07.01.2019 | ca. 4 min. Lesezeit | Artikel drucken

WeltSparen ermöglicht Banken Zugang zu einem Billionen-Markt

WeltSparen ist nicht nur für Sparer von Vorteil. Der Zugang zum deutschen Markt erleichtert vielen Banken die Refinanzierung. Im Interview mit Assistant Manager Valerie Byrne der Allied Irish Banks (AIB) aus Dublin wird deutlich, wie Banken von der Schnittstelle zu WeltSparen profitieren können.

 

WeltSparen: Hallo Valerie, die AIB war eine der ersten Banken, die eine Zusammenarbeit mit WeltSparen eingegangen ist. Wie seid Ihr auf WeltSparen aufmerksam geworden und warum habt Ihr Euch dazu entschlossen, einem FinTech Start-up aus Berlin zu vertrauen?

Valerie Byrne: Unser CEO damals war David Duffy wurde direkt von WeltSparen angesprochen, damals lautete der Name noch SavingGlobal. Das Management traf sich dann mit den beiden Gründern Tamaz Georgadze und Frank Freund und dann begann unsere Partnerschaft. Obwohl es sich damals um ein Start-up handelte, präsentierte sich WeltSparen als sehr starkes Unternehmen mit einem kompetenten Management.

Deutsche Sparer können seit 2015 über WeltSparen ein Festgeld-Konto bei der AIB eröffnen und erhalten dafür bis zu 0,50 % Zinsen p.a.. Was sind die größten Vorteile, die der AIB durch die Zusammenarbeit mit WeltSparen entstehen?

Unsere Partnerschaft mit WeltSparen, einem schnell wachsenden europäischen Einlagen-Vermittler, war bislang eine sehr positive Erfahrung. Wir vernetzen uns weiter und versuchen, neue Ideen in die Realität umzusetzen.

Erst durch WeltSparen konnte AIB in den Markt für deutsche Spareinlagen eintreten und dadurch einen ganz neuen Finanzierungs-Kanal erschließen. Das hilft uns bei der Diversifikation und für eine Absicherung gegenüber potentiellen, zukünftigen Liquiditäts-Schocks in Irland. Es ermöglicht der AIB auf dem deutschen Markt mitzuspielen und Zugang zu Privateinlagen in Höhe von Billionen zu erhalten.

Unglücklicherweise ist unser Zinsangebot aufgrund des Niedrigzinsumfelds nicht so attraktiv, wie es damals beim Start der Kooperation einmal war.

WeltSparen möchte auch in Irland mit einer eigenen Plattform starten. Könnte dieses Distributionsmodell auch für Kunden in Irland funktionieren?

Durch die Partnerschaft mit einem schnell wachsenden Fintech können wir unseren Kunden neue Produkte und Dienstleistungen und damit ganz neue Möglichkeiten mit einer transformierenden Geschwindigkeit und Agilität anbieten. Weil die irischen Einlagenzinsen so niedrig sind, bietet der Zugang zum europäischen Markt ein großartiges Potenzial für Sparer in Irland.

Glauben Sie, dass die Zeit für eine Kehrtwende gekommen ist und ist die EZB auf Kurs, um ihren Leitzins bald wieder anzuheben?

Unseren neuesten Prognosen für die Euro-Zone zufolge ist es unwahrscheinlich, dass die Zinsen vor dem Herbst 2019 angehoben werden. Darüber hinaus prognostiziert der Markt weiterhin niedrige Zinsen: Die Zinsen für 3-monatige Einlagen sollen die Marke von 1 % p.a. voraussichtlich nicht vor dem Jahr 2023 erreichen. Ich freue mich persönlich wirklich auf eine normalisierende Zinsumgebung, damit wir unseren Kunden zumindest einen gemäßigten Ertrag für ihre Ersparnisse anbieten können.

Was waren die größten Herausforderungen, welche die AIB in den vergangenen 5 Jahren bewältigen musste?

Die irische Regierung investierte nach der globalen Finanzkrise viel Geld in die AIB und die Bank ist fest entschlossen dazu, dieses zurückzuzahlen. Unsere Rückkehr in die nachhaltige Profitabilität im vergangenen Jahr sowie unser Börsengang – der größte in Europa – haben uns dazu schon einen großen Schritt weitergebracht.

Eines der Ziele vor dem Börsengang war ein nachhaltiges Aufwands-Ertrags-Verhältnis von 50 %. Das haben wir durch eine Anpassung unserer Technologie und eine Flexibilisierung unserer Arbeitskräfte erreicht. Unseren Kunden sind Digitalität und Komfort am wichtigsten. Wir haben 96 % unserer Kundentransaktionen automatisiert und 2 Drittel (67 %) unserer Kunden sind auf unseren digitalen Kanälen aktiv.

In den vergangenen Jahren hatte die AIB ein erhöhtes Niveau an notleidenden Krediten (Non-Performing-Exposure, Anm. d. Redaktion) und diese konnten wir von 18 Milliarden EUR (2015) auf 7,2 Milliarden EUR (2018) deutlich abbauen. Das entspricht einer Reduktion von 77 % vom Höchststand der NPEs. Die AIB hat jetzt eine viel widerstandsfähigere Kapitalbasis von 17,9 % (Kernkapitalquote nach CET1, Anm. d. Redaktion).

Die Herausforderungen bleiben weiterhin bestehen, aber die Bank ist gut aufgestellt, um ihnen angemessen zu begegnen.

Frau Byrne, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.