07.05.2020 | ca. 6 min. Lesezeit | Artikel drucken

Muttertag während der Corona-Pandemie – zwischen Haushalt, Homeoffice und Homeschooling

Die Coronakrise führt bei vielen Eltern – besonders den Müttern – zum Drahtseilakt zwischen Homeoffice, Homeschooling und Haushalt. Dazu kommen teils finanzielle Einbußen durch Kurzarbeit, Entlassung oder Arbeitszeitreduktion. Und trotzdem schaffen es Mütter immer wieder die täglichen Anforderungen zu meistern. Anlässlich des diesjährigen Muttertags und den aktuellen Entwicklungen rund um die Corona-Pandemie hat WeltSparen einen Blick auf den Status Quo bei der finanziellen Gleichberechtigung geworfen und Frauen nach den wichtigsten Finanztipps für Frauen gefragt. 

Mütter dürften sich dieses Jahr ganz besonders auf den Muttertag freuen: Endlich mal die Füße hochlegen, sich von den Lieben verwöhnen lassen und Anerkennung für ihr Engagement bekommen. Schließlich stehen Mütter seit der Corona-Krise im Alltag vor ganz neuen Herausforderungen: Durch geschlossene Kitas und Schulen müssen Familien Kinder und Arbeit unter einen Hut bekommen. Haushalt, Homeoffice, Homeschooling – oft schultern Mütter in Personalunion die Mammutaufgabe und leisten unbezahlte Familienarbeit.

Der Grund liegt meist im geringeren Einkommen der Frauen. Sie verdienen laut Statistischem Bundesamt noch immer 20 Prozent weniger als Männer, das ist im Durchschnitt ein Verdienstunterschied von 4,44 Euro brutto pro Stunde.¹ Zusätzlich treten vor allem Mütter für Beruf und Kinderbetreuung zurück. Zwei Drittel der erwerbstätigen Mütter arbeiten in Teilzeit, während es bei den Vätern nur rund sechs Prozent sind.² Schlecht bezahlt und unverzichtbar: Frauen arbeiten zudem laut der Bundesagentur für Arbeit in systemrelevanten – jedoch meist gering entlohnten – Jobs.³

So verwundert es nicht, dass ein Thema vor allem für Mütter problematisch ist und in Zukunft noch mehr sein kann: Geld. Aus diesem Anlass fragte Weltsparen mit dem Marktforschungsinstitut YouGov mehr als tausend Frauen nach den wichtigsten Finanztipps, die sie Frauen geben würden.

Die wichtigsten Finanztipps von Frauen für Frauen

Mit zunehmendem Alter zeichnet sich deutlicher ab, welche Entscheidung Frauen in der Vergangenheit lieber anders getroffen hätten. Von diesem geteilten Wissen können junge Frauen lernen und profitieren. Finanzielle Unabhängigkeit ist dabei eine wesentliche Forderung der Frauen.

Nicht in Abhängigkeitsfalle tappen: Finanziell unabhängig bleiben

Für die Studienteilnehmerinnen steht an erster Stelle (54 Prozent), dass sich Frauen von niemanden finanziell abhängig machen sollen. Das bedeutet nicht nur, für finanziellen Ausgleich zu sorgen. Über die Hälfte (51 Prozent) der befragten Frauen rät dazu, Geldangelegenheiten selbstständig und ohne Einmischung von anderen zu regeln. Und zwar auch in der Partnerschaft! Schließlich sagten 46 Prozent der Befragten, Frauen sollten finanzielle Entscheidungen nie blind vor Liebe treffen.

Foto: Finanziell unabhängige Frau  © Cyrus Crossan auf Unsplash (lizenzfrei nutzbar)

Mama Pokerface: Besser und häufiger Gehalt und Verträge verhandeln

Frauen setzen beim Einstiegsgehalt oftmals zu niedrig an, verhandeln seltener ihr Gehalt und wählen offenbar häufig niedriger bezahlte Berufe, so dass das Einkommen auf lange Sicht deutlich geringer ausfällt. Laut Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Freien Universität Berlin verdienen Frauen nur halb so viel wie Männer in ihrem Erwerbsleben – in Zahlen durchschnittlich rund 830.000 Euro gegenüber 1,5 Millionen Euro Lebenserwerbseinkommen bei den Männern.4 Bei Gehaltsverhandlungen scheinen Männer erfolgreicher zu sein. So ermutigen 40 Prozent der Befragten andere Frauen, das Gehalt und Verträge mit Courage anzupacken und häufiger zu verhandeln.

Foto: Erfolg beim Gehaltspoker: vier Asse auf der Hand © Ursula Castillo auf Unsplash (lizenzfrei nutzbar)

Nicht in der Schuldenfalle landen: Geld bewusst ausgeben

Im Durchschnitt ist jeder Deutsche mit 29.000 Euro verschuldet.5 Eine große Bürde. Kein Wunder, dass die Hälfte der Befragten anderen Frauen empfiehlt, Schulden zu vermeiden, da auch diese zu Abhängigkeit führen. Besonders unnötige Verbraucherkredite sollten in jedem Fall hinterfragt werden. Hier hilft vor allem bewusster Konsum: So empfehlen jeweils 36 Prozent der befragten Frauen, auf Preisnachlässe und Rabattaktionen zu achten sowie regelmäßige Ausgaben für Abonnements, Mitgliedschaften und Versicherungen zu überprüfen und reduzieren.

Foto: Einkaufen nur mit Sinn und Verstand © Bianca Lucas auf Unsplash (lizenzfrei nutzbar)

Lieber ein Frühzünder beim Vermögensaufbau sein – auch mit Kleckerbeträgen

Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt für den Vermögensaufbau. Einfach loslegen befürworten 38 Prozent der befragten Frauen. Sie empfehlen, einfach mit dem Sparen anzufangen, auch wenn zunächst noch nicht viel zur Seite gelegt werden kann. Denn selbst kleinere Beträge – beispielsweise im Sparplan – können auf Dauer solide Vermögen aufbauen, raten rund vier von zehn der Befragten. Denn je früher mit dem Sparen und Investieren angefangen wird, desto besser lassen sich langfristige Zinseszinseffekte ausnutzen.

Foto: Morgenstund hat Gold im Mund – einfach starten! © Danielle MacInnes auf Unsplash (lizenzfrei nutzbar)

Fokussiert Vermögen aufbauen durch definierte Sparziele

Solide Altersvorsorge, Weltreise oder Eigenheim? Einen weiteren Tipp zum Vermögensaufbau gaben 30 Prozent der Befragten: Es hilft, finanzielle Ziele klar zu definieren, um sie fokussiert klar vor Augen zu haben. Auf ein konkretes Ziel zu sparen ermöglicht Motivation und Fokus, verbessert die Erfolgskontrolle für das Erreichte und lässt die Vorfreude steigen.

Foto: Frau vor Traumvilla © Jared Rice auf Unsplash (lizenzfrei nutzbar)

“Die Belange von Frauen und Familien gehören mehr in den Mittelpunkt unserer Gesellschaft. Unsere Wirtschaft ist auch heute noch stark männlich geprägt. Das sehen wir in der aktuellen Situation rund um die Corona-Pandemie ganz besonders zum Nachteil vieler Frauen. Für diese Themen muss mehr Öffentlichkeit und Bewusstsein geschaffen werden, damit Frauen und Mütter sich finanziell gut absichern und ausreichend für das Alter vorsorgen können – aber auch die Dinge in die eigene Hand nehmen”, kommentiert Dr. Tamaz Georgadze, Mitgründer und CEO von WeltSparen die Studienergebnisse.

Foto: Dr. Tamaz Georgadze, CEO und Mitgründer von Raisin / WeltSparen © Lukas Schramm (lizenzfrei nutzbar)

Zur Studie

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH im Auftrag von WeltSparen, der Raisin DS GmbH, an der 2034 Personen – 1.044 Frauen und 990 Männer – zwischen dem 28.02.2020 und 02.03.2020 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Zusätzliche Quellen

1 Statistisches Bundesamt (16.03. 2020): “Gender Pay Gap 2019: Frauen verdienten 20 % weniger als Männer – Verdienstunterschied bei 4,44 Euro brutto pro Stunde”
2 Statistisches Bundesamt (21.08.2019): “Vollzeit- und Teilzeitquote von erwerbstätigen Männern und Frauen mit Kindern 2018”
3 Bundesagentur für Arbeit (30.06.2019): “Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Wirtschaftszweigen”
4 Bertelsmann Stiftung (17.03.2020): “Die große Kluft: Frauen verdienen im Leben nur halb so viel wie Männer”
5 Statistisches Bundesamt (28.05.2019): “Durchschnittliche Schulden je Gläubigerart, 2018”

 

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