04.06.2019 | ca. 8 min. Lesezeit | Artikel drucken

Vanguard Gastbeitrag: Was Anleger über ETFs wissen müssen

Wahrscheinlich haben Sie es auch schon gehört: ETFs wachsen rasant. Aber was genau sind eigentlich ETFs? Welche Vorteile und Risiken mit ETFs verbunden sind und wie sie in Ihr Portfolio passen, erläutert Chris Hofmann, Vanguard Senior ETF Specialist für Deutschland und Österreich, in einem Gastbeitrag.

Was sind ETFs und wie funktionieren sie?

ETFs sind Anlageinstrumente, die die Vorteile herkömmlicher Fonds mit denen einzelner Aktien verbinden. Genau wie mit herkömmlichen Fonds können Anleger mit ETFs in ein diversifiziertes Portfolio von Aktien oder Anleihen investieren; gleichzeitig können sie die Fondsanteile genau wie andere Wertpapiere ganztägig handeln.

Die meisten ETFs bilden einen Index wie den S&P 500 oder den Euro Stoxx 50 ab. Steigt oder fällt der Index um 2%, sollte die Wertentwicklung des ETF daher ungefähr der des Index entsprechen (vor Kosten und Gebühren). Aktive Manager weichen im Gegensatz dazu von der Benchmark ab und wählen nur Wertpapiere aus, von denen sie sich höhere Renditen versprechen als von dem Index.

Welche Tracking-Methoden gibt es?

ETFs können ihre Benchmark (bzw. ihren Index) auf verschiedene Weise abbilden, wobei 3 Methoden überwiegen:

Vollständige Replikation:

Die gängigste Tracking-Methode ist die vollständige Replikation, wobei der Portfoliomanager alle Wertpapiere entsprechend ihrer Gewichtung im Index kauft. Auf diese Weise kann der ETF die Wertentwicklung und die Merkmale des Index besonders genau abbilden. Vollständige Replikation kommt daher häufig bei der Replikation konzentrierter Indizes mit liquiden Wertpapieren wie dem S&P 500 oder dem Euro Stoxx 50 zum Einsatz.

Sampling:

Beim Sampling, der zweiten Methode, kauft der ETF-Manager dagegen nur eine repräsentative Teilmenge der Indexkomponenten. Dazu unterteilt er die Wertpapiere in kleinere Gruppen mit unterschiedlichen Merkmalen wie Sektor oder Region und wählt dann Wertpapiere aus jeder Gruppe entsprechend ihrer Indexgewichtung aus. Sampling eignet sich besonders für große oder weniger liquide Indizes und wird daher häufig für Anleiheindizes wie den Bloomberg Barclays Global Aggregate Index verwendet, der aus 23.000 Anleihen besteht. Im Vergleich zu vollständiger Replikation kann Sampling jedoch den Tracking Error (die Abweichung von der Wertentwicklung des Index, Anm. d. Red.) – erhöhen.

Optimierung:

Bei der Optimierung setzt der Portfoliomanager ein quantitatives Multi-Faktor-Modell zur Indexabbildung ein. Dabei bestimmt der Computer die optimale Portfoliozusammensetzung auf Basis historischer Preisdaten und Korrelationen der Indexkomponenten. Große Aktienindizes wie der FTSE All-World Index werden durch Optimierung repliziert. Der Tracking Error kann höher sein als bei vollständiger Replikation, bei der Abbildung großer Indizes ist Optimierung jedoch kostengünstiger.

Wachstum des ETF-Marktes

ETFs werden am Primär- und Sekundärmarkt gehandelt. Der Primärmarkt besteht aus ETF-Anbietern und autorisierten Marktteilnehmern („Authorized Participants“ bzw. AP, Anm. d. Red.), die im Zusammenspiel mit dem ETF-Manager große ETF-Aktienpakete ausgeben und zurücknehmen. Am Sekundärmarkt handeln ETF-Anleger und Market Maker (z.B. Börsenmakler oder Broker, die Handelbarkeit von Wertpapieren sicherstellen, Anm. d. Red.), sowie andere Liquiditätsgeber, die für Intraday-Liquidität sorgen (untertägige Handelbarkeit von Wertpapieren, Anm. d. Red.).

Der ETF-Markt ist in den vergangenen zehn Jahren rasant gewachsen. Per Ende März 2019 wurden in Europa 1.721 ETFs mit einem Anlagevermögen von 816 Milliarden USD gehandelt. Ende 2009 waren es dagegen lediglich 837 Fonds mit einem Volumen von rund 226 Milliarden USD, laut Research-Unternehmen ETFGI.

ETF-Vorteile…

ETFs sind kosteneffiziente Anlagelösungen. Ihre laufenden Kosten und ihre Gesamtkostenquote sind in der Regel niedriger als bei herkömmlichen Fonds, außerdem sind Index-ETFs meistens günstiger als aktive Fonds und ETFs. Durch niedrigere Kosten bleibt Anlegern mehr von ihrer Rendite.

Durch breite Diversifikation können sie Risiken ausgleichen, die mit Investitionen in einzelne Wertpapiere oder Marktsegmente einhergehen. Ein Index-ETF kann in hunderte oder tausende Wertpapiere investieren. Das sind mehr als viele aktive Manager halten und deutlich mehr als in einem durchschnittlichen Portfolio einzelner Wertpapiere enthalten sind.

Da ETFs an der Börse gehandelt werden, zeichnen sie sich zudem durch Liquidität aus. ETFs werden ganztägig gehandelt, auch wenn die Märkte der Basiswerte geschlossen sind. Außerdem sind ETFs transparent, denn die einzelnen Positionen sind für Anleger ebenso leicht ersichtlich wie Wertentwicklung und Kosten.

Der Kostenvorteil von WeltInvest im Vergleich zu Robo Advisor und aktiv gemanagten Mischfonds.
Der Kostenvorteil von WeltInvest im Vergleich zu Robo Advisor und aktiv gemanagten Mischfonds.

 

…und Risiken

Die meisten ETFs replizieren Indizes und unterliegen daher denselben Schwankungen wie der Markt, den sie abbilden sollen. Schwankende oder sinkende Kurse wirken sich also auch auf die Wertentwicklung des Portfolios aus. Durch möglichst präzise Indexabbildung können ETF-Anleger jedoch auch von dem Wachstum des Marktes und seinen Erträgen profitieren, die zudem durch den Zinseszinseffekt längerfristig zunehmen.

Mit dem hohen Wachstum im ETF-Markt hat auch die Vielfalt der Produkte zugenommen. Zwar handelt es sich bei den meisten ETFs um breit diversifizierte Indexportfolios. Mittlerweile werden jedoch auch Sektor- und Rohstofffonds sowie Fonds mit Hebelwirkung an der Börse gehandelt. Nicht alle dieser Fonds eignen sich für langfristige Anleger.

Die große Mehrheit der in Europa domizilierten ETFs sind jedoch rein strukturell und aufsichtsrechtlich betrachtet eingetragene Investmentgesellschaften gemäß der Richtlinie betreffend Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW). Die OGAW-Richtlinie schützt Anleger in mehrfacher Hinsicht. So unterliegen OGAW-konforme Fonds unter anderem bestimmten Diversifikations- und Berichtsauflagen, die die Transparenz für Anleger erhöhen. Außerdem wird das Anlagevermögen von OGAW-Fonds getrennt von den Aktiva des Fondsmanagers und der Depotbank verwahrt. Im Falle einer Insolvenz sind Anleger so vor Ansprüchen von Gläubigern geschützt.

Wie ETFs in Ihr Portfolio passen

Wie wir bereits gesehen haben, können Sie Ihr Portfolio mit ETFs kosteneffizient diversifizieren. Außerdem können Sie zahlreiche Anlagestrategien umsetzen, von der strategischen Asset Allokation (Bestimmung und Anpassung der Gewichtung einzelner Assetklassen) bis zu technischen Transaktionen, wenn Sie z.B. in einen bestimmten Sektor investieren oder Ihr Portfolio auf den Markt- oder Konjunkturzyklus abstimmen wollen. ETFs eignen sich daher für verschiedene Investoren mit zahlreichen, unterschiedlichen Zielen.

ETFs sind ideal als Grundbausteine, da Anleger schnell, präzise und kosteneffizient in eine Vielzahl von Assetklassen und Sub-Assetklassen investieren können. Sie können mit ETFs jedoch auch Ihre Diversifikation erhöhen, Benchmark-Risiken minimieren oder in bestimmte Marktsegmente oder Faktoren investieren und dadurch Lücken in Ihrem Portfolio schließen.

Außerdem eignen sich ETFs für viele weitere Strategien wie Aktiv/Passiv-Kombinationen und Liquiditätsmanagement über Rebalancing bis hin zu taktischen Anpassungen.

Was Vanguard von anderen ETF-Anbietern unterscheidet

Chris Hofmann, Vanguard Senior ETF Specialist für Deutschland und Österreich
ETF-Spezialistin Chris Hofmann

Vanguard gehört zu den Wegbereitern von Indexfonds und ETFs. Wir haben bereits im Jahr 1976 den ersten Indexfonds für Privatanleger in den USA aufgelegt. Heute verwalten wir mehr als drei Viertel unseres Anlagevermögens (USD 5,4 Billionen per 31. März 2019) in Indexfonds. Weltweit verwalten wir ETF-Anlagen im Wert von einer Billion US-Dollar.

Die Vanguard-Anlagephilosophie ist geprägt durch unsere einzigartige Eigentümerstruktur in den USA. Da unsere Kunden auch die Eigentümer von Vanguard sind, hat der Erfolg unserer Fondsanleger für uns stets oberste Priorität. Dieser Erfolg beruht auf 4 grundlegenden Anlageprinzipien: Klare Ziele setzen, ein diversifiziertes Portfolio erstellen, Kosten minimieren und langfristig Disziplin wahren.

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Autorin und Foto: Chris Hofmann, Vanguard Senior ETF Specialist für Deutschland und Österreich.

 

Wichtige Hinweise zu Anlagerisiken:

Der Wert von Anlagen und die daraus resultierenden Erträge können steigen oder fallen, und Investoren können Verluste auf ihre Investitionen erleiden. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Erträge.

Fonds, die in festverzinsliche Wertpapiere investieren, sind mit dem Risiko von Zahlungsausfällen und Kapitalverlusten Ihrer Anlage behaftet. Außerdem kann das Ertragsniveau schwanken. Zinsschwankungen wirken sich in der Regel auf den Kapitalwert festverzinslicher Wertpapiere aus. Unternehmensanleihen können unter Umständen höhere Zinsen abwerfen, sind jedoch mit größeren Kreditrisiken behaftet. Daher steigt das Risiko von Zahlungsausfällen und Kapitalverlusten Ihrer Anlage. Das Ertragsniveau kann schwanken und Zinsschwankungen wirken sich in der Regel auf den Kapitalwert von Anleihen aus.

ETF-Anteile können nur über einen Broker ge- und verkauft werden. Anlagen in ETFs sind mit Maklergebühren und einer Geld-/Briefspanne verbunden, die vor einer Anlage sorgfältig abgewogen werden sollten.

Sonstige wichtige Hinweise:

Dieses Dokument richtet sich an professionelle Anleger und darf nicht an Privatanleger weitergegeben werden. Privatanleger sollten sich bei ihren Entscheidungen nicht auf die Angaben in diesem Dokument verlassen.

Der Inhalt dieses Dokuments ist nicht als Angebot zum Kaufen bzw. Verkaufen oder als Aufforderung zum Angebot des Kaufens bzw. Verkaufens von Wertpapieren in Ländern zu verstehen, in denen ein solches Angebot oder eine solche Aufforderung rechtswidrig ist. Dasselbe gilt für Personen, denen gegenüber es ungesetzlich ist, ein solches Angebot bzw. eine solche Aufforderung vorzulegen, und für Personen, die nicht zur Vorlage eines solchen Angebots bzw. einer solchen Aufforderung autorisiert sind. Die hierin enthaltenen Informationen stellen keine rechtliche, steuerliche oder anlagebezogene Beratung dar. Sie dürfen sich nicht auf die Inhalte dieses Dokuments verlassen, wenn Sie Anlageentscheidungen treffen.

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