Reduzierte Doppelverbeitragung: Endlich haben Sie von Ihrer Betriebsrente mehr.

Seit vielen Jahren könnte die „Doppelverbeitragung“ das Unwort des Jahres sein, wenn wir über Betriebsrentner reden. Gemeint ist damit das Dilemma, dass man nicht nur von seinem Bruttoeinkommen etwas an die Krankenkasse bezahlen muss, sondern auch von der späteren Betriebsrente. Man zahlt die Kranken- und Pflegeversicherung also doppelt und somit mehr als andere, die keine Betriebsrente beziehen. Seit Jahren monieren Experten und Rentner dieses Problem, nun hat die Politik einen neues Gesetz verabschiedet. Es schafft die Doppelverbeitragung zwar nicht ab, aber vermindert sie. Hier sind die Details.

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Beispiel

Die Doppelverbeitragung vor dem Gesetz:

Was bedeutet das in Zahlen, wenn man zweimal an die Krankenkasse zahlen muss? Das haben wir konkreter untersucht. Als Arbeitnehmer zahlen Sie im Berufsleben stets nur den Arbeitnehmeranteil an die Krankenkasse:

Versicherung Gesamtsumme Arbeitnehmeranteil Arbeitgeberanteil
Krankenversicherung
(Anspruch auf Krankengeld)
14,6 % 7,3 % 7,3 %
Krankenversicherung
(kein Anspruch auf Krankengeld)
14,0 % 7,0 % 7,0 %
Krankenkassen-Zusatzbeitrag* 1,1 %
(durchschnittlich)
0,55 %
(durchschnittlich)
0,55 %
(durchschnittlich)
Pflegeversicherung
(Eltern)
3,05 % 1,525 %
(Sachsen: 2,025 %)
1,525 %
(Sachsen: 1,025 %)
Pflegeversicherung
(kinderlos und älter als 23)
3,3 % 1,65 %
(Sachsen: 2,275 %)
1,65 %
(Sachsen: 1,275 %)

* Ab 2020 übernimmt der Arbeitgeber auch die Hälfte des Krankenkassen-Zusatzbeitrags. Generell reicht die Spanne des Zusatzbeitrags von 0,5 % bis 2,5 %.

Gehen wir von der Situation aus, dass die normalen 14,6 % gesetzliche Krankenversicherung (GKV) + 1,1 % sowie die 3,05 % Pflegeversicherung (PV) auf Sie zutreffen.

Sie haben also Anspruch auf Krankengeld und haben mindestens ein Kind. Zudem wohnen Sie nicht in Sachsen, wo die Prozentanteile teils anders sind (siehe Tabelle oberhalb). Damit haben Sie einen Arbeitnehmeranteil von 9,38 %.

Wenn Sie nun ein Bruttoeinkommen von 3.000 Euro erzielen, dann müssen Sie 281,40 Euro an die Krankenkasse bezahlen.

Wenn Sie aber 200 Euro in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen, dann ist für den Krankenkassenbeitrag nur ein Bruttoeinkommen von 2.800 Euro relevant. Das würde darauf hinauslaufen, dass Sie nur 262,64 Euro als Krankenkassenbeitrag bezahlen. Sie sparen also zunächst 18,76 Euro im Monat. Das wird oft als Vorteil kommuniziert.

Dann erhalten Sie im Alter die Betriebsrente. Nehmen wir an, dass es sich um 400 Euro im Monat handelt. Diese Betriebsrente müssen Sie nun noch einmal mit den vollen Prozentwerten verrechnen. Es zählt nicht mehr nur der Arbeitnehmeranteil, sondern Sie müssen beispielsweise die vollen 14,6 % der GKV übernehmen.

Versicherung Gesamtsumme Arbeitnehmeranteil Arbeitgeberanteil
Krankenversicherung
(Anspruch auf Krankengeld)
14,6 % 7,3 % 7,3 %
Krankenversicherung
(kein Anspruch auf Krankengeld)
14,0 % 7,0 % 7,0 %
Krankenkassen-Zusatzbeitrag* 1,1 %
(durchschnittlich)
0,55 %
(durchschnittlich)
0,55 %
(durchschnittlich)
Pflegeversicherung
(Eltern)
3,05 % 1,525 %
(Sachsen: 2,025 %)
1,525 %
(Sachsen: 1,025 %)
Pflegeversicherung
(kinderlos und älter als 23)
3,3 % 1,65 %
(Sachsen: 2,275 %)
1,65 %
(Sachsen: 1,275 %)

Bei einer Betriebsrente von 400 Euro und einem Beitragssatz von 18,75 % sind das noch einmal 75 Euro für die Krankenkasse. Die Ersparnis von 18,76 Euro monatlich holt sie sich nun also mit zusätzlich 56,24 Euro monatlich zurück.

Was verändert das neue Gesetz effektiv?

Bisher schrieb das Gesetz vor, dass Betriebsrenten von mehr als 155,75 Euro im Monat zu 100 % mit dem entsprechenden Beitragssatz der GKV und PV zu verrechnen sind. Im Gesetzestext ist von einer „Freigrenze“ die Rede. Das bedeutet im Klartext, dass Betriebsrentner, die unter 155,75 Euro im Monat bekamen, nichts entrichten mussten. Rentner, die nur einen Euro mehr bekamen, mussten wie im Beispiel weiter oben die vollen 18,75 % an die Krankenkasse zahlen. Zurecht empfanden das viele als unfair.

Somit hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einen Gesetzesentwurf erarbeitet, der zum 01.01.2020 in Kraft trat. Dieses Gesetz schafft die oberhalb beschriebene Freigrenze ab und ersetzt sie durch einen neuen „Freibetrag in Höhe von 159,25 Euro.

Das bedeutet, dass Rentner mit einer Betriebsrente von unter 159,25 Euro weiterhin nichts an die Krankenkasse zahlen müssen. Bei Rentnern mit einer höheren Betriebsrente wird die Rente mit den 159,25 Euro verrechnet. Beim Beispiel mit 400 Euro im Monat wären also nur noch 240,75 Euro für die Krankenkasse relevant.

Dadurch sinkt die Doppelverbeitragung tatsächlich, wie im nachstehenden Beispiel zu sehen:


Beispiel

Die Doppelverbeitragung nach dem Gesetz:

Bleiben wir bei der Betriebsrente von 400 Euro und beim Beitragssatz von 18,75 %. Wenn Sie die vollen 400 Euro mit dem Beitragssatz verrechnen, dann erhält die Krankenkasse eine Summe von 75 Euro monatlich.

Wenn Sie den Freibetrag anwenden und nur 240,75 Euro verrechnen, dann bekommt die Krankenkasse auch nur noch 45,14 Euro. Sie zahlen also immer noch doppelt, aber nicht mehr so viel. Die Ersparnis von 18,76 Euro während der Erwerbsphase holt sich die Krankenkasse nur noch mit zusätzlich 26,38 Euro im Rentenalter zurück.

Hierbei ist zu betonen, dass es vollkommen fair ist, dass die Krankenkassen neben der staatlichen Grundrente auch die Betriebsrente anzapft. Immerhin erzielen Sie im Berufsleben ein Einkommen, bei dem die Krankenkasse durch die bAV nicht das bekommt, was ihr normalerweise zusteht. Sicher wäre es aber noch fairer, wenn Sie auch im Alter nur den Arbeitnehmeranteil zahlen müssten.

Hier bleibt abzuwarten, ob die Politik das ebenfalls noch ändert.

„Aber bei der Riester-Rente oder Rürup-Rente muss ich doch auch keine Krankenkasse mehr bezahlen.“ – Das stimmt, doch dabei muss man eine wesentliche Sache beachten: Sie investieren vom Nettoeinkommen in diese Rentenformen. Wenn Sie das tun, hat Ihre Krankenkasse schon das erhalten, was ihr zusteht.

Spätestens seit der Reduktion der Doppelverbeitragung ist die bAV ein sinnvoller Baustein für die private Altersvorsorge. Sie lohnt sich für die meisten Arbeitnehmer. Insbesondere, weil Unternehmen seit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) stets mindestens 15 % der Sparsumme zuschießen müssen. Und weil sich Betriebsrenten mittlerweile, wie beispielsweise beim fairrbav, mit ETFs und Indexfonds verbinden lassen, die eine Chance auf hohe Renditen und somit eine höhere Betriebsrente bieten.

Das Wesentliche noch einmal in Kürze:

  • Das neue Gesetz trat am 01.01.2020 in Kraft und reduziert die Doppelverbeitragung. So entlastet es alle Betriebsrentner.
  • Kern des Gesetzes ist ein neuer Freibetrag von 159,25 Euro, der mit den Betriebsrenten verrechnet wird. Nur noch die Differenz ist für die Krankenkassen relevant.
  • Der neue Freibetrag ersetzt die bisher bestehende Freigrenze von 155,75 Euro.

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