Mittelstandsanleihen
Hohe Zinsen, aber auch hohe Risiken

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Aus Sicht des Anlegers erscheinen Anleihen kleinerer Unternehmen des Mittelstands zunächst durchaus attraktiv. Denn deren Zinssatz ist erstaunlich hoch.

Die Kehrseite: Hohe Zinsversprechen bedeuten ein erhöhtes Ausfallrisiko. Ob Mittelstandsanleihen das Portfolio aufwerten, wer sie kauft und zu welchen Pleiten es schon kam, beleuchten wir in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze
  • Mittelstandsanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die kleinere Unternehmen aus dem Mittelstand herausgeben („emittieren“). Das ist ähnlich wie bei einem Kredit, den diese Unternehmen auf Privatinvestoren aufnehmen.
  • Die Privatinvestoren erhalten dafür einen festen Zinssatz und verzeichnen so Gewinne. Der Zinssatz von Mittelstandsanleihen ist deutlich höher als beispielsweise der von Industrieanleihen (Anleihen von Industriefirmen) – zum Teil unterscheiden sich die Zinssätze um bis zu sechs Prozentpunkte.
  • Jedoch ist bei solchen Zinsen auch das Ausfallrisiko deutlich größer – es kam schon des Öfteren vor, dass Mittelstandsanleihen scheiterten und es somit zu einem Ausfall kam.
  • Man handelt die Wertpapiere in speziellen Segmenten an der deutschen Börse.
  • Für Privatinvestoren eignen sich Mittelstandsanleihen mit ihrem Zins-Risiko-Verhältnis allenfalls aus „Liebhabergründen“ oder bei einer besonderen Risikoaffinität.

Erklärt:
Was sind Mittelstandsanleihen?

Mittelstandsanleihen sind Schuldverschreibungen, die Unternehmen des Mittelstands ausgeben („emittieren“). Die Unternehmen sind hierbei der Schuldner, der sich Geld vom Gläubiger, also etwa Privatinvestoren, leiht. Daraus entsteht auf Seiten des Gläubigers eine Forderung gegenüber dem Schuldner, die man „verbrieft“, also in Form einer Urkunde festhält. Genau das ist die Mittelstandsanleihe. 

Das ist wie bei einem Kredit. Einer leiht dem anderen für eine vorher klare Laufzeit Geld und bekommt dafür Zinsen. Anders als bei einem Kredit sind unter Umständen aber auch noch Gewinne aus Kurszunahmen denkbar. 

Man bezeichnet die Mittelstandsanleihe auch als „Mini-Bond“, weil ihr Emissionsvolumen meist zwischen 15 und 150 Millionen Euro liegt. Dieses Emissionsvolumen bedeutet, dass das ausgebende Unternehmen sich insgesamt einen Betrag in dieser Größenordnung leiht. 

Die Privatinvestoren kaufen einzelne Anteile in Form von einzelnen Anleihen, bis das Emissionsvolumen erreicht wurde. Wie bei einem Wirtshaus mit seiner Speisekarte: Das Essen wird nicht allein an eine Person verkauft, sondern portioniert. Die 15 bis 150 Millionen Euro hören sich zwar nach viel Geld an, sind jedoch nur ein Bruchteil dessen, was sich beispielsweise Industrieunternehmen am Kapitalmarkt leihen. 

Auch hierfür gibt es einen individuellen Begriff, und zwar die „Industrieanleihe“. Beide zählen wiederum zur Familie der Unternehmensanleihen und diese sind eine von weiteren Arten von Anleihen – etwa 

  • Staatsanleihen (Staaten leihen sich Geld), 
  • Kommunalanleihen (Städte oder Gemeinden leihen sich Geld) oder auch 
  • Pfandbriefe (Banken leihen sich Geld).

Die durchschnittliche Laufzeit einer Mittelstandsanleihe umfasst fünf Jahre. Die Ausgabe der Wertpapiere erfolgt entweder als Eigenemission oder als Fremdemission. Das bedeutet, dass Unternehmen die Anleihen entweder selbst und direkt herausgeben oder dass sie sich die Unterstützung einer Investmentbank holen.

Generell ist der Anleihenmarkt voluminöser als der Aktienmarkt – weltweit und über den reinen Mittelstand hinaus betrachtet.

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Gründe: Warum nehmen Firmen Unternehmensanleihen oder Mittelstandsanleihen, um sich zu finanzieren?

  • Grund 1: Unternehmen können oder wollen sich nicht über Aktien finanzieren.
  • Grund 2: Kredite sind durch hohe Sicherheitsbedürfnisse der Banken oder eine nicht ausreichende Bonität des Unternehmens schwer zu bekommen.

Grundsätzlich geben Unternehmen Anleihen dann heraus, wenn sie Geld benötigen. Die Gründe hierfür sind verschieden. So könnte ein Mittelständler beispielsweise Verbindlichkeiten refinanzieren wollen. Vielleicht möchte er auch seine Kapitalstruktur diversifizieren oder schlicht anstehende Projekte umsetzen, die Kapital erfordern.

Eine Anleihe als Finanzierungsform kommt dann infrage, wenn eine Kapitalerhöhung über den Verkauf von Aktien nicht erwünscht oder nicht durchführbar ist. Bei Anleihen haben Käufer weder Stimm- noch Teilhaberrechte in oder an den Unternehmen, bei Aktien schon – dies kann aus Unternehmersicht die Anleihe attraktiver erscheinen lassen. Zudem sind nicht alle Unternehmen, erst recht nicht aus dem Mittelstand, am Aktienmarkt vertreten, womit Aktien zum Beschaffen des Kapitals ohnehin ausscheiden. 

In diesem Fall wären Kredite die Alternative. Allerdings verlangen Banken weitreichende Sicherheiten, die nicht bei jedem Unternehmen in ausreichendem Maß vorhanden sind. Auch die Bonität spielt eine Rolle, also inwieweit das Unternehmen kreditwürdig ist. Mit Anleihen kommen Unternehmen ihrem Ziel unter Umständen schneller näher.

Betrachtet man allein den Zeitraum des letzten halben Jahres, stellt man fest: Viele Mittelständler nutzen Unternehmensanleihen, um sich Kapital zu beschaffen. Und die Branchenvielfalt ist dabei sehr groß. Für interessierte Anleger bedeutet dies, dass sie aus einer breiten Palette von Branchen und Unternehmen wählen können

In den letzten sechs Monaten – wir betrachten den Zeitraum Ende 2019 bis Frühjahr 2020 – haben sich mittelständische Unternehmen aus den Bereichen…

  • Immobilien, 
  • Agrarwirtschaft,
  • Baudienstleistung,
  • Lebensmittel, 
  • Finanzdienstleistungen, 
  • Bergbauunternehmen
  • und vielen Branchen mehr

…über Mittelstandsanleihen finanziert. 

Beim Blick in die Übersicht aktueller Mittelstandsanleihen fallen zudem viele bekannte Unternehmen auf. Zu ihnen zählen beispielsweise der Fußballverein Schalke 04, die Stadtwerke Hannover oder die Carlsberg Brauerei.

Die Mittelstandsanleihe ist also keineswegs ein Exot, sondern eine gängige und branchenübergreifende Maßnahme der Kapitalbeschaffung.

 

Rendite & Gewinn:
Was ist mit Mittelstandsanleihen erreichbar?

  • Zinsen von Anleihen werden auch als „Kupon“ bezeichnet.
  • Ein hoher Zinssatz von bis zu 7,5 % ist keine Seltenheit. 
  • Die Zinsen werden insbesondere durch die Bonität des Unternehmens bestimmt.
  • Nicht nur die Zinsen stellen den Gewinn einer Anleiheinvestition dar, sondern auch eventuelle Kursunterscheide zur Zeit des Kaufs und des Verkaufs.

„What’s in it for me?“ Diese Frage stellt sich jeder Anleger spätestens beim Vergleich der unterschiedlichen Optionen. Bei der Mittelstandsanleihe fällt vor allem ihr vergleichsweise hoher Zinssatz auf. In einem Fall – nämlich beim Unternehmen Veganz – versprach eine Anleihe 7,5 % Zinsen im Jahr. Und in der aktuellen Niedrigzinsphase ist das ein echter „Hingucker“. Die Rede ist vom Unternehmen Veganz, hier wurden Anlegern Gegenüber Industrieanleihen liegt der Zinssatz von Mittelstandsanleihen meist um bis zu sechs Prozentpunkte höher. Doch Vorsicht, in einem Bericht der Tagesschau aus Februar wurde vor den hohen Risiken der Anleihe gewarnt.

Bedingt ist dies durch die Bonität des Schuldners, also dessen Kreditwürdigkeit. Ist diese niedrig(er), dann nimmt das Risiko für den Anleger zu. Um ihn dennoch für eine Investition zu gewinnen, schafft man durch die höheren Zinsen einen Anreiz.

Der Zinssatz ist jedoch nicht mit der Rendite, also dem Gewinn gleichzusetzen. Allerdings beeinflusst er diese. Bei Anleihen zahlt einmal der „Kupon“, also der Zinssatz, auf den Gewinn ein und andererseits der Kurs der Anleihe zum Kaufzeitpunkt und zum Verkaufszeitpunkt. Prozentuale Unterschiede können hier neben den Zinsen noch weitere Gewinne hervorrufen.

Mittelstandsanleihen handelt man an der Börse. Dort entscheiden Angebot und Nachfrage über den Wert beziehungsweise den Preis, zu dem Anleger die Papiere kaufen und verkaufen. So kommen die Kursgewinne oder auch Kursverluste bei Anleihen zustande. 

Eine einfache Formel, um die Rendite einer Mittelstandsanleihe zu berechnen, lautet:

Rendite = Zinsgewinn (Kupon) +/- Kursgewinn/-verlust während der Laufzeit.

Hierzu ein Beispiel:

  1. Sie erwerben für 100 Euro eine Unternehmensanleihe mit einem Kupon von 5 % und halten diese für fünf Jahre in Ihrem Depot.
  2. Sie erhalten zum einen jedes Jahr Zinszahlungen in Höhe von 5 Euro. Für den gesamten Zeitraum sind das 25 Euro.
  3. Zusätzlich haben Sie die Anleihe direkt bei ihrer Ausgabe gekauft, also zu einem Kurswert von 100 %. Liegt der Kurswert bei Verkauf bei 110 %, verzeichnen Sie gegenüber dem Kaufpreis einen Gewinn von 10 Euro. Liegt der Kurswert hingegen bei 95 %, erhalten Sie anstatt von 100 Euro nur noch 95 Euro. 

Hinweis 1: Diese Werte zählen beispielhaft für EINE Mittelstandsanleihe. Würden Sie 10 Stück oder noch mehr kaufen, sind die Wert entsprechend zu multiplizieren. 

Hinweis 2: Für den Fall, dass Sie eine Anleihe bis zum Ende der Laufzeit halten, braucht Sie der Kurs nicht zu interessieren. Dann bekommen Sie nämlich den exakten Nennwert zurück. Der Nennwert sind die 100 % zum Zeitpunkt des Anleihekaufs.

Börse: Wo handelt man Mittelstandsanleihen?

In Deutschland handelt man Mittelstandsanleihen an fünf Börsenstandorten:

  • Stuttgart (Plattformname „Bondm“),
  • München („m:access“),
  • Düsseldorf („der mittelstandsmarkt“),
  • Frankfurt am Main („Entry Standard“) und
  • Hamburg / Hannover („Mittelstandsbörse Deutschland“) im Zusammenschluss.

Vorreiter war der Börsenplatz Stuttgart im Jahr 2010. Damals wurde hier die erste Mittelstandsanleihe des Anlagenbauers Dürr platziert – mit einem stolzen Emissionsvolumen von 225 Millionen Euro. 

Die Handelsumsätze und -aktivitäten von Mittelstandsanleihen sind eher gering, weil ihre Emissionsvolumina kleiner sind als bei anderen Anleihen. Zudem halten Anleger ihre Anteile längerfristig im Bestand, was sie dem Markt entzieht. Entsprechend schwer sind Mittelstandsanleihen an der Börse zu handeln, denn ohne ausreichendes Angebot und Nachfrage kann kein Deal zustande kommen.

Um dem potenziellen Stillstand entgegenzuwirken, gibt es sogenannte „Market Maker“. Dies sind Händler wie Großbanken oder Investmentbanken, welche sich verpflichten, jederzeit verbindliche An- und Verkaufskurse für Mittelstandsanleihen „zu stellen“. Das heißt, der Händler erklärt sich bereit, zu diesem Kurs Papiere der entsprechenden Anleihe auf eigene Rechnung zu kaufen oder zu verkaufen. Er stellt damit die Handelbarkeit und die Liquidität sicher, weshalb man vom Market Maker auch als „Liquiditätsprovider“ spricht.

 

Den Risiken zum Trotz Mittelstandsanleihen erwerben?

Im Vergleich zu anderen Anleihen, beispielsweise der Staatsanleihe, besitzen Mittelstandsanleihen ein eher hohes Ausfallrisiko. Dies hat mit der (geringeren) Größe der Unternehmen und ihrer konjunkturellen Anfälligkeit zu tun. Geht es der Wirtschaft schlecht, leiden zuerst die kleinen Unternehmen und können ihre Anleihen unter Umständen nicht mehr bedienen. Sind Sie als Investor risikoaffin, dann können Mittelstandsanleihen als Komponente im Portfolio sinnvoll sein. Allein auf sie zu setzen, ist normalerweise aber zu risikoreich und diversifiziert das Portfolio nicht ausreichend. 

Hinweis: Privatanleger, die in Anleihen investieren wollen, tun dies selten über Mittelstandsanleihen und meist über einen breit diversifizierten Anleihenfonds. In den WeltInvest ETF-Portfolios sind keine Mittelstandsanleihen enthalten, das Anleihen-Segment besteht aus dem Vanguard Global Bond Index Fund mit mit Staats- und Unternehmensanleihen guter Bonität. 

Welche Mittelstandsanleihen scheiterten?

Wie relevant Diversifikation, also das Streuen des Risikos in einem Portfolio ist, beweisen Fälle, in denen insbesondere Mittelstandsanleihen scheiterten. 

Das überdurchschnittliche Ausfallrisiko ist der Grund, weshalb die Bedeutung des Markts für Mittelstandsanleihen kontinuierlich sinkt. Anleger mussten schon so manche Flops verkraften – darunter einige sehr namhafte und beliebte Marken:

  • Das Papier der Reederei Rickmers (WKN A1TNA3) aus dem Jahr 2013: Zahlungsausfall.
  • Der Mini-Bond von AirBerlin im Jahr 2014 (WKN AB100B): Verluste von 170 Millionen Euro.

Die 30-Millionen-Euro-Anleihe von Beate Uhse im Jahr 2017, mit der das Unternehmen umschulden wollte (WKN A12T1W): Insolvenz.

Fazit

Mittelstandsanleihen dienen der Unternehmensfinanzierung. Aus Sicht des Unternehmens sind sie eine Alternative, falls Aktien oder Kredite für ein Unternehmen zum Finanzieren nicht infrage kommen. Allerdings hat das Image der Mittelstandsanleihe stark gelitten. Anleger stehen dieser Investmentform weiterhin kritisch gegenüber. Dies zwingt Unternehmen dazu, mit hohen Kupons zu locken. Ob sich die Mittelstandsanleihe tatsächlich zur Finanzierung des Unternehmens oder für Anleger als Investition eignet, ist eine Einzelfallbetrachtung.

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