13.12.2018 | ca. 6 min. Lesezeit | Artikel drucken

Interview: Das geschieht, wenn sich 3 McKinsey-Berater in einen Keller einschließen

Die Entstehung von WeltSparen führte die Gründer auf eine Reise von den georgischen Bergen hinab in einen Münchener Keller mit schlechtem Telefon-Empfang, bis hin zum Großraumbüro im FinTech-Drehkreuz Berlin. CEO und Mitgründer Tamaz Georgadze erklärt, wie es dazu kam und wie sich die Zinsplattform weiter entwickeln wird.

WeltSparen: Hallo Tamaz. Am 13. Dezember 2013 ging WeltSparen als erste Zinsplattform online. Wo sind die ersten Ideen für WeltSparen entstanden?

Tamaz Georgadze: Die ersten Ideen entstanden schon viel früher, etwa 2007 oder 2008. Aber erst Jahre später waren Michael Stephan und ich in den georgischen Bergen im Urlaub. Michael offenbarte mir damals, dass er gern etwas Eigenes machen würde. Nach der Rückkehr in die Zivilisation haben wir dann mehrere, ganz unterschiedliche Ideen ausgetauscht. Das war ca. anderthalb Jahre, bevor WeltSparen als Plattform online ging. Doch WeltSparen war der klare Favorit. Wir haben gutes Feedback bekommen und die ersten Geldgeber standen auch schon bereit. Dann haben wir uns intensiver mit diesem Plan beschäftigt.

Eingang von WeltSparen im Büro Zedenicker Str. im Jahr 2013.
Eingang von WeltSparen im Büro Zedenicker Str.

Stimmen die Gerüchte, dass WeltSparen im Keller von Michaels Oma gestartet wurde?

Dort haben wir bereits die ersten Banken angesprochen und das war die erste Location von WeltSparen. Als Frank Freund, Michael und ich McKinsey verlassen haben, gab es noch kein Büro. Wir waren ja noch gar nicht offiziell gestartet, sondern eher im U-Boot-Stil unterwegs. Wir hatten noch nicht mal einen Namen.

Hat das Geld für ein Büro nicht gereicht?

Ein Büro in München war uns zu teuer. Wir wollten unser eigenes Geld lieber in die Firma stecken. Deshalb kam uns der Keller zu Beginn sehr gelegen. Der Telefon-Empfang war ziemlich schlecht, aber dafür gab es frischen Kuchen von Michaels Oma.

Wir haben uns recht schnell entschlossen nach Berlin zu ziehen und erste Meetings in meiner Wohnung abgehalten. Später sind wir in unser erstes Büro in der Zehdenicker Str. in Berlin gezogen, damals übrigens noch als Untermieter von regis24, mit deren Geschäftsführer und auch Gründern wir bis heute befreundet sind.

Nur 5 Jahre später bieten 61 Partnerbanken ihre Produkte auf WeltSparen an. Das sind rund 12 Partner pro Jahr. Kannst Du ungefähr abschätzen, mit wie vielen Banken Du insgesamt schon gesprochen hast?

Mit Sicherheit mehrere 100, wahrscheinlich so zwischen 300 und 500.

Wie viele Banken bleiben noch übrig für eine mögliche Zusammenarbeit?

Allein in Deutschland gibt es ca. 1.800 Bankenlizenzen. In Europa sind es über 3.000. Viele von diesen kommen bestimmt mehrere Hundert Banken als potenzielle Partner für WeltSparen in Frage. Wir wollen daher in den kommenden Jahren in unserem Partnernetzwerk deutlich über 100 Banken zusammenbringen.

Warum braucht WeltSparen so viele Banken?

Es geht dabei nicht um uns, sondern um den Kunden. Das liegt in unserer Philosophie begründet: Je breiter das Angebot für den Kunden, desto unabhängiger ist er. Das stärkt die Kundenstellung und ist letztlich eine Demokratisierung des Marktes.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Mindesteinlagesumme. Die meisten Festgeld-Angebote unserer Partnerbanken sind ab 5.000 EUR oder sogar erst ab 10.000 EUR verfügbar. In diesem Jahr haben wir mehrere Banken an unsere Plattform angeschlossen, die Festgeld schon ab 1.000 EUR (Hoist Finance, Izola) oder 500 EUR (Resurs Bank, LHV Pank) anbieten.

Wir wollen diese Zugangshürden weiter abbauen und damit mehr Menschen in Europa die Möglichkeit geben, WeltSparen auszuprobieren und sinnvoll zu sparen.

Würdest Du Dich als einen sparsamen Menschen bezeichnen?

WeltSparen Büro Zedenicker Str. im Jahr 2013.
WeltSparen Büro im Souterrain 2013.

Überhaupt nicht, leider. Ich glaube, das liegt auch am Alter. Wenn man jung ist, gibt man mehr aus als man hat. Und ich fühle mich noch sehr jung (lacht). Mir hilft WeltSparen, weil es mich diszipliniert. In meiner Generation das es schwieriger. Wir haben das in der Jugend nicht so intensiv lernen müssen, wie unsere Eltern.

Aber vom Sparvermögen der Haushalte liegt die Hälfte unverzinst auf dem Gehaltskonto. Das Girokonto ist die am stärksten wachsende Assetklasse in Deutschland. Wir können viel mehr für die Menschen leisten und ihnen helfen, besser zu sparen. Zum Beispiel mit einer einfacheren Anbindung vom Girokonto zu unseren Zins-Angeboten.

Womit verbringst Du am liebsten die Zeit im Flieger, wenn du von einem Termin zum nächsten reist?

Das hängt ganz von meiner Aufmerksamkeitsspanne ab. Ich habe 3 Lieblings-Apps für das Flugzeug. Wenn ich müde bin und meine Aufmerksamkeit nachlässt, dann bin ich bei Netflix. Wenn ich ausgeschlafen in den Flieger steige, dann bearbeite ich Emails mit Outlook. Und für alles dazwischen öffne ich meinen Kindle und lese.

Was ist das witzigste Ereignis bei WeltSparen, was Dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

In unserer Anfangszeit in Berlin gab es einige witzige Ereignisse mit Besuchern. Das erste Büro in der Zedenicker Strasse war ein kleiner Raum im Souterrain (siehe Foto). Wir hatten einen externen, etwas repräsentativeren Meeting-Raum genutzt, weil unser Büro zu klein war. Je nach Besucher hatten sie einen unterschiedlichen Eindruck von unserem Auftritt: Die Investoren und Mitarbeiter waren beeindruckt von unserer Sparsamkeit, potenzielle Bankpartner und Journalisten fanden hingegen unseren Meeting-Raum repräsentativ und hochwertig.

Wenn Du auf die Arbeit der letzten 5 Jahre zurückblickst, worauf bist Du stolz?

Auf das coole Team und den Spaß an der Arbeit. Genau das hatten wir uns vorgenommen. Als wir uns dazu entschlossen hatten, die Corporate-Welt zu verlassen, wollten wir nur mit Kollegen zusammenzuarbeiten, die nicht nur fachlich, sondern auch menschlich zu uns passten. Und das haben wir geschafft. Egal, ob ich mit neuen Kollegen, Ex-Kollegen oder mit Uni-Freunden arbeite, wir können uns trotz unserer persönlichen Beziehung Feedback geben und eine positive Stimmung aufrechterhalten.

WeltSparen 2023: Worauf können wir uns in den kommenden 5 Jahren gefasst machen?

Alles, was wir bisher gemacht haben, hat sich darauf konzentriert, mehr Angebote auf unsere Plattform zu bringen und neue Produkte verfügbar zu machen. Wir sind mit Festgeld gestartet, dann Tagesgeld und dann kam WeltInvest hinzu. Wir wollten immer die besten Angebote haben und dieses Versprechen konnten wir einlösen.

Jetzt wollen wir die Prozesse vereinfachen und beschleunigen. Das beginnt bei der Anmeldung, bis hin zu den Formularen und dem Kunden-Support. Wir wollen unser Produkt noch bequemer gestalten und für den Kunden schneller zugänglich machen. Dazu gehört z.B. auch, die Mindestbeiträge weiter zu reduzieren.

Tamaz, vielen Dank für das Gespräch!