18.03.2020 | ca. 7 min. Lesezeit | Artikel drucken

Coronavirus: Warum es sich lohnt, optimistisch zu sein

Weltweit spitzt sich die Lage angesichts des Coronavirus (Covid-19) zu. Was Gesellschaft und Wirtschaft nun brauchen, sind intergenerationale Solidarität und Vertrauen in die Tatkraft der betroffenen Staaten – und es gibt bereits einige gute Nachrichten. 

Fakt ist: Wenn wir jetzt zusammenarbeiten, können wir Menschenleben retten. Ziel aller aktuellen Anstrengungen ist es, die Verbreitung des Virus so weit einzudämmen, damit unsere Gesundheitssysteme vor dem Kollaps verwahrt bleiben. Viele der notwendigen Ressourcen sind aufgrund der aktuellen Grippesaison bereits stark beansprucht. Je weiter wir das Coronavirus bzw. die absolute Zahl der Infizierten durch geeignete schützende Maßnahmen zeitlich hinauszögern können, desto besser kann das Gesundheitswesen reagieren. Die Bundesregierung appelliert an alle, insbesondere zum Schutz der geschwächten, vorerkrankten und alten Menschen, mitzuhelfen, die Ausdehnung zu verlangsamen. „Flattening the Curve“ oder zu deutsch „Abflachung der Kurve“ nennt sich die angestrebte Eindämmungsstrategie. Der Ausdruck wurde von Experten für öffentliche Gesundheit geschaffen und bezieht sich auf eine Epidemiekurve, die die zeitliche Verteilung der Fälle für eine Infektion aufzeigt. Das Ziel: die Infektionen über die Zeit verteilen, sodass das Gesundheitssystem nicht mit einer Flut von Fällen überlastet wird und Engpässe somit vermieden werden können.

Diese Kurve veranschaulicht sehr deutlich, warum öffentliche und individuelle Anstrengungen zur Eindämmung der Verbreitung des Virus durchaus entscheidend sind. Die gestrichelte Linie, die das Diagramm teilt, kennzeichnet außerdem die begrenzte Kapazität des Gesundheitssystems. Sobald die Anzahl der Infizierten diese Linie überschreitet, wird es weitaus schwieriger, eine patientenzentrierte Versorgung zu etablieren. Die beste Methode, die Infektionsrate zu verlangsamen und die Kurve als Folge abzuflachen, ist, sich die Hände gründlich zu waschen, große Menschenmassen zu vermeiden und sogenanntes “Social distancing” zu betreiben, betonen Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens.

Mehr als 84.000 Menschen sind wieder gesund

Inmitten all der Angst, den Quarantänen und der Vorratshaltung von Lebensmitteln gerät derzeit eine Tatsache in den Hintergrund: Die große Mehrheit der Infizierten erholt sich von der Krankheit. Ein von der Johns Hopkins University of Medicine aufgestellter Coronavirus-Tracker zeigt, dass sich weltweit mehr als 84.000 Menschen von dem Virus erholt haben (Stand 19.3.20). Experten gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Denn bei den meisten Betroffenen verursacht das Coronavirus nur leichte oder mäßige Symptome wie Fieber und Husten. Viele Infizierte zeigen aber auch keinerlei Symptome und werden folglich nicht getestet. Gemäß des Berichts der China-Mission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlaufen rund 80 % der Erkrankungen milde bis moderat, sodass sich die meisten Patienten in der Folge von selbst erholen.

Nach weiteren Angaben der WHO erholen sich Menschen mit leichter Krankheit in etwa zwei Wochen, während die Genesung bei Menschen mit schwereren Beschwerden drei bis sechs Wochen dauern kann. Auf dem chinesischen Festland, wo das Virus offenbar erstmals auftrat, wurden knapp 81.000 Menschen mit dem Virus diagnostiziert, wovon rund 57.700 wieder gesund sind (Stand 19.3.20).

Positive Meldungen zu Corona

Vor einer Woche wurde das letzte von einem Dutzend provisorischer Krankenhäuser in Wuhan, in denen der Ausbruch des Coronavirus begann, offiziell geschlossen – ein Zeichen dafür, dass die Bemühungen der Behörden zur Eindämmung des Virus in der Tat Wirkung zeigen.

Mehrere internationale Publikationen teilten die gute Nachricht über die Schließung der letzten provisorischen Krankenhäuser. Grund dafür ist die stark gesunkene Zahl an Neuansteckungen: Gemäß dem Nationalen Institut für Gesundheit wurden am Sonntag 16 Neuansteckungen bestätigt, gegenüber 20 am Tag zuvor. Letzte Woche waren es noch 40 neue Fälle. Die Zahl ist damit insgesamt so niedrig, dass Wuhan’s etablierte Krankenhäuser damit zurechtkommen. Während die provisorischen Krankenhäuser geschlossen wurden, wird die Stadt Wuhan allerdings immer noch im Lockdown gehalten. Lokale Medien berichteten zudem über die Erholung von Zhang Guangfen. Die 103-Jährige war weitgehend gesund und hatte nur eine leichte chronische Bronchitis als zugrunde liegendes Gesundheitsproblem. Guangfen ist die älteste Person, die sich sofern von Covid-19 erholt hat.

Überdies haben auch Ärzte in Indien das Coronavirus erfolgreich behandelt. Sie verwendeten eine Kombination von diversen Medikamenten, die unter anderem gegen HIV und Malaria eingesetzt werden. Rohit Kumar Singh, Chief Secretary für Gesundheit und Medizin, bestätigte in der indischen Ausgabe der Economic Times den Erfolg. Der Zustand der Patienten habe sich nach der Verabreichung der Anti-HIV-Medikamente verbessert. Drei von vier Patienten wurden nun für “coronavirenfrei” erklärt – das Erfreuliche daran ist, dass alle drei Patienten älter sind und die erfolgreiche Wirkung des Medikaments vor allem für die Behandlung von Personen der Risikogruppe eine große Sache ist.

Gute Nachrichten gibt es auch zum Thema Impfstoff: Die israelische Tageszeitung Ha’aretz berichtete am Donnerstag, dass Wissenschaftler des israelischen Instituts für biologische Forschung kürzlich einen bedeutenden Durchbruch im Verständnis des biologischen Mechanismus und der Eigenschaften des Coronavirus’ erzielt haben. Aktuell bestehen auch in China, den USA, und Deutschland Impfstoffprojekte. Die Erprobung eines passenden Impfstoffes wird voraussichtlich aber erst 2021 beendet sein.

Solidarität ist der beste Wirkstoff: Europa hält zusammen

Neben “Flattening the curve” tauchen auch Formulierungen wie „Social distancing“ und „Selbstquarantäne“ auf – Strategien, die im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus greifen und die Gesundheit jeglicher Bevölkerungsgruppen schützen sollen. Die Hoffnung dabei ist, dass es gelingt, solidarisch in der Krise miteinander umzugehen. Fast alle EU-Staats- und Regierungschefs treffen daher ähnliche Schritte für ihre Bevölkerung, um die Verbreitung des Virus so schnell es geht einzudämmen. Dabei geht es nicht nur um europaweite Schließungen von sozialen und gesellschaftlichen Einrichtungen oder um die Ermutigungen, soziale Kontakte komplett zu meiden. Die Bundesregierung und die Europäische Union setzen sich auch für wirtschaftliche Unterstützung ein und arbeiten an milliardenschweren Finanzierungshilfen. Darin werden Investitionen und Entwicklungsprojekte zugesichert und in Schwierigkeiten geratene Unternehmen unterstützt. Es gilt: Alle müssen an einem Strang ziehen, um andere gesund zu erhalten und um weitere Schäden für die Wirtschaft so weit wie möglich abzuwenden. Dies betont Bundeskanzlerin Angela Merkel mit folgenden Worten auch in ihrer TV-Ansprache vom 18.03.2020:

„Ich glaube fest daran, dass wir diese Aufgabe bestehen, wenn wirklich alle Bürgerinnen und Bürger sie als ihre Aufgabe begreifen.“

Ein Appell an die Menschlichkeit

Experten sind überzeugt, dass “Social Distancing”, sprich der Verzicht auf ein soziales Miteinander, oder Selbstquarantäne entscheidend und derzeit die besten Mittel sind, die wir im Hinblick auf die aktuelle Lage haben. Denn beide Strategien bremsen die Beschleunigung des Virus weiter aus, die entsteht, wenn potenziell Infizierte mit Nicht-infizierten interagieren. Obwohl beide Reaktionen extrem erscheinen mögen, sind sie im Kampf gegen Epidemien und Pandemien eine bewährte Praxis – Social Distancing rettete sowohl während der Spanischen Grippepandemie von 1918 als auch in Mexiko-Stadt während der Grippepandemie 2009 Tausende von Leben. Das Verständnis dazu scheint allerdings noch nicht überall gleich. In Zeiten nationaler Krisen müssen die Regierungen also nicht nur handeln, sondern auch beraten und informieren, um Verunsicherungen zu beseitigen. Denn bei ausreichendem Verständnis, weiss die Bevölkerung die nötige Unterstützung aufzubringen, die entscheidend dafür ist, ob und wie erfolgreich die notwendigen Maßnahmen umgesetzt werden können.

Weltweit sind enorme wissenschaftliche und medizinische Anstrengungen im Gange, um die Genetik und Übertragung des Virus zu verstehen – bereits mit Erfolg. Inzwischen geht es nun darum, Zeit zu gewinnen: Das bedeutet, die Ausbreitung mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln so weit wie möglich zu verlangsamen. Und dies ohne Panik und Ignoranz, sondern mit grundlegendem Vertrauen und einem starken Appell an die Solidarität. Denn dieser Optimismus wird uns helfen, eine Krise wie diese erfolgreich zu bewältigen und gestärkt aus ihr hervorzugehen.

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