1920 versus 2020:
Boom, C(r)ash & Glamour

– die zwei Seiten der 20er Jahre

Die „Roaring Twenties“ oder die „Goldenen Zwanziger Jahre” – die einstige Melange von Rausch und Genuss, von Aufbruch und Umbruch ist auch 100 Jahre später nicht verklungen. Denn die 1920er Jahren gegenüber den neuen 2020er Jahren zeigen zunächst mehr Gemeinsamkeiten als gedacht – schon direkt am Anfang sind beide Jahrzehnte auf eine schwere Bewährungsprobe gestellt. Gehen vergangene wirtschaftliche Konflikte, gesellschaftliche Hoffnungen und Tugendenden nun in eine neue Runde? Und welchen Ursprung hat überhaupt die Sparsamkeit der Deutschen? Ob Hyperinflations- oder Corona-Krise, wir decken auf, welche Parallelen und Unterschiede zur Gegenwart auszumachen sind.

Die frühen 1920er Jahre:
Sparen zum Wiederaufbau Deutschlands

1918 – der Erste Weltkrieg ist zu Ende, Deutschland ist geprägt durch Armut und einem in Ruinen versinkenden Chaos. Die im Nachgang zum Krieg entstandene Hyperinflation erschütterte zudem das Vertrauen der Bevölkerung in die Währung, eine Weltwirtschaftskrise bahnte sich an. In Folge wurde die Bevölkerung auf die Bedeutung des Geldanlegens aufmerksam gemacht und durch die Regierung zum Sparen motiviert. Aber warum? Sparen sollte als volkswirtschaftliche Aufgabe gesehen werden, um eine schnelle Regeneration der deutschen Nation zu ermöglichen – so wurde der Akt des Sparens als politische Angelegenheit verstanden. In diesem Zusammenhang beschloss der Erste Internationale Sparkassenkongress 1924 in Mailand, den deutschen Weltspartag ins Leben zu rufen. Das erste Motto des seither jährlich zelebrierten Tages lautete „Sparen ist Deine Mitarbeit am Wiederaufbau Deutschlands!“ und gab sowohl der Bevölkerung als auch der Politik einen Anstoß, um das Bewusstsein für die Bedeutung der Sparsamkeit aktueller und folgender Generationen zu schärfen. Am letzten Tag des Kongresses gründeten die Delegierten aus 29 Ländern das Internationale Institut des Sparwesens, das heutige Weltinstitut der Sparkassen.

Der Blick in die Geschichte und Gegenwart zeigt, dass Sparen schon seit jeher als Möglichkeit angesehen wird, um für schwierige Zeiten gewappnet zu sein.

2019 – 95 Jahre später wird die politische Dimension des Sparens immer noch deutlich gemacht. Die Art und Weise wie und wofür wir sparen hat sich zwar geändert, das Ziel ist abermals das gleiche geblieben und ist heute genauso wichtig wie damals: Durch regelmäßiges Sparen langfristig ein Vermögen aufbauen. Aufgrund der Niedrigzinsphase wird es für die Menschen jedoch immer schwerer, nachhaltige Rentabilität zu sichern. Nichtsdestotrotz gibt es mittlerweile Anlageformen, die sich lohnen: Tagesgeld und Festgeld können alle als sichere Vermögensanlage gesehen werden. So bietet WeltSparen beispielsweise dafür zinsstarke und grenzüberschreitende Anlagemöglichkeiten. Die Angebote der Zinsplattform sind sogar so stark, dass die erste Sparkasse gemeinsam mit WeltSparen gegen die Negativzinsen vorgeht, indem sie ihren Kunden Sparanlagen von WeltSparen anbietet.

Der Blick in die Geschichte und Gegenwart zeigt, dass Sparen schon seit jeher als Möglichkeit angesehen wird, um für schwierige Zeiten gewappnet zu sein. Dies galt sowohl für die Achterbahnfahrt der von wirtschaftlichen Spannungen traumatisierten Weimarer Republik als auch für die Weltfinanzkrise 2008, in deren Rahmen die Sparquote von 10,5 % relativ hoch blieb. Im Vergleich dazu: 2019 lag die Sparquote lediglich 0,4 Prozentpunkte höher als in der Finanzkrise. Inzwischen gehört Sparen zur Tradition der Deutschen und wird, oft schon ab der frühen Kindheit, als fester Bestandteil des Lebens angesehen.

Deutsche Rentenversicherung unter Druck

Der Rentenbestand der Deutschen Rentenversicherung verdreifachte sich in den Jahren von 1913 bis 1925.Der Rentenbestand der Deutschen Rentenversicherung verdreifachte sich in den Jahren von 1913 bis 1925.Der Rentenbestand der Deutschen Rentenversicherung verdreifachte sich in den Jahren von 1913 bis 1925.

Die Einführung der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahre 1889 markiert einen bedeutenden Schritt der sozialen Sicherung in Deutschland. Mit Inkrafttreten des »Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes« waren alle gegen Gehalt beschäftigten Personen ab dem vollendeten 16. Lebensjahr pflichtversichert. Kurz nach Eintritt des Ersten Weltkrieges wurde das junge System der Sozial- und Rentenversicherung bereits auf die Probe gestellt. Die ersten Kriegsmonate waren von rasanten Entlassungswellen und steigender Arbeitslosigkeit geprägt – für die Versicherungsträger bedeutete dies zunächst schwindende Beiträge. Überdies belastete die wachsende Zahl der Gefallenen die Rentenkassen erheblich. Der Rentenbestand der Deutschen Rentenversicherung, sprich die Anzahl der ausgegebenen Renten im betrachteten Jahr, stieg in den ersten Kriegsjahren sprunghaft an und verdreifachte sich in den Jahren von 1913 bis 1925.

Sturz ins Bodenlose: Hyperinflation vernichtet Ersparnisse der Bevölkerung

Bestand der Spareinlagen und Sparkonten 1913 im Vergleich zu 1924-1931Bestand der Spareinlagen und Sparkonten 1913 im Vergleich zu 1924-1931Bestand der Spareinlagen und Sparkonten 1913 im Vergleich zu 1924-1931

Innerhalb weniger Jahre vernichtete die Inflation über 90 % des gesamten Vermögens der Deutschen Rentenversicherung

Die instabile Wirtschaft wirkte sich neben der Deutschen Rentenversicherung auch negativ auf die die Spar- und Altersvorsorgepläne aus. Zum Ende des Ersten Weltkriegs betrug die Staatsverschuldung 153 Milliarden Mark, die planmäßig durch verzinste Kriegsanleihen teilweise abgebaut werden sollte. Dieses Vorhaben war jedoch erfolglos, denn die Anleihen waren durch die kriegsbedingte Hyperinflation quasi wertlos, obwohl die Beschwichtigungen des Deutschen Sparkassenverbandes ein ganz anderes Bild an den Tag beförderten: ,,Sparer! Seid beruhigt wegen Eurer Sparguthaben, Bankguthaben und Kriegsanleihen“. Die obige Grafik der Sparkasse Hannover verbildlicht allerdings die prekäre Lage: 82,4 Millionen Reichsmark in Spareinlagen aus insgesamt 116.300 Sparkonten im Jahr 1913 wurden auf mickrige 8,8 Millionen Reichsmark und 19.400 Sparkonten im Jahr 1924 reduziert.¹² Besonders stark davon betroffen war die Altersvorsorge. Innerhalb weniger Jahre vernichtete die Inflation über 90 % des gesamten Vermögens der Deutschen Rentenversicherung, an dessen Ende ein geschätzter Verlust von 4 Milliarden Mark entstand. Kurz nach dem Höhepunkt der Hyperinflation im Dezember 1923 zahlte die Rentenversicherung ihren bisher höchsten Wochenbeitrag aus: 1,16 Milliarden Mark. Der Wert dieser immensen Summe? Tatsächlich lediglich ein paar Pfennige. 

Leichte Erholung bis zur nächsten Krise

Die kriegsbedingte Inflation machte die Rückkehr zu einer stabilen Währung unumgänglich. 1923 folgte so die erste Währungsreform und die Rentenmark wurde eingeführt. Sie diente in erster Linie als Übergangslösung und wurde bereits 1924 mit der Auflage des Dawes-Plans zur Neuregelung der deutschen Reparationszahlungen von der Reichsmark abgelöst, die die deutsche Währungsstabilität gewährleisten sollte. Da sich das Wirtschaftsleben und die innenpolitische Situation nach der Einführung der Rentenmark unerwartet schnell regenerierte, spricht man auch vom „Wunder der Rentenmark“.

Obwohl große Teile des Kapitalvermögens der Rentenversicherungsträger und damit die Deckung der Renten von Millionen Versicherten durch die Inflation vernichtet wurden, erholte sich die Rentenversicherung dennoch relativ schnell. Bereits nach einem Jahr erreichte die Arbeiterrentenversicherung, damals ein Zweig der gesetzlichen Deutschen Rentenversicherung, einen Überschuss von 300 bis 400 Millionen Reichsmark. Es folgten mehrere Jahre wirtschaftlicher Stabilität und einer Inflationsrate nahe Null, die in der Folge unter anderem die Reallöhne erhöhte.

Lange hielt diese Aufbruchstimmung allerdings nicht. Der berüchtigte „Schwarze Donnerstag“ vom 24. Oktober 1929, der massive Verluste an der New Yorker Börse einfuhr, riss die Wirtschaft wieder in die Tiefe und leitete die bisher weitreichendste globale Weltwirtschaftskrise ein. Die sogenannte „Große Depression” führte auch den Zusammenbruch der stabilen Rentenmark herbei.

Die Deutsche Rentenversicherung hingegen scheint heute soweit gut aufgestellt […] [und] stellt für über 90 % der aktiven Bevölkerung eine Absicherung für das Alter zur Verfügung

Die Deutsche Rentenversicherung hingegen scheint heute soweit gut aufgestellt – erst letztes Jahr feierte sie ihr 150-jähriges Bestehen, mit einem Rekord von 40,5 Milliarden Euro in Rentenrücklagen, die die Rentenansprüche von über 50 Millionen Versicherten und mehr als 20 Millionen Personen im Ruhestand decken.

Die Deutsche Rentenversicherung ist somit nun die elementarste Säule der Alterssicherung in Deutschland und stellt für über 90 % der aktiven Bevölkerung eine Absicherung für das Alter zur Verfügung, vom Invaliditätsfall bis hin zum Tod eines Ehegatten, eines Elternteils oder eines Lebenspartners. In den vergangenen Jahren war die Finanzlage der gesetzlichen Rentenversicherung in der Tat relativ entspannt aufgrund grundlegender Reformen, einer Pause im demografischen Wandel und der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt. Heute setzt aber die demografische Entwicklung die Rentenfinanzen stark unter Druck, weil immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen müssen. Das Modell des Solidaritätsprinzips mit dem Generationenvertrag – bei dem die jungen Arbeitnehmer die Rente der Älteren finanzieren – gerät somit in ein Ungleichgewicht. Dieser Wandel zwingt heute viele Beschäftigte zusätzlich mit privaten Rentenversicherungen, wie einer Riester- oder Rürup-Rente, vorzusorgen und auch immer höhere Rentenbeiträge und Steuern zu leisten. Zudem steigt die Lebenserwartung weiter und das Renteneintrittsalter wird Schritt für Schritt heraufgesetzt. Um die demografischen Lasten wieder ins Lot zu bringen, strebt die Bundesregierung eine Rentenreform für die längere Frist an.

Ökonomische Vollbremsung Anfang 2020

Heute sind die stetigen Irritationen und Schwankungen der 1920er Jahre eine ferne Erinnerung. Oder? Trotz kleiner Störungen in den letzten Jahren, war die deutsche Wirtschaftsleistung unverändert in guter Verfassung – dies könnte sich jetzt allerdings durch die aktuell wütende Coronavirus-Epidemie schnell ändern, denn ihre Auswirkungen betreffen das gesamte öffentliche Leben. Fast alle EU-Staaten ergreifen ähnliche Maßnahmen und fahren das öffentliche Leben, so weit es geht, herunter. Um den ökonomischen, sozialen und kulturellen Schaden zu begrenzen, werden zudem milliardenschwere Hilfsprogramme und steuerpolitische Maßnahmen auf den Weg geleitet. Integraler Bestandteil der Weltwirtschaft, und damit auch in Deutschland und Europa, ist der Bankensektor. Obwohl die Branche durch Instrumente wie dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) heute auf einem wesentlich stärkeren Fundament steht, müssen gemäß Experten dennoch weitere Schritte ergriffen werden, um die Finanzwirtschaft zu stabilisieren.

Anfang 2020 ging die deutsche Bundesregierung noch von einer Zunahme des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 1,1 % aus. Im Frühjahr senkten Forscher jedoch die Konjunkturprognosen für das laufende Jahr: Die Warnungen vor einem signifikanten Einbruch der deutschen Wirtschaft als Folge des weltweiten Coronavirus-Ausbruchs häufen sich. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) stellt sich daher für die größte Volkswirtschaft Europas auf einen „harten Konjunktureinbruch“ ein.

Der Ursprung unseres Lebensgefühls

Obwohl das Deutsche Reich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs finanziell am Rande des Ruins stand, wurden in den 1920er Jahren Grundlagen für viele gegenwärtige Systeme gelegt. Neben dem Weltspartag, dem Weltinstitut der Sparkassen und der Deutschen Rentenversicherung erfuhr das deutsche Steuer- und Finanzwesen einen tiefgreifenden Umbau. Matthias Erzberger, Finanzminister der Weimarer Republik, war getrieben von der Idee der Errichtung eines Sozialstaates und sah sich der Herausforderung gegenüber, eine handlungsfähige, moderne Finanzverwaltung zu etablieren und ein Steuersystem zu schaffen, das die Inflation und die ausufernden Schulden der Kriegszeit eindämmt. Die 1921 eingeführte Erzbergersche Reichsfinanzreform setzte damit das Fundament der neuen Demokratie und einer effizienten Verwaltung.

Die neue Erzbergersche Reichsverwaltung wurde allerdings nach nur wenigen Jahren erheblich unter Druck gesetzt, als die staatliche Arbeitslosenversicherung 1927 in einer konjunkturellen Hochphase der Weimarer Republik eingeführt wurde: Die sozialen Konsequenzen des Krieges und die Expansion des Wohlfahrtsstaats, insbesondere die Einführung der Arbeitslosenversicherung als vierte Säule der Sozialversicherung (in Kraft seit 1928), belasteten die öffentlichen Haushalte stark.

Die Eigenmittel der Reichsanstalt waren für maximal 1,4 Millionen Erwerbslose kalkuliert. Nach dem Börsenkrach des Schwarzen Donnerstags 1929 kletterte die Arbeitslosenquote weiter bis sie 1930 aufgrund der Weltwirtschaftskrise die Fünf-Millionen-Grenze überschritt. Die dramatischen finanziellen Engpässe brachten die Reform der gesetzlichen Arbeitsversicherung schließlich zum Scheitern.

Staatliche Systeme unter Druck

Arbeitslosenquote in %, 1922-1932Arbeitslosenquote in %, 1922-1932Arbeitslosenquote in %, 1922-1932

Im Vergleich zu damals sind die Arbeitslosenzahlen in den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts verschwindend gering. Heute liegt die Arbeitslosenquote bei 5,2 % – relativ tief verglichen mit den Arbeitslosenquoten in den 1920er Jahren, die 1924 mit 13,5 % ihren Höhepunkt erreichten. Doch der demografische Wandel setzt die staatlichen Systeme vor neue Herausforderungen.

 

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Bei einer alternden Bevölkerung ist das Sparen für das spätere Leben wichtiger denn je. Hatte die Anzahl der über 65-Jährigen 1925 nur 6 % der Bevölkerung ausgemacht, so stieg sie bis 2018 auf rund 18 % an. Das Statistische Bundesamt rechnet damit, dass bis 2035 „47 Senioren auf 100 Erwerbsfähige kommen werden“. Oder anders ausgedrückt: Jeder dritte Mensch wird bis dahin pensioniert sein. Das Ergebnis? Die Menschen brauchen ein breiteres Netz an Spar- und Rentenlösungen, um ihre Rentenlücken schließen zu können.

Endlich höherer Lebensstandard
in den 1920er Jahren

Trotz Krisen waren die goldenen Zwanziger Jahre auch eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs: Steigende reale Wochenlöhne in Verbindung mit einem höheren verfügbaren Einkommen führten zu einem verbesserten Lebensstandard und einem neuen Lebensgefühl.

 

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Das durchschnittliche Nettoeinkommen betrug 1925 monatlich 129 RM/DM – das entspricht etwa 490 EUR – im Vergleich zu 2.071 EUR heute. Während Haushalte in den 1870er Jahren noch bis zu 60-70 % ihres Einkommens allein für Lebensmittel ausgegeben hatten, sank dieser Wert bis Mitte der 1920er Jahre auf weniger als 40 %. So begann die Bevölkerung stattdessen ihre Ausgaben für Verkehrsmittel (4 % in den Jahren 1927/8), Bildung und Freizeitaktivitäten zu erhöhen. Heutzutage machen Lebensmittel nur noch 13,8 % der Ausgaben einer Durchschnittsperson aus – der gleiche Prozentsatz wird für Verkehrsmittel ausgegeben.

Eines haben die beiden Jahrzehnte aber sicher gemeinsam: die erhöhte Fähigkeit – und Begeisterung – fürs Sparen:

Gesamte Einlagen deutscher Banken
(Sicht-, Termin und Spareinlagen), Mrd. EUR³

1913 1925 1929 2020
19,62 Mrd. EUR 8,04 Mrd. EUR
(aufgrund der Nachwirkungen
der Hyperinflation)
18,42 Mrd. EUR 6 458 Mrd. EUR

Damals wie heute: Der Sparwille der Deutschen ist ungebrochen

Und bisher scheint sich der Trend fortzusetzen. Ein Artikel aus dem Jahr 2017 in der Londoner Wochenzeitung The Economist verkündete, dass die Neigung der Deutschen, zu sparen statt Geld auszugeben, sogar als „The German Problem“ – „Das Deutsche Problem” – bezeichnet werden könnte: Deutschland spart zu viel und investiert zu wenig – und könnte so für den Rest der Welt tatsächlich eine zusätzliche Belastung werden. Dennoch geht das intensive Sparen weiter. Im dritten Quartal 2019 ist das Geldvermögen privater Haushalte in Deutschland um 67 Milliarden Euro gestiegen und erreicht 2020 einen neuen Rekordwert: Rund 6 458 Milliarden Euro haben die Bundesbürger mittlerweile angespart – die höchste private Sparquote seit 1992 – und mehr als ein Drittel dieses Geldvermögens hinterlegen die privaten Haushalte in Bargeld und Sichteinlagen.

Übrigens: Würde man das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland in 50-Euro-Scheinen stapeln, käme die Höhe des Turms etwa dem Durchmesser der Erde gleich.

Deutsche verlassen sich also oft noch auf klassische Anlageformen, wie das Sparbuch. Nichtsdestotrotz zeichnen die Spareinlagen der deutschen Banken kein vollständiges Bild. Die vielleicht größte Veränderung für Sparer im 21. Jahrhundert ist die Fülle an diversen Sparmöglichkeiten und neuen Anlageformen. Auch Fintechs, die ihren Kunden digitale Zugangswege und Lösungen zur Geldanlage bieten und den Druck auf etablierte Banken erhöhen, beeinflussen den Finanzsektor erheblich – denn Unternehmen wie WeltSparen ermöglichen grenzüberschreitendes Sparen mit attraktiverer Verzinsung heute im Ausland, ohne Barrieren und Unterschiede.

Rückblickend auf das Jahrzehnt des stürmischen wirtschaftlichen Wandels, scheint es fast so, als ob die „Roaring Twenties” des 20 Jahrhunderts – ganz abgesehen von Glanz und Glamour – vor allem im Namen der Regenerierung der Wirtschaft und des disziplinierten Sparens standen. Die Tugend des unermüdlichen Sparens. Diese generationenalte Leidenschaft, Geld zu sparen, wird sich mit Blick auf die 2020er Jahre wohl kaum ändern. Ob nun Roaring Twenties, Goldene oder Crazy Zwanziger, so können wir uns sicher sein, dass zumindest der Spargedanke auch weiterhin tief im Charakter der Deutschen verwurzelt bleibt.

Quellen

¹ Die Rentenmark war von 1923 bis 1948 eine grundschuldgestützte Übergangswährung in Deutschland. 1924 wurde zusätzlich zur Rentenmark die Reichsmark eingeführt, die ausgegebenen Rentenmark-Nominale blieben allerdings im Umlauf. Beide Währungen standen im Verhältnis 1:1. Vor der Währungsreform galt die Mark.

² In dieser Instanz wurde die Summe der Spareinlagen auf Rentenmark/Reichsmark (RM) umgerechnet.

³ Löffler, B. (2016). Thomas Rahlf (Hrsg.), Deutschland in Daten. Zeitreihen zur Historischen Statistik. Bonn, Bundeszentrale für politische Bildung 2015. Historische Zeitschrift, 303(3). doi: 10.1515/hzhz-2016-0534

https://www.econstor.eu/bitstream/10419/124185/1/4938_zb_dtindaten_150714_online.pdf

https://www.bundesbank.de/de/presse/pressenotizen/-geldvermoegensbildung-und-aussenfinanzierung-in-deutschland-im-vierten-quartal-2019-831148