Pensionskasse oder doch lieber Direktversicherung?

PensionskassePensionskassePensionskasse

Das Rentensystem in Deutschland fußt auf drei Säulen – der staatlichen, der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge. Die Absicht dahinter: Errichtet man im Laufe seines Lebens für jede der Säulen ein solides Fundament, steht einem aus finanzieller Sicht sorgenfreien Lebensabend nichts entgegen. Denn die gesetzliche Altersversorgung allein reicht in der Regel nicht aus, um im Rentenalter den gewohnten Lebensstandard beibehalten zu können. Eine Möglichkeit, wie man dieser Rentenlücke entgegenwirken kann, ist die private Altervorsorge mit einer staatlich geförderten Rürup-Rente. Eine weitere Option ist eine betriebliche Altersvorsorge abzuschließen und die Einzahlungen über eine Pensionskasse verwalten zu lassen. 

In diesem Artikel erfahren Sie, was genau man unter der Pensionskasse versteht und ob sie mehr Vorteile oder Nachteile gegenüber einer Direktversicherung aufweist.

Das Wichtigste in Kürze
  • Altersversorgung: Um den bisherigen Lebensstandard auch im Ruhestand beibehalten zu können, reicht die gesetzliche Rente meist nicht aus. Um die Rentenlücke zu schließen, gibt es Möglichkeiten zur privaten und beruflichen Vorsorge.
  • Pensionskasse: Eine der Möglichkeiten für die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist die Pensionskasse. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zahlen über die Entgeltumwandlung in diese ein und können u. a. von Steuervorteilen profitieren.
  • Nachteile: Gegenüber anderen bAV-Modellen, wie der Direktversicherung, weist die Pensionskasse einige Nachteile auf. Aufgrund des vergangenen Zinstiefs und der immer längeren Lebenserwartung der Menschen mussten bereits einige Pensionskassen die Renten ihrer Versicherten kürzen.
  • Direktversicherung: Mit Einverständnis des Arbeitgebers können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beispielsweise zu einer Direktversicherung wechseln.

Warum ist eine private Altersvorsorge notwendig?

Das Rentenniveau in Deutschland liegt aktuell bei 47,5 %. Das heißt, für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die jetzt in Ruhestand gehen, liegt die Rente bei weniger als der Hälfte dessen, was ihnen als durchschnittliches Einkommen bisher zur Verfügung gestanden hat. Die Deutsche Rentenversicherung geht davon aus, dass das Rentenniveau in den nächsten Jahren noch weiter sinken wird und die Rentenlücke so immer größer werden wird. Aus diesem Grund sollte man sich so früh wie möglich über weitere Optionen zur Altersvorsorge informieren. Neben der gesetzlichen Altersvorsorge kommen dafür betriebliche und private Altersvorsorgen in Frage.

Warum ist eine private Altersvorsorge notwendig?Warum ist eine private Altersvorsorge notwendig?Warum ist eine private Altersvorsorge notwendig?

Während die Beiträge zur gesetzlichen Rentenvorsorge bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern automatisch vom Bruttogehalt abgezogen werden, verlangt die private Vorsorge Eigeninitiative – sie müssen sich selbst um die Ausgestaltung ihrer privaten Altersvorsorge kümmern. Die betriebliche Altersvorsorge steht zwischen privater und gesetzlicher Vorsorge: Zwar bestimmt in der Regel der Arbeitgeber, welche Art der Vorsorge er seinen Mitarbeitenden anbietet. Dennoch haben Sie als Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer einen gewissen Einfluss auf die Ausgestaltung, zum Beispiel über die konkrete Höhe der monatlichen Investitionen, sprich Vorsorgeaufwendungen.

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Was ist eine Pensionskasse?

Was ist eine Pensionskasse?Was ist eine Pensionskasse?Was ist eine Pensionskasse?

Die Pensionskasse ist eine Möglichkeit der betrieblichen Altersvorsorge für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Mitarbeitende zahlen über die Entgeltumwandlung einen Teil ihres Bruttogehalts direkt in die Pensionskasse ein, und profitieren so von Steuervorteilen und Vergünstigungen bei Sozialabgaben. Zum Laufzeitende wird das Geld ausbezahlt, entweder als monatliche Rente oder als Kapitalauszahlung.

Erstmals entstanden Pensionskassen Ende des 19. Jahrhunderts seitens aufkommender Konzerne und des Öffentlichen Dienstes. Eine Pensionskasse entsteht heutzutage meist im Zusammenschluss mehrerer Unternehmen und Institutionen

Wie funktionieren Pensionskassen?

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zahlen über die Entgeltumwandlung in die Pensionskasse ein und profitieren so von Steuervorteilen sowie reduzierten Sozialabgaben. Das Geld wird in der Pensionskasse sicher verwahrt – bis zum Laufzeitende, das meist identisch mit dem Start in die Rente ist. Von dem Geld wird dann eine monatliche Rente bis ans Lebensende oder als Kapitalauszahlung ausgeschüttet.

Wie hoch ist die Rente bei der Pensionskasse?

Die Höhe der Rente richtet sich danach, wie viel Geld in die Pensionskasse einbezahlt wurde. Eine Investition in Fonds oder ETFs ist bei der Pensionskasse normalerweise nicht möglich. Stattdessen werden beispielsweise sichere Anleihen gewählt.

Es gibt verschiedene Optionen zur Auszahlung der Betriebsrente:

  • Monatliche Auszahlung einer Rente bis ans Lebensende
  • 30 % als Einmalauszahlung, 70 % als dann geringere monatliche Rente
  • 100 % als Kapitalauszahlung, keine anschließende monatliche Rente
Wie hoch ist die Rente bei der Pensionskasse?Wie hoch ist die Rente bei der Pensionskasse?Wie hoch ist die Rente bei der Pensionskasse?

Was ist der Unterschied zwischen Pensionskasse und Pensionsfonds?

Unterschied zwischen Pensionskasse und PensionsfondsUnterschied zwischen Pensionskasse und PensionsfondsUnterschied zwischen Pensionskasse und Pensionsfonds

Pensionskassen investieren das Geld der Versicherten normalerweise nicht in Fonds oder ETFs, sondern z.B. in sichere Anleihen. Diese sind derzeit jedoch aufgrund der Tiefzinsphase nur schwach verzinst. Dadurch weisen Pensionsfonds in der Regel höhere Renditechancen, aber auch höhere Schwankungen auf.

Wie funktioniert die Entgeltumwandlung bei der Pensionskasse?

Generell gibt es 3 Möglichkeiten, um die betriebliche Altersvorsorge (bAV) zu finanzieren:

  • Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer tragen den Aufwand alleine
  • Der Arbeitgeber übernimmt die Beiträge vollständig
  • Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanzieren die Beiträge gemeinschaftlich
Wie funktioniert die Entgeltumwandlung bei der Pensionskasse?Wie funktioniert die Entgeltumwandlung bei der Pensionskasse?Wie funktioniert die Entgeltumwandlung bei der Pensionskasse?

Die ersten beiden Punkte kommen nur selten vor. Üblich ist der dritte Punkt, spätestens seitdem der Arbeitgeber mindestens 15 % zu den monatlichen Beiträgen zuschießen muss. Entgeltumwandlung ist hier das Stichwort. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können also einen selbst bestimmten Teil ihres Bruttoeinkommens direkt in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen. Der Staat fördert dabei das Vorhaben, indem er Steuern und Sozialabgaben auf den Sparbetrag erlässt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können im Jahr 2022 bis zu 564 EUR monatlich steuerfrei investieren und bis zu 282 EUR sind sozialversicherungsfrei. Die Pensionskasse verwaltet das Geld bis zur Auszahlung der Rente.

In nachfolgendem Beispiel werden einzelne Positionen zur Berechnung des Nettoeinkommens – einmal mit und einmal ohne eine bAV – miteinander verglichen. Auf diese Weise lässt sich das Prinzip der Entgeltumwandlung besser verdeutlichen.

Beispiel:

Position
Ohne bAV
bAV mit 250 €
Arbeitslohn (brutto)
3.000 EUR
3.000 EUR
Betriebliche Altersvorsorge
(Arbeitgeberzuschuss)
-
250 EUR
(+15%)
Zu versteuerndes Bruttoeinkommen
3.000 EUR
2.750 EUR
Minus Lohnsteuer (SK 1)
- 406,08 EUR
- 344,50 EUR
Minus Kirchensteuer
(9 % von Lohnsteuer)
- 36,54 EUR
- 31 EUR
Minus Solidaritätszuschlag
(5,5 % von Lohnsteuer)
- 22,33 EUR
- 18,94 EUR
Minus Krankenversicherung
(7,3 % + 0,55 % Zusatzbeitrag des Bruttoeinkommens –
Zusatzbeitrag kann je nach Krankenkasse variieren)
- 232,50 EUR
- 213,13 EUR
Minus Pflegeversicherung
(3,3 % des Bruttoeinkommens)
- 53,25 EUR
- 48,81 EUR
Minus Rentenversicherung
(9,3 % des Bruttoeinkommens)
- 279 EUR
- 255,75 EUR
Minus Arbeitslosenversicherung
(1,2 % des Bruttoeinkommens)
- 36 EUR
- 33 EUR
Gesamtsumme Steuern
464,95 EUR
394,44 EUR
Gesamtsumme Sozialversicherungen
600,75 EUR
550,69 EUR
Nettoeinkommen
1.934,30 EUR
1.804,87 EUR
Betriebsrente BeispielBetriebsrente BeispielBetriebsrente Beispiel

Sie haben zwar im Beispiel ein um 129,43 EUR kleineres Nettoeinkommen (1.934,30 EUR minus 1.804,87 EUR). Dennoch haben Sie 250 EUR + 15 % vom Unternehmen investiert. Sie sparen also 120,57 EUR monatlich an Steuern und Sozialabgaben. Im Jahr sind das 1.446,87 EUR.

Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge

Möglichkeiten der betrieblichen AltersvorsorgeMöglichkeiten der betrieblichen AltersvorsorgeMöglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge

Es gibt verschiedene Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge:

Zu den gängisten Durchführungswegen zählen die Pensionskassen und Direktversicherungen. Meist entscheidet der Arbeitgeber – ggf. in gemeinsamer Entscheidung mit den Mitarbeitenden – welches bAV-Modell im Unternehmen angeboten wird.

Was ist eine Direktversicherung?

Was ist eine Direktversicherung?Was ist eine Direktversicherung?Was ist eine Direktversicherung?

Eine Direktversicherung ist ein Versicherungsvertrag, den ein Arbeitgeber bei einem zugelassenen Versicherer oder Anbieter abschließt. Den Anbieter kann er frei wählen. In den meisten Fällen fällt die Produktwahl auf eine Lebensversicherung. Denkbar ist aber auch eine Rentenversicherung.

Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmer zahlen über die Entgeltumwandlung ihre Beträge ein. Zusätzlich zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss von mind. 15 %. Dieser fällt sogar oft höher aus, da dieser Anteil den Sozialversicherungsbeiträgen entspricht, die der Arbeitgeber spart.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Pensionskasse und Direktversicherung

In einigen Aspekten stimmen die Vorgehensweisen einer Pensionskasse mit denen einer Direktversicherung überein. Doch welche Unterschiede – und in diesem Fall gleichzeitig auch Nachteile gegenüber einer Direktversicherung – gibt es bei dem bAV-Modell Pensionskasse?

Gemeinsamkeiten Unterschiede
  • Arbeitgebender ist Versicherungsnehmer
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die versicherten Personen und haben die rechtlichen Ansprüche auf die entsprechende Betriebsrente
  • Vergünstigungen bei Steuern und Sozialabgaben
  • Während der Auszahlungsphase kann sich der persönliche Steuersatz für die Besteuerung der Betriebsrente reduzieren, was zu einer erneuten Ersparnis der Arbeitnehmerin bzw. des Arbeitnehmers führen kann
  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten Leistungen aus der Pensionskasse nur dann, wenn sie nicht mehr arbeiten – unabhängig vom vereinbarten Beginn der Leistungen. Wer sich also länger etwas dazuverdienen möchte, muss bei der Pensionskasse so lange auf die Auszahlung der Betriebsrente verzichten
  • Scheiden Sie aus dem Unternehmen aus und möchten weiterhin privat die Beiträge in die Pensionskasse einzahlen, entfallen Steuervorteile und die vollen Sozialabgaben müssen entrichtet werden
  • Aufgrund einer höheren Lebenserwartung der Versicherten und dem vergangenen Zinstief haben bereits einige Pensionskassen die Betriebsrenten ihrer Versicherten um mehrere Prozent gekürzt
  • Aus diesem Grund dürfen viele Pensionskassen keine neuen Kundinnen und Kunden mehr annehmen (Kontrolle durch BaFin)

Es macht also aus mehreren Gründen einen Unterschied, ob Sie über eine Pensionskasse oder eine Direktversicherung mit einer Betriebsrente versorgt werden. Doch was macht die Direktversicherung anders und möglicherweise sogar besser als die Pensionskasse?

Vorteile der Direktversicherung

Vorteile der DirektversicherungVorteile der DirektversicherungVorteile der Direktversicherung

Eine Direktversicherung – z.B. als Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge läuft zwar auf den Namen des aktuellen Arbeitgebers, besteht aber dennoch unabhängig vom Unternehmen. Das bietet den Vorteil, dass Sie als Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer den Vertrag in den allermeisten Fällen bei einem Jobwechsel mitnehmen und fortführen können.

Eine Voraussetzung ist dann das Einverständnis des neuen Arbeitgebers. Außerdem darf der Jobwechsel nicht mehr als 15 Monate her sein und auf dem Rentenkonto dürfen sich nicht mehr als 82.500 EUR befinden (Beitragsbemessungsgrenze, Stand 2021).

Auch falls ein Arbeitnehmender keine eigene Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen kann, ist die Direktversicherung von Vorteil. Denn die BU lässt sich beispielsweise mit einer Kapitallebensversicherung koppeln.

Stellt man beide Modelle der betrieblichen Altersvorsorge – Pensionskasse und Direktversicherung – nebeneinander, dann fällt eine weitere Sache auf. Direktversicherungen investieren das eingezahlte Geld in kosteneffiziente ETFs und Indexfonds. Dadurch sind höhere Renditechancen vorhanden, als wenn man das Geld einfach in die Pensionskasse einzahlt und damit nichts passiert.

Fazit: Pensionskasse oder Direktversicherung?

Ob man im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge auf eine Pensionskasse setzt oder eine Direktversicherung wählt, macht einen großen Unterschied. Für Arbeitgeber ebenso wie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Die Pensionskasse kann in vielen Punkten nicht (mehr) mit einer Direktversicherung mithalten. Die Krise trifft vor allem Versicherte jener Pensionskassen, die als Versicherungsverein auftreten. Hier besteht für die Versicherten bisher kein Insolvenzschutz und somit sind die Versicherten machtlos, wenn die Pensionskassen die Renten kürzen oder wenn die Renten entfallen. Leider sind die meisten deutschen Pensionskassen als Versicherungsverein organisiert. Ein neues Gesetz soll die Versicherten aber entlasten und die Situation entschärfen.

Generell lohnt es sich daher neben der betrieblichen Altersvorsorge auch privat vorzusorgen, und sich so zusätzlich für das Alter abzusichern. Eine Möglichkeit der privaten Vorsorge für alle in Deutschland Steuerpflichtigen ist die staatlich geförderte Rürup-Rente: hier können die gezahlten Beiträge von der Steuer abgesetzt werden. Mit dem ETF Rürup können Sparerinnen und Sparer zudem in ein Portfolio mit freier ETF-Auswahl investieren und erhalten auf das Kapital zum Rentenbeginn garantierte Rentenkonditionen.

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