07.06.2018 | ca. 6 min. Lesezeit | Artikel drucken

Der richtige Einstiegs-Zeitpunkt: So früh wie möglich!

Börsen-Profis bestätigen: Den perfekten Einstiegszeitpunkt an der Börse gibt es nicht. Wer glaubt, schlauer zu sein als der Markt, kann die besten Börsenphasen verpassen. Ausdauer und Geduld hingegen zahlen sich aus.

Die Vorstellung, einen großen Teil seines Ersparten in Wertpapiere zu investieren und dabei zusehen zu müssen, wie es sofort an Wert verliert, kommt einem Alptraum gleich. Die schlechte Nachricht vorweg: Das kann jedem passieren, denn niemand kann die Entwicklung der Märkte präzise vorhersagen. Jetzt die gute Nachricht: Die Zeit ist der beste Freund des Anlegers. Denn langfristig lassen sich Schwankungen an den Finanzmärkten bequem aussitzen.

„Nur Lügner schaffen es, in schlechten Zeiten immer draußen und in guten Zeiten immer drin zu sein.“ Bernard Baruch (US-amerikanischer Finanzier, Börsen-Spekulant)

Zeit ist die wichtigste Ressource am Finanzmarkt und sollte nicht verschwendet werden. Denn Anleger, die nach dem perfekten Einstieg suchen, verpassen sehr wahrscheinlich die besten Marktphasen. Das verdeutlicht eine Berechnung auf Basis von Thomson Reuters Daten. Demzufolge beträgt die jährliche Rendite des deutschen Leitindex DAX zwischen 1998 und 2017 5,6 %. Doch nur wer an allen 6.935 Tagen in diesem Zeitraum investiert war, konnte von der vollen Rendite profitieren. Ohne die besten zehn Tage sinkt die jährliche Rendite bereits auf 1,3 %. So ein Ergebnis gleicht nicht einmal die Inflation aus. Ohne die besten 40 Tage landen Investoren mit -6,3 % p.a. deutlich in der Verlustzone (siehe Grafik). Wie das Beispiel zeigt, gibt es wenig Spielraum für Fehler. Wer daneben liegt, wird von den Märkten bestraft.

Je länger Anleger mit dem Einstieg zögern, desto eher verpassen sie renditestarke Marktphasen.Durchhaltevermögen wird belohnt

Disziplin und Durchhaltevermögen hingegen werden belohnt. Wer 1998 die Entscheidung getroffen hat, über die nächsten 19 Jahre in Aktien zu investieren, hat rückblickend nicht den perfekten Einstiegszeitpunkt erwischt. Nur zwei Jahre später platzte die Internetblase und im Jahr 2007 kam es zum Ausbruch der Finanzkrise. Doch in beiden Fällen wurde Durchhaltevermögen schließlich belohnt. Die Verluste wurden mehr als ausgeglichen. Dabei sein und dranbleiben, heißt also die Devise. Das fällt umso leichter, wenn das investierte Kapital über einen langen Zeitraum nicht benötigt wird. Der Anlagezeitraum sollte daher drei, besser noch fünf Jahre nicht unterschreiten.

„Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ (André Kostolany, Börsen- und Finanzexperte)

In den Medien wird kurzfristigen Markt-Bewegungen zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Denn Nachrichtenformate müssen Neuigkeiten verbreiten, auch wenn es an den Börsen einmal ruhig zugeht. Eine Abweichung von einem halben Prozentpunkt nach oben oder unten wird in der Tagesschau dramatischer berichtet, als es eigentlich angebracht wäre.

Der Fokus der Medien richtet sich überdies nur auf einen Index, bzw. wenige Aktien meist großer Unternehmen. Deren Kursbewegungen werden auf tagesaktuelle Ereignisse zurückgeführt, was meist zu kurz greift: Steigen die Kurse, wird ein Bullenmarkt ausgerufen. Fallen die Kurse, steht angeblich der nächste Bärenmarkt vor der Tür. Geschieht beides im Wechsel, wird vor einer erhöhten Volatilität gewarnt.

Dass es so einfach nicht funktioniert, verdeutlicht eine Analyse Bullen- und Bärenmärkte der vergangenen 100 Jahre. Seit dem Jahr 1926 gab es insgesamt neun Phasen steigernder Kurse (Bullenmarkt) und acht Phasen fallender Kurse (Bärenmärkte) an der Wall Street in den USA. Der große Unterschied: Die Bullenmärkte dauern wesentlich länger als die Bärenmärkte, ergibt eine Analyse des Bostoner ETF-Anbieters Newfound Research. Die Wertentwicklung nach oben fällt entsprechend höher aus als nach unten.

„Ich kann mich nicht erinnern, einen Market Timer auf der Liste der reichsten Menschen der Welt gesehen zu haben. Wenn Korrekturen wirklich prognostizierbar wären, hätte sicher schon jemand Milliarden damit verdient.“ (Peter Lynch, ehemaliger Fondsmanager bei Fidelity Investments)

Investoren wollen meist erst auf einen Börsencrash warten, um zu möglichst niedrigen Kursen an den Märkten einzusteigen. Doch niemand weiß genau, wann das der Fall sein wird – ob nun in fünf Monaten oder fünf Jahren. Verglichen mit den vier längsten Bullenmärkten der vergangenen 100 Jahre ist die aktuelle Phase steigender Kurse noch relativ kurz. Wer auf den Crash wartet, lässt sich die Wertsteigerung der kommenden Jahre vielleicht entgehen.

Hin und her macht die Taschen leer

Ein weiteres schlagendes Argument gegen den Versuch, das Auf und Ab an der Börse durch rechtzeitiges Handeln für sich nutzen zu wollen, sind die Gebühren. Denn für jede Kaufs- und Verkaufsorder von Aktien und Anleihen fallen Depotgebühren an. Beim Kauf und Verkauf von Investmentfonds kann es darüber hinaus noch laufende Gebühren und Ausgabeaufschläge geben. Deswegen lautet eine alte Börsenweisheit: „Hin und Her macht die Taschen leer.“ Denn wer viel handelt und dabei auch noch falsch liegt, zahlt doppelt. Das hilft nur den Brokern und Banken, aber nicht den Investoren.

 „Wenn Du es liebst, ständig zu kaufen und zu verkaufen, dann will ich Dein Broker sein, aber nicht Dein Partner.“ (Investoren-Legende Warren Buffett)

Sparpläne auf ETFs und Indexfonds

Eine clevere Möglichkeit, dem Timing-Dilemma zu entkommen, ist der Abschluss eines Sparplans. Dabei wird monatlich oder halbjährlich ein vorher definierter Betrag in einen breit diversifizierten Investmentfonds investiert. Wenn die Kurse dann fallen, erhält der Anleger mehr Fondsanteile für seine Sparrate. Steigen die Kurse, werden weniger Anteile gekauft. Langfristig ergibt sich dadurch ein Durchschnittskosten-Effekt (Cost-Average-Effect), denn die Schwankungen am Markt werden durch die regelmäßigen Investitionen geglättet.

Wer monatlich 100 EUR ansparen möchte, und einen Fondsanteil für 100 EUR erhält, bekommt für den gleichen Betrag zwei Anteile, wenn der Wert des Fonds um 50 % einbrechen sollte. Wenn der Wert des Fondsanteils auf 150 EUR ansteigt, erhält der Anleger nur 0,66 Prozent eines Fondsanteils für die festgelegte Sparrate. Nach fünf Monaten besitzt der Anleger aufgrund der Preisschwankungen, 5,66 Fondsanteile (siehe Grafik, unten).

Einfaches Beispiel des Durchschnittskosten-Effekts.Auch die WeltInvest-Portfolios wird es bald als Sparplan geben. Investoren können dann ihre Sparrate selbst bestimmen und bei Bedarf anpassen. Sollte der große Crash dann tatsächlich eintreten, haben Anleger die Möglichkeit, die Sparrate zu erhöhen, um dann antizyklisch in den Markt einzusteigen und von dem folgenden Aufschwung überproportional stark zu profitieren.

Die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt könnte also „jetzt“ lauten. Denn wer heute nicht investiert, ist bei der Wertentwicklung der nächsten Jahre nicht nicht mit dabei.

 

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Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Der Wert der vermittelten ETF und Indexfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen und folgenden Risiken: 1. Allgemeine Risiken von Kapitalanlagen (wie Konjunkturrisiko, Zinsänderungsrisiko), 2. Wertpapierspezifische Risiken (wie Aktienkursrisiko, Bonitätsrisiko), 3. Spezielle Risiken von Anlagen in Investmentfondsanteile, 4. Spezielle Risiken von Anlagen in ETFs und Indexfonds, 5. Spezielle Risiken bei der Abwicklung von Wertpapieraufträgen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Risiken finden Sie hier.