Bausparen mit Riester – Wann lohnt sich das?

Sie kennen die Situation: Sie sitzen beim Bankberater und vor Ihnen steht ein Glas mit sprudelndem Wasser oder eine Tasse duftender Kaffee. Der Berater füllt einen Finanz- und Zukunftsplan mit Ihnen aus und prüft, wie Sie sich die Zukunft vorstellen. „Haben Sie vor, in ein paar Jahren eine Immobilie zu finanzieren oder zu bauen?“ – „Ja, das kann ich mir vorstellen.“ Der Berater wird Ihnen nun sehr wahrscheinlich einen Riester-Bausparvertrag anbieten. Und der wird sich dank staatlicher Zulagen, Guthabenzinsen sowie attraktiven Kreditzinsen recht positiv anhören. Sie hören sich die Vorteile an und entscheiden: „Ja, das machen wir mal, hört sich sauber an.“ Doch Vorsicht: Es lohnt sich nur, wenn Sie auch wirklich eine Immobilie bauen oder kaufen und finanzieren möchten. Warum das so ist, erfahren Sie hier.

270.000+
zufriedene Kunden

Unzufrieden mit Ihrem Riester-Vertrag?

Prüfen Sie jetzt Ihren Wechsel & die Konditionen bei fairr.

Was ist ein Bausparvertrag?

Zu Bausparverträgen und Bausparkassen sind mit Stand 2018 ein paar imposante Zahlen bekannt. So existieren in Deutschland 20 Bausparkassen, davon zwölf private und acht öffentlich-rechtliche. Diese 20 Kassen verwalten eine Gesamtzahl von 26,94 Millionen Bausparverträgen. Und in diesen 26,94 Millionen Verträgen ist ein Gesamtvolumen von 894,9 Milliarden Euro deponiert. Das entspricht einem durchschnittlichen Volumen von rund 33.218 Euro pro Bausparvertrag. Aber was ist das überhaupt?

Ein Bausparvertrag ist eine Kombination aus einem Sparplan für die Anzahlphase und einem Immobilienkredit. Nehmen wir an, dass Sie sich heute entscheiden, in ein paar Jahren den Bau oder Kauf einer Immobilie zu finanzieren. Oder dass Sie eine schon vorhandene Immobilie später umbauen oder modernisieren möchten.

Hier tun sich Probleme auf:

  1. Sie brauchen nachher ein Darlehen. Wie teuer das ist, bestimmt vornehmlich der Leitzins der europäischen Zentralbank. Dieser Leitzins hat zwar momentan eine Nullphase und deshalb sind Kredite so preiswert wie nie, aber er kann auch wieder steigen. Das ist ein Risiko, denn je höher die Kreditzinsen, desto teurer der Kredit. Bei der entsprechenden Summe können sich schon kleine prozentuale Unterschiede enorm auswirken.
  2. Um ein Darlehen zu bekommen, brauchen Sie zudem Eigenkapital. Falls Sie dieses heute noch nicht haben, müssen Sie es zunächst ansparen. Und es muss ausreichend sein, um den Kredit nachher auch wirklich zu bekommen. Ist das Kapital nicht ausreichend, berechnen Banken üblicherweise höhere Zinsen oder lehnen Ihren Kreditwunsch einfach ab.

Mit einem Bausparvertrag haben Sie beides wunderbar unter Kontrolle:

Funktionsweise eines Bausparvertrags

Zusammen mit der Bausparkasse vereinbaren Sie eine Bausparsumme. Diese könnte beispielsweise 40.000 Euro umfassen und fließt nachher in Ihre Immobilie. Der Bausparvertrag startet mit der Ansparphase. Dort zahlen Sie monatlich eine Summe von beispielsweise 200 Euro ein und erhalten Guthabenzinsen von beispielsweise 0,2 %.

Nach etwa acht Jahren kommen Sie auf eine Summe von rund 19.355 Euro. Also auf rund 50 % der Bausparsumme. Das bedeutet, je nach konkreten Konditionen der Bausparkasse, dass der Bausparvertrag nun „zuteilungsreif“ wird. Sie dürfen also den Kredit in Anspruch nehmen – und zwar über etwas mehr als 20.000 Euro, den Rest bis zur Bausparsumme. Der Kredit kostet beispielsweise 1,5 % Zinsen, weil Sie das vorher so vereinbart haben. Und an diesem Zins ändert sich nichts, auch wenn der marktübliche Durchschnittszins inzwischen beispielsweise 2,1 % umfasst.

Diesen Kredit zahlen Sie dann normal ab und so haben Sie die ersten 40.000 Euro Ihrer Immobilie schon einmal voll unter Kontrolle. Um auch den Rest zu finanzieren, brauchen Sie ein weiteres Darlehen, hier müssen Sie die marktüblichen Zinsen in Kauf nehmen.

So bietet der Bausparvertrag zwei zentrale Vorteile:

Sie zahlen monatlich ein und sparen sich so einschließlich der Guthabenzinsen das für den Kredit erforderliche Eigenkapital zusammen.
Sie sichern sich preiswerte Kreditzinsen für danach, auch wenn der Marktdurchschnitt der Zinsen dann höher sein sollte.
Haben Sie seitens der Bausparkasse die Zuteilungsreife erreicht, dann können Sie sich das Geld alternativ auch einfach auszahlen lassen oder weitersparen. Sie müssen dann nicht sofort einen Kredit aufnehmen, sofern Sie die passende Immobilie beispielsweise noch nicht haben.

Und das alles verbinden wir nun mit der Riester-Rente:

Wie funktioniert der Riester-Bausparvertrag?

Tatsächlich ändert sich am Prinzip und der Funktionsweise des Bausparvertrags durch die Kombination nichts. Nur die Riester-Rente funktioniert etwas anders als normalerweise, nämlich nach dem Prinzip von Wohn-Riester. Details zu dem Thema lesen Sie im verlinkten Artikel – hier setzen wir uns nur mit der Funktionsweise noch einmal auseinander.

Grundsätzlich ist es beim Wohn-Riester so, dass Sie keine Rente erhalten, sondern das Geld dafür verwenden, um eine Immobilie zu finanzieren und im Alter mietfrei wohnen zu können. Dieses mietfreie Wohnen ist quasi Ihre Rente.

Hintenherum führt man ein Wohnförderkonto für Sie, auf dem Ihre Investitionen und die erhaltenen Zulagen vermerkt sind. Dieses Wohnförderkonto müssen Sie später dann versteuern. Machen Sie das in einem Rutsch, dann sparen Sie 30 % – ansonsten zahlen Sie die Steuern nach und nach ab, bis Sie 85 Jahre alt sind. Das ist für Wohn-Riester so im Gesetz verankert.

Das Wohnförderkonto richtet der Anbieter bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) für Sie ein. Natürlich fließen Ihre Investitionen und die Zulagen direkt auf das Bausparkonto. Auf dem Wohnförderkonto werden beide Positionen nur vermerkt, um nachher zu wissen, wie viel Sie versteuern müssen. Denn: Beim Wohn-Riester können Sie bis zu 2.100 Euro im Jahr einschließlich der Zulagen von der Steuer absetzen.

Beachten Sie, dass es sich bei all diesen Details ausschließlich um die 40.000 Euro der Bausparsumme aus dem Beispiel weiter oben handelt. Nehmen Sie neben dem Riester-Bausparen einen weiteren Kredit auf, dann funktioniert dieser nach gewöhnlichen Kreditkonditionen.

Warum lohnt sich Riester-Bausparen nur, wenn man wirklich eine Immobilie finanzieren möchte?

So positiv der Riester-Bausparvertrag sich anhört, wenn der Berater von ihm erzählt: Wenn Sie keine Immobilie finanzieren möchten, sind andere Sparmaßnahmen meist deutlich sinnvoller.

Das hat mehrere Gründe: In erster Linie sind es aber die überschaubaren Guthabenzinsen. In der Zeit, wo Sie beim Bausparen vielleicht 0,2 % erhalten – wenn überhaupt – können Sie beispielsweise mit einem Riester-Fondssparplan deutlich mehr Rendite erzielen. Die durchschnittlichen Zinsen für Riester-Bausparverträge umfassen nur 0,1 bis 0,2 %. Beim Fondssparplan kann man langfristig – also nach 8 Jahren oder länger – von einer durchschnittlichen Rendite von 5 % p.a. rechnen. So ist es auch beim fairriester, dem innovativen ETF-Riester-Fondssparplan von Fairr.

Der Zinsunterschied zwischen beiden Riester-Formen ist selbst in nur acht Jahren aus dem Beispiel enorm:

Jahre Riester-Bausparvertrag mit 0,2 % Zinsen* Riester-Fondssparplan mit 5 % Zinsen*
1. Jahr 2.577,79 Euro 2.644,18 Euro
2. Jahr 5.160,73 Euro 5.420,57 Euro
3. Jahr 7.748,84 Euro 8.335,77 Euro
4. Jahr 10.342,13 Euro 11.396,74 Euro
5. Jahr 12.940,60 Euro 14.610,76 Euro
6. Jahr 15.544,27 Euro 17.985,47 Euro
7. Jahr 18.153,15 Euro 21.528,93 Euro
8. Jahr 20.767,24 Euro 25.249,55 Euro
Investitionen einschließlich der Zuschüsse 20.599,68 Euro 20.599,68 Euro
Rendite 167,24 Euro 4.649,87 Euro

*Beim Riester-Bausparvertrag und Riester-Fondssparplan werden zusätzlich zu den 200 Euro im Monat noch 175 Euro im Jahr als Zuschuss verrechnet, die man als Bausparer mit Riester-Förderung erhält. Die monatliche Sparrate, die sich daraus ergibt, beträgt etwa 214,58 Euro. Die Gebühren wurden bei beiden Produkten nicht mit einberechnet (siehe nächste Tabelle).

Ein weiterer Punkt, weshalb sich der Riester-Bausparvertrag ohne Aussicht auf eine Immobilie nicht lohnt, sind die Gebühren. Normalerweise rufen Riester-Bausparverträge Abschlusskosten in Höhe von 1 bis 1,6 % der Bausparsumme auf. Im Rahmen des Beispiels von 40.000 Euro wären das also mindestens 400 Euro. Dazu kommen Kontoführungsgebühren von durchschnittlich 24 Euro im Jahr. Bei einer so verschwindend kleinen Rendite sind die Gebühren oft höher als das, was man herausbekommt. Man könnte also fast schreiben, dass man effektiv keine Guthabenzinsen bekommt und draufzahlt.

Riester-Fondssparpläne rufen zwar auch Gebühren hervor, doch die Rendite ist dort sehr viel höher als das, was Sie bezahlen müssen. Bleiben wir beim fairriester, dann können Sie mit Gebühren von durchschnittlich 0,9 % im Jahr rechnen. Abschlusskosten entstehen keine.

Sehen wir uns die Tabelle von vorhin noch einmal mit Gebühren an:

Jahre Riester-Bausparvertrag mit 0,2 % Zinsen* Riester-Fondssparplan mit 5 % Zinsen*
1. Jahr 2.152,98 Euro 2.631,28 Euro
2. Jahr 4.711,03 Euro 5.369,46 Euro
3. Jahr 7.274,21 Euro 8.218,89 Euro
4. Jahr 9.842,50 Euro 11.184,08 Euro
5. Jahr 12.415,94 Euro 14.269,73 Euro
6. Jahr 14.994,52 Euro 17.480,75 Euro
7. Jahr 17.578,25 Euro 20.822,21 Euro
8. Jahr 20.167,16 Euro 24.299,44 Euro
Investitionen einschließlich der Zuschüsse 20.599,68 Euro 20.599,68 Euro
Rendite -432,52 Euro 3.699,76 Euro

*Beim Riester-Bausparvertrag fallen 400 Euro Abschlusskosten (mit den Investitionen verrechnet) und 24 Euro pro Jahr an – dadurch kommt eine Minusrendite zustande. Beim Riester-Fondssparplan fallen 0,9 % Gebühren im Jahr und keine Abschlusskosten an und die Rendite ist deutlich höher.

Um die Minusrendite zu vermeiden, können Sie auch mehrere Jahre in einen Riester-Fondssparplan investieren und ihn dann in einen Wohn-Riester umwandeln. Das funktioniert, da man eine Riester-Rente ohne Verlust der Förderung auflösen darf, wenn man eine Immobilie finanzieren möchte. So kann der Fondssparplan die bessere Alternative zum Bausparvertrag sein – oder auch zum Banksparplan, bei dem die Rendite ebenso klein ist.

Risikohinweis: Zu beachten ist nur, dass Riester mit ETFs und Indexfonds bei einer Wohnriester-Entnahme auch Risiken offenbart. Falls die Kurse zum Zeitpunkt der Auszahlung schlecht stehen, kann es trotz der hohen Renditechancen auch hier zum Verlust gegenüber der Beitragsgarantie kommen. Das bedeutet, dass Sie unter Umständen weniger als Ihre Investitionen und Zulagen zurückerhalten können, da die gesetzliche Garantie erst zum Rentenbeginn zutrifft. Bei ETFs und Indexfonds sollten Sie also ausreichend Zeit investieren, um zwischenzeitliche Kursverluste kompensieren zu können. Diese Risiken haben Sie beim Bausparen nicht.

Das Wesentliche noch einmal in Kürze:

  • Der Riester-Bausparvertrag kombiniert die Vorteile eines Bausparvertrags mit den Vorteilen der Riester-Rente, wobei hier vom Wohn-Riester die Rede ist.
  • Die Zinsen von Bausparverträgen sind durch das Zinstief fast nicht mehr existent und dienen nicht mehr dazu, um das Kapital über die Jahre merklich aufzustocken. Meistens wird die Rendite durch die im Verhältnis hohen Gebühren zerstört.
  • Einen Riester-Fondssparplan wie beispielsweise der fairriester können Sie in einen Wohn-Riester umwandeln, wenn Sie das Geld im Rahmen einer Wohnriester-Entnahme für die Immobilienfinanzierung verwenden wollen.

Startseite > Altersvorsorge > Riester-Rente > Riester-Bausparvertrag