Nachranganleihen:
Lohnende Zinsen, aber auch hohe Risiken

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Nachranganleihen verdanken ihre Attraktivität dem Mangel an renditeträchtigen Alternativen. Denn in Zeiten des Zinstiefs stechen sie mit ihren überdurchschnittlichen Zinsen aus der Reihe der zunächst als mehrheitlich sicher angesehenen Geldanlagen heraus. Doch die hohen Zinsen bei Nachranganleihen haben einen Haken.

Im Fall einer Insolvenz muss sich der Inhaber einer Nachranganleihe nämlich in der Gläubiger-Schlange weit hinten anstellen. Und das kann unter Umständen einen Totalverlust nach sich ziehen. Doch starten wir vorne: Was sind Nachranganleihen, was hat es mit dem Risiko tatsächlich auf sich und warum kann sie nicht jeder kaufen? Mehr dazu hier.

Das Wichtigste in Kürze
  • Nachranganleihen – „subordinated bonds“ – sind Schuldverschreibungen von Unternehmen, die sich am Kapitalmarkt Geld von privaten und institutionellen Investoren leihen. Sie zählen zur Familie der Unternehmensanleihen.
  • Ihren Namen tragen Nachranganleihen dadurch, dass Anleger im Falle einer Insolvenz des Emittenten erst nachrangig entschädigt werden. 
  • Ein weiterer Unterschied zu normalen Unternehmensanleihen ist, dass die Zinsen variabel sind und sich somit nicht vorab durchrechnen lassen. Zudem besteht im Insolvenzfall des Unternehmens ein erhöhtes Risiko für einen Totalausfall, da das Unternehmen andere Anleihen zuerst ausbezahlt. 
  • Dafür bieten sich den Investoren höhere Gewinnchancen als bei normalen Anleihen.
  • Herausgeber von Nachranganleihen sind in erster Linie Banken und Versicherungen. Jedoch ist der Verkauf mehr oder minder auf institutionelle Investoren beschränkt, das hat mit Vorschriften zum Verbraucherschutz zu tun.
  • Vorschriften zur Sicherung von Banken („Basel 3“) führen dazu, dass die Nachranganleihe für Banken unattraktiver wird. Dies führt zu zunehmender Tilgung von Nachranganleihen seitens der Banken, wodurch die Kurse zunehmen und Spekulanten auf den Plan rufen.

Erläutert:
Was ist eine Nachranganleihe?

  • Die Nachranganleihe ist eine spezielle Unterform der Unternehmensanleihe.
  • Sie unterscheidet sich von anderen Anleihen insbesondere durch die quasi nicht vorhandene Laufzeit, die variablen Zinsen sowie das erhöhte Risiko im Insolvenzfall des Emittenten.

 

Bei nachrangigen Anleihen handelt es sich um eine Form der Unternehmensanleihe. Herausgeber („Emittenten“) der Anleihen sind Unternehmen, die sich Geld am Kapitalmarkt leihen möchten. Normalerweise sind das Banken und Versicherungen

Generell funktionieren Anleihen wie ein Kredit an der Börse. Ein Geldnehmer emittiert Anleihen, Investoren kaufen diese und erhalten dafür innerhalb einer vorher klaren Laufzeit Zinsen. Außerdem kann es zu Kursgewinnen kommen, die einen zusätzlichen Gewinn darstellen. Weil der Geldnehmer den Investoren etwas schuldet, heißen Anleihen auch „Schuldverschreibungen“. 

Eine Besonderheit der Nachranganleihe liegt in der Laufzeit und den Zinsen. Die Laufzeit ist normalerweise sehr lang – oftmals auch „unendlich“ ohne festen Endtermin. Sie besteht nur für den Fall, dass Unternehmen die Anleihen ab einem bestimmten Zeitpunkt auflösen wollen, es aber nicht müssen. Und bei den Zinsen ist es so, dass diese nicht fest sind, sondern sich jederzeit ändern können („variable Zinsen“). 

Der Begriff „Nachrang“ bezieht sich auf den Fall der eventuellen Zahlungsunfähigkeit des Herausgebers. Denn kommt es zur Insolvenz, dann muss sich der Inhaber einer Nachranganleihe hinter einer ganzen Reihe anderer Gläubiger anstellen, bevor man ihn aus der Insolvenzmasse bedient. Man berücksichtigt ihn „nachrangig“, also nach vielen anderen Parteien – vorausgesetzt, es ist dann noch genügend Geld übrig. Und diese Gefahr, dass nichts mehr übrig ist, ist der Hauptrisikofaktor von Nachranganleihen.  

 

Im Falle einer Insolvenz sind Gläubiger in dieser Reihenfolge zu bedienen:

  1. Inhaber vorrangiger Anleihen („senior bonds“)
  2. Inhaber von Inhaberschuldverschreibungen
  3. Andere Gläubiger (exklusive Aktionäre)
  4. Inhaber von Nachranganleihen („Subordinated Bonds“)
  5. Nicht-exklusive Aktionäre

Man bezeichnet Nachranganleihen auch als „hybride Bonds“. Das hat damit zu tun, dass sie ursprünglich eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital darstellten.

Risiken:
Warum sind die Risiken bei Nachranganleihen beträchtlich?

  • Anleger riskieren einen Totalausfall, sofern es zu einer Insolvenz des Emittenten kommt. Das hat damit zu tun, dass Anleger von Nachranganleihen erst sehr spät aus der Insolvenzmasse bedient werden, sofern noch was da ist. 
  • Die Zinsen von Nachranganleihen sind nicht planbar.
  • Nachranganleihen lassen sich nicht vorab einfach verkaufen – zumindest nur an der Börse und wenn der Kurs schlechter als beim Einkauf ist, macht man Verluste.

 

Im Gegensatz zu vorrangigen Anleihen (also normalen Unternehmensanleihen oder Mittelstandsanleihen) glänzen Nachranganleihen durch ihre überdurchschnittlich hohen Zinsen. Das ist erforderlich, um den hohen Risiken etwas entgegenzusetzen. Denn im Extremfall – das heißt Insolvenzfall – kann es zum Totalverlust der Investition kommen. 

Im Fokus stehen die Emissionsbedingungen der Anleihe. Hier findet man die Bedingungen und Sonderregelungen, die für Emittenten und Erwerber zählen. Da diese von Anleihe zu Anleihe starke Unterschiede aufweisen, ist ein umfassendes Studium der Regularien für interessierte Investoren Pflicht. An dieser Stelle ist aber auch schon zu erwähnen, dass normalerweise überwiegend institutionelle Investoren in Nachranganleihen investieren

Es gibt einige mögliche Fallstricke, auf die Investoren achten müssen, auch vor dem Hintergrund der verhältnismäßig langen Laufzeit dieser Anleihe. Wenn „alles gut geht“, also man das Geld zurück- und die Zinsen erhält, können nachrangige Anleihen mit ihren hohen Zinssätzen eine durchaus rentable Investition darstellen. 

Um Insolvenzrisiken zu minimieren, müssen institutionelle Anleger auf eine ausreichende Bonität des Emittenten achten. Die Bonität beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit der der Emittent seinen Pflichten im Sinne der Anleihe nachkommen kann. Eine entsprechende Bonität stellt „BBB“ oder besser dar. Ein „BBB“-Rating bedeutet beispielsweise, dass bei dieser Anlage nur mit Problemen zu rechnen ist, wenn sich die gesamtwirtschaftliche Lage verschlechtert.

 

Rating-Agenturen bewerten die Bonität von UnternehmenRating-Agenturen bewerten die Bonität von UnternehmenRating-Agenturen bewerten die Bonität von Unternehmen

Anders als bei festverzinslichen Wertpapieren wie beispielsweise Bundesanleihen oder normalen Anleihen, kann es sein, dass bei nachrangigen Anleihen die Zinssätze variieren. In der Praxis kann es etwa vorkommen, dass nach einigen Jahren ein reduzierter Zinssatz gilt oder Kupons – also dass die Zinsen ausbezahlt werden – durch eine schlechte Liquidität verschoben werden. Das macht Nachranganleihen weniger planbar als andere. 

Außerdem hat der Anleger keine Möglichkeit, die nachrangige Anleihe zu kündigen. Dieses Recht ist allein dem Emittenten vorbehalten. Das macht es dem Anleger fast unmöglich, die Anleihe vor dem Ende der Laufzeit zu Geld zu machen oder sie zu kontrollieren. Die einzige Alternative wäre ein Verkauf an der Börse, mit Blick auf den aktuellen Kurs. Wenn es schlecht läuft, dann befindet sich dieser unter dem Kaufpreis und das führt zu Verlusten.

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Herkunft:
Wer gibt Nachranganleihen aus?

  • Mehrheitlich zählen Banken und Versicherungen zu den Emittenten.
  • Wegen der „Basel 3“ – Vorschriften erwartet man Kursanstiege bei Nachranganleihen. Das kann Spekulanten auf den Plan rufen. 

 

Bei der Ausgabe oder „Emission“ von Nachranganleihen spricht man auch davon, sie „zu begeben“. In der Vergangenheit nutzten vorwiegend Banken und Versicherungen diese Form der Finanzierung. Dies hatte den Grund, dass sie das eingesammelte Geld bis vor einigen Jahren noch komplett dem Eigenkapital zurechnen konnten.

Nach der Finanzkrise 2008 / 2009 entwickelte der „Basler Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich“ (BIZ) neue Vorschriften zur Regulierung von Banken. Man bezeichnet diese kurz als „Basel 3“. Diese Vorschriften treten sukzessive bis zum Jahr 2021 in der Europäischen Union in Kraft. Ziel der Vorschriften ist es – in aller Kürze – zu verhindern, dass es zu Bankpleiten kommt. Gelingen soll dies unter anderem dadurch, dass Kreditinstitute nach und nach ihre Eigenkapital-Reserven erhöhen.

Ab 2021 dürfen Banken nachrangige Anleihen nicht mehr als Eigenkapital ausweisen, da sie dann zum sogenannten „Ergänzungskapital“ zählen werden. Das macht die Ausgabe neuer Anleihen uninteressant für Banken. Noch dazu kommen die hohen Zinsen, die den Emittenten teuer zu stehen kommen. 

Experten rechnen damit, dass Banken künftig verstärkt Nachranganleihen tilgen werden. Sie versuchen also, die teuren Produkte „zurückzukaufen“. Dies erhöht die Nachfrage, führt zu Kursanstiegen und macht die Nachranganleihe attraktiv für Spekulanten.

Als Beispiel für steigende Kurse von Nachranganleihen dient ein bekannter Index, der iBoxx EUR Non-Financials Subordinated Total Return Index. Wie im Kurschart seit 2010 ersichtlich, steigen die Kurse von Nachranganleihen langfristig und kontinuierlich.

Dieses kontinuierliche Wachstum ist kein Indikator für Stabilität, was sich an dem kurzen und heftigen Kursverfall auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie ablesen lässt.

Handel:
Warum kann nicht jeder Nachranganleihen kaufen?

  • Erstens: Mehrheitlich richten sich Nachranganleihen an institutionelle Investoren.
  • Zweitens: Verbraucherschutz-Vorschriften schränken den Verkauf von nachrangigen Anleihen an Privatanleger zusätzlich ein.

 

Beim Kauf nachrangiger und variabel verzinster Anleihen heißt es für Privatinvestoren oft: „Ihr müsst leider draußen bleiben.“ Der Grund hierfür sind Vorschriften zum Verbraucherschutz. Diese nennen sich „Mifid II“ – eine EU-Finanzmarktrichtlinie – und „PRIIP-Verordnung“ – PRIIP steht für „packaged Retail and Insurance-based investment product“. Beide Richtlinien sind seit 2018 in Kraft.

Bezogen auf Nachranganleihen beinhalten sie zwei Bedingungen. Zum einen muss sich das Wertpapier explizit auch an Privatanleger richten. Die emittierende Bank oder besser deren Vertrieb muss das entsprechend benennen und festhalten. Zum anderen hinaus muss der Emittent laut PRIIP-Verordnung ein Basisinformationsblatt („BIB“) bereitstellen, falls die Anleihe ein „verpacktes“ Anlageprodukt ist. Fehlt das BIB, ist die Anleihe für Privatanleger gesperrt. Und das ist ein Umstand, der in der Praxis oft vorkommt.

Käufer von Nachranganleihen sind in erster Linie institutionelle Anleger, wenngleich es vereinzelt Anleihen dieser Art gibt, die auch private Investoren erwerben können. Der Handel von Nachranganleihen findet an der Börse statt, wobei das Handelsvolumen in Bezug auf die erwähnten „Basel 3“ – Vorschriften insgesamt rückläufig ist.

Fazit

Nachranganleihen oder „subordinated bonds“ sind für institutionelle und sehr vereinzelt auch private Investoren attraktiv, wenn die ausgebenden Unternehmen profitabel wirtschaften. In solchen Fällen wirft die Anleihe aufgrund überdurchschnittlicher Zinsen einen hohen Gewinn ab.

Im Insolvenzfall allerdings bestehen für Anleger erhöhte Risiken, weil man sie „nachrangig“ behandelt. Sie müssen also anderen Gläubigern den Vorzug lassen und stehen in Sachen Insolvenzmasse an vorletzter Stelle. Ist das Geld aus der Insolvenzmasse dann bereits aufgebraucht, kann es zum Totalausfall kommen.

Darüber hinaus bestehen weitere Risiken. Aufgrund dieser Risiken sind Nachranganleihen in den WeltInvest ETF-Portfolios nicht enthalten. 

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