23.10.2020 | ca. 4 min. Lesezeit | Artikel drucken

Warum die Realzinsen für Sparer jetzt steigen

Die Preise fallen, die Inflation ist im Keller. Derzeit liegt die Teuerungsrate in Deutschland bei -0,2 %. Folglich steigen die Realzinsen für Sparer. Experten erwarten, dass die Inflation auch im kommenden Jahr weiter niedrig bleiben wird.

Die Inflation in Deutschland beträgt -0,2 % im September, belegen Daten des Statistischen Bundesamtes. Ersparnisse haben also leicht an Kaufkraft gewonnen. Wer darüber hinaus Zinsen für sein Geld erhält profitiert noch stärker, denn dank der niedrigen Inflation steigen die Realzinsen.

Was sind Realzinsen?

Der Realzins bezeichnet die Höhe der Zinsen nach Abzug der Inflation. Bei steigendem Preisniveau verliert das Vermögen also an Wert. Das war in den vergangenen Jahren stets der Fall. Sinken die Preise wie im Moment jedoch, gewinnt das Vermögen an Wert. Dieses Phänomen ist neu.

Zins – Inflation = Realzins

Wendet man diese Rechnung auf die aktuellen Inflationszahlen im September an, dann sind die Vermögen in Deutschland bei einer negativen Inflation von -0,2 % also „real“ um 0,2 % gestiegen. Wer die Ersparnisse bei WeltSparen 1 Jahr lang in Festgeld anlegt, erhält zusätzlich Zinsen. Bei einem Zinssatz von 1,00 % p.a. steigt der Realzins unter Berücksichtigung der negativen Inflation auf 1,2 % p.a., allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich die Inflation auch in den nächsten 12 Monaten nicht verändert.

Können Sparer langfristig mit positiven Realzinsen rechnen?

Der negative Inflationswert im September ist kein Einzelfall. Die Inflation ist bereits seit drei Monaten in Folge leicht deflationär. In der folgenden Grafik ist die Entwicklung seit Beginn des Jahrs nachvollziehbar.

Übersicht über die Inflation in Deutschland 2020 (Verbraucherpreisindex bis September)

Ein Blick auf die Entwicklung des Verbraucherpreisindex offenbart den Grund für die fallenden Preise. Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung vorübergehend die Mehrwertsteuer gesenkt. Aber auch die allgemein sinkende Nachfrage führt zur gedämpften Preisentwicklung.

Bekleidung wird billiger – Alkohol und Tabak weiterhin teuer

Insbesondere die Preise für Bekleidung und Schuhe sind in den vergangenen sechs Monaten gefallen, also kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Die Preisentwicklung für Wohnen, Wasser- und Energieverbrauch sind zwar weiterhin gestiegen, jedoch hat sich die Preissteigerung im Vergleich zum Jahresanfang deutlich verlangsamt und liegt im September erstmals bei 0,0 %.

Die Preise für Nahrungsmittel und Getränke sind von über 4 Prozent im Mai und Juni auf 0,6 % im August und September gefallen. Einziger Preistreiber im Verbraucherpreisindex sind alkoholische Getränke und Tabakwaren mit 2,8 % im September.

Wie wird sich die Inflation entwickeln?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ein Inflationsziel von nahezu 2 % für den Euro-Raum ausgegeben. Dieser Wert gilt unter Ökonomen als eine für die wirtschaftliche Entwicklung Europas förderliche Preisentwicklung und als Richtwert für eine stabile gemeinsame Währung. Doch die Inflation liegt bereits seit Jahren weit unter dieser Zielmarke. Daher versucht die EZB die Inflation durch eine expansive Geldpolitik anzuheben. Deswegen hat sie die Zinsen gesenkt und tritt auf dem europäischen Finanzmarkt als Käufer von Staatsanleihen auf, um mehr Geld in Umlauf zu bringen und dadurch die Preise anzutreiben.

Doch die Maßnahmen der EZB zeigen europaweit noch nicht den gewünschten Effekt. Auch in Deutschland ist die Inflation rückläufig: Während die Preise 2018 noch um 1,8 % gestiegen sind, waren es im vergangenen Jahr nur noch 1,4 %. Für 2020 rechnet das Statistische Bundesamt mit nur noch 0,6 %.

Kommt es zur Deflation in 2021?

Wie sich die Preise im kommenden Jahr entwickeln werden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen und hängt von mehreren Faktoren ab. Sollte es in naher Zukunft einen Impfstoff gegen Covid-19 geben, kann das die Nachfrage wieder ankurbeln, die Wirtschaft würde sich erholen und damit auch die Preise. Wenn sich die Bekämpfung der globalen Corona-Pandemie aufgrund einer zweiten Welle doch noch länger hinauszieht, dann könnten die Preise Ökonomen zufolge noch bis zum Sommer im negativen, deflationären Bereich bleiben.

Bis dahin lohnt es sich umso mehr, die Ersparnisse zu verzinsen und sich die niedrige Inflation zunutze zu machen.

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