24.04.2019 | ca. 5 min. Lesezeit | Artikel drucken

Studie: Anleger sollten falschen Umgang mit ETFs vermeiden

Der Kauf von Wertpapieren hat mit einem Ausflug ins Einkaufszentrum nichts zu tun. Doch viele Investoren wählen einen falschen Umgang mit ETFs, indem sie diese zu teuer und zu einem falschen Zeitpunkt einkaufen. Um das Renditepotenzial voll auszuschöpfen, sollten Anleger 2 schwerwiegende Fehler unbedingt vermeiden. 

Exchange Traded Funds (ETF) sind eine der größten Produktinnovationen an den Finanzmärkten in den vergangenen 20 Jahren. Der erste ETF wurde 1990 in Kanada aufgelegt und seitdem investierten Anleger weltweit mehr als 5 Billionen US-Dollar in die kosteneffizienten und börsengehandelten Indexfonds. Doch leider können Privatanleger ihr Renditepotenzial nicht voll ausschöpfen, belegt eine Studie* mit dem Titel „Abusing ETFs“, die 2017 im Fachmagazin „Review of Finance“ erschienen ist.

Die Studie sucht nach dem Nutzen von ETFs für Privatanleger und findet heraus, dass die meisten Anleger ihre ETFs „missbrauchen“. Dazu untersuchten die Autoren knapp 8.000 deutsche Privatanleger-Portfolios zwischen 2005 und 2010, in denen neben anderen Anlageklassen auch ETFs enthalten waren. Die ETFs bildeten meist die Performance von Aktienindizes in den USA, Deutschland und Europa ab und die Portfolios hatten einen Wert von mindestens 5.000 US-Dollar.

Wer nutzt überhaupt ETFs?

Die Autoren verglichen die Portfolio-Performance von ETF-Nutzern mit der von anderen Investoren und bereits hier unterscheiden sich die Profile der Anleger voneinander. Einem Blick in die Depots zufolge sind ETF-Anleger etwas jünger und leicht wohlhabender als Anleger, die noch nicht in ETFs investieren. Außerdem haben sie einen größeren Teil ihres Vermögens in risikoreichen Wertpapieren investiert. ETF-Investoren halten insgesamt mehr Wertpapiere, handeln diese aber auch öfter als Nicht-ETF-Investoren. Überdies ist die Gesamtperformance im Portfolio von ETF-Investoren etwas höher. Die Autoren schließen daraus, dass ETF-Investoren die etwas besseren Privatanleger sind:

„ETF-Investoren scheinen fähigere Investoren zu sein als Nicht-ETF-Investoren.“

2 Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten

ETFs können in den Portfolios von Privatanlegern keinen messbaren Mehrwert für die Performance bringen, wenn 2 schwerwiegende Fehler begangen werden:

1. Schlechtes Markttiming

Anleger wählen einen falschen Umgang mit den börsengehandelten Indexfonds, in dem sie diese zu oft kaufen und verkaufen. Dabei beweisen sie leider kein glückliches Händchen für das Markttiming. Das treibt die Performance jedes Jahr um 0,77 % in den Keller. Die hohen Handelskosten, die mit häufigem Trading einhergehen, sind darin noch gar nicht berücksichtigt. Würden die Anleger die ETFs kaufen und halten (Buy-and-Hold-Strategie), hätten sie die Performance in ihrem Portfolio signifikant verbessert.

2. Falsche Produktwahl

Ein weiterer Grund für Verluste im Umgang mit ETFs ist die Auswahl des falschen Produkts. Dazu untersuchten die Studienautoren die ETF-Auswahl von Privatanlegern und verglichen deren Kosten mit einem Portfolio, das ausschließlich den globalen Aktienindex MSCI World enthielt. Das Resultat: Privatanleger, die den MSCI World nicht im Depot hatten, büßten jährlich 1,28 % ihrer Performance ein.
 
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Wie sind die Forscher vorgegangen?

Sie verglichen die Portfolios der ETF-Investoren mit sogenannten „kontrafaktualen“ (nicht-realen) Portfolios, die einen sinngemäßen und kosteneffizienten Einsatz von ETFs im Portfolio des Privatanlegers simulieren sollten. Die Ergebnisse der Studie sind mit unterschiedlichen Investorengruppen reproduzierbar. Auch vermeintlich selbstbewusste und erfahrene Privatanleger – gemessen an der Frequenz der Handelsaktivität bzw. am Grad der Diversifikation – schneiden in ihrem Umgang mit ETFs nicht besser ab.

Dies offenbart einen interessanten Einblick in das Investitionsverhalten. Investoren ändern ihr Trading-Verhalten nämlich durch den Einsatz von ETFs nicht. Das heißt, sie haben vor ETFs viel gehandelt und tun dies auch nach dem Einsatz von ETFs. Der Privatanleger ist also ein Gewohnheits-Tier.

Fazit: langfristig und kosteneffizient investieren

Das ständige Kaufen und Verkaufen wird durch die unüberblickbare und stetig wachsende Auswahl von ETFs noch verstärkt. Je mehr Fonds zur Auswahl stehen, desto größer wird die Verführung, mehr zu kaufen und zu verkaufen als notwendig, schlussfolgern die Autoren.

„Eine höhere ETF-Auswahl könnte zu ETF-Missbrauch führen“

Wenn Investoren diese beiden schwerwiegenden Fehler vermeiden – schlechtes Timing und falsche Produktwahl – können sie ihre Portfolio-Performance durch den Einsatz von ETFs verbessern. Ein sinnvoller Einsatz von ETFs ist mit einem langfristigen Anlagezeitraum verbunden. Ein weiteres Ergebnis der Studie lautet folgerichtig, dass keine einzige untersuchte Investorengruppe Geld mit kostengünstigen ETFs und einer Buy-and-Hold-Strategie verloren hätte.

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*Quelle: Bhattacharya, Utpal and Loos, Benjamin and Meyer, Steffen and Hackethal, Andreas, Abusing ETFs (July 11, 2016). Review of Finance. (externer Link)

 

Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Der Wert der vermittelten ETF und Indexfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen und folgenden Risiken: 1. Allgemeine Risiken von Kapitalanlagen (wie Konjunkturrisiko, Zinsänderungsrisiko), 2. Wertpapierspezifische Risiken (wie Aktienkursrisiko, Bonitätsrisiko), 3. Spezielle Risiken von Anlagen in Investmentfondsanteile, 4. Spezielle Risiken von Anlagen in ETFs und Indexfonds, 5. Spezielle Risiken bei der Abwicklung von Wertpapieraufträgen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Risiken finden Sie hier.