03.10.2019 | ca. 4 min. Lesezeit | Artikel drucken

30 Jahre Mauerfall: WeltSparen-Studie zum Tag der Deutschen Einheit

Ist die Bundesrepublik knapp 30 Jahre nach dem Mauerfall finanziell zusammengewachsen? Wir haben in Zusammenarbeit mit YouGov über 2.000 Menschen dazu befragt. 

Ostdeutsche können häufiger überhaupt nichts sparen (23 %) als Westdeutsche (20 %). Zwar können 26 % der Ostdeutschen bis zu 100 Euro monatlich zurücklegen (im Westen 22 %), allerdings sind die Westdeutschen häufiger in den höheren Sparintervallen vertreten: Jeder zehnte (10 %) kann mehr als 500 Euro sparen (im Osten sind es nur 5 %).

Finanzielle Abhängigkeit von Ersatzleistungen

Die große Mehrheit der der Deutschen kann sich selbst versorgen (60 %). Finanziell abhängig sind 20 % der Ostdeutschen und 17 % der Westdeutschen, die sich aber nach eigenen Angaben auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit befinden. Im Osten sind aber doppelt so viele Menschen (8 %) finanziell abhängig von Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld, Hartz IV oder Wohngeld (im Westen 4 %).

Nur jeder dritte Ostdeutsche sorgt privat vor

Die Zahlen zur finanziellen Abhängigkeit und des Sparverhaltens lassen es bereits vermuten: Die Ungleichheit von Ost und West manifestiert sich auch beim Thema Vorsorge. Nur jeder Dritte Ostdeutsche sorgt privat für die Rente vor (33 %), in Westdeutschland ist der Anteil wesentlich höher (41 %). Ein möglicher Grund? – Jeder zweite ostdeutsche Befragte gibt an (50 %), nicht genug Geld zu haben, um privat vorzusorgen. Im Westen sind es nur 44 %.

Die Angst vor der Armut

Das niedrigere Sparverhalten und die schlechtere private Vorsorge führen bei Ostdeutschen zu düsteren Ausblicken für das Rentenalter: 22 % der Ostdeutschen halten es für „sehr wahrscheinlich“, im Alter von Armut betroffen zu sein, im Westen sind es nur 17 %. Weitere 27 % in Ost und West sagen, es sei „eher wahrscheinlich“. Im Osten fürchtet sich jeder zweite vor Altersarmut (49%), im Westen sind es 44 %.

Riester und bAV überwiegend westliche Themen

In Westdeutschland können sich 38 % eine zusätzliche Riester-Rente leisten. In Ostdeutschland sind es nur 31 %. Bei der Betrieblichen Altersvorsorge (bAV) klafft der Unterschied noch deutlicher: 38 % der Westdeutschen und nur 29 % der Ostdeutschen besitzen diese Art der Vorsorge.

Wer mehr Geld zur Verfügung hat, kann auch mehr investieren: 29 % der Westdeutschen halten Wertpapiere in Form von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds. In Ostdeutschland sind es nur 26 %. Eine Investition in eine selbst bewohnte Immobilie ist für jeden vierten Westdeutschen erschwinglich (24 %), doch nur für jeden 5 Ostdeutschen (19 %).

Ostdeutsche vorsichtiger bei Auswahl der Geldanlage

Menschen in Ostdeutschland wollen häufiger (53 % vs. 49 %) auf ihr Geld zugreifen können als die Westdeutschen und achten stärker auf kosteneffiziente Geldanlagen (30 % vs. 26 %). Die Ostdeutschen wünschen sich außerdem mehr Transparenz bei Hürden im Vertrag, wie z.B. bei Mindestlaufzeiten und Kündigungsfristen (47 %), die Westdeutschen sind da etwas unbekümmerter (43%). Im Osten reagiert man wesentlich sensibler auf mangelnde Transparenz bei zeitlich begrenzten Lockangeboten (33 % vs. 28 %). Wenn ihnen das Finanzprodukt nicht gefällt, nutzen 31 % der Ostdeutschen ihr Widerrufsrecht, im Westen sind es nur 26 %.

Die Ostdeutschen informieren sich vor dem Produktabschluss außerdem öfter über Folgekosten (52 %) als die Westdeutschen (46 %), sie können das Risiko etwas besser einschätzen (23 % vs. 21 %) und kennen die Laufzeiten und Kündigungsfristen besser (43 % vs. 39 %).

Unter Privatanlegern gibt es keine großen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

Fehlende Vorbilder für Finanzbildung

Bei der Selbsteinschätzung zum Finanzwissen gibt es keine Mauer in den Köpfen. Ost und West schätzen sich ähnlich schlecht (13 % West, 12 % Ost) oder mittelmäßig (47 % West, 45 % Ost) ein. Das liegt auch an fehlenden Vorbildern: Auf die Frage nach dem eigenen Vorbild für Finanzthemen antworten die Ostdeutschen am häufigsten mit „niemand“ (38 %), im Westen haben 33 % kein Vorbild für Finanzen. Mütter und Väter werden zu gleichen Anteilen (je 14 %) als Vorbild in Ost und West genannt.

 

Über die Studie

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH im Auftrag von WeltSparen, der Raisin DS GmbH, an der 2.045 Personen zwischen dem 15.07.2019 und 17.07.2019 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

 

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