06.06.2017 | ca. 3 min. Lesezeit | Artikel drucken

So übernehmen Kleinanleger den Job der Europäischen Zentralbank

Nach einer aktuellen Studie der EZB-Bank landen etwa 90 Prozent in den fünf finanzstarken Ländern Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Luxemburg und Finnland. Dass sich das Geld in einigen reichen Euro-Ländern sammelt, widerspricht nicht nur den Zielen der EZB-Maßnahmen. Es erklärt auch, warum große Banken in Deutschland und den Nachbarländern ihre Kunden mit Null- oder sogar Negativzinsen abspeisen.

 

Vollkommen erklären können die Studienautoren nicht, wie es zu diesen Liquiditätsklumpen kommt. Externe Faktoren scheinen aber eine wichtige Rolle zu spielen: So ziehen erstens „gesündere“ Banken mehr Einleger als andere an. Zweitens machen es konservative Regeln für die Banken unattraktiver, an andere Banken innerhalb des Euro-Währungsgebiets zu verleihen. Das bedeutet, dass Banken in liquiden Ländern immer noch zögern, über die Grenzen hinweg Geld zu verleihen – und dies fast 10 Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise. „Es scheint, dass nach der Finanzkrise die Risikoaversion generell zugenommen hat“, schreiben die Autoren des Papiers.

Dass sich das Geld in einigen reichen Euro-Ländern sammelt, statt dorthin zu fließen, wo es am meisten gebraucht wird, widerspricht nicht nur den Zielen der EZB-Maßnahmen. Es erklärt auch, warum große Banken in Deutschland und den Nachbarländern ihre Kunden mit Null- oder sogar Negativzinsen abspeisen: Sie benötigen derzeit schlichtweg keine Einlagen von Privatkunden.

So zahlen die größten Banken in Deutschland ihren Kunden für ein einjähriges Festgeld im Schnitt gerade einmal 0,03 Prozent – vor Steuern, versteht sich. In den Niederlanden sind es sogar nur 0,02 Prozent. Die Differenz zu den besten Angeboten im gleichen Markt ist haarsträubend: In Deutschland lassen sich im gleichen Zeitraum derzeit Zinsen von bis zu 0,8 Prozent erwirtschaften, im EU-Ausland sogar bis zu 1,35 Prozent.

Private Anleger machen übrigens gerade im Kleinen vor, was die EZB-Politik anstrebt, aber nicht schafft: Über Zinsportale wie WeltSparen legen sie ihr Erspartes nicht bei den Großbanken an, sondern bei mittleren und kleinen Geldhäusern – und vor allem in ganz Europa. Persönlich profitieren sie von den höheren Zinsen, makroökonomisch kurbeln sie das Wachstum an – sowohl in der Peripherie als auch in den EU-Kernländern.

Das ist aber eben nicht nur für Kunden interessant, sondern gerade auch für europäische Banken. Sie können so die eigene Liquidität und damit den Spielraum für Kreditvergabe als Basis für das eigene Wachstum erhöhen. Bereits über 30 Banken kooperieren deshalb bereits mit WeltSparen. Denn hier erreichen sie Anleger aus ganz Europa, kostengünstig und direkt.

Den Gastbeitrag von Dr. Tamaz Georgadze finden Sie auch auf www.huffingtonpost.de