Wandelanleihen
Hybrid aus Anleihen und Aktien

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Wandelanleihen vereinen – als Unterform der Unternehmensanleihe – die Vorteile von Aktien mit den Vorteilen von Anleihen. Das bedeutet, dass der Investor bei Wandelanleihen beobachtet, wie sich das Unternehmen entwickelt. Wenn es sich positiv entwickelt, kann er die Anleihen in Aktien umtauschen und profitiert von den zunehmenden Kursen. Läuft es eher schlecht, bleibt er bei den Anleihen und erhält das Geld zum Ende der Laufzeit zurück.

Während der Laufzeit erhält er noch Zinsen. Anleihen und Aktien entwickeln sich meist konträr zueinander. Nehmen die Kurse von Aktien zu, dann fallen die Kurse von Anleihen und andersherum. Erst dadurch sind Wandelanleihen und damit der dynamische Wechsel zwischen Anleihen und Aktien überhaupt denkbar. Wo die Wandelanleihe herkommt und wie sie im Detail funktioniert, beleuchtet dieser Artikel.

Das Wichtigste in Kürze
  • Wandelanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere. Anleger leihen Unternehmen für einen festgelegten Zeitraum Geld und bekommen dies am Ende der Laufzeit zurück, zuzüglich vorab festgelegter Zinsen. Das ist ähnlich wie bei einem Kredit, nur dass es an der Börse stattfindet.
  • Besonders an Wandelanleihen ist, dass sie ein „Hybrid“ aus Anleihen und Aktien sind. Anleger können die Anleihe zu klar definierten Bedingungen in Anteile des Unternehmens – also in Aktien – wandeln, müssen dies aber nicht. Durch dieses Wahlrecht kann man bei Wandelanleihen unter Umständen mehr Rendite herausholen als bei klassischen Anleihen. Wenn man die Anleihen aber einmal in Aktien verwandelt hat, ist ein Rücktausch nicht mehr durchführbar. Zudem ist der Tausch nur in der Wandlungsperiode durchführbar, also nicht jederzeit.
  • Das Wahlrecht entfällt bei Pflichtwandelanleihen. Hierbei verpflichtet sich der Anleger, seine Anleihe an einem bestimmten Zeitpunkt in Aktien umzutauschen. Auch bei „CoCo-Bonds“, einer Sonderform der Pflichtwandelanleihe, besteht diese Pflicht, sie ist aber an ein klar definiertes Ereignis gebunden.
  • Ihren Ursprung haben Wandelanleihen in den USA. In der Mitte des 19. Jahrhunderts brauchten Eisenbahner Geld für ihre Expansion. Aus Mangel an Alternativen erfanden sie die Wandelanleihe.
  • Unternehmen geben Wandelanleihen aus, um ihren Kapitalbedarf zu decken. Weil sie Anlegern weniger Zinsen zahlen müssen als bei anderen Anleiheformen, ist die Wandelanleihe für sie ein günstiges Instrument, um Kapital zu beschaffen. Durch das vorhandene Wahlrecht, die Anleihen in Aktien umzutauschen, bleiben Wandelanleihen für Anleger trotzdem attraktiv.
  • Der Handel von Wandelanleihen findet bei ihrer Emission über Banken und danach an der Börse statt. Überwiegende Investoren sind Großanleger wie Fonds oder Versicherungen, denn nicht jede Wandelanleihe ist für Privatanleger erhältlich.
  • Der Aktienkurs eines Unternehmens beeinflusst den Kurs der Wandelanleihe. Die Rendite ist somit an den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens gekoppelt.

Definition: Was sind Wandelanleihen?

Wandelanleihen sind Schuldverschreibungen, die von einer „Anteilsgesellschaft“ ausgegeben werden. Dieser Begriff beschreibt Unternehmen, an denen man Anteile erwerben kann, beispielsweise eine Aktiengesellschaft. Synonyme sind „Wandelschuldverschreibung“ oder „Wandelobligation“, im Englischen sagt man „convertible bonds“ oder einfach „convertibles“.

Wandelanleihen funktionieren wie jede andere Anleihe, bis auf das zusätzlich vorhandene Wahlrecht. Ein Unternehmen leiht sich am Kapitalmarkt zunächst also Geld von Investoren. Am Ende einer vorab definierten Laufzeit muss das Unternehmen das Geld zurückzahlen. Im Generellen tritt das Unternehmen daher als „Schuldner“ auf. Hinzu kommt ein jährlich zahlbarer Zins. Dieser steht im Vorfeld fest, weshalb die Wandelanleihe zu den festverzinslichen Anleihen gehört. 

Wie bei allen Anleihen, gibt es auch bei Wandelanleihen einen Kurs und mehrere Wandelanleihen werden in einem Index zusammengefasst. Ein Beispiel für die Kursentwicklung von Wandelanleihen in den vergangenen 10 Jahren ist der Bloomberg Barclays Global Convertibles Composite Index. In der Grafik sieht man, dass die Kurse in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Anleger können also auch durch Kursanstiege Gewinne erzielen.

Dass es durchaus bergab gehen kann, zeigt der Ausbruch der Corona-Krise im Jahr 2020. Nicht nur die Aktienkurse, auch die Wertentwicklung von Wandelanleihen ging kurzzeitig steil bergab, wie man an der unteren Grafik erkennen kann.

Den Anleger als Kreditgeber bezeichnet man als „Gläubiger“. Wenn Anleger die Wandelanleihen während der Laufzeit nicht verkaufen, steht ihnen bei einer Wandelanleihe ein besonderes Recht zu. Gemäß vereinbarter Konditionen können sie ihre Wandelanleihe in eine bestimmte Anzahl von Anteilen des Unternehmens umwandeln, dem sie ihr Geld leihen. Tun sie dies nicht, erhalten sie fortlaufend die Zinsen und am Ende der Laufzeit bekommen sie das geliehene Kapital vom Schuldner zurück. Die Zinsen sind durch das vorhandene Wahlrecht aber nicht so hoch wie bei anderen Anleihen

Wenn die Anleger das Wahlrecht in Anspruch nehmen und die Anleihen in Aktien umwandeln, können sie von der Kursentwicklung der Aktien profitieren. Einen Rücktausch von Aktie zu Anleihe sehen Wandelanleihen nicht vor. Hat man sich einmal für den Tausch entschieden, bleibt es dabei. Man hat dann keinen Anspruch mehr darauf, dass das Unternehmen den Wert der Anleihen zurück zahlt. Auch bekommt man keine Zinsen mehr.

Wann Anleger in welcher Form wandeln dürfen, bestimmt das Wandlungsrecht. Dieses ist bei Wandelanleihen zusätzlich beispielsweise zur Laufzeit oder zum Kupon ein wesentlicher Bestandteil. Es ist wiederum in den Wandlungsbedingungen verankert. Hier halten die Vertragspartner auch das Umtauschverhältnis fest. Es beschreibt, wie viele Aktien man als Investor beim Tausch für die Anleihen bekommt.

Möchte der Anleger seine Anleihe in Anteile eintauschen, kann er das nur während der sogenannten Wandlungsperiode („conversion period“) tun. Auch diese Umtauschfrist ist Bestandteil der Konversionsbedingungen. Investoren können also nicht jederzeit entscheiden, ob sie wandeln möchten oder nicht. Nach Ablauf der vereinbarten Frist ist ein Wandel nicht mehr durchführbar. Man sieht sich zum Fristende oder vorher also die Kurse des Unternehmens an und schätzt ab, ob man mit Aktien mehr aus der Investition herausholen könnte, als wenn das Unternehmen später die Anleihen zurückzahlt.

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Sonderform: Was ist eine Pflichtwandelanleihe?

  • Bei Pflichtanleihen haben Anleger kein Wahlrecht – so oder so muss man die Anleihen zu einem bestimmten Zeitpunkt in Aktien umwandeln. 

Pflichtwandelanleihen sind eine Sonderform der Wandelanleihe. Im Englischen bezeichnet man sie als „mandatory convertible security“, kurz „MCS“. Anders als bei der normalen Wandelanleihe muss der Anleger seine Anleihe spätestens zum Ende der Laufzeit in Anteile des Unternehmens umwandeln. Er bekommt das Geld also nicht zurück, sondern bleibt mit dem Unternehmen dauerhaft verbunden, bis er die später erhaltenen Aktien verkauft. 

Bei Pflichtwandelanleihen hat man also kein Wahlrecht und das Risiko nimmt zu. Falls der Aktienkurs des Unternehmens während der Laufzeit fällt, muss man die Kursverluste hinnehmen. Man kann den Wandel nicht abwenden.

Ereignisbezogen: Was sind „CoCo-Bonds“?

  • CoCo-Bonds sind eine Sonderform wiederum der Pflichtwandelanleihe.
  • Man findet sie vor allem bei Banken.
  • Bei Pflichtwandelanleihen kann man den Wandelzeitpunkt selbst bestimmen. Spätestens zum Ende der Laufzeit muss man die Anleihen in Aktien umtauschen. Bei CoCo-Bonds findet der Tausch automatisch statt, sobald ein bestimmtes Ereignis eintritt.


Eine Spezialform der Pflichtwandelanleihe ist die „CoCo-Anleihe“, die überwiegend von Banken herausgegeben wird. Das „CoCo“ steht für „contingent convertible“ und bedeutet auf Deutsch „bedingt wandelbar“. Bei CoCo-Bonds wandeln sich Anleihen beim Eintritt vorab definierter Ereignisse automatisch in Anteile der Unternehmen, die sie begeben.

Zunächst wirkt das wie ein Geschenk – beispielsweise, dass das Unternehmen dann aus Anleihen Aktien macht, wenn die Kurse besonders vielversprechend sind. Doch CoCo-Bonds bergen für Investoren ein hohes Verlustrisiko. Denn ein definiertes Ereignis kann zum Beispiel sein, dass die Eigenkapitalquote einen festgelegten Wert unterschreitet. Dementsprechend müssen CoCo-Bonds keine positiven Ereignisse betiteln, sondern es sind meist negative

Aus der Unternehmenssicht ist das Beispiel mit der Eigenkapitalquote interessant, weil Aktionäre in der Rangfolge weit unter den Anleihenbesitzern stehen. Im Insolvenzfall müssen Aktionäre also länger als Anleihenbesitzer darauf warten, dass sie das investierte Geld zurückerhalten. Ist dann, wenn sie an der Reihe sind, nichts mehr da, müssen die Aktionäre einen Totalverlust hinnehmen. 

Das macht CoCo-Anleihen zu einer Art Schutzinstrument für Unternehmen. Auch, wenn man festhalten muss, dass die hohen Zinsen, die die Anleihen für Investoren attraktiv machen sollen, den Unternehmen teuer zu stehen kommen.

Herkunft:
Wann und wo entstanden Wandelanleihen?

  • Die Wandelanleihe trat erstmals in den USA in Erscheinung.
  • Mitte des 19. Jahrhunderts benötigten Eisenbahngesellschaften Geld, das sie durch andere Finanzierungsformen nicht auftreiben konnten.

Wandelanleihen kommen aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Jahr 1856 boomte dort die Eisenbahnindustrie. Für ihre massiven Expansionspläne benötigten Eisenbahngesellschaften viel Kapital, das zu damaliger Zeit schwer zu beschaffen war. Denn die Wirtschaft wuchs und wuchs. Überall brauchte man Geld. 

Weil es nicht möglich war, Eigenkapital durch Aktien oder Fremdkapital durch Obligationen aufzutreiben, entstand aus der Not heraus eine alternative Finanzierungsform – die Wandelanleihe. Das neue „Hybridmodell“ vereinte die Vorteile von Aktien und Anleihen. Je nach wirtschaftlicher Lage des Unternehmens konnte der Anleger die Anleihe in Aktien umwandeln, musste es aber nicht. Er profitierte also von einem „steuerbaren“ Risiko, oder aus einer anderen Perspektive, von besonderen Profit-Chancen durch das Wahlrecht.

Gründe:
Warum emittieren Unternehmen Wandelanleihen?

  • Unternehmen emittieren Wandelanleihen, wenn sie frisches Kapital benötigen.
  • Grundsätzlich sind Anleihen aus Unternehmenssicht eine Alternative zu Aktien und zu Krediten. Kredite sind meist teuer und durch beschränkte Bonität schwer zu erhalten. Aktien sind wiederum aufgrund der strikten Auflagen der Rechtsform als Aktiengesellschaft nicht für alle Unternehmen eine Option.   
  • Aufgrund niedrigerer Zinsen – ausgenommen CoCo-Bonds – sind Wandelanleihen eine Alternative zu anderen Anleihen. Und Unternehmen sichern sich die Chance, dass Investoren später als Aktionäre an Bord bleiben.

Beispiele: Hochdorf und Pharmalys

Ein Beispiel für die erfolgreiche Ausgabe einer Wandelanleihe ist das Unternehmen Hochdorf aus der Schweiz. Hochdorf ist ein Hersteller von Milchpulver und Babynahrung. Im Jahr 2017 schloss Hochdorf eine Wandelanleihe über knapp 220 Millionen Schweizer Franken erfolgreich ab. Dabei handelte es sich um eine Pflichtwandelanleihe. 

Einen Großteil der dreijährigen Pflichtwandelanleihe verwendete Hochdorf, um sich mit 51 % am Pharmaunternehmen Pharmalys zu beteiligen. Dessen Gründer, Amir Mechria, erhielt im Rahmen der Wandelanleihe knapp 20 Prozent der Hochdorf-Aktien. Mechria prognostizierte im Frühjahr 2019 rosige Zeiten. Er gehe davon aus, dass sich Hochdorf in einem Zeitraum von fünf Jahren zu einem der profitabelsten Unternehmen in der Schweiz entwickle. Behält er recht, dann wird sich die Pflichtwandelanleihe als sehr profitabel herausstellen. 

 

Börsengeschäft: Wo kauft man Wandelanleihen?

  • Bei ihrer Emission kauft man Wandelanleihen über Banken, danach an der Börse.
  • Nicht alle Wandelanleihen sind für Privatanleger erhältlich. Die meisten von ihnen sind nur institutionellen Investoren vorbehalten. 
  • Oft befinden sich die Nennwerte je Anleihe bei 50.000 bis 100.000 EUR. 

Anreiz: Wie attraktiv sind Wandelanleihen für Privatanleger?

Es ist schwer einzuschätzen, ob sich Wandelanleihen für Privatinvestoren lohnen oder nicht. Überhaupt bezieht sich das nur auf solche Wandelanleihen, die auch tatsächlich für Privatinvestoren erhältlich sind und keinen Pflichttausch vorsehen. 

Wandelt man die Anleihen in Aktien um und nehmen die Kurse anschließend zu, dann hat man durchaus Chance auf hohe Gewinne. Nehmen die Kurse ab, dann macht man eventuell Verluste. Wandelt man die Anleihe aus Unsicherheit bis zum Fristende nicht um, bekommt man nach Ende der Laufzeit zumindest die Investition zurück und erhält Zinsen während der Laufzeit. Man verschenkt aber auch die Aktienrendite, sofern die Kurse doch noch zunehmen. 

Aus diesen Gesichtspunkten heraus kann man festhalten, dass sich Wandelanleihen – auch Pflichtwandelanleihen und CoCo-Bonds – eher an chancenorientierte und bereits erfahrene Investoren richten. Darüber hinaus sind weitere Positionen und Anlageklassen im Portfolio erforderlich, um es zu diversifizieren und das Risiko zu streuen. 

Hinweis: Der ETF Robo Advisor enthält keine Wandelanleihen, Pflichtwandelanleihen oder CoCo-Bonds. Das Anleihen-Segment beim ETF Robo Advisor wird über den Vanguard Global Bond Index Fund abgedeckt, der Staats- und Unternehmensanleihen mit guter Bonität enthält. WeltSparen hat mit den ETF-Portfolios eine einfache und kosteneffiziente Alternative für verschiedene Risikoprofile entwickelt. Die Portfolios bilden verschiedene Anteile an Anleihen und Aktien ab – Wandelanleihen sind hier aber nicht enthalten. 

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Fazit

Unternehmen setzen Wandelanleihen ein, wenn sie Kapital benötigen. Im Vergleich zu anderen Anleihen müssen sie dem Geldgeber weniger Zinsen zahlen, weshalb diese Variante für sie günstiger ist. Eine Ausnahme bilden CoCo-Anleihen. Dort sind die Zinsen höher, weil auch die Risiken für Investoren höher sind. Durch das Wahlrecht – zuweilen auch die Wahlpflicht bei Pflichtwandelanleihen – können Investoren bessere Renditen erzielen als es mit Anleihen normalerweise machbar wäre. Jedoch sind Wandelanleihen meist nur institutionellen Großinvestoren vorbehalten.

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