31.01.2019 | ca. 6 min. Lesezeit | Artikel drucken

Was Sie über Quellensteuer und Zinsen in Europa wissen müssen

Auf der Jagd nach hohen Erträgen stolpern Sparer in einigen europäischen Ländern über eine Quellensteuer für Zinsen oder Dividenden. Hier finden Sie wichtige Informationen zum Steuersatz und erfahren, in welchem Fall Sie sich einbehaltene Steuern zurückholen können.

Die Besteuerung von Zinseinkünften ist in den Mitgliedstaaten der EU zwar weitgehend harmonisiert, allerdings nicht ganz. Denn einige Länder erheben eine Quellensteuer, die sich in ihrer Höhe (Quellensteuersatz) von Land zu Land (Quellenstaaten) unterscheidet. Wir erklären Ihnen, welche Länder eine solche Steuer auf Einkünfte erheben und wie man sich diese vom Fiskus zurückholt.

Was ist die Quellensteuer?

Die Quellensteuer ist eine Steuer auf Kapitalerträge wie Zinsen oder Dividenden, die direkt an der Quelle der Auszahlung – also von der Bank des jeweiligen Landes – einbehalten und an das zuständige Finanzamt im Ausland (Quellenstaat) abgeführt wird.

Wie hoch ist der Quellensteuersatz?

Am Beispiel von Tages- oder Festgeldeinlagen im Ausland kann ein Quellensteuersatz in Höhe von 0 % bis zu 35 % anfallen, je nach den Steuergesetzen des jeweiligen Landes. Eine vollständige Übersicht über die Höhe der Quellensteuersätze in jedem EU-Land finden Sie hier.

Wer ist quellensteuerpflichtig?

Alle Personen, die Kapitalerträge aus Zinsen oder Dividendenzahlungen erhalten, sind quellensteuerpflichtig, wenn in dem Land ein Quellensteuerabzug erfolgt. Zusätzlich zur Quellensteuer im Ausland gibt es eine Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge in Deutschland. Daher kann es bei ausländischen Zinseinnahmen in Einzelfällen zu einer Doppelbesteuerung kommen. Dagegen können Sparer jedoch etwas tun:

Wie kann ich die doppelte Besteuerung verhindern?

Der einfachste Weg führt Sparer in Länder ohne Quellensteuerabzug. Dazu gehören Estland, Frankreich, Großbritannien, Luxemburg, Italien, Malta, Norwegen und Schweden. Bei Tages- oder Festgeld in diesen Ländern müssen Sie keinen Nachweis erbringen. Die Partnerbanken von WeltSparen in diesen Ländern finden Sie hier:

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Kann ich mir die Quellensteuer zurückholen?

Ganz vermeiden können Sparer die doppelte Besteuerung in einigen Ländern zwar nicht, aber man kann sie mildern. Deutschland hat mit über 80 Staaten ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen. Dieses legt fest, zu welchem Anteil der ausländische Quellensteuersatz auf die deutsche Abgeltungssteuer angerechnet werden kann. In einigen Fällen kann die Quellensteuer im Rahmen der Einkommensteuererklärung angerechnet werden. In der folgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht über die Länder, in denen es eine Quellensteuer gibt, sowie die Anrechenbarkeit bei der Steuererklärung und die erforderlichen Unterlagen:

Quellensteuer: Anrechenbarkeit und erforderliche Unterlagen.

Welche Unterlagen muss ich einreichen?

Meistens müssen Steuerpflichtige eine Ansässigkeitsbescheinigung abgeben. Dies trifft für Zinseinnahmen aus Bulgarien, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Spanien, die Slowakische Republik und die Tschechische Republik zu. Gemäß Doppelbesteuerungsabkommen muss die zuständige Finanzbehörde Ihren Wohnsitz in Deutschland bestätigen. In Irland hingegen genügt eine Erklärung des Wohnsitzes ohne finanzamtliche Bestätigung.

In Deutschland bzw. bei den deutschen Partnerbanken von WeltSparen ist die steuerliche Freistellung im Rahmen von Grundfreibeträgen generell mit einem Freistellungsauftrag bzw. einer Nichtveranlagungsbescheinigung möglich (siehe unten).

In Österreich müssen natürliche Personen eine „Erklärung für Zwecke innerstaatlicher Quellensteuerentlastung“ ausfüllen, ein ähnliches Dokument gibt es in Portugal. Detaillierte Informationen zu den Voraussetzungen für die Teilerstattung der Quellensteuer finden Sie hier.

Ich lebe in Deutschland, warum muss ich eine Ansässigkeitsbescheinigung abgeben?

Manche Banken müssen gemäß den gesetzlichen Vorgaben ihres Landes eine Ansässigkeitsbescheinigung des zuständigen Wohnsitzfinanzamtes einholen, bevor sie die Quellensteuer teilweise erstatten. Wir versuchen, den Prozess für Sie so einfach wie möglich zu gestalten und stellen Ihnen alle erforderlichen Unterlagen rechtzeitig in der Postbox Ihres Onlinebanking zur Verfügung.

Kann ich einen Freistellungsauftrag oder eine Nichtveranlagungsbescheinigung einreichen?

Für die Quellensteuer auf Zinseinnahmen von Tages- und Festgeldkonten im Ausland kann kein Freistellungsauftrag (FSA) an die dort ansässige Bank erteilt werden. Es gibt auch keine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung). Falls bei Ihrem Konto im Ausland eine Quellensteuer anfällt, wird diese sofort von den Zinseinnahmen abgezogen. Die reduzierte Quellensteuer kann im Rahmen der Einkommensteuer-Erklärung (bzw. Lohnsteuer) angerechnet werden.

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Wo kann ich einen FSA oder eine NV-Bescheinigung einreichen?

Wenn Sie Tages- oder Festgeld über eine unserer deutschen Banken abschließen, können Sie einen Freistellungsauftrag stellen bzw. eine Nichtveranlagungsbescheinigung einreichen. Den FSA erhalten Sie bereits mit der Festgeldbestätigung in Ihrer Postbox im Onlinebanking. Die NV-Bescheinigung erhalten Sie auf Antrag bei Ihrer zuständigen Finanzbehörde. Bitte senden Sie die Unterlagen an WeltSparen – wir leiten diese dann kostenlos an unsere entsprechende deutsche Partnerbank weiter.

Gibt es für Wertpapiere eine Quellensteuer?

Ja, bei Wertpapier-Erträgen im Ausland – beispielsweise durch Zinsen von Anleihen oder Dividenden von Aktien – gibt es ebenfalls eine Quellensteuer, die von der Depotbank des Anlegers an das Finanzamt des Landes abgeführt wird. In Deutschland muss die Depotbank dann nochmal Steuern im Rahmen der Kapitalertragsteuer ans Finanzamt abführen, wenn der Sparerfreibetrag des Freistellungsauftrags überschritten wurde.

Wie hoch ist der Sparerfreibetrag mit einem Freistellungsauftrag?

In Deutschland gelten Grundfreibeträge für Einkünfte aus Kapitalvermögen (auch Sparerpauschbetrag oder Sparerfreibetrag genannt). Derzeit sind das 801 Euro p.a. für Ledige und 1.602 Euro p.a. für Verheiratete. Einen FSA oder eine NV-Bescheinigung können Kunden nur für die deutschen Partnerbanken von WeltSparen nutzen, da die ausländischen Banken keine deutsche Kapitalertragsteuer einbehalten und abführen dürfen. Das heißt, für Erträge aus dem Ausland läuft die Anrechnung direkt über die Steuererklärung.

Kann ich für WeltInvest einen FSA einrichten?

Ja, das können Sie! In diesem Fall geschieht das bei der Depotbank DAB BNP Paribas. Auch hier stellen wir Ihnen den FSA nach erfolgreicher Überweisung der Anlagesumme automatisch mit Ihren Daten vorausgefüllt in der elektronischen Postbox im WeltSparen Onlinebanking zur Verfügung. Einfach ausdrucken, ausfüllen und eingescannt per E-Mail oder per Post an WeltSparen schicken – wir leiten das Dokument dann an die Depotbank weiter.

Gibt es eine Quellensteuer für ETF-Portfolios?

Ja, die gibt es. Wer über Fonds in ausländische Aktien investiert, kann daraus Dividendenzahlungen ausschütten oder die Erträge werden erneut angelegt (thesauriert). Auch dafür kann eine Quellensteuer fällig werden. Mit der Investmentsteuerreform 2018 entfällt bei Fonds die Anrechnung der ausländischen Quellensteuer auf die deutsche Abgeltungssteuer (Kapitalertragsteuer). Dafür erhalten Anleger eine Teilfreistellung, die bei Aktienfonds 30 % beträgt. Die Fondsgesellschaft kümmert sich darum, die Erstattung der Quellensteuer zu erhalten und legt den Betrag in der Regel neu an.

 

Hinweis: Als Service von WeltSparen erhalten alle Kunden im ersten Quartal jeden Jahres kostenlose Unterlagen und Informationen zu ihren Anlagen, sofern sie steuerlich relevant sind – einfach ausdrucken und für die Erstellung der Steuererklärung nutzen. Dieses Jahr erfolgt der Versand der Unterlagen im März.

Disclaimer: Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel keine Steuerberatung ist. Wir übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit der Angaben. Für Details wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater bzw. Ihr Finanzamt. Für die Reduzierung der Quellensteuer beachten Sie auch die Verfahrenshinweise im Abschnitt „Einzureichende Unterlagen bei Partnerbanken“.