Die betriebliche Altersvorsorge kündigen:
Haben Sie die Kosten beachtet?

Welchen Grund haben Sie? Warum möchten Sie sich als Arbeitnehmer von Ihrer bAV trennen? Die betriebliche Altersvorsorge zu kündigen und aufzulösen zieht mehrere Nachteile nach sich und ist recht kompliziert. Warum? Weil nicht Sie persönlich die bAV verwalten, sondern Ihr Chef. Sie können sich aber für eine sinnvolle Alternative entscheiden, indem Sie nicht kündigen, sondern die bAV beitragsfrei stellen. Wir erklären es. Und wir erklären auch, warum wenig dafür spricht, die betriebliche Altersvorsorge tatsächlich aufzulösen.

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bAV kündigen: Warum (nicht)?

Ob Pensionskasse, Pensionsfonds, Direktversicherung (beispielsweise fairrbav), Unterstützungskasse oder eine andere Form der bAV: Unterm Strich ist die betriebliche Altersvorsorge stets sinnvoll, um ein finanzielles Polster für den Ruhestand aufzubauen. Sowohl als einzelnes Produkt als auch als Baustein neben anderen Maßnahmen und Produkten wie der Riester-Rente oder Rürup-Rente. Dennoch möchten sich viele von ihr trennen und haben Gründe dafür, die zunächst nachvollziehbar erscheinen. Sie werden bei diesen Gründen aber nicht den erwünschten Effekt erzielen:

„Ich brauche einfach das Geld.“

Wer weiß, welche Summe sich auf der hohen Kante befindet, ist versucht, sie anzurühren. Entweder, um eine bestehende Finanzlücke auszubessern oder um etwas Teureres zu finanzieren. Doch die betriebliche Altersvorsorge zu kündigen, um sich so das Geld auszahlen zu lassen, funktioniert leider nicht. Arbeitnehmer erhalten das Geld so oder so erst zur Rente. Eine Ausnahme kann dann bestehen, wenn die erwartbare Betriebsrente nicht mehr als circa 20 Euro monatlich umfasst.

„Ich wechsele den Job und mein neuer Chef schreibt einen anderen Vertrag vor.“

Da der Arbeitgeber den Vertrag in Ihrem Namen abschließt und verwaltet, darf er auch den Anbieter aussuchen. Dementsprechend zahlen Sie nach dem Jobwechsel vielleicht in einen neuen Vertrag bei einem anderen Anbieter ein. Die bAV vom alten Job müssen Sie deshalb aber nicht kündigen. Sofern es sich um unter 82.800 Euro handelt (2020) und der Jobwechsel höchstens 15 Monate her ist, können Arbeitnehmer die Summe vom alten Vertrag in den neuen transferieren und „weitersparen“.

„Ich fand heraus, dass ich nachher ja einen Teil der Betriebsrente an die Krankenkasse entrichten muss, obwohl ich heute schon einzahle.“

Tatsächlich keine falsche Information: Von der späteren Betriebsrente müssen Sie rund 18,75 % an die Krankenkasse entrichten. Normalerweise ist nur die normale Rente vom Staat für die Krankenkasse relevant. Zusatzrenten beispielsweise aus Rürup oder Riester sind es nicht. Bei der Betriebsrente ist das anders. Und warum 18,75 %? Das ist doch deutlich mehr als der Arbeitnehmeranteil. Korrekt: Sie müssen den Arbeitnehmer- UND den Arbeitgeberanteil bezahlen. Im Volksmund hat sich dafür das Wort “Doppelverbeitragung” etabliert.

Hinweis: Seit dem 01.01.2020 ist sie aber durch ein neues Gesetz nicht mehr allzu relevant. Das Gesetz sieht vor, dass Sie erst ab einer Betriebsrente von mehr als 159,25 Euro monatlich einen Teil an die Krankenkasse entrichten müssen. Und zwar die Differenz. Wenn Arbeitnehmer beispielsweise eine Betriebsrente von 200 Euro erhalten, fallen die rund 18,75 % nur auf 40,75 Euro an. Sie entrichten also nur 7,64 Euro.

„Durch die bAV ist meine normale Rente ja nicht mehr so hoch.“

Das stimmt – sobald Sie mithilfe der Entgeltumwandlung selbst etwas investieren, sparen Sie bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Dadurch ist die gesetzliche Rente später noch etwas kleiner als vorher. Ein ordentlicher Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge – beispielsweise die fairrbav mit ETFs und Indexfonds – kann die Lücke aber zweifelsfrei kompensieren. Zudem sind die Kosten zu beachten, die entstehen würden, wenn Sie die bAV aus diesem Grund und auch sonst auflösen.

„Ich bekomme den Zuschuss vom Chef nicht, obwohl das Gesetz dies mittlerweile vorschreibt. Wozu zahle ich dann in die betriebliche Altersvorsorge ein?“

Tatsächlich kann es sein, dass Sie den Zuschuss nicht erhalten. Noch nicht. Wenn Sie schon seit vor dem 01.01.2019 sparen, erhalten Sie den Arbeitgeberzuschuss erst ab dem 01.01.2022. Das schreibt das Gesetz so vor. Nur bei Anwartschaften, die frühestens seit dem 01.01.2019 bestehen, zahlt der Chef heute schon mit ein. Warten Sie noch etwas ab, aber vermeiden Sie es, die bAV zu kündigen.

„Ich brauche mehr Netto.“

Natürlich reduziert die Entgeltumwandlung das Nettoeinkommen. Jedoch ist es so, dass Ihr Netto nicht um 150 Euro kleiner ist, wenn Sie 150 Euro in die bAV einzahlen. Stattdessen ist es bei einem Bruttoeinkommen von 3.000 Euro und in Steuerklasse 1 beispielsweise nur 77,41 Euro kleiner. Die Differenz zu den 150 Euro sind Ihre Ersparnisse bei der Steuer und bei den Sozialabgaben. Weiter unten finden Sie die entsprechende Beispielrechnung noch einmal detaillierter. Ob die hohen Kosten einer Kündigung ein wieder um 77,41 Euro höheres Nettoeinkommen rechtfertigen, müssen am Ende Sie entscheiden. Lohnen wird es sich aber nicht.

„Ich bin mit meiner bAV unzufrieden.“

Dies ist ein nachvollziehbarer Grund und Sie können die betriebliche Altersvorsorge auch nicht einfach wechseln. Es sei denn, sie läuft allein über Sie und Sie können frei entscheiden. Das trifft in den meisten Fällen nicht zu. Dennoch: Sehen Sie von einer Kündigung ab, denn die käme Ihnen auch hier teuer zu stehen.

Was kostet die Kündigung der
betrieblichen Altersvorsorge?

Wenn Sie in die bAV einzahlen, dann profitieren Sie von Steuerersparnissen und sparen auch noch bei den Sozialabgaben. Der Staat belohnt Sie also für Ihre Altersvorsorge. Aber nicht bedingungslos. Er bindet diese Vorteile daran, dass Sie im Rentenalter tatsächlich eine zusätzliche Betriebsrente erhalten und dass bei Ihnen kein Risiko für Altersarmut (mehr) besteht. Denn im Armutsfall müsste sich der Staat um Sie kümmern.

Dementsprechend hat es Konsequenzen, wenn Sie quasi ohne letztendliches Resultat von den Vorteilen profitiert haben.

Aus diesem Grund entstehen bei der Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge hohe Kosten. Das, was Sie bei der Steuer und bei den Sozialabgaben gespart haben, müssen Sie nachzahlen. Wie hoch sind diese Kosten? Gehen wir von einem Beispiel aus:

Sie haben ein Bruttoeinkommen von 3.000 Euro und zahlen 150 Euro von diesem Bruttoeinkommen monatlich ein. Sofern Sie frühestens seit dem 01.01.2019 sparen, erhalten Sie den 15-%-Zuschuss von Ihrem Chef. Das sehen wir uns nun anhand der Steuerklasse 1 an – in anderen Steuerklassen kommen andere Resultate heraus.

Position Ohne bAV bAV mit 150 €
Arbeitslohn (brutto) 3.000 Euro 3.000 Euro
Betriebliche Altersvorsorge
(Arbeitgeberzuschuss)
- 150 Euro (+15%)
Zu versteuerndes Bruttoeinkommen 3.000 Euro 2.850 Euro
Minus Lohnsteuer
(Steuerklasse 1)
- 406,08 Euro - 368,91 Euro
Minus Kirchensteuer
(9 % von Lohnsteuer)
- 36,54 Euro - 33,20 Euro
Minus Solidaritätszuschlag
(5,5 % von Lohnsteuer)
- 22,33 Euro - 20,29 Euro
Minus Krankenversicherung
(7,3 % + 0,55 % Zusatzbeitrag des Bruttoeinkommens –
Zusatzbeitrag kann je nach Krankenkasse variieren)
- 232,50 Euro - 220,88 Euro
Minus Pflegeversicherung
(3,3 % des Bruttoeinkommens)
- 53,25 Euro - 50,59 Euro
Minus Rentenversicherung
(9,3 % des Bruttoeinkommens)
- 279 Euro - 265,05 Euro
Minus Arbeitslosenversicherung
(1,2 % des Bruttoeinkommens)
- 36 Euro - 34,20 Euro
Gesamtsumme Steuern 464,95 Euro 422,40 Euro
Gesamtsumme Sozialabgaben 600,75 Euro 570,71 Euro
Nettoeinkommen 1.934,30 Euro 1.856,89 Euro

Die 150 Euro + 15 % müssen Sie weder versteuern noch sozialversichern. Dadurch sparen Sie in diesem Beispiel 72,59 Euro monatlich, was 871,08 Euro im Jahr sind. Nehmen wir an, dass Sie sechs Jahre einzahlen, bevor Sie die betriebliche Altersvorsorge kündigen müssen.

So kommen Sie auf eine Gesamtersparnis von 5.226,48 Euro. Das ist die Summe, die Sie nachzahlen müssen.

Auf dem Rentenkonto befinden sich 12.420 Euro (150 Euro Investition + 15 % vom Chef x 12 Monate x 6 Jahre) – der Rückkaufswert umfasst also nur noch 7.193,52 Euro. Und diese Summe erhalten Sie normalerweise auch nicht sofort, sondern trotz der Kündigung erst zur Rente.

Das funktioniert besser:

Was bedeutet es, die bAV
beitragsfrei
zu stellen?

„Beitragsfrei stellen“ / „Beitragsfreistellung“ bedeutet, dass Sie fortan nichts mehr in das Produkt einzahlen oder dass Sie mindestens die Investitionen reduzieren. Die bAV ist so praktisch pausiert. Das kann entweder über einen definierten Zeitraum passieren oder dauerhaft. Beachten müssen Sie dabei natürlich, dass das Ihre spätere Betriebsrente reduziert. Sichern Sie sich deshalb anders ab, um im Ruhestand ausreichend Geld zu haben.

Um die betriebliche Altersvorsorge beitragsfrei zu stellen, müssen Sie sich an Ihren Arbeitgeber wenden. Denn er verwaltet den Vertrag für Sie als Arbeitnehmer und muss den Schritt entsprechend anstoßen. Er wendet sich dann wiederum an den Anbieter und leitet alles ein, sodass Sie bereits ab dem nächsten Monat nichts mehr investieren. 

Dass Ihr Arbeitgeber den Vertrag in Ihrem Namen verwaltet, ist auch der Grund, warum die Kündigung einer bAV so kompliziert ist. Sie können die betriebliche Altersvorsorge nicht einfach so kündigen, sondern Ihr Arbeitgeber muss vorher eine Verzichtserklärung unterschreiben. Damit überträgt er seine Versicherungsnehmereigenschaften an Sie, mit denen Sie die volle Entscheidungsfreiheit über die bAV haben.

Das Wesentliche noch einmal in Kürze:

  • Durch die entstehenden Kosten und einen stark reduzierten Rückkaufswert lohnt es sich fast nie, die bAV zu kündigen. Um aber von den Investitionen befreit zu sein, können Sie sie beitragsfrei stellen.
  • Selbst, wenn Sie sich für die Kündigung entscheiden und die Kosten in Kauf nehmen, können Sie sich das Geld trotzdem erst zur Rente auszahlen lassen. Sofort und vorab funktioniert es nur in Ausnahmefällen.
  • Ausnahmen sind Einzelfälle – sie können etwa dann bestehen, wenn die erwartbare Betriebsrente nicht mehr als circa 20 Euro monatlich umfasst. In diesem Fall kann man sich das Geld tatsächlich auszahlen lassen. Rechnet man aber die entstehenden Kosten darauf an, zahlt man eher drauf, als dass etwas überbleibt.
  • Diese Punkte zählen immer. Ob die bAV über eine Pensionskasse, einen Pensionsfonds, eine Direktversicherung, eine Unterstützungskasse oder eine andere Form läuft, ist nicht relevant.