Unternehmensanleihen – Geldquelle für Unternehmen, Zinseinnahmen für Investoren

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Unternehmensanleihen sind eine Form, mit der sich Unternehmen finanzieren können. In erster Linie kaufen institutionelle Investoren Anleihen und leihen den Unternehmen Geld, um Zinsen zu erhalten und eventuelle Kursrenditen zu erzielen. Auch private Investoren können solche Anleihen kaufen. In den vergangenen Jahren sind vor allem die Zentralbanken als Käufer von Unternehmensanleihen aufgetreten.

Die Europäische Zentralbank und die US-amerikanische Notenbank Fed stützen mit dem Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen die Wirtschaft. Was das im Detail bedeutet und wie es funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze
  • Unternehmensanleihen sind Schuldverschreibungen großer oder mittelgroßer Unternehmen. Man unterscheidet sie noch einmal in Industrieanleihen und Mittelstandsanleihen.
  • Unternehmen leihen sich Geld am Börsenmarkt, um zu expandieren, andere Unternehmen zu kaufen oder zu besseren Konditionen umzuschulden. Während der Corona-Krise nutzen einige Unternehmen Anleihen, um sich zu finanzieren und eine Insolvenz zu vermeiden.
  • Wer Unternehmen in Form einer Unternehmensanleihe Geld leiht, bekommt über eine feste Laufzeit vorab definierte Zinsen ausbezahlt. Gewöhnlich sind die Zinsen dann besonders hoch, wenn mit der Investition ein höheres Risiko verbunden ist.
  • Das Risiko von Unternehmensanleihen ist größer als das von beispielsweise Staatsanleihen, weil es bei Unternehmen schneller zu einem Ausfall kommen kann als bei Staaten. Deshalb sind die Zinsen bei dieser Art von Anleihen im Generellen höher als etwa bei Staatsanleihen.
  • Die Geschichte der Unternehmensanleihe führt uns zurück bis ins frühe siebzehnte Jahrhundert.
  • Die Erstausgabe („Emission“) von Unternehmensanleihen findet am sogenannten „Primärmarkt“ an der Börse statt und ist überwiegend professionellen / institutionellen Anlegern vorbehalten. Während der Laufzeit lassen sich Unternehmensanleihen auch an der Börse handeln („Sekundärmarkt“). Werden bereits bestehende Anleihen verkauft, dann können auch Privatanleger investieren.
  • In Krisenzeiten, wie z.B. der Corona-Krise, kaufen Zentralbanken in großem Stil Staats- und Unternehmensanleihen, um die wirtschaftlichen Folgen der Krise abzumildern und die Währungsstabilität Aufrecht zu erhalten.

Beleuchtet:
Was sind Unternehmensanleihen?

  • Unternehmensanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere von Unternehmen, die sich von institutionellen wie später unter Umständen auch privaten Investoren Geld leihen. Das funktioniert ähnlich wie bei einem Kredit und wird über die Börse abgewickelt. 
  • Viele Unternehmen weltweit setzen aus verschiedenen Gründen auf entsprechende Anleihen, um sich zu finanzieren.

Unternehmensanleihen sind Schuldverschreibungen, mit denen sich Unternehmen am Kapitalmarkt von institutionellen und auch privaten Investoren Geld leihen. Am Ende einer vorab definierten Laufzeit bezahlt das Unternehmen als „Anleiheschuldner“ den Kredit zurück. Zusätzlich vergütet es das Risiko des Geldgebers mit Zinsen, die es jährlich ausbezahlt. Die Zinsen bezeichnet man als „Kupon“; ihre Höhe steht bei der Ausgabe der Anleihe fest und entspricht dem dahinterstehenden Risiko.

Unternehmensanleihen oder auch „corporate bonds“ sind rund um den Globus weit verbreitet. Es gibt sie in verschiedenen Währungen, mit verschiedenen Laufzeiten und Bewertungen von „spekulativ“ bis „risikoarm“. Entscheidend für das Risiko ist die Bonität des Unternehmens, das die Anleihe emittiert. Wenn dessen Bonität positiv ist, ist die Anleihe als sicher einzustufen, dafür ist die Rendite aber auch überschaubarer. Mit abnehmender Bonität nehmen die Zinsen normalerweise zu, als Anreiz, das höhere Risiko zu akzeptieren. 

Ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Unternehmen seine Schulden zurückzahlen wird, hat es eine hohe Bonität, auch Investment-Grade genannt. Fällt die Wahrscheinlichkeit, dass alle Geldgeber ihr Kapital zurückerhalten, dann sinkt die Bonität in mehreren Stufen bis auf Ramsch-Niveau (auch “Junk-Bonds” genannt).

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Ursprung:
Seit wann gibt es Unternehmensanleihen?

  • Die Unternehmensanleihe hat ihre Wurzeln in den Niederlanden.
  • Im frühen siebzehnten Jahrhundert konnte man an der Börse von Amsterdam erstmals eine Unternehmensanleihe kaufen. Die Niederlande nannten sich damals noch „Republik der sieben vereinigten Provinzen“. 

Die ersten Unternehmensanleihen führen uns zurück zu den Anfängen des siebzehnten Jahrhunderts. Zwei Handelsunternehmen aus der „Republik der sieben vereinigten Provinzen“ – heute die Niederlande – brauchten frisches Kapital für ihre Aktivitäten. Dabei handelte es sich um die „Niederländische Ostindien-Kompanie“ und die „Niederländische Westindien-Kompanie. Anleger, die dem Unternehmen ihr Geld liehen, erhielten eine Urkunde, die ihnen das Recht verbriefte, das Geld zurückzuerhalten sowie Zinsen ausbezahlt zu bekommen. Diese Urkunde war die Unternehmensanleihe der Frühzeit, wobei sich am Prinzip bis heute nichts verändert hat

In Deutschland wurden die ersten Unternehmensanleihen erst ab etwa 1850 an der Börse von Berlin emittiert. Unternehmensanleihen an der Frankfurter Börse kamen ab etwa 1866 dazu. Heute sind es sowohl Konzerne als auch mittelständische Unternehmen, die Anleihen herausgeben. Bei Letzteren spricht man von „Mittelstandsanleihen“.

Gründe:
Warum geben Unternehmen Anleihen heraus?

  • In verschiedenen Situationen benötigen Unternehmen Geld, um Vorhaben zu finanzieren, für die die vorhandenen finanziellen Mittel nicht ausreichen.
  • Anleihen sind eine Alternative zu Krediten oder zu Aktien.

Von Zeit zu Zeit brauchen Unternehmen mehr Geld als sie in dem Moment vorhalten. Zum Beispiel, wenn sie ins Ausland expandieren oder ein anderes Unternehmen kaufen möchten. Zudem bieten sich hin und wieder Gelegenheiten, bestehende teure Verbindlichkeiten durch preiswertere zu ersetzen, also umzuschulden. Auch Ereignisse wie die Corona-Pandemie können ein Grund sein, weshalb Unternehmen Kapitalbedarf haben und Unternehmensanleihen emittieren. 

In solchen Fällen leihen sich Unternehmen am Kapitalmarkt Geld in Form von Anleihen. Unternehmensanleihen sind eine Alternative zum Bankkredit oder zur Aktie, also zum Verkauf von Unternehmensanteilen. Bankkredite sind insbesondere bei Bonitätsproblemen teuer und teils schwer zu erhalten. Aktien sind für viele Unternehmen wiederum nicht denkbar, weil sie dafür ihre Rechtsform ändern müssten. 

Eine wesentliche Kennzahl bei der „Emission“, also der Herausgabe von Anleihen, ist das Volumen („Anleihevolumen“ oder „Emissionsvolumen“). Dieses bezeichnet die Gesamtsumme aller Anleihen, während die Anleihen selbst einen Einzelpreis („Nennwert“) besitzen. Sie sind in entsprechender Anzahl bis zum Erreichen des Gesamtvolumens kaufbar

Ein Beispiel:

Emittiert ein Unternehmen eine Anleihe zu einem Anleihevolumen von einer Milliarde Euro, dann bietet es beispielsweise eine Millionen Anleihen / Einheiten zu je 1.000 Euro an. Das bedeutet, dass Investoren eine Million Anleihen kaufen können – dann ist das Gesamtvolumen erreicht und keine weiteren Anleihen sind erhältlich.

Abstufungen:
Welche Unternehmen geben Anleihen heraus?

  • Unternehmen verschiedener Größe geben Anleihen heraus. Man unterscheidet zwischen Industrieanleihen, also Anleihen von großen Unternehmen, und Mittelstandsanleihen, also Anleihen mittelgroßer Unternehmen.
  • Das Volumen von Industrieanleihen ist über 100 Mal größer als das von Mittelstandsanleihen. 
  • Unternehmensanleihen sind nicht auf bestimmte Branchen beschränkt.

 

Je nach Größe des herausgebenden Unternehmens unterscheidet man zwischen Industrieanleihen und Mittelstandsanleihen. Hinter Industrieanleihen stehen Großkonzerne, überwiegend aus den Bereichen Industrie, Handel und Verkehr. Das Emissionsvolumen ist vergleichsweise groß und die Laufzeiten sind lang. Internationale Ratingagenturen wie Moody’s, Standard & Poor’s oder Fitch beurteilen die Bonität der Emittenten. Dadurch können Investoren die mit der Investition verbundenen Risiken einschätzen.

Mittelstandsanleihen sind weniger voluminös und haben kürzere Laufzeiten. Sie werden von mittelständischen oder Familienunternehmen emittiert. Vergleicht man Mittelstandsanleihen mit Industrieanleihen derselben Laufzeit, fallen sofort die höheren Zinsen der Mittelstandsanleihen auf. Der Nominalzins ist bei Mittelstandsanleihen deutlich höher, was mit dem höheren Ausfallrisiko bei mittelständischen Unternehmen zu tun hat.  Bei Mittelstandsanleihen bewerten eher nationale Ratingagenturen wie Euler Hermes, Scope oder Creditreform die Zahlungsfähigkeit der Schuldner.

Seit dem Jahr 2010 gibt es in Deutschland ein spezielles Börsensegment für Mittelstandsanleihen. An vier deutschen Börsen können Anleger die Wertpapiere kaufen und verkaufen. Das Emissionsvolumen von Mittelstandsanleihen betrug im Jahr 2019 für Deutschland etwas mehr als 900 Millionen Euro. Zum Vergleich: Industrieanleihen kommen im selben Jahr auf circa 115 Milliarden Euro.

Chancen & Risiken:
Was ist bei Unternehmensanleihen zu erwarten?

  • Die Risiken einer Unternehmensanleihe werden von der Bonität des Emittenten bestimmt. Eine hohe Bonität bedeutet höhere Sicherheit und niedrigere Gewinne. Eine schlechtere Bonität bedeutet mehr Gewinn, aber auch mehr Risiko.
  • So oder so sind insbesondere bei Mittelstandsanleihen die Zinsen recht hoch. Kommt das Unternehmen hier seinen Verbindlichkeiten nach, dann können gute Renditechancen bestehen.
  • Neben den Zinsen sind zunehmende Kurse während der Laufzeit eine weitere Chance, Renditen zu erzielen. Dafür muss man die Unternehmensanleihe aber vor Ablauf der Laufzeit verkaufen.

Die Kurse von Unternehmensanleihen sind in den zehn Jahren bis 2020 auf der ganzen Welt kontinuierlich gestiegen, wie das Beispiel des Bloomberg Barclays Global Aggregate Index zeigt. Ein Grund dafür ist die expansive Geldpolitik der Zentralbanken.

Steigende Kurse bedeuten aber nicht, dass es keine kurzfristigen Kursschwankungen bei Unternehmensanleihen gibt. Dies wird deutlich, wenn man sich den gleichen Anleihenindex über einen kürzeren Zeitraum anschaut. Auch seit 2015 sind die Kurse gestiegen, jedoch sind die Auswirkungen der globalen Corona-Pandemie 2020 auf die Kursentwicklungen deutlich zu erkennen:

Was beeinflusst das Zinsniveau von Unternehmensanleihen?

Unternehmensanleihen zeichnen sich im Allgemeinen durch höhere Zinsen aus – vor allem, wenn man sie mit Staatsanleihen vergleicht. Zudem stehen die Zinsen im Vorfeld über einen langen Zeitraum fest. Das bedeutet für Anleger, dass sie gut und soweit verlässlich planen können. Bezahlt das Unternehmen während der Laufzeit die versprochenen Zinsen, dann kann das einen attraktiven Gewinn hervorrufen.

Als Faustregel gilt bei Anleihen: Je länger die Laufzeit und je schlechter die Bonität, desto höher das Risiko, desto höher der Zinssatz. Die Bonität kann somit zu einem Risiko werden; und zwar zu einem Ausfallrisiko. Gerät das Unternehmen während der Laufzeit in Schieflage, dann steigt die Gefahr einer Insolvenz. Das bedeutet, dass weder die vereinbarten Zinsen noch das geliehene Geld zurückgezahlt werden könnte.

Über Erfolg und Misserfolg der Anlage entscheidet aber nicht nur der vereinbarte und der ausbezahlte Zins oder die Bonität des Unternehmens. Unternehmensanleihen können während der Laufzeit auch schwankende Kurse aufweisen. Nachrichten aus dem Unternehmen, positive wie negative, spielen hier eine Rolle, ebenso wie die allgemeine Wirtschaftslage. Normalerweise nähern sich Anleihen zum Ende der Laufzeit wieder dem Kurs zum Kaufzeitpunkt an. Dann sind weder Gewinne noch Verluste zu erwarten. Möchte man die Anleihen aber zwischendrin verkaufen und der Kurs nahm zwischenzeitlich zu, kann man hier noch eine zusätzliche Rendite erzielen. Oder einen Verlust, sofern der Kurs zwischenzeitlich abnahm.

Bei manchen Unternehmensanleihen bestehen Liquiditätsrisiken. Die Liquidität beschreibt, wie schnell und komfortabel man eine Anlage zu Geld machen kann. Für eine hohe Liquidität sind ein hohes Emissionsvolumen und eine gute Bonität des Emittenten entscheidend.

Eine hohe Liquidität gibt Anlegern aus mehreren Gründen mehr Sicherheit. So garantiert ein hohes Handelsvolumen, dass man seine Anleihe jederzeit verkaufen kann. Das ist wichtig, falls Investoren spontan auf ihr Kapital zugreifen und sich von den Wertpapieren trennen müssen. Andersherum kann es bei geringen Volumina passieren, dass man keinen Abnehmer für seine Papiere findet. Gegebenenfalls muss man sich dann auf schlechtere Konditionen einlassen, damit es überhaupt zum Verkauf kommt.

An dieser Stelle spielen auch Privatanleger eine Rolle. Denn normalerweise sind Unternehmensanleihen zunächst nur institutionellen Investoren vorbehalten. Erst, wenn diese die Anleihen zwischendrin an der Börse verkaufen, sind sie für Privatanleger kaufbar.

 

Diversifikation mindert das Ausfallrisiko bei Einzelwerten

Um das Ausfallrisiko von Einzelwerten zu reduzieren, investieren viele Anleger in einen Fonds, der viele verschiedene Werte bündelt, auch als Rentenfonds oder Anleihenfonds bezeichnet. Noch sinnvoller können in Anleihen und Aktien investierende ETF-Portfolios sein, da sie besonders kosteneffizient funktionieren.

Bei den global diversifizierten WeltInvest ETF-Portfolios entstehen beispielsweise Gesamtkosten von nur durchschnittlich 0,48 % im Jahr für bis zu 7 ETFs und Indexfonds in den wichtigsten Aktien- und Anleihenmärkten der Welt. Das Anleihensegment wird über den Vanguard Global Bond Index Fund abgedeckt, der Staats- und Unternehmensanleihen mit guter Bonität beinhaltet.

Bei WeltInvest sind verschiedene Portfolio-Varianten erhältlich, die teils Anleihen und teils Aktien stärker gewichten und somit unterschiedliche Risikoklassen haben. Ein höherer Aktienanteil bedeutet „mehr Risiko“, aber auch höhere Renditechancen. Sicherheitsbewusste Anleger entscheiden sich für die Variante mit einem höheren Anleihevolumen. Für die sehr einfache Investition und für die niedrigen Gesamtkosten wurden die WeltInvest-Portfolios unter anderem von Finanztip empfohlen.

Ertrag:
Wie berechnet man die Rendite von Unternehmensanleihen?

  • Zins ist nicht = Rendite. Die Zinsen sind ein Faktor für den Gewinn bei einer Anleihe. Die Rendite wird wiederum dadurch bestimmt, ob man die Anleihe vor Laufzeitende verkauft. Und wenn ja, ob man sie zu einem höheren Kurs als vorher verkaufen kann.
  • Beispiel: Ein Investor kauft Unternehmensanleihen im Wert von 10.000 Euro. Der Zins („Kupon“) umfasst 2,5 % im Jahr. Das bedeutet, dass man bis zum Laufzeitende jedes Jahr 250 Euro bekäme. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren wären das also 2.500 Euro. Wenn man die Anleihe vorher schon verkauft, verzichtet man auf einen Teil der Zinsen und kann dafür auf eine Kursrendite hoffen. Diese entsteht dann, wenn der Kurs seit dem Verkauf zunahm und man die Anleihe teurer verkaufen kann. Beispielsweise hat man 1.000 Euro pro Anleihe investiert und erhält dank eines besseren Kurses nun 1.100 Euro pro Anleihe zurück.
  • Die Gewinne sind nicht bei allen Anleihen dieselben. Kursrenditen sind nicht vorhersehbar und können auch zu Kursverlusten werden.

Fazit

Mit Unternehmensanleihen können sich große und mittelgroße Unternehmen frisches Kapital beschaffen. Man unterscheidet hierbei zwischen Industrieanleihen und Mittelstandsanleihen. Sie stellen eine Alternative zur Kreditaufnahme oder zum Anteilsverkauf über Aktien dar. Aus Anlegersicht stellen Unternehmensanleihen ein Investment mit vergleichsweise hohem Zinssatz dar. Dafür ist aber auch mit einem erhöhten Risiko zu rechnen. Im Portfolio eines Privatanlegers bieten sich Unternehmensanleihen als eine von mehreren Komponenten an, um es zu diversifizieren.

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