Was ist der Leverage-Effekt?

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Der Leverage-Effekt beschreibt eine Möglichkeit, mit wenig Kapitaleinsatz eine hohe Rendite zu erzielen. Anleger nutzen Fremdkapital als wirksames Instrument, um mit einer kleinen Anfangsinvestition mehr Ertrag zu erwirtschaften. Die Praxis, Kredite strategisch aufzunehmen, um höhere Gewinnmöglichkeiten auszuschöpfen, wird als finanzielle Hebelwirkung, oder als Leverage-Effekt, bezeichnet.

Was ist eine finanzielle Hebelwirkung?

Eine finanzielle Hebelwirkung liegt vor, wenn ein Anleger Fremdkapital zum Kauf eines bestimmten Vermögenswerts investiert. Das heißt, er leiht sich Geld, um größere Investitionen zu tätigen, die wiederum zu höheren Renditen führen können. Der sogenannte Leverage-Effekt definiert also die Hebelwirkung des aufgenommenen Fremdkapitals auf die Eigenkapitalrentabilität. Denn durch den Einsatz von Fremdkapital (anstelle von oder zusätzlich zum Eigenkapital) kann die Eigenkapitalrendite für den Anleger gesteigert werden. Dabei gilt, je höher die Summe des geliehenen Geldes, desto größer der Leverage-Effekt.

Wie wird der Leverage-Effekt berechnet?

Angenommen, ein Unternehmen verfügt über ein Anlagevermögen von fünf Millionen Euro. Es finanziert sich vollständig aus Eigenkapital. Das Anlagevermögen wird in der Vermögensbilanz zu den Aktiva gezählt, denn es zeigt an, wie viel Vermögen das Unternehmen aktiv nutzen kann. Das Eigenkapital gehört in die Sparte der Passiva. Diese zeigt an, aus welchen Mitteln die Aktiva finanziert wurden. Das kann durch Eigenkapital oder durch ein Kredit sein.

Im Folgenden eine Beispielberechnung ohne Hebeleffekt:

Aktiva Passiva
Anlagevermögen 5.000.000 EUR Eigenkapital 5.000.000 EUR

Das Unternehmen erzielt einen jährlichen Gewinn in Höhe von 500.000 EUR, der sich aus Erträgen von 700.000 EUR abzüglich aller Aufwendungen (z.B. Steuern) von 200.000 EUR ergibt.

Eine vereinfachte Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) sieht dann so aus:

Einnahmen 700.000 EUR
- Aufwendungen 200.000 EUR
= Gewinn 500.000 EUR

Daraus lässt sich die sogenannte Eigenkapitalrendite wie folgt berechnen:

Eigenkapitalrendite = Gewinn / Eigenkapital = 500.000 EUR / 5.000.000 EUR = 10 %

In der nachfolgenden Beispielberechnung wird die Verwendung eines Hebels demonstriert. Nehmen wir an, dass sich das Unternehmen zur Hälfte des Eigenkapitals fremdfinanziert. Das heißt, 2.500.000 EUR kommen durch Fremdkapital, beispielsweise einem Kredit. Der Fremdkapitalzinssatz beträgt 7 %.

Aktiva Passiva
Anlagevermögen 5.000.000 EUR Eigenkapital 2.500.000 EUR
Kredit 2.500.000 EUR

Der Gewinn ohne Leverage minimiert sich aufgrund der 7 % Fremdkapitalzinsen auf die 500.000 EUR Kredit um 175.000 EUR auf 325.000 EUR.

Die vereinfachte Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) mit Leverage sieht dann so aus:

Einnahmen 700.000 EUR
- Aufwendungen 200.000 EUR
- Zinsaufwand (7 %) 175.000 EUR
= Gewinn 325.000 EUR

Zumal das Eigenkapital hier um die Hälfte auf 2.500.000 EUR reduziert wurde, sieht die Formel für die Berechnung der Eigenkapitalrentabilität nach dem Hebeleffekt wie folgt aus:

Eigenkapitalrendite = Gewinn / Eigenkapital = 325.000 EUR / 2.500.000 EUR = 13 %

Die Eigenkapitalrentabilität ist somit durch das eingesetzte Fremdkapital von 10 % auf 13 % erhöht. Es wird ersichtlich, dass das Fremdkapital die Eigenkapitalrendite nach oben „hebelt“.

Steigende Verschuldung gleich höhere Zinsen

Das Ziel der Hebelwirkung besteht also darin, mit Vermögenswerten durch den Einsatz von Fremdkapital höhere Erträge zu erwirtschaften als Aufwendungen verbucht werden. Auch wenn dieses Anlagemodell auf den ersten Blick sehr attraktiv scheint, ist es äußerst riskant, zumal der Hebeleffekt schnell und mächtig auch in die negative Richtung gehen kann. Hohe Verluste sind nicht auszuschließen. Der Verschuldungsgrad bestimmt also das Risiko und je höher die Verschuldung ist, desto höher sind die zu zahlenden Fremdkapitalzinsen. Ab der Überschreitung eines gewissen Verschuldungsgrads gewähren beispielsweise Banken aus Sicherheitsgründen keine weiteren Kredite.

Wie bleibt der Leverage-Effekt positiv?

Der Leverage-Effekt bleibt positiv vorhanden, solange die Investitionsrendite bzw. Gesamtkapitalrendite über dem Fremdkapitalzins liegt (Leverage-Chance). Der Begriff Gesamtkapitalrendite, oder auch Gesamtrentabilität, wird auch oft mit der englischen Bezeichnung Return on Investment (ROI) benannt.

Was ist ein positiver Leverage-Effekt?

Im oben genannten Beispiel beträgt die Investitionsrendite des Unternehmens 10 %, der Fremdkapitalzins beträgt 7 %.

Hier wirkt der Leverage-Effekt positiv, weil das Unternehmen sich Geld zu 7 % leiht, aber aus dem Eigenkapital 10 % erzielt. Von der Differenz über 3 % profitiert schließlich das Unternehmen. Seine Eigenkapitalrendite steigt dadurch.

Was ist ein negativer Leverage-Effekt?

Angenommen, der Fremdkapitalzins steigt auf 12 % – mit steigender Verschuldung erhöhen sich auch die Zinsen ­­– so würde der Leverage-Effekt negativ wirken.

Für die Differenz von 2 % müsste dann das Unternehmen aufkommen.

Wo wird der Leverage-Effekt genutzt?

In der Finanzwirtschaft wird der Effekt insbesondere von Unternehmen in den Bereichen Kapitalstruktur genutzt. Bei der Kapitalstruktur versteht man unter Hebeleffekt, die Hebelwirkung der Finanzierungskosten von Fremdkapital auf die Verzinsung des Eigenkapitals. Aber auch Anleger im Aktienhandel machen Gebrauch vom Hebeleffekt. CFDs bzw. Differenzkontrakte sind als hochspekulative Derivate beispielsweise dabei prädestiniert zum „Hebeln“. Denn dabei müssen Anleger nur für einen kleinen Teil des Gesamtwerts der gewünschten CFD-Position aufkommen. Dies wird als Margenzahlung bezeichnet. Um die Position dann ganz zu erwerben, leiht ein CFD-Broker dem Anleger den Differenzbetrag.

Ähnlich wie beim obigen Beispiel könnte der Anleger durch den Einsatz des Leverage-Effekt einen größeren Vermögenswert erwerben und dadurch einen höheren Gewinn erzielen. Ein Gewinn in dieser Höhe wäre ihm nicht möglich gewesen, wenn er einen Vermögenswert nur mit seinem vorhanden Eigenkapital gekauft hätte. Auf diese Weise sind aber auch Verluste möglich, zumal sie genauso auf dem vollen Wert der CFD-Position beruhen. Somit gehen Anleger das Risiko ein, sogar mehr als das eingezahlte Kapital zu verlieren. Je nach Broker und CFD-Konto stehen meistens verschiedene Hebel zur Wahl.

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Stand: 15. Mai 2020