29.06.2018 | ca. 4 min. Lesezeit | Artikel drucken

Pensionskassen unter Druck: Betriebsrenten könnten sinken

Die niedrigen Zinsen führen zu Problemen bei Pensionskassen. Künftige Betriebsrenten könnten geringer ausfallen. Verbraucherschützer raten, die Beiträge der betrieblichen Altersvorsorge zu reduzieren oder gleich in alternative Sparanlagen zu investieren.

Wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in ihrem Jahresbericht 2017 mitteilt, steht fast ein Drittel aller Pensionskassen unter verschärfter Beobachtung. Einige laufen Gefahr, die hohen Zinszahlungen, die sie garantiert haben, nicht mehr refinanzieren zu können. Für viele Sparer sind das schlechte Nachrichten. Denn die Organisationen sind zuständig für die Finanzierung der Betriebsrenten. Fast 17 Millionen Deutsche erhalten Einnahmen aus einer Betriebsrente oder werden nach ihrem Arbeitsleben Anspruch darauf haben.

„Die Pensionskassen haben in vielen Fällen zusätzliche Rückstellungen gebildet. Allerdings zeichnet sich ab, dass bei Anhalten der Niedrigzinsphase einige Pensionskassen zusätzliche Mittel von Dritten benötigen.“ (Zitat aus dem Jahresbericht 2017 der BaFin)

Die Niedrigzinsphase wird indes noch bis mindestens 2020 anhalten, verkündete der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi bei einem Treffen von Notenbankern und Wissenschaftlern im portugiesischen Sintra Mitte Juni. Selbst danach werde die Rückkehr zu normalen Zinsen noch Jahre anhalten. Der Abschluss einer Betriebsrente erscheint vor diesem Hintergrund für Arbeitnehmer nicht so attraktiv, wie selbstständig für die Altersvorsorge zu sparen.

Denn nach Informationen der Süddeutschen Zeitung stehen zwei Kassen mit zehntausenden Versicherten kurz davor, die Betriebsrenten ihrer Versicherten abzusenken. Weitere Kassen würden bereits über Rentenkürzungen nachdenken. 17 Kassen hätten der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zufolge bereits in der Ansparphase den Rentenfaktor gesenkt.

 

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So funktioniert die Betriebsrente

Neben der gesetzlichen Rente und der privaten Altersvorsorge ist die Betriebsrente einer der drei Grundpfeiler der Altersvorsorge. Dabei zahlen Arbeitgeber pro Mitarbeiter einen monatlichen Betrag in eine betriebliche Altersvorsorge ein. Dieser Anteil kann vom Arbeitnehmer noch aufgestockt werden. Das Geld fließt zunächst an eine Pensionskasse, die das Vermögen verwaltet und später wieder auszahlt. Der Arbeitnehmer erhält einen Rentenanspruch im Anschluss an sein Berufsleben, der von der Kasse gezahlt und vom Arbeitgeber garantiert wird. Sollte die Einrichtung in Zahlungsnot geraten, könnte die Rentenleistung abgesenkt werden. Das kann auch den Arbeitgeber vor Probleme stellen, denn mit dem Abschluss der Betriebsrente geht dieser eine Verpflichtung ein. Bei einer Leistungskürzung müsste der Arbeitgeber für die Differenz zwischen Rentenzusage und tatsächlicher Zahlung aufkommen. Die BaFin bezieht in ihrem Jahresbericht zu dieser Möglichkeit Stellung:

„Für einen Teil der Arbeitgeber, die die Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge für die betriebliche Altersversorgung ihrer Mitarbeiter nutzen, könnten sich negative Auswirkungen ergeben, wenn sie diese Lücken schließen müssten.“ (Zitat aus dem Jahresbericht 2017 der BaFin)

Für den Arbeitnehmer ist der Abschluss einer betrieblichen Rente intransparent. Denn in der Regel lässt sich für ihn nicht ableiten, in welcher finanziellen Verfassung sich die Einrichtung befindet. Die Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt, das Geld lieber selbst anzulegen, und zwar transparent und flexibel.

 

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Hohe Zinsversprechen sind Schuld

Die Situation der Einrichtungen sei der BaFin zufolge schlimmer als vor 2 Jahren. Betroffen seien 10 % der Pensionszusagen. In Deutschland gibt es 137 Pensionskassen, die etwa 165 Milliarden EUR für Betriebsrenten verwalten. Schuld an der Misere sind die hohen Zinsversprechen aus der Vergangenheit. Die Organisationen haben sich in der Vergangenheit dazu verpflichtet, für lange Laufzeiten Rentenzahlungen zu leisten. Diese alten Verträge wurden in einem Marktumfeld höherer Zinsen abgeschlossen und garantieren teilweise bis zu 4 % p.a.. Diese sind aktuell nicht mehr refinanzierbar. Die Pensionskassen werden deshalb in regelmäßigen Stresstests überprüft.

„Die Ergebnisse des Stresstests bestätigten die Einschätzung der BaFin, dass eine weiter andauernde Niedrigzinsphase für die Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge eine große Herausforderung wäre. Dies gilt erst recht für das im Stresstest verwendete Szenario einer negativen Entwicklung der Kapitalmärkte.“ (Zitat aus dem Jahresbericht 2017 der BaFin)

Handlungsunfähig sind die Vorsorge-Einrichtungen aber nicht. Sie können je nach Satzung auch eine Nachschusspflicht für den Arbeitgeber verlangen oder steigende Beiträge beschließen, ohne dass sich die Leistungen für die Versicherten erhöhen. Vor dem Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge kann es jedoch nicht schaden, sich mit der Situation der Pensionskasse vertraut zu machen oder Alternativen in Betracht zu ziehen.

 

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