27.05.2019 | ca. 5 min. Lesezeit | Artikel drucken

Fakt oder Fiktion: Führt ein Sparplan zu höheren Renditen?

Mit einem Sparplan profitieren Anleger vom Durchschnittskosten-Effekt. Aber führt der auch zu höheren Renditen? Hier erfahren Sie, in welchen Marktphasen ein ETF-Sparplan am besten wirkt und wann Anleger damit im Vergleich zu einer Einmalanlage schlechter abschneiden.

Anbieter von Wertpapieren werben mit dem Cost-Average-Effect – zu Deutsch: Durchschnittskosten-Effekt – für ihre Fonds-Sparpläne. Doch entgegen der allgemeinen Wahrnehmung führt dieser Effekt nicht automatisch zu einer höheren Rendite als bei einer Einmalanlage. Wir unterscheiden in diesem Artikel zwischen Fakt und Fiktion:

Fakt: Kaufpreise nähern sich dem Durchschnitt

Ein Sparplan eignet sich in der Regel für risikoscheue Investoren oder für solche, die zu Beginn keinen großen Betrag auf einmal (Einmalanlage) investieren können. Handelt es sich z.B. um einen ETF-Sparplan, dann ist es sinnvoll, mit monatlichen Sparraten ein Portfolio aus Aktien aufzubauen.

Der Zeitpunkt des Markteintritts ist dabei unerheblich. Sind die Einstiegskurse zu Beginn sehr hoch, werden monatlich weniger Anteile gekauft. Fallen die Kurse hingegen im Wert, werden mehr Anteile gekauft (siehe Grafik).

Einfaches Beispiel des Durchschnittskosten-Effekts.

Der große Vorteil für Investoren ist, dass sie sich keine Gedanken mehr um den richtigen Einstiegszeitpunkt machen müssen, weil sich die Preise im Zeitverlauf einem Durchschnitt annähern. Dass Anleger dadurch immer eine höhere Rendite erzielen, ist hingegen eine Fiktion.

Fiktion: Keine automatisch höhere Rendite

Viele Anbieter vergleichen den Sparplan mit der Einmalanlage, aber unter falschen Voraussetzungen. Zum Beispiel vergleichen sie einen Sparplan über 1 Jahr mit einer monatlichen Einzahlung von 1.000 EUR mit einer Einmalanlage von 12.000 EUR. Dies ist falsch, weil in beiden Fällen die Investitionssumme im zeitgewichteten Durchschnitt unterschiedlich hoch ist. Bei der Einmalanlage können die investierten 12.000 EUR sofort in vollem Umfang Gewinne erzielen. Bei dem Sparplan hingegen sind nach einem halben Jahr erst 6.000 Euro investiert, nach 9 Monaten erst 9.000 Euro usw. Die Wertentwicklung eines Aktienfonds-Sparplans kann bei steigenden Kursen mit der einer Einmalanalge also nicht mithalten.

Um zu verdeutlichen, wie der Cost-Average-Effect tatsächlich wirkt, untersuchen wir die Wertentwicklung eines ETF-Sparplans* in einem steigenden und einem fallenden Marktumfeld mithilfe eines Rechenbeispiels und vergleichen diese mit der Einmalanlage.

Sparplan-Effekt bei steigenden Aktienkursen

Bei einer jährlichen Wertentwicklung von 19,3 % wird aus einer Einmalanlage von 12.000 EUR zum Ende des Jahres 14.316 EUR. In dem Rechenbeispiel hat ein Anteil den Wert von 100 EUR und zu Beginn der Laufzeit werden 120 Anteile gekauft.

Wer hingegen einen Sparplan abschließt und monatlich 1.000 EUR investiert, hat am Ende des Jahres nur 13.506,93 EUR erzielt. Durch die steigenden Preise während der Laufzeit können Monat für Monat immer weniger Anteile (112, 94) für den fixen Sparbetrag von 1.000 EUR erworben werden.

Sparplan-Effekt bei fallenden Aktienkursen

Wenn die Aktienkurse hingegen fallen, verhält es sich genau umgekehrt. Bei einer jährlichen Wertentwicklung von -10,5 % und einer Einmalanlage von 12.000 EUR bleiben am Ende des Jahres nur noch 10.740 EUR übrig, das entspricht einem Verlust von 1.260 EUR. Alle 120 erworbenen Anteile verlieren über das Jahr hinweg gleichzeitig an Wert.

Beim Sparplan fallen die Verluste geringer aus, weil Monat für Monat mehr Anteile zu günstigeren Preisen gekauft werden können. Am Ende des Jahres sind aus den monatlichen Einzahlungen von 1.000 EUR zwar 11.532,44 EUR geworden, was einem Verlust von 467,56 EUR entspricht. Allerdings ist dieser Verlust mit -3,9 % wesentlich niedriger als bei der Einmalanlage.

Vorteile eines Sparplans nutzen

Die Rechenbeispiele verdeutlichen, dass ein monatlicher Sparplan bei einem Abschwung der Märkte Verluste begrenzen und bei einem Aufschwung die Wertsteigerung nicht vollumfänglich mitmachen kann. Dieses Wissen kann Investoren bei der Entscheidung helfen, ob der Sparplan die richtige Anlagelösung für sie ist. Abseits des Cost-Average-Effects hat ein Sparplan viele weitere Vorteile:

  • Regelmäßiges Sparen löst einen positiven psychologischen Effekt aus: Das eigene Vermögen wachsen zu sehen ist ein Erfolgserlebnis, was sich wiederum positiv auf die Disziplin auswirkt.
  • Die automatisierten und regelmäßigen Investitionen nehmen dem Anleger viel Arbeit ab, ohne sich jedes Mal neu Gedanken über teure Einstiegskurse oder das Produkt machen zu müssen.
  • Ein Sparplan sorgt dafür, dass Anleger stetig und nach festen Regeln investieren und dem Investitionsziel Stück für Stück näherkommen
  • Bei fallenden Kursen haben Anleger nicht das Gefühl, dem Markt ausgeliefert zu sein.

Fazit: Sparplan oder Einmalanlage?

Einen automatischen Renditevorteil gibt es mit einem Sparplan nicht. Risikoscheue Investoren können sich durch einen schrittweisen Einstieg in den Aktienmarkt aber an das Auf und Ab der Börse gewöhnen. Für sie kommt eine größere Einmalanlage in der Regel nicht in Frage. Wer einen Teil des monatlichen Einkommens investieren möchte, um sich langsam an die Börse heranzutasten, für den ist ein Sparplan hingegen besser geeignet als eine große Einmalanlage.

WeltInvest: Diversifiziert - Einfach - Kostengünstig.

*Hinweis: Die nicht investierten Sparplanbeträge wurden im Rechenbeispiel mit 0,60 % verzinst (Tagesgeld-Zins über WeltSparen).

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

Risikohinweis: Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Der Wert der vermittelten ETF und Indexfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen und folgenden Risiken: 1. Allgemeine Risiken von Kapitalanlagen (wie Konjunkturrisiko, Zinsänderungsrisiko), 2. Wertpapierspezifische Risiken (wie Aktienkursrisiko, Bonitätsrisiko), 3. Spezielle Risiken von Anlagen in Investmentfondsanteile, 4. Spezielle Risiken von Anlagen in ETFs und Indexfonds, 5. Spezielle Risiken bei der Abwicklung von Wertpapieraufträgen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Risiken finden Sie hier.