03.07.2018 | ca. 5 min. Lesezeit | Artikel drucken

Fintechs nutzen diese 4 Schlüssel-Technologien

Unternehmen mit Fokus auf Finanz-Technologie vereinfachen Dienstleistungen von Banken und Versicherungen. Dafür nutzen sie eine oder mehrere Schlüsseltechnologien, z.B. Plattformen, Datenanalyse, künstliche Intelligenz oder die Blockchain.

Bankkunden, die ihre Geldgeschäfte über eine App abwickeln, verfolgen mit jedem neuen Update auch die Entwicklung von Finanztechnologie (kurz: FinTech). Wenn die neue Banking-App besser ist als die alte, sind wahrscheinlich FinTech-Unternehmen dafür verantwortlich. FinTechs machen sich Gedanken darüber, wie man Finanzprozesse neu erfinden oder verbessern kann. Ein gutes Beispiel dafür sind Zinsportale. Sie machen Fest- und Tagesgeld-Angebote von Banken aus ganz Europa auf einen Blick vergleichbar. Die Technologie von Vergleichsportalen gibt es schon lange und Zinsangebote von Banken noch viel länger. Aber vor WeltSparen hat noch niemand daran gedacht, beides miteinander zu kombinieren.

Die Innovation liegt also zuerst in dem Gedanken, Bankangebote für Konsumenten genau so leicht verfügbar und vergleichbar zu machen wie Schuhe bei Zalando oder Amazon. Danach geht es um die Umsetzung dieser Idee. Damit das auch funktioniert, kommen bei FinTechs 4 unterschiedliche Schlüsseltechnologien zum Einsatz.

1. Plattformen

Die Basis für die Entstehung der ersten FinTechs waren Plattformen. Zu Beginn des Millenniums bildeten sich die ersten Peer-2-Peer-Plattformen (P2P), die Kreditgeber und -nehmer zusammenbrachten, noch lange bevor es den Begriff soziale Medien oder Facebook gab. Die P2P-Technologie geriet im Laufe der Jahre mehr in den Hintergrund. Die Plattformen entwickelten sich zu komplexen Netzwerken weiter. Nicht nur für Kredite, sondern z.B. auch für Fremdwährungs-Transaktionen zwischen Individuen, ohne dass eine Bank involviert ist.

Das Prinzip der „Platform Economy“, über die Nutzer Produkte unterschiedlichster Art vergleichen und erwerben können, hat den modernen Handel revolutioniert. Von eBay über Amazon zu Airbnb wurden zuerst Waren und Konsumgüter über digitale Plattformen vertrieben. Bei Finanzdienstleistungen dauerte es etwas länger. Das liegt am gesellschaftlichen Wandel, an den hohen Datenschutzbestimmungen und den starren Strukturen der traditionellen Kreditinstitute, die Veränderungen nur langsam zulassen konnten.

2. Datenanalyse

Doch mit der Zeit ermöglichten große Datenmengen und leistungsstarke Prozessoren tiefe Einblicke in die personenbezogenen Daten und das Kaufverhalten von Kunden und Zielgruppen. Unter allen Technologien, die bei FinTechs Anwendung finden, bekommt die Datenanalyse wahrscheinlich am wenigsten Beachtung. Dabei spielt sie eine zentrale Rolle für alles, was interessant ist an FinTechs. Mit ihr können zukünftige Ereignisse anhand von bestehenden Daten prognostiziert werden (predictive Analytics).

Datenanalyse hilft außerdem dabei, Datenmengen grafisch darzustellen und intuitiv verständlich zu machen. Bei FinTechs kann das dabei helfen, Kreditrisiken besser einschätzen zu können oder die Herkunft, das Einkommen und die Vorlieben der Kunden in Erfahrung zu bringen, also wertvolle Erkenntnisse für die Gewinnung neuer Kunden.

Weitere Anwendungsbeispiele der Datenanalyse sind eine optimale Zusammenstellung von Krediten oder Versicherungen sowie die automatische Überwachung der Kreditkarten-Transaktionen zum Schutz gegen Betrug.

3. Künstliche Intelligenz

Siri, Cortana oder Alexa – jeder hat bereits die Möglichkeit, künstliche Intelligenz (KI) auf seinem Smartphone zu nutzen. Googles Software Duplex kann bereits selbstständig einen Tisch im Restaurant bestellen und bei Konversationen auf feinste Nuancen eingehen, ohne dass der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung merkt, dass er mit einer Maschine spricht (siehe Video, in Englisch).

Ähnlich wie Sprach-Assistenten einfache Aufgaben für Nutzer erledigen, wird künstliche Intelligenz für FinTechs künftig eine noch größere Rolle spielen, z.B. im Kunden-Service. Bereits jetzt werden Anrufe von Maschinen an den richtigen Ansprechpartner weitergeleitet. Die Einführung und Entwicklung von Chatbots übernimmt bereits die Beantwortung einfacher Fragen und reduziert den Aufwand für den Sachbearbeiter. Durch Machine Learning werden solche Dienstleistungen in den kommenden Jahren an Qualität zunehmen.

Große Investmentfirmen und Banken investieren große Summen in die Entwicklung künstlicher Intelligenz, um sich einen Vorteil im Hochfrequenzhandel zu verschaffen. Die KI sucht nach Mustern im täglichen Börsenhandel, um Opportunitäten zu entdecken und aufgrund kleinster Kursunterschiede Erträge zu generieren. Je schneller und intelligenter die KI, desto höher ist der potenzielle Ertrag.

Es gibt auch Entwicklungen, die nicht den Ertrag, sondern das Risiko im Fokus haben. Für automatisierte Portfolios kann KI bei der Auswahl der Anlageprodukte helfen und rund um die Uhr Warnungen aussprechen, wenn es an der Börse einmal zu Turbulenzen kommt.

4. Blockchain

Im vergangenen Jahr entstanden zahlreiche neue FinTechs, die mit einer eigenen digitalen Währung an den Start gingen. Ausgegangen war dieser Trend von dem Hype rund um den rasanten Anstieg der Kryptowährung Bitcoin, der Anleger bis zum Jahreswechsel in Atem hielt. Dann platzte die Bitcoin-Blase und viele Anleger mussten einen großen Teil der Gewinne wieder abgeben.

Aber unabhängig von der Entwicklung der Kryptowährungen wird die im Hintergrund wirkende Blockchain weiterhin eine Schlüsseltechnologie für FinTechs bleiben. Ihr größter Nutzen besteht in der Sicherheit und Transparenz, denn bei der Blockchain handelt es sich um ein öffentlich einsehbares Kontobuch von Transaktionen („Distributed Ledger“). Die Technologie ist schwer zu manipulieren, weil ein Netzwerk mehrerer Tausend Rechner auf der ganzen Welt komplexe Rechenleistungen zur Verschlüsselung der Transaktionen bewältigen muss, die in Blocks festgeschrieben werden. Bei aller Transparenz und Innovation ist noch nicht klar abzusehen, welche Anwendungsmöglichkeiten die Blockchain für Finanzdienstleistungen außerhalb der Kryptos haben kann.

Die 4 Schlüsseltechnologien sind Grundbausteine, mit deren Kombination FinTechs entstehen können. Natürlich gibt es noch weitere Aspekte, z.B. ein Fokus auf mobile Endgeräte, die Entwicklung von Schnittstellen und die Gewährleistung von Datensicherheit. Eine große Rolle spielt auch die Benutzerfreundlichkeit von Apps, Vergleichsportalen und Online-Banking-Systemen. Denn wenn die Anwendung nicht einfach und intuitiv ist und den Nutzer nicht glücklich macht, kann auch die beste Technologie eines FinTechs nichts daran ändern. Das wissen alle Nutzer, die sich noch an die ersten Online-Banking-Systeme erinnern können.

 

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