Erbschaftssteuer bei Kindern fällt ab 400.000 EUR Erbsumme an

Nur einmal fällig und oftmals nicht mal das: Die Erbschaftssteuer. Sie ist grundsätzlich für das gesamte Vermächtnis des Erblassers zu zahlen – aber nur selten wird ein so hohes Vermögen vererbt, dass Steuern überhaupt anfallen. Die Erbschaftssteuer fällt also nur dann an, wenn die Nachlasssumme den festgelegten Freibetrag überschreitet. Die darüber liegende Differenz muss dann als Einnahme nach dem Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuer Gesetz (ErbStG) versteuert werden. Die Höhe der Freibeträge richtet sich nach dem Verwandtschaftsgrad und je nach Steuerklasse. Die Steuerklasse 1 beispielsweise beinhaltet alle nahen Verwandten, das heißt: Ehepartner, Lebenspartner, Kinder, Enkel oder auch Urenkel. 

Auf dieser Seite erfahren Sie alles Wesentliche zur Erbschaftssteuer: Was muss ich als Erbe beachten und wann muss ich eine Erbschaftssteuererklärung abgeben?

Enkel: Stirbt ein Teil der Großeltern, dann ist das Erbe der Enkel bis hin zu einem Gesamtwert von bis zu 200.000 EUR steuerfrei. Sofern der entsprechende Elternteil des Enkels nicht mehr lebt, sind es auch bei Enkeln 400.000 EUR. Eltern, die von ihren  Kindern erben, können bis zu 100.000 EUR steuerfrei erben.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Kinder eines Erblassers müssen ein Erbe erst ab je 400.000 EUR Gesamtwert versteuern. Wer unter 400.000 EUR erbt, zahlt keine Erbschaftssteuer. Wer mehr als 400.000 EUR erbt, versteuert nur die Differenz ab 400.000 EUR aufwärts. Die Freibeträge nehmen mit dem Grad der Verwandtschaft ab.
  • Dabei werden Kinder der Steuerklasse 1 zugeordnet. Mit welchem Steuersatz sie das Erbe letztendlich versteuern müssen, hängt dann nur noch von der Differenz ab, die über den Freibetrag von 400.000 EUR hinausgeht
  • Neben den steuerfreien 400.000 EUR haben Kinder unter Umständen noch einen Versorgungsfreibetrag – dieser gilt bis zu einem Alter von 27 Jahren. Der Wert des Freibetrags reicht von 10.300 EUR bis 52.000 EUR. Je älter das Kind ist, desto weniger Geld bekommt es durch den Versorgungsfreibetrag.
  • Wenn Kinder eine Immobilie bis 200 Quadratmeter Wohnfläche erben und diese danach selbst nutzen, bleibt die Immobilie steuerfrei. Vorausgesetzt, dass der verstorbene Elternteil die Immobilie vorher auch selbst nutzte. Vererbter Hausrat ist zudem unabhängig vom großen Freibetrag bis zu 42.000 EUR steuerfrei.
  • Eltern haben die Möglichkeit, ein absehbar größeres Erbe durch Schenkungen bereits vor dem Tod an das Kind oder die Kinder zu „verteilen“. In einem Zeitfenster von je zehn Jahren ist es erlaubt, dass Eltern Vermögens- und Sachwerte im Wert von bis zu 400.000 EUR steuerfrei (also ohne Schenkungssteuer) schenken. 

Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen  Information und stellen keine Steuerberatung dar. Für detaillierte Informationen zu Ihrer Steuersituation wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder an den Lohnsteuerverein.

Wie hoch ist der Steuersatz bei der Erbschaftssteuer?

  • Wenn Kinder Erbschaftssteuer zahlen müssen, dann mindestens 7 %
  • Der Höchststeuersatz umfasst 30 %. Um solch einen Anteil versteuern zu müssen, muss das Erbe aber mehr als 20 Millionen EUR umfassen.
  • Bei den steuerfreien 400.000 EUR ist vom Gesamtwert des Erbes die Rede. Das heißt, dass etwa auch Immobilien neben Geldwerten eine Rolle spielen.

 

Diese Steuersätze fallen bei mehr als 400.000 EUR Gesamterbe des Kindes an: 

Gesamtwert des Erbes (über die zutreffenden Freibeträge hinaus) Steuersatz
Bis 75.000 EUR 7 %
Bis 300.000 EUR 11 %
Bis 600.000 EUR 15 %
Bis 6.000.000 EUR 19 %
Bis 13.000.000 EUR 23 %
Bis 26.000.000 EUR 27 %
Mehr als 26.000.000 EUR 30 %

Würde man als Kind stolze 20 Millionen EUR erben, dann wären 400.000 EUR davon steuerfrei. Versteuern müsste man also 19,6 Millionen EUR zu einem Steuersatz von 27 %, weil sich die Summe über 13 Millionen EUR und unter 26 Millionen EUR in der Tabelle befindet. Das Finanzamt bekäme also eine Summe von rund 5,29 Millionen EUR.  

Der Bund nahm zuletzt 2019 eine Summe von 6,99 Milliarden EUR an Erbschaftsteuer ein. Angesichts dessen, dass jedes Jahr schätzungsweise 400 Milliarden EUR vererbt werden, ist das eine sehr kleine Summe. Das erklärt sich auch dadurch, dass die meisten Deutschenwenn sie erben – nur kleine Summen erben, die weit unter der Freibetragsgrenze liegen.

Versorgungsfreibetrag bis zu 52.000 EUR je nach Alter

  • Kinder können zusätzlich zu den steuerfreien 400.000 EUR einen Versorgungsfreibetrag erhalten. Je nach Alter des Kindes bewegt sich der Freibetrag zwischen 10.300 EUR und 52.000 EUR je Kind
  • Der Versorgungsfreibetrag fällt alle 5 Jahre um etwa 10.000 EUR, bis er ab einem Alter von 27 Jahren komplett wegfällt. Kinder, die das 27. Lebensjahr vollendet haben, erhalten somit keinen Freibetrag mehr. 
  • Grundsätzlich geht es hier um alle nicht-staatlichen Versorgungen, die dem Erblasser zustanden und die das Kind nun laut Erbfolge oder Testament erhält. Beispielsweise eine Lebensversicherung des Erblassers. 
  • Falls Kinder beispielsweise die gesetzliche Rente oder Pension erben, dann ist das in jeder Hinsicht von der Erbschaftssteuer befreit. Es handelt sich um staatliche Versorgungen, die ohnehin nicht der Erbschaftssteuer unterliegen.   

 

Der Versorgungsfreibetrag hat je nach Alter des Kindes diese Höhe:

Alter des Kindes Versorgungsfreibetrag
Bis zu 5 Jahre 52.000 EUR
Zwischen 5 und 10 Jahren 41.000 EUR
Zwischen 10 und 15 Jahren 30.700 EUR
Zwischen 15 und 20 Jahren 20.500 EUR
Zwischen 20 und dem vollendeten 27. Lebensjahr 10.300 EUR

Bitte beachten: Wenn keine Erbschaftssteuer anfällt, bedeutet das nicht, dass keine anderen Steuern anfallen. Unter Umständen ist mit Einkommensteuer oder Abgeltungssteuer zu rechnen. Hier könnte es auch sinnvoll sein, einen Steuerberater heranzuziehen.

Immobilie: Bis 200 qm steuerfrei bei Selbstnutzung

  • War der Erblasser verheiratet, geht eine vererbte Immobilie normalerweise an den Ehepartner über. War der Erblasser alleinstehend, wechselt die Immobilie normalerweise in den Besitz des Kindes oder der Kinder. 
  • Wenn der Erblasser die Immobilie bis zu seinem Tod selbst bewohnt hat und Sie als Kind vorhaben, die Immobilie mindestens 10 Jahre selbst zu nutzen, ist sie steuerfrei. Aber nur bis zu einer Wohnfläche von 200 Quadratmetern. Bei mehr als 200 Quadratmetern Wohnfläche kann Erbschaftssteuer anfallen. 
  • Sollte die Immobilie vorher vermietet worden sein und wird sie auch weiterhin von Mietern bewohnt, unterliegt sie nur zu 90 % der Steuer. 

Wir erklären die Erbschaftssteuer bei Immobilien – und wie sie berechnet wird – detailliert auf der Seite zur Erbschaftssteuer. Grundsätzlich vorab: Verkaufen Sie die Immobilie, dann fällt Erbschaftssteuer an, wenn Sie durch den Verkauf den Freibetrag überschreiten. 

Erbschaftssteuer

Steuer erst ab bis zu 500.000 EUR je nach Grad der Verwandtschaft. Alles zur Erbschaftsteuer erfahren Sie hier.

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Dürfen Kinder den Hausrat erben?

Wenn Sie als Kind Hausrat des Verstorbenen erben, ist dieser unabhängig von den Freibeträgen bis zu einem Wert von 42.000 EUR steuerfrei. Andere bewegliche Gegenstände – etwa ein Auto – sind bis 12.000 EUR steuerfrei.

Fazit: Erbschaften bleiben oft steuerfrei

Die meisten Kinder und Enkel bekommen es dank hoher Freibeträge nicht mit der Erbschaftssteuer zu tun. Dafür müssten sie erst einmal einen Gesamtwert von mehr als 400.000 EUR erben. Auch wenn eine Immobilie mit im Erbe enthalten ist, die den Freibetrag übersteigt, können sie die Erbschaftssteuer vermeiden: Wohnen Sie die nächsten zehn Jahre selbst darin und ist die Wohnung nicht größer als 200 Quadratmeter, ist sie komplett steuerbefreit, unabhängig vom Freibetrag.

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