05.11.2015 | ca. 3 min. Lesezeit | Artikel drucken

Ulf Potschka im Interview

Heute freuen wir uns, dass wir Ulf Potschka als Interviewpartner gewinnen konnten.

Ulf Potschka, hat vor nun mehr als 7 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und die get up! medien gegründet. Heute ist er erfolgreicher Publisher mit den Themenschwerpunkten Finanzen und Reisen. Im Bereich Finanzen betreibt er diverse Vergleichsportale, wie zum Beispiel: bankenonline.org oder depot-konto-vergleich.de

 

Mit den niedrigen Zinsen auf Sparprodukte in Deutschland, erscheinen Festgelder im europäischen Ausland immer attraktiver. Wie sicher ist Festgeld im europäischen Ausland? Gab es bisher schon einen Fall, dass ein Kleinanleger sein Erspartes bis 100.000 EUR nicht mehr bekommen hat?

Die Festgeldangebote in Europa können häufig mit attraktiven Zinsen im Vergleich zu rein auf den deutschen Markt beschränkten Festgeldern punkten. Festgeldanlagen in Ländern der Europäischen Union sind durch die Einlagensicherungssysteme des jeweiligen Landes abgesichert. In Ländern der EU sind Einlagen von 100.000 Euro pro Anleger gedeckelt. Im Fall einer Insolvenz eines Bankhauses greifen diese nationalen Einlagensicherungsfonds und entschädigen die betroffenen Sparer. Zwar monieren Kritiker immer mal wieder, dass vermutlich nicht alle Länder von ihrem Haushalt her in der Lage wären, die Anleger im Fall einer Bankenpleite wie gesetzlich verankert in 20 Werktagen zu entschädigen, wirkliche Schwierigkeiten würden jedoch erst bei Pleiten mehrerer Banken eines Landes entstehen. Solche Szenarien sind aber zunächst einmal Spekulation. Ab Juni 2016 soll außerdem die Bearbeitungsdauer in derartigen Entschädigungsfällen sogar auf 7 Werktage sinken. Viele Banken sind zusätzlich in freiwilligen Einlagensicherungsfonds organisiert, die dann einspringen und teilweise auch höhere Einlagen absichern. Bisher wurden deutsche Sparer immer entschädigt, wenn eine Bank in Schieflage geriet. So war es im Fall der lettischen Parex Bank. Im Rahmen der Finanzkrise 2008 geriet diese in Schwierigkeiten und wurde dann mit Krediten der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds unterstützt. So erhielten deutsche Sparer ihr Geld vollständig zurück. Diese Bank wurde dann schließlich abgewickelt. Diese Aspekte zusammen genommen bin ich daher der Meinung, dass man Festgeldanlagen in Ländern Europas durchaus als sicher bezeichnen kann.

 

Wenn Kunden sich über die Konditionen informieren entsteht immer wieder Verwirrung: Was ist der nominale, was der effektive Zins und was ist der Unterschied? Wie wirkt sich der Zeitpunkt der Zinszahlung auf den effektiven Jahreszins aus?

Klingt auf den ersten Blick tatsächlich umständlich, doch dahinter stehen ein einfacher Sachverhalt und ein Effekt, der die Augen von Festgeldsparern leuchten lässt: Der Zinseszinseffekt. Während der Nominalzins den Zins bezeichnet, den man auf das Jahr errechnet erhält, beruht der effektive Zins auf dem Nominalzins und den bereits erhaltenen Zinsgutschriften, für die wiederum Festgeldzinsen gutgeschrieben werden. Wichtig bei mehrjährigen Festgeldanlagen ist der Zeitpunkt der Zinszahlung. Man kommt nur in den Genuss des Zinseszinseffekts bei mehrfacher Zinszahlung, zum Beispiel monatlich, quartalsweise oder am Ende des Jahres. Werden die Zinsen hingegen erst zum Ende der Laufzeit ausgezahlt, entfällt der Zinseszinseffekt und der Nominalzins ist höher als der effektive Jahreszins.

Vielen Dank! Nächste Woche sprechen wir über Angebote im europäischen Ausland und die Zukunft der Zinsen.

Das Interview führte Nadja Hirsch, Head of Communications