noch nicht auszahlbar. Wenn Sie kündigen, dann zählt das nicht „zu sofort“, sondern „zum Ende der Laufzeit“, also „zur Rente“.

Eine Ausnahme, in der sich Arbeitnehmer den Rückkaufswert sofort auszahlen lassen können, ist, wenn die erwartbare Betriebsrente eine Summe von etwa 20 Euro monatlich unterschreitet. Das wäre eine kaum nennenswerte Rente und man könnte sich “abfinden” lassen. Ob man das Recht darauf tatsächlich hat, stellt sich zum Kündigungszeitpunkt anhand des vorhandenen Kapitals auf dem Rentenkonto heraus. Natürlich können Sie auch einen Rechner wie den von ETF bAV nutzen, um die voraussichtliche Höhe Ihrer späteren Betriebsrente herauszufinden.

Hinweis: Wenn Sie den Job wechseln, können Sie versuchen, dass der neue Arbeitgeber die bestehende Direktversicherung übernimmt. Falls nicht, können Sie auch privat weiter in diese einzahlen. Dann sichern Sie sich den Vorteil, dass Sie für den privat besparten Anteil bei der Betriebsrente nichts an die Krankenkasse entrichten müssen. Alternativ können Sie das Kapital auch transferieren. Das funktioniert aber nur bis 85.200 Euro und wenn der Jobwechsel nicht mehr als 15 Monate her ist. Ein neuer Job ist also aus mehreren Perspektiven kein Grund, sich von der bAV zu trennen.

Wenn Sie die Direktversicherung beitragsfrei stellen, entstehen keine Kosten.

Wenn das Arbeitsverhältnis nicht mehr besteht, verwandelt sich die Direktversicherung automatisch in eine „prämienfreie Versicherung“ um. Zumindest passiert das aus Ihrer Sicht automatisch, denn natürlich muss der Arbeitgeber den Versicherer entsprechend über das Ende des Arbeitsverhältnisses informieren. Dass es zur prämienfreien Versicherung kommen muss, entschied zuletzt das Oberlandesgericht Frankfurt am Main in einem Urteil.

Prämienfrei bedeutet, dass die betriebliche Altersvorsorge weiterhin besteht, aber weder der Arbeitnehmer noch der Arbeitgeber etwas einzahlen. Ebenso könnte man es so formulieren, dass man die Direktversicherung „beitragsfrei stellt“, „zeitweise oder dauerhaft pausiert“ oder „ruhen lässt“. Als Arbeitnehmer und Sparer können Sie sich jederzeit für die Beitragsfreistellung entscheiden, nicht nur bei einem Jobwechsel.

Möchten Sie nichts mehr einzahlen, dann nehmen Sie diesen Schritt vor. Informieren Sie Ihren Arbeitgeber und er richtet es für Sie so ein. So erhalten Sie später zumindest eine kleine Betriebsrente und haben heute keine Kosten, da der Schritt nicht förderschädlich ist.

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